| Isaiasz, Vera: Das Museum für Meereskunde Flottenbau und marine Biologie |
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ein geeignetes Gebäude zu finden - die Unterbringung im Völkerkundemuseum, im Zeughaus oder im ehemaligen Gebäude der Akademie der Wissenschaften wurde in Erwägung gezogen - fiel die Wahl 1899 schließlich auf das bisher von den Chemischen Laboratorien der Universität genutzte Haus.<5>
Abbildung 6, Gebäude der Chemischen Laboratorien, Friedrich August Cremer, 1865-67

Hier stand zwar nicht die gewünschte Ausstellungsfläche zur Verfügung, man hatte jedoch mit dem Gebäude in der Georgenstraße einen zentralen Standort zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Universität gefunden.<6>
Vor dem Einzug der Sammlung wurde das Gebäude umgebaut - und vor allem um ein Geschoß aufgestockt. 1913 konnte das Museum um das angrenzende Gebäude der Universitätsbibliothek in der Dorotheenstraße erweitert werden.
Das Gebäude in der Georgenstraße 34-36 wurde nach Entwürfen des Berliner Architekten Albert Cremer 1867 als Chemisches Laboratorium der Universität erbaut. Der ursprünglich zweigeschossige Bau besaß eine tiefrote<7> Backsteinfassade.
Die Vorderfront des Gebäudes war in elf Achsen und zwei Geschosse gegliedert. Seitlich wurde der Bau von zwei einachsigen Seitenrisaliten begrenzt
Abbildung 7, Fassadengliederung an der Straßenfront der Chemischen Laboratorien

Insgesamt war der Bau ein fester Block, eingespannt zwischen die beiden Seitenrisalite und durch das Gurt-, Sockel- und Hauptgesims in klar umgrenzte Zonen und in eine Schichtfolge der Geschosse aufgeteilt.<8> Durch die Sockelzone war das Gebäude wie auf ein Postament gestellt.
Das Erdgeschoß blieb trotz seiner großen Fenster flächig und war ohne Wandvorlagen ausgeführt; nur Traufleisten begleiteten und markierten die halbrunden Bögen. Der einzige weitere Schmuck in dem Raum zwischen den Fenstern waren die vierzehn Medaillons, welche im Hauptrelief die Profilköpfe berühmter Chemiker darstellten.<9>
Im Obergeschoß veränderte sich die Fassade: Die Fenster wurden in große Rechtecknischen eingelegt, so daß von der Backsteinfassade nur noch schmale Mauerstreifen übrigblieben, die wie Lisenen eine Vertikalstruktur ergaben. Diese Betonung der Vertikalen wurde durch ein Ziegelband, das die Wandvorlagen wie zu einem Rahmen zusammenschloß, abgefangen. Ein Fries aus Terrakottaplatten unterstrich noch zusätzlich die insgesamt waagerechte Linienführung des Gebäudes. Abgeschlossen wurde der Bau durch eine Balustrade.
Die großen Fenster in beiden Geschossen, die für genügend Beleuchtung bei den chemischen Versuchen sorgen sollten, erwiesen sich später als vorteilhaft für das Museum.
Der Architekt hatte sich am Stil der oberitalienischen Renaissance orientiert, die Auswahl des roten Backsteins der Fassade läßt an Schinkels Bauakademie denken, die für viele öffentliche Bauten in Berlin Vorbild war. Auch die angrenzende Universitätsbibliothek in der Dorotheenstraße - sie diente seit 1913 als Erweiterungsbau des Museums - war ein typischer Vertreter dieser berliner Backsteinbaukunst.<10>
Die Fassaden der Innenhöfe, die später auch als Ausstellungsfläche genutzt wurden, waren noch sparsamer ausgeführt als die Außenfassaden. Die Terrakottafriese wurden durch gerahmte Streifen oder Felder ersetzt. Die waagerechte Linienführung dominierte auch hier.<11>
Abbildung 8, Hofansicht und Schnitt der Chemischen Laboratorien, 1865-67

Im Laufe des Jahres 1900 konnte das frei gewordene Gebäude in der Georgenstraße bezogen werden. Die verschiedenen Umbaumaßnahmen wurden jedoch erst im Sommer 1902 beendet. Um Platz für Arbeitsräume und Laboratorien zu schaffen wurde ein neues Stockwerk aufgesetzt.
Abbildung 9, Das Logo des Museums für Meereskunde

Die elfachsige Gliederung wurde durch Biforienfenster auch in diesem flacheren Geschoß fortgesetzt. Das Gebäude erhielt keine abschließende Balustrade mehr. Das oberste Geschoß scheint nur verputzt worden zu sein; trotzdem harmonierten Altbau und Erweiterung durchaus.
Durch die Umbaumaßnahmen, die auch die Umwandlung einer der Innenhöfe in einen Lichthof einschlossen, wurde eine Ausstellungsfläche von 1.200 m2 gewonnen.<12>
| Fußnoten: | |
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Vgl. HUB-Archiv, Institut für Meerekunde, Bd. 37, Bl. 130ff. und Bl. 50 und Bl. 66. | |
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Im Oktober 1900 war noch eine Gesamtfläche von 5000 m2, davon 3000 m2 als Ausstellungsfläche, eingeplant gewesen (vgl. HUB-Archiv, Institut für Meereskunde, Bd. 37 Bl. 213, Denkschrift S. 23). | |
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Adolf Cremer, Das neue chemische Laboratorium zu Berlin, in: Zeitschrift für Bauwesen 17, 1867, S. 10. | |
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Ebd. S. 8. | |
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Ebd. S. 10. Die Medaillons wurden angeblich vor dem Abriß im Jahr 1959 abgenommen und dem Chemischen Institut der Humboldt-Universität übergeben. (vgl. Albert Röhr, Bilder aus dem Museum für Meereskunde in Berlin 1906-1945, Bremerhaven 1981, S. 39). | |
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Vgl.: Manfred Klinkott, Die Backsteinbaukunst der berliner Schule. Von K. F. Schinkel bis zum Ausgang des Jahrhunderts (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Beiheft 15), Berlin 1988, S. 314f. | |
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Ebd. S. 314. | |
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Vgl. HUB-Archiv, Institut für Meereskunde, Bd. 38, Bl. 170. |
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