cms-journal
Nr. 26
März 2005
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Ein Internetportal für eine Physikvorlesung

Burkhard Priemer | Institut für Physik, Didaktik der Physik
priemer@physik.hu-berlin.de

Im vergangenen Semester wurde die Plattform Moodle zum ersten Mal am Institut für Physik der Humboldt-Universität zu Berlin in einer Lehrveranstaltung eingesetzt. Sowohl Studenten als auch Dozenten konnten dabei Erfahrungen mit einer multimedialen Begleitung einer Vorlesung sammeln, ein Szenario, das in vielen Universitäten außerhalb Deutschlands bereits Alltag ist. Insgesamt fiel die Bewertung positiv aus, auf Wunsch der Studierenden wird Moodle auch in diesem Semester wieder genutzt. Dennoch bleibt der tatsächliche Einsatz in der Praxis noch hinter den prinzipiellen Möglichkeiten einer solchen Plattform zurück.

Das Schlagwort »E-Learning« ist heute zum Synonym für modernes Lernen geworden. Neue Medien sollen dazu beitragen, Lernenden Wissen und Fähigkeiten individuell zugeschnitten, in geeigneten Portionen zur richtigen Zeit und an beliebigen Orten zu vermitteln. Übertriebene Erwartungen dürfen hingegen auch an E-Learning nicht gestellt werden: Lernen bleibt ein unter Umständen mühsamer Prozess. Elektronische Medien können aber wertvolle Hilfen bieten. Dies haben Universitäten insbesondere in den USA, in Großbritannien und Australien – darüber hinaus auch Unternehmen der Wirtschaft – längst erkannt. Sie bieten internetgestützte Kurse an, die entweder rein virtuell sind, aus einer Mischung von virtuellem Lernen und Präsenzlernen bestehen oder als Begleitung von klassischen Lehrveranstaltungen konzipiert sind. Eine Erhebung des Instituts für Medien- und Kompetenzforschung und des Multimedia Kontors Hamburg unter deutschen Hochschulen hat gezeigt, dass hierzulande zum einen im Wesentlichen Präsenzveranstaltungen mit Online-Unterstützung angeboten werden, die zum anderen nur einen sehr geringen Teil der Studentenschaft erreichen.

Dies spiegelte sich bei dem Einsatz von Moodle in der Veranstaltung Experimentalphysik II des Grundstudiums ebenfalls wider. Auch hier handelte es sich um eine Online-Ergänzung der Vorlesung für eine kleine Auswahl von Studenten der Physik. Von den Dozenten wurde insbesondere die Möglichkeit genutzt, die Studierenden mit zusätzlichem Material wie Übungsaufgaben, Bildschirmpräsentationen, Quellen, multimedialen Dateien sowie Hinweisen zu aktuellen Themen oder Terminen zu versorgen. Die überwiegende Mehrheit der Besucher der Vorlesung hatte sich erfolgreich auf der Plattform registriert. Dementsprechend war die Anzahl der Diskussionsbeiträge zu Beginn der Veranstaltung recht hoch. Die Beteiligung ging aber im Laufe des Semesters merklich zurück und stieg erst wieder an, als die Abschlussklausur näher rückte. Unserer Erfahrung nach ist das Portal ein gutes Medium zur Ergänzung einer Veranstaltung, auf das Studierende regelmäßig zurückgreifen können. Jedoch kann man bei dem derzeitigen Einsatz als Begleitung einer Präsenzveranstaltung nicht erwarten, dass sich in jeder Woche spannende Diskussionen ergeben. Wichtig scheint aber die prinzipielle Möglichkeit, in jeder Woche und zu jeder Zeit Anregungen zu machen, Kommentare abzugeben oder Fragen zu stellen. Um sich als selbstverständliches Instrument für Vorlesungen zu etablieren, müssen sich sowohl Lehrende als auch Lernende über einen längeren Zeitraum mit dem Portal vertraut machen. Dann kann der Zugriff auf die Webseite der Veranstaltung zur Routine werden und weitere Funktionen wie die Bewertung von Studienleistungen, die tutorielle Betreuung von Studierenden oder die Verwendung des Kalenders können Anwendung finden. Deshalb wird auch in diesem Semester die Vorlesung Experimentalphysik III entsprechend begleitet.

Abb. 1: Start im Diskussionsforum: Versuchen wir's mal.