CMS Journal
Nr. 32
Juni 2009
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Open-Access-Zeitschriften, Schriftenreihen und Sammelbände an der Humboldt-Universität


Uwe Müller
u.mueller@cms.hu-berlin.de

Abstract

Der edoc-Server der Humboldt-Universität bildet nicht nur das Institutional Repository der Hochschule im Sinne des grünen Weges zu Open Access. Er stellt auch eine Veröffentlichungsplattform für Erstveröffentlichungen unterschiedlicher Art dar. Dazu zählen vor allem periodisch erscheinende Publikationen wie elektronische Zeitschriften, Schriftenreihen und Jahrbücher, aber auch einmalige Publikationsvorhaben wie Konferenzbände oder Sammelbände. Der Beitrag stellt das derzeitige Angebot dar, das mit dem edoc-Server für Herausgeber bereitgehalten wird und geht auf die technologische und organisatorische Unterstützung ein, die sie bei der Umsetzung in Anspruch nehmen können.


Der freie und uneingeschränkte Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen lässt sich über verschiedene Wege erreichen. Eine nahe liegende Möglichkeit besteht darin, bestehende Publikationsformen in Open-Access-basierte Geschäftsmodelle zu überführen, die entstehenden Veröffentlichungen also online und kostenfrei anzubieten, während der organisatorische Publikationsprozess weitgehend unverändert bleibt. Der entscheidende Vorteil dieses so genannten goldenen Weges zu Open Access (vgl. [1]) besteht darin, dass etablierte und erprobte Organisationsformen übernommen werden können, wodurch die grundsätzlichen Anforderungen an das wissenschaftliche Publizieren ebenso erfüllt werden wie bei traditionellen und kostenpflichtigen Publikationen. Dies betrifft beispielsweise die Verfahren der inhaltlichen Qualitätssicherung (siehe [2]), aber auch die üblichen Konventionen für die Zitierung von Veröffentlichungen.

Bekannteste Ausprägung für den goldenen Weg sind die Open-Access-Zeitschriften, für die es inzwischen in allen Wissenschaftsdisziplinen einschlägige Beispiele gibt und die vergleichbaren Subskriptionszeitschriften in Bezug auf Renommee und wissenschaftliche Qualität im Allgemeinen in keiner Weise nachstehen. Aber auch andere periodisch erscheinende Veröffentlichungen wie Schriftenreihen und Jahrbücher oder einmalige Publikationsvorhaben wie Konferenzbände und Sammelbände erscheinen inzwischen vermehrt elektronisch und in Form von Open Access.


Veröffentlichen …

Als allgemeiner Hochschulpublikationsserver stellt der edoc-Server der Humboldt-Universität neben den klassischen Hochschulschriften wie Dissertationen, Habilitationsschriften und Studienabschlussarbeiten sowie Sekundärveröffentlichungen im Rahmen des grünen Weges zu Open Access – so genannte Postprints – auch eine Vielzahl mehrteiliger Publikationsvorhaben bereit. Sie erscheinen unter der (Mit-)Herausgeberschaft von Universitätsmitgliedern und sind klar dem goldenen Weg zu Open Access zuzuordnen. Diese Veröffentlichungen bilden sowohl in Bezug auf die inhaltliche Ausrichtung als auch hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte, Erscheinungsweise und organisatorischer Rahmenbedingungen ein breites Spektrum ab. Derzeit werden auf dem edoc-Server Open-Access-Zeitschriften aus den Fachgebieten Geschichte, Kunstgeschichte, Skandinavistik, Japanologie, Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Informatik, Mathematik und Museumskunde veröffentlicht. Hinzu kommen zahlreiche Sammelbände, Schriftenreihen und Konferenzbände, unter anderem aus den Wirtschaftswissenschaften, den Agrarwissenschaften, der Theologie, der Geografie und der Ethnologie. Unter den veröffentlichten Journalen sind solche, die erst vor relativ kurzer Zeit unmittelbar als Open-Access-Zeitschriften gegründet wurden, und andere, die zunächst ausschließlich gedruckt und teilweise in einem Verlag erschienen, bevor sie im Verlaufe ihres Bestehens in die elektronische Form überführt wurden. Während die meisten Zeitschriften auf dem edoc-Server ausschließlich elektronisch erscheinen, wird beispielsweise für das cms-journal parallel zur Online-Fassung eine gedruckte Ausgabe verlegt.

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Abb. 1: eine Auswahl der Open-Access-Zeitschriften, die derzeit auf dem edoc-Server veröffentlicht werden

Die Veröffentlichung elektronischer Zeitschriften und anderer periodischer bzw. mehrteiliger Publikationsvorhaben auf dem edoc-Server beinhaltet in erster Linie die Bereitstellung einer Publikationsplattform. Auf ihr werden die einzelnen Ausgaben und Beiträge dauerhaft online zur Verfügung gestellt und als Volltext abrufbar gehalten. Der Service gegenüber dem Herausgeber einer solchen Publikation schließt jedoch darüber hinaus eine umfassende technologische und organisatorische Unterstützung des gesamten Publikationsprozesses mit ein.

Im einfachsten Fall können für ein Publikationsvorhaben die Mitglieder der Redaktion über eine Webschnittstelle die einzelnen Beiträge eigenständig einstellen, verwalten, anordnen und freischalten – und damit formal veröffentlichen. Das umfasst neben dem Upload der fertigen Dateien – zumeist in Form archivierbarer PDF/A-Dokumente – auch die Erfassung von Metadaten zu den einzelnen Beiträgen, also etwa den Titel, die Namen der Autoren und mögliche Seitenangaben aber ggf. auch Schlagwörter und Abstracts. Je nach Besonderheiten der einzelnen Publikationen lassen sich die Eingabemasken konfigurieren und beispielsweise durch weitere Datenfelder ergänzen.

Auch die Gestalt, mit der sich beispielsweise eine elektronische Zeitschrift ihren Lesern präsentieren soll, lässt sich den Wünschen der Herausgeber anpassen. Das betrifft nicht nur das Layout des Webauftritts und die Anordnung der einzelnen Elemente, sondern beispielsweise auch die Recherchestruktur, die sich aus den jeweils angebotenen Navigationsmöglichkeiten ergibt. Zusätzlich zu den klassischen Suchfunktionen können dabei einzelne Beiträge anhand unterschiedlicher Kategorien gezielt und intuitiv angesteuert und aufgefunden werden – etwa über eine Auflistung aller verfügbaren Ausgaben einer Zeitschrift, einen Autoren-Index oder eine Schlagwortliste (siehe Abb. 2). Je nach Bedarf erhalten Periodika, insbesondere Zeitschriften, natürlich auch ihre eigenen Domains, wie beispielsweise im Falle von www.kunsttexte.de und www.nordeuropaforum.de.

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Abb. 2: Im Nordeuropaforum können nicht nur die einzelnen Zeitschriftenausgaben angesteuert werden; es ist auch eine Recherche nach Autoren und Schlagwörtern möglich.

Auf dem edoc-Server publizierte Zeitschriften, Schriftenreihen und Sammelbände sind nicht nur unmittelbar im Webangebot sichtbar und über die bekannten Suchmaschinen auffindbar. Sie sind auch in übergreifende Recherchedienste eingebunden, sodass die Sichtbarkeit derart verfügbar gemachter Publikationen beispielsweise gegenüber einfachen Webseiten deutlich erhöht ist (vgl. auch [3]).

Inhaltsverzeichnis

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Veröffentlichen … ...

… und Publizieren mit XML...

Workflow-Unterstützung...

Und sonst? ...

Fazit ...

Literatur ...


… und Publizieren mit XML

Abgesehen von dem Basisdienst, mit dem Zeitschriften und andere Publikationsvorhaben bequem per Webschnittstelle verwaltet werden können und in eine professionelle Veröffentlichungsplattform eingebunden sind, können Herausgeber auch bei der technischen Erstellung der eigentlichen Publikationen, also vor allem bei der Erzeugung des Satzspiegels, unterstützt werden. Dazu stehen mehrere Ansätze zur Verfügung, mit denen mithilfe unterschiedlicher Desktop-Publishing-Systeme die einzelnen Beiträge einer Publikation in ein einheitliches Layout überführt werden können. Unabhängig von der Wahl des konkreten Systems – im Einsatz befinden sich derzeit QuarkXPress, Adobe Framemaker und Adobe Indesign – geht es dabei nicht ausschließlich um die Generierung eines ansprechenden Druckdesigns. Durch die Nutzung von XML als zugrunde liegende Beschreibungssprache entsteht für jeden Beitrag mit der Erstellung der für den Druck optimierten PDF-Datei parallel und ohne zusätzlichen manuellen Aufwand eine HTML-Version, die sich für die Lektüre am Bildschirm wesentlich besser eignet als die PDF-Fassung. Die Nutzungsqualität der Publikation wird also entscheidend erhöht. Dieser integrierte XML-basierte Dokumenterstellungsprozess setzt voraus, dass charakteristische Strukturmerkmale – etwa Überschriften, Legenden und Fußnoten – aber auch inhaltsbezogene Hervorhebungen – z. B. Fachwörter, Formeln oder Ortsnamen – explizit gekennzeichnet werden. Dies kann durch die Redaktion geschehen, lässt sich aber auch bereits durch die Autoren bewerkstelligen, denen zu diesem Zweck entsprechende Dokumentvorlagen zur Verfügung gestellt werden. Auch wenn die Verwendung derartiger Hilfsmittel während der Texterstellung auch unabhängig von der späteren Weiterverarbeitung den Autoren klar zum Vorteil gereicht, befürchten Herausgeber zuweilen, sie könnten ihre potentiellen Textlieferanten überfordern oder abschrecken, wenn sie die Verwendung einer Dokumentvorlage vorschreiben. Zumindest als optionales Angebot sollte eine Dokumentvorlage, die für die betreffende Zeitschrift oder Schriftenreihe angepasst ist, jedoch vorgehalten werden, wenn ein XML-basierter Dokumenterstellungsprozess vorgesehen ist.

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Abb. 3: Startseite, PDF-Fassung und dynamisch erzeugte XML-Fassung eines Artikels in der Zeitschrift „Nordeuropaforum“

Selbstverständlich ist der Aufwand zur Einrichtung eines solchen integrierten Publikationsprozesses einschließlich der Umsetzung individueller Layoutanforderungen sowie der Schulung der Mitarbeiter durchaus beachtlich. Allerdings werden die Vorteile des elektronischen Publizierens auch erst durch diesen XML-basierten Ansatz vollständig wirksam. Besonders lohnenswert ist der Einsatz eines integrierten Dokumenterstellungsprozesses für häufig erscheinende und umfangreiche Zeitschriften, da der einmalig anfallende Anfangsaufwand durch die Zeitersparnis im Regelbetrieb schnell aufgewogen wird.

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Veröffentlichen … ...

… und Publizieren mit XML...

Workflow-Unterstützung...

Und sonst? ...

Fazit ...

Literatur ...


Workflow-Unterstützung

Die Herausgabe einer Zeitschrift oder einer anderen periodisch erscheinenden bzw. mehrteiligen Publikation ist in einen umfassenden Publikationsprozess eingebettet, der weit über das Einstellen und Freischalten fertiger Dokumente hinausgeht. Mit der Herstellung eines anspruchsvollen und für unterschiedliche Ausgabearten geeigneten Layouts wurde im vorherigen Abschnitt bereits ein wesentlicher Bestandteil dieses Prozesses genannt. Hinzu kommt der gesamte organisatorische Teil, der unter anderem die Kommunikation mit den Autoren sowie die inhaltliche Qualitätssicherung durch jeweils zugeordnete Gutachter einschließt. Um diesen komplexen und für jeden eingereichten Beitrag durchzuführenden Prozess zu strukturieren und handhabbar zu halten, existieren verschiedene webbasierte Manuskriptverwaltungssysteme, deren Kernfunktion die Organisation des Begutachtungsprozesses ist. Herausgeber, die auf dem edoc-Server publizieren, können eine Installation von Open Journal Systems, der am weitesten verbreiteten Software auf diesem Gebiet, nutzen. Damit können nicht nur Autoren ihre Manuskripte unmittelbar online einreichen und später ggf. verändern. Auch die Redaktion, die Gutachter und alle technisch involvierten Personen haben direkten Zugriff auf die für sie relevanten Vorgänge und Dokumentversionen der einzelnen Beiträge, die dort auch dauerhaft archiviert werden. Die Arbeit mit dem System erfolgt ausschließlich via Webbrowser. Über nächste Schritte, bevorstehende Fristen und Ähnliches werden die jeweils Beteiligten durch automatisch versandte E-Mails informiert. Beispielsweise wird die Redaktion über neu eingegangene Manuskripte ebenso unterrichtet wie Gutachter über die Bitte, ein Manuskript zu begutachten. Die verantwortlichen Redaktionsmitglieder können dabei jederzeit einen aktuellen Überblick über den Status aller Vorgänge erlangen und selbstverständlich auch in die laufenden Prozesse eingreifen. Die manuelle Organisation des Publikationsprozesses kann somit wesentlich effizienter und zeitsparender gestaltet werden. Die Daten der schließlich akzeptierten und zur Publikation bestimmten Beiträge können anschließend ohne Probleme auf den edoc-Server übernommen werden.

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Workflow-Unterstützung...

Und sonst? ...

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Und sonst?

Die Publikationsplattform des edoc-Servers besteht nur auf den ersten Blick ausschließlich aus Online-Speicherplatz für elektronische Veröffentlichungen. Neben den benannten Möglichkeiten zur Unterstützung einer XML-basierten Dokumenterstellung und des organisatorischen Publikationsprozesses bietet der edoc-Server weitere Mehrwerte aus Sicht von Herausgebern elektronischer Publikationsvorhaben. Zum einen ist durch die Bereitstellung standardisierter Schnittstellen und die nationalen und internationalen Kooperationen des edoc-Servers eine gute Sichtbarkeit der einzelnen Veröffentlichungen gegeben, weil sie durch automatisierten Austausch der Metadaten in zahlreichen Rechercheportalen und Fachdatenbanken nachgewiesen werden. Der edoc-Server garantiert nicht nur die langfristige Verfügbarkeit der Publikationen, sondern stellt durch die Vergabe so genannter Persistent Identifiers in Form einer URN für jeden einzelnen Beitrag sicher, dass er auch bei ggf. veränderter Domain oder einer technischen Umstrukturierung des Servers auf identische Weise zitierbar bleibt.

Für alle Publikationsvorhaben werden detaillierte und auf einzelne Beiträge bezogene Zugriffsstatistiken geführt, die auf Wunsch auch online zur Verfügung gestellt werden und beispielsweise Aufschluss darüber geben, welche Beiträge besonders häufig aufgerufen worden sind. Der edoc-Server verfügt über eine Printon-Demand-Funktion, die auch auf der Ebene einzelner Beiträge mehrteiliger Publikationen komfortabel genutzt werden kann – etwa, indem ausgewählte Artikel aus einer Zeitschrift als individuell zusammengestellter Reader bestellt werden können.

Die Metadaten einer Veröffentlichung dienen nicht nur der Darstellung und der besseren Auffindbarkeit, sondern dem interessierten Leser ggf. auch als Grundlage zur eigenen Weiterarbeit – insbesondere beim Verfassen eigener Publikationen. Um die bibliografischen Angaben zu einer Publikation nahtlos in eine eigene Literaturverwaltung zu übernehmen, kann die Exportfunktion des edoc-Servers verwendet werden, die die Formate BibTex und End-Note bereitstellt. Darüber hinaus besteht eine Anbindung an gebräuchliche Social-Bookmarking- bzw. Tagging-Systeme.

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Abb. 4: Metadatenexport, Tagging-Funktionen und detaillierte Zugriffsstatistik für einen Beitrag eines Sammelbandes

Schließlich lassen sich die einzelnen Publikationsvorhaben auch so ausstatten, dass Autoren selbst wählen können, welche Rechte Dritte an ihren Veröffentlichungen haben sollen. Dies geschieht mithilfe der so genannten Creative-Commons-Lizenzen (vgl. [4]).

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Und sonst? ...

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Fazit

Der edoc-Server ist nicht nur Hochschulschriften- und Dokumentenserver der Universität, sondern beherbergt auch eine Vielzahl regelmäßig erscheinender Publikationsvorhaben, die von den jeweiligen Herausgebern und Redaktionsgruppen weitgehend eigenständig und unabhängig verwaltet werden. Die freie Verfügbarkeit aller hier publizierten Inhalte im Sinne von Open Access ist die grundlegende Maxime, die mit dem Betrieb des edoc-Servers verfolgt wird. Wer die Herausgabe einer Zeitschrift, einer Schriftenreihe, eines Sammelbandes, eines Jahrbuchs oder eines Konferenzbandes plant, sollte sich über die Möglichkeiten und Konditionen informieren, die der edoc-Server dafür bietet. Aber auch, wenn bereits bestehende Publikationsvorhaben professionalisiert, erstmals elektronisch angeboten oder in ein Open-Access-basiertes Geschäftsmodell überführt werden sollen, ist der edoc-Server sicherlich eine gute Wahl.

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Veröffentlichen … ...

… und Publizieren mit XML...

Workflow-Unterstützung...

Und sonst? ...

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Literatur

[1] Weishaupt, K.: Überblick zum goldenen Weg zu Open Access in Deutschland und international . cms-journal 32, 2009, S.24–28.
[2]Müller, U.: Peer Review bei OpenAccess-Zeitschriften. cms-journal 32, 2009, S. 33–37.
[3]Malitz, R.: Open Access – Verfügbar ist noch nicht präsent. cms-journal 32, 2009, S. 70–73.
[4]Klatt-Kafemann, M.: Creative Commons. cms-journal 32, 2009, S. 81–86.