| Soika, Aya: Das Kunsthistorische Institut die ehemalige Universitätsbibliothek) |
Die dunkelgelbe Backsteinfassade an der Dorotheenstraße mit einer 22 Meter breiten Straßenfront ist dreigeschossig aufgebaut und unterkellert. In die Wandfläche sind in regelmäßigen Abständen sechs Fensteröffnungen eingelassen, durch die das Gebäude eine gleichmäßige Gliederung in sechs Achsen erhält. Die Fassade läßt sich in zwei Zonen, die glatte Rasterfassade des Unterbaus und den mit einer Rundbogenarkatur versehenen Oberbau unterteilen, die in einem spannungsvollen Verhältnis zueinander stehen.
Abbildung 8, Paul Emanuel Spieker, Das Kunsthistorische Institut (die ehemalige Universitätsbibliothek), 1871-74, Aufriß

Der mit einer gelben Ziegelblendschicht verkleidete Unterbau besteht aus einem niedrigen Sockel und den zwei darüber ansetzenden Geschossen von je 4,40 Meter Höhe. Der dunkelrot abgesetzte, leicht vorstehende Sockel bildet die erste Stufe für den Wandaufbau.
Abbildung 9, Der Unterbau des Kunsthistorischen Instituts, Aufnahme von 1996

Er ruht auf einer Plinthe aus Stein, welche die stets dem Spritzwasser ausgesetzte Bodenzone schützen sollte, und wird durch einen Eierstab und ein darüberliegendes, graues Steinbord vom ersten Geschoß getrennt. Unterhalb der Fensterachsen, zwischen Steinplinthe und Eierstab, sind je drei schmale Lichtschächte in die Sockelfläche eingelassen, die als Kellerfenster dienen. Über dem Sockel erhebt sich die dunkelgelbe, glatte Fassadenwand der ersten beiden Etagen. Im ersten Geschoß sind fünf Fenster und das Eingangsportal, im zweiten Geschoß sechs Fenster in die glatte Backsteinfassade eingefügt, welche die Wandfläche in sechs vertikale Achsen unterteilen. Die durch ein hölzernes Sprossenwerk gegliederten Fenster tragen flache, gemauerte Segmentbögen und sind im unteren Bereich durch Brüstungsfelder aus je drei Terrakottaplatten mit plastisch geformten Rosetten geschmückt. Das schlichte Portal, das sich am linken, westlichen Rand der Fassade befindet, ist ebenfalls mit einem Segmentbogen überspannt. Es ist breiter als die Fenster und durchbricht den Sockel. Die oberen Türfelder sind durch Ornamente aus Gußeisen verziert.
Die glatte Fassadenwand des Unterbaus ist im Abstand von vier Ziegelschichten durch farbig abgesetzte, horizontale Lagerstreifen belebt, die den roten Ziegelton des Sockels wiederholen. Lediglich ein schmaler, flacher Rosettenfries aus blau-weißen Schmuckkacheln trennt die beiden unteren Geschosse voneinander. Das gleiche Friesband befindet sich am Abschluß des zweiten Geschosses. Durch die waagerechten Wandstreifen, Gesimsbänder und die monotone Aneinanderreihung der Fensteröffnungen wird die Horizontale hervorgehoben, die den Kubus des Unterbaus als Einheit zusammenfaßt.
Über der Fassade des Unterbaus erhebt sich das sieben Meter hohe Obergeschoß, hinter dessen profilierter, rundbogiger Fenstergalerie sich der Lesesaal der Bibliothek befand. Die Grenze zum Unterbau ist durch einen plastisch geformten, vorstehenden Palmettenfries markiert. Während das darunterliegende weiß-blaue Rosettenband den Abschluß des Unterbaus markiert, gehört das mit Palmetten geschmückte Gesimsband bereits dem Oberbau an und beschreibt auffällig die Grenzlinie zwischen beiden Fassadenzonen.
Abbildung 10, Der Oberbau des Kunsthistorischen Instituts, Aufnahme von 1996

Über dem Gesimsbord setzen die hohen Rundbogenfenster der Galerie an. Zwischen den Arkadenöffnungen stützen achteckige Dreiviertelsäulen und abschließend zwei Pilaster die Architektur und das darüberliegende Gebälk. Die aus Backstein gemauerten Säulen und Pilaster mit korinthischen Kapitellen aus Terrakotta sind vor gestaffelte Laibungen gesetzt, die mit ihren Kehlen und dicht hintereinander liegenden Kanten mehr Wandtiefe vortäuschen sollen. Durch die dichte Folge der Arkaden wird die Ziegelmauer bis auf die Pfeiler aufgelöst, so daß mit ihnen die vertikale Gliederung an Dominanz gewinnt und das Obergeschoß gleichzeitig einen transparenten Charakter erhält. Stützen und Archivolten wirken jedoch massiv und standfest; sie bilden die tragende Struktur der Wände, da auf ihnen das Gebälk lastet. Durch die abschließenden, verbreiterten Pilaster wird das Gebäude als in sich geschlossene Einheit von den Nachbarhäusern abgegrenzt. Die Zwickelfelder der Rundbögen sind mit Medaillons gefüllt. In die Arkaden sind die durch Sprossenwerk gegliederten Fenster eingesetzt.
Nach oben hin wurde der Wandaufbau durch das über der Rundbogengalerie ansetzende Konsolgesims aus Terrakotta begrenzt. Es bildete ursprünglich den Gebäudeabschluß, durch dessen plastisch ausgebildete Schmuckzone der Schwung der aufwärtsstrebenden Pfeiler aufgenommen und in die Horizontale abgeleitet wurde. Zusammen mit dem gleich hohen Sockel verklammerte es die dazwischen liegenden, monoton aneinandergereihten Fensterachsen miteinander und ist gerade in seiner Korrespondenz zum Sockel für die Wirkung der Fassade unverzichtbar.<33>
| Fußnoten: | |
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Zwar können einzelne Formklinker nach vorhandenen Mustern wiederhergestellt werden, doch gibt es für das nicht mehr erhaltene Konsolgesims am Drempel keine Anhaltspunkte nach überlieferten Originalteilen (vgl. Oehmig und Hübner, Gutachten 1993. |
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HTML - Version erstellt am: Tue Mar 7 14:07:46 2000 |