In der Forschungsabteilung der Humboldt-Universität wird die Schriftenreihe »Öffentliche Vorlesungen« seit 2002 mit der Software FrameMaker produziert. Verbunden damit war die Umstellung des Produktionsprozesses auf eine XML-basierte Dokumenterstellung sowie die Inhouse-Betreuung der kompletten Druckvorstufe.
»Juwele« zeigen sich in der Humboldt-Universität vielfältig, sodass auch der nur flüchtige Besucher ihnen auf Schritt und Tritt begegnet: Kein Wunder, da die Humboldt-Universität im Jahr 2010 auf eine 200-jährige Tradition zurückblicken wird. Ein Juwel der besonderen Art verließ 1993 erstmals die Buchbinderei: Das erste Heft der Schriftenreihe Öffentliche Vorlesungen. Der Titel: »Zur philosophischen Tradition der Humboldt-Universität«, ein Akademischer Festvortrag von Volker Gerhardt, mit dem er am 9. Februar 1993 im ehemaligen Prinz-Heinrich-Palais und heutigen Hauptgebäude der Universität neuberufene Professorinnen und Professoren begrüßte. Seitdem sind rund 140 Hefte erschienen, darunter in erster Linie Antrittsvorlesungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Humboldt-Universität. Nach und nach, das bringt die Zeit mit sich, wurden auch Abschiedsvorlesungen gehalten und ebenfalls in die Reihe aufgenommen. Hinzu kamen öffentliche Vorlesungen von Gastdozent(inn)en sowie in Auswahl Festvorträge, insbesondere anlässlich der Verleihung von Ehrendoktorwürden.
Mit der Schriftenreihe sollte nicht nur das sich nach der Wende herauskristallisierende Profil der Humboldt-Universität nach außen dokumentiert werden, zugleich wirkt die exklusive äußere Aufmachung bis heute imagebildend für die Humboldt-Universität.
Herausgegeben werden die Öffentlichen Vorlesungen vom Präsidenten der Humboldt-Universität, betreut werden sie von der Forschungsabteilung. Dazu gehört auch der komplette Bereich der Druckvorstufe, der im Folgenden hinsichtlich des Einsatzes von XML kursorisch skizziert wird.
2002 erscheint Heft 112 der Öffentlichen Vorlesungen: Hasso Hofmann, »Vom Wesen der Verfassung«. Das Datum kann als eine Art Schaltjahr für die Öffentlichen Vorlesungen gelten, denn es markiert eine grundlegende Umstellung im Produktionsprozess. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde relativ traditionell produziert: Satz mit QuarkXPress, Filmherstellung, Montage, Druck. Im Rahmen der CMS-Projekte im Bereich Elektronisches Publizieren wurde die Herstellung in enger Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung auf eine XML-basierte Produktion umgestellt. Die Vorteile und das Leistungsspektrum dieser modernen Dokumenterstellung werden im Detail in den Beiträgen auf Seite 23 [1] und 29 [2] dargestellt. Bezogen auf die Öffentlichen Vorlesungen seien hier folgende Zielsetzungen hervorgehoben, die mit der Umstellung verbunden waren:
Die Aufbereitung der Öffentlichen Vorlesungen für die Online-Ausgabe und die digitale Druckvorstufe erfolgt mit Adobe FrameMaker + SGML (gegenwärtig Version 7.0). Grundlage für die Arbeit ist eine festgelegte Dokumentstruktur, die in einem Element Definition Document (EDD) definiert wird. Das EDD umfasst:
Dadurch können sowohl Formatierungen als auch strukturell gleichartige Publikationen einheitlich gestaltet werden. Es hat sich gezeigt, dass es effizienter ist, dass die Dateien nicht erst in FrameMaker, sondern bereits in dem Ausgangsdokument strukturiert werden. Für die Öffentlichen Vorlesungen heißt dies: Vor der Konvertierung erfolgt die Strukturierung mit MS Word, das für diesen Arbeitsschritt als Standardsoftware eingesetzt wird.
Für den Produktionsprozess – von der Ausgangsdatei bis zur Ausgabe – ergeben sich danach folgende Arbeitsschritte:
Nach der Strukturierung der Word-Datei wird diese nach FrameMaker konvertiert, wobei die Word-Formatvorlagen übernommen werden. Die weiteren Arbeitsschritte sind:
Ausgegeben werden die FrameMaker-Dokumente gegenwärtig als PDF-Datei, und zwar sowohl für die Druck- als auch für die Online-Version (Die Ausgabe als HTML-Dokumente befindet sich gegenwärtig noch in Vorbereitung).
Die Erstellung der PDF-Datei erfolgt über die Buchdatei. Aus dieser wird mit einem Adobe PDF-Converter eine PS- bzw. PDF-Datei erstellt. Für eine problemlose Zusammenarbeit mit einem Druckdienstleister empfiehlt es sich, für die PDF-Einstellungen die joboptions des jeweiligen Druckdienstleisters zu verwenden.
Was zunächst als Pilotprojekt begann, ist mittlerweile als Standardverfahren fest etabliert: die XML-basierte Dokumenterstellung für die Öffentlichen Vorlesungen. Damit sind auch die Kollektionierung und das Angebot als print-on-demand-Objekt beispielsweise über den ProPrint-Dienst (siehe Seite 65 [3]) prinzipiell möglich. Parallel wurde auch der Open-Access-Zugang über den edoc-Server vollzogen.
So vorteilhaft der Einsatz von XML für die Erstellung von Dokumenten ist, auch hier muss mit dem berühmten Teufel im Detail gerechnet werden. Zudem gilt es, vor einer Einführung einer XML-basierten Dokumenterstellung Pro und Contra bzw. den Organisationsrahmen sorgfältig abzuwägen. Dazu im Folgenden ein paar Anmerkungen:
Wer, wie bei den Öffentlichen Vorlesungen, Dokumente von Autoren aus den unterschiedlichsten Disziplinen erhält, wird als Produzent eher früher als später u. a. mit folgenden Problemen konfrontiert:
Die Vorteile eines XML-basierten Dokumentangebots sind unbestritten (siehe Seite 29 [2]), auch wenn es bei der Produktion eine Reihe von – in der Regel aber lösbaren – Detailproblemen gibt. Bei einer Entscheidung für diesen Produktionsweg, sei es als Einzelautor, (Reihen)Herausgeber oder universitäre Einrichtung, sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
Dies zeigt: Die XML-basierte Produktion von Publikationen ist nicht en passant zu leisten, stimmen aber die gesamten Rahmenbedingungen, ist sie für die Produktion von »XML-Juwelen« wie die Öffentlichen Vorlesungen der Königsweg.