Der Print-on-Demand-Service ProPrint ist ein Gemeinschaftsprojekt der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) und des Computer- und Medienservices der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Service bietet die Möglichkeit, wissenschaftliche Aufsätze, elektronische Dissertationen oder Beiträge aus digitalisierten Büchern online zu recherchieren, individuell zusammenzustellen und als Paperback oder Skript von Druckdienstleistern produzieren zu lassen. ProPrint bietet bereits einen Zugriff auf über viertausend Monographien und Hochschulschriften an. Dabei wird das Netzwerk von Dokumentenservern und die Einbindung lokaler Druckunternehmen mit Print-on-Demand-Ausstattung kontinuierlich erweitert. Ziel ist es, die individuelle Publikation mit dem ProPrint-Service in jeder wichtigen deutschen Universitätsstadt verfügbar zu machen.
Seit mehreren Jahren werden in Deutschland an fast jedem Universitätsstandort Dokumentenserver zur Verbreitung und Aufbewahrung digitaler wissenschaftlicher Literatur aufgebaut. Es wurden und werden Promotionsordnungen an Universitäten verändert, um die Veröffentlichung von Dissertationen in digitaler Form zu ermöglichen. Ebenso werden historische Quellen digitalisiert, um diese über das Internet zugänglich zu machen. Daneben werden elektronische Zeitschriften aufgebaut, die langfristig den Weg aus der so genannten Zeitschriftenkrise weisen sollen. Ziel all dieser Projekte ist es, Informationen schnell, weltweit und kostengünstig verfügbar zu machen. Damit entstand eine neue Kultur, die des elektronischen Publizierens.
Diese Kultur trennt sich von traditionellen Prozessen der Produktion und Vermittlung von Publikationen. Hauptmerkmal dieser Kultur ist, dass die Erstellung ausschließlich mit Mitteln der elektronischen Datenverarbeitung, mit Computern, realisiert wird. Damit vollzieht sich ein Medienwandel. So ist der Computer mit einer Textverarbeitung nicht an die Abmessung einer DIN A4-Papierseite gebunden, Text-, Bild und Videoverknüpfungen können automatisiert werden. Der Autor kann sein Dokument ausdrucken, es als E-Mail verschicken oder über das World Wide Web veröffentlichen.
Die elektronische Publikation ist nicht mehr an einen Speicherträger gebunden. Aber sie schließt einen Ausdruck auf Papier nicht aus. Anders ist es beim Buch, es ist eine Endform der Informationsspeicherung. Sollen diese Informationen digital zur Verfügung gestellt werden, muss das Buch aufwendig eingescannt und jeder Buchstabe in Bits und Bytes umgewandelt werden. Aber elektronische Publikationen werden gedruckte Informationen nicht entbehrlich machen – im Gegenteil: Der Wunsch nach dem gedruckten Dokument wächst bei den Nutzern solcher Informationssysteme. Dieses Bedürfnis bezieht sich in vielen Fällen jedoch nicht auf das gesamte Dokument, sondern lediglich auf Ausschnitte, einzelne Aufsätze, Kapitel, Zitate o. ä. Ziel von ProPrint ist es, einen Print-on-Demand-Service für Hochschulschriften in ganz Deutschland anzubieten.
Mit dem Ziel vor den Augen, Wissenschaftler effektiv mit Informationen zu versorgen, entwickelten der Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität zu Berlin und die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) von 2000-2003 im Rahmen des DFN-Programms »Einsatz von Netzdiensten im Wissenschaftlichen Informationswesen«, gefördert mit Mitteln des BMBF, den Dienst ProPrint.

Abb. 1: Schema des ProPrint-Service.
Die softwaretechnische Grundlage für ProPrint wird durch ein LAMP-System realisiert. Dieses System setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen: Linux als Betriebssystem, dem Apache-Webserver, einer MySQL-Datenbank und PHP als Programmiersprache. Mit dieser Entscheidung wurde besonders auf die Nachnutzbarkeit des Systems geachtet, da alle verwendeten Softwarekomponenten frei zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden konsequent Standards sowohl für die Kommunikation zwischen den Dokumentenservern als auch für Dokumentformate und Metadaten verwendet.
Um Nutzern Recherchemöglichkeiten über Dokumentenservergrenzen hinaus anzubieten, können verschiedene Techniken zum Einsatz kommen. Genannt seien die verteilte Suche und das Harvesting. Beim ProPrint-System wird das Harvesting von Metadaten mit dem Open Archives Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) verwendet.
Das OAI-Protokoll ermöglicht einen effizienten Austausch von Metadaten und impliziert eine funktionale Aufteilung in Anbieter von (Dokumenten und) Metadaten, so genannte Data Provider1, und darauf aufbauende Dienste (Service Provider2). Die zentrale ProPrint-Suchmaschine ist im Sinne von OAI der Service Provider und die einzelnen Dokumentenserver sind Data Provider.
Voraussetzung für die OAI-Kompatibilität eines Dokumentenservers ist dessen Fähigkeit, Dublin Core als Metadatenformat auszuliefern. Für die Beschreibung weiterer Metadaten, die für den ProPrint-Dienst erforderlich sind, wurden innerhalb dieses Metadatenformates weitere Elemente mit einem gesonderten Namensraum definiert. Dieser Namensraum enthält auch Elemente des DIEPER-Metadatensatzes3. Die ProPrint-Erweiterung des Metadatenformates, der ProPrint-Metadatensatz, umfasst Informationen für besondere Seitenformate, Vertriebsinformationen und Gliederungen eines Dokumentes (Kapitel, Unterkapitel). Die Entwicklung der Elemente für die Beschreibung von Teilstrukturen konnte nicht von physisch vorliegenden Papierseiten einer gedruckten Publikation ausgehen, wie dies das Metadatenformat des Göttinger Digitalisierungszentrums (GDZ) für Digitalisate vorsah. Da bei den digitalen Dokumenten der Dokumentenserver der Humboldt-Universität und der SUB-Göttingen keine physischen Papierseiten vorlagen, wurde das Metadatenformat für Teilstrukturen auf logischen Einheiten (Kapiteln, Unterkapiteln …) aufgebaut.4
Über die zentrale ProPrint-Suchmaschine haben die Wissenschaftler und Studierenden so einen unbegrenzten Zugang zu elektronischen Dokumenten.
Der ProPrint-Dienst kann aber nicht nur über den zentralen Zugang genutzt werden. Jeder angeschlossene Dokumentenserver kann einen so genannten ProPrint-Button auf seinen Internetseiten anbringen. Damit erweitert sich das Dienstleistungsangebot der Bibliothek um einen Print-on-Demand-Dienst.
Der Benutzer des edoc-Servers hat sich schon manchmal gefragt, was der kleine grüne Button in Form eines Buches hinter jedem Eintrag einer Publikation bedeutet. Mit Hilfe dieses Buttons können u. a. Dissertationen, Zeitschriftenartikel und Tagungsbeiträge im Paperbackformat bestellt werden.
Die Bestellung verläuft in mehreren Schritten und dabei können folgende Optionen ausgewählt werden:
Der Bestellvorgang beginnt damit, ob die Seiten in Graustufen oder farbig gedruckt werden sollen. Die Auswahl der Graustufen beeinflusst sofort den Preis für die Bestellung. Sie kann in einigen Fällen bis über 50% den Preis reduzieren. Anschließend ist das Format auszuwählen. Dabei kann wiederum der Endpreis bei Wahl DIN A5 verringert werden. Bei der Bestellung von mehr als zwei Publikationen hat der Nutzer die Möglichkeit, diese in einem einzigen Einband zu binden oder separat. Das macht vor allem Sinn, wenn ein individueller Tagungsband oder eine thematische Sammlung als Studienmaterial für ein Seminar zusammengestellt werden soll. Eine separate Bestellung der Publikationen ist auch möglich. Mit der Angabe der Lieferadresse und der Auswahl der Bezahlung, Kreditkartenzahlung ist möglich, wird der Bestellvorgang abgeschlossen. Binnen fünf Tagen wird entweder die Bestellung per Post ausgeliefert oder man kann sie direkt beim Druckdienstleister abholen.
Der Dokumentenaustausch zwischen Dokumenten- und Publikationsservern kann nur gewährleistet werden, wenn Übereinkünfte zu Formaten und deren technischer Qualität bestehen. ProPrint setzt das PDF-Format von Adobe als Austauschformat ein. Jedoch kann die technische Qualität dieses Formates unterschiedlich sein. Bei der Erstellung dieses Formates können Fehler unterlaufen, die die weitere Verwendung des Dokumentes ausschließen. Außerdem ergeben sich bei Versionswechsel Kompatibilitätsprobleme.
Welche Fehler auftreten können und welche Aspekte unbedingt für einen standardisierten Austausch erfüllt sein müssen, wurde in einer umfangreichen PDF-Testreihe ermittelt. An diesem Test beteiligten sich auch die Dokumentenserver von OPUS-Stuttgart und das Universitätsrechenzentrum der TU Chemnitz.
Betrachtet wurden
Zum Abschluss wurde eine Auswahl von Dokumenten zum konkreten Druck an einen Druckdienstleister gegeben und auf fehlerhafte Darstellungen überprüft. Die durch den Test ermittelten Fehler führten zu folgenden ProPrint-Empfehlungen:
Wie können Autoren ihre elektronische Publikation auf Print-on-Demand-Tauglichkeit prüfen? Dazu stellt der edoc-Server jedem Autor ein Prüfprogramm in Form eines Preflight-Profils für Adobe Acrobat zur Verfügung. Dieses Profil kann in jedem Adobe Acrobat importiert werden und die elektronische Publikation kann automatisch auf die oben genannten Schwerpunkte geprüft werden.
Der ProPrint-Webservice wurde in einfach zu erfassenden Webseiten gestaltet, die komplett dynamisch erstellt werden. Bei der Implementierung wurden folgende Vorgaben umgesetzt:
Die Administration des ProPrint-Webservice erfolgt auf dem Server und über eine Webschnittstelle.Durch diese Schnittstelle sind folgende Funktionen administrierbar:
Zurzeit sind 4000 verschiedene Dokumente aus dem Bestand der Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin, der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und der Universitätsbibliothek Tübingen mit ProPrint verfügbar. Darunter befinden sich Monographien, Zeitschriften, digitalisierte Dokumente aus historischen Beständen, Habilitationsschriften, Dissertationen und Konferenzbeiträge von drei nationalen und internationalen Konferenzen. ProPrint steht für ein offenes System. Das heißt, dass jeder Betreiber eines Dokumentenservers diesen Dienst nutzen kann. ProPrint beschränkt sich dabei nicht nur auf öffentliche Einrichtungen, sondern richtet sich auch an kommerzielle Content Provider.