Das digitale Zeitalter ist geprägt durch einen Wandel in der wissenschaftlichen Kommunikation. Eine große Zahl der Veröffentlichungen liegt vorrangig und zum Teil ausschließlich elektronisch vor. Die Verfügbarkeit der Ergebnisse des wissenschaftlichen Arbeitens ist nicht mehr lokal organisiert, sondern erfolgt weltweit über das umspannende Internet. Mit der Umsetzung des Prinzips des »Open Access« soll zu dem bestehenden Publikationssystem eine Alternative geschaffen werden, in der der offene Zugang zu menschlichem Wissen und dem kulturellen Erbe ermöglicht wird. Im Artikel werden die Bedeutung von Open Access erläutert, Argumente »Für und Wider« diskutiert und die unterschiedlichen Ausprägungen dargestellt. Darüber hinaus wird eine mögliche Umsetzung an der Humboldt-Universität thematisiert.
In der wissenschaftlichen Welt wird schon immer über den ungehinderten Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen diskutiert. Waren es in der Vergangenheit hauptsächlich die begrenzten Möglichkeiten der jeweiligen lokalen Bibliothek, die Beschwerlichkeit und Langwierigkeit einer Fernleihe oder die Kenntnisse über die Verfügbarkeit eines Dokumentes überhaupt, die im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen standen, so hat diese Diskussion heute eine andere Dimension angenommen. Das traditionelle papierorientierte Publikationssystem hat sich über viele Jahre herausgebildet und dabei im gewissen Sinne eine Kultur des wissenschaftlichen Publizierens geschaffen, die ihre Regeln hat und die Verhaltensweisen der beteiligten Akteure vorschreibt. In gleicher Weise herausgebildet haben sich jedoch auch Finanzgebaren innerhalb des sich verengenden Markts der wissenschaftlichen Verlage, die das System an seine Grenzen stoßen lassen. Die wissenschaftlichen Bibliotheken sind weltweit immer seltener in der Lage, die gefor-derten Preise für die Verlagsprodukte zu bezahlen und sehen sich gezwungen, Abbestellungen vorzunehmen. Dies wiederum schmälert die Einkommen der Verlage, die daraufhin ihre Preise zum Zwecke des Gewinnerhalts erhöhen und damit eine Spirale in Bewegung setzen, deren Ende nicht abzusehen ist. Das Publizieren nach den Prinzipien des Open Access wird dazu als eine Alternative gesehen, was noch zu belegen sein wird [1, 2].
Open Access in erster Linie unter dem Kostengesichtspunkt zu sehen, wird dem Anliegen jedoch in keiner Weise gerecht. »Unsere Aufgabe, Wissen zu verbreiten, ist nur halb erfüllt, wenn die Information für die Gesellschaft nicht breit gestreut und leicht zugänglich ist. Neue Möglichkeiten der Wissensverbreitung, nicht ausschließlich in der klassischen Form, sondern zunehmend auch nach dem Prinzip des offenen Zugangs über das Internet, müssen gefördert werden. Das Prinzip des Open Access schafft daher freien Zugang zu einer umfassenden Quelle menschlichen Wissens und des kulturellen Erbes, die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft bestätigt wurde.« [3] In diesem Sinne ist Open Access in einer weltweit zu betrachtenden Wissensgemeinschaft ein Prinzip der Gewährung gleicher Chancen und gleicher Rechte.
Ein erstes deutliches Zeichen hat die Open-Access-Bewegung mit der Budapester Erklärung im Jahre 2001 [4] gesetzt. Dieser Konferenz folgten 2002 das »Bethesda Statement on Open Access Publishing« [5] und schließlich die »Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities« [6] vom Oktober 2003. Diese Erklärung hat sicherlich in Deutschland die größte Aufmerksamkeit erlangt, wurde sie doch von allen führenden deutschen Wissenschaftsorganisationen und Fördereinrichtungen unterzeichnet.
Unter Open Access soll der kostenfreie und öffentliche Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen über das Internet verstanden werden. Die Interessenten sollen die Volltexte uneingeschränkt lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise nutzen können, ohne dabei an finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren zu stoßen [4]. Die Urheberrechte der Autorinnen und Autoren werden dabei nicht berührt, denn von ihnen wird erwartet, dass sie einer solchen Veröffentlichungsform zustimmen und von den Nutzenden wird selbstverständlich das Erwähnen der Autoren verlangt.
Im Wesentlichen sind es also zwei Bedingungen, die bei dem Prinzip des Open Access zu erfüllen sind:
Seit der Budapester Konferenz 2001 hat es eine Vielzahl von Diskussionen zur Zielrichtung und Interpretation von Open Access weltweit gegeben (siehe z. B. [8]). Anfänglich ging es nur um solche Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit, für die die Autoren keinen finanziellen Gegenwert erwarten. Lehrbücher fallen aus diesem Grund also nicht unter die Forderung nach Open Access. Anders verhält es sich bei Artikeln für wissenschaftliche Zeitschriften, Preprints, wissenschaftliche Monographien, Tagungsbände, Dissertationen o. ä. Von den Unterzeichnern der Open-Access-Initiative wird erwartet, dass sie entweder in frei zugänglichen wissenschaftlichen Zeitschriften, den so genannten Open-Access-Zeitschriften, veröffentlichen oder ihre Arbeiten auf einem frei zugänglichen, nach den Open-Access-Prinzipien arbeitenden Institutional Repository zur Verfügung stellen.1
Die Interessenslage der Beteiligten (Autoren, Gutachter, Verlage, Bibliotheken, Leser) bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist äußerst vielschichtig. Die Autoren sorgen sich um die Wahrung ihrer Rechte. Es geht ihnen um die mögliche Reputation im wissenschaftlichen Umfeld und in Ausnahmefällen vielleicht um eine zusätzliche Einnahmequelle neben der Entlohnung als Mitarbeiter einer wissenschaftlichen Institution. Die Meinungen sind jedoch in keiner Weise einheitlich. Sie schwanken sehr stark zwischen den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen und der dort jeweils bisher gängigen Praxis. So sind die Preprint-Server der Physiker Beispiele für Open Access, auch schon in der Vergangenheit, während Vergleichbares z. B. in den Sozialwissenschaften so nicht zu finden ist. Meinungsunterschiede sind jedoch auch zwischen den bereits etablierten Wissenschaftlern und jungen aufstrebenden Kräften zu sehen. Wenn man bereits in den Gutachtergremien führender Fachzeitschriften oder Förderorganisationen sitzt, dort über die Qualität mitentscheiden kann, hat man sicher eine andere Haltung, als wenn man sich erst den Platz in der wissenschaftlichen Community erringen will und muss.
Im Wesentlichen lassen sich die am häufigsten gebrauchten Argumente für Open Access in vier Gruppen einteilen:
Durch Open-Access-Veröffentlichungen wird der ungehinderte weltweite Zugriff auf das Wissen über das Internet ermöglicht. Allen, die Zugang zum Internet haben, stehen diese Ressourcen zur Verfügung. Der Unterschied zwischen reichen und armen Staaten wird auf diese Weise reduziert und damit der Versuch unternommen, die Unterschiede nicht noch weiter wachsen zu lassen. Es ist für viele Dritte-Welt-Staaten schon schwierig, den Wissenschaftlern ihres Landes den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Wenn dann für die Nutzung der Informationen noch erhebliche Mittel aufgebracht werden müssten, käme es nur noch zu einer sehr eingeschränkten Nutzung. Durch die weltweite Zugänglichkeit und Verfügbarkeit entscheidet der Leser, welche Erkenntnisse er für seine Arbeit für wesentlich erachtet und nicht das Finanzbudget der lokalen Bibliothek. Wenn in etwas idealisierter Weise allen Wissenschaftlern alle Informationen zur Verfügung stehen, so wird ein Grad an Vollständigkeit von Informationen erreicht, den es bisher nicht gab und den man zu beherrschen wird lernen müssen.
Es klingt auf den ersten Blick nur schwer nachvollziehbar, wenn behauptet wird [9], dass mit dem Open-Access-Prinzip auch die Gewährleistung einer Langzeitverfügbarkeit verbessert wird. Dem kann man sicher nur zustimmen, wenn man sich, wie es im späteren Text noch folgen wird, mit den Anforderungen an die technische Umsetzung beschäftigt. Die Gewährleistung einer Langzeitverfügbarkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse kostet Aufwand für ihre Pflege. Im bisherigen papiergebundenen System haben dies die Bibliotheken als ihre Aufgabe betrachtet. In der elektronischen Welt behaupten manche Verlage, sie würden dies auf der Basis ihrer Server selbst tun. Das darf jedoch bezweifelt werden, wenn die Zugriffshäufigkeit und damit die Einnahmen des Verlages den Aufwand nicht rechtfertigen.
Durch Open-Access-Veröffentlichungen wird ein Verbreitungsgrad erreicht, der weder durch wirtschaftliche Gesichtspunkte der Verlage noch durch die lokalen Gegebenheiten (Finanzausstattung, Servicequalität) der jeweiligen Bibliotheken eingeschränkt wird. Die Leser in aller Welt entscheiden, ob sie den Beitrag nutzen wollen oder nicht. Natürlich wirken auch hier die örtlichen Gegebenheiten wie die Qualität der Informationsinfrastruktur hemmend, jedoch nicht in dem zuvor gekannten Maße. Es gibt bereits erste Untersuchungen hinsichtlich der Nutzungshäufigkeit von Open-Access-Veröffentlichungen, die besagen, dass in Abhängigkeit vom Fachgebiet die elektronisch frei verfügbaren Materialien fünf bis acht Mal häufiger genutzt und zitiert werden als ausschließlich in Papierform vorliegende Arbeiten [10].
Dieses Argument ist sicher nicht als vordergründig zu bezeichnen, denn die gegenwärtig häufig bemängelte Zeitspanne zwischen der Abgabe einer Arbeit bei einem Verlag und dem Erscheinungstermin ist wohl in erster Linie auf die Effizienz des Begutachtungs- und damit Auswahlprozesses zurückzuführen. Soll die wissenschaftliche Qualität von Veröffentlichungen nicht leiden, so werden zumindest die später noch zu beschreibenden Open-Access-Journale auch ein Peer Review zu organisieren haben. Die Art der Veröffentlichung hat darauf sicher keinen großen Einfluss.
Das Open-Access-Verfahren hat aber gegenüber der bisherigen Verfahrensweise den entscheidenden Vorteil, dass hier kein Medienbruch – also der Übergang von dem digital vorliegenden Material zu Papier – erfolgt. Das ist zwar bei ausschließlich elektronisch verfügbaren kommerziell ausgerichteten Zeitschriften auch der Fall, aber wohl aufgrund der verhältnismäßig geringen Anzahl zu vernachlässigen. Eine deutliche Beschleunigung des Publikationsprozesses wird es auf jeden Fall für den Teil der Open-Access-Publikationen geben, die auf Institutional Repositories veröffentlicht werden.
Der Kostengesichtpunkt wird häufig als Argument für Open Access angeführt. Bisher sind aber kaum Arbeiten bekannt, die sich diesem Thema intensiv gewidmet hätten. Wobei hier nicht die Kosten für den Käufer der Produkte, also die Bibliotheken, gemeint sind, sondern in erster Linie die Produktionskosten im weitesten Sinne. Es wäre auf jeden Fall falsch, davon auszugehen, dass durch das Prinzip des Open Access keine Kosten anfallen. Vergleichen lassen sich sicher auch nur kommerziell ausgerichtete Fachzeitschriften mit den entsprechenden Open-Access-Journalen. Die Bereitstellung auf Institutional Repositories wird deshalb gesondert unter Kostengesichtspunkten zu untersuchen sein.
Bei den eingangs erwähnten Konferenzen und den Folgeworkshops in Genf bzw. in Southampton [11] gab es zwar genügend viele Fallbeispiele zu den Möglichkeiten der Veröffentlichung, Grundregeln wurden jedoch nicht beschlossen. In Hilf u. a. [9] werden vier Typen unterschieden:
Gemäß den eingangs formulierten Bedingungen entspricht der Autor den Forderungen nach Open Access seiner Publikation, wenn er sie auf seinem persönlichen Server, dem seines Fachgebietes oder der Forschergruppe, frei zur Verfügung stellt. Diese Herangehensweise nennt man Individual Self-Archiving. Sie ist jedoch umstritten – zum einen, weil der Autor selbst für das Einstellen, die Pflege und die Administration verantwortlich ist und zum anderen wegen der fehlenden technischen Parameter. Während die Open-Access-Bewegung zunächst keine technischen Standards festgelegt hatte, wie denn der weltweiten Veröffentlichung entsprochen werden soll, sind immer mehr Stimmen laut geworden, die von dem Server der Wahl auch ein Minimum an Beachtung international anerkannter Regeln verlangten. An erster Stelle stehen hier Forderungen nach der Erfassung von Metadaten, der Bereitstellung dieser Metadaten nach den Prinzipien der Open Archives Initiative und die gegenwärtig sicher am wenigsten erfüllbare Forderung nach der Gewährleistung einer Langzeitverfügbarkeit des Dokumentes, wobei es keine belastbaren Aussagen zur Zeitspanne gibt [13].2
Anders verhält es sich beim Institutional Self-Archiving. Hier wird davon ausgegangen, dass der Wissenschaftler seine Arbeit bei einem dazu beauftragten Betreiber eines Servers – oder besser noch eines Publikationsdienstes – seiner jeweiligen wissenschaftlichen Einrichtung, z. B. einer Universität, abliefert. Dadurch wird sowohl die Einhaltung bestimmter international anerkannter Standards und Regelungen [12] gewährleistet als auch die langfristige Absicherung des Betriebes des Servers wesentlich wahrscheinlicher als bei individuell oder auf Fachgebietsebene gepflegten Servern. Auf der so genannten Berlin 3 Conference im Februar 2005 in Southampton wurde in diesem Zusammenhang von den Betreibern solcher Server auch die Veröffentlichung einer Policy gefordert, die die Grundphilosophie und Grundregeln des Betriebes des Servers beschreibt. Diese meist als Institutional Repositories oder Dokumenten- und Publikationsserver bekannten Dienste sind immer häufiger anzutreffen. In Deutschland dürfte in der Zwischenzeit nahezu jede Hochschule über einen solchen Server verfügen. Sicher ist in diesem Zusammenhang der Schritt von der Bereitstellung eines Servers zum Angebot eines Services noch nicht immer gemacht. Gemeint ist damit die zielgerichtete Unterstützung des Autors bei der Aufbereitung seiner Arbeit für die elektronische Veröffentlichung. Die Mehrzahl der Beiträge in diesem cms-journal bezieht sich gerade auf diesen Punkt, sodass hier nicht weiter darauf eingegangen werden soll. Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) vergibt ein Zertifikat nach entsprechender Antragstellung und Begutachtung, wenn der angebotene Server bzw. Service die Mindestanforderungen, das sind sieben Kriterien, erfüllt [13, 14].
Auch hier handelt es sich um gemeinschaftlich betriebene Server oder einen Dokumentations- bzw. Publikationsservice. Während bei den Institutional Repositories jedoch davon ausgegangen werden kann, dass alle Arbeiten der Angehörigen der jeweiligen wissenschaftlichen Einrichtung gesammelt werden, handelt es sich bei dieser Art von Repository um ein fachlich ausgerichtetes. Insbesondere in der Physik haben sich seit vielen Jahren die so genannten Preprint-Server etabliert. Sie sind ein gutes Beispiel für das Central Self-Archiving. Es existieren weitere weltweit agierende, meist als Portale bezeichnete, fachbezogene Angebote, die jedoch teilweise unterschiedliche Policys verfolgen.
Sehr häufig werden diese drei Formen des Self-Archiving auch als »The Green Road to Open Access« bezeichnet. Ihnen ist gemeinsam, dass hier jeweils kein Peer-Review-Verfahren Anwendung findet. Häufig wird eine inhaltliche Qualitätssicherung nur dadurch erreicht, dass in der Policy der Sammelauftrag bzw. das Sammelziel beschrieben wird. Ein Beispiel dafür stellt der Dokumenten- und Publikationsserver der Humboldt-Universität [15] dar, bei dem in der Policy formuliert ist, dass Dissertationen und Habilitationsschriften gesammelt werden, Diplom- oder Magisterarbeiten aber nur dann, wenn die Arbeit aufgrund der hervorragenden Qualität mit einer besonderen Empfehlung des betreuenden Hochschullehrers versehen wurde.
Das ausschlaggebende Unterscheidungsmerkmal zwischen »Green« und »Gold Roads to Open Access«, die die Open-Access-Journale darstellen, bildet das zu realisierende Peer Review. Open-Access-Journale stellen somit wissenschaftliche Fachzeitschriften dar, die sich von den kommerziell ausgerichteten Zeitschriften nur durch die Art der Regulierung des Zugriffs unterscheiden. Er soll frei und uneingeschränkt erfolgen können. Wenn auf diese Weise also die Qualität der wissenschaftlichen Darstellungen geprüft wird und somit ein vergleichbares Renommee für die gesamte elektronische Zeitschrift erzielt werden kann, so steht hauptsächlich die Kostenfrage. Natürlich sind auch die unterschiedlichen Self-Archiving-Formen nicht frei von Kosten und personellen Aufwänden. Da es dafür jedoch keine Vergleichsgrößen aus der Vergangenheit gibt, steht dies nicht so in der Kritik der Open-Access-Gegner. Die Open-Access-Gegner, in erster Linie Vertreter großer wissenschaftlicher Verlage, aber nicht nur [1, 16], argumentieren, dass durch Open Access keine Reduzierung der Kosten stattfindet, sondern nur eine Verlagerung auf den Autor.
Open-Access-Journale sind in der Mehrzahl der Fälle so ausgerichtet, dass der Autor für die Abgabe und die Veröffentlichung seines Artikels an den Herausgeber bezahlt, um die entstehenden Kosten für eine Veröffentlichung zu decken. Da von den bisher etablierten Open-Access-Journalen (eine Sammlung ist zu finden unter [17]) keines bekannt ist, das vorrangig auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, kann man davon ausgehen, dass die entstehenden Produktionskosten zunächst niedriger anzusetzen sind. Für die Gegner von Open Access ist dieser Unterschied auch nicht der Hauptangriffspunkt, sondern vielmehr die mögliche Schaffung einer Zweiklassenwissenschaft, bei der dann nur noch der in renommierten Journalen veröffentlichen kann, der dazu die finanziellen Voraussetzungen mitbringt. Der mit Open Access beabsichtigte Vorteil des freien Zugangs zu Informationen könnte somit zum Ausschluss von Wissenschaftlern aus armen Ländern oder Institutionen führen. Das kann natürlich nicht das Ziel der Open-Access-Bewegung sein, weshalb an dieser Stelle argumentiert wird, dass ein Preisnachlass bzw. eine Befreiung gewährt wird [18]. Innerhalb Deutschlands spricht man davon, dass die bisher schon gewährten Druckkostenzuschüsse, z. B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft, an die Autoren vergeben werden sollten, damit sie diese für die Veröffentlichung ihrer Arbeiten nutzen können.
Sicher ist das cms-journal nicht die Zeitschrift, um detailliert über alle Facetten der Open-Access-Bewegung zu informieren und die unterschiedlichen Ansätze zu diskutieren. Mit diesem Artikel wird das Ziel verfolgt, die Leser zum Nachdenken über diese Problematik anzuregen und sie aufzurufen, sich an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen.
Mir ist sie bisher nicht bekannt, die breite fächerübergreifende Open-Access-Diskussion an der Humboldt-Universität. In der Medienkommission des Akademischen Senats hat es eine erste Verständigung gegeben, die uns darin bestärkt hat, das Heft des cms-journals unter den Aspekt des elektronischen Publizierens zu stellen und dabei den Open-Access-Gedanken in den Mittelpunkt zu rücken. Der aufmerksame Leser wird jedoch feststellen, dass auch die Betreiber des Dokumenten- und Publikationsservers der Universität, die Arbeitsgruppe »Elektronisches Publizieren« des CMS und der UB, lange noch nicht in der Open-Access-Bewegung angekommen sind. Sicher können wir den edoc-Server unter diese Kategorie des freien und uneingeschränkten Zugriffs einordnen. Die Policy ist jedoch noch nicht explizit darauf ausgerichtet. Aber bevor man das tut, ist zu fragen, warum die Humboldt-Universität sich der Open-Access-Initiative anschließen sollte. Nachfolgend dazu einige Argumente:
Es ist das am häufigsten in diesem Zusammenhang diskutierte Thema, weil es den Autor am meisten bewegt.
Am Eingang des Artikels wurde schon darauf hingewiesen, dass Open Access und die Wahrung des Urheberrechts keine sich widersprechenden Dinge sind, sondern ausdrücklich von den Open-Access-Aktivisten als Voraussetzung angeführt wurden. Im Gegenteil, eine Open-Access-Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Er allein legt die Art der Veröffentlichung, ob in einem Institutional Repository oder einem Open-Access-Journal, fest. Er kann auch festlegen, dass die elektronische Fassung in beiden Formen veröffentlicht wird. Obwohl die erwähnten neueren Untersuchungen belegen, dass Open-Access-Publikationen häufiger zitiert werden, haben jedoch die entsprechenden Zeitschriften sicher noch nicht den viel gepriesenen, aber häufig wohl überbewerteten Citation Index. Gerade aus diesem Grund lenken sowohl die Verfechter des Open Access als auch die renommierten Verlage ein. Immer mehr Verlage (siehe Elsevier [20]) gestatten ihren Autoren, ihre Publikation entweder zeitgleich oder zeitlich versetzt um sechs Monate selbst elektronisch auf einem Institutional Repository oder dem persönlichen Server zu veröffentlichen. Häufig einzige Bedingung ist die Erwähnung, dass die Erstveröffentlichung beim Verlag erfolgt ist. Das scheint der Kompromiss zu sein, der sehr vielen Seiten gerecht wird.