Litauszky, Rita Anita: Untersuchungen zur Wirkungsintensität einer Rejuvenilisierung nach der In-vitro-Vermehrung ausgewählter Gehölzpezies am Merkmal der Adventivwurzelbildung

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Kapitel 3. Ergebnisse

Die Versuchsergebnisse werden in der Gliederung der Fragestellung der Arbeit dargestellt. Die Bearbeitungsintensität der Versuchsfragen war vom zeitlichen Aufwand und der inhaltlichen Definition entsprechend sehr differenziert. Die histologischen Untersuchungen und die Bestimmung der Peroxidase-Aktivität wurden dazu genutzt, neben den Ergebnissen aus den empirischen Bewurzelungsversuchen auch einen Beitrag zur Lösung der Zusammenhänge in den Stadien der Adventivwurzelbildung zu bringen und werden deshalb den anderen Versuchsergebnissen vorangestellt. Die Verknüpfungen zwischen den einzelnen untersuchten Parametern und die Zusammenhänge mit der vermuteten Rejuvenilisierung nach der In-vitro-Vermehrung werden im Kapitel ”Diskussion“ dargestellt.

3.1. Histologische Untersuchungen

Bei den histologischen Untersuchungen ist die größte Problematik, ob im Gewebe angelegte Wurzelprimordien bei den Mikrotomschnitten gefunden werden. Die Arbeit ist sehr zeitaufwendig. Außerdem konnten nur Genotypen mit entsprechend dünnen Trieben mit dem vorhandenen Mikrotomgerät geschnitten werden. Es wurden für die Untersuchungen verschiedene Mutterpflanzenherkünfte von Corylopsis pauciflora, Cotinus coggygria 'Royal Purple', Prunus kurilensis 'Brillant' und Prunus tenella 'Fire Hill' verwendet.

Die Stecklinge wurden im Juni gesteckt (s.Tab. 1) und während der Bewurzelung wöchentlich Proben entnommen. Zum Stecktermin (Tag 0) war bei allen Stecklingen bereits ein voll ausgebildetes Xylemgewebe vorhanden. Im Rindenparenchym waren vereinzelt Anhäufungen aus Sklerenchymzellen eingelagert (Abb.1 und 12).

3.1.1. Corylopsis pauciflora

Die Wurzelprimordien waren entweder unmittelbar aus dem Kambium gebildet worden oder vom Kambium wurde ein Phloem angelegt, in welchem Parenchymzellen zu Wurzelinitialen ausdifferenzierten. Die Wurzelbildung erfolgte nicht nur basal, sondern auch lateral.


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In den Querschnitten der Basis von Corylopsis pauciflora-Stecklingen in vitro vermehrter Mutterpflanzen wurden bereits 14 Tage nach dem Stecken Wurzelprimordien im Jungstadium gefunden (Abb.2). Zu demselben Zeitpunkt wurden im Stecklingsgewebe konventionell vermehrter Mutterpflanzen keine Zellteilungen beobachtet.

Abb. 1: Querschnitt der Corylopsis pauciflora-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanze am Tag 0.

Abb. 2: Wurzelprimordium im Jungstadium im Querschnitt der Corylopsis pauciflora- Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanze, 14 Tage nach dem Stecken


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21 Tage nach dem Stecktermin waren bei den In-vitro-Varianten Wurzelprimordien entwickelt und einige Primordien befanden sich in dem Stadium des Auswachsens (Abb. 4). Die Epidermis wurde durchbrochen und Gefäßstränge waren sichtbar.

Abb. 3: Querschnitt der Corylopsis pauciflora-Stecklingsbasis konventionell vermehrter Mutterpflanze, 21 Tage nach dem Stecken.

Abb. 4: Wurzelprimordium im Querschnitt der Corylopsis pauciflora-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanze, 21 Tage nach dem Stecken.


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Am 28. Bewurzelungstag wurden schon vollentwickelte Wurzeln mit einer guten Gefäßanbindung zum vasculären Gewebe dokumentiert (Abb. 6). Bei diesem Entnahmetermin wurden in den Stecklingsbasisquerschnitten der konventionellen Varianten die ersten Wurzelprimordien gefunden (Abb. 5).

Abb. 5: Wurzelprimordium im Jungstadium im Querschnitt der Corylopsis pauciflora- Stecklingsbasen konventionell vermehrter Mutterpflanze, 28 Tage nach dem Stecken.

Abb. 6: Wurzelprimordium im Querschnitt der Corylopsis pauciflora-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanze, 28 Tage nach dem Stecken


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3.1.2. Cotinus coggygria 'Royal Purple'

Auch in den Stecklingsbasen von Cotinus coggygria 'Royal Purple' wurden die ersten Wurzelprimordien bei der In-vitro-Variante am 14. Tag gefunden. Eine Woche später konnten bei beiden Varianten Primordien dokumentiert werden. Zu diesem Zeitpunkt waren an den Stecklingen der In-vitro-Mutterpflanzen makroskopisch sichtbare Wurzeln vorhanden. Die Wurzeln wuchsen durch das stark entwickelte Kallusgewebe hindurch. Innerhalb der Wurzeln sind Gefäßstränge zu erkennen (Abb. 7 und 8).

Abb. 7: Querschnitt der Cotinus coggygria 'Royal Purple'-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanzen, 21 Tage nach dem Stecken

Abb. 8: Querschnitt der Cotinus coggygria 'Royal Purple'-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanzen, 21 Tage nach dem Stecken


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3.1.3. Prunus kurilensis 'Brillant'

Bei der Sorte Prunus kurilensis 'Brillant' konnten erst am 21. Bewurzelungstag in den Stecklingsbasisquerschnitten bei der In-vitro-Variante Wurzelprimordien dokumentiert werden. Das Primordium war kegelförmig. Eine gutentwickelte Gefäßanbindung zum Xylem war vorhanden (Abb. 9 und 10). Die Wurzelprimordien waren vermutlich aus den innersten parenchymatischen Zellen entstanden. Die Wurzelbildung erfolgte basal.

Abb. 9: Querschnitt der Prunus kurilensis 'Brillant'-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanze, 21 Tage nach dem Stecken

Abb. 10: Querschnitt der Prunus kurilensis 'Brillant'-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanze, 21 Tage nach dem Stecken


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3.1.4. Prunus tenella 'Fire Hill'

Bei den 1997 mit Prunus tenella 'Fire Hill' durchgeführten Untersuchungen wurden keine Wurzelprimordien gefunden. Selbst 28 Tage nach dem Stecken konnten keine Zellteilungen beobachtet werden (Abb. 11). Im Rindenparenchym dieser Sorte hatten die eingelagerten Anhäufungen von Sklerenchymzellen teilweise Sklerenchymring gebildet (Abb. 12).

Abb. 11: Querschnitt der Prunus tenella 'Fire Hill'-Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanzen, 28 Tage nach dem Stecken

Abb. 12: Anhäufungender Sklerenchymzellen im Querschnitt der Prunus tenella 'Fire Hill'- Stecklingsbasis in vitro vermehrter Mutterpflanzen, 21 Tage nach dem Stecken


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3.2. Untersuchungen zur Peroxidase-Aktivität

Die pflanzlichen Peroxidasen (IAA-Oxidasen) sind Enzyme, die das endogene Auxin abbauen und seine Aktivität während der Adventivwurzelbildung beeinflussen. Es ist anzunehmen, daß bei intensiver Adventivwurzelbildung auch mehr Auxin gebildet wird, was bedeutet, daß eine erhöhte Abbauintensität benötigt würde. Infolgedessen wird die IAA-Oxidase-Aktivität als biochemischer Marker angesehen, um eine größere Bewurzelungskapazität anzuzeigen (GASPAR et al 1992). Da zwischen der Peroxidase-Aktivität und der IAA-Oxidase-Aktivität ein Zusammenhang vermutet wird, wurde in den eigenen Versuchen wegen deren einfacherer Bestimmung die Peroxidase-Aktivität ermittelt. Untersucht wurde, ob Stecklinge aus verschieden juvenilen Mutterpflanzenherkünften eines Genotyps während der Adventivwurzelbildung eine veränderte Peroxidase-Aktivität aufweisen.

In der folgenden Tabelle (Tab. 10) wurden zum Vergleich die mikroskopischen und bei den Syringa-Vulgaris-Hybriden nur die makroskopischen Beobachtungen während der Adventiv-wurzelbildung bei den Genotypen dargestellt, deren Peroxidase-Aktivität ermittelt wurde.

Tab. 10: Mikroskopische und makroskopische*) Beobachtungen während der Adventivwurzelbildung bei verschiedenen Genotypen

Genotyp

Verm. Jahr

Variante

Tag 14

Tag 21

Tag 28

Tag 35

Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman'*

1997

Kon87

-

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman'*

1997

IV93

Kallus

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman'*

1998

Kon87

-

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman'*

1998

IV94

Kallus

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Andenken an L.Späth'*

1997

Kon87

-

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Andenken an L.Späth'*

1997

IV96

-

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Andenken an L.Späth'*

1998

Kon87

-

Kallus

Kallus

Kallus

Syringa vulgaris 'Andenken an L.Späth'*

1998

IV94

-

Kallus

Kallus

Kallus

Corylopsis pauciflora

1997

Kon91

Kallus

Kallus

Kallus
Primordium

Kallus
Primordium

Corylopsis pauciflora

1997

IV95

Kallus

Kallus

Kallus
Primordium

Kallus
Primordium


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Fortzetzung Tab. 10:

Genotyp

Verm. Jahr

Variante

Tag 14

Tag 21

Tag 28

Tag 35

Corylopsis pauciflora

1998

Kon91

Kallus

Kallus

Kallus
Primordium

Kallus
Wurzel

Corylopsis pauciflora

1998

IV95

Kallus, Wurzelinitiale

Kallus Primordium

Kallus
Wurzel

Kallus
Wurzel

Cotinus coggygria 'Royal Purple'

1998

Kon90

Kallus

Kallus Primordium

Kallus Primordium

Kallus
Wurzel

Cotinus coggygria 'Royal Purple'

1998

IV95

Kallus Primordium

Kallus Primordium

Kallus
Wurzel

Kallus
Wurzel

Prunus tenella 'Fire Hill'

1997

Kon94

-

Kallus

Kallus

Prunus tenella 'Fire Hill'

1997

IV95

-

Kallus

Kallus

Kallus

Prunus tenella 'Fire Hill'

1997

IV96

-

Kallus

Kallus

Prunus kurilensis 'Brillant'

1998

Kon85

-

-

-

-

Prunus kurilensis 'Brillant'

1998

IV94

-

Primordium

Primordium

Primordium

-.....keine sichtbaren Veränderungen (ebenfalls an den Untersuchungstagen 0 und 7)

3.2.1. Syringa-Vulgaris-Hybriden

Die Messungen der Peroxidase-Aktivität wurden mit den beiden Flieder-Sorten 'Andenken an Ludwig Späth' und 'Mme Florent Stepman' in zwei Versuchsjahren parallel zu der Stecklingsbewurzelung durchgeführt.

Bei der Sorte 'Mme Florent Stepman' unterschieden sich die Ausgangsergebnisse in den zwei Versuchsjahren deutlich (Abb. 13 und 14). 1997 lag die Enzymaktivität zum Stecktermin bei beiden Varianten unter 0,1 DeltaAxmin-1 /mg FM, während im Jahr 1998 über 0,5 DeltaAxmin-1 /mg FM gemessen wurde. Die Peroxidase-Aktivitätskurven verliefen in den beiden Jahren ähnlich. Die Kurve der In-vitro-Variante erreichte zwei Maxima (peaks), wobei das zweite Maximum einen höheren Wert aufwies. Die Maxima lagen 1997 am 14. und am 28. Tag (1,585 DeltaAxmin-1 /mg FM). Danach fiel die Kurve steil ab. 1998 wurde das erste Maximum schon am 7. Tag erreicht. Das zweite lag auch hier am 28. Tag mit einem Wert von 1,561 DeltaAxmin-1 /mg FM. Die Geschwindigkeit der Abnahme der Enzymaktivität war geringer als im Jahr davor. Die konventionelle Variante erreichte in beiden Jahren nur ein Maximum, am 21. Tag. Sowohl der Anstieg zum Maximum als auch die Abnahme der Peroxidase-Aktivität danach war weniger steil als bei der In-vitro-Variante beider Versuchsjahre. Dies und auch die Tatsache, daß die Maximalwerte denen der In-vitro-Varianten unterlegen waren, deuten auf ein geringeres Bewurzelungspotential der konventionellen Variante hin.


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Damit das Niveau der Veränderungen in der Peroxidase-Aktivität zwischen den einzelnen Genotypen besser vergleichbar wird, wurden die relativen Veränderungen (in %) gegenüber dem jeweiligen Ausgangswert am Tag 0 errechnet. Diese Angaben befinden sich in Tab. I im Anhang.

Abb. 13: Peroxidase-Aktivität bei Syringa vulgaris 'Mme Florent Stepman' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1997.

Abb. 14: Peroxidase-Aktivität bei Syringa vulgaris 'Mme Florent Stepman' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1998.


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Bei der Fliedersorte 'Andenken an Ludwig Späth' entsprachen die Ergebnisse der Peroxidase-Aktivitätsmessungen den Arbeitshypothesen nicht. 1997 wurde bei der In-vitro-Variante eine deutlich (mehr als zweifach) höhere Ausgangsenzymaktivität als bei dem konventionellen Jahrgang gemessen (Abb. 15). Die In-vitro-Variante erreichte ihr Maximum am 21. Tag (1,975 DeltaAxmin-1 /mg FM), und danach fiel ihre Kurve steil ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der konventionelle Jahrgang eine ebenso große Peroxidase-Aktivität (1,924 DeltaAxmin-1 /mg FM), die bis zum nächsten Prüftag noch anstieg, und dann langsam abnahm. Da in diesem Versuchsjahr die In-vitro-Variante eine signifikant niedrigere Bewurzelungsrate und eine signifikant größere Wurzelfrischmasse erreichte, kann kein Zusammenhang zwischen der Peroxidase-Aktivität und der Bewurzelungsleistung dieses Genotyps festgestellt werden. Dies unterstreichen auch die Messungen in dem darauffolgenden Versuchsjahr.

1998 war die In-vitro-Variante der konventionellen sowohl bei der Bewurzelungsrate als auch in den Wurzelqualitätsmerkmalen statistisch gesichert überlegen. Trotzdem hatte die konventionelle Variante die höhere Peroxidase-Aktivität, die am 14. Tag einen Maximumwert von 1,274 DeltaAxmin-1 /mg FM erreichte. Jedoch sind beide Kurven am letzten Prüftag noch im ansteigenden Stadium (Abb. 16).

Abb. 15: Peroxidase-Aktivität bei Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1997.


40

Abb. 16: Peroxidase-Aktivität bei Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1998.

3.2.2. Corylopsis pauciflora

Die Peroxidase-Aktivität von Corylopsis pauciflora wurde auch in zwei aufeinanderfolgenden Vegetationsperioden untersucht. 1997 erreichten beide Varianten ihr Maximum am 14. Tag. Der Hypothese entgegengesetzt wies die konventionelle Variante eine höhere Enzymaktivität (0,766 DeltaAxmin-1 /mg FM) auf als die In-vitro-Variante (0,495 DeltaAxmin-1 /mg FM) und hatte eine steiler an- und nach dem Maximum zwischen Tag 14 und 21 absteigende Kurve. Dieses Phänomen entspricht jedoch der Bewurzelungsrate dieses Jahres bei Corylopsis pauciflora (Abb. 40. und Abb. 17).

1998 war die In-vitro-Variante (1,015 DeltaAxmin-1 /mg FM) dem konventionellen Jahrgang (0,705 DeltaAxmin-1 /mg FM) sowohl bei den ermittelten Bewurzelungsergebnissen als auch in der Peroxidase-Aktivität überlegen. Das Maximum hatten beide Varianten am 21. Tag erreicht. Auch die Geschwindigkeit der Abnahme der Enzymaktivität war bei dem In-vitro-Jahrgang größer, was nach der Hypothese auch auf eine größere Bewurzelungsleistung hindeutet (Abb. 18).


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Abb. 17: Peroxidase-Aktivität bei Corylopsis pauciflora während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1997.

Abb. 18: Peroxidase-Aktivität bei Corylopsis pauciflora während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1998.


42

3.2.3. Cotinus coggygria 'Royal Purple'

Die Peroxidase-Aktivität von Cotinus coggygria 'Royal Purple' wurde nur 1998 untersucht. Es handelte sich um einen Genotyp, der sich sehr gut (bis zu 100%) bewurzelte. In dem genannten Versuchsjahr konnte nur in der Bewurzelungsqualität (Wurzelanzahl und Wurzelfrischmasse) die bessere Bewurzelungsfähigkeit der juvenilen In-vitro-Variante ermittelt werden. Die Bewurzelungsraten waren fast identisch. Jedoch erreichte die konventionelle Variante ein höheres Maximum (1,889 DeltaAxmin-1 /mg FM) als der In-vitro-Jahrgang (1,166 DeltaAxmin-1 /mg FM). Das widerspricht der Arbeitshypothese (Abb. 19). Es ist wichtig festzustellen, daß die In-vitro-Variante eine niedrigere Peroxidase-Aktivität aufzeigte, obwohl eine zügigere Bewurzelung beobachtet wurde. Am 28. Tag hatten schon die meisten Stecklinge ausgewachsene Wurzeln, so daß die Messungen nicht weiter fortgesetzt wurden. Dies unterstreichen auch die histologischen Untersuchungen, wobei in den Stecklingsbasen der In-vitro-Variante dieser Sorte schon nach 14 Tagen Wurzelprimordien und am 21. Bewurzelungstag makroskopisch sichtbare Wurzeln im Auswuchsstadium dokumentiert werden konnten.

Abb. 19: Peroxidase-Aktivität bei Cotinus coggygria 'Royal Purple' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1998.


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3.2.4. Prunus tenella 'Fire Hill'

Bei Prunus tenella 'Fire Hill' handelt es sich um eine Sorte, die sich über Stecklinge sehr schwer bewurzeln läßt. Die ermittelten Bewurzelungsraten lagen in dem entsprechenden Versuchsjahr und unter den aufgeführten Prüfbedingungen zwischen 0% und 5%. Hier konnte bei den beiden In-vitro-Varianten kein Maximum festgestellt werden, da die Kurven am letzten Prüftag noch einen Aufwärtstrend zeigten. Die Variante IV95 wies einen Peroxidase-Aktivitätswert von 0,642 DeltaAxmin-1 /mg FM auf, währenddessen am selben Tag die Proben des Jahrgangs IV96 kaum die Hälfte, 0,301 DeltaAxmin-1 /mg FM erreichten. Die konventionelle Variante zeigte ein Maximum am 21. Tag. Dieses war gegenüber den anderen, in die Untersuchung miteinbezogenen Genotypen sehr niedrig (0,198 DeltaAxmin-1 /mg FM) (Abb. 20).

Abb. 20: Peroxidase-Aktivität bei Prunus tenella 'Fire Hill' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1997.


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3.2.5. Prunus kurilensis 'Brillant'

Prunus kurilensis 'Brillant' war der einzige untersuchte Genotyp, bei dem sich die Peroxidase-Aktivitäten der beiden Varianten praktisch nicht voneinander unterscheiden ließen. Beide Kurven hatten kein Maximum und waren noch am 35. Tag in der aufsteigenden Phase mit einem Wert von 0,711 DeltaAxmin-1 /mg FM bei der konventionellen Variante und 0,741 DeltaAxmin-1 /mg FM bei dem In-vitro-Jahrgang. Vergleichend dazu war in diesem Versuchsjahr auch die Bewurzelungsrate der beiden Varianten nicht signifikant voneinander unterscheidbar. Nur in der Wurzelqualität war die In-vitro-Variante der konventionellen überlegen (Abb. 21).

Abb. 21: Peroxidase-Aktivität bei Prunus kurilensis 'Brillant' während der Adventivwurzelbildung im Jahr 1998.


45

3.3. Stecklingsbewurzelung

Die Ergebnisse der Stecklingsbewurzelung sind in Diagrammen dargestellt. Die unterschiedlichen Buchstaben über den Säulen weisen auf signifikante Unterschiede hin. Der statistische Vergleich erfolgte zwischen den Varianten eines Jahres.

3.3.1. Syringa-Vulgaris-Hybriden

Von den verschiedenen Syringa-Vulgaris-Hybriden ist bekannt, daß sie bei der In-vitro-Vermehrung deutliche Unterschiede in der Vermehrungsrate und im Wuchsverhalten aufweisen (AL HUSSIN 1988; WALDENMAIER 1991). Deshalb war zu vermuten, daß auch eine Rejuvenilisierung durch die In-vitro-Vermehrung sortenspezifisch ausgeprägt sein kann. Drei Sorten wurden in die Versuche einbezogen, von denen die unterschiedlichen In-vitro-Reaktionen nachgewiesen werden konnten. Bei dieser Versuchsserie stand nicht nur der Vergleich von Mutterpflanzenherkünften eines Genotyps mit drei Wiederholungen im Mittelpunkt, sondern auch der Vergleich zwischen den Genotypen.

Die Sorte 'Andenken an Ludwig Späth' bewurzelte sich gut. Mit wenigen Ausnahmen lag die Bewurzelungsrate zwischen 87% und 100% (Abb. 22). Die schlechte Bewurzelung des Jahrgangs IV93 im dritten Versuchsjahr kann auf die schlechte Kondition der Mutterpflanzen durch Pilzbefall zurückgeführt werden. Die Variante IV96 hatte im zweiten Versuchsjahr als einjährige Mutterpflanze wahrscheinlich noch nicht genügend Reservestoffe, um das 100%-ige Ergebnis wie im Jahr 1998 zu erbringen, und erreichte eine Bewurzelungsrate von nur 68,7%.

Bei dem Merkmal Wurzelanzahl konnten nicht in jedem Versuchsjahr statistisch gesicherte Unterschiede festgestellt werden (Abb. 23). 1996 erreichte die Variante IV93 signifikant die besten Ergebnisse in beiden Qualitätsmerkmalen. Im zweiten Versuchsjahr war nur die Wurzelfrischmasse der jüngsten In-vitro-Jahrgänge signifikant größer (1,39g), als die der anderen Varianten (Abb. 24). 1998 hatten die Stecklinge der Mutterpflanzen IV96 signifikant mehr Wurzeln gebildet. Die Wurzelfrischmassen waren in diesem Jahr bei der konventionellen Variante (1,12g) und dem ältesten In-vitro-Jahrgang (0,94g) am niedrigsten, während die Variante IV96 ein statistisch gesichert höheres Ergebnis (2,01g) erbrachte.

Es ist festzustellen, daß die Bewurzelungsqualität bei den Stecklingen der jüngeren In-vitro-Mutterpflanzen während der drei Versuchsjahre bis zu einem bestimmten Alter zunimmt, und die Ergebnisse der älteren Mutterpflanzen sich mit den Jahren verschlechtern.


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Abb. 22: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Andenken an L. Späth' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 23: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Andenken an L. Späth' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 24: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Andenken an L. Späth' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


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Syringa vulgaris 'Mme Lemoine'

Bei der Sorte ´Mme Lemoine´ wurde ähnlich wie bei Prunus kurilensis 'Brillant', neben den verschiedenen Jahrgängen der geschnittenen Mutterpflanzen auch eine junge ungeschnittene In-vitro-Variante in die Versuche einbezogen, um zu prüfen, welche Auswirkung der Pflanzenschnitt neben der Wirkung der Mutterpflanzenherkunft auf die Adventivwurzelbildung hat.

Die Bewurzelungsergebnisse dieser Sorte entsprechen eindeutig der Arbeitshypothese, das heißt, die Stecklinge juveniler Mutterpflanzenherkünfte bewurzelten sich besser als die des adulten Pflanzenmaterials.

Mit einer Ausnahme im zweiten Versuchsjahr war die Bewurzelungsrate der beiden jüngsten In-vitro-Varianten die höchste (83% bis 96%) und die des ältesten konventionellen Jahrgangs die niedrigste (45% bis 60%). Zwischen den Ergebnissen wurden statistisch gesicherte Unterschiede festgestellt (Abb. 25).

Im ersten Versuchsjahr hatten nur die Stecklinge von den konventionell vermehrten Mutterpflanzen signifikant weniger Wurzeln (5,6 Stück) gebildet. 1997 waren neben den konventionellen Varianten die Variante IV88 und im dritten Versuchsjahr die Jahrgänge Kon87 und IV91, die statistisch gesichert weniger (4,1 Stück) Wurzeln erbrachten, als die jüngere In-vitro-Varianten, deren durchschnittliche Wurzelanzahl zwischen 5,9 und 7,3 Stück lag (Abb. 26).

Die Ergebnisse der Wurzelfrischmasse-Ermittlung zeigten ein ähnliches Bild wie die Wurzelanzahl. Auch hier sind alle In-vitro-Varianten mit einer Ausnahme (IV91 im dritten Versuchsjahr) den konventionellen überlegen (Abb. 27).

Die Stecklinge der ungeschnittenen Variante IV95 haben sich jedes Jahr signifikant schlechter bewurzelt, als die von geschnittenen Mutterpflanzen desselben Jahrgangs. Sowohl die Wurzelanzahl als auch die Wurzelfrischmassenergebnisse lagen hier auf dem Niveau der konventionellen Variante.


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Abb. 25: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Mme Lemoine' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 26: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Mme Lemoine' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 27: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Mme Lemoine' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


49

Syringa vulgaris 'Mme Florent Stepman'

Die Stecklinge von 'Mme Florent Stepman' bewurzelten sich 1996 über 80% und nur die konventionellen und die ältesten In-vitro-Varianten zeigten signifikante Unterschiede. In dem darauffolgenden Versuchsjahr wiesen nur noch die beiden jüngsten und der 89-er In-vitro-Jahrgang eine signifikant höhere Bewurzelungsrate auf. 1998 bewurzelten sich alle Jahrgänge schlechter, besonders die Ergebnisse der IV92-er Variante waren niedriger. Jedoch waren die anderen In-vitro-Varianten den konventionellen überlegen (Abb. 28).

Die Ergebnisse bezüglich der Wurzelanzahl zeigten ein differenzierteres Bild, das nicht in jedem Versuchsjahr der der Versuchsfrage zu Grunde liegenden These entspricht (Abb. 29). 1996 hatten die Stecklinge der In-vitro-Varianten mit Ausnahme des Jahrgangs IV91 alle signifikant mehr Wurzeln gebildet als die von konventionellen Mutterpflanzen, 1997 waren es nur noch die Jahrgänge IV89, IV93 und IV94 und im dritten Versuchsjahr nur IV94 und IV95. 1998 war sogar die Wurzelanzahl der konventionellen Varianten höher, als die einiger älterer In-vitro-Varianten.

In den ersten beiden Versuchsjahren waren bezüglich der Wurzelfrischmasse alle In-vitro-Varianten den konventionellen überlegen. Die Unterschiede konnten statistisch gesichert werden. 1998 war es nur noch die jüngste In-vitro-Variante, die eine signifikant größere Wurzelfrischmasse (1,44g) gebildet hatte. Ähnlich wie bei dem Merkmal Wurzelanzahl, waren in diesem Versuchsjahr die Ergebnisse der konventionellen Varianten denen der älteren In-vitro-Varianten überlegen (Abb. 30).


50

Abb. 28: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 29: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 30: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Syringa vulgaris 'Mme F. Stepman' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


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3.3.2. Prunus kurilensis 'Brillant'

Bei Prunus kurilensis 'Brillant' wurden außer den verschiedenen Jahrgängen auch geschnittene und ungeschnittene Mutterpflanzen in die Versuche einbezogen, um zu prüfen, welche Auswirkung der Pflanzenschnitt neben der Wirkung der Mutterpflanzenherkunft auf die Adventivwurzelbildung hatte. In den folgenden Diagrammen wurden die ungeschnittenen Jahrgänge mit dem Index "u" versehen.

Die Bewurzelungsrate (Abb. 31) bei den geschnittenen In-vitro-Mutterpflanzen lag überwiegend zwischen 80% und 100%. Ausnahmen bildeten darunter die Varianten IV91 und IV93 im Jahr 1997, sowie der Jahrgang IV94, der in den drei Versuchsjahren durchgehend niedrige (60-75%) Bewurzelungsraten erzielte. Die konventionellen Varianten erreichten mit zwei Ausnahmen eine noch niedrigere Bewurzelungsrate (58-71%).

Die größte Wurzelmasse (Abb. 33) hatten die jüngsten In-vitro-Mutterpflanzen, aber auch die älteren konventionell vermehrten Mutterpflanzen, die in den letzten Jahren jedesmal sehr stark geschnitten worden waren. Jedoch hatten die Stecklinge älterer konventionell vermehrter Mutterpflanzen in den drei Vermehrungsjahren signifikant weniger Wurzeln gebildet als die beiden jüngsten In-vitro-Varianten (Abb. 32). 1998 hatten die Stecklinge aller geschnittenen Mutterpflanzenvarianten eine größere Wurzelanzahl, als die der konventionellen Varianten. Die vier jüngsten In-vitro-Varianten waren auch in der Wurzelfrischmasse überlegen.

Es ist festzustellen, daß Stecklinge von ungeschnittenen Mutterpflanzen sich in beiden Vermehrungsjahren schlechter bewurzelten als Stecklinge geschnittener Mutterpflanzen von demselben Jahrgang, in einigen Fällen (z.B. IV91u) sogar schlechter als die von älteren geschnittenen Mutterpflanzen (Verzögerung der Alterung durch Mutterpflanzenschnitt). Diese Feststellung gilt sowohl für die Bewurzelungsrate als auch für die Bewurzelungsqualität. Da die Bewurzelung dieser Sorte unter heutigen Umständen nicht mehr problematisch ist, kann es vorkommen, daß die Wirkung des Pflanzenschnittes die Rejuvenilisierung durch In-vitro-Vermehrung überlagert.


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Abb. 31: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Prunus kurilensis 'Brillant' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 32: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Prunus kurilensis 'Brillant' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 33: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Prunus kurilensis 'Brillant' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


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3.3.3. Prunus tenella 'Fire Hill'

Die Sorte Prunus tenella 'Fire Hill' bewurzelte sich sehr schlecht. Es wurden in den drei Versuchsjahren eine konventionelle (Kon91) und drei In-vitro-Varianten (IV94, IV95 und IV96) in die Versuche miteinbezogen. In den meisten Fällen fand keine Bewurzelung statt. Nur die jüngste In-vitro-Variante hat 1997 eine auswertbare Menge an bewurzelten Stecklingen (25%) erbracht. Die Wurzelanzahl betrug 1,8 Stück je Steckling und die durchschnittliche Wurzelfrischmasse lag bei 0,29 g.

3.3.4. Prunus serrulata 'Kanzan'

Alle Prunus serrulata 'Kanzan'-Varianten bewurzelten sich in den drei Versuchsjahren zu über 95%. Zwischen den verschiedenen Ergebnissen der Bewurzelungsrate gab es keinen signifikanten Unterschied (Abb. 34).

Bei der Wurzelanzahl waren die In-vitro-Varianten den konventionellen in jedem Versuchsjahr überlegen (Abb. 35). Diese Unterschiede waren statistisch gesichert. 1996 waren es die Varianten IV93 und IV95, die am meisten Wurzeln (14,8 und 16,5 Stück) je Steckling gebildet hatten. Im zweiten Versuchsjahr hatten die Jahrgänge IV95 und IV96 die größte Wurzelanzahl (22,1 und 24,0). 1998 erbrachte die Variante IV95 das beste Ergebnis (19,1).

Die Wurzelfrischmassen-Ermittlungen zeigen ein anderes Bild (Abb. 36). Hier wurde in dem ersten Versuchsjahr zwischen den Varianten kein signifikanter Unterschied festgestellt, nur der Jahrgang IV94 war den anderen unterlegen. 1997 ergaben die Varianten IV94 und IV95 eine signifikant größere Wurzelfrischmasse als die konventionelle Variante. Dabei zeigte sich auch zwischen diesen Varianten ein signifikanter Unterschied. In dem dritten Versuchsjahr waren alle In-vitro-Varianten dem konventionellen Jahrgang überlegen, die größte Wurzelfrischmasse (3,63g) erbrachte die Variante IV93.


54

Abb. 34: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Prunus serrulata 'Kanzan' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 35: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Prunus serrulata 'Kanzan' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 36: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Prunus serrulata 'Kanzan' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


55

3.3.5. Prunus triloba

Bei Prunus triloba wurden im Jahr 1997 mit zwei Varianten (Kon87 und IV94) Bewurzelungsversuche durchgeführt. Die beiden Varianten bewurzelten sich über 90%, und es war kein signifikanter Unterschied feststellbar. In der Wurzelanzahl war die konventionelle Herkunft mit durchschnittlich 4,9 Wurzeln je Steckling der Variante IV94 (2,7 Stück) überlegen. Jedoch hatten die Stecklinge der In-vitro-Variante eine signifikant größere Wurzelfrischmasse (1,22g) erbracht, als die der konventionellen Variante (0,97g).

3.3.6. Amelanchier laevis 'Ballerina'

Bei Amelanchier laevis 'Ballerina' wurde eine konventionelle Variante im Versuchsjahr 1997 mit einer, und 1998 mit zwei In-vitro-Varianten verglichen. 1997 war die Variante IV96 der konventionellen deutlich überlegen und führte zu einer mehr als dreifachen Bewurzelungsrate (Abb. 37). In dem darauffolgenden Versuchsjahr war kein statistisch gesicherter Unterschied zwischen diesen Varianten feststellbar, nur der Jahrgang IV97 hatte eine signifikant höhere Bewurzelungsrate (93,7%).

Ein ähnliches Bild zeigten die Ergebnisse bezüglich der Wurzelanzahl und der Wurzelfrischmasse. Auch hier war im Jahr 1997 die In-vitro-Variante der konventionellen überlegen und hat mehr als doppelt soviel Wurzeln gebildet, die sechsfach mehr Frischmasse erbrachten. 1998 war aber nur die Wurzelanzahl der Variante IV97 dem konventionellen Jahrgang überlegen, wogegen beide In-vitro-Varianten eine signifikant größere Wurzelfrischmasse besaßen (Abb. 38 und 39).


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Abb. 37: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Amelanchier laevis 'Ballerina' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 38: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Amelanchier laevis 'Ballerina' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 39: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Amelanchier laevis 'Ballerina' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


57

3.3.7. Corylopsis pauciflora

Bei Corylopsis pauciflora zeigen die Ergebnisse bezüglich der Bewurzelungsrate ein differenziertes Bild, das nicht in jedem Versuchsjahr der zu Grunde gelegten Hypothese entspricht (Abb. 40). Im Jahr 1996 zeigte das Vermehrungsmaterial der ältesten konventionell vermehrten Mutterpflanzen die höchste Bewurzelungsrate, während die jüngeren konventionell vermehrten und die in vitro vermehrten Mutterpflanzen signifikant geringere Ergebnisse zeigten. Ursache dafür kann der Entwicklungszustand der Mutterpflanzen zum Zeitpunkt der Entnahme des Vermehrungsmaterials sein. Nur die Mutterpflanze des Jahrganges 1989 war im Freiland ausgepflanzt, die anderen Mutterpflanzen-Varianten standen in Containern und hatten 1996 einen verzögerten und schwachen Triebzuwachs. Grund dafür kann der schlechte Ernährungszustand dieser Mutterpflanzen sein. Auch die Bewurzelungsrate der Versuchswiederholung im Jahr 1997 war in der In-vitro-Variante entgegen der Hypothese am schlechtesten. Dieses kann ebenfalls auf den Entwicklungszustand der Mutterpflanzen zurückzuführen sein. Es wird dadurch bekräftigt, daß im dritten Versuchsjahr 1998 die Stecklinge der In-vitro-Varianten eine 100%-ige Bewurzelungsrate aufwiesen, jedoch unterschieden sich diese Ergebnisse nur von der ältesten konventionellen Mutterpflanze signifikant.

Bei dem Merkmal Wurzelanzahl kann die Juvenilität des In-vitro-Ausgangsmaterials durch die signifikant höhere Anzahl gebildeter Wurzeln pro Steckling vermutet werden (Abb. 41). So wies die Variante IV95 in allen drei Jahren durchschnittlich 16 bis 18 Wurzeln pro Steckling auf, während die Anzahl bei den konventionellen Varianten überwiegend zwischen 7 und 12 lag.

Die Wurzelfrischmasse kann ebenso die Qualität des bewurzelten Stecklings dokumentieren (Abb. 42). Bis auf eine Ausnahme im Jahr 1997, wo die älteste konventionelle Variante die größte Wurzelfrischmasse (0,43g) erbrachte, ist hier die In-vitro-Variante eindeutig überlegen. In dem Versuchsjahr 1997 erzielten die Stecklinge der in vitro vermehrten Mutterpflanzen eine Wurzelfrischmasse von 0,61g (IV95) bzw.0,58g (IV97), wogegen das beste Ergebnis der konventionellen Variante bei 0,44g lag. Diese Unterschiede sind statistisch gesichert.


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Abb. 40: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Corylopsis pauciflora in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 41: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Corylopsis pauciflora in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 42: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Corylopsis pauciflora in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


59

3.3.8. Cotinus coggygria 'Royal Purple'

Bei Cotinus coggygria 'Royal Purple' wurde eine konventionell vermehrte Mutterpflanzenherkunft (Jahrgang 1990) mit drei In-vitro-Jahrgängen verglichen. Dabei zeigte sich bezüglich der Bewurzelungsrate in zwei Versuchsjahren kein signifikanter Unterschied, was auf die allgemein gute Adventivwurzelbildung (90-100%) bei dieser Sorte zurückzuführen ist (Abb. 43). Ausschießlich im Versuchsjahr 1997 konnte ein Unterschied zwischen den konventionellen und In-vitro-Varianten statistisch gesichert werden. Jedoch erreichte hier die konventionelle Variante eine Bewurzelungsrate von 89,5%, während die Stecklinge der beiden jüngsten In-vitro-Jahrgänge zu 100% bewurzelten.

Wurzelanzahl und Wurzelfrischmasse waren 1996 durch den Zustand der Mutterpflanzen beeinflußt. Im Gegensatz dazu wiesen die Ergebnisse 1997 und insbesondere das Jahr 1998 eindeutig in Richtung Arbeitshypothese. In beiden Versuchsjahren war sowohl in der Wurzelanzahl als auch in der Wurzelmasse die In-vitro-Variante den konventionellen überlegen (Abb. 44 und 45). Diese Unterschiede sind signifikant.

Es ist auch festzustellen, daß die Ergebnisse, im Hinblick auf die Wurzelqualität bei der 92-er konventionellen Mutterpflanze im Versuchszeitraum von drei Jahren schlechter wurden. Dagegen wurde die Bewurzelungsqualität bei den jüngeren In-vitro-Mutterpflanzen mit der jährlichen Entwicklung immer besser, bis es bei einem bestimmten Alter umschlug (hier ca. 4-5 Jahre). Dieser Trend ist besonders beim Merkmal Wurzelfrischmasse zu beobachten. Die Stecklinge der Variante IV95 erbrachten 1996 durchschnittlich 2,16g Wurzelfrischmasse, die sich im dritten Versuchsjahr verdoppelte und 4,31g betrug. So lag aber die Wurzelfrischmasse 1997 bei der Variante IV93 bei 4,36g und im darauffolgenden Jahr nur noch bei 3,17g. Da die Bewurzelungsqualität auch als ein Merkmal der Juvenilität angenommen wird, scheint diese Beobachtung die These zu bestätigen, daß die Juvenilität der Mutterpflanzen mit der Alterung nachläßt. Außerdem müssen die Mutterpflanzen ein bestimmtes Entwicklungsstadium erreicht und genügend Reservestoffe akummuliert haben, um ihr maximales Potential bei der Adventivwurzelbildung zu entfalten.


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Abb. 43: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Cotinus coggygria 'Royal Purple' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 44: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Cotinus coggygria 'Royal Purple' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 45: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Cotinus coggygria 'Royal Purple' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


61

3.3.9. Tilia cordata 'Wega'

Die Sorte Tilia cordata 'Wega' bewurzelte sich sehr gut. Die Bewurzelungsrate (Abb. 46) lag bei allen Varianten über 90%, bis auf die In-vitro-Jahrgänge 1993 und 1994 im zweiten Versuchsjahr (1997), wobei der Mutterpflanzenjahrgang IV93 sich signifikant von allen anderen Varianten unterschied. Das ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß im Jahr 1997 wegen eines starken Pilzbefalls an den Mutterpflanzen die Stecklinge erst zu einem drei Wochen späteren Termin als die anderen Varianten geschnitten werden konnten (s. Tab. 1).

Die Wurzelanzahl war bei Stecklingen in vitro vermehrter Mutterpflanzen 1996 und 1998 in jedem Fall signifikant höher als die der konventionell vermehrten Mutterpflanzen; 1997 waren es nur die zwei jüngsten Jahrgänge, die signifikant mehr Wurzeln gebildet hatten (Abb. 47).

Die Wurzelmasse (Abb. 48) war 1996 bei den In-vitro-Jahrgängen 1993 und 1994 am größten, die Ergebnisse unterschieden sich von denen der konventionell vermehrten Mutterpflanzen signifikant. Die Stecklinge beider Jahrgänge hatten 1997 weniger Wurzelmasse gebildet als im Vorjahr, was an oben genannten Gründen liegen könnte. Im zweiten Versuchsjahr waren es die beiden jüngsten In-vitro-Jahrgänge (IV94 und IV95) und 1998 auch die Variante IV93, die signifikant die besten Ergebnisse (1,2-1,5g) bei der Wurzelmasse zeigten. Es unterstreicht den Trend, der bei den Syringa-Vulgaris-Hybriden und auch bei Corylopsis pauciflora festgestellt wurde, daß die Stecklinge der jungen In-vitro-Mutterpflanzen während ihrer ersten Vermehrungsjahre immer bessere Ergebnisse erbrachten. Das bedeutet, daß die Mutterpflanzen erst nachdem sie ausreichend entwickelt sind, ihr maximales Bewurzelungspotential entfalten können.


62

Abb. 46: Bewurzelungsrate von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 47: Wurzelanzahl von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 48: Wurzelfrischmasse von Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega' in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


63

3.4. 3.4. Steckholzbewurzelung

Die Bewurzelung von Steckhölzern unterschiedlicher Mutterpflanzenherkünfte bei Prunus serrulata 'Kanzan' und vier Syringa-Vulgaris-Hybriden wurden in drei Versuchsjahren untersucht. Im dritten Versuchsjahr wurden auch Cotinus coggygria 'Royal Purple' und Tilia cordata 'Wega' in die Versuche miteinbezogen. Die Ergebnisse der Steckholzbewurzelung sind in Diagrammen dargestellt. Die unterschiedlichen Buchstaben über den Säulen weisen auf signifikante Unterschiede in der Bewurzelungsrate hin. Der statistische Vergleich erfolgte zwischen den Varianten eines Versuchsjahres. Die Bewurzelungsqualität wurde in drei Stufen bonitiert.

3.4.1. Syringa-Vulgaris-Hybriden

Bei den Syringa-Vulgaris-Hybriden bewurzelte die konventionelle Variante in den meisten Fällen nicht. Nur bei der Sorte 'Mme Florent Stepman' erfolgte in jedem Versuchsjahr eine schwache Bewurzelung, jedoch unter 20% (Abb. 49 bis 52).

Bei den Syringa-Vulgaris-Hybriden 'Andenken an Ludwig Späth', 'Mme Lemoine' und 'Mme Florent Stepman' wurden neben der konventionellen Variante zwei In-Vitro-Varianten (IV94 und IV95) bewurzelt. Bei den Sorten 'Andenken an Ludwig Späth' und 'Mme Lemoine' hatte die jüngste In-vitro-Variante in jedem Versuchsjahr signifikant die höchste Bewurzelungsrate (bis zu 95%) erreicht, außerdem war auch der Anteil an stark bewurzelten Steckhölzern hier statistisch gesichert höher. Bei 'Mme Florent Stepman' traf diese Aussage nur für das erste Versuchsjahr zu, in den weiteren Jahren gab es keine statistisch gesicherten Unterschiede zwischen den beiden In-vitro-Jahrgängen (Abb. 52). Bei der Sorte 'Katherine Havemeyer' wurde ein dritter Jahrgang (IV96) mit in die Versuche einbezogen (Abb. 51). Mit einer Ausnahme im dritten Versuchsjahr war auch hier die In-vitro-Variante den konventionellen überlegen. Der jüngste In-vitro-Jahrgang erreichte eine statistisch gesichert höhere Bewurzelungsrate erreicht und der älteste hatte den niedrigsten Anteil an stark bewurzelten Steckhölzern. Bei dieser Sorte und bei 'Andenken an Ludwig Späth' ist festzustellen, daß das Bewurzelungspotential während der Alterung der Mutterpflanzen sich verringert. So bewurzelten sich Steckhölzer von einem Jahr alten Syringa vulgaris 'Katherine Havemeyer'-Mutterpflanzen zu 75% bis 95%, und im nächsten Jahr betrug deren Bewurzelungsrate nur noch 40% bis 50%


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Abb. 49: Bewurzelungsrate und -qualität bei Syringa vulgaris 'Andenken an Ludwig Späth'-Steckhölzern in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 50: Bewurzelungsrate und -qualität bei Syringa vulgaris 'Mme Lemoine'-Steckhölzern in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

Abb. 51: Bewurzelungsrate und -qualität bei Syringa vulgaris 'Katherine Havemeyer'- Steckhölzern in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


65

Abb. 52: Bewurzelungsrate und -qualität bei Syringa vulgaris 'Mme Florent Stepman'- Steckhölzern in den Jahren 1996, 1997 und 1998.

3.4.2. Prunus serrulata 'Kanzan'

Die konventionelle Variante der Sorte Prunus serrulata 'Kanzan' bewurzelte sich in den drei Versuchsjahren nicht. Die höchste Bewurzelungsrate erreichten in jedem Versuchsjahr die jüngsten der geprüften In-vitro-Varianten (42,5% bis 55%). Wie bei den Syringa-Vulgaris-Hybriden war auch hier zu beobachten, daß sich mit der Alterung der Mutterpflanzen das Bewurzelungspotential verringerte. Die Variante IV95 hatte eine niedrigere Bewurzelungsrate im zweiten und dritten Versuchsjahr erbracht. Bei der Variante IV96 war zwar zwischen den Bewurzelungsraten der beiden Versuchsjahre kein Unterschied feststellbar, aber der Anteil an stark bewurzelten Stecklingen wurde 1998 niedriger (Abb. 53).

Abb. 53: Bewurzelungsrate und -qualität bei Prunus serrulata 'Kanzan'-Steckhölzern in den Jahren 1996, 1997 und 1998.


66

3.4.3. Tilia cordata 'Wega'

Bei Tilia cordata 'Wega' wurde die konventionelle Variante mit sieben In-vitro-Jahrgängen verglichen. Keines der Steckhölzer des konventionellen Jahrgangs hatte sich bewurzelt, und die Bewurzelungsrate der In-vitro-Varianten schwankte zwischen 2,5% und 17%. Jedoch konnte nur bei den Varianten IV93 (10%) und IV96 (17%) der Unterschied zum Jahrgang Kon94 statistisch gesichert werden. Die Bewurzelungsqualität dieser Steckhölzer war "stark" bis "mittel". Der unerwartet niedrige Bewurzelungserfolg bei der jüngsten In-vitro-Variante kann auf ungenügend entwickelte Triebe an den Mutterpflanzen zurückgeführt werden.

3.4.4. Cotinus coggygria 'Royal Purple'

Ähnlich wie bei Tilia cordata 'Wega' waren die Ergebnisse bei Cotinus coggygria 'Royal Purple', da die konventionelle Variante sich auch hier nicht bewurzelt hatte. Von den drei In-vitro-Varianten bewurzelte sich nur die jüngste (IV95) signifikant besser, erbrachte jedoch nur 10%, während die beiden anderen 5% (IV94) und 7,5% (IV93) erreichten. Die Bewurzelungsqualität der Varianten IV95 und IV93 war "stark", die Steckhölzer des Jahrgangs IV94 hatten sich "schwach" bewurzelt.


67

3.5. Überwinterungsversuche bei Tilia cordata 'Wega'

Bei Tilia cordata 'Wega' wurde mit sechs Varianten geprüft, ob es zwischen den bewurzelten Stecklingen verschiedener Mutterpflanzenherkünfte Unterschiede im Überwinterungserfolg gibt. Um ein umfassendes Bild über das Überwinterungsverhalten der Varianten zu bekommen, wurden die Untersuchungen an vier Versuchsorten (geschütztes Freiland, ungeheiztes Folienzelt, ungeheiztes Gewächshaus, Klimakammer mit Langtagbedingungen) durchgeführt. Von der jüngsten Variante (IV95) stand nur eine beschränkte Menge an Stecklingsmaterial zur Verfügung und sie konnte nicht an jedem Versuchsort geprüft weden. In der Klimakammer konnten wegen Platzmangel nur vier Varianten überwintert werden. Da die Durchtriebrate der bewurzelten Stecklinge auf den Überwinterunserfolg einen wesentichen Einfluß hat (SPELLERBERG 1986, PLIETZSCH und HAMAR 1999), wurde sie in den drei Versuchsjahren vor der Überwinterung ermittelt (Tab. 7).

Tab. 7: Anteil der bewurzelten Stecklinge mit Durchtrieb vor der Überwinterung in drei Versuchsjahren, ausgewertet jeweils im Oktober.

Jahr der Vermehrung

Mutterpflanzenherkunft

Kon94

IV91

IV92

IV93

IV94

IV95

1996

2%

45%

71%

50%

73%

54%

1997

0%

75%

50%

25%

19%

83%

1998

14%

50%

40%

44%

35%

28%

Die Stecklinge der konventionellen Variante bildeten in jedem Versuchsjahr signifikant weniger Durchtrieb nach der Bewurzelung. Niedrig war die Durchtriebrate 1997 bei den Varianten IV93 und IV94, was auf den schlechten Mutterpflanzenzustand und den späteren Stecktermin wegen Pilzbefall zurückzuführen ist. Im dritten Versuchsjahr war der Anteil durchgetriebener Stecklinge der jüngsten In-vitro-Variante auch gering, obwohl sie sich erfolgreich bewurzelt hatten. Die Gründe dafür könnten im Ernährungszustand der Mutterpflanzen liegen.

Die Unterschiede in der Überwinterungsquote (überwinterte Stecklinge je bewurzelte Stecklinge) waren im ersten Winter (1996/97) nur bei der Überwinterung im Freiland ausgeprägt. Hier hatten die Stecklinge konventionell vermehrter Mutterpflanzen signifikant schlechter überwintert (40%), als alle In-vitro-Varianten. Bei den anderen drei Überwin-terungsvarianten waren zwischen den Jahrgängen keine signifikanten Unterschiede feststellbar, der Überwinterungserfolg lag zwischen 90% und 100% (Abb. 54).


68

Abb. 54: Vergleich der Überwinterungsquote (überwinterte Stecklinge je bewurzelte Stecklinge) 1996/97 von bewurzelten Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega', ausgewertet am 07.05.1997.

Nach dem Winter 1997/98 war die Überwinterungsquote bei den drei Überwinterungsvarianten (Freiland, Folienzelt, Gewächshaus) von Stecklingen konventionell vermehrter Mutterpflanzen signifikant niedriger als von Stecklingen in vitro vermehrter Mutterpflanzen (Abb. 55). Zwischen den In-vitro-Varianten gab es keinen Unterschied. Ausnahmen bildeten darunter die Jahrgänge IV93 und IV94 im Gewächshaus, die signifikant schlechter überwintert hatten (80% und 84%), als die anderen In-vitro-Varianten. In der Klimakammer (unter Langtagbedingungen) überwinterten sogar die Stecklinge konventionell vermehrter Mutterpflanzen mit 100%-igem Erfolg.

Abb. 55: Vergleich der Überwinterungsquote (überwinterte Stecklinge je bewurzelte Stecklinge) 1997/98 von bewurzelten Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega', ausgewertet am 25.05.1998.


69

Nach dem Winter 1998/99 waren es die konventionelle und die jüngste In-vitro-Variante (IV95), die außer in der Klimakammer in jedem Versuchsort signifikant schlechter (60% bis 82%) überwinterten als alle anderen In-vitro-Varianten. Die beiden Jahrgänge hatten nach der Bewurzelung auch die niedrigsten Durchtriebrate. In der Klimakammer erfolgte wie im Winter 1997/98 eine Überwinterung mit 100%-igem Erfolg (Abb. 56).

Abb. 56: Vergleich der Überwinterungsquote (überwinterte Stecklinge je bewurzelte Stecklinge) 1998/99 von bewurzelten Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega', ausgewertet am 02.05.1999.

Der Anteil der Stecklinge mit Neutrieb nach dem Winter 1996/97 war, unabhängig von dem Überwinterungsort, bei der konventionellen Variante signifikant niedriger als bei den Stecklingen in vitro vermehrter Mutterpflanzen (Tab. 8).

Tab. 8: Ausbeute an Stecklingen mit Neutrieb am Ende der Vegetationsperiode 1997 bezogen auf den Anteil bewurzelter Stecklinge 1996, ausgewertet 02.09.1997.

Überwin- terungsort

Mutterpflanzenherkunft

Kon94

IV91

IV92

IV93

IV94

IV95

Freiland

23%

76%

63%

86%

72%

50%

Folienzelt

50%

90%

80%

75%

92%

88%

Gewächshaus

38%

68%

75%

80%

95%

-

Klimakammer

52%

96%

82%

-

96%

-


70

Die durchschnittliche Neutrieblänge von Stecklingen konventionell vermehrter Mutterpflanzen war am Ende der Vegetationsperiode 1997 im Gewächshaus signifikant geringer als von den Stecklingen in vitro vermehrter Mutterpflanzen. Mit der Ausnahme des Jahrgangs IV95 traf dies auch für die Überwinterungsorte Folienzelt und Klimakammer zu. Die im Freiland überwinterten Stecklinge hatten insgesamt schlechtere Ergebnisse, nur die Variante IV93 hatte signifikant mehr Neutrieb gebildet als die konventionelle Variante (Abb. 57).

Abb. 57: Vergleich des Neutriebes nach der Überwinterung (1996/97) von bewurzelten Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega'. Überwintert in Multitopfpaletten, ausgewertet am 02.09.1997.

Der Anteil an Stecklingen mit Neutrieb war 1998 nach der Überwinterung an drei Überwinterungsorten (Freiland, Folienzelt, Gewächshaus) bei der konventionellen Variante signifikant niedriger, als bei den Stecklinge in vitro vermehrter Mutterpflanzen (Tab. 9). In der Klimakammer überwinterte bewurzelte Stecklinge von konventionell vermehrten Mutterpflanzen hatten zum Großteil Neutriebe gebildet. Der Anteil an Stecklingen mit Neutrieb war hier nur bei dem Jahrgang IV92 signifikant größer als bei den anderen Varianten. Die Neutriebraten bei den Varianten IV93 und IV94 waren nach der Überwinterung im Freiland und im Gewächshaus niedriger als bei den anderen In-vitro-Varianten. Dies kann ebenso, wie der schlechtere Bewurzelungserfolg und die anschließende Durchtriebbildung, auf den schlechten Mutterpflanzenzustand und den späteren Stecktermin wegen Pilzbefall zurückgeführt werden.


71

Tab. 9: Ausbeute an Stecklingen mit Neutrieb am Ende der Vegetationsperiode 1998 bezogen auf den Anteil bewurzelter Stecklinge 1997, ausgewertet am 22.09.1998.

Überwin- terungsort

Mutterpflanzenherkunft

Kon94

IV91

IV92

IV93

IV94

IV95

Freiland

34%

78%

90%

66%

56%

88%

Folienzelt

40%

96%

82%

80%

78%

98%

Gewächshaus

56%

88%

86%

58%

68%

96%

Klimakammer

64%

76%

90%

74%

-

-

1998 hatten die Pflanzen generell mehr Neutrieb gebildet als im vorigen Jahr. Die Unterschiede waren wieder nach Freiland-Überwinterung die ausgeprägtesten. Hier hatten die beiden jüngsten In-vitro-Varianten signifikant den größten durchschnittlichen Neutrieb vorzuweisen (17-18cm). Das Ergebnis des konventionellen Jahrgangs war statistisch gesichert das niedrigste. Daß die konventionelle Variante den In-vitro-Jahrgängen unterlegen war, galt auch für die anderen Überwinterungsorte, mit Ausnahme der Variante IV92 im Folienzelt und in der Klimakammer. Hier wurde dem konventionellen Jahrgang gegenüber kein signifikanter Unterschied festgestellt (Abb. 58).

Abb. 58: Vergleich des Neutriebes nach der Überwinterung (1997/98) von bewurzelten Stecklingen aus verschiedenen Mutterpflanzenherkünften bei Tilia cordata 'Wega'. Überwintert in 10-er Töpfen, ausgewertet am 22.09.1998.


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Wed Feb 23 16:19:18 2000