Pretzell, Uta: Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs

Kapitel 5. Frauenklinik und Universitätsklinikum

Die Universitäts-Frauenklinik, seit den fünfziger Jahren zwischen der Tucholskystraße 2 <53> und Monbijoustraße, Ziegelstraße 15-18 und Spree, wurde 1878 von den Architekten Gropius & Schmieden als alte Frauenklinik angefangen zu bauen und ab 1886 als Universitätsklinikum eingerichtet. Unter dem Direktorat Walter Stöckels erfuhr sie 1926-30 eine Erweiterung. Die Klinik wurde im Krieg in ihren drei wesentlichen Einheiten - insbesondere in den sich am Ufer befindlichen Gebäudeabschnitten, welche sich schon 1946 wieder im Aufbau befanden - von Zerstörungen stark beeinträchtigt. Dies waren die Frauenklinik mit der Abteilung für Geburtenhilfe an der Ziegelstraße, die Klinik an der Monbijoustraße im Osten des Geländes und die alte Frauenklinik als III. Medizinische Klinik an der Artilleriestraße mit dem Hörsaalblock in der Mitte der Anlage, welche miteinander durch Gänge verbunden waren.<54>

Insgesamt waren sechzig Prozent der Gebäude und Arbeitseinrichtungen im Krieg vernichtet, der restliche Bestand erfuhr schwere Beschädigungen<55>.

Der größte Teil der schwer zerstörten Klinik wurde in den ersten Jahren nach dem Krieg von 1946-60 wieder instandgesetzt oder neu gebaut. Auf einer Zeichnung des Magistrats von Berlin von dem Wiederaufbau der Anlage der Universitäts-Frauenklinik aus dem Jahren 1948-51 sind Abbrüche von Gebäuden mit Totalzerstörungen, Teilabbrüche und sich noch im Bau befindliche Gebäude gekennzeichnet. Hierin wird der Grad der Zerstörungen zu dieser Zeit deutlich.

Abbildung 10, Lageplan des Magistrats von Berlin von der Anlage der Frauenklinik, 1948-51

Andere Gebäudeteile wurden in den Jahren von 1952 bis 1960 gebaut. Darunter fällt der Monbijoubau mit dem Institut für natürliche Heil- und Lebensweisen - gegliedert in Behandlungstrakt, Bettenstation und Poliklinik auf dem Hof - an der Monbijoustraße 2, der Haupteingang und der zum Norden hin abgerundete Abschluß des Neubaus<56>, der Übergang zum zentralen Hörsaalblock von 1892-93<57> und der Übergang von hier aus zum Hauptgebäude an der Artilleriestraße 18 von 1882 und der nördliche Eckpavillon zur Ziegelstraße hin. Das Hauptgebäude an der Artilleriestraße wurde in Teilen abgebrochen oder wiederaufgebaut. In dem Gebäudestück des Instituts für natürliche Heil- und Lebensweisen entstanden Brandschäden am Dachstuhl und im Dachgeschoß an Wänden und Rabitzdecken<58>. Ein Brand am 3. Mai 1945 vernichtete den ältesten Gebäudeabschnitt und weitere Abteilungen der Klinik<59>. Dabei entstand ein immenser Inventarschaden.<60> Das Direktorenwohnhaus im Südpavillon an der Spree und der in die Ziegelstraße reichende Gebäudevorsatz am Nordpavillon des Hauptgebäudes sollten gänzlich abgebrochen werden. Der hinter dem Kesselhaus gelegene Tierstall und die bei dem Ostgebäude gelegene Station der Hydraulischen Universitäts-Anstalt, waren nach dem Krieg entfernt worden<61>. Die Privatklinik der ”Ida-Simon-Stiftung“ von 1909-11 an der Spree, nahe der Monbijoustraße und dem Hintergebäude der Frauenklinik, war im Krieg nahezu ganz auch am Dachstuhl, an den Wänden und Rabitzdecken abgebrannt<62>.

In den Jahren des Wiederaufbaus von 1948-1951 gab es noch Kriegszerstörungen des Universitätsklinikums an der Ziegelstraße 5-11, welche sich nach dem Krieg auf fünfundfünfzig Prozent beliefen<63>, in der Ziegelstraße an dem östlichen Flügelgebäude der poliklinischen Station und westlich in dem Verwaltungsgebäude der Poliklinik und dem südlicher gelegenen Brillensaal im westlichen Flügelgebäude<64>. Aus einem Lageplan des Magistrats von Großberlin des Universitätsklinikums an der Ziegelstraße 5-9 aus den Jahren 1948-51 geht hervor, daß offensichtlich alle Gebäudeeinheiten auf dem Areal, hierin schraffiert und schwarz umrandet gekennzeichnet, durch den Krieg beschädigt wurden. Sich noch im Bau befindende, gefährdete oder zerstörte Gebäudeteile sind farbig und stärker schraffiert gekennzeichnet.

Abbildung 11, Lageplan des Magistrats von Berlin, Universitätsklinikum an der Ziegelstraße 5-9, 1948-51

Abzureißende Gebäude sind ebenfalls markiert. Der Gebäudeabschnitt des Langenbeckhauses, südlich an der Spree, war in seiner baulichen Substanz gefährdet. Hierin wurde das Experimentelle Labor samt Inventar zerstört<65>. Der ganze Komplex ist nicht wieder aufgebaut worden; er wurde in den Achtziger Jahren abgebrochen. Der nahe gelegene, den Viktoria Pavillon südlich abschließende Trakt des Flügels war zerstört. 1944 kam es zu Brandschäden an dem Dachstuhl des Operationssaals der Chirurgischen Klinik und in mehreren Räumen des Obergeschosses in dem Kaiser Pavillon<66>. Bei dem Wiederaufbau mußten Fundamente des ehemaligen chirurgischen Hörsaals neu gelegt werden. In dem westlichen Augusta Pavillon waren ophthalmologische Einrichtungen zerstört. Die auf der Anlage süd-westlich liegende Röntgenstation an der Spree mußte abgerissen werden. Auch die Ufermauer, welche das Gelände zur Spree hin abgrenzte, war gebrochen.<67>


Fußnoten:

<53>

Damals Artilleriestraße 18.

<54>

LAB Rep. 110, Nr. 313 (1945/47); LAB Rep. 05-07, Nr. 152.

<55>

Festkomitee des Rates der Medizinischen Fakultät (Hg.) 1960, S. 23.

<56>

Der Neubau an der Ziegelstraße war an dem Mauerwerk der Hoffront, gegenüber dem Pavillon II., erheblich von Kriegsschäden beeinträchtigt (LAB Rep. 05-07, Nr. 152).

<57>

Der Pavillon der Wochenstation II. war Anfang Januar 1944 in der Westhälfte des Gebäudes völlig zerstört worden (ebd.).

<58>

HUB-Archiv RS No 60 (vor 1945).

<59>

Renate Issmer, Zur Geschichte der Universitäts-Frauenklinik Berlins, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Beiheft zum Jubiläumsjahrgang (IX) 1959/60, S. 184f.

<60>

LAB Rep. 05-07, Nr. 152.

<61>

Ebd.

<62>

HUB-Archiv RS No 60 (vor 1945).

<63>

LAB Rep. 110, Nr. 314.

<64>

Die Hals-Nasen-Ohrenklinik an der Ziegelstraße war durch Kriegseinwirkungen fast vollständig zerstört worden (vgl. Festkomitee des Rates der Medizinischen Fakultät (Hg.) 1960, S. 31).

<65>

LAB Rep. 05-07, Nr. 152.

<66>

HUB-Archiv RS, No 60 (vor 194).

<67>

H. Mietke, Die Ophthalmologie und das Universitätsklinikum, in: Zeitschrift für ärztliche Forschung, 9, 1960, S. 469; LAB Rep. 110, Nr. 313 u. 314.


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Wed Feb 23 16:31:25 2000