cms-journal
Nr. 26
März 2005
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Seminare moodlen

Wolfgang Kabatek | Institut für deutsche Literatur, Neuere deutsche Literatur
wolfgang.kabatek@cms.hu-berlin.de

Als ich im Rahmen der Multimediatage der HU erstmals im Sommer 2003 von Moodle hörte, dachte ich zunächst abwehrend: Lernmanagement, System, LMS – ein Betriebssystem für die Bildung also, kaltes Kalkül aus Nullen und Einsen, viel beschworene Interaktivität, wo doch besonders in der oft beklagten Anonymität der deutschen Universitätslandschaft eigentlich der lebendige Dialog mit Studierenden unserer Pflege bedarf. Zugegeben, ein Impuls – gespeist durch ein gewisses Unbehagen gegenüber einem ›innovationsoffensiven Interaktivitäts-Hype‹ sowie der seinerzeit kurrenten Debatte um die Misere hiesiger Bildungsinstitutionen. Schnell wich meine Skepsis einer positiven Überraschung als ich mir das Angebot genauer ansah.

Die übersichtliche Moodle-Oberfläche erschloss sich weitgehend intuitiv und der erste Schritt, einen Kurs mit wöchentlichen Sitzungseinheiten einzurichten, war rasch getan. Der Komfort dieser universitätsweit einheitlichen Lernumgebung, die Kommunikation – ob nun mit dem gesamten Kurs oder aber mit einzelnen Arbeitsgruppen – und die Lehre mit flexibel und variationsreich einsetzbaren Modulen zu unterstützen, hat mich sofort überzeugt. Mit diesem Set von Werkzeugen, soviel war mir sofort klar, würde jegliche seminarbegleitende, private HTML-Bastelei überflüssig werden, da in Moodle didaktische Komponenten eindeutig im Vordergrund stehen und die technischen Aspekte auf die Plätze verwiesen werden.

Im Sommersemester 2004 habe ich in einem propädeutischen Grundkurs Moodle zunächst zurückhaltend eingesetzt und sowohl die Anmeldung als auch die Mitarbeit im LMS freigestellt. Ein geschützter Gastzugang erlaubte den Zugriff auf die zusätzlich zu einem gedruckten Reader bereitgestellten Materialien, die zur direkten Nacharbeitung der einzelnen Lernschritte jedoch zunächst nicht sehr intensiv genutzt wurden. Dies änderte sich – wenig überraschend – in der Vorbereitungsphase zur Klausur. Besonders das im Verlauf des Semesters mit Fachbegriffen sukzessiv aufgefüllte Glossar wurde nachgefragt. Dieses Instrument erachte ich insbesondere für Einführungskurse als sehr hilfreich, es kann jedoch auch mit Gewinn in Hauptseminaren eingesetzt werden.

Darüber hinaus konnte in diesem ersten Kurs über den Moodle-Zugang auf thematisch geordnete Mappen mit weiterführenden Texten zum Selbststudium zugegriffen werden, die ich in Mneme zusammengestellt hatte. Diese Mappen lassen sich inhaltlich und zeitlich sehr präzise einsetzen, der Arbeitsaufwand für thematisch lediglich einmalig angebotene Seminare erscheint mir aber aufgrund der für Mneme notwendigen Eingabe von Metadaten doch recht hoch. Zudem wurde dieses Angebot vergleichsweise selten nachgefragt. Die Möglichkeit, über Mneme Texte bereitzustellen, habe ich seitdem nur noch in der vorlesungsfreien Zeit für die Vorbereitungsphase meines Hauptseminars genutzt. Dabei wurde im KVV auf Moodle verwiesen und dort wurden die Voraussetzungen beschrieben, wie ein Passwort für die seminarvorbereitenden Texte in Mneme zu beziehen wäre. Über die positive Resonanz auf dieses Angebot war ich überrascht. Im laufenden Semester stelle ich in Moodle Texte bereit, indem ich jeweils einen mit der Seminarsitzung verlinkten Ordner anlege und befülle. Diese überaus arbeitsökonomische Distributionsform lässt mit einem Blick Titel, Bereitstellungsdatum und Dateigröße einsehen und wird ausgiebig genutzt.

Nach zwei Semestern Moodle-Einsatz kann ich insgesamt ein positives Resümee ziehen. Wenngleich es an einigen Stellen auch noch kleinere technisch oder logistisch verursachte Reibungsverluste gab, so überwiegt doch klar der Nutzen des durch Moodle erreichten Zugewinns an modularer und zeitlicher Flexibilität (die besonders auch von Studierenden geschätzt wird) sowie eine verbesserte Organisation von Gruppenarbeit. In Hinblick auf eine wünschenswert bessere Verzahnung von Moodle und Mneme scheint es mir mittelfristig darauf anzukommen, eine diesen Instrumenten gemäße arbeitslastverteilende Zusammenarbeitsform im Kollegenkreis zu entwickeln.

Abb. 1: Materialliste des Kurses und zwei Links auf Ressourcen im WWW: Oben die Navigation des Kurses, im Fenster unten die weiterführenden Webseiten.