cms-journal
Nr. 26
März 2005
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Alte Geschichte goes Moodle – eine Zwischenbilanz

Andreas Kohring | Institut für Geschichtswissenschaften, Alte Geschichte
kohringa@geschichte.hu-berlin.de

Der »geneigte Leser« wird sich – sicher zunächst zu Recht – fragen: Was sollen wohl Alexander der Große, Hannibal oder Caligula gemeinsam gerade an diesem Ort? Diese Irritation teilt er oder sie mit den 280 Studierenden, die in diesem Semester erstmalig Moodle-gestützt das epochale Einführungsmodul »Alte Geschichte« absolvieren. Die drei Protagonisten sind die Gegenstände von drei Proseminaren mit Tutorium, die neben einer Einführungsvorlesung einen Teil der Obligatorik des Grundstudiums Geschichte (für alle Studienziele und -gänge) darstellen. Angeregt von einem Beitrag zu Moodle im cms-journal 25 ging es dem Bereich Alte Geschichte (zwei Professuren, eine Juniorprofessur) darum, die Präsenzlehre durch ein Lernmanagementsystem zu stützen. Die gesammelten und noch zu sammelnden Erfahrungen sollen eine Entscheidung auf Instituts- bzw. Fakultätsebene über den Einsatz von Moodle in den kompletten Lehreinheiten unterfüttern. Eine erste Zwischenbilanz aus Sicht des Lehrenden soll im Folgenden gegeben werden.

Um das Potential von Moodle richtig einschätzen zu können, muss zunächst der Blick auf die Rahmendaten gerichtet werden. Im WS 04/05 bietet die Alte Geschichte im Bereich Grundstudium (Pflicht) 8 Proseminare, davon 5 in Moodle mit im Durchschnitt 38 Teilnehmern (bei äußerst heterogener Auslastung: Minimum 18, Maximum 72 Teilnehmer je Veranstaltung), die von 6 Lehrenden durchgeführt werden. Hinzu kommen 5 studentische Tutorien (keines in Moodle) mit im Durchschnitt 40 Teilnehmern und eine Einführungsvorlesung mit 150 Teilnehmern1. Im offenen Modus wird durch Moodle auch die zentrale Sprachklausur Englisch des Instituts für Geschichtswissenschaften unterstützt (Termine, Regeln, Beispielklausuren, Ergebnislisten).

Der Versuch des Moodle-Einsatzes zur Kursanmeldung muss zunächst als gescheitert angesehen werden. Dies hat weniger EDV-technische Ursachen und ist durch abgestimmte Anmeldefristen sowie durch ein angemessenes Handling der Zulassungspraxis der HU (Zulassungen bis in die 4. Vorlesungswoche) durch die Fächer zu kompensieren. Die Verpflichtung, sich zunächst beim Lernmanagementsystem Moodle anzumelden und dann für einen Platz in einem Proseminar zu votieren, muss den Studierenden deutlich besser vermittelt werden. Insbesondere für Studienanfänger muss dazu die Einführungsveranstaltung des Instituts vor der ersten Semesterwoche genutzt werden. Auch sollte die Einbindung von Moodle in das Webangebot KVV gesichert werden.

Ungeachtet dieser Kinderkrankheiten, die eher aus der Inkompatibilität von Lehr- und Lerntraditionen mit den Chancen und Anforderungen des Einsatzes von Moodle resultierten, gilt festzuhalten, dass binnen der ersten beiden Vorlesungswochen alle Lerngruppen physisch wie virtuell voll arbeitsfähig waren.

Was leistet Moodle nun im Alltag? Alle Basisinformationen für Kursteilnehmer sind für sie (und nur für sie durch Zugangskontrolle) vom ersten Moment verfügbar. Mit dem Login sind eine Terminübersicht (Sitzungen, Abgabe-, Prüfungstermine usw.), Arbeitsbibliographie, Referatsübersicht, Themenplan sowie eine 40-seitige Handreichung mit den wichtigsten Informationen zu den Arbeitstechniken verfügbar. Alle Handouts der studentischen Referate werden als PDF-Dokumente zu den einzelnen Sitzungen hinterlegt, weiterführende Links, Kartenmaterial, Photos usw. runden ggf. den Materialbereich der Woche ab.

Dank Wireless-LAN und Beamer in den Hörsälen kann auch in den Sitzungen unmittelbar darauf zugegriffen werden. Diese enge Verzahnung von Präsenzlehre und Moodle erhöhte nachhaltig die Akzeptanz von studentischer Seite. Auf Kopien und Materialordner in der Zweigbibliothek bzw. dem Sekretariat wird vollständig verzichtet. Der daraus resultierende Zwang, sich alles Nötige in Moodle zu beschaffen, wird durch die unschlagbaren Öffnungszeiten von Moodle leicht kompensiert. Eine Alert-Mail, die über frischen Stoff in Moodle informiert, wird dabei von der Mehrheit der Studierenden gewünscht.

Die Studien- und Prüfungsordnungen Geschichte sehen keine Zwischenbenotungen vor, auf den Einsatz der Bewertungstools wurde also bisher verzichtet. Das Nachrichtenforum wurde von den Studierenden bis dato eher in Ausnahmefällen genutzt. Solange der persönliche Kontakt mit dem Lehrenden vor und nach der Veranstaltung, in den Sprechstunden, durch E-Mail, Telefonat usw. gefunden werden kann, besteht offensichtlich kein Bedarf. Das muss eingedenk des dominierenden Paradigmas der Präsenzlehre aber auch nicht weiter verwundern.

Auf der Grundlage der kurzen Erfahrungsskizze möchte ich abschließend noch einen Ausblick wagen: Im Sommersemester 05 soll das vollständige Lehrangebot der Alten Geschichte durch Moodle unterstützt werden. Dazu soll nunmehr im Medienportal eine zentrale Bereitstellung der wichtigsten Materialien, die von allen Kursen genutzt werden, gesichert werden. Erfahrungen z. B. des Swiss Virtual Campus-Projektes (http://www.antiquitas.ch) bzw. der Selbstlernumgebung Perseus (deutscher Mirror: http://perseus.mpiwg-berlin.mpg.de) zeigen anschaulich die Potentiale, die durch den relativ hermetischen Materialbestand der Alten Geschichte und seine digitale Aufbereitung hierfür gegeben sind.

Anmerkungen

1Alle Teilnehmerzahlen beruhen auf einer internen Erhebung vom 15.11.04.