CMS Journal
Nr. 29
April 2007
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»So I have a blog …« – Social Software und akademisches Leben


Jana Tietze | Computer- und Medienservice
jana.tietze@cms.hu-berlin.de

Keywords

Social Software, Wiki, Weblog, Podcast

Abstract

Das Netz wird sozial. Immer mehr Angebote, die die interaktive Kommunikation, Interaktion und Kooperation unterstützen, werden inzwischen unter dem Begriff »Social Software« zusammengefasst. Die Systeme überzeugen durch Selbstorganisation und hohe Netzwerkbildung. Vor allem Wikis und Weblogs sowie Podcasts sind webbasierte Anwendungen, die auch die wissenschaftliche Lehre und Forschung fördern können.


Social Software – Täglich maßgeschneiderte Information und Kommunikation im WWW

Tim Berners-Lee schreibt seinen ersten Blog-Eintrag und bekommt sofort 455 Antworten von Menschen aus aller Welt. Der Erfinder des World-Wide-Web fühlt sich seit dem Ende des »Dotcom-Crashes « 2001 und dem damit verbundenen Neubeginn des Webs, der Entwicklung des so genannten »Web 2.0« als Plattform für jedermann, endlich in seinen ursprünglichen Absichten bestätigt. Seine Vision vom Web als kreativer, offener Raum scheint sich doch noch zu erfüllen.

Heute heißt es bedrohlich »If you are not on MySpace, you do not exist!« oder »Get a SecondLife!«. YouTube (Video), Flickr (Bilder) und Blogspot (Text) – die Möglichkeiten, eigene Inhalte über das Internet zu veröffentlichen, scheinen grenzenlos. Eine Mail-Adresse zu besitzen und unfallfrei einen Webbrowser bedienen zu können, ist demnach nicht mehr ausreichend. Mit der Entwicklung von Social Software steht das Web endlich jedem als Aktionsraum offen. Mit Hilfe einfach zu bedienender, webbasierter Dienste kann selbst ein ungeübter Internetnutzer ohne spezielle Vorkenntnisse Informationen veröffentlichen sowie mit der Welt kommunizieren undsich damit in Netzwerke integrieren oder neue aufbauen. Die Menschen und ihre sozialen Verbindungen stehen im Mittelpunkt von Social Software. Das Prinzip ist dabei immer ähnlich: eine Plattform, zumeist Open-Source-Software, wird zur dezentralen Informationssammlung und als virtueller Treffpunkt genutzt.

Doch können wir diese Technologien für Ausbildung, Forschung oder berufliche Praxis nutzen? Schaut man sich im Netz um, stellt sich diese Frage nicht mehr. Sie wollen Vorlesungen der UCLA Berkeley besuchen? Willkommen im Webcast der Universität: webcast.berkeley. edu! Studierende haben Wikipedia längst für sich entdeckt und üben sich seither stetig in Informationskompetenz – warum ihnen nicht gleich einen entsprechenden Diskussionsraum dazu bereitstellen? Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler aufgepasst: Bummeln und shoppen durch die virtuellen Straßen von SecondLife-Dublin hat reale Konsequenzen in Form von Lieferung und Rechnung – Markt- und Kommunikationsplätze, wohin das Auge blickt. Das Ganze treibt weitere Blüten in »Sloodle«, eine Verbindung aus Moodle und SecondLife. Hier entstehen virtuelle Lern-räume, in denen man sich einen Platz im Hörsaal sucht, mit den Kommilitonen aus Korea chattet und nach der Vorlesung die Treppen hinunter rennt, um den Professor noch zu erwischen – virtuell versteht sich. Zugegebenermaßen eine Vision, über deren Sinn und Zweck zu diskutieren wäre.

Doch im Lehr- und Lernalltag gewinnt das Internet immer weiter an Bedeutung, nicht zuletzt jetzt auch durch das Potenzial von Social Software, starre Grenzen aufzulösen [1]. Durch eine Anpassung der Lehrkonzepte an die technischen Möglichkeiten können die Rollen von Lehrenden und Lernenden verschwimmen, da sich Studierende nun einfacher und intensiver an der Gestaltung der Lehre beteiligen können. Lehr-und Lernformen können sich an den komplizierten Alltag der Studierenden anpassen. Was nicht zu einer Auflösung der traditionellen Vorlesung führt: Vielmehr wird das Treffen im Hörsaal oder Seminarraum zur tatsächlichen Bewährungsprobe für Studierende und Lehrende, erworbenes Wissen wird in Form von Einzelleistungen und in Gruppendiskussionen nicht nur überprüft, sondern auch angewendet. Die Technologie kann dabei nur dem didaktischen Prinzip der Veranstaltung folgen und Lehrende sowie Studierende unterstützen – sie bietet aber allen individuelle Wege für Weitergabe und Erwerb von Wissen. Aus »Web 2.0« kann also »E-Learning 2.0« entstehen. Die Technik ist dabei nicht grundsätzlich neu, sie wird nur anders genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Social Software – Täglich...

Beispiele für Social Soft...

Literatur ...


Beispiele für Social Software in Lehre und Forschung

Wiki

Bereits Mitte der 90er Jahre tauchte das Werkzeug zum ersten Mal auf und ermöglichte insbesondere Wissenschaftlern und frühen Internet-Enthusiasten schnellen Informationsaustausch. Wikis sind Werkzeuge zur gemeinsamen Erstellung und Bearbeitung von Webseiten. Wikis sind mit das flexibelste und einfachste Werkzeug zur Unterstützung von kollaborativer Arbeit in Gruppen, zur Realisierung von Projekten oder zum peer-review. Das besondere ist die Möglichkeit, dass Nutzer die Seiten eines Wikis nach eigenen Wünschen neu anlegen, bearbeiten sowie verändern können und so selbst zu Autoren werden. Indem die Nutzerinnen eingestellte Seiten untereinander verlinken, entstehen hypertextuelle Strukturen.

Mit Wikis können vor allem Szenarien unterstützt werden, in denen die gemeinsame schriftliche Arbeit an einem Thema im Vordergrund steht. Es gibt öffentliche und geschlossene Wikis. Das bekannteste öffentliche Wiki ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Hier entwickeln sich die Inhalte ungelenkt, wenn auch nach zu respektierenden Regeln. Wer sich mit einer E-Mail-Adresse registriert, kann Artikel bearbeiten oder neu anlegen. Geschlossene Wikis eignen sich besonders für definierte Arbeitsgruppen, die räumlich getrennt aber unter sich am gleichen Dokument bzw. Thema arbeiten wollen.

Moodle bietet als Tool zum kooperativen Arbeiten an Texten innerhalb eines Kurses ein eigenes Wiki-Modul an und wäre eine einfach zu realisierende Möglichkeit für ein geschlossenes Wiki (sofern der Kurs mit einem Kursschlüssel »geschlossen« wurde).

Podcasts

Frau Merkel tut es, die Tagesschau kommt jetzt gegen 22.00 Uhr ins Netz, und kurz danach hat man vielleicht auch die heutige Vorlesung nochmal im Ohr. Podcasts sind Sammlungen kleiner Audio- und Videodateien und können über das Internet abonniert werden. Der Begriff »Podcast« ist angelehnt an den Namen eines kleinen digitalen Audio-Players und das Broadcasting, dahinter steht: Radio/TV-on-Demand. Podcasts erlauben es, geregelt oder spontan Musik und andere Audio- oder Video-Dateien direkt aus dem Web auf den Computer und von dort auf den tragbaren MP3-Player (welcher Art auch immer) herunterzuladen. Die Zuhörer haben anders als beim Streaming oder traditionellen Radioempfang die Informationen schnell auf dem eigenen Rechner und damit die Kontrolle, wann und wie sie die Inhalte nutzen wollen. Podcasting erlaubt flexible und unabhängige Bildung und Unterhaltung, etwa zur Nachbereitung der Vorlesung. Es erlaubt Studierenden, ihre Entertainment-Geräte für die Ausbildung zu nutzen, wenn Aufgaben, Vorlesungen, Expertenmeinungen oder Diskussionen als Audio-Dateien zur Verfügung gestellt werden. Nutzer sollten allerdings einen ausreichend ausgerüsteten Computer haben und über eine angemessene Internetverbindung verfügen.

Podcasts sind eine Informationsübertragung in eine Richtung und ermöglichen keine direkte Antwort. Lediglich eine Einbettung in Blogs oder Wikis ermöglicht einen Austausch. Podcasts sollten mit Blick auf die Barrierefreiheit ebenfalls als Textversion angeboten werden, wenn es der Nutzerkreis erfordert.

Weblog

Blogs (kurz für Weblogs) sind weltweit eine extrem schnell wachsende Anwendung im Web. Der Begriff Weblog setzt sich aus den Wörtern Web und Log zusammen, wobei Log sich auf die Logbücher der Seefahrt bezieht und die Journal-Funktion eines Blogs unterstreicht. Es wird angenommen, dass etwa 50 Millionen Menschen derzeit bloggen. Blogs eignen sich sehr gut für Reflektion, Wissens- und Meinungsbildung. Als Werkzeug für konstruktives Wissensmanagement bieten sie insbesondere auch für die Lehre ein hohes Potential für aktive Auseinandersetzung mit Wissen und Informationen innerhalb einer Community.

Blogs nutzen dabei nicht nur die Text-form, sondern auch Bilder oder Videos und Audio-Dateien. Sie dienen also zur Weitergabe von Informationen in mehr oder weniger regelmäßigen Zeitintervallen, zur Diskussion, zur Präsentation eigener Arbeiten, dem Wissensaustausch, der Sammlung von Informationen und Links und nicht zuletzt der Pflege von persönlichen Kontakten. Einige Blogs sind mittlerweile zu interessanten Informationsquellen und eigenen Medien geworden, wie z. B. der Blog des Deutschen Bildungsservers (www.bildungsserver.de), andere dienen der Selbstpräsentation, wieder andere geben Einblick in Themen und persönliche Berichte, die in der Medienöffentlichkeit anders kaum wahrgenommen würden. Blogs motivieren dabei in erster Linie zur Gruppenbildung, zum Reflektieren und Debattieren. Die Freiheit von Zensur und moderierten Kommunikationsformen erlaubt die ungefilterte Meinung und Reaktion. Entsprechend sollten Blogs auch immer kritisch betrachtet werden, da die Inhalte falsch oder diskriminierend sein können.

Auch Moodle bietet eine Blog-Funktion, die es allen in Moodle registrierten Nutzern erlaubt, Einträge zu verfassen. In den Einstellungen des Eintrags kann festgelegt werden, wer einen Eintrag lesen darf (Sie selbst, jeder Moodle-Nutzer, Jeder). Anschließend können jedem Eintrag für die Wiederauffindbarkeit Schlagworte – tags, wie es im Web 2.0 heißt – zugeordnet werden.

RSS

Doch wie diese geballte Ladung an Informationen täglich einsammeln und wahrnehmen? RSS-Feeds sind eine Art Newsticker, die über die Veränderungen auf anderen Webseiten (Weblogs, Podcasts, Foren oder Glossare) berichten und somit einen schnellen Überblick über neue Informationen geben. RSS steht dabei für Real Simple Syndication. Die Anwendung (Syndikation) ermöglicht je nach Berechtigung die Nutzung der Inhalte einer Webseite auf einer anderen Webseite als kurze knappe Zusammenstellung im sogenannten Feed. Durch Kopieren des Links, der zumeist unter dem RSS-Symbol liegt, können Feeds ausgelesen und an geeigneter Stelle in den eigenen Browser, das Mail-Programm oder die eigene Webseite eingebaut und so wird ein ganz persönlicher, täglich aktualisierter Informationspool aufgebaut werden.

Moodle bietet diese Funktion für Foren, Glossare, das Datenbank-Modul und den Blog in den einzelnen Kursen. An anderer Stelle (in den Kursen oder auf der MyMoodle-Seite) kann der Block »RSS-Feeds« hinzugefügt werden. Dieser stellt Feeds aus verschiedenen Kursen und dem Netz dar.

Bleibt die Frage: Welcher didaktische Ansatz soll mit diesen Technologien verfolgt werden? Die aktive Nutzung der Technik kann dazu führen, dass Lernende sich sogar »unbemerkt« und informell täglich mit Informationen zum Lehrinhalt auseinandersetzen und durch aktive Beteiligung Lehrinhalte selbst produzieren. Diese können wiederum von Kommilitonen im Sinne einer »Learning Community« diskutiert und bewertet werden. Entgegen allen Befürchtungen kann die Nutzung von Medien in der Lehre dazu führen, dass der soziale Kontext in der Ausbildung stärker wird.

Inhaltsverzeichnis

Social Software – Täglich...

Beispiele für Social Soft...

Literatur ...

Literatur

[1]Kerres, M.: Web 2.0 und seine Implikationen für E-Learning, 2006. Deutsche Fassung von: Web 2.0 and its implications to E-Learning, presented at Microlearning Conference, Innsbruck, 9 June 2006, http://mediendidaktik.de (zuletzt aufgerufen 15.2.2007).
[2]http://www.educause.edu/el (zuletzt aufgerufen 17.2.2007)