Moosburger, Agnes: Struktur- und Effizienzwirkungen einer Kapitalsubventionierung im Transformationsprozeß am Beispiel des Agrarsektors Polens

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Kapitel 2. Beschreibung der Agrarinvestitionsförderung in Polen und der Untersuchungsregion

2.1. Die Agentur zur Restrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft

In der Einleitung wurde bereits ausgeführt, daß im Verlauf des Transformationsprozesses die Investitionstätigkeit des landwirtschaftlichen Sektors auf weniger als 40 % des Wertes von 1985 zurückging. Im Gegensatz zu anderen Sektoren der Volkswirtschaft wird das vor der Wende realisierte Investitionsvolumen aber noch nicht wieder erreicht. Im Jahr 1996 lag das durchschnittliche Investitionsvolumen je Hektar LN erst wieder bei der Hälfte des Wertes zu Beginn des Transformationsprozesses im Jahr 1990 (vgl. Tabelle 1 ). Um dem zu begegnen, wurde im Januar 1994 die Agentur zur Restrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft (Agencja Restrukturyzacji i Modernizacji Rolnictwa, ARiMR) gegründet. Sie trat die Nachfolge des 1992 eingerichteten Fonds zur Restrukturierung und Entschuldung (FRiOR) an, der wegen Unregelmäßigkeiten 1993 aufgelösten wurde. Die ARiMR ist neben der Agrarmarktagentur (Agencja Rynku Rolnego, ARR) und der Landwirtschaftlichen Eigentums- agentur des Fiskus (Agencja Wlasnosci Rolnej Skarbu Panstwa, AWRSP) eine der bedeutendsten Institutionen des polnischen Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft (Ministerstwo Rolnictwa i Gospodarki Zywnosciowej, MRiGZ), (OECD, 1995).

Der Aufgabenbereich der ARiMR umfaßt Entwicklungsaufgaben auf regionaler und betrieblicher Ebene. Zu ihrem Auftrag zählt vor allem die Förderung von Investitionen im Produktionsbereich der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie, die Entwicklung der technischen Infrastruktur im ländlichen Raum sowie Vorhaben im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Auf diese Weise soll die Wettbewerbsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion am Binnenmarkt und auf internationalen Märkten gesteigert sowie die Arbeitslosigkeit im ländlichen Raum verringert werden (ARiMR, 1997).

Zur Realisierung dieser Ziele wird von der ARiMR u.a. ein Agrarkreditprogramm durchgeführt. Im Rahmen dieses Programmes werden Zinszuschüsse zu Investitions- und Betriebsmittelkrediten gewährt. Vereinzelt werden auch Darlehenszuschüsse vergeben. Für Vorhaben im Bereich der Verbesserung der Infrastruktur ist eine


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Beteiligung an der Finanzierung möglich. Die Übernahme von Bürgschaften ist nur in Einzelfällen vorgesehen<4>. Im landwirtschaftsnahen Bereich werden im wesentlichen zinsvergünstigte Kredite für den Kauf und die Modernisierung sowie die Vergrößerung von landwirtschaftlichen Betrieben und nachgelagerten Verarbeitungsbetrieben gewährt<5> (ARiMR, 1997).

2.2. Umfang und Struktur der vergebenen Investitionskredite

Die Subventionierung von Krediten für die Land- und Ernährungswirtschaft war in den letzten Jahren eines der bedeutendsten agrarpolitischen Instrumente. Bereits 1995 betrug der Anteil der Kreditsubventionen am Agrarhaushalt 29 %. Bis zum Jahr 1997 stiegen die bereitgestellten Fördermittel real um mehr als das Doppelte. Nach dem derzeitigen Stand der Haushaltsplanung ist bis zum Jahr 2000 mit einer drastischen Reduzierung der Investitionsförderung zu rechnen (vgl. Tabelle 2 ).

Tabelle 2: Aufgewendete bzw. geplante Ausgaben zur Subventionierung von Investitionskrediten

Jahr

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

in Mio. Zl nominal

5.9

150.2

390.6

500.3

367.7

240.1

140.6

in Mio. Zl real (zu Werten von 1994)

5.9

117.5

254.9

271.0

168.1

94.2

48.2

in % von 1996

2.3

46.1

100.0

106.3

65.9

37.0

18.9

Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis von ARiMR, 1997

Bis 1996 erlaubten die für Investitionskredite bereitgestellten Subventionen eine Politik des 'offenen Zugangs'. Die Kreditvergabe wurde nur durch die Kreditwürdigkeit der Antragsteller bzw. die Rentabilität der beantragten Investitionsvorhaben begrenzt. Dagegen waren im Jahr 1998 die für das erste Halbjahr vorgesehenen Mittel bereits vorzeitig ausgeschöpft (Poganietz, Wildermuth, 1998). Bei einem weiteren Abbau der Subventionen wird künftig das 'Windhundprinzip' verstärkt zum Tragen kommen.


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Demnach profitieren diejenigen Betriebe von den Subventionen, die ihre Anträge als erste einreichen oder über die besseren Kontakte zu den Behörden verfügen- und nicht zwingend Betriebe mit wirtschaftlicheren Investitionsvorhaben.

Seit Beginn der Tätigkeit der ARiMR wurden bis zum Jahr 1996 knapp 560 Mio. Zl (gut 311 Mio. DM) Subventionen für Investitionskredite ausgegeben. Hiervon entfielen allein 70 % auf das Geschäftsjahr 1996. Insgesamt konnten damit mehr als 150.000 Anträge mit einem Kreditvolumen von über 6 Mrd. Zl befürwortet werden (vgl. Tabelle 3 ) (ARiMR, 1997).

Tabelle 3: Aktivitäten der ARiMR im Bereich der Vergabe von Investitionskrediten in den Jahren 1994 bis 1996

Eingegangene Anträge

Befürwortete Anträge

Geplantes Kreditvolumen

(Mio. Zl)

Geplante Investitionskosten (Mio. Zl)

1994 - 1996 in Polen

Landwirtschaft

129.828

128.702

3.277

4.811

Lebensmittelindustrie

4.899

4.766

1.577

2.885

Sonderbereiche der ldw. Produktion

5.440

5.352

784

1.291

Dienstleistungen für den Agrarbereich

711

694

69

114

Arbeitsplatzbeschaffung und Agrartourismus

5.421

5.232

194

417

Andere

5.920

5.799

330

568

Alle Bereiche

152.219

150.545

6.231

10.086

1996 in Polen

Landwirtschaft

67.362

67.038

2.034

2.923

Lebensmittelindustrie

1.678

1.655

683

1.250

Sonderbereiche der ldw. Produktion

2.303

2.284

470

754

Dienstleistungen für den Agrarbereich

315

315

30

47

Arbeitsplatzbeschaffung und Agrartourismus

4.027

3.988

142

285

Andere

5.674

5.595

306

536

Alle Bereiche

81.359

80.875

3.665

5.794

1994 - 1996 in der Wojewodschaft Torun

Alle Bereiche

n.v.

5.427

218

n.v.

Landwirtschaft und ldw. Sonderbereiche

n.v.

2291*

76*

n.v.

* = nur 1996; n.v. = nicht vorhanden

Quelle: ARiMR, 1997; Eigene Zusammenstellung

Die Hauptbereiche der Investitionsförderung sind die landwirtschaftliche Primärproduktion und die Lebensmittelindustrie. Die landwirtschaftlichen Betriebe reichten 86 % der Anträge ein, erhielten aber aufgrund des vergleichsweise geringeren durchschnittlichen Investitionsvolumens nur 53 % der Fördersumme.


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Die Lebensmittelindustrie konnte mit nur 3 % der Anträge ein Viertel des gewährten Kreditvolumens auf sich vereinigen (vgl. Abbildung 1 ). Das für die Ernährungsindustrie ausgewiesene Fördervolumen zeigt u.a., welche hohe Bedeutung der Strukturverbesserung und Modernisierung der nachgelagerten Bereiche für die Entwicklung des landwirtschaftlichen Sektors beigemessen wird.

Abbildung 1: Anteil der befürworteten Kredite und des vergebenen Kreditvolumens in den Jahren 1994 - 1996

Befürwortete Kredite (%)

Vergebenes Kreditvolumen (%)

Quelle: ARiMR, 1997; Eigene Berechnungen

Bedingt durch die vorteilhaften Konditionen der Präferenzkredite, auf die später noch genauer eingegangen wird, stieg die Verschuldung im Agrar- und Ernährungssektor deutlich an (vgl. Tabelle 4 ).

Tabelle 4: Reales Wachstum des Fremdkapitaleinsatzes und Anteil der einzelnen Kredite im Agrar- und Ernährungssektor

Jahr

Insgesamt

Nicht subventionierte Kredite

Präferenzkredite

Reales Wachstum des Fremdkapitaleinsatzes (%)

1994

9,3

 

19,4

 

244,1

 

1995

22,6

 

-25,3

 

234,2

 

1996

35,6

 

-27,6

 

132,9

 

1997

8,7

 

1,8

 

18,8

 

Anteil der einzelnen Kredite (%)

1994

100

 

46,3

 

53,7

 

1995

100

 

28,2

 

71,8

 

1996

100

 

15,1

 

84,9

 

1997

100

 

14,1

 

85,9

 

Quelle: Kuwalik, 1997


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Zwischen den Jahren 1994 und 1997 stieg die reale Verschuldung um 76,2 % an. Dies kam trotz des Rückgangs der nicht subventionierten Kredite (-31,7 %) durch den immensen Anstieg (+630 %) der Präferenzkredite zustande. Durch das Investitonsförderprogramm wurden nicht-subventionierte Kredite zunehmend vom Agrarkreditmarkt verdrängt. Der Anteil dieses Segments ging innerhalb von 4 Jahren von knapp der Hälfte des vergebenen Kreditvolumens auf weniger als 15 % zurück. Mittelfristig wird dadurch möglicherweise die Entwicklung eines effektiven ländlichen Kapitalmarktes beeinträchtigt.

2.3. Kreditkonditionen und Praxis der Kreditvergabe bei Präferenzkrediten

Die Kreditkonditionen von Präferenzkrediten werden individuell mit der kreditvergebenden Bank vereinbart, bei der auch die Risiko- und Kredithaftung verbleiben. Sie sind von dem relevanten Kreditprogramm aber auch von der Persönlichkeit und den eingebrachten Sicherheiten des Klienten abhängig. Der von der ARiMR übernommene und der vom Kreditnehmer durchschnittlich zu tragende Sollzinssatz ist nachfolgenden Tabelle zu entnehmen (vgl. Tabelle 5 ).

Tabelle 5: Kreditkonditionen für Präferenzkredite bei der Bank für Ernährungswirtschaft (BGZ) im Jahr 1996

Kreditprogramm

Zinssatz (%)

Laufzeit

Eigenkapitalanteil (%)

 

Kreditnehmer

ARiMR

(Jahre)

 

'basic' Kredite

16,50

 

16,50

 

Bis zu 8

 

0 - 30

 

Landkauf1

5,50

 

27,50

 

Bis zu 15

 

20

 

Junglandwirteprogramm

5,50

 

27,50

 

Bis zu 15

 

20

 

Sektor- und Regionalkredite

8,25

 

24,75

 

Bis zu 8

 

20 - 30

 

1 Bis 100 ha Gesamtfläche

Quelle: ARiMR, 1997

Am häufigsten werden sogenannte 'basic' Kredite vergeben. Zusammengefaßt sind in diesem Programm Kredite für Investitionen in der landwirtschaftlichen Primärproduktion, für spezielle Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion, für Dienstleistungen des landwirtschaftlichen Sektors sowie für Investitionen in der Verarbeitungsindustrie. Kredite für den Landkauf werden trotz der starken Subventionierung


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nur beschränkt in Anspruch genommen<6>. Im Rahmen des Junglandwirteprogrammes können Betriebsleiter bis zum Alter von 40 Jahren, sofern sie eine entsprechende landwirtschaftliche Ausbildung nachweisen können, besonders vergünstigte Kredite erhalten. Eine zusätzliche Zinsvergünstigung wird ebenfalls bei Sektor- und Regionalkrediten gewährt. Diese Kredite werden vergeben, wenn in Produktionsrichtungen investiert wird, die während des Transformationsprozesses einen starken Einbruch erlitten (z.B. Milchproduktion, Schafproduktion) oder bei denen ein hoher Modernisierungsbedarf besteht (z.B. Rinderzucht, Ausweitung der Lagerkapazitäten, Kartoffelverarbeitung), (ARiMR, 1997).

Der von den Kreditnehmern geforderte Sollzinssatz entsprach im Jahr 1996 bei einer jährlichen Inflation von 19,9 % einer negativen realen Verzinsung der Darlehen in Höhe von -2,8 % für 'basic' Kredite und -12,0 % für Kredite zum Landkauf bzw. im Rahmen des Junglandwirteprogrammes. Die Richtlinien des Agrarkreditprogrammes sehen je Einzelbetrieb ein maximales Kreditvolumen von 500.000 Zl vor. In Ausnahmefällen kann mit Zustimmung des Landwirtschaftsministeriums ein Kreditvolumen von bis zu 2 Mio. Zl bewilligt werden. Zumeist wird allerdings das gewährte Kreditvolumen von der kreditvergebenden Bank beschränkt.

Die Kreditvergabe erfolgt in einem mehrstufigen System. Beteiligt sind außer der kreditvergebenden Geschäftsbank, die Agentur zur Restrukturierung und Modernisierung der Landwirtschaft (ARiMR) sowie die staatliche landwirtschaftliche Beratungsstelle (ODR). Um einen Präferenzkredit zu erhalten, muß der Landwirt zunächst mit einer ODR-Geschäftsstelle in Verbindung treten, die für das geplante Vorhaben einen 'business-plan' erstellt. Er ist vergleichbar mit einem Betriebsverbesserungsplan. Die Kosten dafür liegen, in Abhängigkeit von dem Investitionsvolumen, zwischen 200 Zl und 3.000 Zl. Im nächsten Schritt kann sich der Landwirt an eine Geschäftsbank wenden. Zusätzlich zu dem zuerbringenden Nachweis der Rückzahlbarkeit des beantragten Darlehns muß hier der Landwirt v.a. ausreichend Sicherheiten vorweisen.


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Zur Absicherung des Darlehens wird ein Hypothekeneintrag auf landwirtschaftliche Flächen und Gebäude, aber auch auf Wohnhäuser etc. vorgenommen. Bürgschaften seitens Dritter werden ebenfalls akzeptiert. Personalkredite werden im landwirtschaftlichen Bereich derzeit nicht gewährt. Die endgültige Genehmigung des Kredites bleibt der ARiMR vorbehalten. Neben einer weiteren Befürwortung des Investitionsvorhabens ist dies v.a. von der Haushaltslage abhängig (Poganietz, Wildermuth, 1998).

Sofern laut Betriebsentwicklungsplan die Rückzahlbarkeit des Darlehens in der Kreditlaufzeit gewährleistet und eine ausreichende Absicherung der Darlehenssumme gegeben ist, können auch vergleichsweise kleine Betriebe (5 ha bis 10 ha) Präferenzkredite erhalten. Die Kreditvergabe an die ehemaligen Staatsbetriebe wird durch den vielfach noch nicht abgeschlossenen Restrukturierungs- und Privatisierungsprozeß begrenzt. In der Wojewodschaft Torun wurde bis 1996 an jeden dritten Betrieb ein Investitionskredit vergeben. Hierbei investierten aus der Gruppe der Betriebe mit einer Fläche bis zu 5 ha (30 % aller Betriebe) lediglich 11 % und fast die Hälfte aller Betriebe mit einer Fläche zwischen 15 ha und 20 ha (WUS, 1997 c).

2.4. Die Untersuchungsregion

Die Auswahl der Untersuchungsregion war von dem gesteckten Ziel getragen, den Einfluß investitionsfördernder Maßnahmen auf den Strukturwandel unter Berücksichtigung zwischenbetrieblicher Konkurrenzbeziehungen in Bezug auf landwirtschaftliche Flächen darzustellen. Bedingt durch die starke Regionalisierung der Betriebsstruktur mit vergleichsweise flächenreichen Betrieben im Nordwesten Polens und sehr kleinstrukturierten Betrieben im südöstlichen Teil Polens erscheint es sinnvoll, die Untersuchungsregion zu begrenzen. Dadurch wird vermieden, daß Betriebe mit z.T. gänzlich unterschiedlichen Strukturen und unterschiedlicher Konkurrenzkraft einer fiktiven Wettbewerbssituation am Bodenmarkt ausgesetzt werden. Dies würde vermutlich zu einer Überschätzung bzw. Verzerrung des strukturellen Wandels führen.

Als Untersuchungsregion wurde die Wojewodschaft Torun ausgewählt. Die Wojewodschaft Torun liegt in der Makroregion 'Mitte-West' etwa 250 km westlich von Warschau. Hauptmerkmale der Agrarstruktur sind die geringe Flächenausstattung


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und ein geringer Viehbesatz der meisten bäuerlichen Betriebe. In der Untersuchungsregion liegt die durchschnittliche Betriebsgröße mit zirka 10 ha LN allerdings bereits etwas über dem polnischen Durchschnitt von 7,0 ha (StatBA, 1994). Erschwerend kommt eine enorme Flurzersplitterung hinzu<7>. Dadurch werden nicht nur einer rationellen Vermarktung und der Inanspruchnahme vieler Dienstleistungen, sondern v.a. auch der Erwirtschaftung eines adäquaten Einkommens sowie der Akkumulation von ausreichendem Kapital für eine innerbetriebliche Expansion enge Grenzen gesetzt. Die Flächenaufteilung zwischen dem bäuerlichen und dem ehemals staatlichen Sektor ist mit einem Anteil von 80 % versus 20 % an der landwirtschaftlichen Nutzfläche typisch für die dualistische Betriebsstruktur in Polen (WUS, 1996 b).

Die Gesamtfläche der Wojewodschaft Torun umfaßt etwas mehr als eine halbe Million Hektar. Davon werden rund 68 % als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. Diese wird zum größten Teil (89 %) im permanenten Ackerbau genutzt. Die Hauptkultur ist mit zwei Drittel der bestellten Flächen das Getreide, gefolgt von der Kartoffel und dem Futterbau. Der Grünlandanteil beträgt durchschnittlich 11 % der LN und konzentriert sich zumeist auf die Flächen an der Weichselniederung. Die in der Beispielsregion vorhandenen Flächen befinden sich im Eigentum der landwirtschaftlichen Betriebe bzw. wurden durch Präferenzpachtverträge an die ehemaligen Staatsgüter vergeben (vgl. Tabelle 6 ), (WUS, 1997 d).

Tabelle 6: Kennziffern des Bodennutzungs- und Betriebssystems der Wojewodschaft Torun

Kriterium

Gesamtfläche (tsd. ha)

536

Landwirtschaftliche Nutzfläche (tsd. ha)

365

Grünland (tsd. ha)

40

Ø Flächenausstattung der bäuerlichen Betriebe (1996), (ha)

10,0

Ø Flächenausstattung der ehemals verstaatlichten Betriebe (1996), (ha)

800

Ø Arbeitskräftebesatz der bäuerlichen Betriebe im Jahr 1996 (AK/100 ha)

27

Ø Arbeitskräftebesatz der ehemals staatlichen Betriebe im Jahr 1996 (AK/100 ha)

15

Ø Vegetationsdauer (Tage)

210

Jahresdurchschnittstemperatur (° C)

7,5

Niederschläge im Jahresdurchschnitt (mm)

590

Quelle: WUS 1996 a, WUS 1997 d


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Insgesamt sind die Acker- und Grünlandflächen der Untersuchungsregion nur von mittlerer Güte. Dennoch werden sie günstiger beurteilt als die durchschnittliche Bodenqualität in Polen. Mehr als die Hälfte des Ackerbodens der Wojewodschaft Torun (57 %) fällt in die Klassen<8> III b oder IV a. Dies entspricht etwa 38 bis 45 Bodenpunkten (Moritz, 1997). Das Ertragspotential dieser Böden ist daher geringer einzuschätzen als beispielsweise in großen Teilen der alten Bundesländer.

Bezüglich der klimatischen Einordnung (Vegetationsdauer, Jahresdurchschnittstemperatur, natürliche Niederschläge) ist die Beispielsregion mit Deutschland weitgehend vergleichbar. Es muß allerdings angemerkt werden, daß durch den möglichen Einfluß ozeanischer und kontinentaler Luftmassen sowohl trockene und warme als auch kühle und verregnete Sommer möglich sind (StatBa, 1994). Eine Bewässerung wird derzeit nur bei einem sehr kleinen Teil der Flächen (0,7 %) durchgeführt (WUS, 1997 d). Eine ausführlichere Beschreibung des Bodennutzungs- und Betriebssystems (BNS) der Wojewodschaft Torun ist in Moosburger (1994) zu finden.

Neben der geringen Flächenausstattung und dem geringen Viehbesatz kennzeichnet insbesondere die bäuerlichen Betriebe ein hoher Arbeitskräftebesatz von durchschnittlich 27 AK/100 ha. Betriebe des ehemals verstaatlichten Sektors verfügen im Durchschnitt über 15 AK/100 ha. Im bäuerlichen wie im ehemals staatlichen / genossenschaftlichen Sektor ist der Pflanzenbau wie auch die Tierhaltung vergleichsweise arbeitsintensiv organisiert. So wurden je nach Modellbetrieb für den Anbau von 1 ha Getreide zwischen 25 h und 12 h und für die Aufzucht eines Mastschweins zwischen 9 h und 0,8 h veranschlagt (zur Datengrundlage vergleiche Punkt 0 ). In Deutschland werden lt. des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) für einen Hektar Getreide selten mehr als 7 AKh und für ein Mastschwein zumeist unter einer AKh veranschlagt (KTBL, 1996 b).


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Der größte Teil der Betriebe in der Wojewodschaft Torun richtet seine Produktion auf den Markt aus. Landwirtschaftliche Betriebe mit dem Hauptziel der Subsistenzproduktion sind nur noch von sehr untergeordneter Bedeutung und zumeist nur noch in Betriebsgrößen bis 5 ha LN vertreten.

Einschätzungen verschiedener Autoren (u.a. Mertens, 1996) zufolge wird die Wojewodschaft Torun zu denjenigen Gebieten gerechnet, in denen sich mittelfristig intensiv geführte, konkurrenzfähige Betriebe entwickeln werden. Dafür sprechen u.a. die günstigeren natürlichen Ausgangsbedingungen, die bereits überdurchschnittliche Flächenausstattung der bäuerlichen Betriebe und das derzeit für polnische Verhältnisse vergleichsweise hohe Investitionsvolumen. Als Entwicklungsnachteil gegenüber anderen Wojewodschaften wird der nur durchschnittliche Anteil an ehemals staatlichen Betrieben verstanden. Selbst wenn man bereit wäre die Flächen der staatsbetriebe gänzlich zu parzellieren, so stünden in der Wojewodschaft Torun je Betrieb lediglich zwischen 1,0 ha und 2,5 ha<9> zur Verfügung (Mohr, 1997 a).


Fußnoten:
<4>

Im Jahr 1996 wurden 71 Bürgschaften über ein Kreditvolumen von 21,4 Mio. Zl vergeben. Seit dem Bestehen der ARiMR (1994) wurden insgesamt 211 Bürgschaften über 61 Mio. Zl gewährt (ARiMR, 1997).

<5>

Im Gegensatz zu dem in Deutschland durchgeführten Agrarinvestitionsförderprogramm ‘AFP’ wird auch der Zukauf von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Maschinen sowie die Aufstockung von Viehherden gefördert (ARiMR, 1997; BMELF, 1997).

<6>

In der Beispielsregion, der Wojewodschaft Torun wurden bis 1996 mit Hilfe dieses Programm nur etwas mehr als 7.500 ha LN zugekauft (ARiMR,1997).

<7>

Schätzungen zufolge ist die landwirtschaftliche Nutzfläche Polens auf etwa 24 Millionen Flurstücke mit einer durchschnittlichen Größe von 0,5 ha aufgesplittet (Jaksch et al., 1997).

<8>

In Polen wurde in den Jahren 1957 bis 1965 eine Klassifizierung der Böden vorgenommen, in der die Acker- und Grünlandflächen in jeweils VI Klassen eingeteilt wurden. Die Stufe I entspricht den Böden mit dem höchsten natürlichen Ertragspotential, die Stufe VI umfaßt Böden mit dem geringsten natürlichen Ertragspotential (Kapala, 1988).

<9>

Im Nordosten Polens dagegen, wo die durchschnittliche Flächenausstattung der bäuerlichen Betriebe ohnehin deutlich größer ist, beträgt die regionale Flächenreserve zwischen 10 ha und 15 ha und liegt teilweise auch darüber (Mohr, 1997 a).


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