cms-journal
Nr. 27
August 2005
Service
Metadaten
Hinweise
Weitere Artikel aus dem cms-Journal Nr. 27 finden Sie auf dem edoc-Server der Humboldt-Universität zu Berlin unter http://edoc.hu-berlin.de/cmsj/27
Copyright
Dieser Artikel ist ein Open Access Artikel und steht unter der Creative Commons Lizenz BY (siehe...).

Das reUSE-Projekt

Sven Bahnik
sven.bahnik@cms.hu-berlin.de

Abstract

reUSE1 ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bibliotheken und Universitäten aus Deutschland, Österreich, Estland und Slowenien zum Aufbau von vertrauenswürdigen, digitalen Langzeitarchiven im Rahmen des eContent-Programms2 der Europäischen Union.


Die Ziele

Die Europäische Union fördert im Rahmen des eContent-Programms Projekte, die darauf abzielen, die Produktion, Nutzung und Verbreitung von digitalen Inhalten zu stärken und sprachliche, kulturelle Vielfalt in globalen Netzwerken voranzubringen.

Das reUSE-Projekt hat sich in diesem Zusammenhang zum Ziel gesetzt, vertrauenswürdige digitale Langzeitarchive in Deutschland, Österreich, Estland und Slowenien aufzubauen und zu etablieren. Die Aufgaben der Archive sind, elektronische Dokumente zu sammeln, öffentlich zugänglich zu machen und aufzubewahren. Um die Archive zu etablieren, müssen Verlage, Universitäten, sowie staatliche und nichtstaatliche Unternehmen für das Thema Langzeitarchivierung sensibilisiert, ermutigt und darin bestärkt werden, die angebotenen Dienste zu nutzen und ihre Dokumente den Archiven zur Verfügung zu stellen. Durch diese Art des Herangehens soll eine breite Basis geschaffen werden, Inhalte verschiedener Institutionen zu sammeln, worauf zusätzliche Dienste aufbauen können.

Um einen Mehrwert aus den Inhalten der digitalen Sammlungen zu erzielen, werden Value-added-Services, wie zum Beispiel (re-)Print-on-Demand, implementiert. Des Weiteren sollen neue Ideen für zusätzliche Dienste gesammelt und beurteilt werden.

Im Zuge des Projektes sollen außerdem Wissen, Kompetenzen sowie Erfahrungen und Technologien gesammelt, zur Nutzung durch Dritte aufbereitet und durch Zusammenarbeit und Schulung vermittelt werden.

Aus diesen Projektzielen lassen sich auch die Ziele für die Arbeitsgruppe »Elektronische Publizieren« der HU ableiten. Die Vermittlung unserer langjährigen Erfahrungen und des geschaffenen Know-hows ist eines der Ziele dieses Projektes. Durch die Verbesserung der eigenen Arbeitsabläufe und der angebotenen Dienste sowie einen Wissens- und Technologieaustausch mit den anderen Projektpartnern soll die Weiterentwicklung des edoc-Servers vorangebracht werden.

Inhaltsverzeichnis

Die Ziele...

Der Stand bisher...

Noch folgende Aufgaben...

Fazit...


Der Stand bisher

An Hochschulen in Deutschland, Österreich, Estland und Slowenien wurden entweder neue Archivsysteme aufgesetzt oder bestehende Systeme ausgebaut und verbessert. Um Vertrauenswürdigkeit und Langzeitverfügbarkeit elektronischer Archive zu gewährleisten, ist die Einhaltung internationaler Standards unumgänglich. Darum wurde bei der Aufsetzung bzw. Überarbeitung der Archivsysteme auf die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Consultative Committee for Space Data Systems zurückgegriffen. Diese Arbeitsgemeinschaft bestand ursprünglich aus verschiedenen Luft- und Raumfahrtorganisationen, u. a. der NASA, der ESA und der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt. Seit 1997 hat diese Gruppe ein Referenzmodell für ein offenes elektronisches Archivsystem (OAIS) entwickelt3, das im Juni 2001 als Standard ISO/DIS 14721 veröffentlicht wurde.

Der Ansatz beim OAIS-Modell konzentriert sich gezielt auf die dauerhafte Aufbewahrung und die Gewährleistung einer langfristigen Zugänglichkeit digitaler Objekte. Dabei ist das Konzept speziell für die archivarische Praxis in Form eines Referenzmodells für ein dynamisches, erweiterungsfähiges Archivinformationssystem entwickelt worden. Es beschreibt ein Informationsnetzwerk, das den Bibliothekar und den Nutzer als Komponenten des digitalen Archivs versteht und geht von den klassischen archivarischen Arbeitsfeldern Erfassen, Aussondern, Bewerten, Übernehmen, Erschließen, Erhalten und Zugänglichmachen aus, definiert diese aber in ihren Teilaufgaben und Arbeitsabläufen unter dem Blickwinkel der Bedürfnisse digitaler Archivierung neu. OAIS ist auf jedes Archiv anwendbar. Durch die Orientierung an dem Standard ist man dem Hauptziel von reUSE, dem Aufsetzen vertrauenswürdiger digitaler Archive, erheblich näher gekommen.

Bei der Dokumentation der sehr unterschiedlichen Archivsysteme der Projektpartner und dem Vergleich mit dem OAIS-Modell hat sich folgendes Bild ergeben. Bestimmte Bereiche des Modells, wie die Datensicherung, die Bereitstellung eines öffentlichen Zugangs zum Archiv, die Anpassung an neue Formate, das Angebot zusätzlicher Dienstleistungen und einige andere Bereiche, werden schon heute umgesetzt.

Aber es gibt Bereiche des Modells, die bisher nur unzureichend oder gar nicht umgesetzt werden konnten. Zu nennen wären: eine teilweise unzureichende Kommunikation mit den Nutzern der Archive und eine unflexible bzw. nicht umgesetzte Rechteverwaltung (Publikationen mit nicht geklärten Rechten sind nicht zugänglich).

Die Zusammenarbeit mit anderen Archiven, Verlagen, sowie staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen und Organisationen wurde, wie in den Zielen definiert, vorangetrieben und ist auf einem guten Weg.

Schon heute hat das Projekt nachweisbare Resultate für die HU erbracht. Im Projektzeitraum wurde der edoc-Server auf eine neue Hardwarebasis gestellt, um für die steigenden Nutzeranfragen und für die zunehmenden Anforderungen im Zuge von Open Access gewappnet zu sein. Durch die Evaluierung und den Abgleich mit dem OAIS-Model konnten Schwachstellen behoben werden. So ist z. B. ein neuer Workflow mit entsprechender Datenbank entstanden. Die Zusammenarbeit mit den Autoren der Dokumente wurde ebenfalls verbessert, so dass deren Wünsche in neue Dokumentvorlagen, Hilfestellungen und Überprüfungssoftware eingearbeitet werden konnten. Auch der Wunsch nach einer umfassenderen lokalen, nationalen und internationalen Suchmöglichkeit4 wurde erfüllt. An dem Angebot einer Volltextsuche wird derzeit gearbeitet.

Es war uns möglich, den Print-on-Demand-Dienst ProPrint5 zu etablieren und diesen auch als Technologietransfer auf dem Dokumentenserver TOBIAS-lib6 der Universitätsbibliothek Tübingen7 zu installieren. Die HU hat die HTWK Leipzig8 beim Aufbau eines eigenen Dokumentenservers unterstützt, indem sie ihre technologischen und organisatorischen Lösungen zur Verfügung stellte. Von HU-Mitarbeitern wurden in Leipzig Schulungen im Bereich »Elektronisches Publizieren und Langzeitarchivierung« durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Die Ziele...

Der Stand bisher...

Noch folgende Aufgaben...

Fazit...


Noch folgende Aufgaben

In den folgenden Monaten des Projektes sollen bestehende, auf einem elektronischen Archiv aufbauende Dienste dokumentiert und eine Richtlinie zum Schaffen neuer Dienste ausgearbeitet werden. Die Erfassung der vorhandenen Dienste wird im Rahmen einer Fragebogenaktion erfolgen. Dabei sollen deutsche Bibliotheken, Universitäten und private Organisationen, die Archive nutzen und pflegen, angesprochen werden. Inwieweit bisherige Dienste bekannt sind und genutzt werden, wie ein breiteres Kundenspektrum angesprochen werden kann und ob und in welcher Form eine Einflussnahme auf angebotene Dienste von Seiten der Zielgruppe gewünscht wird, soll eine Umfrage bei den Nutzern der Dienste klären.

Unter dem Label »edoc-reUSE« werden der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Firmen und Institutionen des Standorts Adlershof angestrebt. Diese Zusammenarbeit hat das Ziel, die Machbarkeit neuer Dienste zu untersuchen und den Wissensaustausch im Wissenschaftsstandort Adlershof 9 zu fördern.

Inhaltsverzeichnis

Die Ziele...

Der Stand bisher...

Noch folgende Aufgaben...

Fazit...


Fazit

Das reUSE-Projekt hat uns auf dem Weg zum Open-Access-Server ein gutes Stück voran gebracht. Das edoc-System ist vollständig evaluiert und dokumentiert worden, dabei konnten Schwachstellen z. B. in der Nutzerbetreuung aufgedeckt und behoben werden. Damit ist der Service für die Nutzer weiter gestiegen.

Es ist gelungen, den nationalen und internationalen Kontakt mit Universitäten, Bibliotheken und nichtuniversitären Einrichtungen zu stärken und auszubauen. Somit kann die HU Veränderungen in den Bereichen elektronisches Publizieren, Langzeitarchivierung und Open Access schneller erkennen und frühzeitig darauf reagieren. Der Austausch und die Weiterentwicklung der Technologien und organisatorischen Lösungen führen zu einer breiten Wissensbasis und fördern somit Innovation, Forschung und die Verfügbarkeit von Wissen für jedermann.

Anmerkungen

33 vgl. »OAIS – Das ›Open Archival Information System‹: Ein Referenzmodell zur Organisation und Abwicklung der Archivierung digitaler Unterlagen« von Nils Brübach (http://www.sachsen.de/de/bf/verwaltung/archivverwaltung/elemente/media/pp_bruebach.pdf)