Fatke, Kristina: Das Museum für Naturkunde Die Umsetzung einer neuen Idee in Architektur und Sammlungen

Kapitel 1. Einleitung

Nach der Bestimmung Berlins zur Reichshauptstadt im Jahre 1871 entfaltete sich eine enorme Bautätigkeit. Die junge Metropole sollte dem Vergleich mit den großen alten Hauptstädten Europas standhalten können, ja, diese sogar überflügeln. Überall im Deutschland des späten 19. Jahrhunderts vollzog sich in Wechselbeziehung mit der sich stürmisch entwickelnden Industrialisierung ein sprunghafter Fortschritt, woraus eine wachsende Anerkennung und ein sich steigerndes Interesse an den Naturwissenschaften resultierte. In Berlin sind zahlreiche Neubauten für entsprechende Institute der Universität und der Charité, insbesondere auch die Anlage an der Invalidenstraße, sowie die Einrichtung der Technischen Universität in Charlottenburg Ausdruck dieser Entwicklung.

Betrachtungsgegenstand dieses Beitrags ist das Museum für Naturkunde an der Invalidenstraße. Nach kurzen Angaben zum Architekten werden dessen Überlegungen zur Bedeutung von Museen skizziert und in einen allgemeinen Kontext hinsichtlich der aus diesen Bedeutungen erwachsenden Aufgaben hinsichtlich der Architektur von Museen eingeordnet. Das Museum für Naturkunde wird in einem ersten Teil hinsichtlich der Baugeschichte untersucht, in einem zweiten soll die Geschichte und Präsentation der Sammlungen nachgezeichnet werden. Abschließend finden einige allgemeine Gedanken zu den Intentionen des Sammelns und des Sammlers Erwähnung.

1.1. Der Architekt August Tiede

Der Komplex der Museumsbauten auf dem Gelände der ehemaligen Königlichen Eisengießerei an der Invalidenstraße 42 bis 44 ist das Hauptwerk des Architekten August Tiede. Tiede wurde am 4. Juni 1834 in Berlin geboren. Nach einem Studium an der Bauakademie folgten praktische Tätigkeiten bei Friedrich Adler. Tiede reiste 1859 nach Italien und legte um 1861 die Baumeisterprüfung ab. Von 1867 bis zum Jahr 1891 war er Landesbaumeister in der Ministerialbaukommission, Ressort Museumsbau. Vor 1875 wurde er Baurat und wirkte später als Professor an der Bauakademie. August Tiede starb am 14. Mai 1911 in Berlin. Von ihm erschienen zu Lebzeiten und postum zahlreiche Artikel und Bücher, unter anderem 1898 die „Museumsbaukunde“, in der er sich zum gewandelten Museumsgedanken und den sich daraus ergebenden Aufgaben für eine neue Museums-architektur äußert.


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Thu May 18 11:47:03 2000