Die Entwicklung der Webseitengestaltung hat eine neue Qualität erreicht. Anfangs war die Gestaltung nur wenigen HTML-Kundigen vorbehalten. Später kamen die WYSIWYG-Editoren, die den Kreis der Redakteure ausweiteten. Seit dem Einzug der Redaktionssysteme ist praktisch niemand mehr ausgeschlossen und es ist endlich Zeit, wieder über Inhalte nachzudenken. Der Artikel stellt die Konsequenzen der Einführung eines universitätsweiten Content-Management-Systems dar.
Die Anzahl der vorhandenen Webseiten ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Der Haupt-Webserver der HU (http://www.hu-berlin.de) beherbergt derzeit um die 139000 HTML- und 2900 PDF-Dateien, der Institutsserver (http://www2.hu-berlin.de) bietet 381 Einrichtungen Speicherplatz, darunter einzelnen Fachgebieten, aber auch kompletten Instituten wie denen der Psychologie und der Chemie. Neu hinzugekommen sind zwei Server für das Redaktionssystem Zope bzw. das darauf aufbauende Plone. Derzeit existieren ca. 45 Zope/Plone-Instanzen. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass Plone an der HU erst seit einem knappen Jahr im Einsatz ist und je Institut mittlerweile nur noch eine Instanz angelegt wird, in die sich die Fachgebiete einordnen. (Nicht mitgezählt wurden die vielen, vielen über Skripte dynamisch erzeugten Webseiten, die Inhalte aus Datenbanken widerspiegeln.)
Einen eigenen Webauftritt anzubieten, gehört mittlerweile für jede Einrichtung, ob zum wissenschaftlichen Bereich oder zur Verwaltung gehörend, zum guten Ton – entsprechend hoch ist die Anzahl der mehr oder weniger gut geschulten Webredakteure. Das sind meist Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit wenig technischer Vorbildung und eigentlich ganz anderen Aufgaben.
Der Wildwuchs der letzten Jahre war kaum noch zu ertragen: Jeder, der die Buchstaben HTML schon einmal gehört hatte, konnte und sollte Inhalte ins Netz stellen. Nach der Qualität des erstellten Codes wurde nicht gefragt. Diejenigen, die ihre Kenntnisse vor 10 Jahren erworben hatten, nahmen oft die Modernisierungen dieser Sprache gar nicht zur Kenntnis. Dass Webseiten zu erstellen heutzutage viel mehr ist, als ein paar HTML-Tags zu beherrschen, ist noch nicht allen klar. So sind die Bereiche, die für die Außendarstellung ihrer Einrichtung zuständig sind, fast überall chronisch unterbesetzt. Vertretungsregelungen werden gar nicht oder nur sporadisch getroffen. Gearbeitet wird hauptsächlich mit WYSIWYG-Editoren, deren erzeugter Code unkontrolliert ins Web gestellt wird. Aber was sollten Redakteure daran auch kontrollieren können?
Im Jahre 2003 wurde das Corporate Design der Universität eingeführt. Das änderte an der technischen Gestaltung der Webseiten wenig. Zwar gab es jetzt mehr einander ähnliche Seiten als zuvor, wodurch dieses Layout erzeugt wurde, spielte jedoch kaum eine Rolle.
Die Einstellung zum Quellcode änderte sich jedoch grundlegend mit dem Aufkommen der Diskussion zum Thema »Barrierefreiheit«. Die angedrohten Sanktionen ließen erstmals das Bewusstsein einer Verantwortlichkeit für die Lesbarkeit der fabrizierten Seiten unter verschiedenen Bedingungen wie Browsern, Betriebssystemen, Vorlesegeräten etc. erwachen.
Heute sind die Schulungen zur Webseitengestaltung wieder gut besucht, Workshops zur Umsetzung der Anforderungen an modernes HTML finden wieder statt, nachdem sie lange wegen Besuchermangels ausgefallen sind. Die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Webseiten (BITV) hat die Einstellung zur Technologie verändert – obgleich sie für Berliner Hochschulen noch nicht einmal bindend ist.
Der Wunsch nach inhaltlich reichen und technisch sauberen Webseiten hat aber auch dazu geführt, dass für die Redakteure von Webseiten deutlich bessere Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden mussten. Zunächst entstand eine Vielzahl kleinerer Redaktionssysteme. Sie waren zumeist in PHP geschrieben und dienten der Erfassung jeweils einer Art von Objekten wie Pressemitteilungen, News, Gremienprotokollen u. ä.
Im Jahre 2004 wurde dann »Zope« eingeführt. Zope ist ein Applikationsserver auf Open-Source-Basis, mit dessen Hilfe man (als Administrator) Management-Oberflächen für Webauftritte entwickeln kann. Studentische Mitarbeiter/ innen und Azubis schufen im Computer- und Medienservice Erfassungs- und Rechercheoberflächen für Verwaltungsprozesse, die es ermöglichten, Inhalte ohne HTML-Kenntnisse einzupflegen.
Zu dieser Zeit entstand der Webauftritt der Abteilung für Personal und Personalentwicklung (Personalabteilung), siehe Abbildung 1. Um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort ein bequemes Einpflegen der Inhalte und den späteren Nutzern der Site bestmögliche Navigation zu ermöglichen, wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe viel Aufwand in die Vorbereitung des Auftritts gesteckt.
So wurden folgende Kriterien festgelegt:
»Ich finde den Internetauftritt der Personalabteilung insgesamt wirklich gelungen.
Besonders gefällt mir das Angebot unter ›Themen A bis Z‹. Die dort enthaltenen Schlagworte sind gut ausgewählt, kurz und knapp (aber verständlich) beschrieben, Links verweisen auf weiterführende Dokumente, wo erforderlich, sind direkte Ansprechpartner genannt.
Positiv ist auch, dass sich viele Formulare auf der Homepage finden lassen. Leider ist die Suche für den Nutzer, der nur hin und wieder einen Vordruck sucht, nicht optimal gelöst. Ähnliches gilt für das Navigieren durch die Linksammlung.
Ich wünsche mir, dass es gelingt, das Informationsangebot immer aktuell zu halten.«
Christl Katzung, Verwaltungsleiterin Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät II
Mit der Einführung der Zope-Erweiterung »Plone« Anfang 2005 breitete sich der Einsatz des zentralen Redaktionssystems auf andere Bereiche der Uni aus. Plone ist ein auf Zope-Basis entwickeltes, flexibles und intuitiv bedienbares Content-Management-System, das von uns so bearbeitet wurde, dass es den Anforderungen des Corporate Designs der Universität gerecht wird.
Auch der Leitungs- und Verwaltungsbereich der Universität hat sich sehr schnell mit Plone angefreundet. Bis zum Quartalsende werden die meisten Webseiten des zentralen Angebots auf Plone umgestellt sein. Die Sites von Studien- und Forschungsabteilung sind bereits seit einigen Wochen online, am Relaunch der Abteilung Internationales wurde bis Mitte Februar gefeilt, das Angebot der Personalabteilung soll im März umziehen und die Haushaltsabteilung, die bisher noch keinen eigenen Webauftritt hatte, hat sich eben erst einen Plone-Ordner anlegen lassen.
Insgesamt wurden im letzten Jahr knapp 40 Plone-Instanzen angelegt, wobei eine Instanz entweder den Auftritt einer Fakultät oder den eines Institutes beherbergt. Je eine weitere gibt es für Fachschaften und für größere Konferenzen. Die Seiten der zentralen Verwaltung liegen gemeinsam in einer Instanz, siehe http://zope.hu-berlin.de (später auch http://www.hu-berlin.de).
Die Zugriffsrechte sind natürlich so differenziert gesetzt, dass jeder nur Zugriff auf den Bereich hat, den er auch tatsächlich verantwortet.
Die Einführung von Zope bzw. Plone hatte für den Universitätsleitungs- und -verwaltungsbereich folgende wesentliche Auswirkungen:
»Der Webauftritt der Abt. für Personal und Personalentwicklung ist sehr gut gelungen. Er ist sehr übersichtlich gestaltet und beinhaltet nahezu alle wichtigen Informationen. Er ist eine große Hilfe bei der täglichen Arbeit.
Ich finde jetzt ohne lange zu suchen im Gegensatz zu früher:
a) alle zuständigen Ansprechpartner, egal ob ich den Namen kenne oder nicht.
b) zahlreiche Vordrucke nach Themengebieten sortiert
c) Informationen zu speziellen Sachfragen.«
Barbara Woess, Verwaltungsleiterin, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Plone ist nunmehr seit einem knappen Jahr im Einsatz. Seit dieser Zeit wurden so viele Instanzen angelegt, so viele Inhalte transferiert, so viele Templates angelegt, dass uns manchmal die Luft wegblieb. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem manche Komponenten überarbeitet werden müssen, um sie zukunftsfähig zu machen.
Und was dann, wenn alle Seiten nach Plone transferiert wurden? Wie geht es inhaltlich weiter?
Ein Schwerpunkt dieses Jahres wird der Ausbau des Portalgedankens sein. Unter einem Portal versteht man dabei zum einen eine Zusammenführung von Inhalten unter einer gemeinsamen Oberfläche, die physisch nicht unbedingt einen gemeinsamen Platz haben, inhaltlich aber so miteinander verknüpft werden können, dass für bestimmte Zielgruppen ein Mehrwert entsteht. Ein Beispiel dafür ist das Presse-Portal, siehe Abbildung 3 (http://zope.hu-berlin.de/presse/).
Zum anderen ist ein Portal auch eine desktopähnliche Oberfläche, auf der jeder die Inhalte anordnet, die ihn am ehesten interessieren. Für diesen Fall ist eine Personalisierung erforderlich, die es ermöglicht, die getroffene Auswahl für die nächsten Besuche der Website aufzubewahren.
Ein weiterer Punkt muss die Verfeinerung der Suche über die Inhalte der Universitätswebseiten werden. Ein Begriff wie »Deep Web« macht deutlich, dass große Informationsbereiche von heutigen Suchmaschinen noch nicht erfasst werden können. Die Technologien des »Semantic Webs« wiederum sollen die vorhandenen Informationen inhaltlich enger miteinander verknüpfen und damit besser auffindbar machen.
Wir werden an gleicher Stelle über technologische Fortschritte berichten.