| Pretzell, Uta: Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs |
Drei sich aufeinander beziehende Gebäudekomplexe bilden das historische Areal an der Invalidenstraße 42-44. Das Naturkundemuseum war im Zweiten Weltkrieg in seiner baulichen Substanz stark beschädigt.
Abbildung 2, Museum für Naturkunde, Luftbild von 1945

Das Gebäude von August Tiede aus dem Jahr 1889 wies in erheblichem Maße im Dachgeschoß und zweiten Obergeschoß, an den Massivdecken und Dächern Zerstörungen auf. Beeinträchtigt wurden mithin der Schlangensaal in der zoologischen Hauptsammlung und Einrichtungen der Geologie. Das Geographische Institut war im Dachgeschoß über dem Ostflügel beschädigt. Hier hat das Edelsteininstitut Schaden genommen. Mitbetroffen war auch die Zentralbibliothek. Aus den Jahren 1943 und 1944 datieren Zerstörungen insbesondere an Glaswerk der Fenster und Türen und an Toiletteneinrichtungen. Allgemein gingen Oberlichter der Naturwissenschaftlichen Institute in der Invalidenstraße 42/43 zu Bruch. In letzten Kriegstagen wurde noch die naturkundliche Sammlung geplündert.<1>
Auf einer Luftaufnahme von dem Gelände vom März 1945 sind Notdächer über dem mittleren Quertrakt zu erkennen, welcher die Abteilung für Säugetiere beherbergte, und dem daran im rechten Winkel liegenden nord-westlichen Längstrakt für die Zoologie der Vögel und Säugetiere. Analog hierzu liegt in dem nord-östlichen Flügel ein Gebäudeteil brach - er ist bis heute eine Ruine.
Das westliche Hauptgebäude der Geologischen Landesanstalt und des Deutschen Geologischen Museums, von August Tiede 1878 erbaut, wurde im Krieg stark an der Hauptfassade beschädigt. Die Frontseite wurde nach dem Krieg in den 1950er Jahren in vereinfachter Form wiederhergerichtet. Auf dem Luftbild vom März 1945 wird die Beschädigung des Daches und zweiten Stockwerkes in dem Front- und Osttrakt ersichtlich. Schäden in den darunterliegenden Geschossen sind wahrscheinlich. Der sich im Norden angliedernde Neubau von 1913 wurde zerstört.
Die auf dem Areal östlich gelegene Landwirtschaftliche Fakultät war in ihrem Hauptgebäude wesentlich an dem sich über die Halle spannenden Glasdach, in der Museumsabteilung im ersten Obergeschoß, in Laborräumen, der Bibliothek im zweiten Obergeschoß, Wohnungen und der hierin umlaufenden botanischen Abteilung zerstört. Der nördlich daran anschließende Längsbau des Chemischen Instituts von 1880 erlitt samt Hörsaal infolge eines Brandes am 22. November 1943 einen großen Schaden<2>. Das in dem Erweiterungsbau westlich aufragende steile Ziegeldach des Treppenturmes ging im Krieg verloren. Die Räume des Instituts für Tierzüchtung und Haustiergenetik im ersten Obergeschoß des Ostbaus brannten samt ihrer Inneneinrichtung aus. Das daran nahe gelegene den Nordbau südlich abschließende Verwaltungsgebäude war zerstört<3>.
Abbildung 3, Naturwissenschaftliche Institute und Museum, Skizze

Der Nordbaukomplex war im Erd- und ersten Obergeschoß des Instituts für Tierernährung und in anderen Institutsräumen beschädigt. In den Hörsälen waren die Scheiben zerbrochen. Der sich im zweiten und dritten Obergeschoß befindende große Hörsaal<4> von 1909 wies auch am Dach Schäden auf. Der Raum wurde 1976-79 rekonstruiert.
Im Jahr 1941 wurden Überlegungen angestellt, das Landwirtschaftliche Institut nach Dahlem zu verlegen<5>. Ab 1943 wurden die in Berlin-Dahlem angelegten Institute der Landwirtschaftlichen Fakultät von dem Kriegsgeschehen stark beeinträchtigt<6>. Hierunter fielen das Botanische Museum und der Botanische Garten mit den zugehörigen Gewächshäusern an der Königin-Luisenstraße 6-8, das Institut für Meereskunde, das Pharmazeutische Institut an der Königin-Luisestraße 2-4 am Westflügel des Institutsgebäudes, das Pflanzenphysiologische Institut an der Königin-Luisestraße 1 an Fenstern, Türen, am Dach, Decken- und dem Außenputz, das Copernikus-Institut an der Altensteinstraße 40 mit Dach- und Glasschäden, ebenso das Landwirtschaftliche Institut zwischen Lentzallee und Schorlemer-Allee, das Institut für Kulturtechnik an der Lentzallee 76 an dem Dach des Beamtenwohnhauses und des Wirtschaftsgebäudes, an Fenstern und dem Holzwerk, das Institut für Tierzüchtung und Haustiergenetik an der Lentzallee 75 mit Ziegel-, Glas-, und Holzschäden, das Institut für Garten- und Pflanzenbau an der Fabeckstraße und das Institut für Vererbungs- und Züchtungsforschung am Albrecht Thaerweg 4/6, das Institut für Ackerbau und Landschaftspolitik und das Institut für Obstbau am Kiebitzweg.<7>
| Fußnoten: | |
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Landesarchiv Berlin (LAB) STA Rep. 05-07, Nr. 152; LAB Rep. 110, Nr. 313, 314, 315, 316. | |
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Ebd. | |
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LAB Rep. 05-07, Nr. 152; LAB Rep. 110, Nr. 315. | |
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betrifft Invalidenstr. 42/44, Hörsäle 1-10 beschädigt; Invalidenstr. 42, der große Hörsaal wurde Nr. 10 wurde 1947 für das I. Physikalische Institut hergerichtet (LAB Rep. 110, Nr. 313). | |
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Humbloldt-Universitätsarchiv (HUB-Archiv) UK Nr. 1277 | |
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Zuletzt waren dreißig Prozent der Außeninstitute zerstört (LAB Rep. 110, Nr. 314). | |
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HUB-Archiv RS No. 61. |
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