cms-journal
Nr. 27
August 2005
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OAI-Rights

Uwe Müller
u.mueller@cms.hu-berlin.de

Abstract

OAI und das OAI-Protokoll werden landläufig gern mit Open Access und einem Verzicht auf alle Verwertungs- oder gar Urheberrechte an elektronischen Dokumenten oder zumindest an den Metadaten gleichgesetzt. Das ist zwar unzutreffend. Dennoch musste dieses Argument lange Zeit für die zögerliche Haltung von Softwarefirmen herhalten, wenn es darum ging, ihre kommerziellen Bibliotheks- und Verlagssysteme mit OAI-Schnittstellen auszustatten. Allerdings sah das OAI-PMH bisher lediglich die Möglichkeit vor, rechtliche Aussagen zu den Metadaten für den gesamten Data Provider zu kommunizieren. Das ändert sich mit einer neuen Empfehlung, die gerade von einer OAI-Arbeitsgruppe erarbeitet wurde.

Auch wenn das OAI-PMH seit Mitte 2002 in der stabilen Version 2.0 vorliegt, gab es immer wieder Überlegungen, das Protokoll zu erweitern, um es für die Anwendung in weiteren Bereichen zu öffnen. Vielfach wurden diese Überlegungen genauso schnell wieder verworfen wie sie aufgebracht wurden, weil sie der Grundphilosophie des Protokolls widersprachen (z. B. die Einführung von Suchparametern oder die Einführung eines neuen Anfragetyps zum Anfordern der durch die Metadatendaten beschriebenen Dokumente) oder durch Änderungen am Protokoll selbst die Kompatibilität zu älteren Data und Service Providern gefährdet hätten.

In jüngster Vergangenheit beschäftigte sich eine OAI-Arbeitsgruppe mit der Integration rechtlicher Aussagen in das OAI-Protokoll. Im Fokus waren dabei nicht die Dokumente selbst, sondern deren Metadaten. Während Verwendungs- und Lizenzbedingungen für die eigentlichen Dokumente in den Metadaten übermittelt werden können1, war es bisher nicht möglich, entsprechende Aussagen über die Metadaten zu kodieren. Vielmehr konnte das, was in Bezug auf die Verwendung der Metadaten erlaubt oder eben nicht erlaubt ist, nur einheitlich für den gesamten Data Provider formuliert werden.

Diese Einschränkung ist insbesondere für heterogene Data Provider nicht realitätsnah: Beispielsweise können die Metadaten unterschiedlicher Sammlungen verschiedenen rechtlichen Regelungen unterliegen. Sinnvoll kann aber auch die Unterscheidung zwischen einzelnen Metadatenformaten für dasselbe Dokument sein. So ist es vorstellbar, zum Beispiel für Dublin Core die freie Weiterverbreitung zu gestatten, für den MARC-Metadatensatz jedoch die kommerzielle Nutzung einzuschränken. Zumindest zu einem Teil dürfte das Fehlen dieser Unterscheidungsmöglichkeit dafür verantwortlich sein, dass Metadaten bisher fast ausschließlich aus Dublin Core angeboten werden, obwohl sie intern oft in wesentlich detailreicheren Formaten vorliegen.

Aufbauend auf diese Überlegungen erarbeitete die OAI-Rights-Gruppe Richtlinien zum Einbinden rechtlicher Angaben für die Metadaten2. Dazu war keine neue Version des eigentlichen Protokolls erforderlich. Für die Integration der so genannten Rights Statements wurde auf bereits vorhandene Elemente im XML-Schema des Protokolls zurückgegriffen.

Rights Statements können nun für einzelne Metadatensätze (Records) innerhalb des <rights>-Elements im optionalen <about>-Container platziert werden. Sie beziehen sich auf die rechtlichen Bedingungen, die für die Verwendung eines Metadatensatzes in einem konkreten Format gelten, und können direkt als XML-Code oder als Referenz in Form einer URL angegeben werden. Abb. 1 zeigt ein Beispiel für die direkte XML-Integration von Rights Statements in Form von RDF-Aussagen.

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Abb. 1: Beispiel für Rights Statements als Creative-Commons-Lizenz.

Darüber hinaus können Rights Statements auch auf der Ebene von Sets und für den gesamten Data Provider eingebunden werden. Hier können in einem <rightsManifest>-Container ein oder mehrere <rights>-Elemente eingefügt werden – mit der Bedeutung, dass innerhalb des entsprechenden Sets bzw. innerhalb des gesamten Data Providers die aufgeführten rechtlichen Regelungen angetroffen werden können. Trifft ein Harvester auf derartige übergreifende Rights Statements, entbindet ihn dies nicht davon, auch die <rights>-Elemente der einzelnen Metadatensätze auszuwerten. Anhand der Informationen, die er auf höheren Ebenen über die enthaltenen Metadatensätze erhält, kann er aber beispielsweise entscheiden, ob er die Metadaten überhaupt einsammeln will oder ob er dies unterlässt, weil die von ihm geplante Nutzung der Metadaten gar nicht gestattet ist.

Entsprechend der Philosophie, die schon beim Entwurf des OAI-Protokolls Pate stand, sollte die Implementierung nicht an eine konkrete Sprache gebunden sein. Vielmehr bilden die entwickelten Richtlinien einen Rahmen, innerhalb dessen beliebige (XML-basierte) Realisierungen von Rights Statements transportiert werden können. Eine dieser Möglichkeiten sind die Creative Commons Licences, die in diesem Heft ab Seite 61 vorgestellt werden [1], aber es ist bei weitem nicht die einzige3.

Literatur

1Klatt, M.: Creative Commons. cms-journal 27, August 2005, S. 61–64.

Anmerkungen

1Dublin Core sieht dafür beispielsweise das Element dc:rights vor
2Die aktuelle Version findet sich unter http://www.openarchives.org/OAI/2.0/guidelines-rights.htm.
3Eine andere Möglichkeit zur Kodierung von Rights Statements ist der Vorschlag des RoMEO-Projekts, siehe http://www.lboro.ac.uk/departments/ls/disresearch/romeo/.