CMS Journal
Nr. 32
Juni 2009
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Überblick zum goldenen Weg zu Open Access in Deutschland und international


Karin Weishaupt
weishaupt@iat.eu

Abstract

Ende 2008 waren 1,57 % aller Zeitschriften Open Access; bei Betrachtung der absoluten Zahlen oder des prozentualen Anteils an der gesamten Zeitschriftenproduktion stellt sich die internationale Verteilung unterschiedlich dar. Ein Problem für die Akzeptanz bilden das oft geringe Renommee und der fehlende Impact Factor. Besonders positiv wirkt die größere Publikationsgeschwindigkeit; verstärkte Anreize durch Arbeitgeber und die Betonung des kollektiven Nutzens wären weitere Fördermöglichkeiten.


Der goldene Weg

Wer an den goldenen Weg zu Open Access denkt, hat in erster Linie Zeitschriften vor Augen, deren Beiträge im Internet frei zugänglich sind und in der Regel rein elektronisch vorliegen. Open-Access-Zeitschriften sind ein Spezialfall elektronischer Zeitschriften, der sich dadurch auszeichnet, dass für die Leser(innen) keine Kosten über die Gebühren für den Internet-Zugang hinaus anfallen und dass ihnen weitgehende Nutzungs- und Verbreitungsrechte eingeräumt werden.

Ein Teil dieser Open-Access-Zeitschriften ist gleich nach diesem Vertriebsmodell gegründet worden, der andere ist von einem ursprünglich kommerziellen Geschäftsmodell, das über Abonnementskosten finanziert wird, nach Open Access überführt worden.

Die Diskussion um Open Access hat das Bewusstsein für die Kosten wissenschaftlichen Publizierens geschärft, denn auch diese Zeitschriften erzeugen Kosten, die über verschiedene Geschäftsmodelle aufgebracht werden müssen [1]. So erfolgt die Finanzierung bei einem Teil der Open-Access-Zeitschriften durch Gebühren, die die Autor(inn)en für die Veröf¬fentlichung ihrer Artikel zahlen. Diese können recht erheblich sein, insbesondere wenn kommerziell tätige Verlage wie Springer und Elsevier Zeitschriften anbieten, die für die Leser(innen) frei zugänglich sind. Deutlich niedriger liegen die Autorengebühren meist bei Verlagen, die sich auf Open Access spezialisiert haben, wie z. B. beim Copernicus-Verlag, der einige der renommiertesten deutschen Open-Access-Zeitschriften herausgibt. Neben diesem Author-pay-Modell kommt die Finanzierung über Fachgesellschaften vor, wie sie z. B. in der Medizin von „German Medical Science“ praktiziert wird. Eine dritte Möglichkeit besteht in der Finanzierung durch öffentliche Geldgeber. Ein Beispiel dafür ist die Initiative „Digital Peer Publishing NRW“, die vom Land Nordrhein-Westfalen getragen wird. Die Koordination und die technische Betreuung liegen beim Hoch-schulbibliothekszentrum des Landes NRW, die Redaktionen der DiPP-Zeitschriften sind an den Hochschulen – oft in den Bibliotheken in Zusammenarbeit mit den Rechenzentren – angesiedelt. Schließlich stellt sich die Möglichkeit von Konsortialmodellen, wie sie zum Beispiel zurzeit in der Hochenergiephysik mit SCOAP³ praktiziert wird [2].

Inhaltsverzeichnis

Der goldene Weg...

Informationsquellen...

Der aktuelle Stand...

Probleme von Open-Access-...

Motivation für Autorinnen...

Literatur ...


Informationsquellen

Wer sich lediglich über die Titel von Open-Access-Zeitschriften und nicht die darin enthaltenen Beiträge informieren will, kann dafür die elektronische Zeitschriftenbibliothek Regensburg [3] benutzen. Bei der Suche nach frei zugänglichen Zeitschriften erhält man alle, die von den teilnehmenden Bibliotheken erfasst worden sind, ohne Differenzierung nach Qualität, wissenschaftlicher oder praxisorientierter Ausrichtung oder sonstigen Merkmalen. „Ulrich’s periodicals directory“ [4] erlaubt in der „advanced search“ eine Suche nach den verschiedensten Kriterien, von denen eins „Open Access“ darstellt; die Suche nach diesem Aspekt ohne weitere Einschränkung lieferte am 17.12.2008 international 3.714 Titel. Bemerkenswert ist dieses Verzeichnis, weil es auch die Suche nach Zeitschriften mit Begutachtungsverfahren oder mit dem von Thomson Scientific [5] gelieferten „journal citation report“, nach Fachgebieten, Erscheinungsländern etc. und damit differenzierte Analysen erlaubt.

Die in der deutschen Open-Access-Literatur am häufigsten genannte Informationsquelle dürfte das von der Universitätsbibliothek Lund aufgebaute „Directory of open access journals – DOAJ“ [6] darstellen, das Mitte Dezember 2008 3.791 Zeitschriften verzeichnete, von denen ein gutes Drittel auch auf Artikelebene durchsuchbar ist.

Weniger bekannt ist in Deutschland das indische Open-Access-Zeitschriften-Portal „Open J-Gate“ [7], das am 18.12.2008 immerhin 4.710 Titel nachwies und die Recherche nach verschiedenen Kriterien erlaubt.

Noch wesentlich mehr Informationen und Suchfunktionen umfasst „redalyc“ [8], das von der Universität Mexiko aufgebaute „Red de revistas científicas de América Latina y el Caribe, España y Portugal“, das den spanischen und portugiesischen Sprachraum abdeckt und neben der Suche nach Zeitschriftentiteln eine Artikelrecherche sowie umfassende Statistikfunktionen anbietet. Damit wird zugleich die Nutzung der Zeitschriften und der einzelnen Artikel umfassend dokumentiert. Wegen der geografischen Beschränkung waren darin am 18.12.2008 zwar nur 550 Zeitschriften nachgewiesen, aber immerhin 112.135 Artikel; das DOAJ weist für die ganze Welt gerade doppelt so viele Artikel nach. Ein Portal mit einer vergleichbaren Funktionalität stellt für Europa oder konkret für Deutschland ein Desiderat dar, das die Sichtbarkeit von Open-Access-Zeitschriften und -Artikeln deutlich erhöhen und damit voraussichtlich auch deren Bekanntheit und Akzeptanz steigern könnte.

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Der aktuelle Stand

Laut DOAJ gibt es mit Stand vom 17.12.2008 in 93 Ländern Open-Access-Zeitschriften, 25 Länder haben 30 und mehr:

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Abb. 1: Open-Access-Zeitschriften international in absoluten Zahlen; Quelle: DOAJ, 17.12.2008

Deutschland belegt in dieser Aufstellung den beachtlichen fünften Platz. Während in der Statistik der Open-Access-Repositories Deutschland mit Großbritannien um den zweiten Platz hinter den USA konkurriert, fällt hier die gute Position Brasiliens und Spaniens auf.

Um den Stellenwert der Open-Access-Zeitschriften in den einzelnen Ländern angemessen zu beurteilen, muss man zusätzlich zur Betrachtung der absoluten Zahlen diese mit der gesamten Zeitschriftenproduktion in Beziehung setzen. Dazu gibt „Ulrich’s Web“ Auskunft, das sich bezüglich der Angaben für Open-Access-Zeitschriften nur geringfügig von denen des DOAJ unterscheidet. Danach hat zum Beispiel Japan etwa so viele OpenAccess-Zeitschriften wie die Türkei (93 bzw. 97), die Gesamtzahl aller Zeitschriften unterscheidet sich aber um mehr als den Faktor 10 (6.230 in Japan, 610 in der Türkei). Das führt zu der Frage, welchen Stellenwert Open Access im Verhältnis zur Zahl aller wissenschaftlichen Zeitschriften und zur Gesamtzahl hat, und dabei verändert sich das Bild signifikant (siehe Abb. 2).

Ein hoher prozentualer Anteil an Open-Access-Zeitschriften ist bei niedrigen absoluten Zahlen international von nur geringer Bedeutung – erst recht, wenn deren Artikel in einer der schwach verbreiteten Sprachen geschrieben sind –, sodass sich ein valides Urteil erst aus der Zusammenschau beider Statistiken ergibt. Da Brasilien mit 14,82 % OpenAccess-Zeitschriften hinter der Türkei, die einen Anteil von 15,90 % aufzuweisen hat, wiederum den zweiten Platz belegt, ist diesem Land besondere Beachtung zu schenken.

Generell sollte nicht übersehen werden, dass es auch in den Schwellenländern bemerkenswerte Open-Access-Initiativen gibt, die für die entwickelten Länder zum Vorbild werden können. Folglich ist das Argument für Open Access, dass damit die ärmeren Länder unterstützt werden, die sich keine teuren Zeitschriftenabonnements leisten können, zwar sicher richtig, aber zu einseitig.

International machen Open-Access-Zeitschriften 1,57 % der gesamten Zeitschriftenproduktion aus. Deutschland liegt mit 0,83 % deutlich darunter.

Wenn man nicht die Gesamtzahl aller Zeitschriften als Berechnungsgrundlage wählt, sondern lediglich die wissenschaftlichen Zeitschriften, steigt der Prozentsatz der Open-Access-Zeitschriften international auf ca. 5,4 % und in Deutschland auf ca. 2 %, aber auch diese Werte stellen nicht recht zufrieden, wenn man die diversen Open-Access-Erklärungen und -Aktivitäten der letzten Jahre betrachtet.

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Abb. 2: Aktive Open-Access-Zeitschriften im Verhältnis zur gesamten Zeitschriftenproduktion, Quelle:Ulrich’s Web, 17.12.2008

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Probleme von Open-Access-Zeitschriften

Neben der Frage, wie Open-Access-Zeitschriften zu finanzieren sind, stellt sich das Problem der Akzeptanz seitens der Autor(inn)en. Dazu ist im Mai / Juni 2008 eine Befragung unter ca. 1000 OpenAccess-Autor(inn)en durchgeführt worden, aus der Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung abgeleitet werden sollten [9].

In der Rolle des Lesers/der Leserin hat kaum jemand etwas gegen Open Access einzuwenden, im Gegenteil: Es ist angenehm und förderlich für die wissenschaftliche Arbeit, einen benötigten Aufsatz ohne zeitliche Verzögerung und ohne Kosten am Bildschirm aufrufen zu können. Bei einem Perspektivwechsel stellt sich die Sachlage leider anders dar: Wer als Herausgeber(in) einer Zeitschrift andere als Autor(inn)en gewinnen will, wird mit einer Fülle von Vorbehalten konfrontiert: Im Falle von Autor-pay-Geschäftsmodellen sind viele nicht bereit, die geforderten Autorengebühren zu zahlen, obwohl auch bei konventionellen Veröffentlichungen oft genug die Druckkosten selbst aufgebracht werden müssen. Es werden Zweifel an der Langfristverfügbarkeit und an der Sicherung der Authentizität und Integrität der Texte geäußert. Teilweise existieren erhebliche Informationsdefizite: Open-Access-Zeitschriften und Verfahrensfragen sind nicht ausreichend bekannt.

Häufig werden rechtliche Bedenken geäußert: Es besteht die Befürchtung, dass der eigene Text ohne Nachweis zitiert und damit missbraucht wird; dabei unterscheidet sich der Urheberrechtsschutz für gedruckte und elektronische Texte nicht, lediglich die Verwertungsrechte sind anders geregelt. Für Autorinnen und Autoren ist das Open-Access-Publizieren günstiger, da sie dabei alle Rechte an ihren Texten behalten, während die Verwertungsrechte beim konventionellen Publizieren in der Regel zumindest teilweise an die Verlage abgetreten werden; dieser Vorteil ist vielen potenziellen Autorinnen und Autoren nicht bekannt oder bewusst.

Die größte Hürde stellt die Renommeefrage dar: Da die Steigerung der eigenen wissenschaftlichen Reputation die wohl stärkste Motivation zum Publizieren darstellt, wollen die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bevorzugt in renommierten Zeitschriften publizieren. Es gibt zwar keinen prinzipiellen Grund für die Annahme, dass Open-Access-Zeitschriften qualitativ schlechter sind als gedruckte oder kommerziell vertriebene; aber gerade Zeitschriften, die noch relativ jung sind und sich folglich in der wissenschaftlichen Welt noch nicht ausreichend etabliert haben, müssen gegen erhebliche Akzeptanzprobleme kämpfen.

Während der Ruf nach Qualitätssicherung quer durch alle Fachgebiete zu beobachten ist, konkretisiert sich in den Naturwissenschaften und der Medizin das Problem des mangelnden Renommees am Impact Factor. Dieser wird von Thomson Scientific aus der Zahl der Zitationen auf die Beiträge einer Zeitschrift ermittelt und jedes Jahr neu vergeben. Der Impact Factor ist inzwischen heftig umstritten:

  • Da er sich auf die Zeitschrift insgesamt bezieht, sagt er nichts über die Rezeption und Qualität des einzelnen Artikels aus.
  • Er berücksichtigt lediglich Zitate aus Zeitschriften, die ihrerseits im „Web of Science“ enthalten sind, nicht aber aus anderen Zeitschriften, Monographien, Tagungsbeiträgen, Beiträgen in sonstigen Sammelbänden und Internet-Quellen.
  • Er ist leicht durch Selbstzitierungen zu manipulieren.
  • Da nur Zitate aus den letzten beiden Jahren berücksichtigt werden, haben es Zeitschriften aus Fachgebieten, deren Verwertungszyklen länger sind, schwerer als solche, in denen überwiegend aktuelle Literatur zitiert wird.
  • Englischsprachige Journale sind überproportional vertreten, Zeitschriften in anderen Sprachen haben kaum eine Chance, einen Impact Factor zugewiesen zu bekommen.
  • Spezialisierte Zeitschriften, die sich an eine kleine Community wenden, sind ebenfalls systematisch benachteiligt; Journale mit Überblicksartikeln sind klar im Vorteil. [10]

Trotzdem stellt der Impact Factor beim gegenwärtigen Stand in vielen Fachgebieten das Maß dar, an dem sich jede Zeitschrift zu messen hat.

In Brasilien gibt es mit Stand vom 18.12.2008 laut „Ulrich’s Web“ 29 Zeitschriften mit Impact Factor, mit lediglich zwei Ausnahmen sind diese frei zugänglich. Damit ist dieses Land in der glücklichen Lage, dass Impact Factor und Open Access keinen Widerspruch darstellen. In Deutschland stellt sich die Situation anders dar: Unter den 549 Zeitschriften, die einen Impact Factor aufweisen, sind nur 10 der existierenden 137 Open-Access-Zeitschriften! Kein Wunder also, dass Autor(inn)en häufig andere Zeitschriften bevorzugen und Open-Access-Zeitschriften als minderwertig ansehen! Hier gilt es, entweder um die Aufnahme der Open-Access-Zeitschriften ins „Web of Science“ und damit die Zuteilung des Impact Factors zu kämpfen oder der Fachöffentlichkeit bewusst zu machen, dass diesem Wert eine unverhältnismäßig hohe Bedeutung zugemessen wird und dass alternative Methoden des Qualitätsnachweises Vorzug bekommen sollten – ein Ziel, das nicht so schnell zu erreichen sein wird!

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Motivation für Autorinnen und Autoren

Eine Hilfe für die Umsetzung des OpenAccess-Gedankens wäre es, wenn OpenAccess-Veröffentlichungen bei der Evaluation von Forschungsleistungen besonders gewürdigt oder sonstige Anreize geschaffen würden – durch Arbeitgeber, Förderinstitutionen und Einrichtungen der Wissenschaftsevaluation. Während die Harvard University seit Frühjahr 2008 das Open-Access-Publizieren für verbindlich erklärt und Abweichungen explizit begründet werden müssen und die Universität Zürich das Vorhandensein einer frei zugänglichen Version für die Aufnahme eines Textes in die Hausbibliographie zur Voraussetzung macht, beschränken sich deutsche Hochschulen, die das Recht auf Freiheit von Forschung und Lehre zu beachten haben, durchweg auf Empfehlungen. Die Max-Planck-Gesellschaft unterstützt das Open-Access-Publizieren durch die Übernahme anfallender Autorengebühren. Ein weiterer Anreiz könnte die Berücksichtigung von Open-Access-Publikationen als Kriterium der Mittelverteilung innerhalb einer Hochschule oder Forschungseinrichtung sein.

Die genannte Umfrage unter OpenAccess-Autor(inn)en hat gezeigt, dass diese einen schnellen Publikationsprozess sehr schätzen. Bei Open-Access-Zeitschriften entfallen die Zeiten für den Druck und das Binden der Hefte. Eine weitere Beschleunigung wird erreicht, wenn die Heftstruktur aufgelöst und jeder einzelne Beitrag unmittelbar nach der Fertigstellung publiziert wird. Außerdem werden bei diversen Open-Access-Zeitschriften – zum Beispiel der renommierten Zeitschrift „Atmospheric Chemistry and Physics“ des Copernicus-Verlages – öffentliche Begutachtungsverfahren praktiziert, bei denen bereits die Erstfassung ins Netz gestellt wird [11], während herkömmliche Verfahren oft sehr viel Zeit kosten. Insgesamt haben Open-Access-Zeitschriften damit einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil, der von immerhin der Hälfte der befragten Autor(inn)en positiv wahrgenommen wird.

Anders als Zeitschriften, die parallel gedruckt und elektronisch erscheinen, können rein elektronische die spezifischen Möglichkeiten dieser Publikationsform ausnutzen, zum Beispiel Links auf verwandte Literatur, sonstige Internet-Quellen und Primärdaten setzen sowie multimediale und interaktive Elemente einbinden. Überraschenderweise wurden Kommentier- und Aktualisierungsmöglichkeiten von den befragten Open-Access-Autorinnen und Autoren nicht sehr hoch als Vorteil bewertet; es könnte aber eine Frage der Zeit sein, bis sich Web-2.0Elemente aller Art etabliert haben und aus modernen Zeitschriften nicht mehr wegzudenken sind.

Ob Open-Access-Artikel häufiger zitiert werden als konventionell publizierte, ist eine kontrovers diskutierte Frage [12]. Vor dem Hintergrund, dass Open-Access-Befürworterinnen und Befürworter gerade deren erhöhte Sichtbarkeit und Verbreitung betonen, überraschte bei der Autorenbefragung, dass nur 6,37 % subjektiv den Eindruck hatten, besonders häufig zitiert worden zu sein.

Unbestritten ist aber, dass OpenAccess-Artikel schneller und leichter zugreifbar sind als kommerziell vertriebene, und zwar auch für benachteiligte Personengruppen. Das sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ärmeren Ländern, aber auch im eigenen Land wie

z. B. Arbeitslose und andere, die keinen Zugang zu universitären Netzwerken haben, sowie im Bereich der Medizin praktizierende Ärzte. Für die Ausbildung ist der freie Zugang zu Forschungsliteratur ebenfalls förderlich, außerdem zur Verbreitung von wissenschaftlichen Ergebnissen in der Öffentlichkeit. Wenn also unter Umständen nur wenig persönlicher Nutzen beim Open-Access-Publizieren festzustellen ist, so ist der kollektive Nutzen unbestritten hoch.

Schließlich spricht der Erfolg für sich: Die Autorinnen und Autoren, die bereits mehr als 10 Open-Access-Aufsätze veröffentlicht hatten, sahen deutlich mehr Nutzen darin als der Durchschnitt und antworteten durchweg positiver auf alle Fragen. Wer sich einmal zum OpenAccess-Publizieren durchgerungen hat, wird sehr wahrscheinlich wieder zu dieser Publikationsform zurückkehren.

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Abb. 3: Directory of Open Access Journals (URL: http://www.doaj.org/)

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Probleme von Open-Access-...

Motivation für Autorinnen...

Literatur ...

Literatur

[1] Schmidt, B.: Auf dem „goldenen“ Weg? Alternative Geschäftsmodelle für Open-Access-Primärpublikationen. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 54. H. 4-5, 2007, S. 177–182. http://eprints.rclis.org/archive/00012048/
[2]Sietmann, R.: Artikelbeschleunigung: neuer Schub für Open Access vom CERN. In: c’t, Nr. 16, 2008, S. 38–39.
[3]Elektronische Zeitschriftenbibliothek, Universitätsbibliothek Regensburg. http://www.bibliothek.uni-regensburg.de/ezeit/fl.phtml?bibid=UBR.
[6]Directory of Open Access Journals. http://www.doaj.org
[8]Red de Revistas Científicas de América Latina y el Caribe, España y Portugal, Sistema de Información Científica Redalyc. http://www.redalyc.org
[9]Weishaupt, K.: Der freie Zugang zum Wissen: auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel! Erste Ergebnisse einer Studie zur Akzeptanz von Open-Access-Zeitschriften. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 08/2008. http://www.iat.eu/ forschung-aktuell/2008/fa2008-08. pdf sowie Weishaupt, K.,: Vorbild Harvard in Deutschland unerreichbar? Oder: Wie lässt sich die Akzeptanz von Open-Access-Zeitschriften verbessern? In: Ockenfeld, Marlies (Hrsg.): Verfügbarkeit von Informationen: 30. Online-Tagung der DGI / 60. Jahrestagung der DGI, Frankfurt am Main, 15. – 17. Oktober 2008; Proceedings. Frankfurt: DGI, S. 87–96. http://www.iat.eu/aktuell/veroeff/ 2008/weishaupt06.pdf
[10]Herb, U.: Alte Hüte und neue Konzepte: Qualitätssicherung, Qualitätsmessung und Zitationshäufigkeiten. In: Telepolis, 08.11.2006. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/ 23/23829/1.html
[11]Pöschl, U.: Mehr Transparenz und Effizienz: interaktives Open Access Publizieren und gemeinschaftliche Fachbegutachtung. In: Forschung & Lehre 06, 2007, S. 334–335. http://www.atmospheric-chemistry-andphysics.net/pr_acp_mehr_transparenz_und_effizienz.pdf
[12]Eine Untersuchung mit positivem Ergebnis wird beschrieben in: Harnad, S. / Brody, T.: Comparing the Impact of Open Access (OA) vs. Non-OA Articles in the Same Journals. In: D-Lib Magazine 10, no. 6, 2004. http://www.dlib.org/dlib/june04/ harnad/06harnad.html Die gegenteilige Meinung wird dargestellt in: Davis, P. M. / Lewenstein, B. V. / Simon, D. H. / Booth, J. G. / Connolly, M. J. L.: Open access publishing, article downloads, and citations: randomised controlled trial. In: BMJ – British medical journal, Nr. 568, 2008, S. 337 ff. http://www.bmj.com/cgi/content/full/337/jul31_1/a568?q=rss_home