Breitenbach, Edda: Phytosanitäre Qualitätsbeurteilung von gewerblich hergestellten Komposten anhand ihres Pilzspektrums

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Kapitel 1. Problemstellung und Zielsetzung

„Die Sicherung der ökologischen Zukunft des Menschen ist eine zentrale Aufgabe für die nächsten Jahre ... Das bedeutet, daß auch die Abfallbeseitigung, die zu einem zentralen Anliegen des Umweltschutzes geworden ist, verantwortungsbewußt ... gelöst werden muß. Dies ist prinzipiell nur möglich, wenn Abfallstoffe, soweit sie nicht vermieden werden können, durch eine sinnvolle Verwertung möglichst weitgehend in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden."
(Töpfer, 1985)

Die Vermeidung und Verwertung von Abfällen, hat nach Vorgabe des Abfallgesetzes (AbfG) vom 27. August 1986 (Anonym, 1986) und der Technischen Anleitung (TA) Siedlungsabfall vom 14. Mai 1993 (Anonym, 1993), Vorrang vor der Deponierung oder der Verbrennung.

Die Kompostierung ist die wirkungsvollste Einzelmaßnahme, um die Hausmüllmenge zu verringern, dadurch Deponievolumen einzusparen und Verbrennungsanlagen zu entlasten (Krauss, 1991). Circa 30-60 % des gesamten Hausmülls im Bundesgebiet entfallen auf die organischen Abfälle. Dieser sogenannte „Bioabfall“ wird in den letzten Jahren zunehmend getrennt erfaßt und in großgewerblichen Anlagen kompostiert (Fricke, 1991).

Nach dem Bundesseuchengesetz und dem Abfallgesetz darf von der Beseitigung oder Verwertung von Siedlungsabfällen keine gesundheitliche Gefährdung für Mensch und Tier ausgehen (Strauch, 1987). Aus diesem Grund stellt der Parameter Hygiene eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale für Bio- und Grünkomposte dar. Bislang gibt es noch keine gesetzlich verbindlichen Gütekriterien für Komposterden. Eine Bioabfall-VO liegt erst als Entwurf vor und soll in Kürze verabschiedet werden (Bioabfall-VO, Fassung vom 6. November 1997).

Bioabfall kann neben den verschiedensten human- und tier-, auch mit phytopathogenen Mikroorganismen belastet sein (Böhm et al., 1996). Da der daraus entstehende Kompost vorzugsweise im Garten- und Landschaftsbau bzw. in der Landwirtschaft Verwendung findet, ist auch die phytohygienische Unbedenklichkeit ein wichtiges Qualitätskriterium. Aus phytohygienischer Sicht muß der Kompostierungsprozeß mit hoher Sicherheit gewährleisten, daß die mit den Rohstoffen eingetragenen Pathogene abgetötet werden, damit bei der Anwendung der Komposte keine Verschleppung bzw. Anreicherung von Pflanzenkrankheitserregern stattfinden kann (Marciniszyn et al., 1994).

Die vorliegende Forschungsarbeit will einen Beitrag zu einem nach phytosanitären und damit auch allgemein hygienischen Kriterien unbedenklichen Einsatz von Komposterden leisten. Die phytosanitäre Qualität von Komposten soll anhand der vorhandenen Pilzflora abgeschätzt werden.

In diesen Untersuchungen wird das Pilzspektrum von Biomüllkomposten aus zwei verschiedenen Kompostierungsverfahren - der offenen Mietenrotte und der Rottebox - im Verlauf der


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Rotte erfaßt und versucht, deren Bedeutung für die Anwendung der Komposte im gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bereich zu beurteilen. Die dominierende Pilzflora wird auf ihr antagonistisches Potential gegenüber ausgewählten, phytopathogenen Pilzen in vitro überprüft. Für einige Isolate der dominierenden Pilzflora aus Komposterde, mit einem nachweislich vorhandenen, antiphytopathogenen Potential, werden zusätzlich Biotests zur Verifizierung der Ergebnisse in vivo durchgeführt.
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Fri Jun 23 18:44:44 2000