cms-journal
Nr. 26
März 2005
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Zoologische Bestimmungsübungen im Internet

Hannelore Hoch, Andreas Wessel, Viktor Hartung | Museum für Naturkunde, Institut für Systematische Zoologie
hannelore.hoch@museum.hu-berlin.de, andreas.wessel@museum.hu-berlin.de, viktor.hartung@museum.hu-berlin.de

Noch steht der neue Beamer etwas wackelig auf dem Mikroskopierhocker, der wiederum auf dem Arbeitstisch thront …

Das noch etwas provisorische »low-tech«-Ambiente lässt auf den ersten Blick nicht vermuten, dass diese Lehrveranstaltung eine der ersten ihrer Art an der Humboldt-Universität ist, die durch ein modernes E-Learning-System unterstützt wird.

In den »Zoologischen Bestimmungsübungen« für Anfänger sollen Studierende der Biologie lernen, wie man den wissenschaftlichen Namen einer Tierart herausfindet und damit die Stellung dieser Art im System der Organismen. Keine leichte Aufgabe – es gibt schließlich alleine in Europa schätzungsweise 120 000 landlebende Tierarten! – und umso schwieriger, da für diesen Kurs nur 2 Semesterwochenstunden vorgesehen sind. Der eigentliche Zweck des Kurses, nämlich eine Einführung in die Taxonomie und Systematik zu vermitteln, beides wichtige Zweige der Evolutionsbiologie und unabdingbare Voraussetzung für das Verständnis der biologischen Vielfalt, kann daher im Präsenzzeitraum kaum erfüllt werden.

Eine weitere Schwierigkeit sind die hohen Teilnehmerzahlen (bis zu 120 Studierende je Wintersemester), sodass bis zu 4 Parallelkurse von unterschiedlichen Dozententeams durchgeführt werden müssen. Außerdem ist die zum Verständnis der Kursinhalte dringend benötigte Hintergrundinformation über mehrere Lehrbücher verteilt, was gerade Anfängerinnen und Anfängern große Schwierigkeiten bereitet, sich in das komplexe Gebiet einzuarbeiten.

Mneme als Objektmanager und das Lernmanagementsystem Moodle boten sich daher in geradezu idealer Weise an, einige der genannten Probleme zu lösen. Durch unser seit Juni 2004 gefördertes Projekt wurden Zeichnungen und Photographien der im Kurs behandelten Tierarten und verwandter Gruppen, weitergehende Informationen zur Morphologie und Lebensweise sowie erklärende Grafiken ins Medienportal eingestellt und bilden dort eine virtuelle Lehrsammlung. Die für die einzelnen Kurstage benötigten Materialien werden von den Dozenten in Powerpoint-Präsentationen integriert, die durch Moodle für die Studierenden verfügbar sind. So kann der im Unterricht behandelte Stoff nochmals in Originalform eingesehen werden. Begleitend zu jedem Kurstag werden Fragen formuliert und entsprechende Literaturhinweise gegeben. Auf diese Weise sollen die Studierenden lernen, die Lehrinhalte selbständig zu vertiefen und sich mit Literaturrecherche vertraut zu machen. Ein Glossar mit Erläuterungen der wichtigsten Fachbegriffe und ein Diskussionsforum zur Klärung aktueller Fragen (die bislang noch vorwiegend technischer Natur sind) ergänzt das Angebot. Die anfänglichen Schwierigkeiten im Umgang mit dem neuen Medium sind bei Semesterhalbzeit allmählich überwunden, und wir können daran denken, das Angebot weiter auszubauen. In Zukunft möchten wir den Studierenden ermöglichen, die Bestimmungswege der im Präsenzunterricht behandelten Tierarten online nachzuverfolgen. Im Moodle-Forum sollen sie direkt dazu Fragen stellen können und über entsprechende Links – etwa zu aktuellen Forschungsprojekten über diese Tierarten – weiterführende Informationen erhalten.

Die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der digitalen Bildverarbeitung lässt hoffen, dass wir unsere Pläne bald umsetzen können.

Abb. 1: Kursmanagement in Moodle (links), Material aus Mneme: Bilder und Grafiken zu jedem Kursthema, jeweils mit Detailinformationen.

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Abb. 2: Praktisches Mikroskopieren im online-unterstützten Präsenzunterricht.