CMS Journal
Nr. 32
Juni 2009
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Literaturverwaltung zur Unterstützung des wissenschaftlichen Publizierens


Maxi Kindling, Matti Stöhr
maxi.kindling@ibi.hu-berlin.de | matti.stoehr@ibi.hu-berlin.de

Abstract

Die gemeinsame Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren von UB und CMS hat sich mit dem grundsätzlichen Einsatz von Literaturverwaltungssystemen im wissenschaftlichen Publikationsprozess auseinandergesetzt und dabei einzelne Anwendungen bzw. Anwendungsformen untersucht. Der folgende Beitrag bietet einen kurzen Überblick zu bestehenden Formen von Literaturverwaltungssystemen und ihren Funktionen.


Die vorangehenden Kapitel haben einen Überblick zu den Entwicklungen und Möglichkeiten des wissenschaftlichen Publizierens im digitalen Zeitalter, verschiedenen Hilfsmitteln für das Erstellen eigener Arbeiten und dem Umgang des Publizierens nach den Kriterien von Open Access vermittelt. Die nachfolgenden Beiträge sollen konkrete Hilfestellung und Hinweise für das Publizieren auf dem Dokumenten- und Publikationsserver der Humboldt-Universität zu Berlin geben. In diesem Sinne werden die verschiedenen Aktivitäten und Angebote des edoc-Servers zur Unterstützung der Autorinnen und Autoren vorgestellt.


Literaturverwaltung und Literaturverwaltungssysteme

Literaturverwaltung im wissenschaftlichen Publikationsprozess meint die Organisation der für eine Publikation und/oder ein Arbeitsprojekt verwendeten Literatur. Sie umfasst das Anlegen eines Datenpools aus bibliografischen Angaben und/oder Literatur sowie deren formale und inhaltliche Erschließung; die Erstellung von Bibliografien bzw. Literaturverzeichnissen zu einer Veröffentlichung oder einem Projekt sowie die Organisation von Zitaten, Referenzen, Anmerkungen, Notizen und Gedanken.

Während Umberto Eco in seinem Standardwerk zum wissenschaftlichen Schreiben von 1977 für den Umgang mit Publikationen im Erstellungsprozess einer wissenschaftlichen Arbeit noch die Verwendung von so genannten Lesekarteien bzw. Lektüre-Karten empfiehlt 1, hat sich die Literaturverwaltung den elektronischen Arbeitsumgebungen angepasst und es steht heute eine Vielzahl verschiedener Werkzeuge zur Verfügung.2

Ein (rechnergestütztes) Literaturverwaltungssystem bzw. eine Literaturverwaltungssoftware dient in erster Linie dem erleichterten Umgang nicht nur mit Literaturquellen, sondern auch der Strukturierung der eigenen literaturgestützten Arbeit – unabhängig von deren Zielstellung bzw. Ergebnis.

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Anwendungsformen von Lite...

Funktionen von Literaturv...

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Anwendungsformen von Literaturverwaltungssystemen

Zunächst werden so genannte „lokale“ Literaturverwaltungssysteme von webbasierten Literaturverwaltungssystemen unterschieden. Erstere werden auf dem eigenen Rechner installiert (Einzelplatz-bzw. Stand-Alone-Anwendung) und sind als „geschlossene“ Systeme mit einem beschränkten Nutzerkreis (in der Regel eine Person) konzipiert.3 Der Zugriff auf webbasierte Literaturverwaltungssysteme erfolgt mithilfe eines Internetbrowsers. Sie speichern die abgelegten Daten nicht auf dem eigenen Rechner, sondern sie werden auf einem externen Webserver abgelegt. Webbasierte Literaturverwaltungssysteme4 haben den Vorteil, dass man ortsunabhängig von einem beliebigen, internetfähigen Rechner auf das System zugreifen kann und ggf. mehrere Personen kollaborativ an einer Literatursammlung arbeiten können. Hierbei sind zwei Formen der Zusammenarbeit zu nennen: Zum einen kann der Datenpool für mehrere Benutzer freigegeben werden und zum anderen können Nutzerzugänge „geteilt“ werden. Mithilfe der Freigabe eines Datenpools für mehrere Benutzer bzw. einer Anwendung, mit der die gespeicherten Publikationen samt ihrer Metadaten frei im Internet zur Verfügung stehen, kann die Kollaboration in der Wissenschaft unterstützt werden – so lassen sich etwa Publikationslisten zu Projekten kooperativ pflegen und veröffentlichen. Darüber hinaus entstehen durch Software-Erweiterungen „Mischformen“ der beiden Prinzipien5 sowie weitere Systeme mit speziellen Funktionen wie das Plug-in „Zotero“6, das im Webbrowser Mozilla Firefox integriert wird.

Weiterhin kann eine Unterscheidung getroffen werden zwischen Literaturverwaltungssystemen, die kommerziell angeboten werden (z. B. „Citavi“, „EndNote“, „Endnote Web“, „RefWorks“) und jenen, die frei und quelloffen im Internet zur kostenlosen Verfügung stehen (so genannte Open-Source-Anwen-dungen wie „Zotero“, „Connotea“, „CiteULike“, „Wikindx“7 etc.).

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Funktionen von Literaturv...

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Funktionen von Literaturverwaltungssystemen

Literaturverwaltungssysteme lassen sich anhand ihrer Funktionen beschreiben. Dazu zählt die formale Erschließung von Literaturquellen in unterschiedlichen, systemabhängigen Erschließungsgraden anhand bibliografischer Daten wie Autor, Titel, Entstehungsort, Entstehungsjahr etc. Weiterhin bieten Literaturverwaltungssysteme die inhaltliche Erschließung von Quellen durch verschiedene Formen der Wissensorganisation wie beispielsweise die Vergabe von Schlagwörtern oder Kategorien, die Erstellung von Gruppen, Ordnern und themenspezifischen Bibliografien. Diese Form der Wissensorganisation kann system-abhängig um die Erschließung mit weiteren, eigenen Metadaten, Notizen, Anmerkungen erweitert werden – in diesem Sinne lassen sich z. B. ganze Zitatesammlungen verwalten. Zudem bieten einige der Anwendung weitere Zusatz-Funktionen, die nicht im Einzelnen aufgeführt werden können.8

Webbasierte Literaturverwaltungssysteme unterstützen teilweise das Social Tagging: Nutzer erschließen gemeinsam Internetquellen durch tags bzw. freie Schlagwörter, die ohne Regeln vergeben werden. Nach diesem Prinzip lassen sich durch andere Nutzer erschlossene Publikationen mit einer gezielten Suche nach tags finden bzw. können die Interessen anderer Nutzer „entdeckt“ werden.9

Literaturverwaltungssysteme ermöglichen entsprechend ihrer Erschließungsmethodik verschiedene Suchfunktionen und das Browsing in den gesammelten Referenzen und Notizen sowie die passende Erstellung von Bibliografien bzw. Literaturverzeichnissen. Die meisten Anwendungen verfügen über Schnittstellen zu Textverarbeitungsprogrammen (vorwiegend MS Word, Open Office und LaTeX) bzw. bieten Software-Ergänzungen mit dieser Funktion an (so genannte Add-ons). Die Zitierweise bzw. die Outputstyles, die sich in der Regel innerhalb verschiedener Fachdisziplinen unterscheiden (z. B. APA, MLA, Chicago), sind oftmals frei wählbar bzw. können um eigens erstellte Styles erweitert werden.

Unterstützt wird zudem die Ausgabe der bibliografischen Daten in verschiedenen Datenausgabeformaten, die einen Austausch bzw. den Import und Export von Metadaten zwischen verschiedenen Anwendungen ermöglichen. Literaturverwaltungssysteme unterstützen diese Vorgänge durch standardisierte Formate (BibTeX, RIS, Endnote, XML bzw. vor allem der von der Library of Congress entwickelte MODS-Standard etc.) und garantieren dem Nutzer dadurch die Möglichkeit des Wechselns zwischen verschiedenen Anwendungen oder Rechnern. Fachdatenbanken und Repositorien wie der Dokumenten- und Publikationsserver (Edoc) der Humboldt-Universität stellen die Metadaten zu den Publikationen in verschiedenen Formaten zur Verfügung und unterstützen damit die einfache Übernahme dieser Daten in Literaturverwaltungssysteme. Ähnliche Angebote gibt es auch von Seiten einiger Bibliotheken: So bietet etwa der OPAC der Universitätsbibliothek Köln 10 den direkten Import von Metadaten zu Publikationen in das webbasierte Literaturverwaltungssystem „Bibsonomy“ an. Weiterhin können beispielsweise die Metadaten von Büchern auf den Webseiten des Internet-Versandhauses Amazon über ein Icon in der Adresszeile des Browsers direkt in das Literaturverwaltungssystem „Zotero“ übernommen werden oder über die ISBN-Nummer in die Anwendung „Citavi“ überführt werden.

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(Weiter-)Entwicklung von Literaturverwaltungsprogrammen an der HU

Auch an der Humboldt-Universität beschäftigt man sich mit der (Fort-)Entwicklung und Bereitstellung von webbasierter Literaturverwaltungssoftware. Zum Ersten wird am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der HU derzeit an einem Update eines Bibliographiewerkzeugs für das an der Universität weit verbreitete Content-Managementsystem Plone gearbeitet.11 Kultur- und Medienwissenschaftler verbinden in dem Multimedia-Projekt Liblia 2.0 „eine digitale Bibliothek und Literaturverwaltung mit der Funktionalität einer OnlineCommunity“12. In diesen Entwicklungen wird gezielt den Bedürfnissen der Universitätsangehörigen Rechnung getragen.

In einer Zusammenfassung soll festgehalten werden, dass in diesem Überblick bei weitem nicht alle Funktionen dargestellt werden können. Literaturverwaltungssysteme gewinnen mit der Weiterentwicklung ihrer Funktionen bzw. Software-Erweiterungen und damit der vereinfachten Benutzbarkeit und der daraus entstehenden Mehrwerte im wissenschaftlichen Publikationsprozess zunehmend an Bedeutung. Perspektivisch lässt sich vermuten, dass die Grenze zwischen rein webbasierten und lokalen Anwendungen verschwimmen wird (so wie die Plattformunabhängigkeit der einzelnen Anwendungen erreicht werden sollte).13 Der Rückgriff auf standardisierte Austauschformate für bibliografische Daten wird dabei im Vordergrund stehen, da verschiedene Literaturverwaltungssysteme mit den unterschiedlichsten Funktionen parallel existieren werden und der unkomplizierte Datenaustausch für den Nutzer gewährleistet werden sollte.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass die Humboldt-Universität im Rahmen von Campuslizenzen die Literaturverwaltungssysteme „EndNote“ (Windows und Mac)14 und „Citavi“ (Windows)15 anbietet sowie an Universitätsbibliothek und Computer- und Medienservice ein entsprechendes Informationsangebot bereitgehalten wird.16

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Anmerkungen

1 vgl. Eco, Umberto (2007) Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Stuttgart: UTB (12. Auflage, Originalausgabe von 1977)
2Eine sehr gute Übersicht zu Literaturverwaltungsprogrammen stellen Thomas Stöber und Astrid Teichert (Universitätsbibliothek Augsburg) bereit: http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/service/literaturverwaltung/bzw. es lohnt sich auch ein Blick in die englischsprachige Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_reference_ management_software [Der letzte Zugriff auf alle im Artikel referenzierten Websites ist auf den 31.12.2008 datiert.].
3z. B. „EndNote” – URL: http://www.endnote.com; „Citavi” – URL: http://www.citavi.com (nur Windows)
4z. B. „Refworks“ – URL: http://www.refworks.com; „CiteULike” – URL: http://de.citeulike.org; „EndNote Web” – URL: http://www.endnoteweb.com
5z. B. wird das System „EndNote“ durch „EndNote Web“ ergänzt
6„Zotero“ – URL: http://www.zotero.org
7„Wikindx” – URL: http://wikindx.sourceforge.net
8Citavi“ bietet hier beispielsweise mit der „Aufgabenplanung“ und dem Management von Terminen eine zusätzliche Funktion und mit „Zotero“ können „Schnappschüsse“ von Webseiten gemacht werden, die sich editieren lassen.
9z. B. „Connotea” (URL: http:www.connotea.org) und „Bibsonomy” (URL: http://www.bibsonomy.org)
10„Kölner UniversitätsGesamtkatalog“ – URL: http://kug.ub.uni-koeln.de
11 vgl. Stöhr, Matti: Literaturverwaltung mit Plone, in: cms-journal, Nr. 31, S. 7–10
12vgl. Liblia 2.0 – Eine digitale Bibliothek im World Wide Web – URL: http://www.cms.hu-berlin.de/dl/multimedia/bereiche/mlz/projekte/projektdatenbank/projekte/2007/liblia
13Beispielsweise wird für 2009 die Entwicklung einer Mac-Version von „Citavi“ sowie „Citavi Web“ angekündigt.