cms-journal
Nr. 26
März 2005
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E-Kompetenz im Kontext

Peter Schirmbacher
schirmbacher@cms.hu-berlin.de

Abstract

Unter Federführung des CMS hat sich die Humboldt-Universität an der Ende letzten Jahres erfolgten BMBF-Ausschreibung »Neue Medien in der Bildung« beteiligt und mit diesem Antrag die Zusage auf Förderung erhalten. Das Projekt »e-Kompetenz im Kontext«, das im Artikel in den Grundzügen beschrieben wird, richtet sich auf die Herausbildung einer hochschulweiten Struktur zur systematischen und nachhaltigen Integration von E-Learning in Lehre und Studium. Es ist durch die Schwerpunkte Lehre ins Netz, E-Learning-Verbund und E-Didaktik und Kompetenzentwicklung gekennzeichnet.

Das vorliegende Heft des cms-Journals stellt in gewissem Sinne eine Bestandsaufnahme des Multimedia-Einsatzes an der Humboldt-Universität dar. Auf der Basis der Multimedia-Konzeption gibt es seit 1999 die vielfältigsten Aktivitäten auf diesem Gebiet in unserer Universität. Seit dem Jahre 2000 existiert ein jährlich ausgeschriebenes Multimedia-Förderprogramm in Höhe von 250 000 Euro, das eine ganz entscheidende Komponente zur Verbesserung sowohl der technischen Ausstattung als auch der Möglichkeiten zur Entwicklung multimedialer Anwendungen darstellt. Unter Ausnutzung der Mittel des Hochschulwissenschaftsprogramms IV wurde im Computer- und Medienservice das Multimedia Lehr- und Lernzentrum als koordinierende Stelle der Multimedia-Aktivitäten der Universität als auch als Kompetenzzentrum und damit Multiplikator gegründet. In Verbund mit anderen Hochschulen wurden seit dieser Zeit durch die unterschiedlichsten Institute der HU Projekte in einer Gesamthöhe von 1 829 000 Euro beim BMBF eingeworben. Dokumentiert werden diese Aktivitäten bei den einmal jährlich stattfindenden Multimedia-Tagen. Die Medienkommission des Akademischen Senats, die 1999 durch die Zusammenlegung der bisherigen Bibliothekskommission und der Rechnerkommission entstanden ist, und der Multimedia-Lenkungsausschuss, in dem der Vizepräsident für Studium und Lehre, der Vizepräsident für Forschung, der Vorsitzende der Kommission für Studium und Lehre, der Vorsitzende der Medienkommission und der Direktor des CMS vertreten sind, sind die den Prozess begleitenden universitären Gremien.

Auf der Basis dieses erreichten Standes hat sich die Universität unter Federführung des Computer- und Medienservice an der Ausschreibung des Bundesministeriums für Forschung und Technologie zum Thema »E-Learning im Dienste für die Wissenschaft« beteiligt und einen entsprechenden Antrag eingereicht. Im Rahmen der so genannten Förderlinie A geht es in einem fächerübergreifenden und hochschulspezifischen Kontext darum, »die Entwicklung von organisatorischer Infrastruktur und Management zur Ausschöpfung des durch die IuK-Technologien eröffneten Innovationspotentials im Bereich von Lehre, Lernen und Prüfungen an den Hochschulen systematisch und nachhaltig voranzutreiben. Dabei ist die hochschulweite Integration von E-Learning als strategische Aufgabe für die Hochschulentwicklung anzusehen, die Kompatibilität mit gegebenenfalls vorhandenen Medienentwicklungsplänen zu sichern.« Der Antrag der Humboldt-Universität trägt den Titel »e-Kompetenz im Kontext – Integrative Strukturmaßnahmen zur Unterstützung einer forschungsnahen Lehr- und Lernkultur an der Humboldt-Universität (e-KoKon).«

»e-Kompetenz im Kontext« ist ein weitgreifendes dreigliedriges Maßnahmepaket, das dezentrale fachliche Kompetenz und zentrale Unterstützung zur effektiven Selbstorganisation im Rahmen der Fakultäten und Einrichtungen zusammenführt. Der Idee des Förderprogramms folgend ist es das Ziel, die vorhandenen Multimedia-Aktivitäten auszudehnen und sie dabei auf eine qualitativ höhere Stufe zu stellen, indem sie weit mehr als bisher in den Lehr- und Studienprozess verwurzelt werden. Wir wollen eine Verstetigung erreichen, die nicht nur durch das Engagement einzelner Vorreiter geprägt ist, sondern die gesamte Universität durchzieht.

»E-Kompetenz im Kontext« bettet sich ein in den allgemeinen Umstrukturierungsprozess der Universität und ist ein auf E-Learning ausgerichtetes Projekt. Es dient der Ausbildung einer hochschulweiten Struktur, die den Aufbau von in den Fächern verankerten Kompetenz-Kernen zur systematischen und nachhaltigen Integration von E-Learning in Lehre und Studium ermöglicht. Es ist gekennzeichnet durch drei Schwerpunkte:

  • Lehre ins Netz: Ausrichtung, Verknüpfung und Ausbau von Strukturen, um webunterstütztes Lehren und Lernen breit zu verankern und sichtbar zu machen.
  • E-Learning-Verbund: Zusammenführung von Akteuren aus Instituten, Fakultäten, Zentraleinrichtungen und Verwaltung.
  • E-Didaktik und Kompetenzentwicklung: Methodisch-didaktisches Qualitätsmanagement und Begleitung der Gesamtmaßnahme.


Lehre ins Netz

Webunterstütztes Lehren und Lernen – die vordringliche E-Learning-Aufgabe an der Humboldt-Universität – setzt das abgestimmte Zusammenspiel von Organisation, Content-Entwicklung und Technik sowie Didaktik voraus. Leitlinie von »E-Kompetenz im Kontext« ist, möglichst auf allen Ebenen die fachbezogene Selbstorganisation im gesamtuniversitären Rahmen zu initiieren und zu unterstützen. E-Learning an der Humboldt-Universität soll wesentlich stärker als bisher sichtbar werden, um Synergien und die Dynamik einer fortschreitenden Nutzung ausschöpfen zu können. Das Zusammenspiel der verschiedenen notwendigen Dienste, beginnend bei der zentralen Verwaltung bis zum einzelnen Kursmanagement, wird homogener und damit transparenter und selbsterklärend gestaltet. Meist psychologisch bedingte Barrieren der Techniknutzung sollen abgebaut werden.

Die Anforderungen an Entwicklung und Bereitstellung von Inhalten für Lehre und Studium sind sowohl fach- als auch zielgruppenspezifisch. Im Rahmen von »e-Kompetenz im Kontext« sollen möglichst umfassende und nachhaltige Effekte erzielt werden. Dies bedeutet breite Nachnutzung, problemlose Aktualisierung, basale, transparente und nutzerfreundliche Verfahren.

Das bereits etablierte Lernmanagementsystem Moodle stellt alle Komponenten zur Verfügung, die für die Abbildung und Unterstützung der Abläufe eines Kurses erforderlich sind wie Agenda, Materialpräsentation und -verteilung, Kommunikation und Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen. Vorbereitete bzw. durchgeführte Kurse lassen sich ohne weiteres und skaliert duplizieren und an neue Anforderungen anpassen. Bei weitgehender technischer Standardisierung können diese Einheiten ganz oder in Teilen wieder verwendet oder weitergegeben werden. Das einheitliche Handling unterstützt dabei die Kooperation innerhalb eines Faches. Diese Einheiten im Lernmanagementsystem sollen soweit als möglich als flexibles und interoperables Gerüst für die Kursmodule der neuen Studiengänge eingesetzt werden. Die Produktion der einzelnen Materialien geschieht im Wesentlichen im fachlichen Kontext. Das MLZ bietet dabei Unterstützung in Form von Beratung, Einweisung und Kursen mit dem Ziel, technische Medienkompetenz vor Ort aufzubauen. Hier sollen die Serviceangebote weiter nutzerorientiert gebündelt werden und eine geschlossene Dienstleistungskette realisiert werden, die auch eine didaktische Beratung umfasst.

Für die multimedialen Datenbestände stehen individuelle Arbeitsbereiche im Medienportal der Humboldt-Universität zur Verfügung. Dort können gemeinschaftlich fachbezogene Sammlungen aufgebaut, verwaltet und differenziert in Forschung, Lehre und Studium genutzt werden. Der Aufbau von Sammlungen im Medienportal und ihre gemeinschaftliche Nutzung werden durch das schon erwähnte Multimedia-Förderprogramm ausdrücklich unterstützt.

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Lehre ins Netz...

E-Learning-Verbund...

E-Didaktik und Kompetenze...


E-Learning-Verbund

Der neu zu bildende E-Learning-Verbund ist ein strukturell verankertes Forum für die Diskussion, Ausbreitung und Verstetigung von E-Learning. Als Vertretung der Fakultäten und Institute vernetzt er die Einrichtungen sowohl untereinander als auch mit den gesamtuniversitären Entscheidungs- und Dienstleistungsstrukturen; außerdem wird seine Einrichtung die Koordination innerhalb der Fakultäten wie auch der Institute verbessern oder anstoßen. Für Aufbau und Organisation des Verbunds wird befristet eine halbe Stelle eingerichtet. Zur Unterstützung der Arbeit ihrer E-Learning-Koordinator(inn)en können die Fakultäten auf einen Pool von studentischen Mitarbeiter(inne)n zurückgreifen.

Der E-Learning-Verbund begleitet und evaluiert die Umsetzung von »Lehre ins Netz«, insbesondere in Bezug auf die Integration von E-Learning in die neuen konsekutiven Studiengänge und den Aufbau von E-Kompetenz im fachlichen Kontext. Zielgruppe sind die Studiendekan(inn)e(n) der Fakultäten sowie die ebenfalls zu initiierenden lokalen E-Learning-Koordinator(inn)en der Institute. Angesichts der Vielfalt anstehender Aufgaben werden Projektgruppen zu verschiedenen Fragestellungen (Widerspiegelung der Studienreform, Studien- und Prüfungsorganisation, Webpräsenz, Didaktik u. a.) gebildet. Neben Präsenztreffen sollen v. a. kommunikative und kollaborative Techniken des E-Learnings eingesetzt werden, fachlich moderiert jeweils von der Abteilung Studienreform und Evaluation, vom E-Didaktik-Zentrum und vom MLZ.

Der Sprecher/die Sprecherin des E-Learning-Verbunds wird Mitglied des Multimedia-Lenkungsausschusses und vertritt den Verbund bei Bedarf in den Kommissionen des Akademischen Senats (Kommissionen Lehre und Studium bzw. Medienkommission).

Die angestrebte Struktur verdeutlicht das Organigramm »Vernetzung und Verstetigung von E-Learning-Strukturen«. Der E-Learning-Verbund wird als neue, vom Multimedia Lehr- und Lernzentrum betreute Plattform der Fakultäten und Institute in den Multimedia-Lenkungsausschuss integriert, der die strategischen Entscheidungen für den Einsatz von E-Learning in der Humboldt-Universität trifft.

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Lehre ins Netz...

E-Learning-Verbund...

E-Didaktik und Kompetenze...


E-Didaktik und Kompetenzentwicklung

Abb. 1: Organisationsmodell zur Vernetzung und Verstetigung von E-Learning-Strukturen.

Sämtliche Maßnahmen von »e-Kompetenz im Kontext« müssen methodisch-didaktisch begleitet und mit Blick auf die besonderen Anforderungen von E-Learning im Hochschulbereich überprüft werden. Dies betrifft strategische Entscheidungen, die Entwicklung von Modulen und Materialien wie auch die technischen Systeme. Dieses wird an der Humboldt-Universität als eine Grundbedingung für eine erfolgreiche Verstetigung von E-Learning und damit für eine neue Lehr-/Lernkultur gesehen.

Vor allem brauchen die Lehrenden Unterstützung bei der Transformation ihrer Lehrveranstaltungen im Zuge der Einführung der Neuen Medien. Die Einsatzszenarien müssen jeweils überprüft und an das Umfeld angepasst werden. Parallel ist eine Strategie für den stufenweisen Ausbau und das Qualitätsmanagement zu entwickeln. In der Regel eignen sich die Lehrenden und ihre Lernenden die neuen Techniken sukzessiv an und weiten sie bei Erfolg und nach Bedarf aus – sofern eine systematische Beratung und Anregung stattfindet. Dieser Arbeitsbereich hat kontinuierlich an Umfang und Bedeutung gewonnen und kann in Qualität und Quantität von einem bisher mehr technisch ausgerichteten Multimedia Lehr- und Lernzentrum nicht befriedigend abgedeckt und weiterentwickelt werden. Die methodisch-didaktische Begleitung des E-Learning-Verbundes und seiner Arbeitsgruppen ist ein Schlüsselelement für seine Innovationskraft. Auch hier wirken die E-Learning-Koordinator(inn)en in ihre Institute hinein und organisieren gemeinsame fachbezogene Veranstaltungen.

Der neue Arbeitsbereich E-Didaktik und Kompetenzentwicklung wird im Multimedia Lehr- und Lernzentrum angesiedelt, arbeitet aber unter der Federführung der Abteilung Systematische Didaktik und Unterrichtsforschung (Ltg. Prof. Dr. Sigrid Blömeke) des Instituts für Erziehungswissenschaften. Dort gibt es das notwendige Umfeld aus Forschung und Lehre, aus dem aktuelles Wissen und innovative Anregungen bezogen und weitergegeben werden können. Dies knüpft an die positive Bilanz des Multimedia Lehr- und Lernzentrums an, die wesentlich auf der organisatorisch-fachlichen Einbindung in den Computer- und Medienservice beruht, über den das Know-how und die erforderliche Infrastruktur auf kurzen Wegen zur Verfügung steht. Die Bündelung der didaktischen, allgemein-technischen, medien- und E-Learning-spezifischen Kompetenzen macht das Multimedia Lehr- und Lernzentrum zu einem leistungsfähigen Partner und Dienstleister des E-Learning-Verbunds.

Die in »e-Kompetenz im Kontext« gebündelten Maßnahmen richten sich an alle Lehrenden und Lernenden der Humboldt-Universität. Neben der projektorientierten Förderung von Vorreiter(inne)n und neuen Initiativen wird nun eine zweite Säule aufgebaut: Sie ist systematisch orientiert und zielt darauf ab, in mehreren Schritten möglichst ganze Institute oder Fakultäten einzubinden. e-KoKon setzt auf die Projekte und Arbeit der Vorreiter/innen auf und strebt neben der organisatorisch-strukturellen Verankerung die Verbreiterung der Basis von E-Learning im fachlichen Umfeld an. Alle Lehrenden mit ihren Lernenden werden damit angesprochen, wobei in der Umsetzung verschiedene Zielgruppen auf unterschiedlichen Wegen spezifisch erreicht werden müssen: Nichtnutzer/innen, passive und aktiv-kreative Nutzer/innen, die es jeweils unter Lehrenden wie Lernenden gibt, oft geprägt auch vom Arbeits- und Kommunikationsumfeld der jeweiligen Disziplin.

Zu den Zielgruppen des geplanten Angebots zählen insbesondere:

  • Vorreiterinnen und Vorreiter, die als E-Learning-Koordinator(inn)en besonders unterstützt werden,
  • E-Kompetenz-Kerne, die ihre fachliche Kompetenz auf adäquate Formen des E-Learning anwenden, den Mehrwert von E-Learning vor Ort etablieren und zur Verbreitung beitragen,
  • unerfahrene Nutzer/innen, die an einer institutsweiten Einführung neuer Methoden teilnehmen,
  • besonders aufgeschlossene Gruppen wie der wissenschaftliche Mittelbau, neue Hochschulangehörige, Juniorprofessoren, Nachwuchsgruppen,
  • studentische Mitarbeiter/innen zum Transfer von spezifischen Techniken in Einzelbetreuung,
  • Entscheidungsträger/innen, die Expertise und Unterstützung bei der Einführung von E-Learning benötigen, wie die Studiendekan(inn)e(n) der Fakultäten oder Institutsleitungen.

Das Multimedia Lehr- und Lernzentrum verfügt durch die bisherigen Aktivitäten und vor allem durch die Projektbetreuung im Rahmen des Multimedia-Förderprogramms bereits über Kontakte zu nahezu allen Instituten der Universität und entsprechende Vorerfahrungen zur allgemeinen Situation vor Ort. Bei einer Verbreiterung der lokalen Basis wird die Analyse und Beratung in Bezug auf die jeweils konkreten Zielgruppen unter den Lernenden der einzelnen Lehr-/Lernangebote durch die Stelle für E-Didaktik getragen.

Das Vorhaben befindet sich gegenwärtig in der Genehmigungsphase beim BMBF. Nach der offiziellen Zusage werden die Details der Umsetzung im Multimedia-Lenkungsausschuss und in der Medienkommission diskutiert. Wir sind optimistisch und hoffen, noch im Verlauf des Sommersemesters mit der Arbeit beginnen zu können und werden die Multimedia-Tage 2005 nutzen, um das Vorhaben auch in den weiteren angedachten Arbeitsschritten vorzustellen.

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Lehre ins Netz...

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