Al-Kirshi, Abdul Gabbar Sultan: Untersuchungen zur biologischen Bekämpfung von Trogoderma granarium Everts, Trogoderma angustum (Solier) und Anthrenus verbasci L. (Coleoptera, Dermestidae) mit dem Larvalparasitoiden Laelius pedatus (Say) ( Hymenoptera, Bethylidae)

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Kapitel 1. Einleitung, Literaturübersicht und Aufgabenstellung

1.1. Einleitung

Die konventionellen Bekämpfungsverfahren gegenüber Vorratsschädlingen sind auf Grund der Resistenzbildung gegen viele chemische Schädlingsbekämpfungsmittel und der Rückstände der Chemikalien auf den behandelten Produkten sowie dem relativ hohen Kostenaufwand chemischer Bekämpfungsmittel mit erheblichen Prob-lemen verbunden.

Die Probleme bei der konventionellen Bekämpfung beispielsweise von Trogoderma granarium Everts (1898) haben ihre Ursachen in der Widerstandsfähigkeit der Larven gegen tiefe Temperaturen (Zacher, 1933; Hinton, 1945), Trockenheit (Hadway, 1956), Nahrungsmangel (Branes und Grove, 1916; Hinton, 1945) und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen verschiedene Insektizide (El-Lakwah, 1977a; 1977b). Deshalb ist dieser Schädling in vielen Ländern als Quarantäne-schädling eingestuft.

Die oben genannten Gründe machen die Suche nach alternativen Wegen im Rahmen der integrierten Bekämpfungsverfahren notwendig. In diesem Zusammen-hang gewinnt die Anwendungsmöglichkeit biologischer Gegenspieler, wie Präda-toren, Parasiten und Parasitoiden besonderes Interesse. Ziel ist die Verringerung des Wachstums der Schädlingspopulationen und damit die Verlustsenkung von gelagerten Produkten.

Die Einsatzmöglichkeiten von Parasitoiden zur Bekämpfung von Trogoderma spp. wurden bislang nicht ausreichend untersucht. Im Hinblick auf die Parasitierung von T. granarium liegen nur wenige Laboruntersuchungen zur Eignung von Hymeno-pteren als Parasitoide vor (Kapil und Chaudhary, 1973). Klein und Beckag (1990) führten eine vergleichende Untersuchung zwischen T. variabile Ballion und T. glabrum (Herbst) bezüglich ihrer Eignung als Wirt für die kleine Wespe Laelius pedatus durch. Der Parasitierungserfolg wurde an Hand der gesamten Anzahl der abgelegten Eier auf den Wirt, der Schlupfrate der adulten


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Wespen sowie der Wirkung ihres Giftes bei beiden Trogoderma-Arten gemessen. Der Parasitierungserfolg war bei T. variabile erheblich größer als bei T. glabrum. Nach Klein et al.(1991) ist der Parasitierungserfolg dabei sehr stark vom Gewicht und von der Größe des Wirtes abhängig.

Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit der Erforschung der Einsatzmöglichkeiten des Parasitoiden Laelius pedatus (Say, 1836) (Ameisenwespchen, Bethylidae) zur Bekämpfung von Vorrats- und Materialschädlingen der Gattung Trogoderma im Vergleich zu dem normalen Wirt Anthrenus verbasci L. Als Vertreter der Vorratsschädlinge wurde der Khaprakäfer T. granarium gewählt, der erhebliche Schäden, insbesondere bei gelagerten Getreideprodukten in den kleinbäuerlichen Betrieben der warmen Länder hervorruft. Vertreter der Materialschädlinge wurde auf Grund seiner wachsenden Bedeutung als Schädling in Wohnungen, Geschäfts-räumen, Apotheken und Museen Trogoderma angustum (Solier, 1849) gewählt.


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1.2. Literaturübersicht

1.2.1. Der Khaprakäfer Trogoderma granarium Everts

Der Khaprakäfer T. granarium ist ein Vorratsschädling, der vorwiegend im Lager vorkommt. Der Schädling verursacht große Verluste, insbesondere an gelagertem Getreide in den bäuerlichen Betrieben der Tropen und Subtropen. Die große wirtschaftliche Bedeutung von T. granarium regte Forscher zu umfangreichen Studien über seine Biologie, Morphologie, Verhalten usw. an.

1.2.1.1. Wirtschaftliche Bedeutung in den Tropen und Subtropen

Die Larven des Khaprakäfers sind die Verursacher der Schäden an Vorräten in den Tropen und Subtropen und führen dort zu hohen Verlusten. Sie ernähren sich von Getreide und Getreideprodukten, insbesondere Weizen, Gerste, Reis, Hirse und Mais sowie von toten Insekten und von anderen Produkten tierischer und pflanzlicher Herkunft, wie Haferflocken, Datteln, trockenen Feigen, Sojabohnen, Kokosnüssen, Milchpulver, Luzerne, trockenem Blut usw. (Lindgren und Vincent, 1959; Noon, 1958; Hopkins, 1955).

Die Getreidekörner werden bis auf die Schale durch die Larven ausgefressen, wodurch die Voraussetzungen auch für den Befall durch Sekundärschädlinge geschaffen werden können. Außerdem werden Verpackungsmaterialien verschie-dener Art wie Papier, Textilien, Holz usw. angefressen (Stein, 1986).

Die Larven von T. granarium fressen auch die Fasermaterialien der Getreidesäcke, so daß viele Löcher entstehen und bei langen Lagerungszeiten und starkem Befall dieses zu einem Zusammenstürzen gestapelter Säcke führen kann (Hayward, 1984). Diese Gefahr besteht besonders bei gelagertem Getreide vieler bäuerlicher Familien in den Entwicklungsländern. Von der gesamten Getreideernte, die etwa 1 bis 5 Tonnen pro Familie ausmacht, werden in vielen afrikanischen und arabischen Ländern mindestens 50 % für den eigenen Verbrauch gelagert. Der Rest wird verkauft.


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Die Verluste an gelagertem Getreide, die durch T. granarium verursacht werden, sind in den tropischen und subtropischen Ländern auf Grund der klimatischen, lagertechnischen und sozialen Bedingungen sehr groß. Die Gewichtsverluste von Getreide wurden für eine Lagerungsperiode von 12 Monaten in der afrikanischen Sahelzone beispielsweise auf 20 % geschätzt (Hayward, 1984). Befallene Produkte werden auf Grund der schlechten Qualität in der Regel nicht mehr für die menschliche Ernährung, sondern nur noch als Tierfutter verwendet. Für die Republik Jemen berichtete Geisthardt (1992), daß dort mehr als 6000 Säcke (Ein Sack = 50 kg) Weizen in einem bäuerlichen Gemeinschaftslager durch einen starken Befall mit T. granarium in einer Lagerungszeit von 9 bis 12 Monaten für die menschliche Ernährung unbrauchbar gemacht wurden. Diese Verluste betrug 22 % der gesamten Weizenernte dieser bäuerlichen Gemeinschaft (Anonymus, 1993).

Die Käfer können ohne Nahrungsaufnahme ihre normale Eizahl produzieren (Barnes und Grove, 1916). Die Larven vermögen trotz eines Nahrungsmangel sehr lang zu überleben. Überlebenszeiten der Larven von T. granarium bis zu einigen Jahren ohne Nahrung sind bekannt (Hinton, 1945). Die fakultative Diapause der Larven kann neben Nahrungsmangel durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, z. B. tiefe Temperaturen, extreme Feuchtigkeitswerte, Über-völkerung und Anreicherung von Ausscheidungen der Tiere (Hinton, 1945; Hadway, 1956).

Auf Grund des thigmotaktischen Verhaltens von T. granarium kann man die Larven gruppenweise an verschiedenen Stellen in den Lagerräumen wie beispielsweise zwischen gestapelten Säcken sowie zwischen den Säcken und der Lagerwand, finden. Die Larven können sogar in Risse und Öffnungen in den Wänden der Läger, die überwiegend aus Lehm und Holz gebaut sind, eindringen und dort ohne Nahrung für einige Jahre überleben (Hayward, 1984).


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1.2.1.2. Biologie und Verhalten

Temperaturen und Feuchtigkeit .

T. granarium ist ein wärmeliebendes Insekt. Die Larven können aber bei Adaptierung auch sehr tiefe Temperaturen tolerieren, so daß sie selbst bei -10° C einige Tage lang überleben können (Zacher, 1933). Sie stellen keine großen Ansprüche an Luft - und Substratfeuchtigkeit. Auch bei sehr trockenen Lager-produkten können die Verluste sehr hoch sein (Hayward, 1984).

Für seine normale Entwicklung benötigt T. granarium Temperaturen zwischen 25° C und 35°C. Die untere Grenze für die Massenvermehrung liegt bei 21° C und
1 % relative Luftfeuchtigkeit (Weidner; 1983). Aus diesem Grund kommt der Käfer in trockenen und warmen Gebieten häufig vor. In den gemäßigten Gebieten findet man T. granarium vor allem in Räumen, in denen längere Zeit höhere Temperaturen über 25° C herrschen, z. B. in Mälzereien sowie in Silos mit eingelagertem Getreide (Stein, 1986).

Licht

Obwohl die Weibchen des Khaprakäfers ihre Eier sowohl im Dunkeln als auch bei Licht legen können, wirkt eine Dauerbelichtung auf die Eiablage teilweise negativ (Stein, 1986).

Eiablage

Die Imagines von T. granarium leben nur kurze Zeit, und die Weibchen legen sämtliche Eier innerhalb von wenigen Tagen. Die Kopulation findet gleich nach dem Schlüpfen der Käfer statt. Die Anzahl abgelegter Eier ist temperaturabhängig und liegt bei optimalen Lebensbedingungen (30° C und 30 bis 40 % rel. Luftfeuchtigkeit) im Bereich von 30 bis 80 Eiern pro Weibchen (Hadaway, 1956). Bei Temperaturen unter 20° C ist das Weibchen nicht aktiv und legt keine Eier (Hadaway, 1956). Die Eiablage der Weibchen kann dagegen in allen Luftfeuchtigkeitsbereichen erfolgen, wobei höhere Luftfeuchtigkeiten bevorzugt werden.


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1.2.1.3. Bekämpfungsprobleme

Die konventionellen Bekämpfungsverfahren gegen T. granarium sind wegen der Widerstandsfähigkeit der Larven gegen tiefe Temperaturen und lange Hunger-perioden (Lindgren und Vincent, 1959) sowie gegen Insektizide (El-lakwa, 1977a; 1977b; Wohlgemuth et al., 1987) mit Problemen verbunden.

Bei ungünstigen Lebensbedingungen gehen die Larven von T. granarium in ein Ruhestadium (Diapause) über, können bis zu 4 Jahre in diesem Ruhestand bleiben und bei günstigen Bedingungen die Entwicklung weiter fortsetzen (Weidner, 1983). Der Stoffwechsel der Diapauselarven ist stark reduziert, dadurch sind sie gegen Begasung mit normaler Dosis unempfindlich (Weidner, 1983). Die Wider-standsfähigkeit der Larven gegenüber Insektiziden und niedrigen Temperaturen wird noch verstärkt durch das Überstehen längerer Hungerperioden (Lindgren und Vincent, 1959).

Die Eier des Khaprakäfers sind ebenfalls widerstandsfähig gegenüber höheren Temperaturen, so daß für eine 100 %ige Mortalität bei 50° C Einwirkzeit von 4 Stunden erforderlich waren, während innerhalb von 3 Minuten das gleiche Resultat erst bei Temperaturen oberhalb von 58° C erreicht werden konnte (Lindgren und Vincent, 1959).

Aus den genannten Gründen ist die konventionelle Bekämpfung des Khaprakäfers häufig mit Schwierigkeiten verbunden. In den letzten Jahren sind zahlreiche Forschungen zur Entwicklung neuer Strategien für die Bekämpfung des Schädlings vorgenommen worden. In Indien wurde beispielsweise die Wirkung pflanzlicher Stoffe, wie Neem (Azadirachta indica) in Form von Neemölextrakten aus Kernen und/oder Blättern; Extrakten aus Zitrusblättern (Citrus limon); Knoblauch (Allium sativum) und Ährenminze-Blättern (Mentha spicata) auf die Befallsminderung des Khaprakäfers in Weizen und in Sorghum untersucht (Jood et al., 1993 sowie 1996).

Über die Eignung von Parasitoiden zur Bekämpfung von T. granarium liegen nur wenige Angaben vor (Kapil und Chaudhary, 1973).


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1.2.2. Trogoderma angustum (Solier)

1.2.2.1. Wirtschaftliche Bedeutung

Mehrere Autoren haben in den letzten Jahrzehnten über die südamerikanische Art T. angustum und seine wachsende Bedeutung als Material- und Vorratsschädling in Europa in Wohnungen, Museen, Apotheken und Lagerräumen berichtet (Kemper und Döhring, 1963; Wegelius, 1965; Wohlgemuth, 1967; Wohlgemuth, 1975, Klaschka und Jung, 1975). Die Art wurde in den 20iger Jahren dieses Jahrhunderts von Chile über die Vereinigten Staaten nach Polen und Deutschland eingeschleppt. In Stettin wurde sie erstmals 1921 gefunden (Horion, 1960). Der Schädling konnte sich aber jahrelang nicht über bestimmte Gebiete hinaus verbreiten und kommt vor allem in Berlin und Hamburg vor. Nach Geisthardt (1982) ist die Verbreitung der Art heute in Deutschland nicht mehr auf Berlin und Hamburg beschränkt.

Funde aus anderen Gebieten Deutschlands wie Frankfurt, Köln, Mainz und Wiesbaden belegen in den letzten Jahren eine weitere Verbreitung (Geisthardt, 1982). In Süddeutschland wurde T. angustum auch Anfang der achtziger Jahre beobachtet (Künast, mündliche Mitteilung). Köhler und Klausnitzer (1998) berichteten über die Verbereitung von T. angustum in ganzen Deutschland mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern.

In warmen Jahreszeiten können die Käfer oft im Inneren von Häusern an den Fenstern beobachtet werden. Das ist ein Zeichen, daß sie zeitweilig positiv phototaktisch reagieren und ins Freie streben (Kemper und. Döhring, 1963).

Die wachsende Bedeutung dieses Insekts als Schädling, insbesondere in den oben genannten Einrichtungen, erfordert noch mehr Kenntnisse über seine Biologie, sein Verhalten und die Suche nach neuen geeigneten Bekämpfungsverfahren zur Besch-ränkung der hervorgerufenen Schäden.


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Wie bei T. granarium nehmen auch die Imagines von T. angustum fast keine Nahrung im Lager auf und sind deswegen als Schädlinge unbedeutend. Die Larven dagegen sind für Schädigungen an Lebensmitteln, Verpackungen und wissen-schaftlichen zoologischen Sammlungen verantwortlich.

1.2.2.2. Morphologie und Biologie

Eine ausführliche Beschreibung von T. angustum, zum Aussehen des Käfers, zum Geschlechtsdimorphismus und zu den verschiedenen Entwicklungsstadien sowie zu seinen Lebens- und Fraßgewohnheiten ist aus den Veröffentlichungen von Kemper und Döhring (1963), Keilbach (1966), Philipp (1968) und Weidner (1982) zu entnehmen. Das Männchen ist etwa 2-3 mm und das Weibchen 3-4 mm lang. Sie ernähren sich im Freien an Doldenblütlern und anderen Blütenpflanzen (Kemper und Döhring, 1963; Philipp, 1968). Bei Temperaturen unter 10° C legen die Weibchen keine Eier, während bei 15° C die Eiablage des Weibchens bereits durchschnittliche Werte wie bei höheren Temperaturen erreichen kann (Wohlge-muth 1967). Die Verpuppung erfolgt in der letzten Larvenhaut.

Die Larven sind stark beborstet (Abb.1). Die Larvenhaare sind von größerer Bedeutung bei der Verteidigung gegen natürliche Feinde, wie Parasiten, Parasitoide und Räuber (siehe Abschnitt 1.2.5.3.3). Anhand des Vorhandenseins oder des Fehlens von Pfeilhaaren an den Tergiten der Segmente des Abdomens können die unterschiedlichen Larvenstadien bestimmt werden (Philipp, 1968).


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Abb. 1: Larve von T. angustum, ein Material- und Wohnungs-schädling

Die Larven von T. angustum entwickeln sich auf einem breiten Nahrungsspektrum. Die Entwicklungsdauer wird aber sehr stark von der Temperatur und der Art der Nahrung beeinflußt.

Wohlgemuth (1967) gab folgende Mindestentwicklungs-zeiten an:

Bei 20°C und 60 % rel. Luftfeuchtigkeit betrugen die Mindestentwicklungszeiten auf Erdnußexpeller 108 Tage, auf Mais 121 Tage und auf Malz 125 Tage. Bei 25° C und 60 % rel. Luftfeuchtigkeit betrugen die Mindestentwicklungszeiten auf Haferflocken 53 Tage, auf Mais 92 Tage.

Wohlgemuth (1967) fand die beste Entwicklung der Larven auf Weizen, Haselnußkernen, süßen Mandeln, Erdnußexpellern, Trockenerbsen und Pollen.

Phillip (1968) gab die folgende Reihenfolge für eine optimale Entwicklung der Larven auf pflanzlicher Nahrung an:

Weizen, Roggen, Gerste, Reis, Mais, Haselnußkerne und Hafer.


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Diese stimmt mit der Liste von Kemper und Döhring (1963) zum größten Teil überein. Als tierische Nahrung verzehrten die Larven tote Insekten, Vogelfedern, getrocknete sezierte Mäuse, Taubenfleisch und getrocknetes Rindfleisch (Wohlgemuth, 1967; Philipp, 1968). Die Larven können ohne Nahrung mehr als drei Monate überleben (Klaschka und Jung, 1975).

1.2.3. Der Kabinettkäfer Anthrenus verbasci (L.)

Der Kabinettkäfer A. verbasci ist auch unter der deutschen Bezeichnung Wollkraut-blütenkäfer bekannt. Der Käfer ist 1,7- 3,2 mm lang und 1,1- 2,2 mm breit. Die Larve wird bis zu 4,5 mm lang, ist an der Oberseite braun und unten gelblich weiß gefärbt. Die Puppe bleibt in der Larvenhaut und ist etwa 2- 3 mm lang. Sie bleibt fast immer in der letzten Larvenhaut. Die Verbreitung der Art erstreckt sich über die ganze Welt (Kemper, 1935).

1.2.3.1. Nahrung und wirtschaftliche Bedeutung

Die Nahrung der Larven besteht aus Wollwaren aller Art und anderen trockenen tierischen Stoffen. In Mehl konnten die Tiere ebenfalls ihre Entwicklung durchlaufen (Kemper, 1935). In Wohnungen befallen sie in der Regel die Teppiche. Bei gleichzeitigem Angebot von toten Insekten und Wolle bevorzugen die Larven jedoch die toten Insekten (Kunike, 1938), was sie zu gefürchteten Schädlingen an Insektensammlungen in Museen macht (Zacher, 1927).

Die Larven des Kabinettkäfers zerstören ein breites Spektrum tierischer Produkte wie Wolle, Pelze und Leder sowie Produkte aus diesen Materialien (Zacher, 1932; Kunike, 1938,1939; Griswold, 1941). Yamada (1955) berichtete, daß A. verbasci in Japan der wichtigste Schädling in der Wollindustrie ist. Die Larven findet man in dem Nestmaterial von Vögeln (Kemper, 1950). In Wohnungen halten sich die Larven unter den Teppichen und in dunklen Ecken von Kleiderschränken auf. Die Larven zerstören auch Seidenstoffe (Back, 1923; Yokoyama, 1929).


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1.2.3.2. Biologie und Verhalten

Die Käfer sind von April bis August auf den Blüten bestimmter Pflanzen wie Spiraeen, Weißdorn und Eberesche zu finden (Kemper, 1950). Dort ernähren sich die Käfer bei Tageslicht von den Pollenkörnern und Blütennektar (Kemper, 1950). Die Kopulation erfolgt auch auf den Blüten (Griswold, 1941). Zur Eiablage suchen die Käfer Vogelnester, tote Tiere, Wolle, Ställe und auch menschliche Behausungen auf (Zacher, 1932; Yamada, 1955; Weidner, 1983). Die Eianzahl sowie die Dauer der Eientwicklung sind temperaturabhängig. Das Weibchen legt durchschnittlich 30 Eier, wobei ihre durchschnittliche Entwicklung bei 29° C etwa
10 Tage dauert (Griswold, 1941; Hinton, 1945). Die aus dem Ei schlüpfende Larve und fängt sofort an, Nahrung aufzunehmen (Griswold, 1941). Die Anzahl der Larvenstadien ist abhängig von der Nahrung, der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit (Hinton, 1945). Bei Zimmertemperaturen kann die vollständige Entwicklung der Larven bis zu einem Jahr dauern (Griswold, 1941). Die Puppe bleibt in der letzten Larvenhaut. Das Puppenstadium dauert bei 29° C etwa 7 Tage (Griswold, 1941).


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1.2.4. Biologische Schädlingsbekämpfung als wichtige Komponente der integrierten Verfahren im Vorratsschutz

1.2.4.1. Definition

Die biologische Schädlingsbekämpfung ist ein Teil des biologischen Pflanzen-schutzes. Der biologische Pflanzenschutz schließt nach Hoffmann et al. (1994) Verfahren ein, die sich unmittelbar gegen den Erreger richten, wie auch solche, die auf den Wirt gerichtet sind.

Franz (1961) definierte die biologische Schädlingsbekämpfung wie folgt:

" Alle Maßnahmen, die darauf hinzielen, mit Hilfe der Antagonisten den gegenwärtigen oder bevorstehenden Anstieg der Dichte einer wirtschaftlich unerwünschten Tier- oder Pflanzenart abzubremsen und das Dichteniveau dieses Schädlings unterhalb der Schadenschwelle zu halten".

Der Begriff ”Biologische Bekämpfung“ beinhaltet die Verwendung von Antagonisten zur Unterdrückung bzw. Vernichtung von Schädlingen, die mit dem Menschen und seinen Haustieren um die Nahrung konkurrieren. Antagonisten können Insekten-gegenspieler wie Prädatoren, Parasiten und Parasitoiden oder Pathogene, wie Pilze, Bakterien und Viren sein. Die Verwendung biologischer Gegenspieler ist im Grunde genommen nicht neu. Gegenwärtig erlangt diese Technik jedoch mehr an Interesse wegen der wachsenden Umweltbelastungen auch durch den Umfang des Einsatzes von Agro-Chemikalien.

Darüber hinaus verfolgt eine biologische Schädlingsbekämpfung folgende Ziele (Vergl. Franz, 1961):

In der Natur hat jeder lebende Organismus seine Gegenspieler. Diese halten das biologische Gleichgewicht durch die Vernichtung eines Teils der Population jenes Organismus unter Kontrolle (Stein; 1986).

Durch den umfangreichen Einsatz von Pestiziden werden diese biologischen Gleich-gewichtsreaktionen stark beeinflußt. Die Vernichtung von Schädlingen und Nütz-lingen führte unter anderem dazu, besonders wenn Schädlinge noch Resistenz gegen die chemischen Mitteln gebildet haben, daß beim Fehlen der entsprechenden Nützlinge, es zu einer Steigerung der Population der Schädlinge kommt.

Bei einer Existenz zahlreicher Gegenspielern in einer Lebensgemeinschaft mit den Schädlingen, bleibt die Wahrscheinlichkeit einer ungestörten Massenvermehrung der Schädlinge gering (Stein, 1986). Das ist aber nicht der Fall im Vorratslager, wo normalerweise eine artenarme Gemeinschaft herrscht (Stein, 1986). Dies gilt nicht bei den traditionellen Vorratslägern in den Tropen (Heines, 1984, Al-Kirshi 1996b), wo viele Arten auftreten.

Der Einsatz von biologischer Verfahren im Vorratsschutz beinhaltet die folgenden Aspekte (vergl. Arbogast, 1984):

  1. Einführung exotischer Gegenspieler zur Bekämpfung eines exotischen Schädlings (klassische Biologische Bekämpfung)
    Die Einführung exotischer Gegenspieler setzt neben der hohen Leistungsfähigkeit auch die Anpassungsfähigkeit der Gegenspieler-Art an die neuen Umwelt-bedingungen und ihre Harmlosigkeit gegenüber Nicht-Zielorganismen voraus. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Einführung von Teretriosoma nigrescens lewis nach Afrika zur Bekämpfung des Großen Kornbohrers Prostephannus truncatus (Horn).

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  2. Haltung und Vermehrung einheimischer Nützlingsarten
    Die Vermehrung einheimischer Arten von Gegenspielern hat den Vorteil, daß sie schon ein Teil der einheimischen Fauna sind. Hier soll die Population der Nützlinge gefördert und gezielt freigelassen werden, z. B. Freilassung von Insektenantagonisten oder Spritzen von mikrobielle Antagonisten.

Ein optimales Ausnutzen biologischer Gegenspieler im Vorratsschutz sollte beson-ders in einem integrierten Schädlingsbekämpfungssystem realisiert werden. Für den Vorratsschutz wurde dies von Reichmuth (1996) wie folgt definiert:

”Ein integriertes Schädlingsbekämpfungssystem (Integrated Pest Management) [IPM] in Vorratsschutz beinhaltet hygienische, technische, technologische und biotechnologische Methoden sowie biologische und chemische Bekämpfungs-maßnahmen. Dabei wird dem Schutz der menschlichen Gesundheit wie auch der Umwelt höchste Priorität eingeräumt. Darüber hinaus ist die entsprechende Wirtschaftspolitik ein weiteres Element von IPM im Vorratsschutz“

1.2.4.2. Einsatz von Entomophagen im Vorratsschutz

Ausreichende Informationen über die Biologie und das Verhalten der Gegenspieler sowie der Schädlinge sind Voraussetzung für einen wirksamen Einsatz von biologischen Verfahren zur Bekämpfung von Vorratsschädlingen. Die potentielle Leistung des Gegenspielers hängt aber auch von den im Vorratslager vorherr-schenden abiotischen Bedingungen ab.

In Abhängigkeit von ihrem Ernährungsverhalten sind die Parasitoiden und die Prädatoren entweder Generalisten oder Spezialisten (Bischoff, 1927; Schöller et al., 1997). Die Generalisten parasitieren verschiedene Wirtsarten, die systematisch weit entfernt stehen können. Die Prädatoren töten ihre Beute sofort und sind meistens Generalisten. Im Vorratsschutz sind zwei Prädatoren intensiv erforscht. Der erste ist die Wanze Xylocoris flavipes (Reuter), die sowohl die Eier als auch die Larven verschiedener Vorratsschädlinge parasitiert (Abdel-Rahman et al., 1978 - 1979; Arbogast et al., 1977, 1983; Awadallah und Tawfik,


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1972; Arbogast, 1975, 1976, 1978, 1979; Brower und Press, 1988, 1992; Brower und Mullen, 1990). Der zweite ist der Käfer Teretriosoma nigrescens Lewis (Rees, 1985, 1987, 1990; Helbig et al., 1992a ; Helbig et al., 1992b; Helbig 1995; Helbig und Schulz, 1996; Mutlu, 1994; Pöschko et al., 1992; Pöschko 1994; Böye et al., 1992), der ein großes Wirtsspektrum besitzt (Pöschko, 1993).

Die Spezialisten dagegen attackieren Wirtstiere, die sehr nahe verwandt sind. So attackiert L. pedatus beispielsweise nur Larven einiger Dermestidenarten wie Anthrenus und Trogoderma.

1.2.4.2.1. Nützlingsauswahl

In Abhängigkeit von den Lagerbedingungen sowie den gelagerten Produkten erfolgt die Auswahl geeigneter Gegenspieler für die Bekämpfung von Vorratsschädlingen. Gelagerte Waren, die durch einen oder mehrere nahe verwandte Schädlinge befallen sind, sollten durch einen spezifischen Gegenspieler geschützt werden. Für die Bekämpfung vorratsschädlicher Motten scheinen beispielsweise die Freilassung von Habrobracon hebetor Say, Trichogramma evanescens Westwood oder Venturia canescens (Gravenhorst) geeignet (Buchwald und Berliner, 1910; Press et al., 1977; Prozell et al., 1995, 1996; Schöller et al., 1997). Bei Befall der Waren durch Schädlingsarten, die systematisch weit auseinander liegen, ist bei biologischer Bekämpfung die Kombination der Freilassung von Spezialisten und Generalisten erforderlich (Press et al., 1982; Brower und Press, 1992).

1.2.4.2.2. Handhabung und Freilassungsmethoden

Der Umgang mit Nützlingen wie Parasitoiden und Prädatoren setzt umfangreiche Grundkenntnisse über die Biologie des Nützlings voraus. Die Nützlinge, die für die Bekämpfung des Schädlings in Frage kommen, müssen erst aus der einheimischen Fauna oder aus dem Ausland beschafft werden. Dann erfolgt die Züchtung, die Vermehrung und die Freilassung des Nützlings. Bei der Zucht spielen abiotische Faktoren, wie z. B. die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit sowie die


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Nahrung eine entscheidende Rolle. Da die Massenzucht von Nützlingen einige Wochen dauert, ist die Schädlingsprognose von Bedeutung. Der Einsatz von Pheromonfallen zur Früherkennung der Schädlinge kann eine erste Warnung für einen bevorstehenden Massenbefall liefern. Beim ersten Fang von Schädlingen in den Pheromonfallen soll von der Erhaltungszucht der Nützlinge möglich schnell eine Massenzucht aufgebaut werden. Die optimale Vermehrung der Nützlinge erfolgt in der Regel auf dem Wirtstier, welches von den einzelnen Nützlingsarten bevorzugt wird. Die Erhöhung der Anzahl der Nützlingsindividuen bei gleich bleibender Anzahl der Individuen des Schädlings führt zur Erhöhung der Vermehrung des Nützlings bis zum optimalen Nützling-Wirt-Verhältnis. Danach führt eine weitere Erhöhung der Anzahl der Nützlingsindividuen zur Senkung der Vermehrungsrate des Nützlings (Helbig, 1993; Wen und Brower, 1994). Das Beute-Räuber-Verhältnis von
100 : 10 bei Prostephanus truncatus und Teretriosoma nigrescens ermöglicht beispielsweise die besten Vermehrungsmöglichkeit für T. nigrescens (Helbig, 1993).

Je nach dem Leistungsvermögen der einzelnen Nützlinge und der Befallsstärke des Schädlings erfolgt die Bestimmung der Anzahl der Individuen, die freigelassen werden müssen. Dabei gibt es wiederum ein optimales Schädlings-Nützlings-Verhältnis. Für den Prädator Teretriosoma nigrescens und den Schädling Prostephanus truncatus beträgt das optimale Beute-Räuber-verhältnis, welches zu einer optimalen Verminderung der Anzahl der Schädlingsindividuen führen kann, unter den Bedingungen Togos 100 : 15 (Helbig, 1993).

Die Freilassungsmethoden, die im Gewächshaus zur Bekämpfung der Weißen Gewächshausfliege Trialeurodes vaporariorum mit der Schlupfwespe Encarsia formosa praktiziert werden (Schneller, 1994), können auch im Vorratslager ihre Anwendung finden. Karten mit Eiern des Eiparasitoiden Trichogramma evanescens werden in Berlin für die Bekämpfung von Motten im Kleinhandel eingesetzt (Prozell et al., 1995). Über die Freilassung von Teretriosoma nigrescens in der praktischen Bekämpfung von Prostephanus truncatus in Afrika berichteten mehrere Autoren (Helbig, 1993; Mutlu, 1994; Richter et al., 1997).


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Für eine erfolgreiche Schädlingsbekämpfung sollten die biologischen Verfahren mit anderen, konventionellen Methoden verträglich sein. Die Kombination von Pestiziden und Gegenspielern ist von Heinse (1984) diskutiert worden. Die effektive Wirkung von H. hebetor im Lager, mit geringerem Anteil (< 2,0 ppm) an Malathion, wurde von Keever et al. (1986) festgestellt. Baker und Weaver (1993) fanden gegenüber Malathion resistente Stämme von Anisopteromalus calandrae (Howard).

Smith (1993) berichtete über die Freilassung und die Wirksamkeit von A. calandrae insbesondere bei hohen Temperaturen. Flinn und Hagstrum (1996) gaben weitere Beispiele für die Integration des Einsatzes von Gegenspielern in Verbindung mit anderen Bekämpfungsmethoden.

1.2.4.2.3. Eignung traditioneller Läger in den Tropen für den Einsatz von Nützlingen

Der Einsatz biologischer Verfahren, wie die Anwendung von Parasitoiden zur Bekämpfung von Vorratsschädlingen findet seine Effektivität besonders dort, wo die konventionellen Bekämpfungsverfahren nicht oder sehr begrenzt praktikabel sind, wie z. B. bei den kleinbäuerlichen Betrieben in den Tropen und Subtropen. Die Baustruktur der Läger, deren Wände, Fenster und Türen nicht ausreichend dicht sind, erschwert so den Einsatz von Begasungsverfahren.

Aufgrund der begrenzten Kenntnisse der Landwirte über die Biologie der Schädlinge sowie wegen der Armut auf dem Lande scheitern meistens die Empfehlungen zum Aufbau moderner Vorratsläger. Von den meisten Landwirten wird der Befall und das Schädlingsauftreten als eine natürliche und unvermeidliche Tatsache angesehen. Wegen des Ausbleibens chemischer Verfahren ist das Vorkommen einheimischer Gegenspieler relativ hoch (Heines, 1984).

Diese Bedingungen unterstützen die Überlegungen zur Förderung des Einsatzes von Parasitoiden im Vorratsschutz in den Tropen zur Verhinderung des Populations-wachstums der Schädlinge.


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1.2.4.2.4. Unterdrückung des Populationswachstums

Der Einsatz biologischer Gegenspieler hat das Ziel, die Schädlingspopulation unterhalb einer wirtschaftlichen Schadensschwelle zu halten. Das erfolgt entweder über die Verhinderung des Populationswachstums oder die Unterdrückung der Population der Schädlinge. Tabelle 1 zeigt die Verminderung der Populationen einiger Vorratsschädlinge durch den Einsatz von Gegenspielern. Die Daten wurden in Feld- oder Laboruntersuchungen gewonnen. Die Verminderung des Populations-wachstums schwankt zwischen 20 % bis über 95 % in Abhängigkeit vom Leistungs-vermögen der einzelnen Nützlinge sowie den Schädlingsarten und Untersuchungs-methoden. Teretriosoma nigrescens konnte beispielsweise die Population von P. truncatus im Maislager um 73 % bzw. 80 % in zwei nacheinander folgenden Lagerungsperioden (Muhltu, 1994) unterdrücken. Das Populations-wachstum von Sitophilus zeamais konnte durch den Einsatz von Anisopteromalus calandrae bis zu 50 % unterdrückt werden (Williams und Floyed, 1971). Dagegen konnte der Prädator Xylocoris flavipes die Schädlingspopulation von Oryzaephilus surinamensis vollständig auslöschen (Arbogast, 1976). Ähnlich hohe Resultate wurde bei der Speichermotte Ephestia cautella durch den Einsatz von Habrobracon hebetor oder durch Venturia canescens erzielt (Press et al., 1982).


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Tab. 1: Unterdrückung des Populationswachstums einiger Vorratsschädlinge durch den Gegenspieler im Vergleich zum Wachstum der Schädlingspopulation ohne Gegenspieler (Nach verschiedenen Autoren)

Schädling

Nützling

Verhältnis

Parasit : Wirt

Populations-unterdrückung in %

Autor

Ephestia cautella

Habrbracon hebetor

Venturia canescens

-

-

97

92

Press et al., 1982

Oryzaephilus surinamensis

Xylocoris flavipes

-

97 bis 99

Arbogast, 1976

Plodia interpunctella

Habrbracon hebetor

-

74

Press et al., 1974

Prostephanus truncatus

Teretriosoma nigrescens

-

73 bis 80

Mutlu, 1994

Rhyzopertha dominica

Choetospila elegans

-

88

Flinn et al., 1994

Sitophilus oryzae

Anisopteromalus calandrae

1 : 240

1 : 24

47

95

Press et al., 1984 Zit. aus: Cline et al., 1985

Sitophilus zeamais

Anisopteromalus calandrae

-

-

25 bis 50

> 90

Williams & Floyd, 1971

Wen & Brower, 1994

Sitophilus zeamais

Choetospila elegans

-

> 50

Williams & Floyd, 1971

Tribolium castaneum

Xylocoris flavipes

-

20 bis 80

Press et al., 1975

Trogoderma granarium

Laelius pedatus

1 : 25

ca. 73

Al-irshi et al., 1996a


20

1.2.5. Bedeutung der Bethyliden als Parasitoide im Vorratsschutz

Die Imagines der auch als Ameisenwespchen bezeichneten Familie der Bethylidae, sind kleine Insekten mit einer Körpergröße von 1 bis 10 mm (Evans, 1964). Die Imagines ernähren sich von der Hämolymphe des Wirtstieres. Deswegen lähmen einige Arten ihre Beute nur für Ernährungszwecke (Evens, 1964), obwohl die Lähmung des Wirtes bei den meisten Arten auch die Eiablage vorbereitet (siehe Abschnitt 1.2.5.3.4). Bischoff (1927) hat den allgemeinen Körperbau der Ameisenwespchen mit den folgenden Sätzen beschrieben: " Kopf meist prognath, Aderung reduziert, Flügel häufig fehlend. Mittelsegment lang....".

Die Wespen besitzen ein charakteristisches Aussehen, so daß man sie von den anderen Hymenopteren leicht unterscheiden kann. Diagnostische Merkmale der Bethylidae (nach Kieffer, 1914) sind:


21

Beispiele einiger Gattungen der Familie der Bethylidae, die für den Vorratsschutz von Bedeutung sind, sind aus der Tabelle 2 zu entnehmen.

Tab. 2: Einige Gattungen der Familie der Bethylidae mit besonderer Bedeutung im Vorratsschutz

Gattung

Wirt

Vorkommen

Literatur

Cephalonomia

Cryptolestes spp. Oryzaephilus spp.

Europa, Hawaii, Serilanka und Nordamerika

Kieffer, 1914

Kurian, 1954; Evans, 1964

Holepyris

Lepidoptera

Coleoptera

Europa, Hawaii und Nordamerika

Kurian, 1954; Evans, 1964

Scleroderma

Anobiidae spp. Bruchidae spp.

Hawaii, Japan

Yamada, 1955

Epyris

Tenebrionidae

Afrika, Hawaii

Yamada, 1955

Laelius

Dermestidae vor

allem Anthrenus und Trogoderma spp.

Nord- und Südamerika, Europa, Nordafrika, Nah- und Fernost

Kieffer, 1914

Kurian, 1954, Evans, 1964 und Gordh und Móczár, 1990

Goniozus

Lepidoptera

Indien, Philipien, Hawaii, Japan

Kurian, 1954


22

1.2.5.1. Systematische Stellung der Gattung Laelius innerhalb der Familie der Bethylidae

Bridwell (1920) hat die Bethylidaen nach ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem Verhalten in drei Gruppen gegliedert:

  1. Die Epyris-Gruppe ernährt sich sowohl von süßen Säften als auch von den Körperflüssigkeiten des Wirtes. Charakteristisch bei dieser Gruppe ist, daß das Weibchen nur ein Ei pro Wirtstier ablegt und das gelähmte Wirtstier in ein Versteck fortgeschleppt wird. Vertreter dieser Gruppe stammen aus den Gattungen Epyris, Holepyris usw.
  2. Die Goniozus-Gruppe, deren Vertreter Schmetterlingsraupen attackieren, legen normalerweise mehr als ein Ei auf das Wirtstier. Die Wirtslarven werden nicht von der Wespe fortgeschleppt. Die Wespen ernähren sich von zuckerhaltigen Säften. Vertreter dieser Gruppe sind Arten aus den Gattungen Goniozus, Perisierola, Sierola, Laelius usw.
  3. Die Sclerodermus-Gruppe. Die Imagines dieser Gruppe ernähren sich ausschließlich von dem fließenden Saft aus der Stichwunde des Wirtes. Die attackierte Beute verbleibt dort, wo sie angegriffen wurde und wird nicht verschleppt. Es werden auf einem Wirtstier mehrere Eier abgelegt. Vertreter sind Arten aus den Gattungen Cephalonomia, Scleroderma, Allepyris usw.

Nach Kieffer (1914) unterscheidet sich die Gattung Laelius von der Gattung Allepyris nur durch folgende Merkmale:

”Auge kahl bei den europäischen Arten, behaart bei den nordamerikanischen. Mediansegment mit 1-5 Längsleisten. Flügel ohne Pterostigma.."

Bei seiner Gliederung der französischen Bethylidaen wurde die Gattung Laelius nach Berland (1928) zusammen mit den Gattungen Alleyperis, Scleroderma, Parascleroderma, Glenosema, Cephalonomia und Ateleopterus der Unterfamilie der Scleroderminae zugeordnet.

Die Stellung der Gattung Laelius innerhalb der amerikanischen Bethylidaen ist aus der Abbildung 2 zu beziehen.


23

Abb. 2: Die Stellung der Gattung Laelius innerhalb der amerikanischen Bethylidaen (Nach Evans, 1964, verändert)


24-25

1.2.5.2. Verbreitung der Gattung Laelius

Nach Gordh und Mószár (1990) ist die Gattung Laelius in Europa (8 Arten), in Nordamerika (6 Arten), in Südamerika (3 Arten), in Indien (2 Arten), in Algerien
(1 Art) und in Israel (1 Art) verbreitet. Auf Grund des Fehlens faunistischer Erhebungen in vielen Ländern ist zu erwarten, daß die Gattung Laelius an anderen Orten der Welt vorhanden, insbesondere dort wo die Wirte Anthrenus und Trogoderma vorkommen. Tabelle 3 gibt einen Überblick über die Verbreitung der Gattung Laelius in der Welt.

Tab. 3: Die Verbereitung von Laelius spp. in der Welt.

Art

Vorkommen

Wirt

Literatur

L. anfractuosus Benoit, 1952

Algerien

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

L. agraensis Kurian, 1955

India

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

L. anthrenivorus Trani, 1909

Frankreich, Italien, Rumänien

Dermistidae:

Anthrenus museorum (L), Anthrenus verbasci (L.)

Vance und Barker, 1932

L. bipartitus Kiefer, 1906

Frankreich

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

Bethylus centratus Say, 1836

Kanada, Mexiko und USA

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

L. trogodermatis Ashmead, 1893

Kolombien

unbekannt

Muesebeck, 1939

L. occidenalis Whittaker, 1929

Chile, Colombien und Kanada

Dermestidae: Anthrenus pimpinellae (Fab.), Trogoderma tarsale, Trogoderma parabile Beal. T. simplex Jayne, T. inclusum LeConte (T. versicolor Creutzer)

Kieffer, 1914; Muesebeck, 1939; Evans, 1964; Gordh und Móczár, 1990

L. elisae Russo, 1938

Italien

Scolytidae: Leperisinus fraxini (Panzer) Phloeotribus scarabaeoides (Bern.)

Gordh und Móczár, 1990

Bethylus femoralis Förster, 1860

Deutschland, Schweden und Finnland

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

L. fulvipes Kiefer, 1906

Israel, Italien, Rumänien und Spanien

unbekannt

Kieffer, 1914; Gordh und Móczár, 1990

L. nudipennis Brues, 1933

Fossil in Baltischen Bernstein an dem Olgozän

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

L. pallidus Brues, 1933

Fossil in Baltischen Bernstein an dem Olgozän

unbekannt

Gordh und Móczár, 1990

Bathylus pedatus Say, 1836

Brasilien, Kanada, Mexiko, USA

Dermestidae:

Anthrenus verbasci (L.), Anthrenus vorax Waterh, Trogoderma angustum (Solier), T. variabile Ballion, T. glabrum (Herbst) T. granarium Everts, T. inclusum LeConte = (T. versicolor Creutzer), Trogoderma parabile Beal

Muesebeck, 1939; Mertins, 1980; Klein und Bekage, 1990,
Al-Kirshi et al., 1995,
Al-Kirshi et al., 1996a,

L. perrisi Kiefer, 1906

Frankreich

unbekannt

Berland, 1928; Gordh und Móczár, 1990

Bethylus rufipes Förster, 1860

Deutschland, Frankreich

unbekannt

Berland, 1928; Gordh und Móczár, 1990

L. simplex Evans, 1978

USA

Dermestidae: Trogoderma simplex Jayne

Evans, 1978; Gordh und Móczár, 1990

L. tibialis Kiefer, 1906

Frankreich

unbekannt

Berland, 1928; Gordh und Móczár, 1990

L. utilis Cockerell, 1920

Kanada, Schweden, USA

Bruchidae: Bruchus brachialis Farh. Dermestidae: Anthrenus fuscus Oliver, Anthrenus flavipes LeConte, Anthrenus verbasci (L.), T. variabile Ballion, T. inclusum LeConte = (T. versicolor Creutzer)

Muesebeck 1939; Evans 1964; Evans, 1978; Mertins, 1985

L. voracis Muesebeck, 1939

Indiena, USA

Dermistidae: Anthrenus verbasci (L.), Anthrenus vorax (Waterhouse) Attagenus spp.

Muesebeck, 1939; Back, 1940; Ayyappa und Chema ,1952; Gordh und Móczár, 1990


26

1.2.5.3. Der Parasitoid Laelius pedatus (Say)

In der Familie der Bethylidae leben zahlreiche Arten als entomophag (Bischoff, 1927). Die Parasitierung wird aber nicht von den vollentwickelten Imagines, sondern vielmehr von Individuen der einzelnen Larvenstadien vorgenommen. Parasitierung durch die Parasitoidenlarven führt zwangsläufig zum Absterben des Wirts. Im Unter-schied zu Parasiten, deren Wirte nicht unbedingt durch die Parasitierung absterben, bezeichnete Reuter (1913, Zit. aus Bischoff, 1927) Individuen, die den Wirt durch die Parasitierung abtöten als ”Parasitoide”.

Synonyme für L. pedatus

Bei Muesebeck (1939) sowie bei Gordh und Mószár (1990) findet man folgende Synonyme:

Bethylus pedatus Say, 1836.

Ateleopterus nubilipennis Ashmead, 1887.

Laelius tricarinatus Ashmead, Bull. U. S. Natl. Mus. 45 : 51, 1893.

Laelius rufipes Ashmead, Bull. U. S. Natl. Mus. 45 : 51, 1893.

Laelius nigripilosus Ashmead, Bull. U. S. Natl. Mus. 45 : 52, 1893.

Bethylus constrictus Ashmead, Bull. U. S. Natl. Mus. 45 : 53, 1893.

Laelius ashmeadi Kieffer, 1908.

Laelius fumipennis Brues, Bull. Wisc. Soc. Nat. Hist. 8 (1) : 45, 1910.

Laelius foersteri Kieffer, 1914.

1.2.5.3.1. Morphologie und Verhalten

L. pedatus ist eine kleine Wespe mit glänzend schwarzem Körper (Abb. 3) und mit durchschnittlicher Körpergröße von ca. 3 mm bei den Weibchen und ca. 2,3 mm bei den Männchen (Mertins, 1980). Männchen und Weibchen sind beide geflügelt. Es ist sehr einfach, die beiden Geschlechter wegen ihres Sexualdimorphismus mit bloßem Auge zu unterscheiden. Bei den Männchen bedecken die Flügel das ganze


27

Abdomen, während diese bei den Weibchen viel kürzer sind. Am Thorax, Abdomen und zum Teil auch am Kopf befinden sich harte glänzende Borsten. Die Flügel sind mit vielen Adern und Borsten versehen. Die radialen Adern an den Flügeln sind sehr kurz (Abb. 4). Der maxillare Palpus besteht aus sechs Segmenten, der basale und der labiale Palpus jeweils nur aus drei sehr kurzen Segmenten (Evens, 1978).

Abb. 3: Das Weibchen L. pedatus attackiert die Larve von T. angustum


28

Abb. 4: Flügel von L. pedatus im Vergleich zu anderen Arten von Bethylidaen (Aus: Evens, 1978) A= Pristocera armifera (Say)
B= Pseudisobrachium prolongatum (Provancher)
C= Laelius pedatus (Say)
D= Glenosema crandalli Evens
E= Cephalonomia tarsalis (Ashmead)
F= Plastanoxus laevis (Ashmead)
G= Scleroderma macrogaster (Ashmead)
H= Prorops nasuta Waterston


29

Einen Schlüssel zur Beschreibung von L. pedatus mit den morophologischen Unter-schieden zu anderen Laelius- Arten findet man in Evans (1978). Einen morphol-ogischen Vergleich von L. pedatus gegenüber L. utilis Cockerell finden wir bei Mertins (1985).

Erste Untersuchungen zum Entwicklungszyklus von L. pedatus und zum Aussehen der verschiedenen Entwicklungsstadien wurden von Mertins (1980) veröffentlicht. Er verwendete bei seiner Untersuchung den Wollkrautblütenkäfer Anthrenus verbasci als Wirtstier.

Yamada (1959) untersuchte ausführlich die Biologie und das Verhalten von Allepyris microneurus Kieffer. Seine Beschreibungen über Biologie und Verhalten sowie das Aussehen der verschiedenen Entwicklungsstadien dieser Art ähneln Angaben über L. pedatus.

Die normalen Wirte dieser Wespen stammen aus der Familie der Dermestiden wie die Gattungen Anthrenus (Vance und Parker, 1932; Muesebeck, 1939; Back, 1940; Ayyoppa, 1952; Mertins 1980, 1982, 1985) und Trogoderma (Muesebeck, 1939; Klein und Beckage, 1990; Klein et al., 1991; Al-Kirshi et al., 1996a) sowie Thaumaglossa (Iwaski et al., 1996). Kieffer (1914) berichtet über 3 französische Arten von Laelius und deren mögliche Akzeptanz andere Wirte unter den Coleopteren, wie Bostrichiden, Anaboiiden und Cerambyciden.

Eine ausführliche Beschreibung zur Biologie von L. pedatus wird im Abschnitt 3.2 auf Seite 62 ff. gegeben.

1.2.5.3.2. Angrifsfähigkeit des Parasitoiden

Sowohl das begattete als auch das unbegattete Weibchen von L. pedatus attackieren ihre Wirtslarven gleich nach dem Schlüpfen aus dem Kokon (Al-Kirshi, unveröffentlicht). Die Antennen befinden sich ständig in Bewegung, insbesondere wenn ein Wirt sich an der Nähe der Wespe befindet.

Die Wirtserkennung wird vom Weibchen vermutlich durch bestimmte Geruchstoffe des Wirtes vollzogen (Qi und Burkholder, 1990). Attagenus fasciatus Thunberg


30

und Dermestes maculatus De Geer werden beispielsweise von vornherein von den Weibchen nicht berührt (Al-Kirshi, unveröffentlicht).

Nach dem Schlüpfen aus dem Kokon begibt sich das Weibchen von L. pedatus gleich auf die Suche nach dem Wirt. Sobald das Weibchen ein geeignetes Wirtstier findet, springt die Wespe auf den Rücken des Wirtes und befestigt sich dort mit ihren 6 Tarsi und den Mandibeln (Mertins, 1980). Die Wespe beißt sich mit den Mandibeln an den Antennen des Wirtes fest, krümmt ihr Abdomen sehr stark ventral zur Unterseite des Wirtes und sticht in die Thoraxregion. Durch das Stichen wird ein Giftsubstanz im Körper des Wirtes gespritzt, wodurch zum Lähmen des Wirtes führt.

1.2.5.3.3. Verteidigungsmechanismus des Wirtes

Der Wirt versucht, diesem Angriff zu entkommen und kämpft um sein Überleben, indem er mit seiner Körperunterseite, an der ein großes Büschel von Pfeilhaaren befestigt ist, den Parasitoid kräftig schlägt.

Die Larvenhaare vieler Dermestiden haben die Hauptfunktion, die Larven in den verschiedenen Entwicklungsstadien gegen Räuber, Parasiten und Parasitoide zu schützen. Bereits Reitter (1911) erwähnte die dorsalen, gegliederten Pfeilspitz-haare (Hastisetae), welche in der Ruhe schräg nach innen und hinten gerichtet sind und strahlenförmig ausgebreitet werden können. Bei der geringsten Berührung richtet sich das Abdomen der Larve auf den Angreifer, führt schlagende Bewe-gungen aus und versucht den Feind mit den Haarbüscheln kräftig zu schlagen (Nutting und Spangler, 1969; Ma et al., 1978), so daß sich die Pfeilhaare leicht in Massen lösen (Abb.5). Da die Hastisetae öfter und in großen Mengen aus dem Körper der Larven gelöst werden, zieht ein Haar durch Verhaken das folgende mit sich, so daß sie zusammen Netze bilden, die ein Problem für Feinde, insbesondere kleine Räuber sein können. Die Räuber verwickeln sich in den Haaren, wodurch zu ihrem Absterben führen kann. Die Haare gelangen auch an Mundwerkzeuge und Beine räuberischer Insekten, die sich ihrer nur schwer entledigen können (Horion, 1949; Nutting und Spangler, 1969). Die Pfeilhaare besitzen also eine Abwehrfunktion gegen Parasiten und kleinere Prädatoren.


31

Diese Schutzfunktion verliert auch bei den anderen Enwicklungstadien nicht ihre Bedeutung, weil die Verpuppung bei der Übergang zum Imaginalstadium bei vielen Dermestiden in der letzten Larvenhaut stattfindet (Hinton, 1945).

Abb. 5: Das Weibchen L. pedatus verwickelt mit einem Büschel von Haaren der Wirtslarven

1.2.5.3.4. Vorbereitung des Wirtes für Eiablage

Nach dem Überwältigen des Wirtes, bereitet die Wespe den Wirt für die Eiablage vor. Abb. 6 zeigt den Verlauf der Vorbereitung der Wirtslarve für die Eiablage. Mit dem Stich wird eine Substanz in den Körper des Wirtes gespritzt, wodurch eine Lähmung des Wirtes hervorgerufen wird. Diese Lähmung durch Laelius spp. und durch nahe verwandte Wespen führt meistens zur Abtötung der Wirtslarven (Ayyapppa, 1952, Yamada, 1955). Nach der Lähmung erfolgt ein Abtransport des Wirtes. Das Weibchen beißt sich weiter an den Antennen des Wirtes fest und läuft dabei wegen der schweren Last<1> rückwärts bis sie eine geeignete Stelle für die


32

weitere Vorbereitung des Wirtes findet. Das nächste Vorgehen bei der Vorbereitung für die Eiablage ist die lokale Enthaarung des Wirtes an der Stelle, wo die Eier abgelegt werden sollen. Diese Stelle befindet sich an der Unterseite des Wirtes zwischen dem dritten Toraxsegment und dem fünften Segment des Abdomens. Es wurde beobachtet, daß eine größere Stelle enthaart wird, als für die Eiablage erforderlich ist. Die Eier werden dann normalerweise an den ersten drei Abdominal-segmenten abgelegt.


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Abb. 6 Verlauf der Vorbereitung der Wirtslarve für die Eiablage und anschließende Parasitierung


34

1.3. Aufgabenstellung

Die potentielle Leistung der ektoparasitischen Wespe L. pedatus sollte im Zusamm-enhang mit dem möglichen Einsatz zur biologischen Bekämpfung von vorrats-schädlichen Demestiden der Gattungen Trogoderma und Anthrenus untersucht werden. In der Literatur findet man einige Informationen über die Biologie und das Verhalten des Parasitoiden (Mertin, 1980; Klein und Beckage, 1990; Klein et al., 1991). Es liegen bisher jedoch noch keine Untersuchungen über das Leistungsvermögen des Parasitoiden im Hinblick auf einen möglichen Einsatz für die Bekämpfung der genannten Vorratsschädlingen vor.

Die vorliegenden Untersuchungen befassen sich deshalb mit nachstehenden Versuchsfragen:

Inwieweit kann der Parasitoid L. pedatus für die Bekämpfung von Trogoderma granarium und T. angustum eingesetzt werden ?

Um eine Antwort für diese Versuchsfrage zu finden, müssen eine Reihe von Untersuchungen zur Biologie und zum Verhalten des Parasitoiden sowie zur Wechselbeziehung zwischen Parasitoiden und Wirten durchgeführt werden.

Zielstellung der Arbeit war von Anfang an die biologische Bekämpfung des Khaprakäfers T. granarium und des nahe verwandten Käfers T. angustum.

Dadurch stellten sich zwangsläufig die zwei folgenden Hauptfragen:

  1. Werden Trogoderma granarium und T. angustum überhaupt als Wirte für den Parasitoid Laelius pedatus akzeptiert?
  2. Wie ist die Parasitierungsleistung von L. pedatus bei beiden Wirtstieren im Vergleich zu Anthrenus verbasci, der in der Literatur von der Wespe als bevorzugtes Wirtstier angegeben wird (Mertins, 1980)?


35

Folgende Nebenfragen bedurften der Klärung:

In der Literatur ist zu finden, daß das Weibchen von L. pedatus seine Wirte erst durch einen oder mehrere Stiche lähmt, bevor diese zur Eiablage vorbereitet werden (siehe Abschnitt 1.2.5.3.4). Das Leistungspotential der Wespe im Hinblick auf Bekämpfungserfolge bei den Schädlingen soll deshalb durch folgende Aspekte charakterisiert werden:


Fußnoten:
<1>

Das durchschnittliche Gewicht von L. pedatus beträgt ca. 0,6 mg, von einer mittleren Larve von T. angustum ca. 3,5 mg und von A. verbasci ca. 2,7 mg.


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