CMS Journal
Nr. 32
Juni 2009
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Weitere Artikel aus dem cms-Journal Nr. 32 finden Sie auf dem edoc-Server der Humboldt-Universität zu Berlin unter http://edoc.hu-berlin.de/cmsj/32
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Einführung in das Heft


Peter Schirmbacher
schirmbacher@cms.hu-berlin.de


Im Herbst 1991 haben wir innerhalb des damaligen Rechenzentrums der Humboldt-Universität längere Zeit um den Charakter einer Schriftenreihe gerungen, die dann erstmalig am 06.11.1991 unter dem Titel „RZ-Mitteilungen“ erschien und heute mit der 32. Ausgabe des cms-journals (die Namensänderung erfolgte als Reaktion auf die Namensänderung des Rechenzentrums in Computer- und Medienservice) seine Fortsetzung findet. Es war damals die Zeit, als immer mehr Mitgliedern der Universität die Möglichkeit eröffnet wurde, direkt auf das universitätsinterne und internationale Rechnernetz zuzugreifen. Die dort abgreifbaren, aber vor allem durch uns einstellbaren Informationen an unsere Nutzer waren deutlich aktueller als jedes Mitteilungsblatt, was wir hätten erarbeiten, drucken und verteilen können. Die aus den Jahren davor geprägte Kommunikation zwischen dem zentralen Rechenzentrum und seinen vielen Nutzergruppen war überholt und ist, wie wir heute bestens wissen und praktizieren, durch das WWW abgelöst worden. Trotzdem haben wir diese Schriftenreihe ins Leben gerufen, um damit über die aktuelle und teilweise schnelllebige Web-Nachricht hinaus einzelne Themen detaillierter für die Nutzerschaft aufzuarbeiten.

Die Absicht ist die Bereitstellung einer ergänzenden Lektüre, die sich nun in dem vorliegenden Heft mit dem „Wissenschaftlichen Publizieren im digitalen Zeitalter“ befasst. Aus unserer Sicht ist das Thema hoch aktuell und berührt nahezu jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter der Universität. Das wissenschaftliche Publizieren findet, so könnte man im übertragenden Sinne sagen, am Computer statt. Jeder Wissenschaftlerarbeitsplatz ist mit einem Computer ausgestattet und das „geistige Werk“ findet dort seinen „ersten“ Speicherplatz, wird bearbeitet, möglicherweise über das Netz vorab verschickt, um es mit Fachkolleginnen und Fachkollegen zu diskutieren und kommt erst dann zur eigentlichen Veröffentlichung, die in der Mehrzahl der Fälle leider und ausschließlich in Papierform erscheint.

Das vorliegende Heft ist eine weitere Zusammenfassung (siehe auch Heft 27 des cms-Journals von 2005) der bisherigen Arbeiten der gemeinsamen Gruppe des Computer- und Medienservice und der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin zum „Elektronischen Publizieren“. Die Gruppe existiert, seit im Jahre 1997 erstmalig an der Humboldt-Universität der Versuch unternommen wurde, der Veröffentlichungspflicht bei Dissertationen durch eine elektronische Version zu entsprechen. Dem Anliegen, wissenschaftliche Veröffentlichungen auch elektronisch in ihrem Volltext vorzuhalten, konnte damals wie heute nur entsprochen werden, indem dieser Service für die Universität als Gemeinschaftsaufgabe der einschlägigen Infrastruktureinrichtungen verstanden wird. Es ging und geht um die Bündelung des Know-hows einer wissenschaftlichen Bibliothek mit dem eines wissenschaftlichen Rechenzentrums. Seit dieser Zeit ist rund um den edoc-Server (siehe http://edoc.huberlin.de) ein umfassender Service aufgebaut worden, dessen Ziel die möglichst umfassende Unterstützung der einzelnen Phasen des Publikationsprozesses darstellt. Die Inhalte des Servers, gegenwärtig immerhin fast 8.000 Dokumente, sind breit gefächert. In ihrer Masse werden sie durch Hochschulschriften wie Dissertationen und Habilitationen bestimmt. Es werden jedoch auch acht wissenschaftliche Zeitschriften gehostet, Konferenzproceedings angeboten und für immer mehr Institute der Universität ihre jeweiligen Schriftenreihen und Sammelbände veröffentlicht. Ein besonderes Ziel der Arbeitsgruppe ist es, in gleicher Weise den Prozess des Publizierens an der Universität zu unterstützen, den Autorinnen und Autoren technische Hilfestellungen zu geben und dabei insbesondere dem Open-Access-Gedanken noch deutlicher zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Facetten der Arbeiten der Gruppe sind äußerst vielschichtig und spiegeln sich entsprechend in den Beiträgen zu diesem cms-journal wider. Sie reichen von der theoretisch geprägten Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Publizierens, wobei das elektronische Publizieren zweifelsfrei im Mittelpunkt steht, über die Beschäftigung mit den Anforderungen an eine elektronisch verfügbare wissenschaftliche Zeitschrift und dem damit verbundenen „Forderungskatalog“ eines Herausgebers, der bestmöglich technisch unterstützt werden möchte, bis zur detaillierten Bestimmung der notwendigen Servicequalität eines wissenschaftlichen Repositories, wie es der edoc-Server darstellt. Das Heft gliedert sich in einen theoretischen Teil, in dem der Stand und mögliche Perspektiven des elektronischen Publizierens aufgearbeitet werden. Es wendet sich anschließend den Grundzügen des Publizierens nach den Prinzipien des Open Access zu, um dabei den beiden hauptsächlichen Ausprägungen, dem „Golden Road “ bzw. dem „Green Road“ des Open Access mit jeweils mehreren Beiträgen zu folgen. Zwangsläufig liegt bei vielen Beiträgen der Schwerpunkt auf der Vermittlung der vielfältigen Erfahrungen, die im Verlauf der Jahre durch den Betrieb des Repositorys und die Bearbeitung einer großen Zahl von Projekten der angewandten Forschung, finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Europäische Gemeinschaft, gesammelt wurden.

Mit diesem Heft wenden wir uns an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und damit Autorinnen und Autoren der Humboldt-Universität, indem wir hoffen, ihnen eine Handreichung als Unterstützung im wissenschaftlichen Publikationsprozess zu geben, das ein oder andere Vorurteil gegenüber dem elektronischen Publizieren auszuräumen und sie natürlich auch für die Nutzung des edoc-Servers etwas zu begeistern. Wir möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dieser Universität ansprechen, die gegenwärtig als Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften fungieren bzw. beabsichtigen, in der nächsten Zeit eine Zeitschrift ins Leben zu rufen, um sie auf die Möglichkeiten des edoc-Servers auf diesem Gebiet hinzuweisen. Natürlich ist das Heft auch gedacht für unsere Kolleginnen und Kollegen, die in anderen Einrichtungen mit uns vergleichbare Aufgaben zu erfüllen haben und last but not least soll das Heft als eine Unterstützung bei der Ausbildung von Studierenden im Modul „Elektronisches Publizieren“ des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft dienen.

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Abb. 1: Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren

Die Resonanz auf das Wirken der Arbeitsgruppe in der Universität und darüber hinaus ist sehr gut, sodass wir uns als Folge davon über mangelnde Aufgaben nicht beklagen können. Umso mehr gilt mein Dank allen Kolleginnen und Kollegen, die hier als Autorinnen und Autoren in Aktion getreten sind, für ihre Mühen und ihr Engagement.

Besonders freue ich mich jedoch, dass wir auch Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ gewinnen konnten, sich mit Beiträgen an diesem Heft zu beteiligen und es dadurch zu bereichern. Zugegebenermaßen teile ich nicht jede der geäußerten Meinungen, aber gerade darin sollte ja der Reiz einer wissenschaftlichen Veröffentlichung liegen.

Den Leserinnen und Lesern des cms-Journals wünsche ich eine angenehme Lektüre und äußere die Bitte, mit Anregungen oder kritiken nicht zu sparen, sondern uns Ihre Meinungen mitzuteilen.