CMS Journal
Nr. 29
April 2007
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Auf elektronischem Wege nach Bologna


Christian Grune (Redaktion) | Computer- und Medienservice; Monika Strietz, Nicole Schumacher, Johannes Gerwien | Institut für deutsche Sprache und Linguistik ; Tillmann Lohse | Institut für Geschichtswissenschaften; Martin Groß | Institut für Sozialwissenschaften; Heike Wapenhans | Institut für Slawistik; Thomas Scheuschner, Patrick Hostert | Geographisches Institut; Sandra Palácsik, Danilo Vetter
christian.grune@cms.hu-berlin.de | monika.strietz@rz.hu-berlin.de, nicole.schumacher@rz.hu-berlin.de, gerwienj@cms.hu-berlin.de | post@tillmannlohse.de | martin.gross@rz.hu-berlin.de | heike.wapenhans@slawistik.hu-berlin.de | thomas.scheuschner@geo.hu-berlin.de, patrick.hostert@geo.hu-berlin.de | Gender@Wiki | s.palacsik@jpberlin.de, danilola@freenet.de

Keywords

Bologna, E-Bologna, Studienreform

Abstract

Der Bologna-Prozess ist in seinen strukturellen Auswirkungen eng verbunden mit der Nutzung digitaler Technologien. Die damit verbundenen Fragen werden unter dem Stichwort E-Bologna diskutiert. Zwei Themen stehen dabei im Vordergrund: Wie müssen die vorhandenen Systeme an Hochschulen aus einer organisatorischen und administrativen Perspektive integriert und erweitert werden und welche Möglichkeiten bieten digitale Technologien in der Lehre, die Förderung von Mobilität, lebenslangem Lernen und Aufbau von Schlüsselkompetenzen zu unterstützen? Der Beitrag zeigt praxisnahe Beispiele, wie an den Instituten der Humboldt-Universität flexibel mit den neuen Herausforderungen umgegangen wird. Die präsentierten Lösungen sind eng an konkreten Herausforderungen entwickelt worden und haben nicht den Anspruch eine umfassende Lösung zu erarbeiten. Sie sind vielmehr strikt pragmatisch angelegt und damit alltagstauglich im fachlichen Kontext. Der Beitrag will Anregungen und Beispiele geben, wie die mit Bologna verbundenen Herausforderungen mit Hilfe digitaler Technologien gemeistert werden.


Was bedeutet E-Bologna?

Christian Grune

Der Bologna-Prozess steht für eine umfangreiche Reform der europäischen Hochschullandschaft. Durch die Umstellung auf mehrstufige Bachelor- und Masterstudiengänge wird eine europäische Vergleichbarkeit von Abschlüssen angestrebt, die den Austausch und die Mobilität von Studierenden erleichtern soll. Die dazu erforderlichen administrativen und studienorganisatorischen Maßnahmen sind umfangreich und ohne technologische Unterstützung nicht zu bewältigen. Für Bologna wird eine abgestimmte IT-Infrastruktur benötigt, die zentrale Services für Prüfungen, Lehre und Studium anbietet. Dafür steht das Stichwort E-Bologna zum ersten.

Doch Bologna ist mehr als Infrastruktur: Die hinter Bologna stehende Idee der Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen wird verbunden mit dem Ziel, lebenslanges Lernen und berufsqualifizierende Kompetenzen zu fördern. Als so genannte Schlüsselkompetenzen wird eine stärkere Berufsfeldorientierung in die akademische Ausbildung für den Bachelor und Master integriert. Digitale Technologien werden hier als »E-Learning« zur Kommunikation und Kollaboration in Lehrveranstaltungen eingesetzt, neue Lehrformen als hybrides Lernen über das Internet entwickelt oder gemeinsame Studiengänge in einem virtuellen Campus angeboten. E-Bologna steht damit zum zweiten für alle Maßnahmen, die E-Learning oder digitale Technologien unter einem didaktischen oder pädagogischen Fokus in Lehre und Studium integrieren.

Der Bologna-Prozess ist als Top-Down-Prozess von politischer Seite in die Hochschulen hineingetragen worden. Die Studienreform war damit vor allem durch administrative Themen wie Studien- und Prüfungsorganisation, Lehrveranstaltungs- und Campusmanagement oder die Akkreditierung von neuen Studiengängen bestimmt. Die formale Einführung neuer Studiengänge ist inzwischen auf gutem Wege. Zu deren technischer Unterstützung sind noch große Anstrengungen erforderlich, die tradierte Heterogenität der IT-Landschaften ist nicht von heute auf morgen abzulösen, Ressourcen fehlen oder werden an ungünstiger Stelle eingesetzt. Die Abbildung der vielfältigen Anforderungen von neuen Prüfungsformen ist nicht durchgehend zu leisten, zumal alte und neue Studienordnungen zumindest für eine Übergangszeit parallel bedient werden müssen.

Angesichts dieser noch zu bewältigenden komplexen Anforderungen administrativer Art an die IT-Infrastruktur tritt der andere Aspekt von E-Bologna – eine neue Qualität von mobilitäts- oder kompetenzfördernden Angeboten in Studium und Lehre – schnell in den Hintergrund. Dabei geht es vor allem darum, den Austausch von Studierenden und Lehrenden zu fördern und deren Zusammenarbeit über Grenzen hinweg zu ermöglichen, Studiengänge für Teilnehmer aus verschiedenen Ländern zu öffnen oder völlig neue Veranstaltungstypen durch Nutzung digitaler Technologien zu etablieren. Hier bietet sich eine enorme Chance für Hochschulen, im eher administrativ geprägten Gesamtbild von Standardisierung, Akkreditierung und internationaler Vergleichbarkeit eigene Schwerpunkte zu setzen und Profile zu entwickeln.

Dieser Beitrag fasst einige Beispiele zusammen, die das Potential für eigene Akzente und die Effizienz pragmatischer Lösungen an der Humboldt-Universität verdeutlichen. Sie setzen digitale Technologien ein, um das Lehrangebot transparent zu machen, administrative und organisatorische Prozesse des Veranstaltungsmanagements zu unterstützen oder Betreuungsengpässe durch kreative Lösungen zu beheben. Sie etablieren neue Lehrformen oder unterstützen durch neue Veranstaltungsformate die internationale Ausrichtung von Studiengängen. Viele Wege führen nach Bologna: Natürlich handelt es sich hier nur um einen kleinen Ausschnitt und sehr unterschiedliche Facetten von E-Bologna, die Anregungen für Nachfragen und weitere Initiativen geben sollen.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet E-Bologna? ...

Transparente Lehre und fl...

Qualitätssicherung in Zei...

Elektronisches Lehrverans...

Moodle-Kurse über Länderg...

Neue Prüfungsformen am Ge...

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Transparente Lehre und flexible Beratung am Institut für deutsche Sprache und Linguistik

Monika Strietz, Nicole Schumacher und Johannes Gerwien

Nutzung von Moodle

Am Institut für deutsche Sprache und Linguistik nutzten interessierte Lehrende schon in zurückliegenden Semestern die Lern- und Kommunikationsplattform Moodle und boten Moodle-Kurse zur Begleitung ihrer Präsenzlehre an. Dabei ging es im Wesentlichen darum, Seminarabläufe zu optimieren, indem Materialien online verfügbar gemacht wurden und Kursteilnehmer seminarintern kommunizierten. Mit der Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge erwuchs nun die Idee, die Moodle-Plattform für die Lösung einer Reihe aktueller Aufgaben einzusetzen, die sich aus den Studienkonzepten dieser neuen Studiengänge ergeben.

Wie allgemein bekannt, sind Bachelor-und Master-Studiengänge nach Modulen strukturiert. Zu einem Modul gehören – unabhängig von Mehrfachangeboten – mehrere Lehrveranstaltungen, die von verschiedenen Dozenten und Dozentinnen geleitet werden. Jedes Modul wird mit einer Modulabschlussprüfung beendet. Modulstrukturen zu einer Standardisierung zu führen, ist für die Effektivierung von Studienabläufen wichtig. Moodle erscheint da als durchaus geeignet, die Modulstruktur eines Studienganges abzubilden, um in dieser Modulstruktur dann das jeweils aktuelle Lehrangebot und die dazu gehörenden Moodle-Kurse zu präsentieren. Dies haben wir zunächst für die Studiengänge BA Germanistische Linguistik und Master Deutsch als Fremdsprache für die im Wintersemester 06/07 angebotenen Module umgesetzt. In Ergänzung dazu sind als Ausblick die erst im Sommersemester 2007 zu absolvierenden Module online verfügbar. Die Darstellung der Moodle-Lehre über die Modulstruktur des jeweiligen Studiengangs wird fortlaufend aktualisiert, sodass in jedem Semester neben dem aktuellen Lehrangebot auch das Angebot des kommenden Semesters präsentiert wird. Neben der so geschaffenen größeren Transparenz der Studiengänge für die Studierenden hatte diese Präsentation den weiteren positiven Effekt, dass alle Lehrende des Instituts Moodle-Kurse zur Begleitung ihrer Präsenzlehre einrichteten. Wichtig in diesem Zusammenhang waren die Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung und die Begleitung im Rahmen des Projektes e-KoKon und des Multimedia Lehr- und Lernzentrums.

Um Qualität zu sichern, ist es notwendig, Standardisierungen zu verstetigen. Die Präsentation der Modulstruktur durch die Nutzung der Ressourcen von Moodle bietet die Möglichkeit für eine solche Qualitätssicherung. Nicht nur die Studierenden, sondern auch die Lehrenden können sich an den Moodle-präsentierten Modulinformationen orientieren (Infos über Studienpunkte, Modulabschlussprüfung usw.). Dies ist bei Mehrfachangeboten durch verschiedene Lehrende, vor allem aber auch beim Mitwirken von Lehrbeauftragten besonders relevant.

Ein entscheidendes Ziel bei der Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge ist die Steigerung von Effizienz sowie die Gewährleistung der Studierbarkeit. Für die optimale Gestaltung ihres individuellen Studiums haben die Studierenden einen enormen Informationsbedarf. Die von uns dargebotene Präsentation zu Modulen und Moodle-Lehre in den Studiengängen ist ein wichtiger Bestandteil für die Optimierung und Transparenz in der Studienfachberatung.

Mit dem Bologna-Prozess wird auch eine Förderung der Mobilität der Studierenden angestrebt. Der Überblick über die Modulstruktur in Verbindung mit dem aktuellen Lehrangebot dazu bietet interessierten Studierenden von außen, beispielsweise jenen, die einen Studienortswechsel anstreben und einen attraktiven Studiengang suchen, eine gute Informationsquelle. Die modulstrukturierte Präsentation der Moodle-Kurse kann möglicherweise auch schnell Aufklärung darüber geben, ob der bislang belegte Studiengang kompatibel ist mit dem, der gerade gewünscht wird. Dies gilt insbesondere auch für Studierende im Erasmus-Programm.

Nicht zuletzt kann über eine durchgängig angebotene Moodle-Unterstützung die Kommunikation und die Vernetzung der Studierenden gefördert werden. Dies bietet insbesondere bei Auslandsaufenthalteninteressante neue Betreuungs- und Teilnahmeoptionen, wie sich bereits im Wintersemester 06/07 für den Masterstudiengang Deutsch als Fremdsprache gezeigt hat, in dem ein obligatorisches Auslandssemester enthalten ist.

Der aktuelle Stand

In die Homepage des Instituts für deutsche Sprache und Linguistik wurde unter Studium die Seite Moodle-Lehre im Netz (http://www.linguistik.hu-berlin.de/ studium/moodle) angelegt. Das Lehrangebot ist dort studiengangsspezifisch nach Modulen gegliedert:

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Abb. 1: Aufbau und Struktur der Moodle-Kurse.

  • BA Germanistische Linguistik Studienbeginn vor WiSe 06/07
  • BA Germanistische Linguistik Studienbeginn ab WiSe 06/07
  • MA Deutsch als Fremdsprache
  • Studienangebot für ERASMUS-Studierende

Die weiterführenden Links verweisen auf in Moodle realisierte »Homepages« der Module (technisch sind es öffentliche Moodle-»Kurse«) mit jeweils einheitlichem Aufbau, wie in Abbildung 1 beschrieben:

  • Allgemeine Informationen: Angebote wie Begrüßung, Veranstaltungshinweise, studiengangsspezifische Neuigkeiten
  • Forum – Kommunikationsplattform
  • Informationen zur Studienorganisation: Modulbeschreibungen, Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis (KVV), Vorschau der Lehrveranstaltungen auf das kommende Semester, Archiv der vergangenen Lehrveranstaltungen mit Moodle-Kursen

Die Übersicht über die in Moodle verfügbaren Lehrangebote wird einheitlich strukturiert:

  • Modulname
  • Titel der angebotenen Kurse im Modul X
  • Namen der Lehrenden
  • Kursbeschreibungen
  • Link: Vorschau auf das Lehrangebot im Modul X im nächsten Semester
  • Link: Modulbeschreibung Modul X

Geplante Erweiterungen und Ergänzungen

Auf Basis der bisherigen Erfahrungen und nach Evaluierung soll die entwickelte Struktur weiter ausgebaut werden:

  • Aufbereitung der Moodle-Kurse SoSe 07 in gleicher Weise wie im WiSe 06/07, dann immer fortlaufende Aktualisierungen;
  • Weiterbildung/Beratung für Lehrende, die mit Moodle noch nicht vertraut sind;
  • Weiterbildung/Beratung zur besseren Ausschöpfung der Ressourcen von Moodle;
  • Erstellung einer Moodle-Homepage für BA Deutsch in Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Literatur;
  • Vorbereitung zur Verwaltung und Koordination der Moodle-Kurse für die Masterstudiengänge Linguistik und Historische Linguistik, die ab WiSe 07/08 starten werden.

Die hier erarbeiteten Lösungen bauen auf an der Humboldt-Universität vorhandene Systeme auf und konnten mit anfänglicher Unterstützung durch das Multimedia Lehr- und Lernzentrum und das Multimedia-Förderprogramm der Medienkommission vom Institut für deutsche Sprache und Linguistik selbst realisiert werden. Sie gewährleisten eine transparente Lehre und eine flexible Beratung am Institut: Die Moodle-gestützte Übersicht erleichtert nicht nur internen Studierenden die Planung des Studiums und externen Studierenden die Information über Studiengänge und Lehrangebote des Instituts, sondern schafft auch Transparenz für alle Lehrenden und entlastet die Studienfachberatung. Insgesamt ist somit eine Effizienzsteigerung in den Bachelor- und Masterstudiengängen gewährleistet.

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Qualitätssicherung in Zeiten knapper Kassen: Neue Unterrichtsformate am Institut für Geschichtswissenschaften

Tillmann Lohse

Im »Massenfach« Geschichte erfolgt die sukzessive Umstellung des Studienangebots auf die neuen BA-/MA-Studiengänge unter schwierigen Rahmenbedingungen, die in erster Linie aus einer extrem angespannten Betreuungssituation resultieren. Während an den Berliner Hochschulen durchschnittlich 62 Studierende auf eine/n Professor/in kommen sollen, liegt das Verhältnis beider Gruppen am Institut für Geschichtswissenschaften gegenwärtig bei etwa 1:198. Angesichts dieser Ausgangslage sehen sich alle Dozenten und Dozentinnen des Instituts vor die Herausforderung gestellt, neue Unterrichtsformate zu entwickeln, mit denen die Qualität der Lehre auch in Zeiten knapper öffentlicher Kassen sichergestellt werden kann.

Ein besonders erfolgversprechender Lösungsansatz für dieses Dilemma wird seit dem Sommersemester 2006 im Studienbereich Mittelalterliche Geschichte erprobt: die lehrstuhlübergreifend organisierte Kombination unterschiedlicher Blended-Learning-Szenarien, die je nach Lehrveranstaltungstyp stärker auf die Präsenzlehre oder das E-Learning fokussiert sind. Der gezielte Einsatz des Lernmanagementsystems Moodle ermöglicht seither eine radikale Umschichtung der bestehenden Ressourcen (v. a. Lehrdeputate) und bringt individuelle und kollektive Anleitung, moderierte Gruppenarbeit und eigenverantwortliches Selbststudium wieder in ein produktives Gleichgewicht.

Präsenzlehre mit E-Learning im Proseminar

Bei diesem Unterrichtsformat unterstützen elektronische Arbeitsplattformen den Wissenserwerb im Rahmen herkömmlicher Seminarsitzungen: Der starre Seminarplan weicht einer dynamischen Agenda. Die verlässliche Distribution und Archivierung aller relevanten Materialien tritt an die Stelle der Seminarorder mit ihren notorisch unvollständigen Kopiervorlagen. Eine integrierte Mailingliste sichert zudem einen kontinuierlichen und für alle dokumentierten Informationsfluss.

Diese allgemeine Effizienzsteigerung des Seminarablaufes bildet gewissermaßen das Standbein der seminarbegleitenden E-Learning-Aktivitäten. Hinzu treten als Spielbein weitere Tools von Moodle, die je nach didaktischer Konzeption des Proseminars eingesetzt werden können. Aus den Präsenzsitzungen ausgelagerte Diskussionsforen, selbst erarbeitete Glossare oder gemeinsam verfasste Wikis bieten dabei nicht nur ein breites Spektrum interaktiver und kollaborativer Lernformen, sondern auch eine willkommene Alternative zu ermüdenden Aneinanderreihungen von Referaten.

E-Learning mit Präsenzlehre im Tutorium

Bei diesem Unterrichtsformat wird der selbst gesteuerte, zeit- und ortsunabhängige Wissenserwerb in einer virtuellen Lernumgebung, dem Moodle-Tutorium Mittelalter, durch das Angebot einer wöchentlichen »Fragestunde« unterstützt. Im Gegensatz zu den proseminarbegleitenden Moodle-Kursen, die zu Beginn jedes Semesters neu angelegt und dann von Woche zu Woche mit Content gefüllt werden, ist das Moodle-Tutorium (von den unvermeidlichen Aktualisierungen einmal abgesehen) »fertig« und lässt sich mit sehr geringem Arbeitsaufwand jedes Semester wieder verwenden. Der nachhaltig nutzbare Kurs besteht aus insgesamt 14 Lektionen mit handlungsorientierten Aufgabenstellungen, den zu ihrer Lösung benötigten Materialien sowie einem Glossar der wichtigsten mediävistischen Hilfsmittel.

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Abb. 2: Verzahnung der Moodle-Kurse im Einführungsmodul »Mittelalterliche Geschichte«.

Bei der Bearbeitung der einzelnen Lektionen werden die individuellen Lernprozesse durch unterschiedliche Kommunikationsformen begleitet: Während das Diskussionsforum in erster Linie dem Austausch der Studierenden untereinander dient, beginnt mit jeder eingereichten Lösung ein Feedback-Dialog zwischen Student/in und Dozent/in, in dessen Verlauf individuelle Hilfestellungen gegeben werden können. Darüber hinaus haben die Studierenden in einer wöchentlichen »Fragestunde« die Möglichkeit, all diejenigen Fragen zu stellen, die sich face-to-face einfach besser formulieren oder beantworten lassen. Diese optionale Präsenzveranstaltung folgt dementsprechend keinem vorgegeben Seminarplan, sondern orientiert sich ausschließlich an den Fragen der jeweils Anwesenden.

Die Verbindung beider Unterrichtsformate im Rahmen der BA-/MA-Studiengänge

Durch die zeitliche Entkoppelung der Lernprozesse im Moodle-Tutorium können die Studierenden ihr Lerntempo bei der Aneignung elementarer Arbeitstechniken und im Umgang mit einschlägigen Hilfsmitteln weitestgehend selbst bestimmen. Zugleich vermögen Dozentinnen und Dozenten des Tutoriums trotz einer zweifellos hohen – im Vergleich zu früher sogar nahezu vervierfachten – Betreuungsrelation von ca.1:100 nach wie vor jedem Einzelfall gerecht werden. Die im Lehrveranstaltungssegment Tutorium »eingesparten« personellen Ressourcen kommen nun in vollem Umfang dem Lehrveranstaltungssegment Proseminar zugute. So konnte die Größe der Lerngruppen in diesen für die Einführung in das geschichtswissenschaftliche Arbeiten so zentralen Kursen innerhalb von 2 Semestern von bis zu 50 auf ca. 20 Teilnehmer/innen abgesenkt werden.

Präsenzlehre und E-Learning sind mithin keineswegs als zwei Alternativen zu verstehen, zwischen denen man sich entscheiden müsste. Angesichts der aktuellen Herausforderungen kommt es vielmehr darauf an, im Rahmen der BA-/MA-Studiengänge ein in sich stimmiges Set an Blended-Learning-Modellen zu entwickeln, das den spezifischen Aufgaben einzelner Lehrveranstaltungstypen gerecht wird und zugleich im Sinne der Modularisierung die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Lehrveranstaltungen stärker als bislang hervortreten lässt. Hierzu dürfen die einzelnen E-Learning-Plattformen aber nicht länger isoliert nebeneinander stehen, sondern müssen allen Usern durch intensive, wechselseitige Verlinkungen signalisieren, dass sie und wie sie bereits von ihrer ganzen Konzeption her auf Austausch-und Synergieprozesse angelegt sind (vgl. Abbildung 2).

Studentische Evaluation

Die nach der ersten Erprobung im Sommersemester 2006 durchgeführte Evaluation ergab eine breite Akzeptanz beider Unterrichtsformen seitens der Studierenden des Instituts. Positiv hervorgehoben wurde neben der Erleichterung organisatorischer Abläufe und der Nutzerfreundlichkeit des Systems vor allem die, durch das Moodle-Tutorium ermöglichte, flexiblere Zeiteinteilung. Zugleich räumten einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen jedoch ein, mit den Anforderungen selbstständigen Arbeitens zum Teil überfordert worden zu sein. Andere kritisierten die Anonymität beim E-Learning. Eine mögliche Abhilfe für beides wäre womöglich die Bildung studentischer Arbeitsgruppen, in denen vor Ort voneinander gelernt werden könnte. Leider fehlen hierfür am Institut für Geschichtswissenschaften jedoch bislang noch geeignete Räumlichkeiten.

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Elektronisches Lehrveranstaltungsmanagement am Institut für Sozialwissenschaften

Martin Groß

Neue Anforderungen an die Studienorganisation

Durch die Umstellung der Studiengänge entsteht ein wesentlich erhöhter Bedarf an Studienverwaltung. Die Zahl der Studiengänge und Prüfungsordnungen hat sich vervielfacht: Neue Master- und Bachelorstudiengänge bei Weiterführung des Diplomstudiengangs sowie Angebote für Nebenfächler führen auch zu einer Vielzahl an gleichzeitig geltenden Prüfungs- und Studienordnungen in unterschiedlichen Versionen (Monobachelor 2002, 2006 usw.). Damit ist auch die Zahl der Prüfungsleistungen stark gestiegen. Vor allem im Bachelor und Master sind deutlich mehr Prüfungen zu organisieren und eine Vielzahl von Prüfungstypen müssen abgenommen werden: Klausur, Hausarbeit, mündliche Prüfungen, Referate, Hausarbeiten – teilweise bestehen Prüfungen ihrerseits aus verschiedenen Teilleistungen. Der modulare Aufbau der neuen Studiengänge erfordert sorgsam aufeinander abgestimmte Lehrangebote.

Aus diesem Studienverwaltungsproblem erwuchs der Bedarf elektronischer Unterstützung bei der

  • Erstellung und Präsentation des (Kommentierten) Vorlesungsverzeichnisses,
  • Anmeldung zu Lehrveranstaltungen,
  • Verbuchung und Bestätigung von Prüfungsleistungen.

Einführung eines Lehrveranstaltungsmanagements im Pilotbetrieb

Um dieser Situation auch mit Blick auf eine hochschulweite Lösung zu begegnen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Computer- und Medienservice (CMS) und der Juristischen Fakultät pilotweise ein elektronisches Lehrveranstaltungsmanagement eingeführt. Der Gesamtprozess und die weiterführenden Perspektiven sind beschrieben im Beitrag »Integrierte Services für Studierende« in diesem Heft.

In einem ersten Schritt sollten folgende Funktionen abgedeckt werden: Erstellung, Druck und Onlinepräsentation des Vorlesungsverzeichnisses sowie die Anmeldung zu Lehrveranstaltungen. Dazu wurde die Software »Lehre, Studium und Forschung« (LSF) der Hochschul-Infor-mations-Systeme GmbH Hannover (HIS) nach einer Evaluation verschiedener anderer Systeme ausgewählt. Andere HIS-Softwaremodule sind bereits an der Humboldt-Universität im Einsatz, sodass eine Integration in die IT-Infrastruktur auf mittlere Sicht realistisch erscheint.

Die Erstellung der Lehrveranstaltungsübersicht ist dezentral angelegt: Die Lehrenden bzw. die Sekretariate geben alle zum Stichtag der Planung (meist 6 Monate vor Semesterbeginn) verfügbaren Information selbst ein. Es folgt eine zentrale Redaktion durch die Kommission Studium und Lehre; Fehler – vor allem falsche Zuordnungen zu Modulen – werden korrigiert. Danach werden zentral Zeiten und Räume zugeteilt, wobei die bei der dezentralen Eingabe angegebenen Wunschzeiten und -räume nach Möglichkeit berücksichtigt werden.

Aus der so erstellten Datenbank werden mit Hilfe zweier durch den CMS zur Verfügung gestellter Formatvorlagen zwei unterschiedliche Druckfassungen erstellt. Eine geht an die Studienabteilung und wird als Teil des zentralen Vorlesungsverzeichnisses veröffentlicht. Die andere dient der Erstellung des kommentierten Vorlesungsverzeichnisses (KVV) des Institutes. Derzeit müssen jedoch noch beide Fassungen händisch nachbearbeitet werden; eine Verbesserung der Formatvorlagen ist angestrebt.

Die Online-Fassung des KVV erlaubt nun die Recherche nach Lehrangeboten in verschiedenen Varianten: Das KVV ist nach Studiengängen und Studiengangsmodellen geordnet. Dabei kann die gleiche Lehrveranstaltung durchaus unterschiedlichen Studiengängen zugeordnet sein. In der Gesamtansicht kann man bequem die einzelnen Module »durchblättern«. Es ist eine gezielte Suche von Veranstaltungen nach einer Vielzahl von Kriterien (Titel, Lehrende, Raum, Zeit usw.) möglich. Alle Veranstaltungen eines Studiengangs können bequem in einem Wochenplan dargestellt werden. Studierende können sich einen persönlichen Stundenplan zusammenstellen, der abgespeichert wird.

Die Studierenden können sich über LSF auch zu Lehrveranstaltungen anmelden. Das erfordert eine persönliche Anmeldung am System. Zu einem gegebenen Stichpunkt werden sie (nach einem vorher festgelegten Verfahren) automatisch zu den Lehrveranstaltungen zugelassen. Die Lehrenden können trotzdem individuell Zulassungsentscheidungen revidieren. Die Studierenden erfahren über LSF, zu welchen Lehrveranstaltungen sie zugelassen wurden; die Lehrenden erhalten Teilnahmelisten.

Sehr praktisch ist die gestaffelte Anmeldung zu parallelen Veranstaltungen. Studierende geben Prioritäten an, zu welchen Terminen sie an Übungen etc. teilnehmen möchten. Das System verteilt die Studierenden dann automatisch anhand der geäußerten Prioritäten auf die verfügbaren Veranstaltungen.

Reaktionen und weitere Entwicklungen

Eine begleitende formative Evaluation zeigte eine gute Akzeptanz bei den Studierenden, wohingegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lehrstühle und Sekretariate sowie die zentrale Redaktion vor allem mit der Unübersichtlichkeit und Schwerfälligkeit des Systems unzufrieden sind. Teilweise ist dies auf eine in der Pilotphase nicht hinreichend angepasste Installation des Systems zurückzuführen, in zentralen Teilen ist aber die Oberfläche und Usability bei der Eingabe und Steuerung noch deutlich zu verbessern. Einer der wesentlichen Punkte auf

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Abb. 3: Begleitende Seminarwebsite in Moodle, Darstellung der wesentlichen Elemente .

der Wunschliste ist daher eine dringend erforderliche Überarbeitung des Designs von LSF, vor allem in Bezug auf die träge und umständliche Navigation und die Vereinfachung des Workflows bei der Eingabe von Lehrveranstaltungen.

Derzeit wird am Institut auch das System »Qualitätssteigerung der Hochschulverwaltung im Internet durch Selbstbedienung« (QIS), ein weiteres Produkt der HIS GmbH, eingeführt. Damit können sich die Studierenden (derzeit nur Erstsemester im BA) zu Prüfungen anmelden, die Dozenten diese Anmeldelisten einsehen und die Prüfungsleistungen eingeben. Studierende können sich via QIS jederzeit über ihren aktuellen Stand informieren und Nachweise selbst ausdrucken. Eine Integration von QIS und LSF läge entsprechend nahe, ebenso die Anbindung der LSF-Nutzerverwaltung an den HU-Account. Die zentrale Raumverwaltung sollte ebenfalls angebunden werden; zur Zeit müssen noch alle Räume und ihre Ausstattung separat eingegeben werden.

Für das Institut steht außerdem die Integration mit Moodle auf der Wunschliste: Insbesondere sollten Lehrveranstaltungen in Moodle automatisch auf Basis von Daten aus LFS generiert werden können – nicht zuletzt unter Übernahme der in LSF gebildeten Teilnehmerlisten.

Zusammenfassend kann die grundsätzliche Eignung des Systems zur Unterstützung der vielfältigen neuen organisatorischen Prozesse im Kontext der Bologna-Reform festgestellt werden. Eine Darstellung der allgemeinen Rahmenbedingungen und der weiteren Schritte findet sich im eingangs angesprochenen Beitrag von Steffan Baron in diesem Heft.

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Moodle-Kurse über Ländergrenzen hinweg

Heike Wapenhans, Christian Grune

Am Institut für Slawistik haben sich netzgestützte Angebote in der Lern- und Kommunikationsplattform Moodle als Ergänzung zur Präsenzlehre seit mehreren Semestern etabliert und gehören inzwischen fast zum Standard. Den Lehrenden wurde der Zugang zu dieser neuen Form der Lehrunterstützung durch Workshops und begleitende Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Multimedia Lehr- und Lernzentrum (MLZ) sowie durch institutsinterne Schulungen und individuelle Betreuung vor Ort erleichtert. Bislang wurden Moodle-Kurse vorwiegend für die Begleitung der Präsenzlehre eingesetzt – zur Materialbereitstellung und zur Kommunikation der Lehrenden mit den Studierenden. Die geplante Einrichtung der Master-Studiengänge, die den Anforderungen der Bologna-Reform gerecht werden, eröffnet neue Möglichkeiten und Chancen, aufbauend auf den Erfahrungen und der hohen Bereitschaft der Lehrenden, völlig neue Lehrkonzepte und Formen netzgestützten Lehrens und Lernens auszuprobieren.

Für einen geplanten Masterstudiengang Interkulturelle Fachkommunikation (IFK) ist eine Kooperation mit folgenden Partnern in Vorbereitung: Adam-Mickiewicz-Universität Poznan, Jagellonen-Universität Krakow, Komensky-Universität Bratislava, Karls-Universität Prag, Lomonossov-Universität Moskau, MGLU (Moskau), Ochridski-Universität Sofia, RGGU (Moskau), Staatliche Universität Voronezh und die Universität Warschau.

Die Kooperation soll folgende Punkte umfassen:

  1. Unterstützung und Förderung der Studentenmobilität: Entsendung bzw. Aufnahme von Studierenden durch die Partnereinrichtungen mit dem Ziel, den Erwerb von Auslandserfahrungen auch während der Masterphase zu ermöglichen (A/B-Sprachen).
  2. Dozentenmobilität: Austausch von Lehrkräften, das heißt von qualifizierten Muttersprachlern für die translationspraktische Lehre sowie von Translationswissenschaftlern zur Erweiterung des translationswissenschaftlichen Angebots.
  3. Vernetzung mit den Profillinien der Partnereinrichtungen: Austausch von Inhalten der translationswissenschaftlichen und translationspraktischen Lehre, d. h. von Modulen bzw. einzelnen Lehrveranstaltungen.

Auf Grundlage der vorhandenen Erfahrungen der Lehrkräfte des Instituts für Slawistik an der Humboldt-Universität wird Moodle als mögliche gemeinsame Plattform favorisiert. Die Lehrkräfte des Fachgebiets Kultur- und Translationswissenschaften planen für die Module des IFK-Masters die verstärkte Nutzung von Moodle-Kursen. Die Öffnung dieser Kurse ermöglicht den Studierenden des Instituts für Slawistik, die sich im Ausland aufhalten, ohne Zeitverlust parallel zu den Angeboten der Partnereinrichtung die Kurse des jeweiligen Semesters zu belegen, sowie den Studierenden der Partnereinrichtungen zusätzliche Angebote aus dem Profil des Instituts für Slawistik und in Zukunft auch weitere Angebote der Partner zu nutzen.

Diese Moodle-Kurse sollen zwar wie bisher die Präsenz-Lehrveranstaltungen begleiten, aber über die Bereitstellung der Materialien hinaus den Einsatz neuer Lehr- und Lernformen unterstützen. Die Einführung neuer Lehrformen soll sich stufenweise gestalten, damit auch die weniger erfahrenen Lehrenden Möglichkeiten zum Einarbeiten erhalten. Der Studiengang ist über vier Semester angelegt, eine neue Lehrform wird semesterweise hinzukommen. Der Start wird vom Multimedia-Förderprogramm 2007 der Medienkommission unterstützt.

Im ersten Semester des Studienganges werden begleitende Seminarwebsites in Moodle eingerichtet, die zunächst einmal den Zugriff auf die Kursunterlagen sicherstellen. Damit soll auch den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, sich mit den Funktionen des Systems vertraut zu machen und erste Erfahrungen zu sammeln. Wesentliche Elemente dieses Modells sind in Abbildung 3 dargestellt.

In einem der folgenden Semester wird eine Veranstaltung als Angebot des begleitenden Selbststudiums aufgebaut. Das bedeutet, dass wesentliche Teile – vor allem der Vermittlung von Wissen – online angeboten werden. Dies wird Studierenden, die sich im Ausland aufhalten, den Zugang zu dieser Lehrveranstaltung erleichtern. Gleichzeitig könnten Studierende der Partneruniversitäten das entsprechende Modul studieren und angerechnet bekommen.

Eine völlig neue Veranstaltungsform wird dann mit der Einrichtung einer kollaborativen Arbeitsumgebung für ein Modul im dritten Semester eingeführt (Abbildung 4). Im Unterschied zum geführten Selbststudium werden hier verstärkt auch Komponenten des virtuellen Arbeitens über Wikis, Foren und kollaborativ erstellte Dokumente eingebunden. Auch hier ist die Teilnahme unabhängig vom Aufenthaltsort möglich.

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Abb. 4: Kollaboratives Lernen mit Online-Ressourcen.

Mit dem geplanten Masterstudiengang Interkulturelle Fachkommunikation sollen deutliche Akzente in Richtung netzgestütztes Lehren und Lernen gesetzt werden – allerdings nicht, um Präsenz-lehre zu ersetzen: Präsenzlehre wird nur gemäß den Bologna-Zielen an mehreren Orten vernetzt angeboten. Die Unterstützung durch Medien und Plattformen dient vor allem dazu, den Zugang und die Teilnahme an Veranstaltungen unabhängig vom Ort sicherzustellen.

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Neue Prüfungsformen am Geographischen Institut

Thomas Scheuschner, Patrick Hostert

Am Geographischen Institut werden traditionelle Lehrveranstaltungen fast durchweg durch E-Learning-Angebote und die Einbindung der Online-Lernund -Kommunikationsplattform Moodle unterstützt. Als wesentlicher Mehrwert für Studierende hat sich dabei vor allem das Angebot von Online-Tests zur Wissensüberprüfung, Lernstandsanalyse und Klausurvorbereitung herausgestellt. Das führte zu der Frage, warum am Ende in traditionellen Prüfungen mit Papier und Bleistift geprüft werden muss. Die Integration elektronischer Prüfungen könnte neue Möglichkeiten ergeben, Abläufe neu zu gestalten. Vor dem Hintergrund massiv gestiegener Prüfungszahlen wird natürlich auch eine automatisierte Auswertung zur Entlastung der Lehrenden angestrebt.

Ausgangspunkt und Vorbereitung

Am geographischen Institut sollten mit zwei Nachschreibeklausuren die Möglichkeiten elektronischer Prüfungen experimentell erprobt und Erfahrungen für zukünftige Angebote gesammelt werden. Eine Unterstützung aus dem Multimedia-Förderprogramm ermöglichte es dem Institut, die entsprechenden Vorarbeiten für eine testweise Umstellung auf Online-Prüfungen zu leisten. Die Vorarbeiten sollten auch klären, in welcher Form Moodle zur Unterstützung von Online-Prüfungen eingesetzt werden kann und damit HU-weit erste Erfahrungen bereitstellen. Folgende Grundfragen waren ausschlaggebend bei der Planung:

  1. Lassen sich bisherige Klausurfragen in ein Moodle-fähiges Format überführen?
  2. In welchem Umfang ist das gewünscht?
  3. Ist der Mehraufwand beim Erstellen der Fragen die Anstrengung wert?
  4. Sind die Kenntnisse vorhanden, anspruchsvolle Multiple-Choice-Fragen zu erstellen?
  5. Besteht die Möglichkeit, die geschriebenen Klausuren (wie von der Studienordnung vorgesehen) zu speichern und ist die Einsichtmöglichkeit in die Klausuren gesichert?
  6. Lassen sich die technischen Voraussetzungen für einen reibungslosen Ablauf der Klausur schaffen?

Bei der Erstellung der Aufgaben mussten wir uns zuerst mit den von Moodle angebotenen Fragetypen auseinandersetzen. Es wurden folgende Fragetypen verwendet:

  • Eingebaute Antworten (Cloze)
  • Multiple-Choice-Fragen
  • Numerische Fragen
  • Fragen mit kurzen Antworten
  • Wahr-/Falsch-Entscheidungsfragen
  • Zuordnungsfragen

Grafiken konnten problemlos eingebaut werden, was sich als zentral für die Erstellung von Aufgaben herausstellte. Bei der Erstellung der Fragen war zu beachten, dass alle Fragen an einen bestimmten Moodle-Account und an einen Kurs gebunden sind. Daher waren besondere Absprachen zwischen den beteiligten Lehrenden und die gemeinsame Nutzung eines Kurses zur Erstellung der Fragen erforderlich.

Die anderen der angesprochenen Fragen konnten durch selbst organisierte Weiterbildung und Literaturstudium zufriedenstellend gelöst werden. Die Erfahrungen von Lehrenden am Institut beim Aufbau von Testpools zur Unterstützung bestehender Lehrveranstaltungen waren dabei sehr hilfreich.

Durchführung der Klausuren

Die Klausuren wurden in PC-Pools des Institutes durchgeführt. Eine reine Online-Prüfung, bei der die Studierenden sich von mehreren Orten oder von zu Hause anmelden, kann zur Zeit technisch und organisatorisch nicht realisiert werden, auch weil eine Prüfung der Identität, z. B. durch gültige Personaldokumente, zwingend erforderlich wäre.

Im PC-Pool standen 18 Arbeitsrechner und ein Kontrollrechner zur Verfügung. Alle Studierenden erhielten eine schriftliche Information und Anleitung. Das Passwort zum Login in den Kurs wurde allen Studierenden zum gleichen Zeitpunkt schriftlich gegeben.

Die Ergebnisse der Klausuren können von Lehrenden und auch von Teilnehmenden eingesehen werden. Die Möglichkeit einer nachträglichen Bearbeitung von Fragen besteht, solange der Kurs nicht verlassen wurde.

Um Punktverlust aus technischen Gründen auszuschließen, wurden alle Klausuren noch einmal überprüft und erst dann an das System übergeben.

Dauerhafte Speicherung der Ergebnisse

Die Speicherung der Klausuren und der Ergebnisse ist in der Prüfungsordnung vorgesehen und muss auch bei elektronischen Prüfungen sichergestellt sein. Für die Moodle-gestützten Prüfungen können generell zwei Wege beschritten werden:

  1. Speicherung des gesamten Kurses: Problematisch sind die regelmäßig stattfindenden Moodle-Updates. Das könnte dazu führen, dass eine Kopie einer 5 Jahre alten Prüfung in der dann aktuellen Version nicht mehr lauffähig ist. Es ist daher empfehlenswert, eine offline lauffähige Version der verwendeten Moodle-Version mitzuspeichern, dann kann die Klausur vom Speichermedium direkt aufgerufen werden. Für Moodle werden unterschiedliche Offline-Varianten angeboten, die sofort lauffähig sind, wie die CD »Moodle für zu Hause« oder der zum Erwerb angebotene USB-Stick »Moodle on tour«. Als Alternative kann Moodle auch in einer lokalen Version installiert werden.
  2. Speicherung der jeweiligen Klausur: eine Kopie der Seiteninhalte der betreffenden Klausur erstellt. Die Datei kann dann im PDF-Format elektronisch gespeichert oder ausgedruckt aufbewahrt werden.

Ausblick

Es soll in unserem Institut ein Fragenpool geschaffen werden, der mit jeder Klausur aktualisiert bzw. erweitert werden kann, denn die Erstellung der Fragen bedeutet zunächsteinen großen Aufwand. SpezifischeFragetypen zeigen schnell Grenzenund erfordern ein Umdenken und Neuformulierenvon Fragen. Dieser Fragenpool muss für die berechtigten Personen problemlos zugänglich sein, nach außen aber zuverlässig abgesichert bleiben – dies ist noch nicht befriedigend gelöst.

Ein weiteres Problem ist die Gewährleistung der dauerhaften Abrufbarkeit von Klausuren. Derzeit wird die Speicherung eines Screenshots der Klausur zwar geduldet, es sollte auf lange Sicht aber eine elegantere Lösung geben. Bevor die Online-Klausuren zum Standard werden, muss auch noch die rechtliche Seite geklärt werden. Änderungen in der Prüfungsordnung scheinen also erforderlich.

Solange ausschließlich eine individuelle Identifikation durch Vorlage von Personaldokumenten die Voraussetzung zur Teilnahme an den Prüfungen ist, sind PC-Pool-Lösungen die einzige Variante. Damit sind vor allem logistische Probleme verbunden, da Pool-Plätze begrenzt sind. Wir prüfen derzeit die Möglichkeiten, Klausuren entweder gruppenweise oder aber in externen PC-Pools durchzuführen.


Netzgestützte Projektseminare : Gender@Wiki

Sandra Palácsik, Danilo Vetter

Das Gender@Wiki ist ein virtueller Diskussionsraum bzw. die Online-Plattform eines Kommunikationsnetzwerkes zum Austausch von Fachinformationen unter Berücksichtigung der für die Geschlechterforschung zentralen Kennzeichen: Kategorie Geschlecht, Inter- bzw. Transdisziplinarität, Wissenschaftskritik, Wissenstransfer in die Praxis.

Die Initiative geht zurück auf das Projekttutorium »Die Ordnung des Wissens: Information – Macht – Gender«, das von sechs Studierenden (Beate Jansky, Danilo Vetter, Dörthe Schulz, Marius Zierold, Sandra Palacsik, Janina Dube) im Wintersemester 2005/2006 vorbereitet und durchgeführt wurde. Wissenschaftlich unterstützt wurden die Studierenden bei der Umsetzung des Projekts von Dr. Kerstin Palm und Dr. Gertrud Pannier.

Ziel des Projekttutoriums war es, in einem ersten Schritt die kritische Auseinandersetzung mit Praxen innerhalb der Bibliotheks- und Informationswissenschaft aus verschiedenen Perspektiven der Gender Studies zu thematisieren. So beschäftigten sich die Studierenden mit der Sichtbarmachung und deutlichen Artikulation von Macht– und Herrschaftsverhältnissen in Bezug auf Information am Beispiel der Inhaltserschließung in Bibliotheken und der aktuellen Sprachkritik an der Wikipedia. In einem weiteren Schritt wurde versucht, die gewonnenen Erkenntnisse bei der praktischen Umsetzung im Gender@Wiki zu berücksichtigen. Jedoch hat sich hierbei herausgestellt, dass dies nicht einfach theoretisch-konzeptionell möglich ist, sondern Stück für Stück probiert und in enger Zusammenarbeit mit den Nutzenden evaluiert und angepasst werden muss.

Gender@Wiki lehnt sich an den hawaiianischen Begriff wikiwiki an. Wikiwiki bedeutet »schnell« oder »sich beeilen« (s. dazu auch den Beitrag von Jana Tietze zu Social Software in diesem Heft). Die Herausforderung besteht darin, aktuelle Informationen und Änderungen schnell und ohne große Vorkenntnisse von allen Interessierten in das Wiki einarbeiten und ändern zu können. Hier liegen die Chancen für die Gender Studies, die sich durch Transdisziplinarität und durch die Berücksichtigung verschiedenster Perspektiven und Methoden auszeichnen. Das Gender@Wiki bietet Studierenden sowie Dozentinnen und Dozenten eine Möglichkeit, ihre Schwerpunkte und Thesen an einem zentralen Ort abzubilden. Zu Recherchezwecken kann sich unkompliziert ein Überblick verschafft werden, wer zu welchem Thema forscht und arbeitet. Der hierdurch entstehende Mehrwert besteht in einer größeren Transparenz der Vielfalt von Frauen- und Geschlechterforschung und einem zentralen Ort der Information innerhalb einer zergliederten Hochschul- und Universitätslandschaft.

Das Gender@Wiki orientiert sich an folgenden zentralen Kennzeichen:

  • Vernetzung: Durch das Gender@Wiki soll ein Beitrag geleistet werden, den Stand der Frauen- und Geschlechterforschung zu festigen und ein stabiles Netzwerk im virtuellen Raum zu etablieren. »Ich bevorzuge das ideologische Bild des Netzwerks, weil es in der Lage ist, die Verschmelzung verschiedener Räume und Identitäten sowie die Durchlässigkeit der Grenzen des individuellen Körpers wie der Körperpolitik auszudrücken. ›Vernetzung‹ ist nicht nur multinationale Unternehmensstrategie, sondern auch eine feministische Politikform – das Weben von Netzen ist Praxis oppositioneller Cyborgs.« (Haraway 1995)
  • Aktualität: Das Gender@Wiki soll ständig erreichbar sein und durch die Community regelmäßig aktualisiert werden. Die Veränderungen in den einzelnen Beiträgen sollen durch eine Versionsgeschichte nachvollziehbar bleiben.
  • Kommunikation: Die erstellten Seiten sind im verwendeten Wikisystem mit einer Diskussionsseite verbunden, in der z. B. strittige Punkte öffentlich diskutiert werden können. Angemeldete Autoren und Autorinnen verfügen über eine persönliche Wikiseite, die es ermöglicht, mit anderen Autoren und Autorinnen Kontakt aufzunehmen.
  • Bibliographie: Die Fokussierung des Gender@Wiki auf die umfangreiche Angabe von bibliographischen Informationen zu Personen, Institutionen und Themen stellt für alle Interessierten eine Möglichkeit dar, schnell auf bibliographische Informationen zugreifen zu können.
  • Kollaboratives Publizieren: Gemeinsames Arbeiten an einem Text führt zur Verwischung der Grenzen zwischen passivem Lesen und aktivem Erstellen und somit zu einem neuen Verständnis von Texten. Der Text ist im Wandel und wird als im Prozess und damit als veränderbar begriffen. Die sozialen Prozesse beim gemeinsamen Erstellen von Texten und thematische Interessen stehen für die Wiki-Communities im Vordergrund. Die gemeinsame Arbeit richtet sich meist an festgelegten Regeln aus, die aber nicht als dogmatisch verstanden werden.

Mittlerweile sind nicht mehr nur Studierende an dem Projekt beteiligt, sodass nun gemeinsam an der Etablierung eines Fachwikis Gender@Wiki für die deutschsprachige Frauen- und Geschlechterforschung gearbeitet werden kann. Bisher sind im Wiki umfangreiche Sammlungen zu Hochschulschriften, Zeitschriften und Informationseinrichtungen und erste thematische Artikel zu finden. Das Projekt gewann 2006 die Teilnahme am NewComer-Treff des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. und erhielt Unterstützung aus dem Innovationsfond der Philosophischen Fakultät III. Außerdem erhält das Gender@Wiki Mittel aus dem Multimedia-Förderprogramm 2007 der Medienkomission.

Das Gender@Wiki wird auch nach Auslaufen des Projekttutoriums fortbestehen und als eingetragener Verein mit Unterstützung des Zentrums für Transdisziplinäre Geschlechterstudien als Teil des Service- und Forschungsangebotes ausgebaut.

Weitere Informationen: http://www.genderwiki.de

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