CMS Journal
Nr. 34
Mai 2011
Service
Metadaten
Hinweise
Weitere Artikel aus dem cms-Journal Nr. 34 finden Sie auf dem edoc-Server der Humboldt-Universität zu Berlin unter http://edoc.hu-berlin.de/cmsj/34
Copyright
Dieser Artikel ist ein Open Access Artikel und steht unter der Creative Commons Lizenz BY (siehe...).

Wir sind die AGNES


Juliane Schober
juliane.schober@cms.hu-berlin.de

Keywords

AGNES, Campusmanagement, HIS

Abstract

Angestoßen unter anderem durch den Bologna-Prozess wurden verschiedene Selbstbedienungsfunktionen für Studierende, Lehrende und Mitarbeiter der Verwaltung unter einer gemeinsamen Oberfläche eingeführt. Diese sollten insbesondere die erhöhte Belastung der Mitarbeiterinnen in den Prüfungsbüros ausgleichen, aber auch den Studierenden ein zeitlich flexibles Management ihres Studiums und einen transparenteren Einblick in ihr jeweiliges Curriculum ermöglichen. Mittlerweile wird das System von allen Fakultäten genutzt und bekam einen eigenen Namen: AGNES – Lehre und Prüfung Online.


AGNES – Wie alles begann

Im Jahr 1999 unterzeichneten 29 europäische Staaten in Bologna eine Erklärung zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums bis 2010. Der daraus resultierende Bologna-Prozess verfolgt im Hauptziel die Einführung international einheitlicher Abschlüsse. Um dies zu realisieren, mussten Studiengänge auf das europäische Kreditpunktesystem (ECTS) umgestellt und stärker als in Deutschland bisher üblich modularisiert werden. Das führte zu einer erhöhten Belastung der Prüfungsbüros, in vielen Studiengängen hat sich die Anzahl der Prüfungsleistungen verzehnfacht. Um dem stark gestiegenen Aufwand in der Prüfungsverwaltung entgegenzuwirken, beschloss die Humboldt-Universität zu Berlin 2001 die Verwirklichung eines elektronischen Prüfungsverwaltungssystems. Die Studierendenverwaltung war bereits mit Anwendungen der HochschulInformations-System GmbH (HIS GmbH) organisiert, welche unter dem Namen HISPOS1 auch eine Software zur Prüfungsverwaltung entwickelt hatte. Ende 2003 wurde vereinbart, dieses Prüfungsorganisationssystem universitätsweit zu realisieren. Da einige andere deutsche Hochschulen damals schon erfolgreich Selbstbedienungsfunktionen einsetzten und dadurch eine deutliche Verbesserung der Servicequalität erreichen konnten, beschloss man, auch an der Humboldt-Universität ein Selbstbedienungssystem für Studierende umzusetzen – das webbasierte Prüfungssystem HU-QIS2. [1,2,3]

Dieses wurde im Sommer 2005 als Pilotprojekt eingeführt und in den nächsten zwei Jahren immer mehr erweitert: Ende 2005 gab es die erste Prüfungsanmeldung über QISPOS3, ein Jahr später die erste Leistungsverbuchung über die Weboberfläche. Die erste Online-Bewerbung über QISZUL4 fand im Sommer 2006 statt, Anfang 2008 kam die Online-Adressänderung mit QISSOS5 dazu. Getrennt von HU-QIS startete 2007 mit LSF6 ein Pilotprojekt zur Einführung des Online-Vorlesungsverzeichnisses. [1,2]

Im Jahr 2008 wurden mit Ausnahme der Onlinebewerbung alle Selbstbedienungsfunktionen und LSF in einem Portal zusammengefasst, das den Namen AGNES erhielt. Im Laufe der Zeit hat das AGNES-Team noch zahlreiche Anpassungen am System vorgenommen, um die sich mitunter stark unterscheidenden Anforderungen der Fakultäten und Institute zu berücksichtigen. So können sich Studierende seit 2010 ihre Studienbescheinigung und Studienbuchseiten selbst erstellen. Das System AGNES wächst mit seinen Anforderungen.

Inhaltsverzeichnis

AGNES – Wie alles begann ...

Was bedeutet der Name AGN...

Was AGNES aus Studierende...

AGNES – Vor- und Nachteil...

Nutzung...

Ausblick...

Literatur ...


Was bedeutet der Name AGNES?

Direkt nach seiner Einführung sorgte der Name „AGNES“ unter den Studierenden noch für Verwirrung. Man fragte sich, ob es sich um eine Abkürzung handelt (z.B. A für Akademisches und S für System) oder ob man den Begriff, wie im Englischen,„Ägnes“ aussprechen sollte. Dabei war der Hintergrund ein ganz anderer. Das Onlineportal für Lehre und Prüfung wurde nach Agnes von Zahn-Harnack benannt, welche am 6. Oktober 1908 unter dem Namen Agnes Harnack als erste Studentin an der Philosophischen Fakultät der Berliner Universität immatrikuliert wurde. Die 1884 geborene Frauenrechtlerin war Mitbegründerin des Deutschen Akademikerinnenbundes, der sich zur Förderung universitärer Frauenbildung einsetzte. 1929 erhielt sie als eine der ersten deutschen Frauen einen Lehrstuhl. Inzwischen ist AGNES als Bezeichnung für das Studierendenportal der Humboldt-Universität zu Berlin ein fester Begriff für Studierende, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geworden. [7]

Inhaltsverzeichnis

AGNES – Wie alles begann ...

Was bedeutet der Name AGN...

Was AGNES aus Studierende...

AGNES – Vor- und Nachteil...

Nutzung...

Ausblick...

Literatur ...


Was AGNES aus Studierendensicht leistet

Um AGNES aus der Sicht der Studierenden zu betrachten, stellt man sich eine Beispielstudentin namens Tine Test vor, welche sich gerade immatrikuliert hat. Mit der Einschreibung ist sie berechtigt, sich einen HU-Account7 einzurichten, welcher ihr auch den Zugang zu AGNES ermöglicht.

Da sich über AGNES das gesamte Lehrangebot einsehen lässt, kann Tine sich jederzeit im Vorlesungsverzeichnis (Abbildung 1) oder in den Studiengangplänen informieren. Lehrveranstaltungen mit Online-Einschreibung, welche nicht teilnahmebeschränkt sind, können durch ein Vormerken direkt in den Stundenplan übernommen werden. Ist die Teilnehmerzahl begrenzt, bewirbt sie sich innerhalb des Belegungszeitraumes. Nach dem Ablauf dieser Frist gibt es ein Platzvergabeverfahren, welches die Plätze der gewünschten Veranstaltungen verteilt.

image

Abb. 1: Ansicht des Vorlesungsverzeichnisses

image

Abb. 2: Detailseite einer Veranstaltung

Die Studentin wird nach dessen Durchführung per E-Mail darüber benachrichtigt, ob sie einen Platz erhalten hat. Soweit das der Fall ist, hat der verantwortliche Dozent die Möglichkeit, sie per E-Mail zu kontaktieren und so z.B. über Terminänderungen zu informieren. Oftmals werden Lehrveranstaltungen von Kursen in Moodle8 begleitet. In solchen Fällen gibt es auf der Detailseite der Veranstaltung einen Link zu dem jeweiligen Moodle-Kurs (Abbildung 2).

image

Abb. 3: Anzeige des Prüfungsbaums

image

Abb. 4: Prüfungsanmeldung mit TAN-Eingabe

Neben der inhaltlichen Organisation bietet AGNES aber noch mehr. Tine kann sich ihre Studienbuchseite und auch die Studienbescheinigung selbst erstellen. Damit das Dokument auch ohne Stempel und Unterschrift gültig ist, wird ihm eine Verifizierungsnummer hinzugefügt. So können sich Behörden oder sonstige Einrichtungen nach Eingabe dieser Nummer auf einer AGNES-Seite von der Validität des Dokuments überzeugen. Die bisher beschriebenen Funktionen sind direkt nach der Immatrikulation – einen gültigen HU-Account vorausgesetzt – verfügbar. Für Dienste, die aus sicherheitsrelevanten Gründen die Eingabe einer TAN9 erfordern, wie z. B. das Bearbeiten der Kontaktdaten, bekommt Tine etwa einen Monat nach Semesterbeginn eine TAN-Liste per Post zugestellt. Mit diesen TANs ist sie nun berechtigt, ihre Adresse zu ändern und, was vermutlich noch wichtiger ist, Ihre Prüfungen zu organisieren.

Innerhalb von AGNES findet sie den Prüfungsbaum (Abbildung 3) vor, eine grafische Abbildung der Prüfungsordnung, der alle für den jeweiligen Studiengang vorgesehenen Module und die dazu gehörenden Prüfungen enthält. Innerhalb der Anmeldefrist hat sie nun die Möglichkeit, sich dort zu den gewünschten Prüfungen an- und innerhalb der Rücktrittsfrist auch wieder abzumelden.

Um die nötige Sicherheit zu gewährleisten, muss jede dieser Aktionen mit einer TAN bestätigt werden (Abbildung 4).

Die eingegebene TAN wird durch die Benutzung ungültig und ihr Gebrauch protokolliert. Gleichzeitig erzeugt das System für Tine Test mit der Anmeldung einen so genannten Leistungsdatensatz, in dem nach Ablegen der Prüfung auch ihr Ergebnis erfasst wird.

Alle Prüfungsanmeldungen kann sie unter dem Menüpunkt „Angemeldete Prüfungen“ einsehen. Sind die Prüfungsleistungen erbracht und verbucht, erscheint deren Eintrag in der Tabelle der angemeldeten Prüfungen nicht mehr, stattdessen finden sich die absolvierten Prüfungen nun im Leistungsspiegel wieder. Dieser fasst in separaten Ansichten die Leistungen des aktuellen und vergangenen Semesters sowie alle Leistungen, geordnet nach dem jeweiligen Studiengang, zusammen (Abbildung 5).

Neben den direkt im Portal AGNES verfügbaren Diensten findet Tine auch Links zur Benutzerberatung, zum Studentenwerk, zu Moodle und zu den Alumniseiten. [6]

Inhaltsverzeichnis

AGNES – Wie alles begann ...

Was bedeutet der Name AGN...

Was AGNES aus Studierende...

AGNES – Vor- und Nachteil...

Nutzung...

Ausblick...

Literatur ...


AGNES – Vor- und Nachteile der Selbstbedienung.

Der Verwaltungsaufwand, der sich aufgrund der mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen verbundenen Modularisierung in den Prüfungsbüros ergeben hat, wurde durch eine verstärkte Nutzung der Online-Funktionen für die Prüfungsverwaltung reduziert. Eine weitere Erleichterung konnte durch die Selbstgenerierung von Studienbescheinigungen und der Studienbuchseite erreicht werden. Waren die Studierenden vor der Einführung der Selbstbedienungsfunktionen noch auf die Öffnungszeiten des Prüfungsbüros angewiesen, können sie nun in den meisten Fällen die An- und Abmeldung orts- und zeitunabhängig selbst vornehmen. Die angemeldeten Prüfungen im Überblick und der Leistungsspiegel erleichtern die Studienorganisation zusätzlich. Auch bei der Online-Adressänderung spart Wartezeiten ein.

image

Abb. 5: Ansicht des Leistungsspiegels

Neben der Zeitersparnis für alle Beteiligten bewirkt die Selbstbedienung aber eine Verlagerung von Arbeitsschritten von der Hochschule zu den Studierenden, welche die Studierenden be- und die Universität entlastet. In gewisser Weise wird der entstehende Aufwand auf viele Schultern verteilt. Das kann aber nur funktionieren, wenn das System ausreichend performant und seine Bedienung für die Nutzerinnen und Nutzer nicht zu komplex ist. Gleichzeitig muss das System jedoch allen Anforderungen entsprechen, wobei die resultierende Komplexität einen Zielkonflikt zur Folge haben kann. Erst durch die Selbstbedienung entstehen somit Probleme, die die Hochschule bewältigen muss. Arbeitskraft, Hard- und Software müssen in den Aufbau und den Betrieb des Selbstbedienungssystems investiert werden. Auch können durch individuelle Studienverläufe Komplikationen entstehen. Weit arbeitsintensiver in der Lösung sind aber die Schwierigkeiten, welche die Masse und zunehmende Komplexität der Prüfungsordnungen und deren Abbildung im Prüfungsverwaltungssystem auslösen.

Generell lässt sich sagen, dass Selbstbedienung nicht immer nur zu einer Entlastung, sondern oft auch zu einer Änderung der Arbeitsorganisation führt. Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb sind natürlich eine ausgezeichnete Systemwartung und eine umfassende Nutzerbetreuung.[3]

Inhaltsverzeichnis

AGNES – Wie alles begann ...

Was bedeutet der Name AGN...

Was AGNES aus Studierende...

AGNES – Vor- und Nachteil...

Nutzung...

Ausblick...

Literatur ...


Nutzung

Die folgenden Zahlen illustrieren die aktuelle Nutzung von AGNES: Im Jahr 2010 nutzten 80% der Studierenden der Humboldt-Universität AGNES, was etwa 24.000 Studierenden entspricht. Aktuell sind mehr als 500 Prüfungsordnungen abgebildet. Im Sommersemester 2010 war für ca. 4.500 Prüfungen die Anmeldung möglich. Je Semester werden ca. 4.800 Veranstaltungen angeboten, von denen die Studierenden ein Viertel online belegen können. So führten im Sommersemester 2010 ca. 8.000 Studierende für etwa 1.200 Veranstaltungen 63.000 Belegungen durch. Die Webstatistik zeigt über 138 Millionen Zugriffe im Jahr 2010, wobei die höchste Zugriffszahl an einem einzelnen Tag bei 2,2 Millionen lag. [3]


Ausblick

Als 2010 das selbständige Erstellen der Studienbescheinigung ermöglicht wurde, konnte zunächst nur eine Bescheinigung für das jeweils aktuelle Semester erzeugt werden. Noch vor dem Erscheinen dieses Journals wird jedoch auch eine Erzeugung von Studienbescheinigungen für das kommende Semester möglich sein – eine korrekte Rückmeldung vorausgesetzt.

Derzeit müssen sich Studieninteressierte mit statischen Texten begnügen, welche auch auf verschiedene Internetseiten verteilt sind, wenn sie sich über das Studienangebot informieren möchten. Die Entwicklung einer Anwendung, die über eine Suche oder einen Dialog einen einfachen Zugang zum Studienangebot bietet, ist für 2011 geplant. Damit wird auch für die Studieninteressierten ein zentraler Einstiegspunkt für alle für die Studienentscheidung relevanten Informationen geschaffen. Sie sind besser informiert und können die Onlinebewerbung zielgerichteter durchführen.

Als erste Hochschule hat die Humboldt-Universität zu Berlin am 28. Januar 2008 einen Vertrag mit der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS-GmbH) über die Entwicklungs- und Pilotierungspartnerschaft von HISinOne im Campusmanagement geschlossen. HISinOne ist der Name der nächsten Generation der HIS-Systeme, die ein integriertes Campus- und Ressourcenmanagement bietet. Mit HISinOne werden im Bereich des Campusmanagement sowohl die Selbstbedienungsfunktionen für Studierende, Lehrende und Studieninteressierte als auch die Funktionen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung unter einem einheitlichen, intuitiv bedienbaren und barrierefreien Webportal zusammengefasst. [4]]

Inhaltsverzeichnis

AGNES – Wie alles begann ...

Was bedeutet der Name AGN...

Was AGNES aus Studierende...

AGNES – Vor- und Nachteil...

Nutzung...

Ausblick...

Literatur ...

Literatur

[1]Löser, Franziska; Bachmann, Michail: Prüfungsanmeldung per Internet – wie geht denn das? cms-journal Nr. 28, 27.02.2006
[2] Baron, Steffan: Integrierte Dienste für Studierende. cms-journal Nr. 29, 20.03.2007
[3] Rauschenberg, Ingo; Schilhanek, Lars: Selbstbedienung im Campusmanagement als Teil von Serviceorientierung? Vortrag Forum der HIS: Prüfungsverwaltung 2011 „Prüfungsverwaltung im Spannungsfeld zwischen Serviceorientierung und Rechtsvorschriften“ 27.-28.01.2011
[4]HISinOne, Integriertes Campus- und Ressourcen-Management 02|2011. http://www.his.de/presse/material/it/HISinOne.pdf
[5]Christine Schniedermann: HU wird erste HISinOne-Pilothochschule. Pressemitteilung vom 15.02.2008, http://www.hu-berlin.de/pr/pressemitteilungen/pm0208/pm_080215_01?set_language=en
[7]Constanze Haase: Who is Who an der Humboldt-Universität. http://www.hu-berlin.de/pr/publikationen/humboldt/200811/aktuell/whoiswho

Anmerkungen

1Prüfungsorganisationssystem der HIS GmbH
2„Qualitätssteigerung der Hochschulen im Internet durch Selbstbedienung“, die Adaption der Humboldt-Universität lautet HU-QIS
3Prüfungsorganisationssystem online
4Zulassungssystem online
5Studierendenorganisationssystem online
6Abkürzung für Lehre, Studium, Forschung, dient als Studieninformations-, Studienberatungs- und Planungssystem
7Zugangsberechtigung für das Nutzen elektronischer Dienste der Humboldt-Universität
8Abkürzung für Modular Object-Oriented Dynamic Learning Environment (modulare objekt-orientierte dynamische Lernumgebung). Gleichzeitig gibt es ‚to moodle‘, das bedeutet, nicht zielgerichtet zu sein, Dinge zu tun, wie es einem einfällt, ein unter- haltsames Herumpfuschen, welches oft zu Erkenntnis und Kreativität führt. Moodle hat sich allerdings schon früh vom doch sehr technischen Akronym gelöst und bezieht sich eher auf das Verb.
9Transaktionsnummer