cms-journal
Nr. 26
März 2005
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Kollaboratives Lernen mit Moodle

Sophie Mützel | Institut für Sozialwissenschaften, Vergleichende Strukturanalyse
sophie.muetzel@sowi.hu-berlin.de

Bevor ich Moodle an der HU im März 2004 auf einem CMS-Workshop kennenlernte, habe ich versucht, meine Lehre digital mit einer eigenen Webseite und einer E-Mail-Liste zu begleiten. Die Webseite fungierte wie ein virtuelles schwarzes Brett hinter Glas, in dem Materialien von mir aufgehangen und von denjenigen, die das Passwort kannten, betrachtet werden konnten. Als Soziologin, die sich Strukturen durch den Blick der sozialen Netzwerkanalyse nähert, wurde mir schnell klar, dass dieser sternförmige Aufbau der Kommunikationsstruktur – Lehrende in der Mitte, mit allen Teilnehmer(inne)n verbunden, jedoch keine Verbindung zwischen den Teilnehmer(inne)n – zwar für die Verteilung von Informationen nützlich ist, jedoch kollaboratives Lernen unter den Teilnehmer(inne)n ausschließt. Moodle ermöglicht genau diesen Schritt vom »schwarzen Brett« zu einem Kommunikationsort und öffnet somit neue Möglichkeiten für eine interaktive Wissensgenerierung. Gleichzeitig mindert es Arbeitsaufwand wie z. B. die Erstellung von E-Mail-Listen.

Kursbegleitende Nutzung

Ich habe Moodle bisher in fünf unterschiedlichen Seminaren benutzt: in BA-Grundkursen und Proseminaren, in Hauptstudiumsseminaren (MA und Diplom) sowie in Doktorandenseminaren. Dazu befinden sich für BA-Grundkurse und Proseminare Zusatztexte, für die Hauptseminare sogar alle Texte, in digitaler Form auf Moodle.

Darüber hinaus benutzen wir beispielsweise im Wintersemester 2004/ 2005 am Lehrbereich Vergleichende Strukturanalyse des Instituts für Sozialwissenschaften Moodle gezielt zur Vorlesung und zu den BA-Grundkursen »Soziologische Theorie«: In wöchentlichen Foren und nach einzelnen Grundkursen getrennt können BA-Studierende Handouts und Kommentare zu gelesenen Texten hochladen und einsehen. Damit erstellt sich jeder Grundkurs ein eigenes elektronisches Gedächtnis, das zur späteren Klausurvorbereitung genutzt werden kann.

In Seminaren des Hauptstudiums (MA, Diplom und Doktoranden) setze ich Moodle sogar noch stärker als Instrument kollaborativen Lernens ein: In 1- bis 2-seitigen Memos halten Studierende ihre Reaktionen zu gelesenen Texten schriftlich fest und stellen diese am Tag vor der eigentlichen Seminarsitzung ihren Kommiliton(inn)en online zur Verfügung. Manchmal wird auf Moodle bereits über Texte diskutiert, bevor sich das Seminar trifft; manchmal setzt sich die Diskussion auch nach der Sitzung online fort.

Vertiefung der Diskussionen und Verbesserung der Kommunikation

Moodle ermöglicht ein Lernen durch Beobachten von peers. Die Studierenden verfolgen sehr aufmerksam die online gestellten Arbeiten ihrer Kommiliton(inn)en. In den Seminarsitzungen werden die digitalen Beiträge immer wieder in die Diskussion einbezogen. Im Vergleich zu meinen Seminaren ohne Moodle-Nutzung haben die schnell einsehbaren und allen verfügbaren studentischen Beiträge das Diskussionsniveau gehoben: Die Studierenden gehen besser aufeinander ein, Fragen aus Memos oder Handouts werden direkt angesprochen und erläutert und ungeklärte Aspekte werden auch nach der Sitzung online weiterdiskutiert.

Moodle hat außerdem die Kommunikation im Seminar verbessert. Die Studierenden können einfach über Nachrichtenforen erreicht werden. Es gibt keine ärgerlichen, zurückkommenden E-Mails, weil die Mailbox überfüllt ist oder eine falsche E-Mail-Adresse angegeben wurde. Aber nicht nur technisch hat Moodle die Kommunikation verbessert; auch der Gruppenzusammenhang scheint sich verändert zu haben: z. B. hat schon ein Student seine Geburtstagseinladung per Moodle an alle Teilnehmer(inne)n des einen Hauptseminars versandt.

Die Nutzung von Moodle hat sich als sehr einfach herausgestellt. Nach einer kurzen Einführung erkunden und nutzen die Studierenden das System eigenständig und ohne weitere Erklärungen. Nur zu Beginn des Semesters treten vereinzelt Schwierigkeiten technischer Natur auf, die bisher mit Hilfe der Moodle-Beratung im CMS immer schnell gelöst werden konnten.

Ausblick

Abb. 1: Vorlesung mit 5 begleitenden Grundkursen: Konventionelle Leseliste und online-Materialien für die 8. Woche sowie integrierte Diskussionsforen der Grundkurse.

Das Feedback von Studierenden hat gezeigt, dass Moodle mit Neugier angenommen worden ist. Und auch für mich als Lehrende hat sich Moodle als Lernmanagementsystem bewährt. Es ist ein Kommunikationsort geworden, in dem vernetzt und kollaborativ gelernt wird. Die Studierenden üben sich im selbstverständlichen Umgang mit elektronischen Medien, und mein Kommunikationsaufwand als Lehrende ist viel überschaubarer geworden.

Zum Abschluss eine Anregung: Für die weitere Nutzung von Moodle würde ich es begrüßen, wenn noch mehr Texte elektronisch an den Bibliotheken der HU verfügbar wären. Ich würde mir wünschen, URLs bzw. DOIs von Verlagen oder Datenbanken angeben zu können, anstatt eigens eingescannte PDF-Dateien hochladen zu müssen.