Bischoff, Reinhard: Untersuchungen zur Wirksamkeit insektenpathogener Pilze gegen die vorratsschädlichen Motten Ephestia kuehniella und Plodia interpunctella (Lepidoptera : Pyralidae)
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Kapitel 8. Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurden anhand von Labor- und praxisnahen Flugversuchen die Möglichkeiten der biologischen Bekämpfung der Dörrobstmotte, Plodia interpunctella Hübner, und der Mehlmotte, Ephestia kuehniella (Zeller), mit entomopathogenen Pilzen der Ordnung Hyphomycetales untersucht. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Die verwendeten Pilzstämme wurden ursprünglich nicht aus vorratsschädlichen Motten isoliert. Dennoch konnte eine Pathogenität gegenüber E. kuehniella und P. interpunctella bei der Mehrzahl der getesteten Pilzstämme nachgewiesen werden. Lediglich Beauveria bassiana 102 war nicht pathogen.
- Eine hohe Virulenz ist eine wesentliche Voraussetzung für die Auswahl entomopathogener Pilze zur Schädlingsbekämpfung. Unter Laborbedingungen vorgenommene Untersuchungen zum Virulenzverhalten beinhalteten auch Versuche zum Einfluß der Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen sowie des Ernährungszustandes der Pilze.
Die Virulenz der einzelnen Pilzstämme war wirtsabhängig und konnte anhand der Mortalitätsraten sowie der Mortalitätskurven nachgewiesen werden. B. bassiana 56, Metarhizium anisopliae 110 und Paecilomyces fumosoroseus 10 waren am virulentesten gegenüber P. interpunctella. Gegenüber E. kuehniella zeigten Metarhizium anisopliae 73, P. fumosoroseus 10 und Paecilomyces farinosus 34 die höchste Virulenz.
- Anhand der Keimraten und der Keimungsgeschwindigkeit konnten für sämtliche Pilzstämme hohe Temperaturansprüche nachgewiesen werden. Neben temperaturbedingten Unterschieden im Keimverhalten der einzelnen Pilzstämme wurden auch Differenzen zwischen den Pilzstämmen aufgezeigt. Am schnellsten keimten die beiden Metarhizium-Stämme. Bei 25°C betrugen die TG50 von M. anisopliae 73 und von M. anisopliae 110 etwa 10 Stunden.
- In vivo-Tests zum Einfluß der relativen Luftfeuchtigkeit auf die Virulenz der Pilze bestätigen für die Mehrzahl der getesteten Stämme eine grundsätzlich hohe Abhängigkeit von einer hohen Umgebungsfeuchtigkeit. Der Rückgang der Virulenz bei verringerter Luft
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feuchtigkeit war bei weniger virulenten Pilzstämmen sowie gegenüber der weniger anfälligen Mehlmotte erheblicher.
Darüber hinaus führte die Anzucht auf verschiedenen Nährböden bei sämtlichen Pilzstämmen zu veränderten Virulenzen.
- In Infektionsversuchen bei unterschiedlich alten P. interpunctella wurde eine unterschiedliche Infektionsbereitschaft der verschiedenen Entwicklungsstadien ermittelt. Die larvale Entwicklungsphase ging mit einer fortschreitenden Abnahme der Anfälligkeit gegenüber sämtlichen Pilzstämmen einher. Die Anfälligkeit der Eier hing wesentlich von der Inokulumdichte und der Inkubationstemperatur ab.
- Unterschiede zwischen den einzelnen Entwicklungsstadien zeigten sich auch hinsichtlich der Wirksamkeit unterschiedlich formulierter Konidienpräparate. Während gegenüber den Imagines von P. interpunctella als Laktose - Konidienstaub formulierte Pilzpräparate am wirksamsten waren, verursachte die Ölformulierung die höchsten Mortalitätsraten bei Larven des L1- und L5-Stadiums. Der Vorteil der Ölformulierung war besonders bei einer Verringerung der relativen Luftfeuchtigkeit von 96% auf die in Lägern anzutreffende Feuchtigkeit von 76% ersichtlich. Da die Ölbestandteile ebenfalls Insekten tötende Eigenschaften aufweisen, kam es zu synergistischen Effekten.
- Der Einfluß der Formulierung konnte auch anhand von Untersuchungen zur Lagerfähigkeit und Umweltpersistenz der Sporen nachgewiesen werden. Insbesondere in Wasser formulierte Konidien besitzen eine geringe Lagerfähigkeit. Nach erfolgter Applikation kam es bereits nach 10 bzw. 11 Monaten (für B. bassiana 56 respektive M. anisopliae 110) zum vollständigen Verlust der Keimfähigkeit. Die höchste Persistenz trat für M. anisopliae 110 bei der Ölformulierung und dem Laktose Konidienstaub auf. Für B. bassiana 56 zeigten auch reine Konidien ein gutes Persistenzverhalten. Unter lagerähnlichen Bedingungen beträgt die Keimfähigkeit der applizierten Konidien in Abhängigkeit vom Pilzstamm und von der Formulierung nach 12 Monaten zwischen 33% und 48%.
- In Modellversuchen konnte die Wirkung einer zum Zeitpunkt der Kopulation von P. interpunctella erfolgten Inokulation auf die Fekundität der Weibchen sowie der anschließenden
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Eiablage auf Pilz kontaminiertem Untergrund bestimmt werden. Die sukzessive Behandlung von kopulierenden Weibchen, der abgelegten Eier und schlüpfenden Eilarven führte zu einer erheblichen Reduzierung der Nachkommenschaft. Für M. anisopliae 110 bzw. B. bassiana 56 wurde im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle eine Verminderung der überlebenden Larven des L1-Stadiums um 92 respektive 93% erreicht.
- In Gefäßversuchen wurde die Wirkung einer Pilzbehandlung nach Applikation der Konidien auf die Brutsubstratoberfläche sowie nach Beimischung der Konidien zum Brutsubstrat ermittelt. Durch die Oberflächenbehandlung von Brutsubstrat verringerte sich im Vergleich zur Kontrollvariante der Anteil geschlüpfter Imagines in Abhängigkeit vom Pilzstamm um 40 - 52%. Darüber hinaus wurden aufgrund nachträglicher Infektionen bei geschlüpften Faltern auch Auswirkungen auf die Nachfolgegeneration erzielt.
- Die Durchmischung des Brutsubstrates mit Pilzsporen führte in Abhängigkeit vom Pilzstamm und Substratgröße zu Wirkungsgraden zwischen 60 und 84%.
- Einsatzerprobungen erfolgten unter lagerähnlichen Bedingungen in Mottenflugkäfigen. Für eine praktische Nutzung wurden als mögliche Technologien die Kontamination von Verpackungen, die Behandlung von Fraß- bzw. Brutsubstrat unter Ausnutzung deren Lockwirkung sowie die Verwendung pheromonbeköderter Kontaminationsherde untersucht. Herausgestellt werden konnte, daß für nachhaltige kurative Bekämpfungserfolge durch entomopathogene Pilze die Dichte von P. interpunctella im Lager gering sein muß. Die Behandlung von Verpackungsmaterial ist wirkungsvoll, wenn die verwendeten Verpackungen einen hohen mechanischen Schutz vor einem Mottenbefall bieten.
- Die Verwendung von pheromonbeköderten Kontaminationsherden führte bei über 50% der Weibchen während der Kopulation zur Inokulation und kann somit in Kombination mit weiteren Einsatztechnologien die Effizienz einer Anwendung entomopathogener Pilze im Vorratsschutz erhöhen.
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