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Nr. 26
März 2005
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Bilddatenbank der Ur- und Frühgeschichte

Claudia Theune | Institut für Geschichtswissenschaften, Ur- und Frühgeschichte
theunec@geschichte.hu-berlin.de

Bildmaterial in Lehre und Studium

Die ur- und frühgeschichtliche Archäologie ist eine Wissenschaft, die den Studierenden in der Lehre die archäologischen Fundkomplexe durch visuelles Anschauungsmaterial vorstellt. Die hochdifferenzierte Typenvielfalt von Objekten des Alltagslebens (Trachtenschmuck, Waffen, Alltagsgeräte) und Befunden (Hausgrundrisse, Bestattungen, Werkstätten) von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit sowie vielfältige Rekonstruktionen, tabellarische und kartographische Darstellungen sind in erster Linie optisch zu vermitteln. Verbale Beschreibungen sind nur unzulängliche Hilfsmittel. Der Einsatz von visuellen Medien hat in der Archäologie eine lange Tradition und reicht von Gipsabgüssen über verschiedenformatige Diapositive, Papiervorlagen für Episkope bis zu Overheadfolien. Seit wenigen Jahren treten EDV-gestützte Präsentationen hinzu. Sowohl einige der Lehrenden als auch immer mehr Studierende nutzen diese didaktisch hoch einzuschätzende Präsentationsform. Bislang mussten die Nutzer sich jedoch selbst die digitalen Vorlagen beschaffen.

Um den Studierenden und den Lehrenden den Zugriff auf das Bildmaterial zu erleichtern, wurde im Rahmen des Multimedia-Förderprogramms 2004 ein Projekt initiiert, das den Aufbau einer digitalen Bilddatenbank zum Ziel hat. Dabei wurde in erster Linie an die Lehre im Grundstudium der ur- und frühgeschichtlichen Archäologie gedacht. Das Studienprogramm der ersten Semester ist einheitlich geregelt. In einem viersemestrigen Kurs werden alle großen Epochen in Mitteleuropa mit ihren wichtigsten archäologischen Fundkomplexen vorgestellt. Es ist also im Großen und Ganzen absehbar, welche Daten für die Studierenden und die Lehrenden zur Verfügung gestellt werden müssen. In den Vorlesungen wird ein allgemeiner Überblick gegeben, in den Proseminaren stellen die Studierenden wichtige Fundorte vor oder behandeln spezifische Fundgruppen wie z. B. Schwerter.

Abb. 1: Bilddatenbank der Ur- und Frühgeschichte für Lehrende und Studierende, u. a. zur Vorbereitung von Seminarbeiträgen.

Struktur

Von grundlegender Bedeutung bei der Realisierung des Projekts war der systematische Aufbau einer Datenbankstruktur, die den Bedürfnissen der Nutzer entspricht. Da die Epochengliederung in der Grundstudiumsausbildung im Vordergrund steht, wurde eine Baumstruktur entwickelt, die auf der obersten Ebene die zeitliche Komponente berücksichtigt (Bronzezeit, Eisenzeit, römische Kaiserzeit usw.). Gleichrangig untergeordnet sind die Kategorien Funde, Gräber, Siedlungen, Karten und Tabellen. So ist es möglich, dass die Nutzer in den jeweiligen Kategorien einen schnellen Überblick über die eingestellten Bilder erhalten. Möglich ist auch der Zugang über die Verschlagwortung. Mit der Eingabe eines Fundortnamens (Berlin) oder einer Fundkategorie (Schwert) erhalten die Nutzer auf dem so genannten Leuchttisch einen Überblick über die eingestellten Bilder. Mit den Werkzeugen Clipboard bzw. Mappen können die benötigten Bilder zusammengestellt und weitergenutzt werden. Über die verbale Klassifikation erhält man die notwendigen Informationen zu der Darstellung selbst und zum Quellennachweis.

In einem ersten Arbeitsschritt wurden die Bilder für den Grundkurs des aktuell laufenden Semesters mit Hilfe eines DIN A3-Scanners, eines Dia-Scanners sowie einer Digitalkamera und eines PCs mit 2 Bildschirmen digitalisiert und in Mneme eingestellt. Im Winter begann der Vorlauf für den Grundkurs des kommenden Semesters, im Frühjahr und Sommer sollen die Bilder für die zwei weiteren Grundkurse zur Verfügung gestellt werden. Im Allgemeinen braucht die komplette Erfassung eines Bildes 5–10 Minuten. Inzwischen umfasst das Ressort Ur- und Frühgeschichte über 600 Bilder.

Nutzung

Die jetzt im Aufbau befindliche Bilddatenbank wird sehr gut von den Nutzern angenommen. Zum Semesterbeginn wurde Mneme in den relevanten Lehrveranstaltungen vorgestellt, und die für das Projekt zuständige studentische Hilfskraft hat feste Sprechzeiten eingerichtet. Die Studierenden, die ein Referat vorbereiten, können Bilderwünsche nennen, die dann rechtzeitig für den Vortrag zur Verfügung gestellt werden. Des Weiteren erreichen die Hilfskraft vielfältige Fragen zur Handhabung von Mneme, zu Powerpoint-Präsentationen und zu anderem mehr. Rund 50 Studierende und die Hälfte der Lehrenden nutzen aktuell Mneme – diese Zahl entspricht den Teilnehmern, die bislang einen Vortrag in einem Proseminar gehalten haben bzw. nun vorbereiten. Die Bilddatenbank im Ressort Ur- und Frühgeschichte erfüllt damit das angestrebte Ziel.