CMS Journal
Nr. 29
April 2007
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Vom Schaukasten zum Baukasten - Moodle und das EU-Projekt COVCELL an der Humboldt-Universität


Karin Madlener, Stefan Merz | Institut für deutsche Sprache und Linguistik, Lehr- und Forschungsgebiet Deutsch als Fremdsprache
karin.madlener.1@staff.hu-berlin.de, stefan.merz@german.hu-berlin.de

Keywords

Fremdsprachenerwerb, Evaluation, E-Learning, Moodle, COVCELL

Abstract

Das EU-Projekt COVCELL (Cohort Oriented Virtual Campus for Effective Language Learning) arbeitet vor dem Hintergrund aktueller technischer und didaktischer Entwicklungen an einer Erweiterung der interaktiven Möglichkeiten des Open-Source-Lernmanagementsystems Moodle. Im Vordergrund stehen dabei die spezifischen Erfordernisse des Fremdsprachenlehrens und -lernens. Die Humboldt-Universität zu Berlin ist als Projektpartnerin an der konzeptuellen und technischen Realisierung, der didaktischen Fundierung sowie der wissenschaftlichen Evaluierung des Projekts beteiligt. Der Beitrag gibt einen Überblick über das Projekt und seine Ziele, die laufende Software-Entwicklung (Kasten) sowie den Prozess und die Methoden der Evaluierung. Die ersten Ergebnisse der Evaluierung werden vorgestellt und in Thesen auf ihre Bedeutung für den Fremdsprachenunterricht an der HU zusammengefasst.


Der Hintergrund

Im Moment prägen zwei nur auf den ersten Blick voneinander unabhängige Diskussionen bzw. Entwicklungen den Bereich E-Learning, die auch die didaktische Reflexion des Einsatzes von Moodle wesentlich bestimmen. Einerseits handelt es sich um die Diskussion des lerntheoretischen Hintergrundes von Moodle selbst. Die Lernplattform beruht auf Ansätzen einer Didaktik, die Wissenserwerb als prozesshafte Konstruktionsarbeit sieht, welche idealerweise gemeinsam und interaktiv in einer Lerngruppe stattfindet. Der Lehrende bleibt dabei nicht als Wissensvermittler im Zentrum, sondern gestaltet als Lernberater kreative und kommunikative Lernumgebungen, innerhalb derer der einzelne Lerner seinen Lernprozess autonom gestaltet und Wissen eigenverantwortlich im Austausch mit Lernpartnern erwirbt. Andererseits entwickelt sich das Internet immer spürbarer von einem statischen Schaukasten hin zu einem interaktiven Baukasten, zu einem produktiven Kommunikations-und Informationsinstrument. Auch hier, in der Entwicklung vom sogenannten Web 1.0 zum Web 2.0, werden aus passiven Nutzern aktive Gestalter eigener Inhalte und Sinnzusammenhänge.

Die Beteiligung der HU am Projekt COVCELL (Cohort Oriented Virtual Campus for Effective Language Learning) ist ein aktueller Anlass für die involvierten Entwickler, Mitarbeiter und Lehrenden, diese aktuellen Tendenzen im Kontext der universitären Lehre zu rezipieren, zu diskutieren – und aktiv mitzugestalten.

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Der Hintergrund...

Das Projekt ...

Die Partner...

Die Ziele...

Der Entwicklungsplan...

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Die Projektevaluierung...

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Das Projekt

Die Europäische Union fördert das Projekt COVCELL über einen Zeitraum von zwei Jahren im Rahmen von MINERVA (Förderung der europäischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Offenen Unterrichts und der Fernlehre sowie der Informations- und Kommunikationstechnologien im Bildungswesen, http://www.nabibb.de/sokrates/minerva.php).

Projektbeginn war im Oktober 2005, das Projekt läuft entsprechend noch bis Ende September 2007 und endet dann mit einer großen Abschlusskonferenz in Island.


Die Partner

COVCELL beruht auf der Kooperation zwischen

  • der Universität Islands in Reykjavík (Háskóli Íslands, http://www.hi.is),
  • der Universität des Baskenlandes in San Sebastián (Universidad del País Vasco, http://www.ehu.es/p055-9697/eu),
  • der Universität Venedig (Università Ca’Foscari, http://www.unive.it),
  • der Humboldt-Universität zu Berlin (http://www.hu-berlin.de) und
  • der Open Development Group (ODG) in Reykjavík (http://www.odg.cc).

Projektleiter ist Matthew Whelpton vom Institut für Anglistik der Universität Islands (http://www2.hi.is/Apps/ WebObjects/HI.woa/wa/dp?id=1008588).

An der HU sind neben dem Multimedia Lehr- und Lernzentrum im CMS die Zentraleinrichtung Sprachenzentrum und das Lehr- und Forschungsgebiet Deutsch als Fremdsprache (am Institut für deutsche Sprache und Linguistik) sowie einzelne Lehrende philologischer Institute in das Projekt eingebunden.

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Die Ziele

Ziel von COVCELL ist es, das frei verfügbare Lernmanagementsystem Moodle unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse des Fremdsprachenlehrens und -lernens weiterzuentwickeln. Angestrebt werden konstruktive kommunikative und interaktive Lernszenarien mit neuen Werkzeugen auf einer erweiterten Online-Lernplattform. Entstehen soll ein virtueller Campus für Sprachenlehrende und -lernende, dessen Online-Ressourcen die Kommunikation und Interaktion zwischen Studierenden bzw. zwischen Studierenden und Lehrenden über den eigentlichen Klassenraum hinaus anregen und so den Spracherwerb intensivieren.

Erweitert bzw. neu entwickelt werden hierfür aktuelle Web 2.0-Module und -Aktivitäten innerhalb von Moodle, die als sinnvolle Ergänzung zu den bereits vorhandenen Aktivitäten wie Wikis, Foren und Glossaren etc. im gesteuerten Fremdsprachenerwerb in einer Online-Lernumgebung einsetzbar sind und es Lehrenden wie Studierenden erlauben, zu aktiven Gestaltern dynamischer Lernprozesse zu werden.

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Der Entwicklungsplan

Die Programmierung und technische Entwicklung verläuft in drei Phasen in Zusammenarbeit zwischen der ODG in Island und dem Multimedia Lehr- und Lernzentrum der HU, vgl. hierzu die detaillierten Ausführungen von Daniel Küstner (siehe Kasten).


Daniel Küstner | Computer- und Medienservice daniel.kuestner@cms.hu-berlin.de

Moodle-Erweiterungen im Rahmen von COVCELL

Moodle hat als E-Learning- und Kommunikationsplattform an der Humboldt-Universität seine größte Installationsbasis in Deutschland und erleichtert täglich die Arbeit der Lehrenden und Studierenden. Moodle ist weiterhin weltweit an vielen Universitäten und Institutionen aller Art und Größe installiert. Die Ergebnisse des Open-Source-Projekts COVCELL kommen also der Moodle-Gemeinschaft weltweit zugute. Auch wenn der Fokus von COVCELL auf dem Spracherwerb liegt, sind die meisten der in diesem Rahmen entwickelten oder erweiterten Funktionen auch für andere Fächer und Ziele unmittelbar nutzbar.

Die Erweiterungen, die Moodle durch das COVCELL-Projekt erfährt, sollen den Spracherwerb in räumlich verteilten Gemeinschaften unterstützen. Lernen ist besonders effektiv und nachhaltig, wenn es eine Gemeinschaft von Lernenden gibt, die in Projekten interagieren und Lernerfahrungen teilen. Um diese Gemeinschaft auch in verteilten Gruppen herzustellen und den Rückhalt, den eine Klassenraumatmosphäre bietet, in die Online-Welt zu transferieren, sind die im Folgenden beschriebenen Erweiterungen geplant.

Dynamische ortsbezogene Kontaktliste und Gruppen-Text-Chat

Lernen in Präsenzsituationen entfalten durch spontane Zusammenarbeit zwischen Studierenden sowie Kommunikation mit dem Lehrenden eine große Dynamik. Diese ist nicht ohne Abstriche und Transformationen auf Online- Szenarien übertragbar.

Ein Hilfsmittel, das spontane Kommunikation anregen soll, ist die ortsabhängige Kontaktliste: Zu einer bestimmten Aktivität (Wiki, Aufgabe etc.) wird dem Nutzer eine Liste der Personen angezeigt, die sich zum gleichen Zeitpunkt auf dieser Seite befinden. Diese Liste wird dynamisch aktualisiert und zeigt, wer sich ebenfalls gerade mit der betreffenden Aktivität befasst und ggf. »ansprechbar « ist.

Ausgehend von dieser Übersicht kann dann spontane Kommunikation auf verschiedenen Wegen, wie zum Beispiel ein Text-Chat, initiiert werden. Die spontane Interaktion führt im Idealfall zu einer vertieften Zusammenarbeit unter den Studierenden sowie zu einem verbesserten Kommunikationsfluss zwischen Lehrenden und Studierenden.

Der neue Gruppen-Text-Chat hat folgende Vorteile gegenüber bisher verfügbaren Modulen wie Messenger, Chat und Forum: (a) Es kann Kommunikation in Gruppen statt nur zwischen zwei Personen stattfinden, (b) ein Protokoll der Unterhaltung kann gespeichert und z. B. als Arbeitsnachweis/Aufgabe eingereicht werden und (c) der neue Chat »folgt« dem Gedankenaustausch in andere Aktivitäten.

Interaktive Tafel

Sinnvoll kann der neue Chat zum Beispiel mit dem ebenfalls neu entwickelten interaktiven Whiteboard eingesetzt werden. Die Tafel erlaubt das gemeinsame Bearbeiten einer hochgeladenen Datei (Bild, Text etc.) durch mehrere Kursteilnehmer. Auf dem gewählten Hintergrund können Zeichen- und Textelemente platziert werden, was z. B. gemeinsame Ideenfindung und interaktive Kommentierungen von Werbung, Stadtplänen, Zeichnungen, Gedichten und Kurztexten als Teilen von Lernaufgaben im Fremdsprachenunterricht ermöglicht, da alle Bearbeitenden dasselbe Bild vor sich haben, das sich bei Eingaben sofort aktualisiert (Abb. 1). Die Arbeitsergebnisse können auch hier wieder abgespeichert und als Arbeitsnachweis/Aufgabe eingereicht werden.

Audio-/Video-Chat

Um die produktiven Fertigkeiten trainieren zu können sowie entfernten Kursteilnehmern und Kursteilnehmerinnen oder Gastlehrenden die Möglichkeit zu bieten, sich direkt am Kurs zu beteiligen, wird neben dem Text-Chat ein Audio-/Video-Chat für mehrere Personen ermöglicht. Wie der Text-Chat und die Tafel ist der Audio-/Video-Chat an die dynamische Kontaktliste gebunden. Durch die Video-Möglichkeiten werden etwa auch Gebärdensprachkurse einbezogen.

Tonaufnahmen

Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen können eigene Tondateien aufnehmen und auf den Moodle-Server spielen. Dadurch wird es Lehrenden ermöglicht, den Lernfortschritt der Studierenden zu verfolgen und weitere aktivierende Szenarien einzusetzen.

Hochladen korrigierter Dokumente im Aufgaben-Modul

Momentan fehlt im Aufgaben-Modul von Moodle eine einfache Möglichkeit, korrigierte Dokumente hochzuladen. Mit der neuen Funktion soll es den Lehrenden ermöglicht werden, korrigierte Dokumente auf einfachere Weise als bisher an die Studierenden zurückzugeben.

Profilerweiterung

Vertrauen gegen Kontrolle: Um die spontane Zusammenarbeit zwischen den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern zu erleichtern, wird das Moodle-Profil dahingehend erweitert, dass einerseits mehr persönliche Angaben gemacht werden können. Andererseits soll jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer Nutzergruppen festlegen können, für die bestimmte Angaben sichtbar sind. Dies ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn man die Telefonnummer nur Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern, nicht jedoch allen Moodle-Nutzern zur Verfügung stellen möchte.

Terminindikator und Kursfortschritt

Ein Terminindikator auf der MyMoodle-Seite soll den Studierenden einen einfachen graphischen Überblick darüber geben, wie weit sie noch vom Abgabetermin für eine Aufgabe entfernt sind. Um den Studierenden ein Gefühl dafür zu geben, wo sie im Kurs stehen, wird es eine einfache graphische Anzeige ihres Lernfortschrittes und aktuellen Leistungsstandes geben. Auch für die Lehrenden ist eine parallele Übersicht geplant, mit der sie den Stand ihrer jeweiligen Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen verfolgen können.

Persönliches Glossar

In einem Sprachkurs gibt es unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten. Im persönlichen Glossar können die Studierenden individuelle Lerneinheiten (Vokabeln, Notizen etc.) festhalten, die sie sich im Laufe des Kurses aneignen. Auf der Grundlage dieses Glossars sollen Abfragen möglich sein, mit denen die Studierenden ihr Wissen überprüfen können.


Die Projektevaluierung

Das Forschungsprojekt wird bereits in seinem Ablauf kontinuierlich evaluiert. Eine Abschlussevaluation findet im Sommersemester 2007 statt. Ziel der Evaluierung ist es, Nutzen und Nutzung von Moodle und speziell der im Rahmen von COVCELL neu entwickelten Module für das Fremdsprachenlehren und -lernen unter unterschiedlichen Bedingungen zu überprüfen. Durchgeführt werden die Evaluierungen online, mit Hilfe von Funktionen, die in Moodle verfügbar sind, wie z. B. Foren und Umfragen/Befragungen.

Die Materialien (Fragencluster auf Fragebögen, in Umfragen etc.) und Auswertungskriterien wurden in Zusammenarbeit der Projektpartner spezifisch für das Projekt entwickelt. Die erste Evaluierungsrunde diente daher unter anderem auch der Erprobung und Verbesserung der Evaluierungsmaterialien.

Begonnen wurde mit der Evaluierung der Ausgangslage der Moodle-Nutzung in Fremdsprachenkursen. Dazu wurden erstmalig im Sommersemester 2006 Testkursleiter an der Zentraleinrichtung Sprachenzentrum und an verschiedenen philologischen Instituten der HU (Nordeuropa-Institut, Slawistik, Romanistik, Anglistik, Deutsch als Fremdsprache) geworben. Die 39 Testkursleiter stellten jeweils einen ihrer regulären Kurse als COVCELL-Testkurs zur Verfügung, d. h. sie ermöglichten die Befragung ihrer Studierenden und stellten sich selbst den Fragen. Zu Semesterbeginn wurden Lehrende und Studierende per Online-Umfrage zu ihren eventuellen Vorerfahrungen mit CALL (Computer Assisted Language Learning / computergestütztes Fremdsprachenlernen) und Moodle befragt. Im Laufe des Semesters wurden, ebenfalls per Online-Befragung, wöchentlich kleine Themenkreise wie Support, Einschätzung bestimmter interaktiver Aktivitäten und Online-Kommunikationsverhalten untersucht. Zum Semester-ende wurden die wichtigsten Erfahrungen aus dem jeweiligen Kurs abgefragt.

Im aktuellen Wintersemester 2006/07 werden an der HU zwölf COVCELL-Testkurse geführt, in Island werden zwei Kurse evaluiert. Die Evaluierungsstrategie wurde entsprechend den Erfahrungen im Sommersemester 2006 leicht angepasst. Statt der »Fragen der Woche«, auf die nur ca. 5 % der Studierenden geantwortet hatten, wurden im Dezember in jedem Kurs einmalig schriftliche Interviews durchgeführt, sodass verlässliche Aussagen über die Gesamtheit der Studierenden gemacht werden können. Im Sommersemester 2007 sollen die Evaluierungen in gezielt ausgesuchten Testkursen an allen Partneruniversitäten durchgeführt werden.

Damit liegt zumindest für die HU eine Studie vor, die auch Entwicklungstendenzen aufzeigen und die Evaluierungsergebnisse der neuen COVCELL-Funktionalitäten in den allgemeinen Rahmen der Moodle-Nutzung einordnen kann.

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Der Stand der Dinge und die spezifischen Entwicklungen

Die bisherigen Ergebnisse der Evaluierung lassen deutliche Grundmuster in der Nutzung und der Bewertung des Einsatzes von Moodle und von bestimmten Moodle-Aktivitäten für die Zwecke des Fremdsprachenlehrens und -lernens erkennen, die zu den eingangs angesprochenen aktuellen Entwicklungen im Bereich des E-Learning in Bezug gesetzt werden können (die folgenden Aussagen beziehen sich auf die Testkurse an der HU, v. a. aus dem Sommersemester 2006, aber auch aus dem aktuellen Wintersemester).

Der Einsatz von Moodle zur Unterstützung der Präsenzlehre im Bereich des Fremdsprachenunterrichts erscheint eher zögerlich.

Dies liegt einerseits daran, dass es sich um Präsenzkurse handelt, die zwei- bis dreimal pro Woche stattfinden, sodass sich die Studierenden regelmäßig persönlich treffen. Die Priorität im Sprachunterricht liegt auch eindeutig auf der Face-to-Face-Kommunikation im Klassenraum, dies belegen Zitate aus der ersten Umfrage wie etwa »Gott sei Dank brauche ich Moodle nicht!«. Dazu kommt das verbreitete Vorurteil, Geisteswissenschaftler seien eben keine Technik-Freaks. Daher sei nicht nur der Aufwand für die Lehrenden zu groß, sondern von den Studierenden sowieso nicht gewollt. Auch der zeitliche Aufwand für Kurseinrichtung, Kursverwaltung und vor allem für die zusätzliche Online-Betreuung der Studierenden wird, da offiziell nicht honoriert, als zu groß empfunden. Ein drittes Problem ist der weiterhin meist traditionelle Unterrichtsstil, der hochgradig lehrerzentriert ist, Lernerautonomie nicht systematisch fördert und Hausaufgaben als Gruppenarbeiten aus Prinzip ablehnt. Eine lernerzentrierte, für Gruppenarbeiten ausgelegte Lernplattform wie Moodle hat unter diesen Bedingungen einen schweren Stand.

Durch die Beteiligung der HU an COVCELL ist der Einsatz von Moodle auch im Fremdsprachenunterricht deutlich angestiegen.

Im Laufe der vergangenen Monate hat sich aber die Beteiligung der HU an COVCELL im Zusammenspiel mit anderen Faktoren (Multimedia-Förderprojekte, Projekt e-Kompetenz im Kontext, Moodle-Support des MLZ) auf die Moodle-Nutzung im Fremdsprachenunterricht bereits höchst positiv ausgewirkt. Durch die aktive Werbung für Moodle, die Anregung des Austausches unter den Kollegen, die enge Betreuung und das Einbeziehen bereits Moodle-erfahrener Lehrender in den Prozess konnte die anfängliche Skepsis zumindest bei einem Teil der Lehrenden gebrochen werden. Erste positive Erfahrungen auch bei anfangs zögerlichen Nutzern haben zu einer langsam wachsenden Akzeptanz von Moodle und einer immer aktiveren Moodle-Lobby unter den Lehrenden geführt. Die Ergebnisse sind deutlich: Moodle wird immer mehr, mutiger, neugieriger, kreativer und erfolgreicher ausprobiert und genutzt.

Meist wird Moodle allerdings noch vor allem als Kursverwaltungsplattform und Materiallager genutzt, selten als interaktive Kommunikationsund Lernplattform.

Die Funktionen, die sich den Lehrenden zuerst erschließen, sind diejenigen, die Moodle zur Organisationsplattform des Präsenzkurses machen. Kursverwaltung und -strukturierung in Foren und Wikis, leichte Ansprechbarkeit der Studierenden und Vereinfachung des Informationsflusses von Lehrenden zu Studierenden in diversen Foren, Präsentation der Unterrichtsmaterialien, Terminplanung von Offline-Präsentationen sowie die Nutzung der Online-Aufgaben und -Tests sind meist der erste wichtige Schritt in Moodle. Der lehrerzentrierte Unterrichtsstil wird zuerst in Moodle exportiert, die Studierenden verharren in ihrer Rolle als »Empfänger« und eher passive Konsumenten. Dafür sprechen anfängliche Zitate von Studierenden wie »Was meinen Sie mit ›Aktivitäten‹? Materialien downloaden?«.

Am Beispiel einiger bereits Moodleerfahrener Lehrender zeigt sich aber, dass auch die Potenziale von Moodle als einer konstruktiven, interaktiven und lernerzentrierten Lernplattform in der Unterstützung der Präsenzlehre im Fremdsprachenunterricht durchaus genutzt werden. Durch entsprechende Gestaltung der Kursstruktur und Nutzung der interaktiven Module in Moodle werden die Studierenden hier aktiv in die Gestaltung ihres Lernprozesses und in den gemeinsamen Aufbau von Sach- und Sprachwissen einbezogen. Typischerweise findet der Informationsfluss in Gleichberechtigung statt, auch Materialien werden z. B. von Studierenden zur Verfügung gestellt. Moodle wird hier zu einer wirklichen Online-Arbeitsplattform, auf der Aufgabenstellungen in Gruppenarbeit mit Hilfe von Foren, Wikis, Glossaren etc. bearbeitet und eventuell sogar die Ergebnisse online veröffentlicht werden. Mit Hilfe engagierter Lehrender wurden auf Basis dieser Kurse exemplarische Modellkurse erstellt, die allen Interessierten einen didaktisch kommentierten Einblick in verschiedene interaktive Einsatzszenarien von Moodle-Aktivitäten für das Lehren und Lernen von Fremdsprachen bieten.

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Abb. 1: Neue Werkzeuge in Moodle: interaktive Tafel, dynamische Kontaktliste und Text-Chat.

Die Studierenden stehen der Kursbegleitung durch Moodle generell positiv gegenüber.

Anders als die der Lehrenden ist die Generation der Studierenden grundsätzlich mehr an die Nutzung der neuen Medien gewöhnt. Viele Studierende nutzen Chat, Foren, Blogs etc. regelmäßig außerhalb von Moodle. Allerdings dient ihnen, wie unsere Umfragen ergeben haben, ihr PC/das Internet weniger für die Sprachkursvorbereitung als den Lehrenden. Generell befürworten die Studierenden die Begleitung ihrer Präsenz-Sprachkurse durch Moodle. Sie sehen vor allem die Vorteile der zeitunabhängigen und wiederholbaren Übungsmöglichkeiten sowie der unbeschränkten Verfügbarkeit von Materialien als Gewinn für ihre Lernerautonomie. Auch Gruppenarbeiten stehen die Studierenden offenbar meist positiver gegenüber als die Lehrenden, obwohl auch ihre Priorität der Face-toFace-Kommunikation im Unterricht gilt und oft das Motto »so wenig Aufwand wie möglich« zu herrschen scheint.

Die Unterschiede werden deutlich, wenn man die explizit ausgedrückten Erwartungen an Moodle im Fremdsprachenunterricht vergleicht: Während die Lehrenden sich vor allem eine einfachere Präsentation von Materialien und eine bessere Kursorganisation erwarten, hoffen die Studierenden vor allem auf mehr Kommunikation und Interaktion. Einige der Studierenden in den COVCELL-Testkursen monieren auch deutlich den ihrer Meinung nach in dieser Hinsicht nicht optimalen Einsatz von Moodle durch manche Lehrende. Sie scheinen also die Möglichkeiten von Moodle durchaus zu erkennen. Motivation muss trotzdem großgeschrieben werden, denn Technik, erwartete Ausstattung und Zeitaufwand stellen ein Problem dar. Motivation der Studierenden tut also not, und das heißt nicht nur Entertainment und bunte Bilder in Moodle, sondern ein spürbares Plus beim Lernerfolg, damit sich der Aufwand lohnt.

Die Lehrenden fühlen sich oft zeitlich, technisch und didaktisch überfordert und brauchen flexible Betreuungs-, Beratungs- und Fortbildungsangebote.

Moodle stellt in erster Linie eine didaktisch-methodische Herausforderung für die Fremdsprachenlehrenden dar. Technischer Support von COVCELL- und MLZ-Team, online und vor Ort, erwies sich als nicht ausreichend. Das größte Problem ist der Entwurf von pädagogisch sinnvollen Einsatzszenarien von Moodle und den darin angebotenen interaktiven Modulen. Auf Papier entworfene Übungen online bearbeiten zu lassen, ist weder für Lehrende noch für Studierende befriedigend. Es müssen kreative Wege gefunden werden, die interaktiven Möglichkeiten des Mediums Internet und einer Online-Lernplattform wie Moodle zu nutzen. Bei vielen Lehrenden lösen solche Anforderungen aufgrund mangelnder Erfahrung große Unsicherheiten aus. Dazu kommen der berechtigte Einwand, man habe einfach nicht genug Zeit, sich zusätzlich zum Unterrichtsalltag kreative, interaktive, lernfördernde Szenarien für Moodle auszudenken, und die wohl eher unberechtigte aber zu berücksichtigende Angst vor der Reaktion der Studierenden, wenn etwas schief gehen sollte.

Im Rahmen der Lehrendenbetreuung in COVCELL wurden daher nicht nur Moodle-erfahrene Kollegen um spontane fachlich-didaktische Hilfestellung gebeten, sondern es wurden in Zusammenarbeit mit dem MLZ auch neue offizielle Angebote zur Einführung in die optimale Nutzung des kommunikativen und interaktiven Potentials von Moodle im Sinne des Web 2.0 geschaffen. Fortbildungen zu Online-Moderation, Online-Kommunikation und Online-Kollaboration, zum Online-Testen sowie zu bestimmten Aktivitäten (Wiki, Forum, Glossar, Datenbank, Blog, Whiteboard, Chat und RSS-Feeds) werden jetzt in jedem Semester für alle interessierten Kursleiter wie auch für Multiplikatoren angeboten. Dabei werden technische Fragen geklärt, vor allem aber didaktische Einsatzszenarien entworfen und diskutiert. Bisher ist das Feedback auf die Veranstaltungen durchweg sehr positiv.

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Ausblick

Die Beteiligung der HU an COVCELL hat bereits dazu beigetragen und wird auch weiterhin dazu beitragen, die bisher gängige Einschätzung unter Lehrenden und Lernenden im Bereich des Fremdsprachenunterrichts, Moodle erleichtere zwar das Lernen (durch Material- und Informationsverfügbarkeit), es fördere aber nicht den Spracherwerb, zu ändern. Die Fortführung der Entwicklung nicht nur von neuen Aktivitäten und Modulen auf Seiten der Software-Entwickler, sondern auch von erwerbsfördernden, interaktiven und kommunikativen Lernszenarien in Moodle (in denen die neuen COVCELL-Entwicklungen sicher eine wichtige Rolle spielen werden) und ihre Einbindung in Präsenz-wie auch in Blended-Learning-Kurse sollen die bereits spürbare Tendenz weiter fördern.

Während die Lieblingsaktivitäten der Lehrenden wie der Studierenden bisher Wikis, Glossare und Foren sind, erwarten wir mit Spannung die Evaluierung des Einsatzes der neuen COVCELL-Aktivitäten (Whiteboard, Gruppenchat) in den COVCELL-Testkursen im Sommersemester; das Brainstorming zu neuen attraktiven Anwendungsszenarien hat jedenfalls bereits begonnen.

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