cms-journal
Nr. 27
August 2005
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Editorial

Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel
proemel@informatik.hu-berlin.de

Der freie ungehinderte Zugang zu den Ergebnissen des wissenschaftlichen Arbeitens wird in den letzten Jahren weltweit sehr intensiv diskutiert. Die als Open-Access-Bewegung bekannt gewordenen Aktivitäten gelten vielfach als eine Alternative zum bestehenden Publikationssystem. Ein wesentlicher Meilenstein in der Diskussion war dabei die »Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities« (http://www.zim.mpg.de/openaccess-berlin/berlindeclaration.html) vom Oktober 2003. Sie wurde von allen führenden deutschen Wissenschaftsorganisationen (Wissenschaftsrat, Hochschulrektorenkonferenz, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und anderen) unterzeichnet. Es gibt eine Reihe namhafter Universitäten und Forschungseinrichtungen, die sich ebenso zu dieser Strategie bekannt haben, wie z. B. das Massachusetts Institute of Technology mit dem Programm, alle Lehre frei verfügbar ins Netz zu stellen.

Das Präsidium der Humboldt-Universität hat sich auf seiner Sitzung am 01.06.2005 mit dieser Problematik befasst und angeregt, zu diesem Thema eine breite Diskussion innerhalb der Universität zu initiieren.

Wir brauchen zum einen sicher eine »Policy«, die in Widerspiegelung des Leitbildes der Universität unsere Haltung zum freien Zugang zu wissenschaftlicher Information zum Ausdruck bringt und zum anderen aber auch eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema. Es geht hierbei nicht um eine Erklärung der Leitung der Universität oder des Akademischen Senats, sondern um das aktive Handeln aller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. »Open Access« kann in Deutschland in Reflexion von Grundgesetz und Urheberrecht nur auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basieren. Dem Präsidium ist dabei bewusst, dass es eine Reihe von zu klärenden Fragen, z. B. hinsichtlich der Verwertungsrechte von Veröffentlichungen, gibt. Unter Leitung des Vizepräsidenten für Forschung wurde deshalb eine Arbeitsgruppe etabliert, die den Prozess der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Facetten, die sicher auch durch die Gepflogenheiten der unterschiedlichen Fachgebiete beeinflusst werden, begleiten wird.

Natürlich muss man sich fragen, was die Universität und jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler davon haben. Warum sollten wir uns also beteiligen? Es ist in der Zwischenzeit unbestritten – und in dem Artikel von Peter Schirmbacher in diesem Heft werden Beispielstudien angeführt – dass in den letzten Jahren der Bekanntheitsgrad und damit die Zitierhäufigkeit von Veröffentlichungen, die frei im Netz verfügbar sind, größer ist als der vergleichbarer Arbeiten in Papierform. Ich bin mir bewusst, dass dieser Einschätzung viele Argumente entgegengehalten werden, z. B. hinsichtlich des häufig noch nicht mit gleichem Standard ausgeführten Peer Reviewing. Gerade deshalb sollten wir die universitäre Diskussion suchen und uns eine Meinung zu diesen Fragen bilden. Die Universität könnte insbesondere in ihrer Außenwirkung ganz erheblich von dieser Art der Publikation profitieren. Wenn alle – nach einer Überschlagsrechnung etwa 2 200 pro Jahr – erscheinenden Artikel von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf dem Dokumenten- und Publikationsserver der Universität (http://edoc.hu-berlin.de) verfügbar wären, so gäbe dies ein hervorragendes Spiegelbild der Leistungsfähigkeit und Schaffenskraft der Universität.

Das sind nur wenige Argumente. In dem vorliegenden Heft setzen sich die Autoren – vorrangig aus dem Computer- und Medienservice und der Universitätsbibliothek – intensiv mit den unterschiedlichen Betrachtungspunkten dieser weltweiten Bewegung auseinander. Neben einem einführenden grundsätzlichen Artikel zu »Open Access« werden in den Beiträgen von Susanne Dobratz und Uwe Müller die technischen Parameter für das elektronische Publizieren beschrieben. Wir sind als Universität in der glücklichen Lage, dass ein entsprechender Dokumenten- und Publikationsserver nicht erst aufzubauen ist, sondern bereits existiert und sogar mit einem entsprechenden Qualitätszertifikat versehen werden konnte. Durch die mehrjährigen Erfahrungen beim Umgang mit elektronisch veröffentlichten Dissertationen und Habilitationsschriften wurde in der Arbeitsgruppe »Elektronisches Publizieren« des Computer- und Medienservice und der Universitätsbibliothek Know-how angesammelt und unterstützende Tools für das elektronische Veröffentlichen wissenschaftlicher Arbeiten entwickelt. Die Voraussetzungen sind also günstig. Wir sollten das kommende Herbstsemester nutzen, um uns mit diesem Thema auseinander zu setzen. Jedem von Ihnen steht es aber schon heute frei, sich an die Arbeitsgruppe zu wenden und seine Arbeiten auf dem edoc-Server zu veröffentlichen.