CMS Journal
Nr. 29
April 2007
Service
Metadaten
Hinweise
Weitere Artikel aus dem cms-Journal Nr. 29 finden Sie auf dem edoc-Server der Humboldt-Universität zu Berlin unter http://edoc.hu-berlin.de/cmsj/29
Copyright
Dieser Artikel ist ein Open Access Artikel und steht unter der Creative Commons Lizenz BY (siehe...).

Von Humboldt nach Bologna –aus der Gutenberg– in die Turing-Galaxis


Martin Warnke | Universität Lüneburg
warnke@uni-lueneburg.de

Keywords

E-Verbund, E-Learning, Multimedia, Strategie, Strukturen, Steuerungsgruppe, Community of Practice, Netzwerk

Abstract

Der Aufbau des E-Verbundes als Netzwerk der E-Learning-Aktivitäten an der Humboldt-Universität ist einer der Schwerpunkte des im Juni 2005 gestarteten Projektes E-Kompetenz im Kontext (e-KoKon). Die Idee dahinter ist einfach: Wenn es gelingt, nicht nur im fachlichen Kontext der Institute Netzwerke von Aktiven aufzubauen, sondern auch einrichtungsübergreifend einen themenbezogenen Austausch zu initiieren, kann die Integration von digitalen Technologien in der Lehre nachhaltig gesichert werden. Die Realisierung ist nicht so einfach. Der Beitrag beschreibt die aktuelle Entwicklung an der Humboldt-Universität und zeigt weiterführende Perspektiven auf.


image

Abb. 1: Johannes Gensfleisch zur Laden vom Gutenberg, 1398–1468

Wenn Sie dieses Heft des cms-journals in die Hand nehmen, geneigte Leserin, geneigter Leser, werden Sie zu nichts Geringerem geladen als zu einem Parforce-Ritt aus der Zeit der Gründung der Humboldt-Universität ins Heute. Sie rascheln dazu mit dem linken Daumen durch das Heft und stoßen dabei zuerst auf den letzten Artikel, dem zu Hermann von Helmholtz. Was Helmholtz wichtig fand – seine Methoden und Wissensbestände der wissbegierigen Studierendenschaft zu öffnen –, wird Ihnen, über das ganze Heft verteilt, in der Form und medialen Spielart präsentiert, die die heutige und die des baldigen Morgen sein wird: Computernetze gesellen sich zu den Büchern, die Turing-Galaxis erweitert die von Gutenberg um die Möglichkeiten der vernetzten Computer, Wissensbestände öffnend, von denen zu Helmholtz’ und Humboldts Zeiten nur zu träumen war.

Dabei haben Computer den Weg von Humboldt, vom klassischen universitären Bildungsideal, zum Bologna-Prozess geebnet, begleitet und unvermeidbar gemacht: denn die durch das Internet induzierte Globalisierung machte vor der Bildung nicht Halt, sie benannte den Prozess der Europäisierung akademischer Bildung nach einer äußerst traditionsreichen Universität.

Mithin spielt das Netz der Netze eine entscheidende Rolle für die Universität im Bologna-Prozess. Wie dereinst der Buchdruck mit beweglichen Lettern, glaubt man Ivan Illich 1 und Michael Giesecke 2, die Universität und den deutschen Nationalstaat letztlich hervorbrachte, produzierten die vernetzten Computer den mindestens europäischen Bildungsraum und damit das, was uns als Bologna-Prozess die völlige Umstrukturierung der universitären Lehre zumutet.

Statt abstrakter Absichtserklärungen fächert Ihnen dieses Heft des cms-journals konkrete Beispiele von informationstechnischen Innovationen alltags-tauglicher Hochschullehre auf. Mit dem rechten Daumen von vorn durch das Heft gehend, gelangen sie von integrierten Diensten für Studierende über das Bibliothekswesen, von den dazu erforderlichen Kompetenzen und einer darauf zugeschnittenen Didaktik zur neuen Rolle der zentralen Universitätseinrichtungen und der Vermittlung praxisorientierten Wissens für die Nutzung digitaler Medien. Sie werden von der 80:20-Regel des Aufbaus von Internet-Communities zu den Bloggerinnen und Bloggern, über Anti-Schummel-Software zu E-Verbünden und E-Teams geleitet – eine moderne netzwerkorientierte Konzeption, die mit Unterstützung des BMBF umgesetzt wird. Der virtuelle universitäre Gartenbau und das Lernen von Sprachen mit Online-Medien erwarten Sie ebenso wie E-Robots und virtuelle Informatik-Werkstätten. Schließlich präsentieren sich ververnetzte Bilderwelten in HyperImage (ein Projekt, an dem auch der Autor dieser Zeilen beteiligt ist) und historische Palästina- Bilder in diesem Heft, das dadurch die ganze Spannweite universitären Einsatzes digitaler Medien entfaltet.

image

Abb. 2: Alan Turing, 1912–1954

Seien Sie gespannt auf eine Lesereise durch den universitären computergestützten Alltag, betreut von einem Computer- und Medienservice, der klug genug ist, die Bibliotheksbestände ebenso zu bedenken wie das Wissen, das in den Netzen und für sie produziert wird – für alle, die sich den humboldtschen Idealen, der Einheit von Forschung, Lehre und Studium verpflichtet fühlen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Martin Warnke

Anmerkungen

1Ivan Illich: Im Weinberg des Textes. Frankfurt am Main, C. H. Beck, 1991.
2Michael Giesecke: Sinnenwandel Sprachwandel Kulturwandel. Frankfurt am Main, Suhrkamp, 1992.