| Isaiasz, Vera: Das Museum für Meereskunde Flottenbau und marine Biologie |
Das Museum für Meereskunde hat die Aufgabe, durch die Sammlungen Sinn und Verständnis für das Meer und seine Erscheinungen, die Hilfsmittel seiner Erforschung, den Reichtum seines Lebens und dessen wirtschaftlichen Wert sowie für die volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung von Schiffahrt, Seeverkehr und Seemacht in weitesten Kreisen unseres Volkes anzuregen und zu verbreiten.<1> - So das umfassende Programm des Museums für Meereskunde, in dem vom Korallenriff bis zum Tauchboot alles ausgestellt war, was sich mit dem Meer in Verbindung bringen ließ. Teil dieses 1906 eröffneten größten deutschen Meeres- und Marinemuseums war das Institut für Meereskunde, das zu den bedeutenden meereswissenschaftlichen Institutionen in Deutschland<2> zählte.
Abbildung 2, Das Museum für Meerskunde in der Georgenstraße 34-36 in Berlin-Mitte

In mehrfacher Hinsicht ist das Museum für Meereskunde in der Georgenstraße ein interessantes und typisches Museum der Berliner Museumslandschaft der Jahrhundertwende: Zum einen war es eine der öffentlich zugänglichen Sammlungen der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität), wie beispielsweise auch das Naturkundemuseum und die Gipssammlung. Zum anderen entsprach es als Technikmuseum demselben Typus wie das Deutsche Museum in München oder das Verkehrs- und Baumuseum in Berlin. Es steht so im Brennpunkt der museumstheoretischen Konzeptionen seiner Zeit.
Den Anspruch des Museums für Meereskunde, das Verständnis für die mit der See und dem Seewesen zusammenhängenden Wissenszweige zu heben und alle möglichen Erscheinungen, die das Leben rund ums Wasser kennzeichne(te)n, in Modellen oder zumindest in Form von Dioramen darzustellen<3> belegen auch die vielen erhaltenen Fotografien: der Nachbau der Kombüse einer Segelfregatte, das erste Unterseeboot,
Abbildung 3, Der Brandtaucher im Innenhof des Museums für Meereskunde

Bilder und Modelle von Handels- und Kriegsschiffen, Anker, Geräte für den Fischfang, ganze Biotope wie ein etwa Korallenriff
Abbildung 4, Korallenriff von der Sinaiküste des Roten Meeres

wurden nachgebaut, aber auch die neue weltpolitische Rolle des Kaiserreiches als Seemacht sollte der Berliner Landratte in der Reichs-Marine-Sammlung demonstriert werden.
Abbildung 5, Lichthof der Reichs-Marine-Sammlung, Aufnahme um 1939

So vielfältig wie die ausgestellten Objekte, so breit waren auch die Interessen bei der Gründung des Museums gewesen: Museum und Institut unterstanden als Teile der Universität dem preußischen Kultusministerium. Der prominente Geograph und Geologe Ferdinand Freiherr von Richthofen war Gründungsdirektor und gleichzeitig Professor für Geographie an der Universität. Neben den Volksbildungsauftrag des Museums trat die wissenschaftliche Forschung und Lehre am Institut. Ein großer Teil der Bestände des Museums, die Reichs-Marine-Sammlung, unterstand der Aufsicht des Reichsmarineamtes, das ebenfalls an der Konzeption der Ausstellung beteiligt wurde. Somit wurden zu den Planungen, die seit 1900 betrieben wurden, Vertreter der Universität, des Kultusministeriums, des Finanzamts und des Reichsmarinamts hinzugezogen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Teile der Sammlungen sowie der Buch- und Kartenbestände des Museums ausgelagert, sind seitdem verstreut und müssen teilweise sogar als verloren gelten. Auch das Museumsgebäude selbst wurde im Krieg stark beschädigt und später abgerissen: Das Ende des Krieges bedeutete auch das Ende des Museums.
Nach 1990 übertrug die Humboldt-Universität als Rechtsnachfolgerin des ursprünglichen Trägers dem Deutschen Technikmuseum in Berlin (früher: Museum für Verkehr und Technik) die offizielle Treuhandschaft für das Erbe des Meereskundemuseums, mit dem Auftrag, die Bestände so weit wie möglich wieder zusammenzuführen und auszustellen. Aufgetaucht ist das Museum für Meereskunde 1996 in einer Ausstellung des Deutschen Technikmuseums. Der aus diesem Anlaß erschienene Katalog ist die erste gründlich recherchierte Dokumentation zu einem der einst berühmtesten Museen Berlins<4> und bietet einen Überblick über die Geschichte des Museums, die Forschungstätigkeit des Instituts, seine Buch- und Kartenabteilung, die Auslagerungen der Sammlung während des Krieges und informiert über einzelne herausragende Objekte.
In diesem Beitrag soll vor allem das Ausstellungskonzept im Vordergrund stehen und beispielhaft erläutert werden. Au?erdem soll ein kurzer Blick auf die Architektur des Museums geworfen werden.
| Fußnoten: | |
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Führer durch das Museum für Meereskunde in Berlin, Berlin 1918, S. 3 (abgedruckt in: Aufgetaucht. Das Museum für Meereskunde (Schriftenreihe des Museums für Verkehr und Technik 15), Berlin 1996, S. 105f.). | |
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Hans-Jürgen Brosin, Vom Institut für Meereskunde zum Institut für Meereskunde Warnemünde, in: Historisch-Meereskundliches Jahrbuch 3, 1995, (Schriftenreihe des Deutschen Museums für Meereskunde und Fischerei), S. 72. | |
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Bettina Probst, Institut und Museum für Meereskunde - Eine bewegte Geschichte?, in: Aufgetaucht, 1996, S. 11. | |
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So der Klappentext des Ausstellungskatalogs (ebd.). |
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HTML - Version erstellt am: Wed Feb 23 16:34:21 2000 |