Litauszky, Rita Anita: Untersuchungen zur Wirkungsintensität einer Rejuvenilisierung nach der In-vitro-Vermehrung ausgewählter Gehölzpezies am Merkmal der Adventivwurzelbildung

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Kapitel 6. Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, ob eine Rejuvenilisierung durch die In-vitro-Vermehrung anhand verbesserter Adventivwurzelbildung bei der Stecklings- und Steckholzvermehrung nachweisbar ist. Weiterhin wurden Aussagen zur Dauer der Rejuvenilisierung bei vegetativ erzeugten Nachkommen von In-vitro-Mutterpflanzen getroffen. Das Überwinterungsverhalten bewurzelter Stecklinge aus verschieden juvenilen Mutterpflanzenherkünften wurde an vier Überwinterungsorten verglichen. Zur Lokalisation und zum zeitlichen Ablauf der Adventivwurzelbildung bei Stecklingen aus verschieden juvenilen Mutterpflanzenherkünften wurden histologische Studien durchgeführt. Parallel dazu wurden die Veränderungen der Peroxidase-Aktivität im Stecklingsgewebe während der Adventivwurzelbildung ermittelt und mit den Ergebnissen der histologischen Untersuchungen verknüpft.

Für die Untersuchungen wurden elf verschieden schwer bewurzelnde Genotypen verwendet. Die Versuche wurden am Fachgebiet Vermehrungstechnologie/Baumschulwesen in Berlin-Köpenick durchgeführt. Die Stecklingsvermehrung erfolgte in einem Vermehrungsgewächshaus mit Fog-System, in Multitopfpaletten mit 48 Stecklingen pro Variante. Die Überwinterung wurde mit Tilia cordata 'Wega' im geschützten Freiland, im geheizten Gewächshaus, im ungeheizten Folienzelt und in der Klimakammer mit Langtagbedingungen durchgeführt. Für die histologischen Untersuchungen wurden 4, 7, 10, 14, 21 und 28 Tage nach dem Stecktermin Stecklingsbasis-Proben entnommen, fixiert, in Kunstharz eingebettet und am Mikrotom geschnitten. Nach Färben mit Toluidinblau wurden die Schnitte am Mikroskop ausgewertet und fotodokumentarisch dargestellt. Für die Ermittlungen der Peroxidase-Aktivität wurden wöchentlich Mischproben aus fünf Stecklingsbasen entnommen und für spektroskopische Untersuchungen vorbereitet.

Anhand verbesserter Adventivwurzelbildung bei Stecklingen und Steckhölzern war der Rejuvenilisierungseffekt nachweisbar. Dieser kam bei verschiedenen Genotypen unterschiedlich zum Ausdruck. Die Stecklinge in vitro vermehrter Mutterpflanzen erzielten eine erhöhte Bewurzelungsrate und -qualität, oder bei Genotypen, die sich zu einem hohen Prozentsatz bewurzeln, nur eine bessere Bewurzelungsqualität (Wurzelanzahl, Wurzelmasse).


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Nur bei Prunus tenella 'Fire Hill' konnte kein Rejuvenilisierungseffekt beobachtet werden, was vermuten läßt, daß es sich um ein nicht genügend juveniles Pflanzenmaterial handelt.

Bei dem Vermehrungserfolg spielen nach dem Juvenilitätsstatus der Mutterpflanzen weitere Einflüsse, wie der optimale Stecktermin, Behandlung der Stecklinge und optimale Vermehrungsbedingungen eine wesentliche Rolle. Ein starker jährlicher Mutterpflanzenrückschnitt kann den Rejuvenilisierungseffekt der In-vitro-Vermehrung überlagern, aber auch verstärken und verlängern.

Die Reaktionen der Gehölze auf die witterungsbedingten Schwankungen waren art- und sortenspezifisch. Eine Überlagerung des Rejuvenilisierungseffektes durch die Wirkungen der Witterung bei der Adventivwurzelbildung konnte nicht festgestellt werden.

Es ist art-und sortenspezifisch, wieviele Jahre nach der In-vitro-Vermehrung der Rejuvenilisierungseffekt anhand verbesserter Adventivwurzelbildung sich noch nachweisen läßt. Die Stecklinge von 6-7 Jahre alten Mutterpflanzen konnten noch zu einem sehr hohen Prozentsatz (bis zu 100%) bewurzelt werden, jedoch verschlechterte sich die Bewurzelungsqualität in der Regel nach 4-5 Jahren. Bei Steckhölzern ließ die Wirkung des Rejuvenilisierungseffektes schon nach einem Jahr nach.

Die bewurzelten Stecklinge in vitro vermehrter Mutterpflanzen bei Tilia cordata 'Wega' konnten im Freiland mit einem höheren Erfolg überwintert werden als bewurzelte Stecklinge konventionell vermehrter Mutterpflanzen.

Die histologischen Studien zeigten, daß der Enstehungsort der Wurzelprimordien bei den untersuchten Genotypen das Kambium, oder die neugebildeten Phloemzellen in Kambiumnähe waren. Zwischen den verschiedenen Mutterpflanzenherkünften konnte im Entstehungsort und Aufbau der Wurzelprimordien kein Unterschied festgestellt werden. Die Adventivwurzelbildung verlief bei der In-vitro-Variante schneller als bei der konventionellen Variante.

In den meisten Fällen konnte keine Korrelation zwischen der Peroxidase-Aktivität und den Bewurzelungsergebnissen festgestellt werden. So kann die Peroxidase-Aktivität nicht als allgemeiner Marker dienen, um Gehölze mit unterschiedlichem Bewurzelungspotential voneinander zu unterscheiden und um Rückschlüsse von dem Ablauf der Peroxidase-Aktivität auf den Ablauf der Adventivwurzelbildung zu ziehen.

Aus der vorliegenden Arbeit geht die Empfehlung hervor, daß zur Stecklings- und (eingeschränkt) zur Steckholzvermehrung, insbesondere der als schwer vermehrbar geltenden Genotypen, in vitro vermehrte Gehölze als Mutterpflanze verwendet werden sollten.


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