Görnandt, Angelika: Die Königliche Hofbibliothek (”Kommode“)

Kapitel 3. Chronologische Aufnahme der baulichen Veränderungen

3.1. Die Anbauten Behrenstraße 41 und das Alte Palais Unter den Linden 9<33>

Der heutige Anbau Behrenstraße 41 wurde 1788 nach Plänen des Oberbauamts für die Allgemeine Witwen-Verpflegungs-Anstalt errichtet. Aufgrund fehlender Geldmittel erfolgte die Fertigstellung erst im Oktober 1794. Seit 1800 wurde das Gebäude von dem Minister Graf von der Schulenburg bewohnt und seit 1803 fungierte es als Amtswohnung für den Minister des Inneren.<34> 1832 kam der Bau durch Kauf an den Prinzen von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm I., der auf dem zugehörigen Vordergrundstück Unter den Linden 37 sein Palais erbauen ließ.<35> Der Zugang zu diesem Gebäude erfolgt seit der direkten Verbindung mit dem Bibliotheksgebäude über dessen Haupteingang; dies ist seit dem Wiederaufbau der Bibliothek so. Hier sind Bibliotheks- und Institutsräume der Humboldt-Universität untergebracht.

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude der Behrenstraße 41, nachdem Kaiser Wilhelm 1882 das Niederländische Palais als Wohnung für die Hofchargen angekauft hatte, mit der Königlichen Bibliothek vereinigt.<36> Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Bibliothek in den 1960er Jahren wurde das Gebäude als Plattenbau errichtet.

3.2. Bauliche Veränderungen am Hauptgebäude bis zum Wiederaufbau

Bereits 1784 waren die ersten Dachreparaturen notwendig. Aufgrund dieser Arbeiten war der Öffentlichkeitsverkehr in der Bibliothek erst seit diesem Zeitraum möglich. Der Leseraum der Hofbibliothek befand sich zunächst außerhalb des Hauptgebäudes im Haus Behrenstraße 40, das für die Wohnung des Bibliothekars bestimmt war.

Die Hofbibliothek wirkt außen viergeschossig, während sie zu Beginn im Inneren zweigeschossig war. Nur das Obergeschoß, bestehend aus einem Mittelkörper, den durch eine Säulenstellung zweischiffig gestalteten Flügelsälen und den sich anschließenden unregelmäßig geformten Räumen der Eckpavillons, wurde für Bibliothekszwecke genutzt. Da die anfängliche Aufstellung von Bücherschränken entlang der Wände nicht mehr ausreichte, wurden im Mittelbau und in den Flügelbauten in Höhe von 30 Fuß Galerien mit weiteren Wandschränken eingebaut, um so die gewaltigen Hohlräume besser auszunutzen.<37>

Das Unter-/Sockelgeschoß wurde anfänglich nicht von der Bibliothek beansprucht, sondern diente zur Aufbewahrung von Militärmaterialien und als Lager der Oper für Dekorationsmaterial.<38> 1840 mußte es von den Fremdbenutzern geräumt werden, da der Bücherbestand diese Räumlichkeiten benötigte. Zwischen 1840 und 1842 wurde das Geschoß in ein Erd- und ein Zwischengeschoß unterteilt.<39> Es wurde zur Hälfte mit einer Wasserheizung versehen und zu Geschäftsräumen und Lesezimmern umgestaltet. Alles übrige entsprach der Anordnung der oberen Säle zur Aufnahme von Büchern. Im Zusammenhang mit diesen Veränderungen wurde auch die Portalsituation des Mittelrisalits verändert. Der plastische Schmuck wurde entfernt, das mittlere Tor etwas erhöht und die beiden Nebenportale, die bisher einen geraden Abschluß aufwiesen, erhielten wie das mittlere Portal Rundbogenfenster. Zwischen Fenster und Tür wurden Kämpferplatten eingezogen. Die Portale der Eckrisalite blieben unverändert. Anfangs waren zu beiden Seiten der fünf Portale Statuen auf Postamenten aufgestellt.<40> Nach den Veränderungen der Portalsituation wurde nur noch das mittlere Portal von je einer Statue eingerahmt.<41>

Beim Umbau des Obergeschosses in den 1860er Jahren wurde es, mit Ausnahme des Mittelbaues, in zwei Geschosse unterteilt.<42> Weiterer Platz wurde durch die Anlage eines Saales über dem externen Haupttreppenhaus gewonnen. In den 1890er Jahren wurde der mittlere Saal des Obergeschosses mit einem Oberlicht versehen und zum Lesesaal bestimmt. Der dafür notwendige hölzerne Dachaufsatz war deutlich sichtbar.

Abbildung 8, Königliche Bibliothek, deutlich ist der höhere Dachaufsatz (Oberlicht des Lesesaals) zu erkennen, Foto, 1902

Mehrere Abteilungen der Bibliothek wurden in die Nachbargebäude Behrenstraße 40 und 41 verlegt. Seither bis zum Auszug der Bücher 1909 in Staatsbibliothek Unter den Linden befanden sich im Erdgeschoß der Katalog und die Geschäftsräume und in allen übrigen Stockwerken mit Ausnahme des zweistöckigen Lesesaals die Büchersäle.

In den Jahren 1909/10 wurde die nun frei gewordene Hofbibliothek zu einem Aula- und Hörsaalgebäude umgebaut und bis zur Zerstörung von der Universität genutzt.

Abbildung 9, Ehemalige Königliche Hofbibliothek, Umbau zum Aulagebäude, 1909/10, Längsschnitt

Insbesondere wurde der frühere Lesesaal durch Herausbrechen der Innenmauern und durch Anbau je einer zweigeschossigen Halbkreisnische in der Längsrichtung des Gebäudes stark verändert. Das äußere Oberlicht wurde nicht mehr wie bisher als Holzdachaufbau gestaltet, sondern in das Kupferdach hineingebaut.<43>

1926 fanden Fundamenterneuerungen im Bereich des nördlichen Seitenflügels statt.<44>

Instandsetzungsarbeiten an den Giebelaufbauten einschließlich der Sandsteinfiguren wurden 1936 durchgeführt.

3.3. Vorarbeiten und Ausführung des Wiederaufbaus der Bibliothek

Die im Krieg stark zerstörte Bibliothek wurde nach umfangreichen Voruntersuchungen und finanziellen Kalkulationen, ob möglicherweise ein Neubau günstiger wäre, in den Jahren von 1965-1969 unter der Bauleitung des Architekten Werner Kötteritzsch wiedererbaut. Am stärksten waren das Innere und der Südpavillon von der Zerstörung betroffen.

Abbildung 10, Aulagebäude der Universität, Nordrisalit, Foto, Ruine, 1946

Das Gebäude steht auf einer Pfahlgründung. Die von Kötteritzsch durchgeführten Schürfgruben ergaben, daß die Holzpfähle und die Fundamente für die Aufnahme von Lasten für die Fassade noch brauchbar waren, die Fundamente der mittleren Längsreihe, die nun eine neue Mittellängswand aufnehmen sollte, jedoch nicht mehr. Im Mittelteil und auf der Hofseite mußten neue Fundamente betoniert werden. Der Wiederaufbau bestand vorwiegend in der Erhaltung und Restaurierung der historischen Fassade der Platz- und Straßenseite. Die Hofseite wurde komplett neu ausgeführt und die Fenster entsprechend den Lichtbedürfnissen angelegt, da diese auch vor der Zerstörung kein einheitliches Bild ergaben.

In der Baulücke zwischen der Behrenstraße 45 und der Bibliothek wurde ein neuer Plattenbau anstelle des alten Gebäudes errichtet. Die beiden letztgenannten Gebäude stehen in funktionalem Zusammenhang. Etwa zur gleichen Zeit erfolgte der bauliche Anschluß des Alten Palais, Unter den Linden 9, an die Bibliothek.

Unter Einhaltung der Spur der früheren mittleren Pfeilerreihe und der Anordnung von jeweils zwei Flurwänden wurde das Bibliotheksgebäude zur zweihüftigen Anlage verändert. Der Mittelteil der Eingangshalle wurde zweigeschossig geplant, wie vor der Zerstörung, um darin ein zweiarmig geschwungenes Treppenhaus unterzubringen. Im Original befand sich das Treppenhaus in einem eigenen Komplex, der sich an der Hofseite außerhalb des Gebäudes befand. Über der Eingangshalle ist der große zweigeschossige Lesesaal untergebracht, welcher eine Zwischengalerie und in Höhe des dritten Obergeschosses noch eine weitere Lesegalerie besitzt. Oben wird der Saal mit einem Glasoberlicht abgeschlossen.

Abbildung 11, ”Kommode“, Grundriß, Erdgeschoß, nach Restaurierung von 1968

Abbildung 12, ”Kommode“, Grundriß, 2. Obergeschoß, nach Restaurierung von 1968

Für die Rekonstruktion der Fassade und der Restaurierung des Figurenschmuckes auf der Attika standen nur Archivfotos und ein Satz Archivpläne im Maßstab 1:100 zur Verfügung, die den Stand der letzten Umbauarbeiten von 1910 zeigten.<45>

Abbildung 13, ”Kommode“, Umbau zum Aulagebäude, 1909/10, Längsschnitt

Der Wiederaufbau der barocken Platzfassade erfolgte in Abstimmung mit dem Denkmalpflegeamt, das sich in der Regel an dem Vorkriegszustand orientierte. Im Bereich der Portalanlage erfolgte ein großer Eingriff, indem die Kämpferplatten wieder entfernt und die Scheitelhöhe der drei Portale verringert wurden. Während man sich beim Mittelportal auf die ursprüngliche Situation aus dem 18. Jahrhundert bezog, findet sich kein historisches Vorbild für die Rundbogenlösung der Nebenportale, da die Portale bis zur Veränderung einen rechteckigen Abschluß aufwiesen. In den Eckrisaliten wurden die Portalöffnungen in ihrer Höhe belassen. Aus allen fünf Portalen wurden die Holztüren entfernt und durch verglaste bzw. vergitterte Fenster ersetzt. Der einzige Zugang durch die Vorderfront erfolgt durch eine niedrige Tür im Mittelportal.

Bei der Dachgestaltung wurde die ursprüngliche flache Dachneigung wiederhergestellt.

Bei dem heutigen Bau handelt es sich demnach um ein Gebäude aus verputztem Sandstein mit einem Stahlbetonskelett, das eine historische Fassade mit vorwiegend originaler Substanz aufweist.

Architektur als Politikum - Der historische Hintergrund

Für die auf dem Forum Friderizianum geplante Hofbibliothek bediente sich Friedrich der Große eines Entwurfes für die Michaelerfront der Wiener Hofburg von Joseph Emanuel Fischer von Erlach. Die Ausführung war einerseits ein Affront gegenüber Maria Theresia, weil die Monarchin - falls sie überhaupt noch die Vollendung der Michaelerfront nach mehr als fünfzig Jahren beabsichtigte - danach ihrerseits nur noch die Kopie eines Berliner Bauwerks hätte errichten können. Andererseits war es ein Ausdruck des Machtbewußtseins, der politischen Stellung und der finanziellen Potenz des preußischen Königs, indem er in der Lage war, diese monumentale Residenzfassade, die in Wien nur als Torso stand, in nur wenigen Jahren in Berlin errichten zu lassen.<46>

Der Grund für diese ”Beutearchitektur“ durch Friedrich II. ist in den Auseinandersetzungen zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich zu sehen, die mit dem Regierungsantritt Friedrichs des Großen im Jahre 1740 begannen.<47> Er nutzte die schwierige Lage Maria Theresias aus, als diese nach dem Tode von Karl VI. im selben Jahre den Thron bestieg, und fiel in Schlesien ein. Die Monarchin mußte gleichzeitig gegen Bayern, Sachsen und Spanien ihre Rechte geltend machen, die ihre Erbfolge in Frage stellten. Trotz verschiedener Abkommen zwischen Österreich und den genannten Mächten<48> und Österreich und Preußen<49>, kam es mehrfach zu militärischen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf im Juli 1742 Schlesien von Österreich an Preußen abgetreten wurde.<50> Im Ergebnis des Österreichischen Erbfolgekrieges trat der österreichisch-preußische Gegensatz immer deutlicher hervor, zumal sich der Verlust Schlesiens, das wirtschaftlich hochentwickelt war, als großer Nachteil für den habsburgischen Staat und dessen Stellung im Reich erwies.

Preußen war Österreich in organisatorischer, militärischer und finanzieller Hinsicht weit überlegen und das demonstrierte Friedrich II. einmal mehr mit der Verwirklichung eines Entwurfes zum Michaeler Trakt der Wiener Hofburg auf preußischem Boden.

Allerdings erscheint die Berliner Hofbibliothek etwas als Fremdkörper in der Gesamtkonzeption des Forum Friderizianum, welches von Knobelsdorff als klassizistisches Platzensemble geplant war. Der Bibliothek fehlen die städtebaulichen Voraussetzungen, auf deren Grundlage die Michaelerfront konzipiert wurde. Weder nähert sich der Betrachter dem Bauwerk durch eine schmale Gasse, die erst spät den Blick auf die Gesamtfront ermöglicht, noch herrscht ein urbanistischer Kontext, in dem die seitlichen Abrundungen ihre gestalterische Legitimation durch divergierende Straßenfluchten fänden.

3.4. Das Wiener Vorbild: Der Michaelertrakt der Wiener Hofburg<51>

Als sich im Jahre 1723 Karl VI. zur Neugestaltung der kaiserlichen Burg entschloß, sollte der im Laufe von fünf Jahrhunderten gewachsene Baubestand einer großzügigen Residenzanlage weichen.<52> Konkrete Pläne für die Reichskanzlei, die Hofstallungen und die Hofbibliothek sind seit 1719 greifbar. Johann Lucas von Hildebrandt legte 1724/25 einen Hofburgplan für eine symmetrische Umformung des Platzes nach barocken Gestaltungskriterien vor.<53> Durch Abbruchmaßnahmen sollte eine weitestgehend symmetrische Platzanlage über der Grundrißform eines zur Hofburgkonche sich öffnenden Trapezes entstehen.<54>

Abbildung 14, Das hochbarocke Regulierungskonzept für den Michaelerplatz, Planskizze im sog. Albrecht-Kodex (Cod.Vind. 7853, f. 91)

Hildebrandt wurde jedoch bereits ein Jahr später von seinem Konkurrenten Joseph Emanuel Fischer von Erlach als leitender Architekt verdrängt. Seiner Planung der Michaelerfront liegen Zeichnungen von drei verschiedenen Stadien zugrunde.<55> In unserem Zusammenhang ist nur Projekt III von 1726 interessant, das in einem Stich von Salomon Kleiner überliefert ist.

Abbildung 15, Salomon Kleiner, Die Michaelerfront der Hofburg, Stich, 1726

Das Zentrum der exedrenartigen Front bildet hier ein mächtiger Mittelrisalit mit einer hohen bis ins erste Obergeschoß hinaufreichenden Einfahrt. Zwischen der konkav einschwingenden Platzfassade und den schräg auseinanderstrebenden Seitenfronten wird durch konvexe Seitenteile vermittelt, die von Freisäulenstellungen risalitartig eingerahmt erscheinen. Die Michaelerfront wird als Hauptfront der Wiener Hofburg durch ihr ikonographisches Programm und ihre aufwendige Fassadengliederung ausgewiesen. Der Mittelrisalit wird über dem Sockel durch kolossale Doppelsäulen<56>, die Seitenrisalite durch einfache Säulen betont, während die gerundeten Wandflächen und die langen Straßenfronten durch Doppelpilaster gegliedert sind. Die Grundlage für dieses monumentale Gliederungssystem und das gesamte Erscheinungsbild des projektierten Hofburgneubaus war die ab 1727 von Fischer von Erlach umgestaltete Fassade des Reichskanzleitraktes, wobei er möglicherweise einen Kontrast zwischen monumentaler Gliederung an den Seiten und auf Fernwirkung abzielender dreidimensionaler Bauform in der Mitte beabsichtgte. In dem ca. 1726 entstandenen Grundriß der Hofburg von Johann Amann<57>, nach dem Projekt von Fischer von Erlach, wird deutlich, daß die Michaelerfront durch eine Gasse auf den Kohlmarkt weist,<58> so wie dieses Projekt später auch ausgeführt wurde.

Bereits kurze Zeit nach Baubeginn der Michaelerfront wurden die Arbeiten eingestellt. Obgleich der Michaelerplatz zunächst nur auf dem Papier vorhanden war, gehört er zu den bedeutendsten Konzeptionen Wiener Barockarchitektur, weswegen sich der Kaiser möglicherweise verpflichtet fühlte, im Jahre 1889 - mehr als 150 Jahre nach Baubeginn - die Vollendung der Michaelerfront nach den Entwürfen von Fischer von Erlach anzuordnen. Die Planung und Ausführung oblag dabei dem Architekten und Burghauptmann Ferdinand Kirschner<59>, der über den Risaliten jeweils eine Kuppel ausführte, die bereits seit 1730 geplant waren.<60> Mit der Vollendung der Michaelerfront wurde endlich der Repräsentativanspruch der kaiserlichen Residenz erfüllt.

In den Jahren 1775 bis 1781 realisierte Friedrich II. mit der Errichtung der Hofbibliothek einen Wiener Bau auf preußischen Boden, ohne in irgendeiner Art und Weise die territorialen Gegebenheiten Wiens in Berlin zu berücksichtigen. Die architektonische Wirkung der Bibliothek weicht entscheidend von der der Hofburg ab. In Wien reagiert die tief nach innen schwingende Fassade des Michaelertraktes auf einen abgerundeten Platz und die abgeschrägten Seiten korrespondieren mit den vorgegebenen Gassen. Da man in Wien durch eine Gasse, vom Kohlmarkt kommend, auf die stark einschwingende Fassade trifft, hat dies eine Sogwirkung auf den Betrachter. Gesteigert wird dies durch das überhöhte Hauptportal in Form eines Triumphbogens, das eine Durchgangssituation erzeugt. Die darüber befindliche Kartusche der Habsburger verdeutlicht deren Machtanspruch.

Nichtsdergleichen findet sich in Berlin. Die Hofbibliothek wurde als Abschluß auf einen rechteckigen Platz errichtet, deren einziger Bezug innerhalb des Ensembles darin besteht, daß die hervorspringenden Risalite auf einer Höhe mit der Innenseite des westlichen Seitenflügels des Prinz-Heinrich-Palais liegen.

Abbildung 16, Plan vom Forum Friderizianum, um 1840, Lithographie, farbig laviert, mit Bleistifteinzeichnungen von Friedrich Wilhelm IV. (?)

Gleiches gilt für die gegenüberliegende Oper, deren Längsseite mit der Innenseite des östlichen Seitenflügels auf einer Linie liegt. Anders als ihr Wiener Vorbild, das auf einem Rundplatz steht, dessen axialer Bezugspunkt auf eine zum Platz führende Straße gerichtet ist, reagiert die gerundete Fassade der ehemaligen Hofbibliothek nicht auf den vor ihr liegenden Platz, sondern prallt in ihrem Schwung gegen die Längsseite der Oper ab. Theoretisch wäre denkbar gewesen, daß die Mittelrisalite der Bibliothek und der Oper aufeinander Bezug genommen hätten. Da bei Baubeginn der Bibliothek noch teilweise das Schwedtsche Palais vorhanden war, das maßgeblich für den Standort der Bibliothek verantwortlich war, konnte sie jedoch nicht direkt an die Straße Unter den Linden gebaut werden, so daß eine Verschiebung nach Süden notwendig war. Dies führte zu einer Achsenverschiebung.

Aufgrund der solitären Stellung der einzelnen Gebäude auf diesem Platz, die kaum Bezug aufeinander nehmen, wird der Gesamteindruck der Königlichen Hofbibliothek stark beeinträchtigt. Trotz des territorialen Defizits verdient die ehemalige Hofbibliothek dennoch unter Denkmalschutz gestellt worden zu sein, da sie nicht nur eines der dominierendsten Bauten des barocken Forum Friderizianum darstellt und durch ihren zentralen Standort das Stadtbild von Berlin-Mitte prägt, sondern überhaupt zu den wenigen barocken Gebäuden Berlins gehört.


Fußnoten:

<33>

Vgl. zu den Anbauten Borrmann, Bau-und Kunstdenkmäler 1893, S. 331f.

<34>

Das Ministerium des Inneren wurde 1832 in das Haus Leipziger Straße 76 verlegt.

<35>

Das Alte Palais erhielt nach dem Wiederaufbau der Zerstörungen des II. Weltkrieges die Nr. 9.

<36>

Zur Baubeschreibung vgl. Borrmann, Bau-und Kunstdenkmäler 1893, S. 332.

<37>

Vgl. P. Küster u. Claren, Die Königliche Bibliothek, in: Berlin und seine Bauten, hg. vom Architekten-Verein zu Berlin und Vereinigung Berliner Architekten. Der Hochbau, Bd. II u. III, Berlin 1896, S. 239.

<38>

Vgl. Nicolai, Anekdoten, S. 8-15.

<39>

Vgl. Küster/Claren, Berlin und seine Bauten 1896, S. 239.

<40>

Vgl. den kolorierten Stich von J. G. Rosenberg: Ansicht des Opernplatzes mit der neuen Bibliothek, 1782, in: Gandert, Prinzenpalais 31992, S. 42, Tafel 1.

<41>

Vgl. die Fotografie der Alten Bibliothek, in: Otto Hagemann u. Paul Ortwin Rave, Berlin vor der Zerstörung, Berlin 1949, Abb. 44.

<42>

Vgl. Borrmann, Bau-und Kunstdenkmäler 1893, S. 330.

<43>

Vgl. Otto Sarrazin u. Friedrich Schultze, Die neue Aula der Universität Berlin in der früheren Königlichen Bibliothek, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 30, 1910, S. 526-530, hier S. 528.

<44>

Vgl. Kötteritzsch, Wiederaufbau, S. 139.

<45>

Ebd. S. 144.

<46>

Vgl. Moriz Dreger, Baugeschichte der kaiserlich-königlichen Hofburg zu Wien, in: Österreichische Kunsttopographie, 14, Wien 1914, S. 296-308 und S. 322-328.

<47>

Vgl. Helmut Reinalter, Österreich, in: Ziechmann (Hg.), Panorama, Bd. 1, Bremen 1985, S. 773-794, hier S. 779.

<48>

Bündnis von Nymphenburg, Mai 1741.

<49>

Geheimvertrag zwischen Kleinschnellendorf, 1741.

<50>

Vgl. Reinalter, Österreich 1985, S. 780f.

<51>

Für in diesem Zusammenhang genutzte grundlegende Literatur sollen genannt werden: Thomas Zacharias, Joseph Emanuel Fischer von Erlach, Wien, München 1960 und Richard Bösel u. Christian Benedik, Der Michaeler Platz in Wien. Sein städtebauliche und architektonische Entwicklung, Ausst.kat., Wien 1991.

<52>

Küchelbecker schrieb voller Lob und Anerkennung über das "ungemein prächtige[s] Gebäude", das Fischer von Erlach errichtete. Vgl. Johann Blasius Küchelbecker, Allerneueste Nachrichten vom Römisch. kayserl. Hofe, Hannover 1730, S. 656.

<53>

Vgl. den Grundriß der kaiserlichen Residenz von Hildebrandt, 1724, in: Bösel/Benedik, Michaeler Platz 1991, S. 65.

<54>

Der Plan sah vor, im Bereich Kohlmarkt-Schauflergasse das Areal entsprechend der gegenüberliegenden Kirchenseite abzuschrägen, um der Michaelerfront zwei gleichschräge, trichterförmige zusammenlaufende Platzseiten gegenüberzustellen. Vgl.dazu die Planskizze des hochbarocken Regulierungskonzeptes für den Michaelerplatz im sog. Albrecht-Kodex (Cod. Vind. 7853, f. 91), die bei Bösel/Benedik, Michaeler Platz 1991, S. 15, Abb. 4 publiziert ist.

<55>

Vgl. Zacharias, Fischer von Erlach 1960, S. 61-66. Projekt I und II sind in der Abb. 41 und 42 dargestellt.

<56>

Dies kann als direktes Zitat der Ostfassade des Louvre angesehen werden.

<57>

Vgl. den Grundriß der Hofburg von Johann Amann nach dem Projekt Joseph Emanuel Fischers, in: Zacharias, Fischer von Erlach 1960, Abb. 47.

<58>

In den Grundrißplan von Hildebrandt, dessen Michaelerfront sich direkt auf den Kohlmarkt bezog, zeichnete Fischer von Erlach eine Veränderung ein, so daß die Achse der Front mehr gegen die Ecke der Michaelerkirche/Großes Michaelerhaus wies. Vgl. Bösel/Benedik, Michaeler Platz 1991, S. 65, Kat. Nr. 29.

<59>

Ebd. S. 22.

<60>

Vgl. Zacharias, Fischer von Erlach 1960, S. 67.


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