5 Schlußfolgerungen und Ausblick

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Die vorliegende Arbeit zeigt, daß die lokale neuronale Noradrenalin-Frei-setzung eine wichtige Rolle in der Regulation der Lipolyse des humanen, abdominalen Fettgewebes spielt (Abb. 27). Geschlechtsspezifische Diffe- renzen in der Noradrenalinfreisetzung, wie sie anhand kardialer Unterschiede während systemischer Noradrenalin-Transporter-Hemmung gefunden wur- den, lagen nicht vor (106). In einer weiterführenden Studie soll mit diesem Ansatz geprüft werden, ob eine simulierte Mikrogravitation Auswirkungen auf die Funktion adrenerger Neurone in Fettgewebe und Skelettmuskel zeigt. Außerdem soll untersucht werden, ob eine Aktivierung des sympathischen Nervensystems bei Hypertonikern mit peripheren Änderungen der Noradrenalinfreisetzung assoziiert ist (122).

Abb. 27: Regulation der Lipolyse im humanen Fettgewebe. α2-AR: α2-Adrenozeptor, β1,2,3: β1,2,3-Adrenozeptoren, Gi: inhibierendes G-Protein, Gs: stimulierendes G-Protein, cAMP: 3´,5´-cyclo Adenosinmonophosphat, cGMP: 3´,5´-cyclo Guanosin- monophosphat, PDE-3B: Phosphodiesterase 3B, PKA: Proteinkinase A, PKG: Proteinkinase G, FFS: freie Fettsäuren, HSL: Hormonsensitive Lipase, TG: Triacylglyceride. NET: Noradrenalin-Transporter. Modifiziert nach Stich/Berlan 2004.

Die akute Applikation von Angiotensin II im subkutanen Fettgewebe hatte nur bei den Frauen einen schwachen indirekten Effekt auf die Lipolyse. Langzeitstudien, bei denen die Mikrodialysesonde mehrere Tage im Fettgewebe verbleibt, können zeigen, welchen Einfluß eine längerfristige Applikation auf den lokalen Stoffwechsel ausübt. Dabei sind Wechselwirkungen mit pharmakologischen Interventionen wie einer β-Adrenozeptor- oder AT1-Rezeptor-Blockade und Vergleiche zwischen Normo- und Hypertonikern von Bedeutung.

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Dopamin wirkte zumindest in pharmakologischen Dosen auf die Lipolyse im Fettgewebe. Weiterführende Studien mit physiologischen Dopamin-Konzentrationen werden demnächst starten, in denen untersucht wird, ob Dopamin tatsächlich eine regulatorische Funktion auf die Lipolyse im Fettgewebe hat. Beim Menschen beeinflußte eine Infusion mit niedrigen Dopamin-Dosen zumindest die systemische Lipolyse und den Energiestoffwechsel (123). Western-Blot-Untersuchungen sollen Kenntnisse zur Verteilung der Dopamin-Rezeptoren im humanen Fettgewebe bringen. Außerdem wird derzeit eine Studie initiiert, in der der lokale Fettstoffwechsel von Patienten mit idiopathischen Parkinson-Syndrom untersucht wird. Patienten mit Levodopa-Medikation zeigen z.T. hohe Schwankungen in der peripheren Plasma-Konzentration an L-Dopa, der Vorstufe des Dopamins (124). Die Studie soll mögliche Zusammenhänge zwischen der Wirkung von Dopamin im Fettgewebe und der typischen Körpergewichtsabnahme dieser Patienten aufzeigen (125).

Die Durchblutung und die Lipolyse verminderte sich bereits bei Normalgewichtigen mit zunehmender Fettgewebsdicke, wie bisher nur an Adipösen gezeigt werden konnte (54,56,57,111). In Zukunft sollte in Mikrodialysestudien die Hautfaltendicken der untersuchten Probanden berücksichtigt werden. Die Zellularität des dialysierten Gewebes konnte in der vorliegenden Arbeit nicht bestimmt werden. Eine Körpergewichts-reduktion geht mit einer verringerten Adipocytengröße bei konstanter Zellzahl einher (126). Studien, die Probanden jeweils vor und nach einer Gewichtsreduktion untersuchen, könnten die Ergebnisse dieser Arbeit bekräftigen. Zudem sollte geprüft werden, ob der lineare Zusammenhang zwischen Hautfaltendicke und Durchblutung auch im femoralen Fettgewebe vorliegt. Anders als im abdominalen Fettgewebe ist die Durchblutung im femoralen subkutanen Fettgewebe zumindest bei adipösen Kindern nicht vermindert (127).


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20.07.2006