| Görnandt, Angelika: Die Königliche Hofbibliothek (Kommode) |
Als Friedrich der Große im Jahre 1740 die Regierung übernahm, hatte er mit seinem Architekten Georg Wenceslaus von Knobelsdorff bereits Pläne für die architektonische Umgestaltung seiner späteren Residenz Berlin ausgearbeitet. Von seinem Vater Friedrich Wilhelm I. hatte der junge König eine im Stadtbild schmucklose Soldatenstadt übernommen. Sein Hauptziel bei der Stadtplanung war es, die Straße Unter den Linden zu einer Prachtstraße auszubauen und dort ein neues geistiges und kulturelles Zentrum zu schaffen. Dabei sollten nicht nur öffentliche Gebäude, sondern auch Bürgerhäuser entstehen.
Das Stadtbild wurde in den ersten beiden Dekaden der Herrschaft Friedrichs vorwiegend von der Architektur Knobelsdorffs geprägt. Da der König jedoch ein äußerst eigenwilliger Bauherr war, der seine eigenen Vorstellungen auch gegen bereits gebilligte Pläne durchsetzte, führte dies dazu, daß einige Bauvorhaben in ihrem Ausmaß erheblich von den ursprünglichen Plänen abwichen.
In der zweiten Hälfte der Regierungszeit Friedrichs wurde die Baukunst durch die Architekten Georg Christian Unger und Karl von Gontard dominiert.<1> Die häufige Verwendung von Halbsäulen, Pilastern und der schweren Rustikaverkleidung bei den königlichen Immediatbauten<2> zeigt die Beschäftigung mit Werken Palladios, die auf Anregungen des Königs zurückgeht.
Der König beschäftigte sich zeitlebens mit Architektur, was anfangs wohl auf Knobelsdorffs Einfluß zurückging. Zudem entsprach es dem absolutistischen Selbstverständnis, daß der Herrscher sowohl als Bauherr als auch als Baumeister auftrat, der entscheidenen Einfluß auf Planung, Größe und Lage eines zu errichtenden Gebäudes nahm. Im Falle Friedrichs führte dies dazu, daß er sich während seiner Bautätigkeit einige Male mit seinen leitenden Architekten überwarf, so auch mit Knobelsdorff, da Friedrich teilweise darauf bestand, selbst entworfene Skizzen in die Pläne miteinzuarbeiten.<3> Seine Entwürfe entlehnte er der Beschäftigung mit Architekturtraktaten und Stichwerken.<4> Auch soll er einfach eingegangene Zeichnungen kopiert haben, ohne vermerkt zu haben, wer der Verfasser war.<5>
Zu den Eigenheiten des Königs gehörte es, einmal erprobte architektonische Lösungen beizubehalten.<6> Erwähnt seien hier die Oper oder das Palais des Prinzen Heinrich an der Straße Unter den Linden, die mit ihren Säulenstellungen palladianische Motive aufweisen.
Friedrich der Große benutzte aber auch Architektur als politisches Mittel zur Stärkung seiner eigenen Macht und seiner Position gegenüber anderen Herrschern, wie dies am Beispiel der Königlichen Hofbibliothek zu zeigen sein wird. Neben der Machtdemonstration war die Repräsentation ein wesentlicher Grundzug der friderizianischen Architektur, die sich darin äußert, daß die Bauten reine Fassadenbauten waren und Nutzbarkeitskriterien wenig Beachtung geschenkt wurde. Der sich in der Spätphase herausbildende Bautyp verbarg hinter einer palastartigen Fassade zwei oder drei Bürgerhäuser, deren Nutzbarkeit und innere Funktionalität beim Bau zweitrangig gewesen waren.<7>
Trotz des Machtanspruchs Friedrichs II. wollte er jedoch nicht wie andere Barockfürsten seinen Ruhm für die Nachwelt in Stein verewigen, sondern seine Devise lautete: Es soll nur bei meinem Leben dauern.<8>
Friedrich II. plante eine großzügige Residenz, die an der Nahtstelle zwischen der alten Stadt Berlin und den neuen Teilstädten Dorotheenstadt und Friedrichswerder entstehen sollte. Ungeklärt ist bisher, warum in Sichtweite des Stadtschlosses eine derart weitläufige Anlage errichtet werden sollte. Möglicherweise hatte Friedrich das Belvedere Prinz Eugens in Wien vor Augen, der ebenfalls in der Nähe seines Stadtschlosses eine Gartenresidenz erbauen ließ.<9>
Bereits zu Lebzeiten Friedrichs II. wurde das von ihm gewählte Gelände für das Knobelsdorff 1740 den Entwurf lieferte in Anlehnung an das Forum Romanum Forum Friderizianum genannt.<10> Die auf dem Gelände neu errichteten Gebäude für die Oper und die Akademie der Wissenschaften sollten mit der monumentalen Schloßanlage an der Linden-Allee korrespondieren. Knobelsdorff konzipierte eine symmetrisch gestaltete Platzanlage als Dreh- und Sammelpunkt der beiden Verkehrsachsen Unter den Linden und Markgrafenstraße. Die drei auf dem Forum stehenden Gebäude sollten durch Inschriften aufeinander Bezug nehmen. Durch die von Friedrich II. erbrachten Gegenvorschläge - er verlegte das Königspalais weiter in den Norden bis an die sumpfigen Uferwiesen der Spree, stellte die Oper quer zu den Linden, bestimmte den offenen Platz für das Palais des Markgrafen Friedrich und veränderte das Akademiegebäude durch einen U-förmigen Grundriß mit einem Ehrenhof zu den Linden - wurde die großzügige barocke Platzanlage Knobelsdorffs aufgehoben.<11> Weder der knobelsdorffsche noch der friderizianische Plan wurden jedoch ausgeführt. Einzig die Erbauung der Oper ist auf den Entwurf Knobelsdorffs zurückzuführen. Diese wurde im Osten des Platzes zwischen 1740 und 1743 errichtet: ihre Portikusfassade ist der Villa Rotonda bei Vicenza, um 1550 von Palladio, entlehnt.<12> Sie war das erste Theatergebäude in Deutschland, das aus dem Schloßkomplex herausgelöst wurde.
Abbildung 2, G. W. von Knobelsdorff, Entwurf einer Residenz für Friedrich II. (Residenzprojekt), um 1740, Kolorierte Zeichnung mit nachträglichen Veränderungen durch König Friedrich II.

Da Friedrich II. sich in der Zwischenzeit nach Potsdam orientiert hatte, wurde der Plan für eine Residenz in Berlin aufgegeben. Erst mit der Grundsteinlegung für die katholische St. Hedwigskathedrale im Jahre 1747 wurde mit der Bebauung des Forums fortgefahren.<13> Als Vorbild wählte der König das ihm durch Stiche bekannte römische Pantheon. Architekturgeschichtlich von großer Bedeutung ist die Lage der Kirche im südöstlichen Winkel des Platzes, die den Idealen der barocken Stadtplanung widerspricht. Der Rundbau der Kirche, der durch den Portikus klar definiert ist, richtete vermutlich seine heute scheinbar bezugslose Achse auf die ehemalige Residenz aus.<14> Dies scheint plausibel, da zum Zeitpunkt des Absteckens des Baugrundstücks<15> im genannten Jahr die Pläne zur Realisierung einer Residenz noch nicht ad acta gelegt waren, so daß die Hedwigskirche durchaus auf den Ehrenhof dieser fiktiven Residenz ausgerichtet gewesen sein kann.
Ebenfalls im selben Jahr wurde der Auftrag zur Errichtung des Palais für den Prinzen Heinrich, dem Bruder Friedrichs II., an Johann Boumann d.Ä. vergeben.<16> Das Palais an Stelle der ursprünglich geplanten Residenz nimmt die Geschoßgliederung und die Gestaltung des Mittelrisalits des corps de logis der Oper auf.
Seinen baulichen Abschluß erhielt der Platz jedoch erst 1780 mit der im westlichen Bereich der Anlage fertiggestellten Königlichen Hofbibliothek von Georg Friedrich Boumann d.J.
Abbildung 3, J.G. Rosenberg, Ansicht des Opernplatzes mit der neuen Bibliothek, 1782, kolorierter Stich

Die einst geplante barocke Platzanlage kam jedoch nicht zur Ausführung. Vielmehr handelt es sich um solitär stehende Bauten, die wenig oder kaum Bezug aufeinander nehmen. Einzig in den Balustraden mit den sie bekrönenden Figuren kann zwischen der Oper, dem Prinz-Heinrich-Palais und der Alten Hofbibliothek ein Bezug gesehen werden.
| Fußnoten: | |
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Vgl. Hermann Schmitz, Berliner Baumeister vom Ausgang des 18. Jahrhundert, Berlin 21925. | |
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Sogenannte Immediatbauten, die unmittelbar dem Staatsoberhaupt unterstehen, wurden nach dem Siebenjährigen Krieg anstelle von abgerisssenen Wohnhäusern Unter den Linden errichtet. | |
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Häufig fertigte der König erst nachträglich von ausgeführten Plänen Skizzen an, um dadurch seine Vorstellungen durchzusetzen. Davon berichtet beispielsweise sein Vorleser de Catt. Vgl. Willy Schüssler (Hg.), Friedrich der Große. Gespräche mit Catt, Leipzig 1940, S. 133. | |
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Vgl. Hans-Joachim Giersberg, Friedrich als Bauherr. Studien zur Architektur des 18. Jahrhunderts in Berlin und Potsdam 1986, S. 43. | |
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Vgl. Heinrich Ludewig Manger, Baugeschichte in Potsdam, 3 Bde., Berlin, Stettin 1789-1790, S. 201. | |
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Vgl. Giersberg, Bauherr 1986, S. 306. | |
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Ebd. S. 20. | |
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Vgl. Manger, Baugeschichte 1789-1790, S. 319. | |
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Vgl. Martin Engel, Fragen zur Entstehungs- und Bedeutungsgschichte des Forum Friderizianum, in: Helmut Engel u. Wolfgang Ribbe, Hauptstadt Berlin - Wohin mit der Mitte?, Berlin 1993, S. 90. | |
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Dieser Entwurf war bis 1926 verschollen und wurde von Paul Rave veröffentlicht. Das Original befindet sich im Landesarchiv Berlin, Kartenabteilung, VII/34. | |
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Vgl. Klaus-Dietrich Gandert, Vom Prinzenpalais zur Humboldt-Universität, Berlin 31992, S. 18. | |
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Vgl. Hans Reuther, Architektur, in: Jürgen Ziechmann (Hg.), Panorama des friderizianischen Zeit. Friedrich der Große und seine Epoche. Ein Handbuch, Bd. 1, Bremen 1985, S. 129-142, hier S. 132. | |
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Der Name der schlesischen Heiligen wurde mit Bedacht gewählt, weil Friedrich II. gerade das überwiegend katholische Schlesien erobert hatte und mit der ersten katholischen Kirche in Berlin ein Zeichen für Toleranz setzen wollte. | |
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Vgl. die von Martin Engel formulierte These. Vgl. Engel/Ribbe, Hauptstadt Berlin 1993, S. 96. Hasak dagegen vertritt die Ansicht, daß aus Kostengründen die Fundamente der alten Festung wiederverwendet werden sollten. Vgl. Max Hasak, Die St. Hedwigskirche in Berlin und ihr Erbauer Friedrich der Große, Berlin 1932, S. 70. Dies erklärt jedoch nicht die Schrägstellung der Kirche. | |
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Vgl. Sibylle Badstübner-Gröger, Die St. Hedwigs-Kathedrale zu Berlin, Berlin 1976, S. 8. | |
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Die Baudaten für das Prinz-Heinrich-Palais divergieren erheblich. So setzt Reuther die Daten für 1754-64 an. Vgl. Reuther, Architektur 1985, S. 133. Dagegen meint Löschburg, daß das Gebäude zwischen 1748-1766 errichtet wurde. Vgl. Winfried Löschburg, Unter den Linden. Geschichten einer berühmten Straße, Berlin 1991, S. 58. |
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