| Soika, Aya: Das Kunsthistorische Institut die ehemalige Universitätsbibliothek) |
Die ungünstige Ausgangssituation des kleinen, von drei Seiten eingeschlossenen Baugrundstücks mit einer Straßenfront von nur 22 Metern, zwang den Architekten zu einer maximalen Raumnutzung. Die Bibliothek besteht aus einem Vorderhaus, dem Seitenflügel und einem hinteren Querhaus, die den in der Mitte entstehenden, kleinen Lichthof umschließen. An der westlichen Seitenwand wird das Hinterhaus durch eine aus Eisen konstruierte, verglaste Galerie mit dem Vorderhaus verbunden.
Dem Grundriß ist ein quadratisches Raster zugrunde gelegt, durch das das Gebäude ein einheitliches Maßsystem erhält. Die Raumgröße reichte von einem Gewölberaster (Hausmeisterzimmer im Hinterhaus), über vier (Arbeitszimmer), sechs (Handbibliothek im rechten Seitenflügel), bis zu zehn (Büchersaal im Hinterhaus) Einheiten.
Abbildung 4, Das Kunsthistorische Seminar, Grundriß des zweiten Obergeschosses

Die Raumaufteilung in einzelne Quadrate steht in der Tradition der in den Jahren 1831-36 errichteten Bauakademie, an der Schinkel das Rastersystem exemplarisch angewandt hatte. Die gleich großen Kompartimente ermöglichten eine klare Raumgliederung, die auch Veränderungen in der Innenstruktur zuließen. Fast jeder Einheit ist ein Fenster zugeordnet, das für ausreichende, natürliche Helligkeit sorgt.
Den identischen Raumeinheiten entsprachen die Maße der flachen Kreuzgewölbe. Im Hörsaal und dem darüber liegenden Lesesaal überspannte das Gewölbekreuz nicht nur ein, sondern zwei Quadrate, so daß in diesen zentralen Aufenthaltsräumen fünf um das Doppelte verbreiterte Gewölbekreuze die Decke trugen. Die Kreuzgewölbe waren durch gemauerte Pfeiler oder Werksteinsäulen gestützt und erlaubten eine starke Belastung. Sie waren doppelt gemauert und daher verhältnismäßig feuersicher, ein nicht unwesentliches Kriterium für den Bau einer Bibliothek. Auch die mit Gipsestrich beschichteten Fußböden, die Wasser-Luft Heizung und das Dach aus einer Eisenkonstruktion dienten als Sicherheitsvorkehrungen gegen die Brandgefahr.<21>
Abbildung 5, Universitätsbibliothek, Außenfassade

Der Besucher betritt das Gebäude durch das am linken Rand gelegene Eingangsportal, hinter dem eine Durchfahrt auf den kleinen Innenhof führt. Auf der rechten Seite der Einfahrt leiten einige Stufen in das Foyer hinauf, an dessen Ende das gußeiserne Treppenhaus den Zugang in die oberen Geschosse ermöglicht. Neben dem Eingangsfoyer befand sich die zur Straße hin gelegene Bücherausgabe. Die Treppe führt in das zweite Geschoß hinauf. Ebenfalls an der Straßenfront waren dort ein kleiner Hörsaal mit 25 Plätzen und ein Apparatensaal mit wissenschaftlichen Hilfsmitteln untergebracht. Das dritte Geschoß beherbergte neben dem Lesesaal die zum Hof ausgerichteten Beamtenräume, in denen auch die Kataloge aufgestellt waren. Im Keller- und Erdgeschoß des Hinterhauses hatte man dem Hausmeister eine Dienerwohnung zugedacht. Alle übrigen Räume im Seitenflügel und hinteren Querhaus waren zur Bücheraufnahme bestimmt.<22>
Klar erkennbar ist die charakteristische Trennung der Bibliothek in drei Bereiche: den Lesesaal für die Benutzer, die Verwaltungsräume für die Beamten und die Magazine für
die Bestände der Bibliothek.<23> Die Räume lassen sich bezüglich ihrer Funktionen in einen öffentlichen, repräsentativen Bereich zur Straße hin und den privaten, mit vielen, kleinen Zimmern versehenen Teil mit Hoflage trennen.
| Fußnoten: | |
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Die Deutsche Bauzeitung kritisiert die Übernahme der Holzregale aus dem älteren Bau, anstatt die Feuersicherheit durch die Wahl eines unverbrennlichen Materials für die Repositorien zu erhöhen (Deutsche Bauzeitung 71, 1874, S. 286f). | |
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Zur Raumaufteilung vgl. Friese, Geschichte 1910, S 129ff. | |
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Diese Gliederungsidee geht auf Leopold della Santas Werk Della costruzione e del regolamento di una pubblica universale biblioteca, Florenz 1816, zurück. Della Santa stellt in seinem Buch einen Bibliotheksplan vor, bei dem die Einraumbibliothek zugunsten einer Trennung in drei Bereiche (für Benutzer, Beamte und Bestände) aufgegeben wird (vgl. Hanns Michael Crass, Bibliotheksbauten des 19. Jahrhunderts in Deutschland, München 1974, S. 16). |
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