Al-Kirshi, Abdul Gabbar Sultan: Untersuchungen zur biologischen Bekämpfung von Trogoderma granarium Everts, Trogoderma angustum (Solier) und Anthrenus verbasci L. (Coleoptera, Dermestidae) mit dem Larvalparasitoiden Laelius pedatus (Say) ( Hymenoptera, Bethylidae)

59

Kapitel 3. Ergebnisse

3.1. Zuchtergebnisse

Von den Tieren, die in diese Arbeit einbezogen waren, wurden für T. angustum und L. pedatus spezielle Zuchtmethoden eingeführt. Deshalb werden im Folgenden nur die Ergebnisse der Zuchten dieser beiden Tierarten dargestellt.

Zuchtergebnisse von T. angustum

Die Resultate der Zuchten können hier einen Überblick über den Einfluß der Nahrung auf die Anzahl der Nachkommen von T. angustum darstellen. Eine Absicherung dieser Zuchtresultate bedarf jedoch der mehrfachen Wiederholung der Versuche.

Die Tabelle 4 zeigt die Anzahl der Nachkommen von T. angustum nach mindestens zwei aufeinander folgenden Generationen. Es ist zu ersehen, daß die Nährsubstrate Hundekuchen, Maismehl, Fischmehl und Sorghum am besten für den Zuchtaufbau geeignet waren. Die Larvenansätze von T. angustum mit diesen Substraten bildeten Quellen für die verwendeten Larven in den Versuchen.


60

Tab. 4: Einfluß der Nahrungsart auf die Anzahl der Nachkommenschaft von T. angustum (60 Tage sowie 100 Tage nach dem Ansatz von
40 Larven als Ausgangspopulation, bei 28° C 50 - 60 % r. F.)

60 Tagen nach Ansatz der Larven

Nahrungsart

Anzahl der Individuen der einzelnen Stadien

Art der Nahrung

lebende Imagines

tote Imagines

Larven

Puppen

Summe

Maismehl

3

26

125

-

154

Sorghum

3

20

156

-

179

Weizenschrot

3

29

47

-

79

Hundekuchen

2

29

83

-

114

Weizenkeime

3

24

75

1

103

Haferflocken

1

29

90

-

120

Kleie

7

22

5

1

35

Fischmehl

3

28

103

-

134

100 Tage nach Ansatz der Larven

Nahrungsart

Anzahl der Individuen der einzelnen Stadien

Art der Nahrung

lebende Imagines

tote Imagines

Larven

Puppen

Summe

Maismehl

45

13

125

12

195

Sorghum

41

37

70

-

148

Weizenschrot

21

11

27

-

59

Hundekuchen

73

213

23

14

323

Weizenkeime

6

68

15

1

90

Haferflocken

22

13

31

23

89

Kleie

6

26

18

-

50

Fischmehl

45

13

110

12

180


61

Zuchtergebnisse von L. pedatus

Bei der ersten Zuchtmethode wurde in der dritten Woche festgestellt, daß alle Wespen in den drei Wiederholungen abgestorben waren. Das gleiche Ergebnis wurde bei der zweiten Zuchtmethode beobachtet.

Die Anzahl der Nachkommen pro Weibchen von L. pedatus bei den drei erprobten Zuchtmethoden ist aus der Tabelle 5 zu entnehmen. Es ist zu ersehen, daß die dritte Zuchtmethode sich bewährt hat, bei der je Weibchen von L. pedatus wöchentlich auf 10 neue Wirtslarven übertragen wurde. Diese Zuchtmethode wurde weiter für die Beschaffung der Zuchttiere angewendet. Durch die regelmäßige Übertragung der Weibchen auf neue Wirtslarven entwickelten sich auch kontinuierlich frisch geschlüpfte Wespen, die für die Versuch benutzt worden konnten.

Tab. 5: Anzahl der Nachkommen je Weibchen von L. pedatus in Abhängig-keit von 3 verschiedenen Zuchtmethoden (Mittelwert ± SD, 28° C und 50 - 60 % r. F.)

Nummer der Zucht Methode.

1

2

3

Anzahl angesetzter Parasitoidenweibchen

4

1

1

Anzahl angesetzter Wirtslarven

40

10

10

Übertragung auf neue Wirtslarven

keine

keine

wöchentlich auf neue 10 Larven

Anzahl der Nachkommen je Weibchen

4 ± 1,4

15 ± 4.7

31 ± 4,6


62

3.2. Zur Biologie von L. pedatus

Vor der Darstellung der Ergebnisse zur Biologie von L. pedatus ist es notwendig, einen kurzen Überblick zu den Entwicklungsstadien der Wespe zu geben (Vergleich auch Mertins, 1980).

Das Ei

Die frisch abgelegten Eier sind glasig weiß mit einer Länge von etwa 0,45 mm und einer Breite von etwa 0,20 mm. Die Form der Eier ändert sich vor dem Ausschlüpfen. Sie werden an ihrer Befestigungsseite am Wirt dünner und dicker an der gegenüber-liegenden Seite. Die durchschnittliche Inkubationszeit der Eier bei Zimmer-temperatur (20 bis 25° C) dauert 3,7 Tage (Mertins, 1980). Die Abbildung 10 zeigt ein frisch abgelegtes Ei auf die Wirtslarve A. verbasci.

Abb. 10: Ein frisch abgelegtes Ei von L.. pedatus auf die Wirtslarve A. verbasci


63

Die Larve

Die Larven von L. pedatus entwickeln sich sehr rasch, so daß eine Abgrenzung der verschiedenen Larvenstadien sehr schwer ist. Folgende drei Stadien kann man angeben:

Erstes Stadium

Kurze Zeit nach dem Schlüpfen aus dem Chorion dringt die Larve mit ihrem Kopf in den Wirt ein und fängt an, die Wirtsflüssigkeit zu saugen. Dieses Larvenstadium ist ca. 0,8 mm groß und bleibt flach an der Stelle, wo das Ei abgelegt wurde.

Zweites Stadium

Das zweite Stadium ist ca. 1,3 mm groß, wächst sehr schnell. Man kann anhand der Körpergröße erste Zeichen des Geschlechtes erkennen, wobei das Männchen ist kleiner als das Weibchen. Die Larvengröße ist das einzige Merkmal des zweiten Stadiums, ansonsten sind das erste und das zweite Larvenstadium sehr schwer voneinander zu unterscheiden. Die Farbe, die Form und die Position auf dem Wirt bleiben unverändert.

Drittes Stadium

Es ist sehr einfach, das dritte Larvenstadium zu erkennen. Die Larven sind in der Mitte dicker und an den Körperenden dünner. Ihre Position zum Wirt ist jetzt etwa vertikal. Unter dem Binokular kann man die rasche Bewegung der Larvenmuskeln beobachten und sehen wie die Wirtsflüssigkeit wie von einer Pumpe aufgesaugt wird. Am Ende bleibt von dem Wirt nicht mehr übrig als die äußere Chitinhülle.

Die Abbildung 11 zeigt Larven von L.. pedatus in verschiedenen Stadien.


64

Abb. 11: Larven von L. pedatus verschiedener Stadien


65

Das Kokon

Das dritte Larvenstadium verläßt den ausgefressenen Wirt und beginnt sich daneben einzuspinnen. Normalerweise bildet jede Larve einen Kokon für sich. Öfter beteiligen sich aber auch mehr als eine Larve, die sich in einer Wirtslarve entwickelt haben, bei der Bildung des Kokons. Sie werden aber am Ende des Aufbaus voneinander durch eine Kokonwand getrennt. Die Farbe des Kokons ist am Anfang schneeweiß und dunkelt mit fortschreitender Entwicklung allmählich nach (Abb. 12). Nach der vollständigen Konstruktion des Kokons können die Lebensvorgänge und die weitere Verwandlung der Larven nicht mehr beobachtet werden. Die durchschnittliche Zeitdauer für den Aufbau eines Kokons beträgt 3 Tage. Die Kokons der Weibchen sind mit 3,2 × 1,1 mm größer als die der Männchen mit einer Größe von 3,8. × 1,5 mm (Mertins, 1980).


66

Abb. 12: Die Puppen von L. pedatus a) Frühpuppen und b) Puppen vor dem Schlupf der Imagines


67

Imaginalschlupf

Erst ein bis zwei Tage vor dem Schlüpfen der Imagines aus dem Kokon kann man deren Bewegung mit bloßem Auge wahrnehmen. Kurz vor dem Schlüpfen dreht die Imago ihren Kopf im Kokon von einem Pol zum anderen, schneidet schließlich mit den Mandibeln ein Loch in der Nähe des Polendes und schlüpft mit Hilfe der Vorderbeine heraus. Das Ausschlüpfen erfolgt sowohl in der Dunkelheit als auch bei Tageslicht.

Begattung

Nach dem Schlupf aus dem Kokon sind die Imagines sofort auf der Suche nach Geschlechtspartnern, wobei das Männchen aktiver in der Bewegung und auf der Suche nach dem Weibchen ist. Wenn das Männchen ein Weibchen trifft, macht es ein schnellen Sprung auf das Weibchen zu und versucht, sein Begattungsorgan in das Geschlechtsorgan des Weibchens einzuführen. Bei erfolgreicher Kopula verankert sich das Männchen mit seinem Begattungsorgan im Weibchen und kippt nach hinten. Jetzt beginnt die Kopula mit bestimmtem Rhythmus. Es wurden pro Kopula durchschnittlich 130 Stöße bei der Begattung gezählt (Al-Kirshi, unveröffentlicht). Da das Männchen kleiner als das Weibchen ist, zieht das Weibchen während seiner Bewegung das Männchen vorwärts. Eine ausführliche Beschreibungen der Begattung findet man auch bei Mertins (1980).


68

3.2.2. Einflußfaktoren auf die Eianzahl

3.2.2.1. Die Temperatur

Der Einfluß der Temperatur auf die Anzahl der abgelegten Eier von L. pedatus ist in der Abbildung 13 (a) dargestellt. Es ist zu ersehen, daß das Weibchen von L. pedatus bei 15° C noch keine Eier legt. Mit steigender Temperatur oberhalb von 15° C steigt die Anzahl der Eier und erreicht den höchsten Wert bei ca. 25° C. Es läßt sich aber kein deutlicher Unterschied im Bezug auf die Anzahl abgelegter Eier bei Erhöhung der Temperatur von 25° C bis auf 28° C nachweisen. Mit weiter zunehmender Temperatur über 30° C nimmt die Anzahl abgelegter Eier ab. Die Temperatur hat auch einen entscheidenden Einfluß auf die Lebensdauer des Weibchens von L. pedatus. Aus der Abbildung 13 (b) ist zu ersehen, daß mit steigenden Temperaturen über 15° C die Lebensdauer abnimmt. Das Weibchen von L. pedatus lebt demnach bei 15° C bis zu 13 Wochen, während bei 35° C die Lebensdauer des Weibchens kürzer als drei Wochen ist. Die Anzahl abgelegter Eier wird auf die ganze Lebensdauer des Weibchens verteilt. Aus den beiden Abbildungen ist zu erkennen, daß der optimale Temperaturbereich für die höchste Anzahl abgelegter Eier zwischen 25° C und 28° C liegt. Während bei 25° C das Weibchen ca. 55 Eier innerhalb von 8 Wochen legt, wird fast die gleiche Anzahl von Eiern bei 28° C innerhalb von nur 5 Wochen abgelegt.


69

Abb. 13: Einfluß der Temperatur auf die Anzahl abgelegter Eier (a) sowie auf die Lebensdauer (b) des Weibchens von L. pedatus (75 % r. F. und T. angustum als Wirtslarven)


70

3.2.2.2. Die relative Luftfeuchtigkeit

Die durchschnittliche Anzahl der abgelegten Eier von L. pedatus in Abhängigkeit von der relativen Luftfeuchtigkeit ist in der Abbildung 14 dargestellt. Es ist zu ersehen, daß die Feuchte im Bereich von < 10 % bis zu 80 % keinen großen Einfluß auf die Eiablage hat, während bei Feuchte oberhalb von 90 % die Eizahl sehr stark abnahm. Das Weibchen ist demnach in der Lage sowohl bei extrem niedriger als auch bei sehr hoher relativen Luftfeuchtigkeit Eier abzulegen. Bei Feuchte unterhalb von 10 % lag die durchschnittliche Eizahl bei etwa 62 ± 12,6 Eier je Weibchen, während bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit diese Anzahl bei etwa 25 ± 8 Eier je Weibchen lag. Bei Feuchte von 30 % bis 35 % und bei Feuchte von 75 % lagen die durchschnitt-liche Anzahlen abgelegter Eier pro Weibchen jeweils bei etwa 64 und 52. Die Weibchen von L. pedatus konnten bei allen Feuchtigkeiten ca. Sechs Wochen leben.

Abb. 14: Einfluß der relativen Luftfeuchtigkeit auf die Anzahl abgelegter Eier des Weibchens von L. pedatus (28° C und jeweils 4 Weibchen von L. Pedatus sowie 90 Wirtslarven von T. angustum)


71

Die Entwicklung der Eier von L. pedatus bis zu Imagines in Abhängigkeit von der relativen Luftfeuchtigkeit ist aus der Tabelle 6 zu entnehmen. Es ist zu ersehen, daß die Eier von L. pedatus bei verschiedenen Luftfeuchtigkeiten sich normal entwickeln können. Die Schlupfrate der Imagines variierte zwischen ca. 73 und 98 %. Diese hohe Schlupfrate der Imagines deutet daraufhin, daß die Eier von L. pedatus eine sehr hohe Schlupfrate haben.

Tab. 6: Einfluß der relativen Luftfeuchtigkeit auf die Schlupfrate der Imagines von L. pedatus (28° C, 7 Tage für Eiablage auf T. angustum)

relative Luftfeuchte in %

Anzahl abgelegter Eiern

Anzahl geschlüpfter Imagines

Schlupfrate %

< 10

13,3 ± 1,3

12,0 ± 1,0

90,6

30 - 35

18,5 ± 1,0

18,3 ± 0,8

98,7

70 - 75

13,8 ± 2,8

11,5 ± 2,5

83,6

> 90

14,8 ± 0,9

10,8 ± 2,4

72,9

3.2.2.3. Nahrung der Imagines

Der Einfluß der zugesetzten Nahrung auf die Eiablage von L. pedatus ist in Abb. 15 dargestellt. Es ist ersichtlich, daß die zusätzliche Fütterung in den ersten zwei Lebenswochen keinen Einfluß auf die Anzahl abgelegter Eier hatte. Bei Ernährung der weiblichen Wespen nur mit Wirtslarven legen sie ihre Eier größtenteils in den ersten zwei Lebenswochen ab, während die Eiablage bei zusätzlicher Nahrung mit Honig auf die gesamten Lebensdauer verteilt wird. Mit fortschreitendem Alter der Weibchen nimmt die Eiablage ab. Ohne zusätzliche Nahrung sterben die Weibchen zwischen der 4. und der 5. Lebenswoche ab, während sich mit zusätzlicher Nahrung sowohl die Lebensdauer der Weibchen als auch die Zeit der Eiablage ausdehnen.


72

Abb. 15: Anzahl abgelegter Eier im Laufe der Lebensdauer des Weibchens von L. pedatus mit und ohne zusätzliche Nahrung
(28° C, 50 - 60 % r. F. und T. angustum als Wirt)

3.2.2.4. Wirtsgröße

Die Weibchen von L. pedatus legen ihre Eier nur in Verbindung mit dem Vorhan-densein des Wirtes ab. Es wurden bei allen drei getesteten Larvengrößen Eier abgelegt.

Die durchschnittliche Anzahl abgelegter Eier des Weibchens von L. pedatus

in Abhängigkeit von der Größe des Wirtes ist in Abbildung 16 dargestellt. Es ist zu ersehen, daß mit steigender Wirtsgröße die Anzahl abgelegter Eier pro Weibchen steigt. Bei kleinen Wirtslarven mit > 2mm und < 3mm wurden durchschnittlich 4 ± 1,5 Eier pro Weibchen und Woche festgestellt. Dagegen stieg die wöchentliche Anzahl abgelegter Eier des Weibchens bei mittleren Wirtslarven (3 bis 4 mm) auf 6,8 ± 0,8 und bei großen Larven (> 4mm) auf 10,3 ± 2,6 .


73

Abb. 16: Anzahl abgelegter Eier des Weibchens von L. pedatus im Laufe von 7 Tagen Legedauer in Abhängigkeit von der Larvengröße des Wirts (28° C, 50 - 60 % r. F. und T. angustum als Wirt)

3.2.3. Entwicklungsdauer

In der Abbildung 17 ist die Entwicklungsdauer der Nachkommen in Abhängigkeit vom Alter der Muttertiere dargestellt. Aus der Abbildung ist zu ersehen, daß die Entwicklungsdauer der Nachkommen, die von jüngeren Muttertiere stammten, um
2 - 3 Tage kürzer war als die Nachkommen, die von älteren Muttertieren. Bei fortschreitendem Alter der Muttertiere nahm die Entwicklungsdauer der Nach-kommen wieder ab. Die durchschnittliche Entwicklungsdauer lag bei 34 Tagen.


74

Abb. 17: Entwicklungsdauer von L. pedatus in Abhängigkeit vom Alter der Muttertiere (28° C, 50 - 60 % r. F. und n = 15 Wespen)

Die Entwicklung vom Ei bis zum Imago sowie die Schlupfrate der Imagines sind aus der Tabelle 7 zu entnehmen. Anhand der Werte ist zu erkennen, daß die Schlupfrate von L. pedatus bei den entsprechenden Versuchsbedingungen bei ca. 80 % lag. Dieser Wert deutet daraufhin, daß die Schlupfrate der Eier höher als 80 % ist.

Tab. 7: Die durchschnittliche Anzahl abgelegter Eiern pro Tag und Weibchen von L. pedatus sowie die Entwicklungsrate und die -dauer der Imagines (28° C, 50 - 60 % r. F. und Eier von 15 Wespen)

Anzahl abgelegter Eier

pro Tag und Weibchen

Anzahl entwickelter Imagines

Entwicklungsrate (%)

Entwicklungsdauer in Tagen

1,42 ± 0,76

1,12 ± 0,23

79,5 ± 16,8

34,2 ± 1,74


75

3.2.4. Lebensdauer

Der Einfluß der Nahrung auf die Lebensdauer der Weibchen von L. pedatus ist in der Abbildung 18 dargestellt. Aus der Abbildung ist zu erkennen, daß die Lebens-dauer des Weibchens ohne Nahrung unter zwei Wochen lag. Wurde den Wespen nur verdünnter Honig angeboten, so stieg die Lebensdauer und lag durchschnittlich zwischen 6 und 7 Wochen. Die gleichen Resultate wurden beim ausschließlichen Angebot von Wirtslarven als Nahrung erzielt. Wurden die Wespen mit Wirtslarven und verdünntem Honig gleichzeitig versorgt, so verlängerte sich die Lebensdauer sehr stark und lag durchschnittlich bei 16 Wochen.

Abb. 18: Einfluß der Nahrungsart auf die Lebensdauer von L. pedatus
(20° C und 50 bis 60 % r. F.)

3.2.5. Geschlechterverhältnis

Das Geschlechterverhältnis der Nachkommen von L. pedatus bei Begattung der Mutterweibchen nur in der ersten Lebenswoche ist aus der Tabelle 8 zu entnehmen. Das Geschlechterverhältnis aus Eiern, die in der ersten Lebenswoche abgelegt waren, lag demnach bei ca. 1 : 2,3 (Männchen : Weibchen). Mit fortschreitendem Alter des Weibchens und nicht wiederholte Begattung nimmt die Anzahl von weiblichen Nachkommen ab. Die Anzahl männlicher Nachkommen nimmt dagegen zu.


76

Tab. 8: Das Geschlechterverhältnis der Nachkommen von L. pedatus aus Eiern von drei nacheinander folgenden Lebenswochen der Mutter-weibchen (28° C, 30 - 35 % r. F., T. angustum als Wirtslarven und Begattung der Mutterweibchen erfolgte nur in der ersten Lebenswoche)

Alter des Muttertieres

Eianzahl

Geschlüpfte Imagines

Geschlüpfte Weibchen

Geschlüpfte Männchen

Geschlechterverhältnis (Männchen : Weibchen)

1 Woche

18,5 ± 1,0

18,2 ± 0,8

12,7 ± 0,9

5,5 ± 0,5

1 : 2,3

2 Wochen

18,0 ± 4,5

16,7 ± 4,8

09,2 ± 2,1

7,5 ± 3,3

1 : 1,2

3 Wochen

11,2 ± 4,2

08,7 ± 2,8

00

8,7 ± 2,8

1 : 0.0

Die Änderung der Geschlechter der Nachkommen für die gesamte Lebenszeit der Wespen nach Begattung der Muttertiere nur in der ersten Lebenswoche ist in der Abbildung 19 dargestellt. Aus der Abbildung ist zu ersehen, daß das Weibchen von L. pedatus in der Lage ist, im Laufe seines gesamten Lebensdauer Eier abzulegen. Eine einmalige Begattung reicht aber maximal zwei Wochen aus, um das Weibchen befruchtete Eier ablegen zu können. Nach zwei Wochen von Begattungsbeginn werden nur noch unbefruchtete Eier abgelegt, so daß sich aus den Eiern nur noch Männchen entwickeln.


77

Abb. 19: Änderung der Geschlechter der Nachkommen von L. pedatus mit der Zeit nach Begattung der Muttertiere nur in der ersten Woche der Beobachtungszeit (28 ° C, 30 - 35 % r. F. und T. angustum als Wirtslarven)

3.3. Wechselwirkung zwischen Wirt und Parasitoid

3.3.1. Dichte des Parasitoiden

Einfluß der Dichte des Parasitoiden auf dessen Eiablage

Der Einfluß der Dichte der Weibchen von L. pedatus auf deren Anzahl abgelegter Eier ist in der Abbildung 20 dargestellt. In Abhängigkeit von der Erhöhung der Anzahl der Weibchen läßt sich kein linearer Bezug auf die Anzahl abgelegter Eier je Weibchen herstellen. Während mit steigendem Weibchenbesatz von eins auf zwei die Anzahl abgelegter Eier zunahm, verminderte sich diese Anzahl bei weiter steigendem auf 3 Weibchen. Bei weiterer Erhöhung der Anzahl der Weibchen auf 4 und 5 bei gleichbleibender Anzahl von Wirtslarven nahm die Anzahl abgelegten Eier pro Weibchen wieder zu. Ein signifikanter Unterschied der Anzahlen abgelegter Eier wurde beim Vergleich der Besatzdichten der Wespen 1 zu 4, 1 zu 5 und 3 zu 5


78

festgestellt. Diese unlinearen Ergebnisse lassen sich durch den unterschiedlichen Grad der gegenseitigen Störung der Wespen erklären.

Abb. 20: Einfluß der Dichte der Weibchen von L. pedatus auf deren Anzahl abgelegter Eier (Versuch in Petrischalen mit je 9 cm Durchmesser, 28° C, 50 - 60 % r. F. und T. angustum als Wirtstier n = jeweils 4 Wiederholungen)

Einfluß der Dichte des Parasitoiden auf dessen Mortalität

Die Dichte der Parasitoiden hatte ebenfalls einen negativen Einfluß auf die Lebens-dauer des Weibchens von L. pedatus. Der Einfluß der Populationsdichte der Weibchen von L. pedatus auf ihre Lebensdauer und auf die Mortalität ist in der Abbildung 21 dargestellt. Es ist zu erkennen, daß mit steigender Anzahl von Weibchen die Mortalität stieg. Nach 10 Tagen Versuchsdauer lag die Mortalität der Weibchen bei den Versuchsgruppen mit vier und fünf Weibchen bei etwa 40 %, während bei den Versuchsgruppen mit ein und zwei Weibchen noch keine tote Weibchen auftreten. Nach 14 Tagen stieg die Mortalität bei 2, 3, 4 und 5 Weibchen in der Reihenfolge auf etwa 25, 60 und 85 %, während bei der Versuchsgruppe mit einem Weibchen über 14 Tage keine Mortalität auftrat.


79

Abb. 21: Einfluß der Dichte der Weibchen von L. pedatus auf deren Mortalität (Versuch in Petrischalen mit je 9 cm Durchmesser, 30° C, 50 - 60 % r. F. und auf je 40 Larven A. verbasci)

3.3.2. Dichte des Wirtes

Die Wirkung der Wirtsdichte auf die Fortpflanzung von L. pedatus ist in Abbildung 22 dargestellt. Aus der Abbildung ist zu ersehen, daß mit steigender Wirtsdichte von 5 bis 20 Larven je Petrischale (9 cm Durchmesser) die Anzahl der geschlüpften Imagines zunahm. Mit weiter steigender Dichte sank dann die Anzahl der geschlüpften Imagines ab. Eine optimale Anzahl von Wirtslarven für die Erzeugung der höchsten Anzahl von Nachkommen bildet demnach eine Wirtsdichte von etwa 20 Larven pro Weibchen.


80

Abb. 22: Einfluß der Wirtsdichte von A. verbasci auf die wöchentliche Anzahl der Nachkommen eines Weibchens von L. pedatus
(30° C, 50 - 60 % r. F. und n = jeweils 4 Weibchen)

3.3.3. Akzeptanz von zuvor gelähmten Wirtslarven und von Wirtslarven mit zuvor belegten Eiern

Aus der Tabelle 9 ist zu entnehmen, daß das Weibchen von L. pedatus in der Lage ist, von anderen Weibchen gelähmte Wirtslarven für ihre Eiablage zu verwenden. Die Lebensdauer des Weibchens auf solchen Wirtslarven ist jedoch verkürzt. Ein Weibchen konnte demnach auf diesen Wirtslarven durchschnittlich 14 Tage leben. Die Lebensdauer der Weibchen ist im Vergleich zu normalen Fällen, wo die Weibchen selbst ihre Eiablage vorbereiten, auf etwa 50 % herabgesetzt. Ein Weibchen konnte in dieser Zeit durchschnittlich etwa 19 Eier ablegen.

Das Weibchen von L. pedatus akzeptiert auch Wirtslarven mit zuvor von anderen Weibchen belegten Eiern. Nach der Entfernung der abgelegten Eier vom Wirtstiere werden die Larven noch einmal von anderen Weibchen für die Eiablage benutzt.


81

Tab. 9: Mittlere Lebensdauer und Anzahl abgelegter Eier eines Weibchens L. pedatus auf zuvor von anderen Weibchen gelähmten Wirtslarven (28° C und 50 bis 60 % r. F.)

Lebensdauer des Weibchens in Tagen (Mittelwert ± SD, n = 5)

Anzahl abgelegter Eier je Weibchen (Mittelwert ± SD, n = 5)

13,8 ± 3,4

18,8 ± 9,4

3.4. Potentielle Leistung von L. pedatus

3.4.1. Potentielle Lähmung und Mortalität gelähmter Wirtslarven

Aus Abbildung 23 ist zu ersehen, daß ein Weibchen von L. pedatus in der Lage ist, während seiner gesamten Lebenszeit von ca. 40 Tagen wiederholt die Larven des Khaprakäfers anzustechen und zu lähmen. Unter den angege-benen Versuchsbedingungen wurden von einer weiblichen Wespe durch-schnittlich 43,6 ± 10,9 Larven von T. granarium oder 73,9 ± 19,8 Larven von A. verbasci gelähmt (Tabelle 10).

Die Giftwirkung durch den Stich des Weibchens von L. pedatus führte nicht zum Absterben aller gelähmten T. granarium Larven. Von den beobachteten 80 gelähmten Larven erholten sich 40 % (Tab. 11) innerhalb von 4 bis 5 Wochen und setzen ihre weitere Entwicklung bis zum Käfer fort. Dagegen starben alle gelähmten Wirtslarven von A. verbasci und T. angustum innerhalb von 2 bis 3 Wochen.


82

Abb. 23: Durchschnittliche Anzahl der von einem Weibchen von L. pedatus gelähmten T. granarium Wirtslarven (n = 10 Weibchen)

Tab. 10: Anzahl gelähmter Wirtslarven von A. verbasci und T. granarium durch das Weibchen L. pedatus im Laufe seiner Lebensdauer
(28° C, 50 - 60 % r. F. und 4 - 5 Wochen Lebensdauer des Weibchens)

Wirt

Anzahl gelähmter Larven

Anthrenus verbasci

73,9 ± 19,8

Trogoderma granarium

43,6 ± 10,9


83

Tab. 11: Die Giftwirkung durch den Stich des Weibchens von L. pedatus auf die Mortalität der Wirtslarven von A. verbasci, T. angustum und T. granarium (28° C, 50 - 60 % r. F. und 4 - 5 Wochen Beobachtungszeit)

Wirt

Anzahl gelähmter Larven benutzt

Mortalität in (%)

A. verbasci

20

100

T. angustum

20

100

T. granarium

80

58

3.4.2. Potentielle Parasitierungsleistung

Die potentielle Eiablage von L. pedatus sowie die Anzahl der Wirtslarven, die durch das Weibchen mit Eiern belegt wurden, geben Auskunft über die Parasitierungs-leistung des Weibchens. Die Ermittlung der Legeleistung in Verbindung mit der möglichen Anzahl parasitierter Wirtslarven wurde sowohl bei zusätzlicher Zufütterung der Wespen mit verdünntem Honig als auch ohne zusätzliches Futter vorgenommen.

Die Anzahl parasitierter Wirtslarven sowie die Anzahl abgelegter Eier der Wespe auf T. angustum und A. verbasci ohne zusätzliche Zufütterung sind in der Abbildung 24(a und b) dargestellt. Es wird deutlich, daß das Weibchen die Wirtslarven von T. angustum genauso für die Eiablage akzeptierte wie die von A. verbasci. Die Eiablage fand auf beiden Wirten während der gesamten Lebensdauer der Wespe statt. Es läßt sich kein signifikanter Unterschied im Bezug auf die wöchentlich Anzahl von abgelegten Eiern auf beiden Wirten ableiten, obwohl die durch-schnittliche Eianzahl auf T. angustum in 4 Wochen nacheinander höher lag als auf A. verbasci. Aus der Abbildung 24a läßt sich ableiten, daß das Weibchen von L. pedatus für die Eiablage mehr Wirtslarven von T. angustum verwendete als Larven von A. verbasci. Die Wespen legten ihre Eier auf beide Wirte fünf Wochen lang ab und starben zwischen der 5. und 6. Lebenswoche.


84

Die statistische Auswertung der durchschnittlichen Anzahl abgelegter Eier für die gesamten 5 Wochen auf beiden Wirtstieren mit Hilfe der Kontingenztafelanalyse zeigte keine signifikanten Unterschiede. Ein klarer Unterschied besteht jedoch beim Vergleich der Zahlen der parasitierten Wirtslarven (Abb. 24a).

Abb. 24: Die wöchentliche Anzahl parasitierter Wirtslarven (a) sowie die Anzahl abgelegter Eier (b) eines Weibchens von L. pedatus auf A. verbasci und T. angustum (Mittelwert ± SD, 28° C,
50 bis 60 % r. F. ohne zusätzliche Nahrung)


85

In der Abbildung 25 ist die wöchentliche Anzahl parasitierter Larven (22a) sowie die Anzahl abgelegter Eier (22b) bei beiden Wirtstieren mit zusätzlicher Nahrung dargestellt. Während in der ersten und in der vierten Lebenswoche die Anzahl der abgelegten Eier deutlich höher auf A. verbasci ist, ist die Eianzahl in der zweiten und sechsten Lebenswoche höher auf T. angustum. In der 3. und 5. Lebenswoche wurde kein deutlicher Unterschied im Bezug auf die Anzahl abgelegter Eier auf beiden Wirten sichtbar. In der 7. Woche wurden Eier nur auf T. angustum abgelegt.

Die Wespen starben dann zwischen der sechsten und siebenten Lebenswoche auf A. verbasci als Wirt und zwischen der siebenten und achten Lebenswoche auf T. angustum.


86

Abb. 25: Die wöchentliche Anzahl parasitierter Wirtslarven (a) sowie die Anzahl abgelegter Eier (b) eines Weibchens von L. pedatus auf A. verbasci und T. angustum (Mittelwert ± SD, 28° C,
50 bis 60 % r. F. mit zusätzlicher Nahrung)


87

Die gesamte Anzahl parasitierter Wirtslarven sowie die Anzahl abgelegter Eier auf beiden Wirtslarven im Laufe der Lebensdauer des Weibchens von L. pedatus ist aus Tabelle 13 zu entnehmen.

Die gesamte Anzahl parasitierter Wirtslarven je Weibchen über 5 Wochen ohne zusätzliche Nahrung betrug durchschnittlich 36,8 ± 5,8 Larven von T. angustum bzw. 23,0 ± 6,0 Larven von A. verbasci. Diese werden jeweils mit 52,3 ± 6,3 bzw. 46 ± 12,5 Eiern belegt. Mit zusätzlicher Nahrung besteht keine deutliche Änderung weder in bezug auf die parasitierten Wirtslarven noch in bezug auf die abgelegten Eier (Tabell13).

Tab. 13: Die gesamte Anzahl abgelegter Eier im Laufe der Lebensdauer des Weibchens L. pedatus sowie die Anzahl der parasitierten Wirts-larven von A. verbasci und T. angustum mit und ohne zusätz-liche Nahrung in Form von verdünntem Honig (Mittelwert ± SD)

Nahrung

A. verbasci

T. angustum

Anzahl parasitierter Wirtslarven

Anzahl Abgelegter Eier

Anzahl parasitierter Wirtslarven

Anzahl Abgelegter Eier

Ohne zusätzliche Nahrung

23,0 ± 6,0

46,0 ± 12,5

36,8 ± 5,8

52,3 ± 6,3

mit verdünntem Honig

27,8 ± 1,8

50,3 ± 05,3

38,0 ± 4,5

52,8 ± 5,3

Insgesamt läßt es sich errechnen, daß das Weibchen von L. pedatus die Larve von A. verbasci mit durchschnittlich 1,9 ± 0,1 Eiern belegen kann, während bei T. angustum die durchschnittliche Eianzahl je Larve 1,5 ± 0,1 betrug.


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3.4.3. Eindringtiefe der Wespen in geschütteten Weizen

Drei Wochen nach der Freilassung der Wespen auf der Weizenoberfläche befanden sich Wespen bzw. parasitierte Wirtslarven in allen getesteten Getreidetiefen.

pedatus drang auch dann 90 cm tief in das Getreide ein, wenn nur dort und nicht auch in geringeren Tiefen Wirtslarven angeboten wurden.

Abb. 26: Populationsunterdrückung von T. granarium durch den Parasitoid L. pedatus nach 2 Monaten Versuchsdauer (Ausgangspopulation = 50 Wirtslarven T. granarium, 2 Weibchen L. pedatus)

3.4.4. Populationsunterdrückung der Schädlinge

Die Unterdrückung der Population von T. granarium (jemenitischer Stamm) ist in Abbildung 26 dargestellt. Auf Grund der Parasitierung und der Lähmung der Wirtslarven durch den Parasitoid L. pedatus ist das Populationwachstum von T. granarium sehr stark unterdrückt. Nach zwei Monaten Versuchsdauer war die Populationsdichte der Imagines bei der Kontrolle achtfach größer als im


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Fall einer Behandlung mit L. pedatus. Die Larven- und Puppennachkommen waren bei den behandelten Proben ebenfalls sehr stark vermindert.

Bei dem Versuch mit dem BBA-Stamm wurden ähnliche Ergebnisse festgestellt, obwohl die Auswertung der Proben bereits nach sechs Wochen erfolgte. Es wurden durchschnittlich 675 lebende Nachkommen des Wirtes gefunden. Ohne Wespen entstanden im Mittel 2552 Nachkommen.

Bei einem Parasit - Wirt Verhältnis von 1 : 25 unterdrückte L. pedatus demnach den Zuwachs an Nachkommen von T. granarium beim jemenitischen Stamm innerhalb von zwei Monaten um ca. 80 % und beim BBA-Stamm innerhalb von sechs Wochen um 75 %.


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