| Pretzell, Uta: Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs |
In den letzten Kriegsjahren von 1943 bis 1945 wurden die Gebäude der Veterinär-Medizinischen Fakultät in dem weitreichenden Areal zu fünfundsechzig Prozent zerstört<11>. Der verkehrsberuhigte Stadtteil mag mit manch roten Backsteinfassaden an Berlins Scheunenviertel erinnern.
Eine Skizze unterscheidet als Ausmaß an Schäden zwischen vollständiger Vernichtung der Gebäude, teilweisen Zerstörungen und Bombeneinschlägen<12>.
Abbildung 5, Veterinär-Medizinische Fakultät, Skizze der Kriegsschäden, 1948

-Das Hauptgebäude an der Luisenstraße 56 erfuhr 1944 Schäden an dem Risalitvorbau an der Westseite im Institut für Lebensmittelhygiene und an anschließenden Räumen, der Hörsaal mit eingeschlossen. Hierbei entstand ein erheblicher Inventarverlust. In geringerem Maße wurde das Gebäude an der Kellerdecke des Nordflügels und an Obergeschoßdecken im Südflügel beschädigt<13>.
-Das Gebäude der Alten Anatomie von Carl Gotthard Langhans aus dem Jahr 1790 auf der vorderen Parkfläche gegenüber der Humananatomie war an der süd-westlichen Gebäudeseite beschädigt. Auch der südliche Erweiterungsbau, das ehemalige Chemisch-Physiologische Institut von Andreas Gerlach aus dem Jahr 1874, war beeinträchtigt.
-Der Winkelbau des Instituts für Veterinär-Anatomie, westlich abgesetzt von dem alten Theatrum Anatomicum, wurde an den Verglasungen, Holzeinrichtungen, insbesondere im Präpariersaal und Hörsaal, und an seinem Dach beschädigt<14>.
-Die dreiflügelige Gebäudeanlage des Chemisch-Physiologischen Instituts von E. Zastrau von 1914 über dem ehemaligen Botanischen Garten, zum Mittelpunkt des zentrierten hinteren Parkgeländes ausgerichtet, war in den Übungssälen des Chemischen Instituts im zweiten Obergeschoß und in weiten Abschnitten am Dach zerstört<15>.
-Der älteste Gebäudeteil der nördlich gelegenen Klinik von 1840, das Reitraum-Ökonomie-Gebäude, brannte im März 1945 aus. Die Gebäudeanlage aus der Gründungsphase war besonders auf der westlichen Seite des Klinikhofes, wie dem Apothekengebäude, der Bücherei, den Laboratorien, dem Direktorenzimmer, der Wohnung, der Reitbahn und den Futterböden betroffen. Weiter östlich wurde das zu der Sektionshalle gehörende Stallgebäude zertrümmert.<16>
-Die Chirugische Klinik an der Hannoverschen Straße war an ihrem Dach und allgemein am Holzwerk von Schäden beeinträchtigt<17>.
-Das Gebäude des Instituts für Veterinär-Pathologie von 1918 daneben, an dem Eingang der Hannoverschen Straße gelegen, brannte am 18. März 1945 samt Hör- und Kursussaal bis auf die Kellerräume aus. Dabei wurde die Organpräparatensammlung zerstört<18>.
-Das Gebäude der Parasitologie und Rinderklinik war am Dachstuhl, Dachflächen, Wänden und allgemein am Deckenputz, Fenstern und Türen beschädigt<19>.
-Der Erweiterungsbau der Klinik für kleine Haustiere von E. Zastrau aus dem Jahr 1918 erfuhr am mittleren Dachreiter Kriegsschäden<20>.
-Der im südlichen Areal gelegene Rassestall war gänzlich zerstört<21>.
Eine Luftaufnahme von 1945 dokumentiert das Bild der Kriegsverwüstung auf dem Gelände und darüber hinaus des ganzen Stadtteils von Berlin Mitte.
Abbildung 6, Stadtumfeld Charité, Museum für Naturkunde, Veterinär-Medizinische Fakultät, Luftbild, März 1945

Aus einem Lageplan von 1942 von der Regierungs-Bauinspektion geht die Entwicklung der historischen Gartenanlage von 1890 mit der Zentrierung der Wege in der Mitte des Geländes und ihre Bepflanzung mit der Anordnung der Gebäude hervor.
Abbildung 7, Veterinär-Medizinische Fakultät, 1942

Nach dem Krieg mußten Teile der Anlage aufgrund der Zerstörungen neu gestaltet werden. Der Abbruch kriegszerstörter Gebäude legte Wege frei. Ein Entwurf für die Umgestaltung der Gartenanlage vom April 1947 von dem Institut für Gartenkunst und Landschaftsplanung weicht von den historischen Bautraditionen insofern ab, als die Zentrierung des Areals durch eine Anlage weiterer annähernd quadratischer Flächen bedingt wird.
Abbildung 8, Veterinär-Medizinische Fakultät, 1947

| Fußnoten: | |
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LAB Rep. 110, Nr. 314. | |
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H. Bilek, Dokumentation, Vet.-Med. Fakultät, Diplomarbeit Technische Universität Berlin 1994, S. 175. | |
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LAB Rep. 110, 314; LAB Rep. 05-07, Nr. 152. | |
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LAB Rep. 110, 314. | |
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LAB UK 1028, 655 (vor 1945); LAB Rep. 110, 314 u. Christiane Oehmig u. Volker Hübner, Veterinär-Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität und der Freien Universität, Denkmalpflegerisches Gutachten der Fachabtlg. Baudenkmalpflege Berlin 1994. | |
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Theodor J. Körner, Beiträge zur Geschichte der Medizinischen Tierklinik und des Instituts für Gerichtliche Tierheilkunde der Veterinär-Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (Diss. med., Humboldt-Universität zu Berlin), Berlin 1956, S. 31. | |
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LAB Rep. 110, 314. | |
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LAB UK 1352; LAB Rep. 314. | |
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LAB Rep. 314. | |
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Ebd. | |
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LAB Rep. 110, Nr. 315 (1948-51). Hierin ist die Kostenhöhe des Wiederaufbaus genannt - auch auf die Vollständigkeit der Gebäude auf dem Gelände hin. |
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HTML - Version erstellt am: Wed Feb 23 16:31:25 2000 |