cms-journal
Nr. 26
März 2005
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Moodle am Geographischen Institut

Tobias Kümmerle, Olaf Schnur | Geographisches Institut
tobias.kuemmerle@geo.hu-berlin.de, olaf.schnur@geo.hu-berlin.de

Nachdem im Geographischen Institut zum Teil schon früh mit kommerziellen E-Learning-Diensten wie »eProject.com« gearbeitet wurde, hat sich inzwischen in kurzer Zeit Moodle als Kommunikations- und Lernplattform sowohl in der Lehre als auch in der Forschung durchgesetzt. Dabei haben sich bisher drei große Anwendungsbereiche herauskristallisiert:

  • Kommunikations- und Austauschplattformen für Projektseminare und Drittmittelprojekte mit externen Partnern,
  • Interaktions- und Austauschplattformen für kleinere, workshopartige Seminare,
  • Kommunikations-, Interaktions- und Angebotsplattformen für Lehrveranstaltungen mit großen Teilnehmerzahlen wie z. B. Proseminare oder Statistikkurse.

Neben dem Nachrichtenforum, den kalendarischen Funktionen und den Möglichkeiten, gezielt Links und Materialien bestimmten Themen oder Sitzungen zuzuordnen, werden dabei insbesondere Test-Funktionen, das automatisierte Einreichen von Aufgaben und die Glossarfunktion mit automatischer Verlinkung genutzt.

Erfahrungen mit Moodle

Abb. 1: Drei von acht Testformaten: Multiple Choice, Kurzantwort und Lückentext.
Abb. 2: Im Kurs-Glossar werden zentrale Begriffe festgehalten. Es ist hier zur gemeinschaftlichen Bearbeitung für alle Teilnehmer/innen freigeschaltet. Die Einträge verlinken sich automatisch (durchbrochene Unterstreichung) untereinander und – falls gewünscht – in Forenbeiträge und andere Module des Kurses. Das Glossar kann in unterschiedlichen Modi angezeigt und nach Ende des Kurses separat exportiert werden.

Insgesamt wurden bislang sehr positive Erfahrungen mit Moodle gemacht. Das flexibel einstellbare System ist für die Administratoren ebenso wie für die nicht immer EDV-versierten Studierenden sehr einfach zu handhaben. Dementsprechend hoch ist auch die Akzeptanz bei den Studierenden. Dadurch, dass die »technischen« Hürden für die Studierenden gering sind, erkennen sie sehr schnell den Mehrwert des Dienstes, aktuelle Informationen (wie Kursmaterialien, Termine, Teilnehmerlisten etc.) jederzeit verfügbar zu haben. Insbesondere die Mailinglisten und Foren haben sich bei Gruppenarbeiten oder Absprachen als nützliche Hilfen bewährt. Technische Schwierigkeiten mit Moodle treten recht selten auf. In solchen Fällen kann zudem auf die sehr rege und hilfsbereite Community des deutschen Moodle-Forums und die ebenso hilfsbereite Fachgruppe am CMS zurückgriffen werden.

Die Vorteile für die Lehrenden liegen gerade bei Massenveranstaltungen auf der Hand: Die Studierenden sind schnell und einfach zu erreichen, Terminankündigungen oder -verlegungen sind damit kein Problem mehr und auf Aushänge kann im Prinzip verzichtet werden. Darüber hinaus werden erhebliche Materialkosten eingespart, indem man z. B. Handouts online verfügbar macht. Die Online-Tests haben sich vor allem in der Statistik-Veranstaltung bisher sehr bewährt, da so die wöchentliche Auswertung von Übungsaufgaben erheblich vereinfacht wird und die Studierenden zudem direktes Feedback zu den bearbeiteten Aufgaben erhalten (was sich darüber hinaus auch äußerst motivierend auswirkt). Bei der immer wiederkehrenden Nutzung einer Plattform in der Lehre sollten darüber hinaus beachtliche Skaleneffekte entstehen: Der Rahmen einer Seminarplattform (etwa für Statistik- oder Proseminare) kann immer wieder verwendet werden. Notwendige Aktualisierungen des Lehrprogramms können zielgerichtet und ohne großen Aufwand vorgenommen werden.

Der größte Mehrwert von Moodle ist aus unserer Sicht jedoch ein anderer: Durch die Integration eigener Dokumente (z. B. der Powerpoints eines Referats) der Studierenden auf der Plattform oder auch durch die Möglichkeit eines jeden Teilnehmers, z. B. Porträtfotos einzusetzen, die dann in der Mailkommunikation automatisch verwendet werden, entsteht für alle das Gefühl, Teil eines gemeinsamen »Projekts« oder einer »Community« zu sein. Mit Moodle lässt sich auf diese Art und Weise eine integrative Wirkung auf Seminare erzeugen. Dadurch kann eine »Seminaridentität« entstehen, die bindend und verbindlich wirkt.

Ein entscheidender Nachteil gegenüber vergleichbaren Plattformen ist es, dass es bislang kein richtiges, für alle nutzbares und gestaltbares Dokumentenablagesystem gibt (dies ist in Moodle bislang allenfalls über Hilfskonstruktionen darstellbar). Insbesondere für Projektseminare und Kooperationsplattformen wäre dies sehr wünschenswert, ja notwendig. Die Komplexität und Flexibilität der verfügbaren Aufgaben im Testmodul lässt momentan (noch) etwas zu wünschen übrig, jedoch können mit Hilfe der Lückentext-Funktion eigene Aufgabentypen erstellt werden.

Potenziale

Aus der Sicht der Geographie bieten sich vor allem drei Bereiche an, in denen Moodle perspektivisch von großem Nutzen sein kann. So würde die Umsetzung eines Anmeldungsmoduls die Vergabe von Seminar- und Exkursionsplätzen sowohl für Studenten als auch die Lehrenden erheblich erleichtern. Eine weitere mögliche Anwendung von Moodle könnte die Überführung der Evaluation von Lehrveranstaltungen in ein Online-Format sein. Analog zum Testmodul lägen die Vorteile hierbei vor allem in der einfachen und schnellen Auswertung der Umfrageergebnisse. Ein besonders großes Potenzial liegt unseres Erachtens in der Anwendung der Plattform im Rahmen von Projektarbeiten (sei es in Forschungs- oder Studienprojekten). Dieses Potenzial könnte durch ein komfortables Dokumentenaustausch- und -ablagemodul noch stärker nutzbar gemacht werden.