CMS Journal
Nr. 29
April 2007
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Service, Technologie und Informationskompetenz – Dienstleistungen der Universitätsbibliothek


Frauke Engels, Christian Rüter, Michael Voss | Universitätsbibliothek
frauke.engels@ub.hu-berlin.de, christian.rueter@ub.hu-berlin.de, mvoss@ub.hu-berlin.de

Keywords

Nutzerorientierung, elektronische Dienste, Volltexte, Grimm-Zentrum

Abstract

Der Artikel gibt eine Übersicht über die Dienstleistungen der Universitätsbibliothek und zeigt auf, welche vielfältigen Weiterentwicklungen stattgefunden haben bzw. geplant sind, um eine optimale Informationsversorgung an der Humboldt-Universität zu garantieren.


Dienstleistungen einer Universitätsbibliothek

Kurz und knapp: Dienstleistungen einer Universitätsbibliothek bestehen in der Versorgung ihrer Nutzerinnen und Nutzer mit den benötigten Informationen.

Im Detail ist das Bild allerdings um einiges differenzierter: Es gibt zwar nur eine Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität mit über 6 Millionen Bänden, diese aber verteilt sich auf die Zentrale und 16 Zweigbibliotheken. Da kann es vorkommen, dass der benötigte Titel gar nicht in der gewohnten Zweigbibliothek ist, sondern der Standort erst recherchiert werden muss.

Zum Standard der Universitätsbibliothek (UB) gehört seit langer Zeit, dass es für diese Recherche einen Online-katalog gibt. So kann der Nutzer im Netz recherchieren, welche Titel in welcher Zweigbibliothek vorhanden und welche Medien derzeit verfügbar sind, er kann ausgeliehene Medien vormerken, online Bestellungen für Magazinliteratur aufgeben, die von ihm ausgeliehene Literatur verlängern und sich über seinen aktuellen Benutzerstatus informieren (z. B. ob bereits Säumnisgebühren angefallen sind). Darüber hinaus nutzt die UB die Online-Benutzerverwaltung auch zu weiteren Dienstleistungen wie Benachrichtigungen, dass die Leihfrist demnächst abläuft, dass ein vorgemerkter Titel bereitgestellt ist oder dass Säumnisgebühren anfallen.

Über das Portal des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg (KOBV) kann recherchiert werden, ob sich Literatur, die nicht an der HU vorhanden ist, in einer anderen Bibliothek der Region befindet.

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Abb. 1: Online-Katalog der Universitätsbibliothek.

Die UB beteiligt sich an der nationalen und internationalen Fernleihe, d. h. sie beschafft für ihre Benutzerinnen und Benutzer Literatur aus anderen Bibliotheken und stellt wiederum ihre eigenen Bestände anderen Bibliotheken zur Verfügung. Neben der Fernleihe gibt es die Möglichkeit, Aufsatzkopien über verschiedene Dokumentlieferdienste aus anderen Bibliotheken zu bestellen. Diese Dienstleistung ist in der Regel kostenpflichtig. Allerdings übernimmt die UB die Kosten für HU-Mitarbeiter beim Lieferdienst Subito, wenn es sich um Titel handelt, die sie nicht im eigenen Bestand hat.

Gegen ein entsprechendes Entgelt können in der UB reprografische Dienstleistungen wie z. B. Kopien bestandsgeschützter Werke oder Rückvergrößerungen von Mikrofilmen in Auftrag gegeben werden.

Selbstverständlich besteht das Angebot der UB nicht nur aus Printliteratur. Über 5 000 lizenzierte elektronische Ressourcen (elektronische Zeitschriften, Online-Datenbanken, CD-Roms, E-Books) können von jedem Rechner auf dem Campus der Universität und mit einem HU-Account auch von außerhalb eingesehen werden.

In Zusammenarbeit mit dem Computer- und Medienservice (CMS) unterstützt die Bibliothek die Open-Access-Bewegung, indem sie die Möglichkeit anbietet, in der HU entstandene wissenschaftliche Arbeiten (http://edoc.huberlin.de) elektronisch zu publizieren.

Eine Besonderheit des Angebots stellt EVIFA dar, die im Rahmen des Sondersammelgebietes Volks- und Völkerkunde konzipierte virtuelle Fachbibliothek Ethnologie. Dieses in der UB erstellte Fachportal bietet umfangreiche Recherchemöglichkeiten und einen integrierten Zugriff auf fachspezifische elektronische Dokumente und Internetlinks (http://www.evifa.de).

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Informationskompetenz im ...

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Zugang zu elektronischen Informationen und Volltexten

Die Universitätsbibliothek beschafft seit vielen Jahren Informationen und Volltexte nicht nur in Form von gedruckten Materialien, sondern solche, die auch oder nur in elektronischer Form zugänglich sind.

Dies begann mit dem Aufbau des CD-ROM-Services, der seit 1992 die Möglichkeit bietet, von allen Arbeitsplätzen der Universität auf Datenbanken und Volltexte, die auf CD-ROM gespeichert sind, zuzugreifen. Dieser Service wird seit einigen Jahren gemeinsam mit dem CMS realisiert.

Auf die Entwicklung des Internets und die verstärkten Möglichkeiten, online auf Faktendatenbanken, bibliografische Datenbanken und Volltexte zugreifen zu können, hat die UB mit einer immer stärkeren Beschaffung solcher Quellen (meistens in Form von Zugangs-Lizenzen) reagiert. Im Jahr 2005 hat die Universitätsbibliothek ca. 20 % ihres Etats für elektronisch verfügbare Informationen ausgegeben.

Wie finde ich Informationen im Internet?

Diese Form der Beschaffung von Informationen verlangt auch nach neuen Wegen, wie diese Informationen den Lesern bekannt gemacht werden, und nach neuen Zugangsmethoden. Schon immer waren die Bibliothekare bemüht, alle Erwerbungen in Katalogen nachzuweisen. Waren dies früher Zettelkataloge, so wird dies heute über den Online-Katalog der UB realisiert (Abbildung 1; http://opac.hu-berlin.de).

Neben den elektronischen Quellen, die im Internet nur nach Zahlung von Lizenzgebühren nutzbar sind, spielen viele freie (Open Access) Internetquellen eine immer wichtigere Rolle. Dabei muss aber – wie auch bei kommerziellen Datenquellen – nach Relevanz, Vertrauenswürdigkeit und Originalität gewichtet werden. Die Bibliothek will gemeinsam mit den Wissenschaftlern der Universität auch auf diesem Bereich den Lesern behilflich sein, die wichtigen und relevanten Internetquellen zu finden und zu nutzen.

So haben wir frühzeitig spezielle Nachweise für elektronische Ressourcen geführt. Waren dies am Anfang Linklisten, die in einigen Bereichen immer noch gepflegt werden und hilfreich sind, erfordern die heutigen Mengen an bekannten und wichtigen Internetquellen neue Wege zum Nachweis. Außerdem bietet das Internet neue Möglichkeiten, unterschiedliche Quellen gemeinsam abzusuchen und für die Suchergebnisse Dienstleistungen anzubieten:

  • sei es der Zugang zu den Volltexten unmittelbar und online,
  • die Nutzung der Suchergebnisse zur Formulierung neuer Suchanfragen, oder
  • die Beschaffung von Quellen, die nicht unmittelbar im Besitz der UB sind oder für die die UB keine Zugriff bezahlt hat, über Dokumentenlieferdienste zu Bedingungen, die die UB speziell ihren Benutzern bietet.

Einige dieser Dienste, die die UB schon heute anbietet, sollen im Folgenden beschrieben werden.

Als reines Nachweis-Instrument für Datenbanken, die im Internet frei oder durch kommerzielle Lizenzen beschränkt verfügbar sind, hat sich das Datenbank-Informationssystem DBIS (http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/ dbinfo/?bib_id=ubhub) etabliert, das von der Universitätsbibliothek in Regensburg betrieben und von über 130 deutschen Bibliotheken mit Informationen versorgt wird. Die UB weist ihre lizenzierten Datenbanken in diesem System nach (Abbildung 2).

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Abb. 2: Startseite des Datenbank-Informationssystems DBIS.

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Abb. 3: Schnellsuche in der »Digitalen Bibliothek«.

Wer sich nicht nur über relevante Datenbanken, sondern auch über andere Internetquellen informieren möchte, sollte in der »Digitalen Bibliothek« der UB nachsehen (http://huberlin.kobv.de). Hier wird neben den Informationen über wichtige Internetquellen (Datenbanken, WWW-Server, Volltexte u. ä.) die Möglichkeit geboten, Suchanfragen gleichzeitig an mehrere Internetquellen zu senden und die Ergebnisse in einer einheitlichen Darstellung (Layout und in einheitlichen Kategorien) weiterzuverwenden. Dabei muss man sich bei der Benutzung der Digitalen Bibliothek sicher erst daran gewöhnen, dass man meistens in 2 Schritten vorgeht:

  1. Zunächst wählt man oder sucht man die für das aktuelle Informationsbedürfnis relevanten Internetquellen.
  2. Man sucht dann in den so gefundenen Quellen nach den eigentlichen Informationen.

Andererseits – wenn man etwas nachdenkt – ist es wie mit den klassischen (gedruckten) Büchern oder Zeitschriften. Man muss zunächst ein passendes Werk finden, um dann in diesem Werk nach den entsprechenden Informationen zu suchen und sie zu lesen.

Die Internetquellen werden wie die klassischen Materialien von der Bibliothek katalogisiert und mit Sacherschließungsdaten versehen. Damit können auch in der digitalen Bibliothek die Internetquellen entsprechend den inhaltlichen Beschreibungen und anhand des Namens gesucht und gefunden werden (Abbildung 3).

Für einige Fächer hat die Bibliothek sogenannte Such-Sets vordefiniert, damit dieser zweistufige Prozess vereinfacht wird und gerade Einsteiger es leichter haben. Der Zugang zu den Internetquellen über die Digitale Bibliothek soll nicht den Zugang über die einzelnen Original-Oberflächen der Datenbank- oder Volltext-Anbieter ersetzen. Dazu vereinfacht diese Oberfläche die Suchmöglichkeiten auf einen gemeinsamen »Standard« und verdeckt spezielle Suchmöglichkeiten auf den verschiedenen Original-Websites. Andererseits müssen Suchanfragen nicht mehrfach eingegeben werden, und die Ergebnisse sind schneller vergleichbar.

Als wesentlicher Vorteil sei hier genannt, dass die weiterführenden Dienste – z. B. die Ermittlung des günstigsten Zugangs zur Information –, die sich hinter den gefundenen (meist) bibliografischen Daten verbergen und an denen der Leser ja mehr als an den bibliografischen Daten interessiert ist, für alle Ergebnisse garantiert sind.

Auf welchem Wege komme ich zum Volltext?

Ein weiterer Service, den die UB seit einigen Jahren anbietet, ist die Vermittlung der unterschiedlichsten Dienste zu bibliografischen Daten, die ein Leser im Internet gefunden hat oder, ganz klassisch, auf einer Literaturliste besitzt, verteilt in einer Lehrveranstaltung oder als Referenzliste am Ende eines Artikels oder eines Buches.

Um etwa die Frage, wie und wo bekomme ich den Text, den ich bei einer Datenbankrecherche gefunden habe, über das Internet beantworten zu können, betreibt die UB einen Linking-Server. Der basiert auf dem Standard OpenURL und ermittelt mit Hilfe einer von der UB gepflegten Datenbank, welche Dienste zu bestimmten bibliografischen Daten angeboten werden können.

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Abb. 4: Der Citation Linker.

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Abb. 5: Ein Dienstleistungsmenü, das mithilfe von SFX erzeugt wurde.

Zur Zeit gibt es zwei Zugänge zu diesem Dienst. Wenn man eine (Papier-)Liste mit bibliografischen Daten hat, kann man den Citation Linker der UB (Abbildung 4; http://sfx.kobv.de/ sfx_hub/cgi/ core/citation-linker.cgi) nutzen, um

  • Dienste zu diesen Daten zu ermitteln oder
  • Hinweise zu bekommen, in welchen Internetquellen diese Daten gesucht werden können.

Den zweiten Zugang zu diesem Dienst bieten wir in immer mehr Datenbanken von kommerziellen Anbietern an. Diese Anbieter räumen uns die Möglichkeit ein, einen Link auf unseren Link-Server zu setzen, damit der Benutzer dieser Datenbank auf die Inhalte zu den Bedingungen der Humboldt-Universität zugreifen kann. Als Beispiel sei auf die Datenbank PsycINFO verwiesen, für die die UB über den Anbieter EBSCO Information Services für die Humboldt-Universität den Zugriff lizenziert hat. Bei den Recherche-Ergebnissen finden Sie einen Link »HU-Service«.

Wenn dieser Link genutzt wird, werden verschiedene Dienste, die die UB vermittelt oder selbst realisiert, angezeigt. Wenn es einen Link zum Online-Volltext gibt, wird dieser natürlich an erster Position angezeigt (Abbildung 5).

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Ausbau und Optimierung der Zugangswege

Die Universitätsbibliothek wird diese skizzierten Dienstleistungen dahingehend weiter ausbauen, dass eine effektive und schnelle Ressourcensuche mit möglichst wenig Einarbeitungsaufwand immer besser wird. Aus diesem Grund arbeitet die UB intensiv an einem neuen Internetauftritt ihrer elektronischen Dienstleistungen. Hier sollen auf Grundlage eines neuen Content-Management-Systems möglichst integriert die unterschiedlichen elektronischen Angebote und Zugangswege übersichtlich und nach den Regeln der modernen Web-Usability zur Nutzung bereitgestellt werden.

Gleichzeitig müssen die Dienstleistungen und Informationen der UB in andere Systeme, wie z. B. der Lehr- und Lernumgebung Moodle oder in die Internetauftritte der Fachbereiche und Institute, integriert werden, um dort kontextbezogen genutzt werden zu können. So werden beispielsweise für Moodle Module programmiert, die die Recherche im Online-Katalog und in der Digitalen Bibliothek aus Moodle heraus ermöglichen und die Ergebnisse in verschiedenen anderen Moodle-Modulen nutzbar machen sollen. Die Nutzung des Service-Linking aus Moodle-Modulen soll ebenfalls ermöglicht werden.

Mit den WWW-Auftritten Clio-Online (http://www.clio-online.de), das am Institut für Geschichte betrieben wird, und dem Portal für Volks- und Völkerkunde (http://www.evifa.de) haben wir begonnen, die Suchdienste der Digitalen Bibliothek voll in die Oberfläche der Partner zu integrieren. So ist es uns gelungen, den Partnern die Arbeit bei der Programmierung von verteilten Suchen in für ein spezielles Fachgebiet wichtigen Internet-Quellen abzunehmen (federated search). In beiden Fällen haben sich die entsprechenden Suchangebote zu den wichtigsten und am häufigsten genutzten Funktionen auf den WWW-Seiten etabliert. Die UB zieht aus diesen Kooperationen den Nutzen, dass die Fachwissenschaftler stärker in die Bestimmung der für die Forschung und Lehre relevanten Internet-Quellen eingebunden sind, die für jeweiligen Fachgebiete bestimmt und katalogisiert werden.

Dieses Angebot, fachspezifische Subject Gateways für die WWW-Seiten von Fachbereichen, Instituten und einzelnen Forschungsgruppen zu etablieren, wird die UB stärker propagieren. Konkrete Absprachen laufen zur Zeit mit der Forschungsabteilung, die Funktionen der Digitalen Bibliothek nutzen wird, um die Erfassung der Publikationen der Wissenschaftler der Universität in der Publikationsdatenbank zu unterstützen.

In der weiteren Entwicklung stellen sich dann Fragen, wie neue Funktionen, die im Internet entstehen, für die Bibliothek genutzt werden können, oder welche Auswirkungen diese auf das Nutzer-verhalten haben werden. Zu nennen sind Funktionen des »social networking«, wie »tagging«, oder das Schreiben von Rezensionen und Hinweisen. Recherche und Navigation könnten durch facetted browsing unterstützt werden, das auch von Amazon und anderen Anbietern eingesetzt wird. Dabei werden die Suchergebnisse in Echtzeit untersucht und dem Benutzer Vorschläge unterbreitet, wie er mit seinen Suchergebnissen weiterarbeiten kann, etwa eine Verfeinerung oder Erweiterung der Suche.

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Informationskompetenz im Bologna-Prozess

Zur erfolgreichen Vermittlung von Informationen in einer Bibliothek gehört aber nicht nur die Optimierung der »Angebotsseite« mit ihren technischen Möglichkeiten und nutzerorientierten Oberflächen, sondern auch die Förderung der Nutzerseite, also der »Nachfrager«, besonders im Kontext des Bologna-Prozesses. Eine Zielstellung dieses Prozesses, insbesondere in seiner Erweiterung im Prager Kommuniqué von 2001, beinhaltet die Förderung des lebenslangen Lernens. Darüber hinaus wird besonders in Deutschland mit der Einführung der Bachelorstudiengänge an den Universitäten die Hoffnung verbunden, »praxisnähere«, also besser auf die Berufswelt und deren Anforderungen vorbereitete, Absolventen von den Hochschulen entlassen zu können. Eine der wichtigsten zu vermittelnden Schlüsselqualifikation einer berufsqualifizierenden und zur Flexibilität befähigenden Ausbildung ist sicher der Umgang mit Wissen und Informationen bzw. der sie vorhaltenden technischen Infrastruktur. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich das »Handling« von Informationen, die Fülle an Informationen und die Zugangsweisen zu Informationen grundlegend verändert und ist noch dabei, sich rasant zu entwickeln. Die Ansprüche an ein professionelles Informationsmanagement sind heute weitaus umfassender als vor 20 Jahren, und die Ausbildungsstätten, insbesondere die Universitäten, müssen darauf sowohl infrastrukturell als auch mit einem erweiterten Verständnis von Lehrinhalten reagieren.

In den USA wurde schon in den 1970er Jahren über information literacy gesprochen; in Deutschland gibt es die Diskussion um »Informationskompetenz« (IK) vor allem im bibliothekspolitischen Kontext seit den 1990er Jahren (vgl. [1] ). Informationskompetenz meint dabei mehr als die Fähigkeit, Literatur in einem Bibliothekskatalog zu finden, wie es nach wie vor Ziel vieler Nutzerschulungen in den heutigen Bibliotheken ist. In ihrem umfassenden Sinne meint Informationskompetenz die Fähigkeiten, Informationsbedarf zutreffend zu formulieren, geeignete Strategien der Suche auszuwählen und sich dazu Zugang zu verschaffen, gefundene Ergebnisse zu beurteilen und einzuordnen und sie letztlich sinnvoll in den eigenen individuellen Wissenskontext zu integrieren.1

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Die teaching library an der Humboldt-Universität

Informationskompetenz-Vermittlung wird zunehmend ein Qualitätsmerkmal für eine gute und erfolgreiche Universität auch in Deutschland sein. Vor allem in Bibliotheken, traditionell Orte des Lernens und Speicher des Wissens und der Information, werden Konzepte, Lehr-und Lernmodule und technische Hilfsmittel entworfen, die dazu beitragen, diesen bisher stark vernachlässigten Bereich der Ausbildung zu beleben.2 Die teaching library ist hierfür der Terminus technicus geworden, der sowohl das besondere Engagement als auch die Verantwortung der Bibliotheken beschreibt [2].

An der UB spielt die IK-Vermittlung schon länger eine wichtige Rolle [3]. Beispielsweise ist die UB am Projekt LOTSE in Münster beteiligt, in dem fach- und ortsspezifisch differenzierte Zugangswege und -weisen zur Fachliteratur aufgezeigt werden (http://lotse.unimuenster.de). Hier finden sich ebenfalls allgemeine und fachübergreifende Erklärungen zu Fragen der Recherchetechnik und zum Umgang mit Literatur in Hausund Forschungsarbeiten.

Selbstverständlich gehören Einführungen in die Bibliotheken und Schulungen zur Nutzung der angebotenen elektronischen Dienste zu den Pflichtaufgaben unserer Bibliothek. Verstärkt wird zur Zeit daran gearbeitet, einen gemeinsamen inhaltlichen Standard für die Schulungen zur IK zu erarbeiten und sie in den normalen Seminarablauf von Bachelorstudiengängen zu integrieren. In vielen Fällen, so in der Slawistik, Germanistik und Chemie – um hier nur einige stellvertretend zu nennen –, ist das bereits gängige Praxis. Diese standardisierten, jedoch fachbezogenen Schulungen sollen durch multimediale IK-Tutorials unterstützt werden, welche Übungen beinhalten und an vielen Stellen den Lernstoff vertiefen. Unabhängig von dieser Art des Einsatzes werden sie selbsterklärend konzipiert sein, sodass Hochschuldozentinnen und -dozenten bei Bedarf selbst auf diese Module zugreifen können, die beispielsweise dann auch in die Lehr- und Lernumgebung Moodle eingebettet sein sollen.

Allerdings können solche eher einführenden Schulungen und Kurse dem Anspruch, Informationskompetenz im oben skizzierten umfassenden Sinne zu vermitteln, sicher nicht gerecht werden. Deshalb entwirft die UB zur Zeit eine Strategie, die es ihr ermöglichen soll, zu einem späteren Zeitpunkt in den Bachelor- und auch in den Masterstudiengängen Seminare anzubieten, die berufsqualifizierendes Wissen vermitteln und die Studierende sich als Creditpoints anrechnen lassen können. Diese bevorzugt als Blockveranstaltung stattfindenden Kurse werden IK umfassend als berufsbezogene Schlüsselqualifikation interpretieren und fachspezifisch ausdifferenzieren.

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Weitere neue Projekte und Entwicklungen

Neben diesen beschriebenen Maßnahmen im Bereich der Informationskompetenz und der elektronischen Dienste ist die UB auch in anderen Bereichen ständig bemüht, ihre Dienstleistungen zu verbessern und auszubauen. Daher gibt es eine Vielzahl von Projekten, von denen die wichtigsten hier aufgeführt werden:

Der Online-Katalog ist das wichtigste Nachweisinstrument der Bestände. Daher ist die UB bestrebt, auch die Altbestände, die noch konventionell erschlossen wurden, dort zu verzeichnen. In einem größeren Projekt zur retrospektiven Katalogisierung werden derzeit mit Hilfe einer Fremdfirma Titelscans der alten Zettelkataloge von acht Zweigbibliotheken angefertigt und diese Daten in den Online-Katalog aufgenommen. Die Altbestände weiterer Zweigbibliotheken und der Zentralen Universitätsbibliothek werden folgen.

Die UB strebt eine umfassende Automatisierung aller Routinearbeitsgänge durch den Einsatz von RFID (Radio Frequency Identification) an. Bei dieser Technologie können die mit RFID-Chips versehenen Medien mittels elektromagnetischer Wellen identifiziert werden. Damit wäre es leichter, die Ausleihe an allen Standorten vollständig zu automatisieren. Es könnte rund um die Uhr geöffnet sein. Zudem würden Medien effektiver vor Diebstahl geschützt sowie Sortier- und Ordnungsarbeiten rationalisiert werden. Allerdings ist die Einführung dieser modernen Technologie mit einem hohen Personalaufwand und mit immensen Ausstattungskosten verbunden, sodass es sich vorerst nur um ein Vorhaben der UB handelt, dessen Umsetzung nicht im Detail geplant werden kann.

Die UB ist außerdem Partnerin im Kooperationsprojekt »Digitalisierung auf Anfrage«. Ziel ist es, ein europäisches Netzwerk zu schaffen, mit dessen Hilfe nicht urheberrechtlich geschützte Bestände auf Nutzeranfrage digitalisiert werden. So soll allmählich ein mehrere Millionen umfassender Bestand von E-Books aufgebaut werden.

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Das Jacob und Wilhelm Grimm-Zentrum

Das größte Projekt der UB ist jedoch die Vorbereitung des Wilhelm und Jacob Grimm-Zentrums, des gemeinsamen Neubaus von Universitätsbibliothek und Computer- und Medienservice. Im Grimm-Zentrum, das die Zentrale Universitätsbibliothek und die geistes- und sozialwissenschaftlichen Zweigbibliotheken integriert, sollen 1,5 Millionen Medien frei zugänglich aufgestellt werden. Diese Bände müssen einheitlich systematisiert, mit neuen Signaturschildern und Buchsicherungsstreifen versehen und ggf. auch repariert werden. Im Grimm-Zentrum ist eine Vielzahl an Auskunfts-, Beratungs- und Serviceeinrichtungen geplant, die gemeinsam von UB und CMS getragen werden.

In der Bibliothek wird es ca. 1 200 öffentliche Arbeitsplätze geben, angeordnet auf den Leseterrassen, an den Fensterseiten oder im PC-Pool. Das Grimm-Zentrum wird über Schulungsräume, Gruppenarbeitsräume, Behindertenarbeitsplätze und endlich auch Einzelarbeitskabinen verfügen. Ein umfassender Kopier-, Druck- und Scanservice, der mit besonders schonenden Buchscannern arbeitet, ermöglicht die Ausweitung der Reprografiedienstleistungen. Die wertvollen historischen Sammlungen der UB werden in einem separaten Forschungslesesaal mit einer qualifizierten Beratung angeboten.

Mit der Eröffnung des Grimm-Zentrums 2009 und der Realisierung weiterer Bauvorhaben auf dem Campus Nord konzentriert die UB ihre Standorte auf wenige, große Zentralbibliotheken. Um die Literaturversorgung zu vereinfachen, wird ein interner Transportservice eingerichtet, sodass sich die Nutzerinnen und Nutzer Medien aller Bibliotheken an alle Standorte bestellen und dort zurückgeben können.

Die Universitätsbibliothek wird ihre Nutzerinnen und Nutzer immer auf modernstem Niveau mit Informationen und Informationsressourcen versorgen und ihnen durch Vermittlung der notwendigen Schlüsselqualifikationen das Werkszeug zum professionellen Umgang damit an die Hand geben. Wie beschrieben, sind im Detail dafür laufend vielfältige Weiterentwicklungen in verschiedenen Bereichen wie Service, Technologie und Informationskompetenz notwendig. Die Universitätsbibliothek geht viele dieser Themen in enger Zusammenarbeit mit den Instituten an – als kompetente Partnerin für Forschung, Lehre und Studium an der Humboldt-Universität.

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Literatur

[1]Hütte, M.: Zur Vermittlung von Informationskompetenz an Hochschulbibliotheken. Entwicklung, Status quo, und Perspektiven. Köln, Hochschulschrift Köln, Fachhochschule, Master’s thesis, 07.02.2007 http://www.informationskompetenz.de/fileadmin/DAM/documents/Zur%20Vermittlung%20von %20_69.pdf
[2]Lux, C., Sühl-Strohmenger, W.: Teaching library in Deutschland. Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als Kernaufgabe für Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken. Wiesbaden, Dinges &Frick, 2004
[3]Engels, F.: Vermittlung von Informationskompetenz in der neuen Zentralbibliothek Naturwissenschaften. cms-journal. 2003, Nr. 24, S.3637, http://edoc.hu-berlin.de/e_rzm/ 24/engels-frauke-2003-04-17/PDF/13.pdf.

Anmerkungen

1Vgl. die Definitionen der »Big6« – http://big6.com/ (letzter Aufruf 7.2.2007) oder auch die amerikanischen Informations-kompetenz-Standards der Association of College and Research Libraries – http://www.ala.org/acrl/ilcomstan.html (letzter Aufruf 1.2.2007)
2Ein Überblick über die unterschiedlichen Arbeitsgruppen findet sich unter http://www.informationskompetenz.de (letzter Aufruf 8.2.2007)