CMS Journal
Nr. 29
April 2007
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Der E-Verbund an der Humboldt-Universität zu Berlin


Stefanie Rühl | Computer- und Medienservice
stefanie.ruehl@cms.hu-berlin.de

Keywords

E-Verbund, E-Learning, Multimedia, Strategie, Strukturen, Steuerungsgruppe, Community of Practice, Netzwerk

Abstract

Der Aufbau des E-Verbundes als Netzwerk der E-Learning-Aktivitäten an der Humboldt-Universität ist einer der Schwerpunkte des im Juni 2005 gestarteten Projektes E-Kompetenz im Kontext (e-KoKon). Die Idee dahinter ist einfach: Wenn es gelingt, nicht nur im fachlichen Kontext der Institute Netzwerke von Aktiven aufzubauen, sondern auch einrichtungsübergreifend einen themenbezogenen Austausch zu initiieren, kann die Integration von digitalen Technologien in der Lehre nachhaltig gesichert werden. Die Realisierung ist nicht so einfach. Der Beitrag beschreibt die aktuelle Entwicklung an der Humboldt-Universität und zeigt weiterführende Perspektiven auf.


Neue Qualität durch neue Medien

Zwei tiefgreifende Veränderungsprozesse prägen den Alltag an deutschen Universitäten im Kontext der Nutzung neuer Medien in der Lehre:

  1. So wurde in den vergangenen Jahren an der Humboldt-Universität – wie an vielen deutschen Hochschulen auch – eine leicht zugängliche E-Learning-Infrastruktur aufgebaut. Dienstleistungen des Computer- und Medienservice bieten Unterstützung bei der Produktion und Veröffentlichung digitaler Inhalte und neuer Angebote. Studien- und Prüfungsleistungen werden in zentralen Datenbanken verwaltet, Kommunikation und Austausch findet über E-Mail oder Internet statt. Die Online-Anmeldung zu Prüfungen ist bereits realisiert, die Online-Registrierung zu Veranstaltungen und der webbasierte integrierte Zugriff auf Dienste für Studium und Lehre ist der nächste Schritt. Die Abhängigkeit von Technologien nimmt zu.
  2. Das Studium wird dadurch transparenter, aber auch »verschulter«. Gleichzeitig sollen in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen berufspraktische Qualifizierungen und Schlüsselkompetenzen vermittelt werden, die Voraussetzungen für lebenslanges Lernen in der Informationsgesellschaft sind. Das ist ein noch lange nicht abgeschlossener Prozess, der Strukturen und Abläufe nachhaltig verändern wird.

Veränderungen in Institutionen lassen sich nicht erzwingen. Sie müssen als Prozess begleitet und gestaltet werden. Für die Begleitung von Veränderungen und die Einführung neuer Systeme, Lösungen und Ideen im Bereich des E-Learning hat sich an der Humboldt-Universität (wie an anderen auch) eine Verbindung zwischen Top-Down- und Bottom-Up-Ansätzen als erfolgreich etabliert.

An der Humboldt-Universität begleitet eine hochschulweite Multimedia-Strategie seit dem Jahr 2000 die Nutzung von Multimedia und E-Learning in der Lehre [1]. Das Multimedia Lehr- und Lernzentrum (MLZ) wurde im Jahre 2002 eingerichtet, um als zentraler Dienstleister die E-Learning-Infrastruktur und die dazu gehörende Beratung und den Support sicherzustellen. Aktivitäten und Projekte an Lehrstühlen und Instituten unterstützt kontinuierlich seit 2001 das Multimedia-Förderprogramm [2]. Die Förderung ist auf kleinere, von Lehrenden und Studierenden vor Ort realisierbare Projekte ausgerichtet. Damit wurden vor allem experimentierfreudige Personen in Lehre und Studium gefördert, die Anregungen für weitere Projekte im fachlichen Kontext gaben. Nachahmung, Inspiration und Anregungen – und damit Kompetenzentwicklung – werden unter anderem durch universitätsweite Präsentationen auf den Multimedia-Tagen oder -Foren ermöglicht (siehe dazu auch [3]).

Das Vorhaben und die Strategie, Multimedia in der Lehre zu unterstützen und damit moderne Lehre an der Humboldt-Universität zu ermöglichen, kam so gesehen »von oben«, hier durch die Medienkommission des Akademischen Senats und in enger Abstimmung mit dem Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität. Die Realisierung und fachbezogene Ausgestaltung kam dagegen »von unten«, also den Lehrenden und Studierenden (siehe dazu detailliert [1],[2] und [4]).

Eine wesentliche Erfahrung der vergangenen Jahre ist: Zentrale Strategien und Ressourcen als Dienste, Beratung und Begleitung sind wichtig und eine Voraussetzung zur Unterstützung von Veränderungen. In ihrer Wirksamkeit und Weisheit sind sie aber begrenzt. Die Voraussetzungen sind je nach Fach sehr verschieden, das kann zentral nicht immer vollständig nachvollzogen werden. Die zentralen Angebote des Computer-und Medienservice und seines Multimedia Lehr- und Lernzentrums sind zwar bedarfsorientiert ausgerichtet, d. h. sie sollen eine Anpassung an individuelle Voraussetzungen in den Fächern ermöglichen. Es bedarf aber der Akteure und Promotoren vor Ort, um Veränderungen auch nachhaltig zu etablieren.

Ähnliche Erfahrungen wurden Anfang der 90er Jahre mit der Umstellung der IT-Infrastruktur vom Großrechner zum Arbeitsplatzrechner gemacht. Das damalige Rechenzentrum der HU war verantwortlich für die zentrale Planung, Unterstützung und Bereitstellung einer neuen Infrastruktur. In den Instituten und Fakultäten gab es aber ganz unterschiedliche Anforderungen und Voraussetzungen. Hierzu wurde ein Netzwerk der lokalen DV-Beauftragten aufgebaut, die als Ansprechpartner vor Ort aus der Perspektive der Fächer die Umstellung begleitet haben, aber gleichzeitig auch die hochschulweite Strategie im Auge behalten konnten. Das Netzwerk der DV-Beauftragten besteht bis heute. DV-Beauftragte in den Fächern sind damit wichtige Ansprechpartner für Fachkollegen. Viele DV-Beauftragte sind im Zuge der stark gestiegenen IT-Verbreitung auch zu Experten auf dem Gebiet von E-Learning und Multimedia geworden.

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Neue Strukturen zur Verankerung von E-Learning

Die Verankerung von E-Learning in den Fächern und die Begleitung der Kompetenzentwicklung der Lehrenden für den effektiven und kreativen Einsatz neuer Technologien wird seit 2005 an der Humboldt-Universität mit dem Projekt »E-Kompetenz im Kontext« (kurz e-Ko-Kon) unterstützt. e-KoKon ist die Fortführung und Ausweitung der bisherigen Multimediastrategie und verfolgt mit finanzieller Unterstützung des Bundes vor allem den Aufbau fachbezogener Netzwerke (den E-Teams), die Etablierung der Zusammenarbeit von E-Learning-Aktiven in einem hochschulweiten Netzwerk (dem E-Verbund) und die Integration von verschiedenen IT-Diensten für Lehre und Studium. Mit der Orientierung auf den fachlichen Kontext wird ein neuer Ansatz verfolgt, der nicht nur die bestehenden zentralen Serviceeinrichtungen ausbaut, sondern dezentrale Strukturen als Kompetenzkerne und Ansprechpartner aufbaut. Untersuchungen und Analysen begleitend zum E-Learning-Einsatz an Universitäten bestätigen, dass vor allem die Ansätze erfolgreich sind, denen es gelingt, Kooperation und Austausch der Akteure vor Ort anzuregen und zu fördern:

»Because of the central role that faculty members play in the work of universities […], any change, especially in core activities such as teaching and research, is completely dependet on their support. Presidents may dream visions, and vice presidents may design plans, and deans and department heads may try to implement them, but without the support of the faculty members nothing will change.« ([6], 95, zit. nach [7], s. dazu auch [8],[9],[10],[11],[12])

Ziel des Projektes ist es also, Anforderungen und Ideen der Fakultäten mit hochschulweiten Strategien und Visionen zu verbinden. Häufig sind die Fächer die Impulsgeber für Innovationen. e-KoKon verfolgt damit auch eine Philosophie der »schlanken Zentralen – starken Fakultäten und Institute!« (siehe detailliert dazu [5]).

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E-Teams in den Fächern

Mit sogenannten E-Teams werden in den Instituten oder Fakultäten Netzwerke von Ansprechpartnern und Praktikern vor Ort gebildet. Mitglieder der E-Teams sind aktive und E-Learning-erfahrene Lehrende. In den meisten der bisher etablierten Teams arbeiten auch Studiendekane, Studierende und DV-Beauftragte mit. Das ist sehr hilfreich, da so sehr viel effektiver z. B. Fragen der curricularen Integration oder der Organisation von Studienprozessen bearbeitet werden können. Die E-Teams sind in erster Linie Ansprechpartner und Koordinatoren vor Ort, die Erfahrungen weitergeben und vorhandenes Wissen am Institut verfügbar machen. Sie arbeiten informell als ein Netzwerk von Praktikern, weniger als ein institutionalisiertes Gremium mit bürokratischem Ablauf. Eine institutionelle Anbindung an Gremien wie Instituts- oder Fakultätsräte ist aber häufig in Personalunion der Aktiven gegeben und ohne Zweifel vorteilhaft.

Erfahrungen der vergangenen 18 Monate scheinen diesen Ansatz der dezentralen E-Teams als erfolgreich zu bestätigen: Inzwischen gibt es an 15 Instituten und Zentraleinrichtungen ein solches Netzwerk von Aktiven und Praktikern, an einer Reihe weiterer Institute existieren vergleichbare informelle Netzwerke und Ansprechpartner, die aus eigener Initiative entstanden sind. Insgesamt haben etwa ein Drittel aller Einrichtungen ein lokales Netzwerk von E-Learning-Aktiven – einige davon werden in dem Beitrag »E-Teams an der Humboldt-Universität« in diesem Heft näher vorgestellt. Die Erfahrung bestätigt, dass die Institute, an denen E-Teams arbeiten, eine weitgehende Integration neuer Medien in die Lehre erreicht haben und neue Projekte und Nutzer besser unterstützt und begleitet werden können. Während die Pioniere vor Ort noch stark auf die Unterstützung von zentralen Dienstleistern wie dem MLZ angewiesen waren, kann mit den E-Teams die Unterstützung und Begleitung von neuen Nutzern vor Ort von Kollegen und Kolleginnen sichergestellt werden. Die Rolle der Zentraleinrichtung hat sich so im Sinne einer Neuen Arbeitsteilung zwischen Zentraleinrichtungen und Fakultäten verändert (s. dazu den Beitrag von Oliver Schoenbeck in diesem Heft). Weitere Elemente der neuen Arbeitsteilung sind u. a.

  • die neue Rolle von Zentraleinrichtungen und aktiven Einrichtungen als change agents und
  • die größere Bedeutung von einrichtungsübergreifendem Austausch und Kooperation.

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Der E-Verbund als hochschulweites Netzwerk

e-KoKon möchte noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur lokale Netzwerke an Instituten oder Fakultäten etablieren, sondern den themenbezogenen Austausch über die Fächergrenzen hinweg anregen. In Austausch und Diskussion können Probleme thematisiert und Lösungswege entworfen werden; gleichzeitig ist Lernen und Entwicklung möglich und damit auch eine Maßnahme zur Kompetenzentwicklung von Lehrenden.

Theoretischer Unterbau ist der von Lave und Wenger [13],[14],[15] entwickelte Ansatz der Communities of Practice (CoP). Wenger hat diesen Ansatz als Modell entwickelt, um zu erklären, dass Individuen in Gemeinschaften nicht nur lernen, indem sie Wissen und Informationen für sich aufnehmen und weitergeben, sondern indem sie innerhalb einer Gemeinschaft Wissen konstruieren, neu bewerten und weiterentwickeln. Communities of Practice sind zunächst einmal fürs Lernen da und nicht zum Lösen von Problemen. Wenger, Snyder und McDermott [15] haben aus verschiedenen Fällen ein Phasenmodell entwickelt, dessen – nicht zwangsläufig chronologisches – Durchlaufen eine erfolgreich arbeitende CoP charakterisiert. Die erste Phase ist gekennzeichnet durch eine oder mehrere Personen, die sich einer bestimmten Thematik annehmen. In der zweiten Phase wird eine Grundstruktur gebildet, in der Ziele, Aufgaben und Kommunikationswege festgelegt werden. In der dritten Phase beginnt die eigentliche Arbeit der CoP: Wissenserweiterung, Diskussion und Austausch. Aufgaben, Kommunikationswege und Ziele werden immer wieder analysiert und an die Bedürfnisse der Mitglieder – durch die Mitglieder selbst – angepasst, deren Zahl im Laufe der Zeit stark variieren kann. In der vierten Phase ist ein akzeptables Ergebnis erreicht. Es wird kein weiterer Bedarf für eine Zusammenarbeit gesehen. In der fünften und letzten Phase hat die Themenbearbeitung – und damit auch die Gemeinschaft als Informationsquelle – an Bedeutung verloren oder es wird auf andere Quellen ausgewichen. Von den Autoren wurde darüber hinaus eine Art Pflegeanleitung erarbeitet, die einen gewissen Erfolg für das Funktionieren einer solchen Community sicherstellen soll [15]:

Eine CoP verändert sich ständig, sodass immerwährende Anpassungsarbeit geleistet werden muss.

Eine CoP benötigt ständigen Dialog zwischen Innen und Außen.

Pluralität und verschiedene Blickwinkel bereichern eine CoP. Mitglieder sollten aus allen organisatorischen Ebenen integriert werden.

Es ist empfehlenswert, wenn es innerhalb einer CoP öffentliche und weniger öffentliche Bereiche gibt. Es können so auch Details angesprochen werden, die im einen oder anderen Bereich eventuell nicht genannt worden wären. Selbstverständlich ist für CoPs auch Qualität und deren Sicherstellung wesentlich.

Innerhalb der CoPs sollte es aktivere und ruhigere Phasen geben. So ist eine Abwechslung von einer gewissen Arbeitsroutine und innovativem Handeln förderlich.

Und schließlich ist die Mitarbeit in einer CoP mit Spaß und einem persönlichen Nutzen verbunden. Beispiele für funktionierende Communities sind z. B. die Mailinglists von Open-Source-Initiativen, in denen Hilfe und Unterstützung aus der Gruppe gegeben wird. Häufig tragen die Mitglieder der CoP mit neuen Fragen und Aspekten zum Wachsen der Wissensbasis bei und profitieren gleichzeitig davon.

An der Humboldt-Universität wurden während der langjährigen Unterstützung von E-Learning- und Multimedia-Aktivitäten ganz ähnliche Erfahrungen gemacht: Auf Veranstaltungen wie den MM-Foren oder den MM-Tagen kamen Akteure miteinander ins Gespräch und präsentierten ihr Ansätze. Sehr häufig war diese Form des Austauschs effektiver als gezielte Maßnahmen und Schulungen an einem Institut.

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Abb. 1: Strukturen zur Verankerung von E-Learning an der Humboldt-Universität zu Berlin. kompetenzim kontext e-kokon

Der Aufbau des E-Verbundes an der Humboldt-Universität soll den einrichtungsübergreifenden Austausch und die Zusammenarbeit als »voneinander lernen« fördern. Im E-Verbund sollen sich Arbeitsgruppen über verschiedene Themen austauschen und gemeinsame Lösungen finden können. Er ist Plattform und Netzwerk für alle an der HU Agierenden. Hier sollen die aktuellen Themen mit Verantwortlichen und interessierten Mitarbeitern diskutiert und bearbeitet werden. Die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen des E-Verbundes ist freiwillig sowie zeitlich und thematisch begrenzt. Auch externe Experten können zeitweise einbezogen werden. Es werden Themen behandelt, die aktuell und in der Regel fachübergreifend relevant sind. Perspektivisch sollen Arbeitsgruppen auch Empfehlungen für Entscheidungen vorbereiten können. So würden Entscheidungsträger und Gremien die für sie wichtigen Informationen aus der Basis bekommen und umgekehrt. Der E-Verbund dient also als Bindeglied zwischen den dezentral organisierten E-Teams und den zentralen Serviceeinrichtungen der HU sowie der Universitätsleitung.

Die Abbildung 1 zeigt das geplante Zusammenspiel der verschiedenen Elemente, die e-KoKon als aktuelle Strategie der Humboldt-Universität zu etablieren versucht:

Ganz ohne Koordination und Steuerung geht es nicht, so wurde eine zentrale Steuerungsgruppe e-KoKon eingerichtet, in der Vertreter der vier zentralen Bereiche (E-Teams, E-Verbund, Serviceeinrichtungen und Hochschulleitung) zusammenkommen und so ein koordiniertes und abgestimmtes Arbeiten auf Hochschulebene ermöglichen sollen.

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Erfahrungen aus der Praxis

Es gibt inzwischen eine so große Vielfalt von Projekten, Ansätzen und Lösungen im Bereich E-Learning und Multimedia an der Humboldt-Universität, dass ein Überblick nur in ständigem Austausch gesichert werden kann. Wichtig ist dieser Austausch vor allem im Hinblick auf die künftige Strategieentwicklung (IT und Qualität in der Lehre) und Ausrichtung der Angebote des Projektes e-KoKon sowie der Serviceeinrichtungen.

Folgende Fragen und Themen bestimmen aktuell die Diskussion an der Humboldt-Universität, die von einer koordinierenden Steuerungsgruppe gebündelt und gemeinsam bearbeitet werden sollen:

  • Koordinierung der E-Learning-Aktivitäten in Lehre und Studium: Studienreform/Studienorganisation, Lehrveranstaltungsmanagement, Learning and Teaching Services, Career Center, Open Access Initiative, Identity Management, eKoKon,
  • Curriculare Integration von E-Learning: Anrechnung von Studienleistungen, Anrechnung auf Lehrdeputate, Anreizsysteme zur Verstetigung von E-Learning in der Lehre, Verankerung in Prüfungs- und Studienordnungen,
  • Kompetenzentwicklung / Personalentwicklung: Vorbereitung und Begleitung von Initiativen zur Kompetenzentwicklung (E-Kompetenz),
  • Qualitätssicherung und Evaluation der Multimedia-Aktivitäten.

Die Arbeit der Gruppe ist derzeit noch im Anfangsstadium, deutlich werden aber bereits zwei wesentliche Schwerpunkte für die zukünftige Arbeit: Die technische Integration der IT-Infrastruktur und die Planung neuer Dienste zur organisatorischen Unterstützung von Prozessen in Studium und Lehre einerseits und andererseits die Etablierung neuer Lehr- und Lernformen durch digitale Technologien, also der Chancen, mit Hilfe von E-Learning und Multimedia eine hohe Qualität in der Lehre zu sichern. Deutlich wird hier, dass der Einsatz von Technologien den gesamten Prozess der Lehre umfasst, also nicht mehr nur Teile oder Institute. Lösungen und Anpassungen müssen zwar dezentral entwickelt und angepasst werden, sollen aber auf einem zentralen Kern aufbauen. Technik im Hintergrund zur Unterstützung administrativer Prozesse kommt also eine bedeutende Rolle für die Aufrechterhaltung der Lehre zu. Die Frage der Qualität in der Lehre hingegen ist nicht so explizit auf Techniknutzung gerichtet, vielmehr ist die Nutzung von E-Learning und Multimedia ein willkommener Anlass, über das Lehren und Lernen insgesamt neu nachzudenken.

Um die Vielfalt der Themen für die nächsten Jahre gemeinsam zu besprechen und zu bearbeiten, wurden auf einem Starttreffen Anfang April 2006 weitere Arbeitsgruppen des E-Verbundes zu folgenden Themen initiiert: »Elektronisches Lehrveranstaltungsmanagement«, »E-Didaktik und Kompetenzentwicklung«, »E-Learning im Sprachunterricht«, »Vernetzung der Lehramtstudiengänge« und »Content-Entwicklung und Digitalisierung«. Aktuell sind folgende Arbeitsgruppen eingerichtet:

E-Didaktik und Kompetenzentwicklung

  • Zusammentragen von didaktischen und methodischen Empfehlungen für Lehrende an der Humboldt-Universität aus der Praxis,
  • Erweitern des Informations- und Beratungsangebotes zur Kompetenzentwicklung, Vernetzung von Akteuren und Ansprechpartnern.

Fachdidaktiken/Lehramtsausbildung

  • Vernetzung der Fachdidaktiken an der Humboldt-Universität,
  • Schnittstellen zur Lehramtsausbildung im BA/MA,
  • fachdidaktische Beratung in den Fächern,
  • Verankerung der Kompetenzentwicklung in der Ausbildung.

Multimedia-Förderung/Projektbetreuung

  • Vernetzung der Projekte,
  • Gesprächs- und Austauschforum der Projekte,
  • Synergien bei Projektrealisierungen.

Lehrveranstaltungsmanagement

  • Aufbau eines universitätsweiten elektronischen Lehrveranstaltungssystems,
  • Vernetzung mit DV in der Verwaltung und Prüfungsverwaltung.

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Abb. 2: Arbeitsgruppe des E-Verbundes während des Start-Treffens am 5.4.2006.

Weitere Themen sind aktuell in der Diskussion und könnten Gegenstand einer Arbeitsgruppe werden:

  • Plagiarismus,
  • Recht und Copyright, Datenschutz,
  • Qualitätssicherung und Evaluation.

Viele dieser Gruppen haben sich inzwischen einige Male getroffen, in klassischer Weise aktiv sind allerdings nur einige von ihnen. Die Koordinierung und inhaltliche Verantwortung ist in der Anfangsphase stark vom Engagement und den Anregungen von Mitarbeitern zentraler Serviceeinrichtungen oder des Projektes e-KoKon abhängig.

Den Austausch im E-Verbund nachhaltig und erfolgreich zu etablieren, ist offensichtlich kein Selbstläufer. Es ist viel Unterstützung und Anregung von zentraler Seite erforderlich, um diesen Prozess am Laufen zu halten – zumindest zu Beginn. Gemeinsame Themen wie Copyright und Lernmaterialerstellung, Lehrveranstaltungsmanagement, Didaktik, Plagiarismus, curriculare Integration oder gute Praxisbeispiele gibt es reichlich, auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist da. Oft fehlt aber schlicht die Zeit, neben Abstimmungen in Gremien, der Umstellung des eigenen Studienganges auf Bachelor- oder Masterstudiengang, der Vorbereitung auf eigene Lehrveranstaltungen oder Forschungsaktivitäten zusätzlich noch Verantwortung für die Vernetzung der Multimedia-Aktivitäten wahrzunehmen.

Eine Analyse der erfolgreich arbeitenden Arbeitsgruppen zeigt, dass sich Gruppen innerhalb des E-Verbundes dann erfolgreich etablieren, wenn

  • es ein für mehrere Beteiligte relevantes Thema gibt, das zu neu oder zu wenig bearbeitet ist, um in entsprechenden Gremien wirkungsvoll vorangetrieben zu werden;
  • die Dringlichkeit eines Themas als so hoch und bedeutsam eingeschätzt wird, dass zusätzliche Aktivitäten als erforderlich angesehen werden, die Diskussion und Arbeit an einer Lösung voranzubringen;
  • die Themen für die AG-Mitglieder aktuell praxisrelevant sind, in der Arbeitsgruppe auch mit starkem Praxisbezug behandelt werden und dabei ein anregender Austausch stattfindet;
  • zumindest zur organisatorischen Begleitung auf schon vorhandene oder in naher Zukunft bereitgestellte Ressourcen zurückgegriffen werden kann;
  • eine Vernetzung mit hochschulweiten Aktivitäten und Strategieentwicklung erfolgt bzw. in absehbarer Zeit erfolgen wird.

Die Gruppe kann unter diesen Umständen entsprechende Pionierarbeit übernehmen und später in Gremien und Entscheidungsprozesse einbringen. Wesentlich ist vor allem die Vernetzung mit der Strategieentwicklung und den Entscheidungsträgern innerhalb der Hochschule.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich: Vernetzung über Einrichtungen hinaus ist gefordert und erwünscht, vor allem durch die Komplexität und den Umfang der vor uns stehenden Veränderungen, aber ohne zusätzliche Anreize schwer zu etablieren.

Eine Zusammenarbeit im fachlichen Kontext der E-Teams ergibt sich schon allein durch die wachsende Verfügbarkeit guter Beispiele und konkreter Ansprechpartner. Die Zusammenarbeit im überfachlichen Kontext kann gerade diese Erfolgserlebnisse nicht weithin sichtbar machen und damit den Sinn der Zusammenarbeit nicht vermitteln. Hier wären Überlegungen über die Anrechenbarkeit (Deputate, Lehrverpflichtungen, Arbeitszeit, Personalentwicklung u. a.) anzustellen, um eine Mitarbeit attraktiver zu machen.

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Zukunft und anstehende Aufgaben des E-Verbundes

Es ist also zu überlegen, in welcher Form der E-Verbund als Community of Practice stärker unterstützt und ausgebaut werden kann. Für die zukünftige Entwicklung zeigen sich dazu Trends, die eine Förderung überfachlicher und einrichtungsübergreifender Kooperation sinnvoll erscheinen lassen, die deutlich die Grenzen zwischen traditioneller und E-Learning-gestützter Lehre verwischen:

  • Der Einsatz von E-Learning bedeutet – besonders in der Einrichtungsphase – erheblichen finanziellen und personellen Mehraufwand. Viele der Projekte und Vorhaben sind aber bereits in der Verstetigungsphase. Hier ist die Frage zu stellen, ob die bisherigen Förderund Anreizmechanismen ausreichen und evtl. angepasst werden müssen.
  • Digitale Technologien verändern die Lehre. Veränderte und neue didaktische Szenarien und Methoden spielen eine bedeutende Rolle. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Lehre und Studium, welche Unterstützung und Angebote sollen eine hohe Qualität sicherstellen? Im Beitrag »Kompetenzentwickelnde Didaktik« von Christian Grune in diesem Heft wird darauf näher eingegangen.
  • Sowohl die Nutzung digitaler Technologien in der Lehre als auch die mit Bologna verbundene Studienreform verändern Strukturen und bieten neue Chancen. Beide Prozesse sollten künftig noch enger miteinander verbunden werden.
  • Die Vision zentraler und webbasierter Studierendenservices sieht einen einheitlichen Zugang zu verschiedenen Ressourcen an der Humboldt-Universität vor. Damit kann sich auch die Sicht und Wahrnehmung von Lehre verändern, in dem Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht wird.

Bei diesen Fragen könnten Gruppen im E-Verbund entscheidende Beiträge leisten, wenn es gelingen kann, den E-Verbund zu erweitern und als Netzwerk für gute Lehre weiterzuentwickeln. So könnte etwa die nicht vorhandene hochschuldidaktische Unterstützung durch selbst organisierte Gruppen des E-Verbundes übernommen werden. Zukunftsfragen und -themen, sehr konkret gegenwärtig im Bereich Studium und Lehre, gibt es viele. Die Etablierung von Communities of Practice als Arbeitsgruppen eines hochschulweiten Netzwerkes könnte möglicherweise viele Diskussionen beschleunigen und voranbringen.

Dazu bedarf es dann auch neuer Anreizsysteme, die die Mitarbeit in einer solchen Gruppe auch attraktiv machen. So könnte die Mitarbeit als Maßnahme der Kompetenzentwicklung betrachtet werden und mit Angeboten der Personalentwicklung verbunden werden. Eine studentische Beteiligung könnte ebenfalls die Bearbeitung einiger Themen deutlich prägen. Auch hier wäre die Mitarbeit ein Thema der Kompetenzentwicklung, indem etwa berufliche Qualifikationen erworben werden. Diese müssten dann aber messbar und anrechenbar auf Studienleistungen sein. Möglicherweise könnte eine Mitarbeit in hochschulweiten Netzwerken zur Verbesserung der Lehre auch deputatswirksam werden oder mit Zielvereinbarungen gefördert werden.

Es gibt also noch jede Menge Fragen, die eine abschließende Bewertung nicht leicht machen, und von deren Beantwortung abhängt, ob die Einrichtung des E-Verbundes auf lange Sicht Erfolg haben wird. Erfolgreiche Beispiele und Kriterien erfolgreicher Zusammenarbeit wurden dargestellt, die Evaluation der weiteren Entwicklung wird Klarheit bringen.

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Literatur

[1]Medienkommission des Akademischen Senats der Humboldt-Universität zu Berlin: Multimedia-Konzeption. 24.01.2007 http://www.mk.hu-berlin.de/mm-konzept.pdf
[2] Medienkommission des Akademischen Senats der Humboldt-Universität zu Berlin: Multimedia-Förderprogramme. 23.01.2007http://www.mk.hu-berlin.de/archiv
[3]Multimedia Lehr- und Lernzentrum der Humboldt-Universität zu Berlin: Archiv der Multimedia-Tage des CMS der Humboldt-Universität zu Berlin. 24.01.2007 http://www.cms.hu-berlin.de/mlz/mm-kalender/mm-tage
[4]Schirmbacher, P.: E-Kompetenz im Kontext. cms-journal . 2005, 26, http://edoc.hu-berlin.de/cmsj/26/schirmbacher-peter/PDF/25.pdf
[5]Grune, C., Helmers, S.: eKompetenz im fachlichen Kontext. Argumente zur dezentralen E-Kompetenzentwicklung an Hochschulen. Hrsg.: Seiler Schiedt, E., Sengstag, C., Kälin, S.: E-Learning – alltagstaugliche Innovation?. München, Waxmann, 2006, S. 315-326l
[6]Arnold, R., Bloh, E.: Die Unzeitgemäßheit der eLearning-Didaktik. Hrsg.: Arnold, R., Lermen, M.: eLearning-Didaktik. Baltmannsweiler, Schneider, 2006, S.229-260
[7]Bates, A. W.: Managing technological change. Strategies for college and university leaders. San Francisco, Jossey-Bass, 2000
[8]Euler, D.: Gestaltung der Implementierung von E-Learning-Innovationen: Förderung der Innovationsbereitsschaft von Lehrenden und Lernenden als zentrale Akteure der Implementierung. Hrsg.: Euler, D., Seufert, S.: E-Learning in Hochschule und Bildungszentren. München, Oldenbourg, 2005, S.561-584
[9]Euler, D., Seufert, S.: Nachhaltigkeit von E Learning Innovationen: Fallstudien zu Implementierungsstrategien von E Learning als Innovationen an Hochschulen. Band SCIL Arbeitsbericht Nr. 4. St.Gallen, Swiss Centre for Innovations in Learning (SCIL), 24.01.2007http://www.scil.ch/publications/reports/2005-01-seufert-euler-nachhaltigkeitelearning.pdf
[10]Kerres, M., Engert, S., Weckmannn, H. D.: Das Duisburger eCompetence-Modell für Faculty Engagement: Gewinnung einer zweiten Welle von Lehrenden für den innovativen Medieneinsatz in der Lehre. Hrsg.: Bremer, C., Kohl, K.E.: E-Learning-Strategien und E-Learning-Kompetenzen an Hochschulen . Bielefeld, Bertelsmann, 2004, S.341-354
[11]Kleimann, B., Wannemacher, K.: E-Learning-Strategien deutscher Universitäten. HIS-Kurzinformation. 2005, B4, http://www.his.de/pdf/Kib/kib200504.pdf
[12]Bremer, C., Kohl, K. E.: E-Learning-Strategien und E Learning-Kompetenzen an Hochschulen. Bielefeld, Bertelsmann, 2004
[13]Lave,J., Wenger, E.: Situated Learning. Legitimate peripheral participation. Cambridge, University of Cambridge Press, 1991
[14]Wenger, E.: Communities of Practice. Learning as a social system, Systems Thinker. 01.02.2007 http://www.co-i-l.com/coil/knowledge-garden/cop/lss.shtml
[15] Wenger, E., McDermott, R., Snyder, W.: Cultivating communities of practice: a guide to managing knowledge. Harvard Business School Press, 2003