Litauszky, Rita Anita: Untersuchungen zur Wirkungsintensität einer Rejuvenilisierung nach der In-vitro-Vermehrung ausgewählter Gehölzpezies am Merkmal der Adventivwurzelbildung

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Kapitel 2. Material und Methoden

2.1. Histologische Untersuchungen zur Adventivwurzelbildung

2.1.1. Pflanzenmaterial

Als Versuchsmaterial dienten Gewebestücke aus der Stecklingsbasis von Corylopsis pauciflora, Cotinus coggygria 'Royal Purple', Prunus kurilensis 'Brillant' und Prunus tenella 'Fire Hill'.

2.1.2. Versuchsablauf

Die Stecklinge wurden Anfang Juni 1997/98 unter Fog-System in das Steckmedium gesteckt und je nach Stecktermin am Tag 0, 4, 7, 10, 14, 21 und 28 pro Variante 6 Stück entnommen. Von den Stecklingen wurden ca. 2 bis 4 mm lange Basisstücke abgetrennt und gewaschen. Falls der Durchmesser des Stecklingsbasis 2 mm übertraf, erfolgte eine Teilung längs mit einem Skalpell.

2.1.2.1. Fixieren und Einbetten der Gewebestücke

Die Stecklingsbasisstücke wurden in AFE-Lösung an einer Vakuumpumpe (HERION) infiltriert, damit die Luft in den Interzellularen durch das flüssige Medium verdrängt wurde.

Die AFE-Lösung enthielt:

9 Teile 50%iger Ethanol,

0,5 Teile 40%iges Formalin,

0,5 Teile Eisessig.

Nach 24 Sunden wurde die Fixierlösung mit 50%igem Ethanol ausgespült, bis kein Essiggeruch mehr zu bemerken war und die Pflanzenstücke verblieben für 4 Stunden in 50%igem Ethanol. Danach wurde die Alkoholkonzentration auf 70% erhöht. Die Objekte können hierin für längere Zeit aufbewahrt werden (ROMEIS 1989).

Das Einbetten der fixierten Stecklingsbasisstücke erfolgte mit Kunstharz (Fa. Kulzer), das speziell für feinste Mikrotomschnitte entwickelt wurde. Dieser weiche Kunststoff ist auf Basis von Hydroxyethylmetacrylat hergestellt, polymerisiert gleichmäßig, ist gut schneidbar und ermöglicht Schnitte bis zu 1 µm Dicke.

Vor dem Einbetten wurden die Objekte durch eine verkürzte Entwässerung folgendermaßen vorbereitet:


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Das Einbetten erfolgte in einzelne Einbettformen (Histoform) gegossene Einbettlösung. Diese Lösung wurde aus 10 ml VL1 und 1 ml Härter II hergestellt. In einer Form wurden zwei Stecklingsbasisstücke senkrecht eingelegt. Bei Raumtemperatur wurden die Proben innerhalb einer Stunde mit geringer Wärmeentwicklung homogen auspolymerisiert. Während dessen mußten die Objekte immer wieder ausgerichtet werden.

Nach 24 Stunden wurden die Trägerblöcke befestigt, um die Proben aus der Einbettform zu lösen. Dazu wurde Technovit 3040 verwendet, das aus einem Teil Lösung 3040 und zwei Teilen Pulver 3040 besteht, sehr dickflüssig ist und innerhalb von 10 Minuten polymerisiert. Anschließend wurden die fertigen Histoblöcke mit einer Zange aus der Platte gebrochen und durchnummeriert.

2.1.2.2. Schneiden am Mikrotom

Das Schneiden erfolgte an einem MICRON Rotationsmikrotom HM 355. Es wurden 5 µm dünne Sproßquerschnitte erzielt und etwa jeder vierte Schnitt wurde für die Auswertung verwendet. Die Schnitte wurden in destilliertem Wasser auf einem Objektträger gestreckt und auf einer Heizplatte getrocknet (60 oC).

2.1.2.3. Anfärben der Mikrotomschnitte

Für die Erleichterung der mikroskopischen Auswertung wurden die Mikrotomschnitte mit Toluidinblau angefärbt. Die Färbelösung wurde aus den folgenden Komponenten hergestellt (BRAUNE et al. 1983):

Vor dem Gebrauch wurde die Mischung mit Aqua dest. auf 1:1 verdünnt. In diese Lösung wurden die Objektträger mit den Mikrotomschnitten für fünf Minuten lang getaucht, mit Leitungswasser und Aqua dest. ausgespült, anschließend auf einer 60 oC temperierten Heizplatte getrocknet.


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2.1.3. Auswertung der Mikrotomschnitte am Mikroskop

Die gefärbten Präparate wurden unter einem Mikroskop (Olympus BH-2) betrachtet und fotografiert (Olympus OM-4Ti Fotoapparat). Die ausgewählten Schnitte mußten vor dem Fotografieren mit einem Deckglas bedeckt werden. Die Deckgläser wurden mit dem DPX Einschlußmittel von der Firma Fluka auf den Objektträgern befestigt. Die so vorbereiteten Dauerpräparate können für einen langen Zeitraum aufbewahrt werden.

2.2. Peroxidase-Aktivität im Stecklingsgewebe

2.2.1. Pflanzenmaterial

Als Versuchsmaterial dienten Corylopsis pauciflora, Cotinus coggygria 'Royal Purple', Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth', Syringa vulgaris 'Mme Florent Stepman' Prunus kurilensis 'Brillant' und Prunus tenella 'Fire Hill'.

2.2.2. Versuchsablauf

Die Stecklinge wurden Anfang Juni 1997/98 in das Steckmedium gesteckt und je 0, 7, 14, 21, 28 und 35 Tage nach dem Stecktermin fünf Stück pro Variante entnommen.

2.2.2.1. Aufbereitung des Pflanzenmaterials

Die Stecklingsbasen wurden gewaschen und je Variante 100 mg Frischmasse ausgewogen und eingefroren für eine spätere Aufarbeitung. Das Pflanzenmaterial wurde dann unter Hinzugabe einer kleinen Spatelspitze Sand und 10 mg Polyvinylpyrrolidon zermörsert. Nach der Zugabe von 1 ml Pufferlösung folgte eine Zentrifugation bei 12.000 U/min für 15 Minuten. Der Überstand (=Pflanzenextrakt) wurde umgefüllt und zu den folgenden Untersuchungen genutzt.


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2.2.2.2. Bestimmung der Peroxidase-Aktivität und des Protein-Gehaltes

Für die Messungen mußten die Pufferlösung und die Coomassie-Lösung hergestellt werden:

a) Herstellung der Pufferlösung

b) Herstellung 500 ml 0,01% Coomassie-Lösung (Brillant Blue)

Protein-Bestimmung nach BRADFORD (1976)

Leerwert:

0,5ml dest. Wasser,

2,5ml Coomassie-Lösung.

Probenansatz:

0,25ml dest. Wasser,

0,24ml Pufferlösung,

0,01ml Pflanzenextrakt,

2,5ml Coomassie-Lösung.


18

Nach 15 Minuten wurden die Probenansätze gegen den Leerwert am UNICAM UV/Vis UV2 Spectrometer mit dem Programm QUANT BRAD PROTEIN.QNT bei 595 nm gemessen. Da die Meßergebnisse zum Großteil unter der Erfassungsgrenze lagen, konnten sie nicht für eine weitere Auswertung verwendet werden. Aus diesem Grund wurde die Peroxidase-Aktivität nicht auf den Protein-Gehalt des Gewebes, sondern auf die Frischmasse bezogen.

Peroxidase-Aktivität-Messung

Leerwert:

8,0 ml Pufferlösung,

1,0 ml 1% Guajakol1,

1,0 ml 0,3% H2O2 (frisch hergestellt und erst vor der Messung dazugegeben).

Probenansatz:

7,8 ml Pufferlösung,

1,0 ml 1% Guajakol,

0,2 ml Pflanzenextrakt,

1,0 ml 0,3% H2O2 (frisch hergestellt und erst vor der Messung dazugegeben).

Die Messung der Probenansätze erfolgte gegen den Leerwert am UNICAM UV/Vis UV2 Spektrometer mit dem Programm RATE PEROX PEROX. RAT bei 470 nm. Die ermittelten Werte (Wert DeltaA/min bezogen auf 100 mg Frischmasse) wurden dokumentiert und zur Auswertung graphisch dargestellt.


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2.3. Versuche zur Adventivwurzelbildung

2.3.1. Pflanzenmaterial

Für die Untersuchungen während der drei Versuchsjahre (1996-98) wurden zur Adventivwurzelbildung an Stecklingen/Steckhölzern 11 Genotypen verwendet (Tab.1). Darunter befanden sich bei jedem Genotyp in vitro und konventionell (durch Steckling, Steckholz oder Veredlung) vermehrte Pflanzen. Alle wurden im Fachgebiet Vermehrungstechnologie/Baumschulwesen Berlin-Köpenick herangezogen, bis auf die zugekauften konventionell vermehrten Corylopsis pauciflora und die in vitro vermehrten Cotinus coggygria 'Royal Purple', die von der Baumschule Prenor, Szombathely /Ungarn/, geliefert wurden.

Tab. 1: Versuchsmaterial zur Stecklingsvermehrung 1996-1998, Stecktermin und Boniturtermin (Kon=konventionell vermehrte Mutterpflanze, IV=in vitro vermehrte Mutterpflanze, u=ungeschnitten)

Mutterpflanze

Jahrgang

1996

1997

1998

(Art, Sorte)

Steck-termin

Bonitur-
termin

Steck-termin

Bonitur-
termin

Steck-termin

Bonitur-
termin

Amelanchier laevis
'Ballerina'

Kon90
IV96
IV97

13.06.
13.06.

20.08.
20.08.

11.06.
08.06.
19.06.

01.10.
01.10.
01.10.

Corylopsis pauciflora

Kon89
Kon91
Kon93
IV95
IV97

05.08.
05.08.
05.08.
05.08.

21.11.
25.11.
25.11.
22.11.

12.06.
12.06.
09.07.
09.07.

13.10.
13.10.
13.10.
13.10.

19.06.
19.06.
19.06.
19.06.
19.06.

11.11.
11.11.
11.11.
11.11.
11.11.

Cotinus coggygria
'Royal Purple'

Kon90
IV93
IV94
IV95

20.06.
20.06.
20.06.
20.06.

07.10.
07.10.
07.10.
07.10.

04.06.
04.06.
04.06.
04.06.

01.10.
07.10.
07.10.
01.10.

08.06.
08.06.
08.06.
08.06.

02.10.
02.10.
02.10.
02.10.


20

Fortsetzung Tab. 1:

Mutterpflanze

Jahrgang

1996

1997

1998

(Art, Sorte)

Steck-termin

Bonitur-
termin

Steck-termin

Bonitur-
termin

Steck-termin

Bonitur-
termin

Prunus kurilensis
'Brillant'

Kon85
Kon92
IV91u
IV91
IV92u
IV92
IV93
IV94
IV95
IV96

20.06.
20.06.
11.06.
11.06.
11.06.
11.06.
11.06.
11.06.
19.06.

30.09.
25.09.
30.09.
30.09.
25.09.
30.09.
25.09.
26.09.
30.09.

05.06.
05.06.
05.06.
05.06.
05.06.
05.06.
05.06.
05.06.
05.06.
05.06.

17.09.
17.09.
16.09.
16.09.
16.09.
16.09.
16.09.
16.09.
16.09.
16.09.

08.06.
08.06.
08.06.
08.06.
08.06.
08.06.
08.06.
08.06.
08.06.
08.06.

30.09.
30.09.

30.09.

30.09.
30.09.
30.09.
30.09.
30.09.

Prunus serrulata
'Kanzan'

Kon90
Kon94
IV93
IV94
IV95
IV96
IV97

11.06.

11.06.
17.06.
19.06.

26.09.

26.09.
02.10.
02.10.


12.06.

12.06.
12.06.
18.06.


17.09.

17.09.
17.09.
17.09.


15.06.
15.06.

15.06.

22.06.


30.09.
30.09.

30.09.

30.09.

Prunus tenella
'Fire Hill'

Kon91
IV94
IV95
IV96

11.06.
11.06.
11.06.
05.08.

30.09.
30.09.
30.09.
22.11.

03.06.
06.06.
06.06.
13.06.

13.08.
13.08.
13.08.
13.08.

Prunus triloba

Kon85
IV94

12.06.
12.06.

17.09.
17.09.

Syringa vulgaris
'Andenken an Ludwig Späth'

Kon87
Kon93
IV93
IV94
IV95
IV96


20.06.
20.06.
25.06.
25.06.


09.10.
07.10.
01.10.
25.09.

11.06.
16.06.
16.06.
16.06.

12.06.

23.09.
24.09.
22.09.
23.09.

17.09.

04.06.
05.06.
05.06.


19.06.

28.09.
28.09.
28.09.


28.09.

Syringa vulgaris
'Mme Lemoine'

Kon87
Kon91
IV88
IV91
IV92
IV94
IV95u
IV95


13.06.

13.06.
13.06.
13.06.

19.06.


24.09.

24.09.
24.09.
24.09.

25.09.

11.06.
09.06.
09.06.


09.06.
09.06.

22.09.
22.09.
22.09.


24.09.
23.09.

04.06.
04.06.


05.06.
04.06.
04.06.
05.06.

28.09.
28.09.


28.09.
28.09.
28.09.
28.09.


21

Fortsetzung Tab. 1:

Mutterpflanze

Jahrgang

1996

1997

1998

(Art, Sorte)

Steck-termin

Bonitur-
termin

Steck-termin

Bonitur-
termin

Steck-termin

Bonitur-
termin

Syringa vulgaris
'Mme Florent Stepman'

Kon87
Kon91
IV88
IV89
IV91
IV92
IV93
IV94
IV95


18.06.
17.06.
25.06.
16.06.
17.06.
17.06.
13.06.
19.06.


12.08.
02.10.
02.10.
02.10.
01.10.
01.10.
01.10.
25.09.

11.06.
09.06

06.06.

09.06.
09.06.
09.06.
09.06.

22.09.
22.09.

23.09

17.09.
22.09.
17.09.
22.09.

04.06.
04.06.
04.06.


04.06.
04.06.
04.06.
05.06.

29.09.
29.09.
29.09.


29.09.
29.09.
29.09.
29.09.

Tilia cordata 'Wega'

Kon81
Kon86
Kon94
IV91
IV92
IV93
IV94
IV95
IV96


25.06.
24.06.
12.06.
12.06.
12.06.
12.06.
17.06.


09.10.
14.10.
14.10.
14.10.
14.10.
15.10.
15.10.

13.06.
13.06.

09.06.
11.06.
30.06.
30.06.
09.06.
09.06.

29.09.
29.09.

30.09.
29.09.
29.09.
30.09.
30.09.
30.09.

05.06.

04.06.
04.06.
04.06.
04.06.
04.06.
05.06.
05.06.

01.10.

01.10.
01.10.
02.10.
02.10.
02.10.
02.10.
01.10.

2.3.2. Zustand und Qualität der Mutterpflanzen

Die konventionell vermehrten Mutterpflanzen waren alle im Freiland ausgepflanzt. Eine Ausnahme bildete Corylopsis pauciflora, von der das älteste Exemplar (vermehrt 1989) sich in einer Schattenhalle befand, und die ´91-er und ´93-er Jahrgänge in 3 l-Töpfen, um die frostfreie Überwinterung im Gewächshaus ermöglichen zu können.

Die In-vitro-Pflanzen stammten aus der Mikrovermehrung des Ergänzenden Fachgebietes Pflanzliche Zell- und Gewebekultur. Etabliert wurden bei Amelanchier laevis 'Ballerina' und Tilia cordata 'Wega' 1cm lange Nodiensegmente, die bei den Linden auch einen Achselsproß trugen (PINKER und SCHMIDT 1997, PINKER et al. 1995). Von den anderen verwendeten Arten und Sorten wurden Einzelsprosse oder Sproßspitzen entnommen (PINKER 1993, PINKER 1995, PINKER und BETHKE 1997). Die Vermehrung erfolgte auf einem modifizierten Medium nach MURASHIGE und SKOOG (1962).

Die in vitro bewurzelten Pflanzen wurden in ein Pikiererde-Perlite-Gemisch (3:1) pikiert und unter Fog-Bedingungen kultiviert. Nach zwei bis vier Wochen begann die Abhärtungsphase.


22

Nach dieser wurden sie in ein Überführungszelt gepflanzt und als ein- bis zweijähriges Pflanzenmaterial im Freiland aufgeschult.

Ausnahmen davon bildeten die drei aus Ungarn in 10-er Töpfen gelieferten Cotinus coggygria 'Royal Purple' In-vitro-Jahrgänge, die in dem ersten Vermehrungsjahr noch im Container blieben, und erst im Folgejahr ins Freiland ausgepflanzt wurden.

Bei den 96-er Jahrgängen von Amelanchier laevis 'Ballerina' und Prunus tenella 'Fire Hill' handelte es sich ebenfalls um Containerware, die sich nach einer frostfreien Überwinterung und Überführung in 2 l-Gefäßen auf der Containerfläche befanden.

Alle Mutterpflanzen wurden jährlich im Januar zurückgeschnitten, mit Ausnahme von Prunus kurilensis 'Brillant'. Hier wurden bei einigen Varianten (s. Tab. 1) auch von ungeschnittenen Mutterpflanzen Stecklinge geworben.

Die Pflanzen wurden regelmäßig auf Krankheiten und Schädlingsbefall kontrolliert. Im Sommer 1997 wurden auf den Tilia cordata 'Wega' Mutterpflanzen (IV93 und IV94) pilzliche Fleckenkrankheiten festgestellt. 1998 waren die Mutterpflanzen des Jahrgangs IV93 von Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth' durch Pilzbefall geschwächt. Bei den Jahrgängen IV91 und IV92 von Prunus kurilensis 'Brillant' war im Mai 1998 wegen Monilia-Befall ein starker Rückschnitt erforderlich. So stand im dritten Vermehrungsjahr keine ungeschnittene Variante zur Verfügung.

Die Pflegemaßnahmen der Mutterpflanzen, sowohl bei den Containerpflanzen als auch im Freiland, erfolgten unter üblichen baumschultechnischen Gesichtspunkten.

2.3.3. Versuchsablauf

Die Stecklingsvermehrung erfolgte in einem begehbaren Folienzelt mit Außenschattierung. Dies war mit einer zeitabhängig gesteuerten Sprühregenanlage (Regenrohre mit Düsen) und einer luftfeuchtegesteuerten Hochdrucknebel-Ausrüstung (Fog) ausgestattet. Der Sollwert der relativen Luftfeuchtigkeit lag bei 95%. Die Schattierung bestand aus einem doppelt gelegten Kunststoffgeflecht.

Als Steckmedium diente ein Standardsubstrat-Kies-Gemisch (1:1). Das Standardsubstrat bestand aus Hochmoortorf (Zersetzungsgrad H2-H5) mit einem Zusatz von 25% Perlit (Körnung 1,0-7,5 mm) und einer geringen Grunddüngung (N:P:K und Mikronährstoffe). Die Körnung des gewaschenen Kieses betrug 1 bis 3 mm. Der pH-Wert des Gemisches lag bei 5.7. Dieser Wert wurde während der Vermehrungsperiode durch das regelmäßige Beregnen immer


23

höher und erreichte nach 11 Wochen einen Wert im Neutralbereich. Es wurden keine Wuchsstoffe verwendet.

Das Steckmedium wurde in Multitopfpaletten gefüllt, die zum Durchfeuchten unter Sprühregen gestellt und vor dem Stecken mit im Wasser gelöstem Malipur (1%) gegossen wurden. Die Paletten waren aus schwarzem Kunststoff und beinhalteten 24 einzelne 6-er Töpfe mit je einem Volumen von 0,1 l. Sie wurden in einer randomisierten Blockanlage in das Vermehrungszelt gestellt.

Der Stichprobenumfang betrug 2 Multitopfpaletten mit je 24 Stecklingen pro Variante, d.h. 48 Stecklinge. Die Stecklinge wurden mit einer Schere am Vormittag bei vollem Turgor in Berlin-Köpenick im Mutterpflanzenquartier des Fachgebietes Vermehrungstechnologie/ Baumschulwesen geworben. Als Stecktermin wurde der durch die Literatur (SCHMIDT 1977, SPETHMANN 1997) und eigene Beobachtungen als ”optimal“ bezeichnete Zeitpunkt gewählt. Dieser wich durch witterungsbedingte unterschiedliche Reifezustände der Mutterpflanzen in den verschiedenen Versuchsjahren terminlich etwas voneinander ab (s. Tab. 1.).

Es wurden ausschließlich Kopfstecklinge geschnitten, 1 cm unter dem letzten Nodium gekürzt und das unterste Blatt (evtl. Blätter) entfernt. Die Stecklinge der verschiedenen Arten und Sorten können folgendermaßen beschrieben werden:

Amelanchier laevis 'Ballerina'

-2 bis 3 Blätter, ca. 7-9 cm lang

Corylopsis pauciflora

-3 bis 5 Blätter, ca. 10 cm lang

Cotinus coggygria 'Royal Purple'

-mehrere Blätter, ca. 8 cm lang

Prunus kurilensis 'Brillant'

-5 bis 7 Blätter, ca. 8 cm lang

Prunus serrulata 'Kanzan'

-3 bis 4 Blätter, ca. 9 cm lang

Prunus tenella 'Fire Hill'

-5 bis 7 Blätter, ca. 7 cm lang

Prunus triloba

-4 bis 6 Blätter, ca. 7 cm lang

Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth'

-4 Blätter, ca. 10-12 cm lang

Syringa vulgaris 'Mme Florent Stepman'

-4 Blätter, ca. 10-12 cm lang

Syringa vulgaris 'Mme Lemoine'

-4 Blätter, ca. 10-12 cm lang

Tilia cordata 'Wega'

-2 Blätter, ca.8 cm lang, dekaptiert.


24

Die Steckholzvermehrung wurde mit dem folgenden Pflanzenmaterial durchgeführt (Tab. 2):

Tab. 2: Versuchsmaterial zur Steckholzvermehrung 1996-1998, Steckholzlänge (Kon=konventionell vermehrte Mutterpflanze, IV=in vitro vermehrte Mutterpflanze)

Mutterpflanze
(Art, Sorte)

Steckholz-länge

1996

1997

1998

Cotinus coggygria
'Royal Purple'

10 cm
mehrere Internodien

-

-

Kon93
IV93
IV94
IV95

Prunus serrulata 'Kanzan'

14-16 cm
2 Internodien

Kon87
IV94

Kon87
IV94

Kon87
IV94
IV96

Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth'

15-20 cm
2 Internodien

Kon87
IV94

Kon87
IV96

Kon87
IV94
IV96

Syringa vulgaris
'Katherine Havemeyer'

14-16 cm
2 Internodien

Kon87
IV94
IV95

Kon87
IV94
IV95
IV96

Kon87
IV94
IV95
IV96

Syringa vulgaris
'Mme Lemoine'

14-16 cm
2 Internodien

Kon87
IV94
IV95

Kon87
IV94
IV95

Kon87
IV94
IV95

Syringa vulgaris
'Mme Florent Stepman'

12-16 cm
2 Internodien

Kon87
IV94

Kon87
IV94

Kon87
IV94
IV95

Tilia cordata 'Wega'

10-16 cm
2 bis 3 Internodien

-

-

Kon94
IV91
IV92
IV93
IV94
IV95
IV96
IV97

Das Werben des Steckholzes erfolgte während der Ruhephase der Mutterpflanzen im Januar. Die Reiser wurden am selben Tag gebündelt, etikettiert, in Foliensäcke mit Torf verpackt und im Kühlhaus bei +4oC gelagert.


25

Vor dem Stecken wurde der Boden etwa 20 cm tief gefräst und Kompost eingearbeitet. Die kühlgelagerten Steckhölzer wurden Ende März gesteckt, so daß sich das obere Augenpaar über der Erde befand. Der Abstand zwischen den Reihen betrug 20 cm und innerhalb der Reihe etwa 4-5 cm. Pro Variante wurden 40 bis 50 Steckhölzer gesteckt. Für die Überdeckung dienten mit weißer Milchfolie überspannte, 2 m x 3 m x 1,5 m große Folientunnel.

Als Pflegemaßnahme wurde wöchentlich Unkraut entfernt. Bewässert wurde je nach Bedarf per Hand. Im Juli wurde die Milchfolie zur Abhärtung der Steckhölzer entfernt und durch ein rotes Schattengewebe ersetzt.

2.3.4. Messungen und Bonituren

Die Stecklingsversuche wurden am Ende der Vegetationsperiode im Oktober ausgewertet. Die genauen Angaben zu den einzelnen Boniturterminen sind aus Tabelle 1 zu entnehmen.
Es wurden folgende Merkmale ermittelt:

Die Anzahl bewurzelter Stecklinge und die Wurzelanzahl wurden ausgezählt. Die Wurzelfrischmasse wurde an einer Oberschalenwaage mit einer Meßeinteilung von 0,1 g ausgewogen. Die Neutrieblängen wurden mit einem Lineal gemessen, wobei die Verzweigungen miteinbezogen wurden.

Die Steckholzversuche wurden im November bonitiert. Zur Auswertung wurden folgende Boniturstufen verwendet:

• nicht bewurzelt

= mit oder ohne Kallus, keine Wurzel

• schwach bewurzelt

= 1 bis 3 verzweigte Wurzeln

• mittelstark bewurzelt

= 4 bis 5 stark verzweigte Wurzeln

• stark bewurzelt

= mehr als 6 stark verzweigte Wurzeln


26

2.3.5. Statistische Auswertung

Die erfaßten Daten wurden am PC mit dem Statistikprogramm SPSS für Windows (Version 7.5) ausgewertet. Die Diagramme wurden mit dem Programm Excel für Windows (Version 7.0) dargestellt. Für den Vergleich der unterschiedlichen Merkmale wurden die folgenden statistischen Tests verwendet (Tab. 3):

Tab. 3: Für die Auswertung verwendete statistische Tests

Bewurzelungsrate

-Mittelwertvergleiche
-Häufigkeitsanalyse, chi2-Test

Durchschnittliche Wurzelanzahl
Durchschnittliche Wurzelfrischmasse
Durchschnittliche Neutrieblänge

-Kruskal-Wallis 1-Way Anova
-Mann-Whitney U - Wilcoxon Rank Sum W Test

Bewurzelungsqualität bei Steckhölzern

-Häufigkeitsanalyse

Die Variantenumfänge betrugen bei der Stecklingsvermehrung 48, und bei der Stechholzvermehrung 40 bis 50 Stück je nach dem, wieviel Material zur Verfügung stand. Jeder einzelne Steckling und jedes einzelne Steckholz wurde als Wiederholung aufgefaßt und in die siatistischen Tests einbezogen.

2.4. Versuche zum Überwinterungsverhalten

2.4.1. Pflanzenmaterial

Die Untersuchungen wurden mit Tilia cordata 'Wega' in drei Versuchsjahren durchgeführt. Die verwendeten Varianten sind in der Tabelle 4 dargestellt:

Tab. 4: Versuchsmaterial für die Überwinterung 1996-1999 (Kon=konventionell vermehrte Mutterpflanze, IV=in vitro vermehrte Mutterpflanze)

Mutterpflanze
(Art, Sorte)

Winter
1996/97

Winter
1997/98

Winter
1998/99

Tilia cordata 'Wega'

Kon93
IV91
IV92
IV93
IV94
IV95

Kon94
IV91
IV92
IV93
IV94
IV95

Kon94
IV91
IV92
IV93
IV94
IV95


27

2.4.2. Versuchsablauf

Die Stecklinge von Tilia cordata 'Wega' wurden, wie unter dem Punkt 2.3.3. beschrieben, geworben und bewurzelt. Die bewurzelten Stecklinge wurden im November der jeweiligen Jahre in 10-er Plastiktöpfe getopft, und je Variante 48 Stück (in der Klimakammer nur 20 Stück) unter verschiedenen Bedingungen überwintert (Tab. 5 und Tab. 6):

Tab. 5: Temperaturbedingungen in Berlin-Köpenick der Winter 1996/97, 1997/98 und 1998/99.

Überwin-

1996/97

1997/98

1998/99

terungsorte

Nacht-temperatur
T(min)

Tages-temperatur
T(max)

Nacht-temperatur
T(min)

Tages-temperatur
T(max)

Nacht-temperatur
T(min)

Tages-temperatur
T(max)

Freiland

&0slash; = 1,8 o C
(-22 +11o C)

&0slash; = 4,6 oC
(-11+17oC)

&0slash; = 8,0 o C
(0...12 o C)

&0slash; = 16,0 o C
(9...30 o C)

&0slash; = 0,7 o C
(-10 +11o C)

&0slash; = 4,8 oC
(-4 +29oC)

Folienzelt

&0slash; = -1,4 o C
(-11..+10o C)

&0slash; = 9,9 oC
(4...29 o C)

&0slash; = 1,1 o C
(-9...+8 o C)

&0slash; = 11,3 o C
(1...30 o C)

&0slash; = 2,3 o C
(-6..+10o C)

&0slash; = 15,7 oC
(1...33 o C)

Gewächshaus

&0slash; = 7,5 o C
(2...15 o C)

&0slash; = 13,8oC
(7...25 o C)

&0slash; = 1,4 o C
(-7...+9 o C)

&0slash; = 6,8 o C
(-1...+23 o C)

&0slash; = 9,2 o C
(3...15 o C)

&0slash; = 18,2oC
(9...33 o C)

Klimakammer

8,0 o C

10,0 o C

8,0 o C

10,0 o C

8,0 o C

10,0 o C

Tab. 6: Luftfeuchtigkeitsbedingungen in Berlin-Köpenick der Winter 1996/97, 1997/98 und 1998/99.

Überwin-

1996/97

1997/98

1998/99

terungsorte

Rel. Luft-feuchtigkeit
LF(min)

Rel. Luft-feuchtigkeit
LF(max)

Rel. Luft-feuchtigkeit
LF(min)

Rel. Luft-feuchtigkeit
LF(max)

Rel. Luft-feuchtigkeit
LF(min)

Rel. Luft-feuchtigkeit
LF(max)

Freiland

&0slash; = 41,3%
(24...68 %)

&0slash; = 66,8%
(46...89 %)

&0slash; = 35,1%
(15...60 %)

&0slash; = 59,4%
(40...80 %)

&0slash; = 54,8%
(40...68 %)

&0slash; = 76,8%
(55...92 %)

Folienzelt

&0slash; = 58,1%
(20...90 %)

&0slash; = 90,3%
(84...93 %)

&0slash; = 58,6%
(30...85 %)

&0slash; = 87,7%
(80...90 %)

&0slash; = 55,9%
(15...90 %)

&0slash; = 88,5%
(55...94 %)

Gewächshaus

&0slash; = 47,6%
(20...75 %)

&0slash; = 68,4%
(50...93 %)

&0slash; = 71,1%
(50...85 %)

&0slash; = 83,4%
(75...90 %)

&0slash; = 47,6%
(13...76 %)

&0slash; = 77,6%
(65...97 %)

Klimakammer

78%

82%

78%

82%

78%

82%


28

Die Pflanzen blieben über Winter bis zum Mai des Folgejahres unter den beschriebenen Bedingungen stehen, wurden regelmäßig kontrolliert und nach Bedarf bewässert. Im Mai wurden sie ausgeräumt und bonitiert. Die Pflanzen wurden auf der Containerfläche aufgestellt und weiterkultiviert.

2.4.3. Messungen und Bonituren, statistische Auswertung

Vor der Überwinterung nach der Bewurzelung wurde die Durchtriebrate der Varianten ermittelt:

Im Mai wurde die Überwinterungsquote erfaßt:

Im Oktober 1997 und 1998, nach dem das Sproßwachstum beendet war, wurde die Ausbeute an Stecklingen mit Neutrieb ermittelt und die Neutrieblänge gemessen:

Die statistische Auswertung erfolgte wie unter dem Punkt 2.1.5. beschrieben.


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