Pretzell, Uta: Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs

Kapitel 2. Naturwissenschaftliches Institut am Reichstagsufer

Nachdem der Gebäudekomplex von Paul Emanuel Spieker und K.A. Fritz Zastrau 1883 im Stil der Bauakademie und Spätklassizismus fertiggestellt wurde, wird das Gebäude nach Umbauten von 1908 und 1945 derzeitig durch einen Neubau am Reichstagsufer umgestaltet.

Eben dort lag das I. Physikalische Institut der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät unter dem Direktorat Nernsts am Reichstagsufer 7-8 und zur Neuen Wilhelmsstraße hin, dessen Aufbau Hermann von Helmholtz am Ende des 19. Jahrhunderts initiiert hatte. Der Gebäudeabschnitt brannte in den letzten Tagen des Krieges aus, so daß nur noch der Saal relativ erhalten geblieben ist. Damit waren die Voraussetzungen für die experimentelle Ausbildung und Forschung in der Physik vorerst zerschlagen<8>. Der Gebäudeabschnitt wurde nach 1955 abgetragen. Das I. Physikalische Institut wurde in den nach dem Krieg noch erhaltenen Räume im Nordbau des Physikinstituts der Landwirtschaftlichen Fakultät in der Invalidenstraße 42 untergebracht. Neben dem naturwissenschaftlichen Komplex am Reichstagsufer waren naturwissenschaftliche Institute in Gebäuden in der Hessischen Straße eingerichtet. Die Gebäudeeinheit der Naturwissenschaftlichen Institute an der Hessischen Straße 1-2 von 1900 nahm Schäden an dem Massivdach des westlichen Zwischenbaus, dem großen Hörsaal des I. Chemischen Instituts und an dem Dach und den mit Pfeilern bestückten Außenwänden des Mittelbaus, dem Hörsaal und in einem Laborraum des südlichen Anbaus, einem Labor und drei Büroräumen des Nordflügels, hierin der Zentralheizung und allgemein an den Fenstern, Türen und Heizungen. Das Gebäude des Physischen Instituts wurde nicht so stark beeinträchtigt.<9>

Die Institute des Baukomplexes waren ursprünglich auf das ganze Quartier verteilt.

Abbildung 4, Grundriß der Naturwissenschaftlichen Institute am Reichstagsufer

Die Gebäudeeinheiten des 1883 eröffneten Pharmakologischen Instituts an der Dorotheenstraße und Bunsenstraße und des Technologischen Instituts des II. Chemischen Instituts am Reichstagsufer und Bunsenstraße konnten erhalten werden. Die Fassaden mit roten Verblendziegeln, Terrakotta und Friesbändern mit Mettlacher Platten sind aus der Bauzeit, aber es sind noch Kriegseinwirkungen, hervorgerufen durch Einschüsse, sichtbar. Besonders das Hauptgesims an der Dorotheenstraße war gebrochen. Die Gebäudeeinheiten an der Neuen Wilhelmsstraße und der Dorotheenstraße und Bunsenstraße sind in der Innenausstattung nach 1945 verändert worden. Hier waren nahezu alle Treppen zerstört. In dem damaligen Physiologischen Institut von 1877 nahm die große gußeiserne westliche Treppenanlage im Krieg Schaden. Die Ausstattung des großen Hörsaals war hierin in Teilen an den Arkadenumläufen, dem Galeriegeländer und Oberlichtern beeinträchtigt.<10>


Fußnoten:

<8>

N. N., Zur Entwicklung der Physik an der Berliner Universität, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Math.-Nat. Reihe XXXII, 1983, 5, S. 603.

<9>

LAB Rep. 110, Nr. 313.

<10>

LAB Rep. 110, Nr. 315; N. N., Physik 1983.


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Wed Feb 23 16:31:25 2000