Moosburger, Agnes: Struktur- und Effizienzwirkungen einer Kapitalsubventionierung im Transformationsprozeß am Beispiel des Agrarsektors Polens

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Kapitel 5. Auswertung der Modellergebnisse

5.1. Validierung des Simulationsmodells

Bei normativen Modellen kann, anders als bei ökonometrischen Modellen kein stringenter Test- und Validierungsprozeß durchgeführt werden. Obwohl dies gemeinhin beklagt wird (vgl. Bauer, 1989), liegen bislang keine allgemein anerkannten Prüfkriterien zur Annahme bzw. Ablehnung normativer Modelle vor. Bisher sind lediglich Testverfahren zur Beurteilung der ‘Qualität‘ normativer Modelle entwickelt worden. Dazu zählen u.a. Tests auf innere Konsistenz (z.B. bei dem SPEL-Modell, Henrichsmeyer, 1995), Validierung durch Modell-Modell-Vergleiche und Validierung durch Vergleich der Modellergebnisse mit der Empirie (z. B. McCarl, Apland, 1986), (Odening, Balmann, 1997).

Die Validierung des hier erstellten Simulationsmodells erfolgt durch Vergleiche der Modellergebnisse des Basisjahres bzw. über den Betrachtungszeitraum mit den empirisch erhobenen sowie aus den Regionalstatistiken gewonnenen Daten. Mehr formalisierte Kalibrierungsmethoden wie statistische Tests (Hamilton, 1994) oder die Positive mathematische Programmierung (Howitt, 1995) sind dem gewählten Modellansatz entweder nicht zugänglich oder können aus Zeitgründen bzw. mangels einer ausreichenden Datenbasis nicht angewendet werden.

Der modellendogen für das Basisjahr errechnete Pachtpreis liegt mit rund 200 Zl je Hektar etwas über dem empirisch erhobenen Pachtpreis von rund 150 Zl je Hektar bis 180 Zl je Hektar. Auf die Problematik der Pachtpreisbildung in Modellen und deren Anpassung im Zeitablauf wird in Balmann et al., 1998 b eingegangen.

Die Überprüfung der errechneten Einkommen erwies sich insofern als schwierig, als die dazu in der Literatur vorhandenen Angaben häufig nicht nach einheitlichen Betriebsgrößen aufgeschlüsselt sind. Zudem schwanken die dazu vorhandenen Angaben relativ stark. Beispielsweise weist Mohr, 1997 für Betriebe mit einer Flächenausstattung zwischen 10 ha und 15 ha ein durchschnittliches Betriebseinkommen von 8.850 Zl je Jahr aus. WUS, 1997 b spricht dagegen von einem durchschnittlichen Einkommen von 12.260 Zl je Jahr in dieser Betriebsgrößenklasse. In dem Validierungsprozeß wurde daher darauf geachtet, daß sowohl das Einkommen der


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überdurchschnittlich als auch der unterdurchschnittlich gut geführten Betriebe in den in der Literatur angegebenen Einkommensbereichen liegen.

Zur Prüfung der Abbildungsgüte über die Zeit werden die in den Statistiken ausgewiesenen Angaben der Referenzsituation ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik, mit EIF') herangezogen. In Abhängigkeit des Kriteriums stehen hierbei verschiedene Zeiträume zur Verfügung.

Die Regionalstatistiken der Wojewodschaft Torun weisen zwischen 1988 und 1996 einen durchschnittlichen Rückgang der Gesamtzahl der verbleibenden Betriebe um 1,65 % pro Jahr<38> aus (WUS, 1997 b). In den Modellrechnungen wird ein Rückgang der vorhandenen Betriebe um 1,60 % pro Jahr über den Betrachtungszeitraum ermittelt.

Die durchschnittliche Flächenausstattung je Betrieb stieg nach statistischen Angaben in den Jahren 1990 bis 1995 um 1,3 % pro Jahr. Die Modellrechnungen weisen für den Betrachtungszeitraum einen Anstieg um 1,46 % pro Jahr aus. Dieses Ergebnis weist nicht zwingend auf eine Überschätzung des künftigen Strukturwandels hin. Vielmehr muß berücksichtigt werden, daß in den Jahren 1989 bis 1992 eine Verringerung der durchschnittlichen Betriebsgröße beobachtet wurde. Dies geht auf den teilweise drastischen Arbeitskräfteabbau in urbanen Regionen und der damit verbundene Rückwanderung aufs Land zurück (Mohr, 1993).

Bei der Anpassung des Investitionsvolumens wurde das durchschnittliche Investitionsvolumen je Hektar und der Anteil der investierenden Betriebe berücksichtigt. Hornowski, 1996 belegt 30 % investierende Betriebe in der Wojewodschaft Torun. Dieser Anteil wird auch von den Modellrechnungen ausgewiesen.


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Abweichungen bestehen in dem durchschnittlichen Investitionsvolumen. Das statistische Hauptamt Polens weist für das ganze Land im Jahr 1996 ein amtlich erfaßtes durchschnittliches Investitionsvolumen von rund 130 Zl je Betrieb aus. Das in den Modellrechnungen ausgewiesene Investitionsvolumen von 142 Zl je Betrieb und Jahr 'ohne EIF' und 225 Zl je Betriebe und Jahr 'mit EIF' überschätzt damit die Investitionstätigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. In der Auswertung der Modellergebnisse wird darauf näher eingegangen.

Um das Verhalten des Einzelbetriebes zu überprüfen wurden Plausibilitätsüberlegungen herangezogen. Beispielsweise ist sichergestellt, daß in der Ausgangssituation entsprechend den empirischen Erhebungen die vorhandenen Stallplätze genutzt werden und die maximal in außerlandwirtschaftlichen Sektoren einsetzbaren Arbeitsstunden in Anspruch genommen werden. Von Bedeutung ist dies speziell bei den zahlreichen Kleinstbetrieben, die vielfach im Zuerwerb bewirtschaftet werden und einen erheblichen Anteil ihres Einkommens aus der Viehhaltung erzielen.

Um das Anpassungsverhalten nicht nur in der Referenzsituation sondern auch in den betrachteten (Unter-) Szenarien 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik, ohne EIF', 'Übergang zur Agenda 2000, mit EIF' sowie 'Übergang zur Agenda 2000, ohne EIF' testen zu können, wurden ebenfalls Plausibilitätsüberlegungen verwendet. Beispielsweise wurde angenommen - was triviallogisch ist- daß bei steigenden Erzeugerpreisen höhere Gewinne erzielt werden. Ein Anstieg der Investitionstätigkeit und ein Rückgang der Insolvenzrate erscheint bei Betrieben wahrscheinlich, die einer niedrigen aber permanenten Insolvenz ausgesetzt sind.

Die Anforderungen an die Modellgüte sind ohnehin mit Blick auf das mit der Modellerstellung verbundene Ziel zu relativieren. Ziel dieser Arbeit sind qualitative Aussagen zum Einfluß der EIF auf den landwirtschaftlichen Strukturwandel und die volkswirtschaftliche Wohlfahrt im Transformationsprozeß. Überdies erscheinen gesicherte quantitative Aussagen derzeit kaum erzielbar.


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Dies gilt zum einen hinsichtlich der Unsicherheiten in der Preisentwicklung<39>, insbesondere aber bezüglich der Entwicklungen in den außerlandwirtschaftlichen Sektoren und den damit einhergehenden alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten. Bei den Modellrechnungen zum Szenario 2 'Übergang zur Agenda 2000' ist zu beachten, daß die Beitrittsmodalitäten zur EU derzeit noch unklar sind.

Die nachfolgende Auswertung der Modellrechnungen sind daher primär als Abschätzung der Wirkungsrichtung der einzelbetrieblichen Investitionsförderung unter Berücksichtigung der beschriebenen Bedingungen zu verstehen. Quantitative Aussagen können davon nur mit entsprechender Vorsicht gemacht werden.

5.2. Aspekte und Kennziffern zur Auswertung der Modellergebnisse

Bei der Auswertung der Modellrechnungen stehen, gemäß der Zielstellung, folgende Fragestellungen im Vordergrund: Welcher Einfluß ist von der EIF unter den beschriebenen Transformationsbedingungen auf die Agrarstrukturentwicklung und den Faktoreinsatz sowie die Entwicklung der landwirtschaftlichen Einkommen zu erwarten? Zusätzlich wird die Transfereffizienz der eingesetzten Subventionen und die Auswirkung auf die volkswirtschaftliche Wohlfahrt ermittelt. Im einzelnen wird dabei auf folgende Aspekte eingegangen:


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5.3. Ergebnisse des Szenarios 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'

Zunächst wird das Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’ ausgewertet. Hierzu werden die Modellrechnungen vom Basisjahr, dem Jahr 1996, ausgehend für den Betrachtungszeitraum (10 Perioden) analysiert unter den drei Gesichtspunkten: Agrarstrukturentwicklung und Faktoreinsatz sowie Einkommensentwicklung. Die erzielten Transfereffizienzen und die Wohlfahrtswirkung werden in einem separaten Punkt untersucht.


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5.3.1. Entwicklungen auf einzelbetrieblicher Ebene

Mit nachfolgender kurzer Beschreibung der Betriebsentwicklungen sollen Zusammenhänge und Hintergründe der beobachteten Agrarstrukturentwicklung bzw. der Einkommens- und Wohlfahrtswirkung der EIF aufgezeigt werden. Eine detaillierte Zusammenstellung der Faktorausstattung und der monetären Kennziffern in der Ausgangssituation sowie deren Veränderungen im Zeitablauf können im vorausgehenden Kapitel dem Punkt 0 . (Das Betriebsmodul) bzw. dem Anhang entnommen werden.

Die Modellbetriebe ‘Kleiner Familienbetrieb‘ (‘KFBt +’) bzw. (‘KFBt -’), die die flächenärmsten (6,5 ha) und am häufigsten vertretenen Betriebe repräsentieren, entwickeln sich in beiden Unterszenarien weitgehend ähnlich. Keiner der beiden Betriebe kann weder mit noch ohne EIF Investitionen tätigen. Trotz vergleichsweise niedriger Deckungsbeiträge in den einzelnen Produktionsverfahren wird, bedingt durch den vergleichsweise hohen Viehbesatz, aber ein relativ hoher Gewinn je Hektar erzielt. Die in den Modellrechnungen ausgewiesene hohe generationswechselbedingte Betriebsaufgabe von insgesamt 26 % im Betrachtungszeitraum wird daher möglicherweise überschätzt.

Das Investitionsförderprogramm wird angenommen bei den Modellbetrieben ‘Mittlerer Familienbetrieb’ (‘MFBt +’) bzw. (‘MFBt -’), dem durchschnittlichen Familienbetrieb der Beispielsregion (10,6 ha). Dennoch entwickeln sich die Modellbetriebe sehr unterschiedlich. Modellbetrieb ‘MFBt-’ führt in beiden Unterszenarien lediglich eine Kleininvestition durch und muß jeweils Flächen abgeben. Modellbetrieb ‘MFBt +’ dagegen kann im Unterszenario 'mit EIF' eine größere Neuinvestition tätigen. Dies ermöglicht dem Betrieb, seine Flächen auch über den ohne die Investitionsförderung realisierten Umfang hinaus auszudehnen und einen beträchtlichen Gewinnanstieg zu erzielen. In den Simulationen erweist sich der Betriebstyp ‘MFBt +’ trotz der vergleichsweise geringen Flächenausstattung als entwicklungsfähig. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Czasch, 1995.

Bei Betriebstyp ‘GFBt’, dem flächenreichsten (großen) traditionellen bäuerlichen Betrieb (19,2 ha) erweisen sich die in der Ausgangssituation überdurchschnittlich gut geführten und die unterdurchschnittlich gut geführten Betriebe als mittelfristig stabil. Die erfolgreichere Hälfte des großen Familienbetriebs verfügt über das größte Entwicklungspotential.


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Sie realisiert das höchste Investitionsvolumen je Hektar, den größten Flächenzuwachs und den höchsten Gewinnanstieg. Als einziger Betriebstyp tätigt er auch im Unterszenario 'ohne EIF' in erheblichem Umfang Neuinvestitionen. Betriebstyp ‘GFBt -’, die weniger erfolgreiche Hälfte des großen Familienbetriebs, stagniert weitgehend. Dennoch ist lt. den Modellrechnungen bei diesem Betriebstyp binnen der nächsten 10 Jahre nur mit einer geringfügigen Betriebsaufgabe zu rechnen, da die Gewinne die Opportunitätskosten der Weiterbewirtschaftung übersteigen. Sollte ‘GFBt-’ seine Anpassungs- und Entwicklungsstrategie jedoch nicht ändern, ist längerfristig mit einer zunehmenden Verdrängung zu rechnen.

Betriebstyp ‘NFBt’ als neu gegründeter bzw. seit Beginn des Transformationsprozesses schnell expandierender Marktfruchtbetrieb (120 ha) erweist sich als vergleichsweise instabil. Innerhalb der Gruppe der bäuerlichen Betriebe hat er die größte Insolvenzrate. Der überdurchschnittlich gut geführte Teil der neuen Familienbetriebe kann mit Hilfe der Investitionsförderung Neuinvestitionen in beträchtlichem Umfang tätigen und dadurch eine erhebliche Gewinnsteigerung erzielen. Damit einher geht allerdings ein starker Anstieg des Insolvenzrisikos. Ohne EIF führt dieser Betriebstyp keine Investitionen durch; im Verlauf des Betrachtungszeitraumes müssen daher rückläufige Gewinne hingenommen werden. Betriebstyp ‘NFBt -’ tätigt in keinem der beiden Unterszenarien Investitionen. Als einziger der weniger erfolgreichen Betriebe muß er aber keine Flächen abstocken; rückläufige Gewinne können damit dennoch nicht verhindert werden.

Betriebstyp ‘EStBt’ (800 ha), der die Betriebe des ehemals verstaatlichten Sektors repräsentiert, weist in den Kennziffern ‘Anteil verbleibender Betriebe’ und 'Gewinn' die größte Differenz zwischen der erfolgreicheren Hälfte ('+ Betriebe') und der weniger erfolgreichen Hälfte ('- Betriebe') aus. Die erfolgreichere Hälfte der ehemaligen Staatsgüter kann mit Hilfe der EIF Investitionen tätigen und Flächen hinzunehmen. Das vergleichsweise geringe Investitionsvolumen je Hektar geht auf den bei diesem Betriebstyp stark begrenzten Kreditspielraum zurück. Im Unterszenario 'ohne EIF', in dem weder die erfolgreichere Hälfte noch die weniger erfolgreiche Hälfte der ehemaligen Staatsgüter Investitionen tätigen, müssen beide Gewinnrückgänge hinnehmen. Deutlich wird daran, daß gut geführte ehemalige Staatsbetriebe, nicht zuletzt wegen ihrer Flächenausstattung, Wettbewerbsvorteile haben und konkurrenzfähig sind.


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5.3.2. Agrarstrukturentwicklung und Faktoreinsatz

5.3.2.1. Investitionstätigkeit

In der Referenzsituation ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik, mit EIF') tätigen im Betrachtungszeitraum knapp 30 % der zu Beginn vorhandenen Betriebe Neuinvestitionen. Ein weiteres knappes Drittel führt Umbauten bzw. Kleininvestitionen durch, während fast die Hälfte aller Betriebe keine Investitionen durchführt. Den Modellrechnungen zufolge sind dies die kleinen Familienbetriebe (‘KFBt’) sowie die jeweils weniger erfolgreiche Hälfte der neugegründeten Familienbetriebe (‘NFBt -’) und die ehemaligen Staatsgüter (‘EStBt-’). Mittelfristig ist, so die Anpassungsstrategie nicht verändert wird, vom Ausscheiden eines großen Teils dieser Betriebe auszugehen<40>.

Durch den Wegfall der EIF verringert sich die Investitionstätigkeit in der Beispielsregion erheblich. Das Investitionsvolumen reduzierte sich auf 63 % des 'mit EIF' realisierten Volumens (vgl. Tabelle 11 und Abbildung 14 ). Dieser starke Einfluß der Investitionsförderung ist v.a. auf die umfangreiche Zinssubventionierung zurückzuführen, die die häufig limitierend wirkende Liquidität entsprechend erhöht.

Abbildung 14: Einfluß der EIF auf das Investitionsvolumen im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'


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Auf betrieblicher Ebene wirkt sich der Wegfall der EIF auf das Investitionsvolumen wie nachfolgend dargestellt aus:

Das Investitionsvolumen wird nicht beeinflußt.

Dies trifft auf die großen Familienbetriebe (‘GFBt’) und den unterdurchschnittlich gut geführten mittleren Familienbetrieb (‘MFBt -’) zu. Der erfolgreichere große Familienbetrieb tätigt als einziger Modellbetrieb auch nach dem Wegfall der Förderung Neuinvestitionen. In beiden Unterszenarien kann der Betriebstyp sowohl innerbetrieblich als auch im Umfang der bewirtschafteten Flächen erheblich expandieren. Durch die Förderung wird die Zweitinvestition lediglich früher durchgeführt. Die von diesen Betrieben durchgeführten Investitionen wären auch ohne die Investitionsförderung möglich gewesen. Es handelt sich somit um reine Mitnahmeeffekte.

Das Investitionsvolumen wird verringert.

Die erfolgreichere Hälfte des mittleren Familienbetriebs ‘MFBt +’ schränkt ihr Investitionsvolumen durch den Wegfall der EIF ein. Die mit Förderung getätigte Neuinvestition wird im Unterszenario 'ohne EIF' nicht mehr durchgeführt. Dieser Betriebstyp tätigt Investitionen, die auch ohne die EIF möglich gewesen wären sowie Investitionen, die nur durch die Gewährung einer indirekten Investitionsbeihilfe aus betrieblicher Sicht vertretbar sind.

Durch den Wegfall der EIF werden keine Investitionen mehr getätigt.

Die jeweils erfolgreichere Hälfte der neugegründeten Familienbetriebe (‘NFBt +’) sowie die ehemaligen Staatsgüter (‘EStBt +’) führen nach dem Wegfall der EIF keine Investitionen mehr durch. Die Vergabe zinsvergünstiger Mittel an diese Betriebe ist dennoch nicht zwangsläufig mit volkswirtschaftlichen Verlusten verbunden, da die Landwirte primär nicht fristenkongruente Darlehen erhalten. Darauf wird bei der Auswertung der Transfereffizienzen näher eingegangen.

Wie nachfolgende Tabelle zeigt, werden durch den Wegfall der EIF vor allem weniger Neuinvestitionen getätigt. Das absolute Volumen der Umbauten und Kleininvestitionen bleibt dagegen konstant (vgl. Tabelle 11 ).


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Tabelle 11: Investitionsvolumen im Szenario ‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’ mit EIF bzw. ohne EIF im Betrachtungszeitraum

Mit EIF

Ohne EIF

Veränderung durch den Wegfall der EIF (%)

Investitionsvolumen insg. (Mio. Zl)

571,8

361,5

-37

Investitionsvolumen Neubauten (%)

94,0

90,0

-5

Investitionsvolumen Umbauten und Kleininvestition (%)

6,0

10,0

+5

Investitionsvolumen / ha (Zl) (alle Betriebe)

2.245

1.419

-37

Investitionsvolumen / ha (Zl) (investierende Betriebe)

3.121

2.220

-29

Zur Beurteilung der Investitionstätigkeit muß einschränkend darauf hingewiesen werden, daß derartige Modellrechnungen nur Auskunft geben können über gerechtfertigte Investitionen, die aufgrund der Kapitalverfügbarkeit sowie unter Rentabilitäts- und Liquiditätsaspekten möglich sind. Nicht mit einbezogen werden Einflußfaktoren wie die innerfamiliäre Situation oder die Betriebsleiterpersönlichkeit, die bei Investitionsentscheidungen mit ausschlaggebend sein können.

Hinzukommen insbesondere im Transformationsprozeß hohe Informations- und Transaktionskosten. Zu nennen ist auch ein vergleichsweise hohes Produktionsrisiko, wodurch die Anhebung der Liquidität mittels Investitionsförderung durch den Leverage-Effekt der Renditenunsicherheit überkompensiert werden kann. Berücksichtigt man diese Faktoren, ist insgesamt eine geringere Investitionstätigkeit wahrscheinlich.


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5.3.2.2. Pachtpreiswirkungen

Im Szenario 1 ('Fortsetzung der derzeitigen Agrarpolitik’) verringert sich in beiden Unterszenarien der modellendogen ermittelte Pachtpreis im Betrachtungszeitraum kontinuierlich von 200 Zl je Hektar auf 183 Zl je Hektar (-8,5 %). Ursachen dafür sind neben der relativen Verschlechterung der Erzeugerpreise vor allem die Freisetzung landwirtschaftlicher Flächen durch ausscheidende Betriebe. Durch die einzelbetriebliche Investitionsförderung wird der Pachtpreis bei den durchgeführten Simulationen weder im Niveau noch im Verlauf spürbar beeinflußt<41>. Bei dem hier realisierten Investitionsvolumen ist mit keiner erhöhten Zahlungsbereitschaft für landwirtschaftliche Nutzflächen zu rechnen.

5.3.2.3. Einfluß der EIF auf die Betriebsaufgabe

Die durchgeführten Modellrechnungen weisen im Szenario 'Fortsetzung der Agrarpolitik' so gut wie keinen Einfluß der Investitionsförderung auf die Gesamtzahl der verbleibenden Betriebe aus. In beiden Unterszenarien scheiden über den gesamten Betrachtungszeitraum rund 16% der ursprünglich vorhandenen Betriebe aus (im Unterszenario 'mit EIF' liegt die Betriebsaufgabe lediglich um 0,3 % höher). Vergleiche hierzu Tabelle A/16 im Anhang.

Ist auch die Gesamtzahl der verbleibenden Betriebe in beiden Unterszenarien weitgehend gleich, so handelt es sich hierbei um die Überlagerung eines das Insolvenzrisiko erhöhenden und eines das Insolvenzrisiko verringernden Effektes (vgl. Abbildung 15 ).


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Abbildung 15: Einfluß der EIF auf die Anzahl verbleibender Betriebe nach Investitionsverhalten im Szenario 'Fortsetzung der derzeitigen Agrarpolitik’

  1. Bei gleichem Investitionsvolumen sinkt durch die EIF das Insolvenzrisiko. Betriebe, die unabhängig von der EIF, dieselben Investitionen tätigen (Betriebstyp ‘MFBt -’, ‘GFBt +’, ‘GFBt -’), erfahren durch die Zinssubventionierung eine Verbesserung der Liquidität und sind dadurch einem geringeren Insolvenzrisiko ausgesetzt. Dieser Effekt ist um so deutlicher, je höher das realisierte Investitionsvolumen ist. Die erfolgreichere Hälfte des großen Familienbetriebs, der Modellbetrieb mit dem höchsten Investitionsvolumen je Hektar, weist im Unterszenario 'mit EIF' eine um 7 % geringere insolvenzbedingte Betriebsaufgabe auf als im Unterszenario 'ohne EIF'. Die weniger erfolgreiche Hälfte des mittleren Familienbetriebs, der Betriebstyp mit dem geringsten Investitionsvolumen je Hektar in dieser Gruppe, verzeichnet dagegen nur einen Rückgang der insolvenzbedingten Betriebsaufgabe um rund 1 %.
  2. Steigt durch die EIF das Investitionsvolumen, nimmt auch das Insolvenzrisiko zu. Betriebe, die mit Hilfe der EIF ein höheres Investitionsvolumen realisieren, dies sind die Betriebstypen ‘MFBt +’, ‘NFBt +’, ‘EStBt +’, sind in den Folgejahren einem höheren Insolvenzrisiko ausgesetzt. Am deutlichsten zeigt sich dies bei der erfolgreicheren Hälfte der neugegründeten Familienbetriebe, die ihr Investitionsvolumen deutlich ausweiten können, dafür aber einen Anstieg der insolvenzbedingten Betriebsaufgabe von 9 % auf 13 % im Betrachtungszeitraum hinnehmen müssen.

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  1. Die Betriebsaufgabe nicht investierender Betriebe wird durch die EIF nicht beeinflußt. Eine Quersubventionierung abstockender Betriebe wäre nur dann zu erwarten gewesen, wenn der Pachtpreis durch die EIF deutlich angehoben worden wäre

Durch die Investitionsförderung verringert sich die Insolvenzrate bei Betrieben, die auch ohne die EIF Neuinvestitionen tätigen sowie bei Betrieben, die auch mit Hilfe der EIF lediglich Kleininvestitionen durchführen. Dagegen steigt die insolvenzbedingte Betriebsaufgabe bei Betrieben, die nur mit Hilfe der EIF Neubauten tätigen (vgl. Abbildung 15 ).

Durch den Generationswechsel bedingt scheiden in beiden Unterszenarien lediglich Betriebe des 'kleinen Familienbetriebs' (6,5 ha) aus, wenn auch in erheblichem Umfang (jeweils 26 %). Diese Modellbetriebe tätigen weder mit noch ohne EIF Investitionen. Zwar erzielen auch hier die '+ Betriebe' höhere Gewinne als die '- Betriebe', bei beiden sind aber die Opportunitätskosten der Weiterbewirtschaftung nicht gedeckt, so daß die Betriebe im Falle eines Generationswechsels ausscheiden. In den anderen Modellbetrieben ist die Fortführung der landwirtschaftlichen Produktion vorteilhafter, wobei die durchschnittlich mögliche außerlandwirtschaftliche Erwerbstätigkeit zugrunde gelegt wird. Gerade bei der außerlandwirtschaftlich verwertbaren Arbeitskapazität muß aber hinzugefügt werden, daß es sich hierbei um Durchschnittswerte handelt, die von den Betriebsleitern bzw. den Familienmitgliedern durch eine höhere Qualifikation beeinflußt werden können. Daher ist, obwohl die Modellergebnisse keine generationswechselbedingte Betriebsaufgabe bei größeren Betriebseinheiten ausweisen, trotzdem in einem bestimmten Umfang davon auszugehen.


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5.3.2.4. Einfluß der EIF auf die durchschnittliche Betriebsgröße und den Anteil der bewirtschafteten Flächen

Bedingt durch den vergleichbaren Anteil der verbleibenden Betriebe entwickelt sich die durchschnittliche Betriebsgröße in beiden Unterszenarien weitgehend ähnlich. Mit einem Anstieg der mittleren Flächenausstattung um 1,5 % pro Jahr 'mit EIF' und 1,7 % pro Jahr<42> 'ohne EIF' wirkt die Investitionsförderung - bei einem mittelfristigem Betrachtungshorizont - eher bremsend auf das durchschnittliche Betriebs größenwachstum (vgl. Tabelle 12 ).

Tabelle 12: Entwicklung der durchschnittlichen Betriebsgröße 'mit EIF' bzw. 'ohne EIF' im Szenario ‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’

Beginn (ha)

Ende (ha)

Anstieg pro Jahr (ha)

Anstieg pro Jahr (%)

Mit EIF

Alle Betriebe

13,27

15,21

0,19

1,46

Bäuerliche Betriebe

12,45

14,33

0,18

1,51

Ehemals verstaatlichte Betriebe

800,00

867,11

6,71

0,84

 

 

 

 

Ohne EIF

Alle Betriebe

13,27

15,54

0,23

1,71

Bäuerliche Betriebe

12,45

14,64

0,22

1,76

Ehemals verstaatlichte Betriebe

800,00

868,46

6,85

0,86

Bei der Beurteilung der Flächenallokation muß einschränkend bemerkt werden, daß modellintern die Hinzunahme und Abgabe von Flächen ausschließlich unter dem Aspekt der Gewinnmaximierung erfolgt. Dadurch bleiben immaterielle Werte der Flächenbewirtschaftung oder mögliche Vorbehalte der bäuerlichen Betriebe, an die ehemaligen Staatsgüter zu verpachten, unberücksichtigt. Unter den beschriebenen Bedingungen erscheint daher ein geringeres durchschnittliches Flächenwachstum sowie eine Verschiebung des durchschnittlichen Flächenanstiegs zugunsten der Betriebe des bäuerlichen Sektors wahrscheinlich.


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Die Entwicklung der durchschnittlichen Betriebsgrößen ist Tabelle A/18 im Anhang zu entnehmen. Die Flächenaufstockung bzw. -abstockung erfolgt, wie nicht anders zu erwarten war, in den einzelnen Modellbetrieben nicht gleichmäßig. Bei der Flächenallokation wurden im wesentlichen drei Effekte beobachtet:

  1. Entscheidend für die Flächendynamik ist das Flächenangebot ausscheidender Betriebe. Durch die rund 3.000 ausscheidenden Betriebe stehen insgesamt rund 31 tsd. Hektar Pachtflächen zur Verfügung, wobei allein durch die ausscheidenden Staatsgüter mehr als 2.500 Hektar freigesetzt werden.
  2. In beiden Unterszenarien war die Flächenbewegung von den weniger erfolgreichen Betrieben zu den erfolgreicheren Betrieben bedeutend. Mit Ausnahme des kleinen Familienbetriebs kann die jeweils überdurchschnittlich gut geführte Hälfte eines Betriebstyps ihre Flächen im Betrachtungszeitraum ausweiten. Lediglich bei den neu gegründeten Familienbetrieben - die in der für die Beispielsregion atypischen Form des Marktfruchtbetriebes agieren - können auch die '-Betriebe' ihre bisherigen Flächen beibehalten.
  3. Ein weiterer, jedoch weniger bedeutsamer Einflußfaktor ist das relative Investitionsvolumen pro Hektar. Der Umfang der bewirtschafteten Flächen wird durch die Investitionsförderung nur bei der erfolgreicheren Hälfte der mittleren Familienbetriebe (‘MFBt+’) und der weniger erfolgreichen Hälfte der großen Familienbetriebe (‘GFBt-’) beeinflußt. Dies wird beispielhaft mit nachfolgender Abbildung verdeutlicht (vgl. Abbildung 16 ).

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Abbildung 16: Einfluß der EIF auf den Umfang der bewirtschafteten Fläche bei den Modellbetrieben 'MFBt +' und 'GFBt -'

Modellbetrieb ‘MFBt +’ kann durch ein vergleichsweise hohes Investitionsvolumen je Hektar die bewirtschafteten Flächen zusätzlich ausdehnen, d.h. über die auch ohne die EIF realisierte Flächenaufstockung hinaus. Im Unterszenario 'ohne EIF' kann 'MFBt +' Flächenansprüche bis 11,8 ha geltend machen; im Unterszenario 'mit EIF', bei einem deutlich höheren Investitionsvolumen, kann er auf 14,0 ha (+14,3 %) aufstocken. Dies geht zu Lasten des Modellbetriebes ‘GFBt -’, der mit wie auch ohne EIF lediglich eine Kleininvestition durchführt. Im Unterszenario 'mit EIF', in dem das Investitionsvolumen konkurrierender Betriebe stark ansteigt, verliert der Betrieb an relativer Konkurrenzfähigkeit und kann im Gegensatz zu ‘ohne EIF‘ keine Flächen mehr hinzunehmen (vgl. Abbildung 16 ). Die daraus resultierenden Folgen für die Einkommenswirksamkeit der aufgewendeten Subventionen werden im Punkt 5.5. (Effizienzwirkungen) besprochen.


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Die Investitionsförderung beeinflußt auch die von den einzelnen Betriebstypen bewirtschafteten Flächenanteile wie nachfolgend dargestellt (vgl. Abbildung 17 ).

Abbildung 17: Einfluß der EIF auf die Flächenanteile der einzelnen Betriebstypen im Szenario ‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’
a) mit Investitionsförderung b) ohne Investitionsförderung

  1. Durch die Investitionsförderung steigt der bewirtschaftete Flächenanteil: Die jeweils erfolgreichere Hälfte der mittleren Familienbetriebe (‘MFBt +’) und die großen Familienbetriebe (‘GFBt +’) können im Unterszenario ”mit EIF“ ihren Flächenanteil erhöhen. Der Betriebstyp ‘MFBt +’ kann durch die Investitionsförderung im Unterszenario 'mit EIF' sein Investitionsvolumen deutlich ausweiten und zusätzliche Flächen hinzunehmen. Die erfolgreichere Hälfte des großen Familienbetriebs (‘GFBt +’) tätigt zwar unabhängig von der EIF die selben Investitionen, bedingt durch die geringere insolvenzbedingte Betriebsaufgabe im Unterszenario ‘mit EIF‘ steigt der bewirtschaftete Flächenanteil.
  2. Mittels der Investitionsförderung verringert sich der bewirtschaftete Flächenanteil: Dies gilt für die Betriebstypen ‘GFBt -’, ‘NFBt +’ und ‘EStBt +’. Können die Betriebe trotz der erhaltenen Förderung die bewirtschafteten Flächen nur unwesentlich oder gar nicht ausdehnen und muß ein Anstieg der insolvenzbedingten Betriebsaufgabe hingenommen werden, so verringert sich - mittelfristig - der von diesem Betriebstyp bewirtschaftete Flächenanteil.

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  1. Der bewirtschaftete Flächenanteil wird nicht beeinflußt: Betriebe, die nicht investieren (die Betriebstypen ‘KFBt +’, ‘KFBt -’, ‘NFBt -’, ‘EStBt -’), können im Betrachtungszeitraum ihren Flächenanteil konstant halten. Über einen längerfristigen Zeitraum ist, bedingt durch die zunehmende Herausnahme von Produktionsanlagen, eine Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit um landwirtschaftliche Flächen zu erwarten.

Im Hinblick auf die Flächenverteilung ist die Investitionsförderung ambivalent zu beurteilen. Es treten sowohl Betriebstypen auf, deren Flächenanteil durch die Förderung steigt, als auch Betriebstypen, die durch die Förderung - mittelfristig - zurückgedrängt werden. Dennoch ist, wie nachfolgende Abbildung zeigt, eine Ausdehnung der Flächen durch die EIF lediglich bei überdurchschnittlich gut wirtschaftenden Betrieben möglich (vgl. Abbildung 18 ).

Abbildung 18: Einfluß der EIF auf die Investitionstätigkeit und die Flächenentwicklung

Dies ist so zu interpretieren, daß der überdurchschnittlich gut wirtschaftende Einzelbetrieb durch die Investitionsförderung schneller expandieren kann. Mittelfristig können bedingt durch den Anstieg des Insolvenzrisikos, die von diesem Betriebstyp bewirtschafteten Flächenanteile zurückgehen.


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5.3.2.5. Einfluß der EIF auf die eingesetzten Arbeitskräfte

Durch die Investitionsförderung steigt der kalkulatorische Arbeitsbedarf an. Eine Erhöhung der beanspruchten Arbeitszeit ist v.a. bei den Betrieben zu beobachten, die Neuinvestitionen tätigen können ('GFBt+', 'MFBt+'), (vgl. Abbildung 19 ).

Abbildung 19: Effektiv eingesetzte Arbeitsstunden der einzelnen Betriebstypen im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'
a) mit Investitionsförderung b) ohne Investitionsförderung

Im Unterszenario 'ohne EIF' dagegen bleibt das eingesetzte Arbeitsvolumen weitgehend konstant. Dies geht im wesentlichen auf das deutlich geringere Volumen der getätigten Neubauten zurück.

Den Modellrechnungen zufolge werden im Unterszenario 'mit EIF', trotz steigendem Arbeitseinsatz, lediglich von den ehemaligen Staatsgütern Fremdarbeitskräfte beschäftigt. Dies geht, worauf bereits hingewiesen wurde, auf den sehr hohen Arbeitskräftebesatz von etwa 27 AK/100 ha im bäuerlichen Sektor und 15 AK/100 ha im ehemals staatlichen Sektor zurück. Durch die Investitionsförderung steigt zwar der gesamte Arbeitseinsatz, allerdings wird dadurch lediglich die versteckte Arbeitslosigkeit verringert. Der Zusatznutzen in Form zusätzlich ausbezahlter Fremdlöhne ist daher vergleichsweise gering.


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5.3.3. Einkommenswirkung der EIF

Gewinnsituation zu Beginn des Betrachtungszeitraumes

Zu Beginn des Betrachtungszeitraumes (nach der ersten Flächenvergabe, vor der Tätigung von Investitionen) erzielen die Modellbetriebe im Durchschnitt einen Gewinn von 547 Zl pro Hektar<43>. Hierbei erwirtschaften die erfolgreicheren Betriebe ('+ Betriebe') mit durchschnittlich 637 Zl je Hektar einen um 28 % höheren Gewinn als die weniger erfolgreichen Betriebe ('- Betriebe'), (vgl. Abbildung 20 ).

Abbildung 20: Gewinn pro Hektar zu Beginn des Betrachtungszeitraumes im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'

Der zu Beginn des Betrachtungszeitraumes vergleichsweise hohe Gewinn je Hektar des kleinen Familienbetriebs geht auf den relativ hohen Tierbesatz von 0,82 GVE je Hektar<44> zurück. Damit kann trotz vergleichsweise niedrigen Deckungsbeiträge ein hoher Gewinn je Hektar erzielt werden. Möglicherweise wird dadurch eine Betriebsaufgabe im Zuge des Generationswechsels gebremst und der Betrieb durch einen Teil der Familienmitglieder weiterbewirtschaftet.


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Den niedrigsten Gewinn je Hektar erzielen mit 138 Zl je Hektar die weniger erfolgreichen ehemaligen Staatsgüter. Berücksichtigt man allerdings die von diesem Betrieb aufzubringenden Fremdlöhne, kann ein weit günstigeres Ergebnis von 440 Zl pro Hektar (Gewinn + Fremdlöhne) ausgewiesen werden.

Einfluß der EIF auf die Gewinnentwicklung

Im Unterszenario ‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik, mit EIF’ erzielen die Modellbetriebe im Betrachtungszeitraum einen durchschnittlichen Gewinn von 684 Zl je Hektar. Das Gewinniveau liegt damit um rund 20 % höher als zu Beginn des Betrachtungszeitraumes.

Abbildung 21: Einfluß des Investitionsvolumens auf die Gewinnentwicklung im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik, mit EIF'

Die Entwicklung der Gewinne ist ganz wesentlich von der Investitionstätigkeit der Modellbetriebe abhängig (vgl. Abbildung 21 ).

Ein Vergleich des Investitionsvolumens im Betrachtungszeitraum mit der Gewinnentwicklung der verbleibenden Betriebe zeigt, daß Betriebe mit vergleichsweise hohem Investitionsvolumen mit einer z.T. deutlichen Verbesserung der Gewinnsituation rechnen konnten. Aber auch Betriebe, die unter Nutzung der vorhandenen Bausubstanz Umbauten bzw. Kleininvestitionen durchführen, können einen Gewinnanstieg erzielen. Bedingt durch das geringere Investitionsvolumen im Unterszenario ‘ohne EIF’ sind die von den Betrieben erzielten Gewinne um durchschnittlich 11 % geringer.


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Der Wegfall der Investitionsförderung wirkt sich auf die Gewinnsituation der Betriebe wie nachfolgend dargestellt aus:

Abbildung 22: Einfluß der EIF auf die durchschnittlichen Gewinne je Hektar im Szenario ‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’

  1. Betriebe, die unabhängig von der EIF, die gleichen Investitionen tätigen (dies trifft auf die Betriebstypen ‘GFBt +’, ‘GFBt -’, und ‘MFBt -’ zu), sind je nach Höhe des realisierten Investitionsvolumens betroffen. Die erfolgreichere Hälfte des großen Familienbetriebs (‘GFBt+’), die das höchste Investitionsvolumen je Hektar realisiert, muß durch den Wegfall der EIF den größten Gewinnrückgang von durchschnittlich 17 % hinnehmen. Dagegen würde sich das Betriebsergebnis der weniger erfolgreichen Hälfte der mittleren Familienbetriebe (‘MFBt -’), bedingt durch das geringe Investitionsvolumen, nur minimal verschlechtern. Dieser Betriebstyp hätte einen Gewinnrückgang von lediglich 1 % zu verzeichnen (vergleiche hierzu Abbildung 21 ).
  2. Betriebe, die durch den Wegfall der EIF weniger investieren bzw. keine Investitionen mehr durchführen können, dies trifft auf die Betriebstypen ‘MFBt +’, ‘NFBt +’ und ‘EStBt +’ zu, müssen zum Teil erhebliche Gewinneinbußen in Kauf nehmen. So sieht sich beispielsweise Betriebstyp ‘MFBt +’ einem Gewinnrückgang von durchschnittlich 21 % gegenüber. Zum Ende des Betrachtungszeitraumes, nachdem der Betrieb mit Investitionsförderung noch zusätzliche Flächen hinzunehmen konnte, liegt der Gewinn 'mit EIF' sogar um 37 % über dem Niveau 'ohne EIF'. Bei diesen Betrieben bleibt allerdings die Frage offen, ob eine Reinvestition, und damit eine dauerhafte Stabilisierung der erzielten Gewinne, aus eigener Kraft möglich ist.

    91

  3. Das Gewinniveau von Betrieben, die nicht mit Hilfe der EIF investieren (dies trifft auf die Betriebstypen ‘KFBt +’, ‘KFBt -’, ‘NFBt -’ und ‘EStBt -’ zu), wird durch den Wegfall der Investitionsförderung nicht beeinflußt (vgl. Abbildung 21 ). Eine Quersubventionierung nicht investierender Betriebe wäre bei einem durch die Investitionsförderung induzierten Pachtpreisanstieg zu erwarten gewesen.

Betrachtete man die Gewinnentwicklung nach überdurchschnittlich gut geführten Betrieben (‘+ Betrieben‘) und unterdurchschnittlich gut geführten Betrieben (‘-Betrieben‘) so zeigt sich, daß die '+ Betriebe' im Unterszenario 'mit EIF' einen durchschnittlichen Gewinnanstieg von 23 % realisieren während die '-Betriebe' lediglich einen Anstieg um 2 % verzeichnen. Ohne die EIF können die überdurchschnittlich gut geführten Betriebe lediglich einen Gewinnanstieg um rund 3 % realisieren und die unterdurchschnittlich gut geführten Betriebe müssen einen Gewinnrückgang von gut 4 % in Kauf nehmen. Durch die EIF wird zwar der Gewinnabfall der '- Betriebe' gebremst, den '+ Betrieben' aber ein weit überproportionaler Gewinnanstieg ermöglicht (vgl. Abbildung 23 ).

Abbildung 23: Entwicklung der durchschnittlichen Gewinne von '+ Betrieben' und '- Betrieben' im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'


92

Für eine langfristige Prognose kann dies als Anhaltspunkt eines beschleunigten Strukturwandels (Anzahl verbleibender Betriebe, durchschnittliche Betriebsgröße) durch die Investitionsförderung gewertet werden.

5.4. Ergebnisse des Szenarios 'Übergang zur Agenda 2000'

Den im Szenario 2 (‘Übergang zur Agenda 2000’) beobachteten Agrarstrukturentwicklungen liegen die im Punkt 0 . (Ausgewählte Szenarien) unterstellten agrarpolitischen Veränderungen zugrunde. Demzufolge erzielen die Landwirte nach dem EU-Beitritt, nach der fünften Periode, höhere Gewinne aus der Tierproduktion. In der Pflanzenproduktion bleibt das Preisgefüge weitgehend stabil. Prämien und Ausgleichszahlungen werden nicht gewährt. Zusätzlich wird davon ausgegangen, daß die derzeit in Polen bestehende Quotierung der Zuckerproduktion beibehalten, eine Quotierung der Milchproduktion aber nicht eingeführt wird.

Die Auswertung des Szenarios ‘Übergang zur Agenda 2000’ erfolgt ebenfalls unter den drei zu Beginn des Kapitels angesprochenen Gesichtspunkten: Agrarstrukturentwicklung und Faktoreinsatz sowie Einkommensentwicklung. In einem separaten Punkt werden die erzielten Transfereffizienzen und die Wohlfahrtswirkung ausgewertet. Die Ausführungen stellen im wesentlichen auf Unterschiede in den Entwicklungen der beiden Szenarien ab.

5.4.1. Entwicklungen auf einzelbetrieblicher Ebene

Ähnlich wie im Szenario 1 (‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’) verläuft auch im Szenario 2 (‘Übergang zur Agenda 2000’) die Entwicklung der kleinen Familienbetriebe (‘KFBt’) in beiden Unterszenarien (‘mit EIF’ / ‘ohne EIF’) weitgehend analog. Die Modellbetriebe erzielen zwar, hervorgerufen durch die steigenden Erzeugerpreise, höhere Gewinne, ihr Entwicklungspfad bleibt davon aber weitgehend unberührt. Trotz der höheren Erzeugerpreise tätigt dieser Betriebstyp keine Investitionen tätigen. Zudem sind die Opportunitätskosten der Weiterbewirtschaftung nach wie vor nicht gedeckt, so daß im Zuge des Generationswechsels zunehmend Betriebe aus der Produktion ausscheiden.


93

Die überdurchschnittlich gut geführten mittleren Familienbetriebe (‘MFBt +’) tätigen, im Gegensatz zum Szenario 1, auch nach dem Wegfall der EIF eine größere Neuinvestition und können in beiden Unterszenarien flächenmäßig expandieren. Die unterdurchschnittlich gut geführten mittleren Familienbetriebe (‘MFBt -’) erzielen nach dem EU-Beitritt zwar etwas höhere Gewinne, inner- wie außerbetrieblich bleibt ihre Entwicklung davon allerdings unberührt.

Die Entwicklung des Modellbetriebs 'GFBt', des großen Familienbetriebs, wird durch den EU-Beitritt sowie durch die Gewährung zinsvergünstigter Mittel, deutlich beeinflußt. Die überdurchschnittlich gut geführten großen Familienbetriebe (‘GFBt +’) realisieren, wie auch im Szenario 1, das höchste Investitionsvolumen je Hektar. Aufgrund der höheren Erzeugerpreise erzielen sie damit deutlich höhere Gewinne. Die unterdurchschnittlich gut geführten großen Familienbetriebe (‘GFBt -’) realisieren mit Hilfe der EIF neben einem Umbau auch eine Neuinvestition tätigen. Im Unterszenario 'ohne EIF' muß der Betrieb auf diese Neuinvestition verzichten und infolgedessen Flächen abgeben.

Die neuen Familienbetriebe (‘NFBt’) erfahren durch den EU-Beitritt die größte Differenzierung zwischen den '+Betrieben' und den '-Betrieben'. Die überdurchschnittlich gut geführten Betriebe (‘NFBt +’) werden in ihrer Entwicklung stark begünstigt. Zwar müssen auch diese nach dem Wegfall der EIF ihr Investitionsvolumen verringern, können aber, anders als im Szenario 1, noch Neuinvestitionen tätigen. Dadurch kann der für die Beispielregion bereits sehr große Modellbetrieb weitere Flächen hinzunehmen. Die weniger erfolgreichen neuen Familienbetriebe dagegen tätigen auch mit Hilfe der EIF keine Neuinvestitionen und müssen infolgedessen Flächen abstocken.

Die Entwicklung der ehemaligen Staatsbetriebe (‘EStBt’) verläuft trotz des EU-Beitritts weitgehend ähnlich wie bei der Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik (Szenario 1). Zwar resultiert für die vormals verstaatlichten Betriebe aus den ansteigenden Erlösen ein nicht unerheblicher Gewinnanstieg, inner- wie außerbetrieblich wird ihre Entwicklung davon aber kaum beeinflußt.


94

5.4.2. Agrarstrukturentwicklung und Faktoreinsatz

5.4.2.1. Investitionstätigkeit

Im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000' steigt das Investitionsvolumen im Vergleich zum Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik' in der zweiten Hälfte des Betrachtungszeitraumes an. Im Unterszenario 'mit EIF' wird um insgesamt 41 % und im Unterszenario 'ohne EIF' um insgesamt 52 % mehr investiert als bei der 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'.

Durch das höhere Erzeugerpreisniveau können nun auch Betriebe Investitionen tätigen, die im Szenario 1 nicht, oder nur mit Hilfe der EIF dazu in der Lage waren. Beispielsweise können im Unterszenario ‘mit EIF’ nun auch die weniger erfolgreichen großen Familienbetriebe ('GFBt-') neben einem Umbau einen Stallneubau durchführen. Im Unterszenario ‘ohne EIF’ müssen die erfolgreicheren mittleren und neugegründeten Familienbetriebe (‘MFBt +’ und ‘NFBt +’) nicht mehr auf die Tätigung von Neuinvestitionen verzichten (vgl. Abbildung 24 ).

Abbildung 24: Investitionsvolumen in den betrachteten Szenarien


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Nicht ausgewiesene Betriebe tätigen in keinem der betrachteten Szenarien Investitionen. Betriebe, die bereits vor dem EU-Beitritt umfangreiche Investitionen tätigen, haben vielfach ihre liquiden Mittel und den maximalen Kreditspielraum bereits ausgeschöpft. Dadurch sind erst zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Investitionen möglich, was in den Modellrechnungen nicht mehr beachtet werden kann. In einer längerfristigen Betrachtung ist daher, ceteris paribus, von einem weiteren Anstieg des Investitionsvolumens auszugehen.

Durch den Wegfall der Investitionsförderung verringert sich im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000' das Investitionsvolumen ebenfalls deutlich zu Lasten der Neubauten. Hierbei bleibt aber nicht nur das absolute, sondern auch das relative Volumen der Neuinvestitionen über dem des Szenarios 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'. Das Investitionsvolumen der Umbauten und Kleininvestitionen bleibt dagegen, wie auch im Szenario 1, trotz des Wegfalls der EIF konstant. Durch das höhere Erzeugerpreisniveau werden verstärkt Neubauten getätigt, die auch längerfristig höhere Gewinne ermöglichen (vgl. Tabelle 13 ).

Tabelle 13: Investitionsvolumen in den untersuchten Szenarien im Betrachtungszeitraum (Mio. Zl)

'Übergang zur Agenda 2000'

'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'

'mit EIF'

'ohne EIF'

'mit EIF'

'ohne EIF'

 

Absolut

(Mio. Zl)

%

Absolut

(Mio. Zl)

%

%

%

Investitionsvolumen

804,6

 

100,0

 

548,5

 

100,0

 

100,0

 

100,0

 

Umbauten

34,2

 

4,2

 

34,2

 

6,2

 

6,0

 

9,5

 

Neuinvestitionen

770,4

 

95,8

 

514,3

 

93,8

 

94,0

 

90,5

 


96

5.4.2.2. Pachtpreiswirkungen

Im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000' steigt zum Zeitpunkt des EU-Beitritts der Pachtpreis in beiden Unterszenarien an. Im Unterszenario 'mit EIF' ist hierbei eine höhere Zahlungsbereitschaft für landwirtschaftliche Flächen zu beobachten als im Unterszenarios 'ohne EIF'. Im Szenario 1 (‘Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik’) verlief die Entwicklung des Pachtpreises in beiden Unterszenarien gleich (vgl. Abbildung 25 ).

Abbildung 25: Entwicklung der Pachtpreise

Der relativ höhere Pachtpreis im Unterszenario ‘mit EIF‘ geht auf den Anstieg der Investitionen in der bodengebundenen Produktion zurück. Im Szenario 2 steigt, insbesondere im Unterszenario 'mit EIF', die Investitionstätigkeit im Bereich der Schweinehaltung an. Die Ausgestaltung der zugehörigen Produktionsverfahren sieht sowohl die Möglichkeit zur Verwertung von innerbetrieblich erzeugtem Getreide als auch den Zukauf von Futtergetreide vor. Da der Zukauf von Futtergetreide weniger wirtschaftlich ist als die eigene Produktion und der Veredelungswert des im Betrieb erzeugten Futtergetreides über dem Verkaufspreis liegt, steigt der Grenznutzen der landwirtschaftlichen Flächen an.

Zur Übertragbarkeit auf die reale Pachtpreisbildung ist einschränkend zu bemerken, daß modellendogen eine jährliche Pachtpreisbildung stattfindet. Damit entspricht der Pachtpreis binnen einer Periode dem neuen (höheren) Gleichgewichtspreis für landwirtschaftliche Flächen. In der Praxis wird es dagegen, im wesentlichen durch die vorherrschenden mehrjährigen Pachtverträge,


97

einige Jahre dauern, bis der durchschnittliche Pachtpreis das höhere Erzeugerpreisniveau widerspiegelt.

Durch den Pachtpreisanstieg im Szenario 2 können die Haushalte, im Gegensatz zum Szenario 1, einen Zusatznutzen durch höhere Pachteinnahmen erzielen. Dieser zusätzliche Nutzen erhöht den Wohlfahrtsbeitrag der EIF. Detaillierter wird darauf bei der Ermittlung der Wohlfahrtswirkung der EIF im Punkt 0 eingegangen.

5.4.2.3. Einfluß der EIF auf die Betriebsaufgabe

Im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000' scheiden vergleichbar viele Betriebe aus wie im Szenario 1 ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'). Im Betrachtungszeitraum verringert sich die Gesamtzahl der Betriebe um rund 15 % (versus 16 % im Szenario 1). Durch das unterstellte höhere Preisniveau im Szenario 2 verringert sich lediglich in der zweiten Betrachtungshälfte die kontinuierliche zumeist aber vergleichsweise niedrige Insolvenzrate (schleichende Insolvenz) von zumeist kleineren, unterdurchschnittlich gut bewirtschafteten Betrieben.

Im Gegensatz zum Szenario 1 profitieren indirekt von der EIF Betriebe, die keine Investitionen tätigen und Flächen abstocken. Durch die ansteigenden Pachtpreise im Unterszenario ‘mit EIF‘ können diese etwas höhere Gewinne erzielen; lediglich bei Betriebstyp 'MFBt-' führt dies allerdings zu einer geringen Verringerung der Insolvenzen.

5.4.2.4. Einfluß der EIF auf die durchschnittliche Betriebsgröße und den Anteil der bewirtschafteten Flächen

Auf regionaler Ebene übt die Investitionsförderung auch bei dem höheren Preisniveau so gut wie keinen Einfluß auf das durchschnittliche Betriebsgrößenwachstum aus. Die Flächendynamik wird, wie auch im Szenario 1, im wesentlichen von drei Einflüssen bestimmt: den ausscheidenden Betrieben, der Bewirtschaftungsgüte und dem Investitionsvolumen. Dominierend ist nach wie vor das Flächenangebot ausscheidender Betriebe sowie die Flächenbewegung von unterdurchschnittlich gut geführten Betrieben zu überdurchschnittlich gut geführten Betrieben. Im Unterszenario 'mit EIF' können alle '+ Betriebe' Flächen hinzunehmen. Alle '- Betriebe' müssen Flächen abgeben.


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Dies gilt, im Gegensatz zum Szenario 1, auch für die weniger erfolgreichen neugegründeten Familienbetriebe ('NFBt-'). Im Szenario 2 ist, im Vergleich zu Szenario 1, der Einfluß des Investitionsvolumens auf die relative Konkurrenzkraft um Flächen allerdings ausgeprägter. Die Konkurrenzkraft der Betriebe um landwirtschaftliche Flächen wird durch das relative Investitionsvolumen beeinflußt. Verdeutlicht wird dies mit der Flächenentwicklung der überdurchschnittlich gut geführten und der unterdurchschnittlich gut geführten großen Familienbetriebe ('GFBt+ und 'GFBt-').

Die Entwicklung des überdurchschnittlich gut geführten großen Familienbetriebs ('GFBt+'), 19,2 ha Eigenfläche, wird im Szenario 1 durch die Investitionsförderung kaum berührt. Mit wie auch ohne EIF kann der Betrieb die selben Investitionen tätigen und den Bewirtschaftungsumfang auf gut 31 Hektar ausdehnen. Im Szenario 2 dagegen, wird der Betrieb durch die EIF in der Flächenexpansion gehemmt. Während er im Unterszenario 'ohne EIF' die bewirtschafteten Flächen nahezu verdoppeln kann, kann er im Unterszenario 'mit EIF' lediglich 75 % der ursprünglich vorhandenen Flächen aufstocken (vgl. Abbildung 26 ).

Abbildung 26: Einfluß der EIF auf die Entwicklung der Flächenausstattung des Betriebstyps ,GFBt+‘

Betriebstyp ‘GFBt-’ kann im Szenario 1 ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik') ohne die einzelbetriebliche Investitionsförderung Flächen hinzunehmen (+2,7 ha). Im Unterszenario 'mit EIF', in dem konkurrierende Betriebe ein z. T. deutlich höheres Investitionsvolumen realisieren, ist ihm eine Flächenaufstockung nicht mehr möglich. Seine bisherigen Flächenansprüche kann er aber weitgehend behaupten.


99

Im Szenario 2 (‘Übergang zur Agenda 2000’) tätigt Modellbetrieb ‘GFBt-’ mit Hilfe der EIF eine Neuinvestition und kann seine bisherigen Flächenansprüche durchsetzen. Im Unterszenario 'ohne EIF' dagegen, in dem der Betrieb im Gegensatz zu konkurrierenden Betrieben keine Neuinvestition realisieren kann, muß er Flächen in erheblichem Umfang abgeben (vgl. Abbildung 27 ).

Abbildung 27: Einfluß der EIF auf die Entwicklung der Flächenausstattung des Betriebstyps 'GFBt -'

Dies zeigt: wird die EIF bei einem höheren Preisniveau vergleichsweise wenig selektiv vergeben (z.B. auch an 'GFBt-'), kann die Flächenexpansion von überdurchschnittlich gut geführten, wachstumswilligen Betrieben gebremst werden. Neben der selektiven Förderung einzelner Betriebe ist daher mit der EIF indirekt auch die Schlechterstellung konkurrierender Betriebe verbunden.

5.4.2.5. Einfluß der EIF auf das eingesetzte Arbeitsvolumen

Im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000') ist, bedingt durch die höhere Investitionstätigkeit, der kalkulatorische Arbeitsbedarf höher als im Szenario 1. Dennoch beschäftigen neben den ehemaligen Staatsgütern lediglich die überdurchschnittlich gut geführten neugegründeten Familienbetriebe ('NFBt+') zusätzliche Fremdarbeitskräfte (vgl. Abbildung 28 ). Auch bei dem höheren Preisniveau kann die EIF im bäuerlichen Sektor lediglich einen Beitrag zur Verringerung der versteckten, nicht aber der offenen Arbeitslosigkeit leisten.


100

Das Beschäftigungspotential des landwirtschaftlichen Sektors für Fremdarbeitskräfte ist demnach im wesentlichen von dem Arbeitskräftebedarf der ehemaligen Staatsgüter abhängig. Einschränkend gilt es allerdings zu bemerken, daß die (künftige) zusätzliche Beschäftigung von Fremdarbeitskräften den Abbau von den in der Ausgangssituation vorhandenen überschüssigen Arbeitskräften voraussetzt<45>.

Abbildung 28: Einsatz von Fremdarbeitskräften in den untersuchten Szenarien

5.4.3. Einkommenswirkung der EIF

Im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000'

Die Entwicklung der Gewinne ist im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000'), ähnlich wie im Szenario 1 ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'), im wesentlichen von der Investitionstätigkeit abhängig. Als Einflußfaktor kommt aber, mit nicht unerheblicher Wirkung, die unterstellte Entwicklung der Erzeugerpreise nach dem EU-Beitritt, zu Beginn der 6. Periode, hinzu. Wie Abbildung 29 ausweist, profitieren bei den unterstellten Erzeugerpreisveränderungen sämtliche Betriebe von dem Beitritt zur EU. Dies geht v.a. auf die höhere Rentabilität der noch in allen Betrieben vertretenen Tierproduktion zurück.


101

Abbildung 29: Durchschnittliche Gewinne in den Szenarien 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik' und 'Übergang zur Agenda 2000' jeweils mit EIF

Im Szenario 2 liegt der durchschnittliche Gewinn der '+Betriebe' ebenfalls über dem der '-Betriebe'. Dennoch können die unterdurchschnittlich gut geführten Betriebe, im Gegensatz zum Szenario 1, einen mit den überdurchschnittlich gut geführten Betrieben vergleichbaren Gewinnanstieg erzielen (vgl. Abbildung 30 ). Dies geht zum einen auf die trotz der unterdurchschnittlichen Bewirtschaftungsgüte erzielten höheren Erlöse aus der Tierproduktion zurück. Zum anderen können bei dem höheren Erzeugerpreisniveau auch die weniger erfolgreichen Betriebe (umfangreichere) Investitionen tätigen.

Abbildung 30: Entwicklung der durchschnittlichen Gewinne je Hektar von ‘+ Betrieben’ und ‘- Betrieben’ im Szenario ‘Übergang zur Agenda 2000’


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5.4.4. Vergleich zwischen dem Szenario 1 und Szenario 2

Ein Vergleich zwischen den beiden Szenarien zeigt, daß die Investitionsförderung im Szenario 1 ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik') zu einer weiteren Differenzierung zwischen den erfolgreicheren und den weniger erfolgreichen Betrieben führt. Im Unterszenario 'mit EIF' liegt das Verhältnis des höchsten Gewinns je Hektar zum niedrigsten Gewinn je Hektar bei 18:1. Durch den Wegfall der EIF verringert es sich auf 14:1 (vgl. Abbildung 31 ). Bei dem vergleichsweise niedrigen Erzeugerpreisniveau im Szenario 1 begünstigt die EIF primär überdurchschnittlich gut wirtschaftende Betriebe.

Im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000') dagegen können zwar in beiden Unterszenarien die besser geführten Betriebe nach wie vor höhere Gewinne erzielen. Das Verhältnis des höchsten Gewinns je Hektar zum niedrigsten Gewinn je Hektar verengt sich jedoch drastisch. Zudem erfolgt im Szenario 2 durch die EIF keine weitere Differenzierung zwischen den überdurchschnittlich und den unterdurchschnittlich gut geführten Betrieben (vgl. Abbildung 31 ).

Abbildung 31: Verhältnis des höchsten Gewinns je Hektar zu dem niedrigsten Gewinn je Hektar

Aus der Entwicklung des Pachtpreises und der Gewinne wird deutlich, daß auch bei dem unterstellten höheren Erzeugerpreisniveau im Szenario 2 eine betriebsbezogene Förderung möglich ist. D.h., die Quersubventionierung durch ansteigende Pachtpreise ist vernachlässigbar. Allerdings kann bei den unterstellten Erzeugerpreisen und der derzeitigen Höhe der Zinssubventionierung ein derart großer Anteil der Betriebe investieren, daß im eigentlichen Sinne eine selektive Förderung nicht mehr erkennbar ist. Die EIF entspricht dann eher einer ‘Gießkannenförderung'.


103

5.5. Effizienzwirkungen

Mit der Durchführung des einzelbetrieblichen Investitionsförderprogrammes ist neben der Verbesserung der Agrarstruktur auch explizit das Ziel der Einkommensverbesserung in den landwirtschaftlichen Betrieben verbunden (ARiMR, 1997). Die vorausgehenden Auswertungen zeigen, daß die Einkommenssituation der geförderten Betriebe zum Teil deutlich verbessert wird. Es stellt sich aber die Frage, wie effizient der Mitteleinsatz ist. Hierzu werden verschiedene Maßstäbe herangezogen. Neben der Transfereffizienz auf betrieblicher Ebene wird auch die interne Verzinsung und der Wohlfahrtsbeitrag der EIF ermittelt.

5.5.1. Transfereffizienzen auf einzelbetrieblicher Ebene

Zur Ermittlung der Transfereffizienzen auf einzelbetrieblicher Ebene ( ) werden dem auf die EIF zurückgehenden Einkommensanstieg (Gegenwartswert des Einkommensanstiegs) die von staatlicher Seite aufgewendeten Mittel zur Kapitalsubventionierung (Subventionswert) für diesen Betriebstyp gegenüber gestellt<46>. Vergleiche hierzu nachfolgende Formel.

Transfereffizienz auf betrieblicher Ebene

(24)


104

Der berechnete Einkommensanstieg gibt hierbei den alleine auf die EIF zurückgehenden absoluten Einkommensanstieg des Betriebes über die gesamte Nutzungsdauer der getätigten Investition(en) wieder. Im Vergleich der beiden Einkommensentwicklungen werden damit Mitnahmeeffekte (Investitionen, die auch ohne die EIF getätigt werden) sowie Einkommensveränderungen, die unabhängig von der EIF eingetreten sind (z.B. durch die Herausnahme von Produktionsanlagen, Veränderung des Pachtpreises, Hinzunahme von Flächen, etc.), herausgerechnet.

Der Wert der Transfereffizienzen ist folgendermaßen zu interpretieren:

  1. Bei einer Transfereffizienz von eins entspricht der Einkommensanstieg den ausbezahlten Subventionen. Diese wird dann eintreten, wenn der Betrieb unabhängig von der EIF die gleichen Investitionen tätigt und in beiden Unterszenarien den selben Entwicklungspfad beschreibt. Als Sonderfall einer Transfereffizienz von eins ist eine Transfereffizienz um eins zu verstehen. Diese wird dann erzielt, wenn der Betrieb unabhängig von der EIF dieselben Investitionen tätigt, aber ein unterschiedlicher Entwicklungspfad beschrieben wird. Die Transfereffizienz wird u.a. etwas über eins liegen, wenn ein Betrieb durch die EIF früher investieren oder zusätzliche Flächen hinzunehmen kann. Bei einem abstockenden Betrieb wird sich eine Transfereffizienz von etwas über eins ergeben, wenn im Unterszenario 'mit EIF' höhere Pachteinnahmen je Hektar erzielt werden können. Die Transfereffizienz wird etwas unter eins liegen, wenn ein aufstockender Betrieb durch die EIF höhere Pachten je Hektar zu leisten hat oder weniger Flächen hinzunehmen kann, also im Unterszenario 'ohne EIF'. Ausgesagt wird mit einer Transfereffizienz um eins nicht, daß das Einkommen nur um die von staatlicher Seite aufgewendeten Subventionen ansteigt, sondern vielmehr, daß dem Betrieb der volle Subventionsbetrag als zusätzlicher Gewinn zur Verfügung steht. In beiden Unterszenarien wird durch die getätigten Investitionen zumeist ein höherer Einkommensanstieg erzielt.
  2. Die Transfereffizienz ist deutlich größer 1, wenn der Betrieb die Investition(en) nur mit Hilfe der EIF tätigen kann. Gemäß dem unterstellten Investitionsverhalten wird eine Investition nur dann getätigt, wenn auch während der Tilgung des in der Regel nicht fristenkongruenten Darlehens (2 bis 10 Jahre Laufzeit ) kein Rückgang der verfügbaren Mittel für Privatentnahmen und Nettoinvestitionen hingenommen werden muß. Dadurch steht der nach der Tilgung des Darlehens erzielte Zahlungsüberschuß unmittelbar als auf die EIF zurückgehender

    105

    Einkommensanstieg zur Verfügung. Hier wirkt die EIF als ‘Katalysator’, der die Investition(en) und den damit verbundenen Einkommensanstieg, erst ermöglicht (vgl. Abbildung 6 ).
  3. Eine Transfereffizienz von deutlich unter eins würde eintreten, wenn auf einem vollkommenen Kapitalmarkt, auf dem fristenkongruente Darlehen vergeben werden, die interne Verzinsung der Investition unter dem Marktzinssatz liegen würde. Diese Situation ist in Abbildung 5 (Investitionsalternative B) dargestellt. Bei unvollkommenen Kapitalmarktbedingungen - es werden primär nicht fristenkongruente Darlehen vergeben - wäre die Transfereffizienz deutlich kleiner eins, wenn die Kapitaldienste - die nur über einen Teil der Nutzungsdauer zu entrichten sind - und die zusätzlichen Gemeinkosten den Einkommensanstieg über die gesamte Nutzungsdauer übersteigen würden. Eine modellinterne Voraussetzung zur Tätigung von Investitionen ist jedoch, daß auch während der Tilgung des Darlehens kein Rückgang des frei verfügbaren cash flows hingenommen werden muß. Daher liegt die interne Verzinsung der hier getätigten Investition zwangsläufig über dem Marktzinssatz bzw. die Transfereffizienz ist notwendigerweise größer eins.

Vor allem bei Kleininvestitionen bzw. Umbauten können dennoch Transfereffizienzen kleiner eins auftreten. Zu deren Erklärung wird auf Punkt b) in diesem Abschnitt verwiesen.

Die Transfereffizienzen auf betrieblicher Ebene ( ) geben Auskunft über die erwartete Vorteilhaftigkeit bzw. zu erwartende finanzielle Nachteile der Investitionsförderung gegenüber einer direkten Einkommensübertragung. Eine Transfereffizienz von 0,8 besagt beispielsweise, daß je aufgewendeter Geldeinheit 0,8 Einheiten einkommenswirksam werden. Die errechneten Transfereffizienzen geben Auskunft darüber, ob die getätigten Investitionen prinzipiell rentabel sind. Eine Aussage über die Höhe der Rentabilität ist damit nicht möglich.

Nicht berücksichtigt werden bei diesen Maßstäben die von staatlicher Seite aufgewendet Mittel zur Produkt- und Faktorsubventionierung. Darauf wird im Punkt 'Wohlfahrtsbeitrag der EIF' näher eingegangen.


106

5.5.1.1. Transfereffizienzen im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'

Die Transfereffizienzen der in den einzelnen Modellbetrieben aufgewendeten Subventionen sind nachfolgender Tabelle zu entnehmen (vgl. Tabelle 14 ).

Tabelle 14: Transfereffizienzen auf einzelbetrieblicher Ebene im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'

BtTyp

Gegenwartswert des Einkommensanstiegs (Zl)

Subventionswert (Zl)

Transfereffizienz

 

+ Betriebe

- Betriebe

+ Betriebe

- Betriebe

+ Betriebe

- Betriebe

KFBt

3

26

0

0

-

-

MFBt

26.148

355

12.315

332

2,12

1,07

GFBt

30.183

967

29.365

1.266

1,03

0,76

NFBt

48.577

74

43.811

0

1,11

-

EStBt

576.108

1.886

228.449

0

2,52

-

Im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik' werden von den großen Familienbetrieben ('GFBt-' sowie 'GFBt+') und der schlechteren Hälfte der mittleren Familienbetriebe ('MFBt-') unabhängig von der EIF dieselben Investitionen getätigt. Die Transfereffizienzen liegen daher um eins.

Die Betriebstypen ‘MFBt-’ und ‘GFBt+’ erzielen eine Transfereffizienz von etwas über eins. Während 'MFBt-' als flächenabstockender Betrieb im Unterszenario 'mit EIF' von den minimal höheren Pachtpreisen - die sich im Vergleich zu dem geringen Subventionswert aber bereits bemerkbar machen - profitiert, kann der Betriebstyp 'GFBt+' durch die Investitionsförderung die Zweitinvestition etwas früher tätigen.

Die Transfereffizienz von kleiner eins des unterdurchschnittlich gut geführten großen Familienbetriebs (GFBt -) kommt durch den geringeren Bewirtschaftungsumfang im Unterszenario 'mit EIF' zustande. Der Modellbetrieb kann im Unterszenario 'mit EIF', bedingt durch den Anstieg der Investitionstätigkeit konkurrierender Betriebe, keine Flächen mehr hinzunehmen.


107

Ursache einer Transfereffizienz deutlich größer eins ist die Ausweitung der Investitionstätigkeit durch die EIF (vgl. Abschnitt b) im Punkt 0 ). Aufgetreten ist dies bei den jeweils überdurchschnittlich gut geführten mittleren und neugegründeten Familienbetrieben sowie bei den überdurchschnittlich gut geführten ehemaligen Staatsgütern.

5.5.1.2. Transfereffizienzen im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000’

Im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000') macht sich der Einfluß der EIF auf dem Pachtmarkt (Pachtpreis, Wettbewerbsfähigkeit um landwirtschaftliche Flächen) stärker bemerkbar als im Szenario 1 ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'). Dies hat auch Auswirkungen auf die erzielten Transfereffizienzen (vgl. Tabelle 15 ).

Tabelle 15: Transfereffizienzen auf einzelbetrieblicher Ebene im Szenario 'Übergang zur Agenda 2000'

Gegenwartswert des Einkommensanstiegs (Zl)

Subventionswert (Zl)

Transfereffizienz

BtTyp

+ Betriebe'

- Betriebe'

+ Betriebe'

- Betriebe'

+ Betriebe'

- Betriebe'

KFBt

72

223

0

0

-

-

MFBt

12.851

402

12.315

332

1,04

1,21

GFBt

27.412

22.550

30.012

14.512

0,91

1,55

NFBt

101.767

4.018

65.604

0

1,55

-

EstBt

699.433

5.604

228.449

0

3,06

-

Unabhängig von der einzelbetrieblichen Investitionsförderung tätigen die mittleren Familienbetriebe ('MFBt') und die überdurchschnittlich erfolgreichen großen Familienbetriebe ('GFBt +') die gleichen Investitionen. Die Transfereffizienzen liegen daher um eins.

Die mittleren Familienbetriebe erzielen Transfereffizienzen etwas über eins. Während die überdurchschnittlich gut geführte Hälfte ('MFBt +') im Unterszenario 'mit EIF' früher eine weitere Investition tätigen kann, profitieren die unterdurchschnittlich gut geführten Betriebe (‘MFBt-‘), als flächenabstockende Betriebe, von dem Pachtpreisanstieg durch die EIF. Die Transfereffizienz des Betriebstyps 'GFBt +' von etwas unter eins kommt durch den geringeren Bewirtschaftungsumfang im Unterszenario 'mit EIF' zustande.


108

Ausweiten konnten ihr Investitionsvolumen mit Hilfe der EIF die unterdurchschnittlich erfolgreichen großen Familienbetriebe ('GFBt -'), die überdurchschnittlich erfolgreichen neugegründeten Familienbetriebe ('NFBt +') sowie die erfolgreicheren ehemaligen Staatsgüter ('EStBt +'). Die Betriebstypen 'GFBt -' und 'NFBt +' können ihre zusätzlichen Investitionen erst nach dem EU-Beitritt, also bereits unter Berücksichtigung der höheren Preise für tierische Erzeugnisse, tätigen. Die Transfereffizienzen liegen, da dasselbe Entscheidungsverhalten zugrunde liegt, etwa in der Größenordnung wie im Szenario 1. Betriebstyp 'EStBt +' tätigt die ausgewiesene zusätzliche Investition bereits vor dem EU-Beitritt. Die Transfereffizienz steigt daher von 2,52 im Szenario 1 auf 3,06 im Szenario 2.

5.5.2. Wohlfahrtsbeitrag der EIF

Zur Ermittlung der Wohlfahrtswirkung (DeltaW) wird, wie im Kapitel 3 (Potentielle Wohlfahrtswirkung der EIF) beschrieben, vorgegangen. Zusammenfassend werden der Nutzen und die Kosten der EIF für den landwirtschaftlichen Sektor , die außerlandwirtschaftlichen Sektoren<47> , die Haushalte und den Staat aufaddiert.

Wohlfahrtswirkung der EIF

(25)

Die Wohlfahrtswirkung ( ) gibt ähnlich wie die Transfereffizienz Auskunft darüber, ob die getätigten Ausgaben prinzipiell rentabel sind, nicht aber darüber, wie hoch die Rentabilität der getätigten Investitionen ist. Auskunft zur Rentabilität gibt die interne Verzinsung der eingesetzten Mittel (vgl. Tabelle 16 )


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Der Term ' ' (Subventionen) umfaßt ausschließlich die von staatlicher Seite zur Zinssubventionierung aufgewendeten Mittel. Die staatlichen Mittel zur Produkt- bzw. Faktorsubventionierung sind nicht berücksichtigt. Dies hat zur Folge, daß ein positiver Wohlfahrtseffekt überschätzt und ein negativer Wohlfahrtseffekt unterschätzt wird. Für das Szenario 1 ('Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik‘) ist hierzu anzumerken, daß im Basisjahr landwirtschaftliche Produkte und Vorleistungen kaum subventioniert werden. Der dadurch verursachte Fehler ist also relativ gering. Im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000‘) dagegen wird, bedingt durch die umfangreichere Produktsubventionierung, die Wohlfahrtswirkung der EIF überschätzt. Aus volkswirtschaftlicher Sicht kann dem hinzugefügt werden, daß die dazu erforderlichen Mittel nicht unmittelbar das polnische Staatsbudget belasten, sondern aus dem Agrarbudget der EU zu leisten sind.

Die nachfolgend ausgewiesenen Kennziffern (Wohlfahrtsbeitrag, beanspruchte Arbeitsvolumina, Investitionsvolumina etc.) geben, sofern nicht anders angegeben, die über alle Betriebe und die gesamte Nutzungsdauer aggregierten sowie deflationierten und diskontierten Werte wieder.

Tabelle 16: Zusammensetzung des Wohlfahrtsbeitrags der EIF (Gegenwartswert in Mio. Zl)

'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik'

'Übergang zur Agenda 2000'

Einkommensanstieg

268,3

500,4

+ Zusatznutzen für den Faktor Arbeit

+ 0,1

+ 0,9

+ Zusatznutzen für den Faktor Boden

+ 0,0

+ 2,2

- aufgewendete Subventionen

-201,5

- 306,7

Wohlfahrtswirkung

66,8

196,8

Verhältnis Nutzen/Kosten

1,33 : 1

1,64 : 1

Interne Verzinsung (%)

17,6

19,4

Einkommensanstieg: im landwirtschaftlichen Sektor zusätzlich erzielte Gewinne.

Zusatznutzen für den Faktor Arbeit ( ): verändert sich durch die EIF die Nachfrage nach Fremdarbeitskräften, erzielen die Haushalte ein höheres bzw. niedrigeres Arbeitseinkommen.

Zusatznutzen für den Faktor Boden ( ): steigt durch die EIF der Pachtpreis an, erhalten die verpachtenden Haushalte daraus ein zusätzliches Einkommen.


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Die Modellrechnungen weisen für das untersuchte Investitionsförderprogramm eine positive Wohlfahrtswirkung aus (vgl. Tabelle 16 ). Im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik' stehen aufgewendeten Subventionen in Höhe von gut 200 Mio. Zl einem aggregierten Einkommensanstieg von knapp 270 Mio. Zl gegenüber. Da lediglich ein sehr geringer Zusatznutzen erzielt wird, geht die positive Wohlfahrtswirkung der EIF im wesentlichen auf die Unvollkommenheiten des Kapitalmarkts bzw. die Ausgestaltung des Investitionsförderprogrammes zurück. Im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000') ist der erzielte Zusatznutzen zwar deutlich höher dennoch geht auch hier die positive Wohlfahrtswirkung hauptsächlich auf die Unvollkommenheiten des Kapitalmarktes zurück.

Der positive Wohlfahrtsbeitrag der EIF wird ebenfalls deutlich an der internen Verzinsung der für die Zinssubventionierung aufgewendeten Mittel. Im Szenario 'Fortführung der derzeitigen Agrarpolitik' liegt die bei knapp 18 %, im Szenario 2 bei etwas über 19 %.

Der Nutzen der Haushalte aus der einzelbetrieblichen Investitionsförderung, der Zusatznutzen für den Faktor Arbeit und der Verpachtung landwirtschaftlicher Nutzflächen wird im folgenden genauer beschrieben. Bei der Ermittlung des Einflusses der EIF auf den Faktoreinsatz wurde bereits herausgestellt, daß auch bei steigender Investitionstätigkeit zusätzliche Fremdarbeitskräfte nur in geringem Umfang eingesetzt werden. Neben den ehemaligen Staatsgütern, die ohnehin ausschließlich mit Lohnarbeit operieren, setzen lediglich die überdurchschnittlich gut geführten neugegründeten Familienbetriebe (‘NFBt+‘) im Szenario ‘Übergang zur Agenda 2000‘ weitere Fremdarbeitskräfte ein. Der Zusatznutzen aus zusätzlich ausbezahlten Löhnen ist daher in beiden Szenarien von untergeordneter Bedeutung. Ebenfalls spielt der aus dem Pachtpreisanstieg resultierende Zusatznutzen , trotz der für die Beispielsregion vielfach noch typischen bodengebundenen Produktion (betriebseigene Erzeugung von Futtermitteln), nur eine geringe Rolle. Lediglich im Szenario 2 ('Übergang zur Agenda 2000') tritt ein relevanter Pachtpreisanstieg auf; der daraus erzielte Wohlfahrtsbeitrag von 2,2 Mio., 0,44 % des gesamten Nutzens, fällt aber kaum ins Gewicht (vgl. Tabelle 16 ).


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Die Wohlfahrtswirkung der EIF wird demnach im wesentlichen von den Unvollkommenheiten des Kapitalmarktes, versus der Ausgestaltung des Investitionsförderprogrammes, bestimmt. Die Unvollkommenheiten am Arbeitsmarkt spielen, trotz der von bäuerlichen Betrieben mit einer hohen versteckten Arbeitslosigkeit geprägten Beispielsregion, nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Dieses zunächst recht positive Ergebnis ist um einige Aspekte zu ergänzen. Berücksichtigt werden muß, daß mangels alternativer Einsatzmöglichkeiten lediglich für den Produktionsfaktor Kapital, nicht aber für landwirtschaftliche Nutzflächen und andere bereits vorhandene, aber nicht ausgeschöpfte Produktionsfaktoren, Opportunitätskosten veranschlagt werden. Unberücksichtigt bleiben bei diesen Berechnungen auch die Kosten für den Aufbau und die Administration des einzelbetrieblichen Investitionsförderprogrammes. Da vor Beginn des Transformationsprozesses eine Beratung bäuerlicher Betriebe kaum durchgeführt wurde, sind die mit dem Investitionsförderprogramm zusätzlich verbundenen Kosten für Personal, Beratung, Verwaltung etc. (overhead) der EIF in vollem Umfang anzulasten. Konkrete Angaben zu den dadurch entstehenden Kosten liegen nicht vor. Zudem besteht eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der Projektion künftiger Preise. Tendenziell ist von einem weiteren Rückgang der relativen Erzeugerpreise mit entsprechenden Folgen für die landwirtschaftlichen Gewinne auszugehen.

Zusätzlich muß darauf hingewiesen werden, daß bei den ausgewiesenen Modellrechnungen Manipulationsmöglichkeiten, z.B. durch das 'Schönrechnen' des Betriebsentwicklungsplanes, wie sie aus Untersuchungen für das deutsche Agrarinvestitions förderprogramm bekannt sind, ausschlossen sind (kritisch hierzu: Becker, 1990, Geldermann et al., 1996). Hier stellt sich die Frage - und das wäre durch weitere Untersuchungen zu klären - wie zielgerichtet die praktische Umsetzung der einzelbetrieblichen Investitionsförderung in den polnischen Behörden und Banken erfolgt.


Fußnoten:
<38>

Im früheren Bundesgebiet nahm die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen 1990 und 1996 um 120.600 (-19 %) ab. Pro Jahr entspricht dies einer Verringerung um 3,8 % (DBV, 1997).

<39>

Die Prognose der zukünftigen Preisentwicklung ist von elementarer Bedeutung für die potentielle Wohlfahrtswirkung der EIF (in etwas geringerem Maße gilt dies auch für die Abschätzung des Strukturwandels). Zur Abschätzung der Preisentwicklung gilt es für einen Betrachtungszeitraum von 10 bzw. 30 Jahren die erzeugten Mengen und deren Einfluß auf Weltmarkt- bzw. Inlandspreise zu berücksichtigen. Hält man sich vor Augen, daß hier u.a. der Anstieg der Weltbevölkerung, Veränderungen natürlicher Produktionsbedingungen sowie (agrar-) politische Entscheidungen wichtiger Erzeugerländer von Bedeutung sind, wird schnell klar, daß derartige Voraussagen sehr problematisch sind.

<40>

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die EU-Kommission, die mittelfristig von einer Reduktion der bäuerlichen Betriebe um etwa die Hälfte ausgeht (European Commission, 1995).

<41>

Die Abweichung des Pachtpreises in den beiden Unterszenarien beträgt durchschnittlich 0,14 Zl je ha. Bis zum Ende des Betrachtungszeitraumes steigt sie auf 0,45 Zl pro ha an.

<42>

Im Mittel Polens stieg die durchschnittliche Flächenausstattung zwischen 1990 und 1996 um 1,9 % pro Jahr (GUS, 1997).

<43>

Der Gewinn enthält noch die Abschreibung für bereits vorhandene Gebäude und Maschinen. Bedingt durch das hohe Durchschnittsalter der vorhandenen Gebäude und Maschinen (Gebäudehüllen: _ 19 Jahre, Inneneinrichtungen: _ 13 Jahre, Maschinen: zwischen _ 5 Jahre und _ 15 Jahre) wäre diese vielfach aber sehr gering anzusetzen.

<44>

Der große Familienbetrieb (‘GFBt’) verfügt im Vergleich dazu über lediglich 0,56 GVE / ha und der neugegründete Familienbetrieb nur über 0,19 GVE/ha.

<45>

In Balmann et al., 1996 und Weikard, 1996 wird die These vertreten, daß ein mittelfristiges Ziel von ehemaligen LPGen in den NBL, bedingt durch die Miteigentümerschaft der Beschäftigten, der Erhalt von Arbeitsplätzen ist. Fraglich ist, wie weit dies auf die ehemaligen Staatsgüter übertragen werden kann.

<46>

Die reale Verzinsung einjähriger Spareinlagen lag 1996 bei 0 %, daher entstehen für eingebrachte Eigenmittel keine Opportunitätskosten.

<47>

Im Kapitel 3 (Potentielle Wohlfahrtswirkung der EIF) wurde bereits gezeigt, daß die durch die EIF in den außerlandwirtschaftlichen Sektoren auftretenden Kosten vernachlässigbar sind .


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