Morgenroth, Silvia: Sozioökonomische Rahmenbedingungen und Landnutzung als Bestimmungsfaktoren der Bodenerosion in Entwicklungsländern - Eine überregionale empirische Analyse im Kontext der Agrarentwicklung -

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THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND AUSMASS DER BODENEROSION

Kapitel 2. Einfluß anthropogener Rahmenbedingungen auf Landnutzung und Bodenerosion - Theoretische Ansätze, Hypothesen und empirische Studien

In diesem Kapitel wird der Stand der Forschung zu Bodenerosion und ihren anthropogenen Ursachen im landnutzerischen, sozioökonomischen und agrarpolitischen Bereich zusammengefaßt wiedergegeben. Die Aufarbeitung theoretischer Ansätze zur Herleitung von Erosionsursachen und die Darstellung der in der Literatur diskutierten Ursachenkomplexe und Hypothesen zu deren Wirkungsweise dienen dazu, einen Rahmen für die empirische Analyse zu schaffen. Gleichzeitig stellen die vorgestellten Erosionsdeterminanten einen konkreten Ausgangspunkt für die Wahl relevanter Indikatoren in der empirischen Analyse dar. Anhand vorliegender Studien zu einzelnen erosionsrelevanten Determinanten wird darüber hinaus verdeutlicht, daß die bestehende empirische Grundlage für die Fundierung der Hypothesen über mögliche Erosionsdeterminanten insbesondere wegen bislang unzureichender Daten über Bodenerosion sehr schmal ist.

Der erste Abschnitt (2.1) enthält neben einer allgemeinen, historischen Einleitung eine Übersicht über ökonomische Theorien und Ansätze, anhand derer die Fragestellung behandelt wird. Im Vordergrund stehen die Herleitung von Erosionsdeterminanten aus produktionsökonomischen Ansätzen und aus der Theorie der Externen Effekte sowie die Einbezeihung institutioneller und politisch-ökonomischer Aspekte. Diese systematische Übersicht ist vor allem deshalb wichtig, weil eine einheitliche Theorie und ein allgemein anerkanntes methodisches Instrumentarium zur Prüfung einer solchen Theorie für den Forschungsbereich bislang nicht existieren<3>.

Im zweiten Abschnitt (2.2) werden die wichtigsten in der Literatur diskutierten Hypothesen zu folgenden vier anthropogenen Ursachenkomplexen und die angenommenen Wirkungsmechanismen konkret beschrieben: Armut, Bevölkerungsdruck, Agrarpreise und ihre Beeinflussung durch Sektor- und makroökonomische Politiken sowie die Entwicklung und Verbreitung unangepaßten technischen Fortschritts. Obwohl diese Ursachenkomplexe z.T. eng miteinander in Zusammenhang stehen, werden sie der Klarheit halber einzeln vorgestellt, auf Interdependenzen wird an entsprechender Stelle hingewiesen.

Im dritten Abschnitt (2.3) werden Methoden und Ergebnisse empirischer Studien zum Thema vorgestellt. Dabei werden methodische und Datendefizite aufgezeigt.


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2.1 Forschungsrichtungen und theoretische Ansätze zur Analyse von
Bodenerosion und ihrer Ursachen

2.1.1 Historischer Überblick

Wissenschaftler haben sich immer dann besonders mit Erosionsprozessen beschäftigt, wenn die durch Bodenerosion verursachten Schäden von den Landnutzern und der Gesellschaft als solche wahrgenommen und bewertet wurden. Zunächst konzentrierte sich die Forschung auf die USA, wo in den 30er Jahren, der sogenannten dust bowl era, weite Landstriche vor allem in den südwestlichen Bundesstaaten von schweren Wind- und auch Wassererosionsschäden betroffen waren. Einzelne Autoren haben schon damals auf die soziale und ökonomische Dimension des Problems verwiesen (SCHICKELE, 1935; CIRIACY-WANTRUP, 1938; zitiert in THAMPAPILLAI und ANDERSON, 1994, S. 201). Sie heben als übergeordnete Ursachen der Bodenerosion vor allem die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion anhand nicht-standortgerechter Technologien und Landnutzungspraktiken hervor. Dennoch hatten Forschung und staatliche Programme zur Bekämpfung der Bodenerosion in den folgenden Jahrzehnten einen sehr naturwissenschaftlichen und technischen Charakter. Im Zentrum der Bemühungen stand die Bestimmung des komplexen Zusammenspiels und der relativen Bedeutung erosionsrelevanter natürlicher Größen - Niederschlagsintensität, Bodenart, Topographie und Bodenbedeckung. Landnutzerische, und damit anthropogene Einflußgrößen fanden ausschließlich im Zusammenhang mit der Bodenbedeckung durch einzelne Kulturen und bei bestimmten Anbautechniken und Erosionsschutzpraktiken Berücksichtigung. Auf Grundlage einer Vielzahl empirischer Daten für einzelne Versuchsparzellen konnte schließlich ein Modell zur Schätzung des Bodenabtrags durch Wasser formuliert werden, die Universal Soil Loss Equation (USLE), anhand derer für jeden Standort die „besten“ Bodenschutzpraktiken bestimmt werden sollten<4>. Wie mechanistisch der hinter diesem Vorgehen stehende Ansatz ist, geht aus folgender Erklärung von WISHMEIER und SMITH, die die USLE zu Beginn der 60er Jahre entwickelten, hervor:

„The Universal Soil Loss Equation (USLE) enables planners to predict the average rate of soil erosion for each feasible alternative combination of crop system and management practices in association with a specific soil type, rainfall pattern, and topography. When these predicted losses are compared with given soil loss tolerances, they provide specific guidelines for effecting erosion control within specified limits.“ (WISHMEIER und SMITH, 1978, Abstract).

Erst zu Beginn der 70er Jahre wurde die Forschung zu sozialen und ökonomischen Aspekten der Bodenerosion und des Bodenschutzes wieder aufgenommen, wiederum in den USA. Anlaß für diese Neuorientierung war vor allem die Erkenntnis, daß die staatlichen Bodenschutzprogramme, die die Budgets zwischen 1935 und 1977 mit rund 20


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Milliarden US-$ belastet hatten, zum Boden- und Gewässerschutz nur unwesentlich beitragen konnten, so daß die Effizienz des Einsatzes öffentlicher Gelder und damit gesellschaftliche Kosten- und Nutzenaspekte des Bodenschutzes in den Vordergrund rückten<5>.

Die Programme basierten auf der freiwilligen Inanspruchnahme von Fördermitteln durch die Landwirte. Einerseits hatten jedoch weniger Landwirte als erwartet an den Programmen teilgenommen, so daß es notwendig wurde, den sozialen und ökonomischen Gründen für die Teilnahme bzw. für die Einführung oder Nicht-Einführung von Bodenschutzmaßnahmen auf betrieblicher Ebene nachzugehen. Andererseits wurde deutlich, daß die an den Programmen beteiligten Landwirte die Bodenschutzmaßnahmen nach Ablauf ihrer vertraglichen Verpflichtungen nicht nachhaltig weiterbetrieben. So konnte vermutet werden, daß trotz der finanziellen Anreize eine Divergenz zwischen den Bodenschutzzielen der Landwirte und denen des Staates vorlag. Die einsetzende Neuorientierung der Erosionsforschung bestand grundsätzlich in (1) einer fachlichen Öffnung von den Naturwissenschaften hin zu agrarwissenschaftlichen, ökonomischen und soziologischen Ansätzen, (2) der Verwendung ökonomischer Methoden und Modelle zur Bewertung der Bodenerosion und (3) in der Abkehr vom „Parzellendenken“ der klassischen Soil Scientists hin zu größeren, allgemeineren Untersuchungs- und Abstraktionseinheiten, also einem höheren Aggregationsniveau.

Forschung und Literatur zum sozioökonomischen Kontext von Bodenerosion in Entwicklungsländern sind noch jüngeren Datums. Die Motivation, sich speziell für Entwicklungsländer mit dem Thema zu beschäftigen, war vor allem auch bedingt durch eine sehr geringe Akzeptanz von Bodenschutzprogrammen, die sich auf teure Investitionen konzentrierten (BIOT et al., 1995, S. 5). Bei der Wahrnehmung des Problems, seiner Ursachen und möglicher Lösungsansätze haben die jeweils gültigen allgemeinen Entwicklungstheorien deutliche Spuren hinterlassen. BIOT et al. haben versucht, die verschiedenen Strömungen zu kategorisieren und kommen zu drei Sichtweisen (main approaches): (1) die „klassische“, die den technisch orientierten Konzepten der USA in den 40er und 50er Jahren folgt und modernisierungstheoretischen Ansätzen entsprechend in irrational handelnden, traditionell orientierten Landnutzern die Hauptverursacher der Bodendegradation sieht; (2) die „populistische“ Sichtweise, die ihren Hintergrund in soziologischen, institutionellen und dependenztheoretischen Ansätzen hat; und (3) die heute dominante „neoklassische“ Sichtweise, die um institutionelle und soziale Aspekte erweiterte ökonomische Ansätze in den Vordergrund rückt<6>. Letztere, neoklassische Sichtweise liegt der Darstellung der wichtigsten theoretischen Ansätze zur ökonomischen Analyse der Bodenerosion und ihrer Ursachen im folgenden Abschnit zugrunde.


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2.1.2 Theoretische Ansätze zur ökonomischen Analyse der Bodenerosion und
ihrer Ursachen

Die ökonomische Analyse von Bodenerosion und ihren Ursachen ist heute von neoklassischen ökonomischen Konzepten geprägt, zunehmend werden auch institutionelle und politisch-ökonomische Aspekte berücksichtigt. Die Bewertung der Ressource Boden als Produktionsfaktor hat einerseits zu der Analyse anhand produktionsökonomischer Ansätze geführt, in die gerade auch im Entwicklungsländerkontext dynamische Größen wie Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und technischer Fortschritt einbezogen werden. Andererseits werden Erosionsschäden, die außerhalb der Landwirtschaft auftreten (off-site Effekte), im Rahmen der Theorie externer Effekte diskutiert.

On-site Effekte: Boden als Input in die landwirtschaftliche Produktion

Der bedeutendste on-site Erosionsschaden, der den verursachenden Landnutzer also selbst betrifft, ist sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern zweifellos der erosionsbedingte Produktivitätsverlust des Bodens<7>. Das wird beispielsweise auch aus den in Kapitel 3 dargestellten GLASOD-Kriterien zur Beurteilung des Degradationsgrades deutlich: Hier wird die Schwere der Degradation in erster Linie anhand von Ausmaß und Reversibilität degradationsbedingter Produktivitätseinbußen beurteilt<8>. Daß annahmegemäß rational handelnde Landnutzer diesen Produktivitätsverlust offenkundig hinnehmen, hat zum Konzept der Bodenerosion bzw. des Bodenschutzes als Input in die landwirtschaftliche Produktion geführt (vgl. z.B. RUTHENBERG, 1976, S. 2).

In gewisser Weise wurde so der Boden als Produktionsfaktor neu entdeckt. Neu ist dabei, daß über die klassischen, eher statischen und standortbezogenen Bodenwerte „Erzeugungskraft“ oder „Ertragsfähigkeit“ (STEINHAUSER et al., 1982, S. 32; BRANDES und WOERMANN, 1971, S. 14) hinaus nun eher differenzierte Bodenqualitäten wie Oberbodentiefe, Wasserhaltekapazität, Marginalität, Erosionsrisiko, Produktivität u.v.m. betrachtet werden. Wichtiger noch ist aber, daß die zeitliche Dimension der erosionsbedingten Veränderung der Bodenproduktivität in den Vordergrund tritt. All dies entspricht im wesentlichen der Wahrnehmung des Bodens als natürlicher Ressource, wobei - in Abhängigkeit von der Reversibilität der Schäden - sowohl von einer erneuerbaren als auch von einer nicht-erneuerbaren Komponente ausgegangen wird.


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Im produktionsökonomischen Kontext stehen als Determinanten der Bodenschutzentscheidung eines Betriebes - oder umgekehrt bzgl. der Ursachen von Bodenerosion - die Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit von Bodenschutz im Vordergrund<9> (vgl. Abbildung 2-1). Damit eng verbunden sind betriebsinterne Größen, von denen Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit abhängen, wie z.B. Zeitpräferenz und Zeithorizont sowie Diskontraten der Landnutzer, Liquiditätsaspekte - vor allem im Zusammenhang mit der Finanzierung von Bodenschutzinvestitionen und der Möglichkeit der Substitution erodierten Bodens durch andere Produktionsfaktoren - , das Risikoverhalten und der Informationsstand der Landnutzer. Die Sicherheit der Landbesitzverhältnisse wird aus dem produktionsökonomischen Blickwinkel vor allem in Zusammenhang mit Zeithorizont und Zeitpräferenz der Landnutzer gesehen. Als betriebsexterne Größen, die die Wirtschaftlichkeit des Bodenschutzes determinieren, werden die Verfügbarkeit von Krediten im Zusammenhang mit den genannten Liquiditätsaspekten hervorgehoben sowie agrar- und wirtschaftspolitische Eingriffe, die sich auf Preise, landwirtschaftliche Einkommen, den Zugang zu Land sowie die Entwicklung und Verbreitung neuer Produktionstechnologien beziehen (THAMPAPILLAI und ANDERSON, 1994, S. 298; NAPIER, 1989, S. 20 f.).

Abbildung 2-1: Aus der Produktionsökonomie abgeleitete Determinanten der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit des Bodenschutzes im landwirtschaftlichen Betrieb

Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage von THAMPAPILLAI und ANDERSON, 1994, S. 295 ff. und BARBIER und BISHOP, 1995, S. 133 ff.


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Im Rahmen der Entwicklungsländerforschung werden ausgehend von diesem produktionsökonomischen Ansatz zudem langfristig<10> wirksame Größen wie das Bevölkerungswachstum, die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und technischer Fortschritt als treibende Kräfte in die Betrachtung mit einbezogen. Über die kurz- bis mittelfristige Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit des Bodenschutzes hinaus wird die Wirkung der genannten Größen vor allem auf die relativen Faktorknappheiten und auf sich daraus ergebende Entwicklungsmuster oder -pfade und deren jeweilige Wirkung auf den Boden untersucht<11>. Theoretischer Hintergrund für derartige Betrachtungen sind die Malthus´sche Bevölkerungstheorie und die Theorie der Induzierten Innovation (BOSERUP, 1965, 1981 und 1990; BINSWANGER und RUTTAN, 1978).

Off-site Schäden als Externe Effekte der Landnutzung

Die off-site Schäden sind dadurch gekennzeichnet, daß sie nicht am Ort des Bodenabtrags und seiner direkten Ursachen, also auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Schädigers auftreten, sondern die Ablagerung des abgetragenen Bodens an anderem Ort betreffen. Abgesehen davon, daß sich abgetragener Boden auch innerhalb eines Betriebes wieder ablagern kann, werden unter off-site Schäden typischerweise die Ablagerung von Bodenpartikeln auf Verkehrswegen, in Stauseen und Gewässern, die zu Verschüttung, Verschlämmung und Eutrophierung führt, sowie die Luftverschmutzung durch Winderosion verstanden. Begreift man Bodenerosion als Begleiterscheinung der landwirtschaftlichen Produktion, so entsprechen die off-site Schäden einer klassischen Externalität: Sie entstehen bei der Produktion durch den Landnutzer, schädigen andere Landnutzer oder die Gesellschaft und werden nicht über einen Preis oder andere marktmäßige Austauschbeziehungen entgolten<12>. Insofern sind die mit off-site Schäden verbundenen Kosten der Bodenerosion als soziale Kosten im Zusammenhang mit der Fehlallokation von Ressourcen - im wahrsten Sinne des Wortes! - zu sehen.

Bzgl. der Ursachen von Bodenerosion hat das Externalitäten-Konzept dazu geführt, daß den allgemeinen Ursachen Externer Effekte für den speziellen Fall der Bodenerosion nachgegangen wurde (vgl. WORLD BANK, 1992, S. 64; BARBIER, 1997, S. 119; PERMAN et al., 1996, S. 93 ff.). Von den in Abbildung 2-2 dargestellten Ursachenkomplexen im Bereich Markt- und Politikversagen haben die ersten vier gemeinsam, daß die


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Produzenten nicht alle bei der Produktion entstehenden Kosten berücksichtigen. Da die verschütteten Verkehrswege, Stauseen und Gewässer den Charakter öffentlicher Güter haben, vernachlässigt der verursachende Produzent Schäden und Kosten, die diese betreffen, bei seinen Entscheidungen, sofern sie ihn nicht wiederum indirekt schädigen. Somit entstehen gesellschaftliche Kosten bzw. ein Wohlfahrtsverlust.

Abbildung 2-2: Aus der Theorie der Externen Effekte abgeleitete Determinanten der Bodenerosion im Bereich Markt- und Politikversagen

Quelle: eigene Darstellung nach v. MAYDELL (1994, S. 38)

Der Begriff des öffentlichen Gutes läßt sich auf den Boden ausdehnen, wenn man dessen zukünftige Nutzer einbezieht. Mißt der derzeitige Produzent den künftigen Nutzern seines Bodens keinen oder einen geringeren Wert bei als diese selbst oder als die Gesellschaft insgesamt, so ist der verursachte Erosionsschaden nicht geographisch, sondern zeitlich als off-site Schaden oder als off-time Schaden zu begreifen, und der Boden intertemporal als öffentliches Gut. Geht man in diesem Zusammenhang davon aus, daß die Landnutzer grundsätzlich Interesse an dem Wohlergehen ihrer Nachkommen und Erben haben, so kann z.B. die Unsicherheit bzgl. des zukünftigen Landbesitzes die eigentliche Ursache für das erosive Verhalten der Landnutzer sein.

Immer wieder wird die gemeinschaftliche Nutzung von Boden als Grund für die Nicht-Berücksichtigung von Erosionskosten durch einzelne Produzenten genannt. Das auf HARDIN (1968) zurückgehende wesentliche Argument der sogenannten tragedy of the commons lautet, daß bei gemeinschaftlicher Nutzung einer Ressource durch viele einzelne Nutzenmaximierer dem einzelnen zwar der volle Nutzen einer zusätzlichen Beanspruchung des Bodens zukommt, die dadurch entstehenden Kosten - z.B. durch Erosionsschäden - aber von der Gemeinschaft getragen werden und für den einzelnen Nutzer verhältnismäßig gering sind, so daß dieser dazu tendiert, die Ressource entgegen den Interessen der Gemeinschaft zu übernutzen. Wichtig ist deutlich zu machen, daß HARDINs


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Argumentation sich im Grunde auf open access resources und nicht auf gemeinschaftlich genutzte Ressourcen (common property resources) als solche bezieht, wie MAGRATH treffend bemerkt:

„Hardin´s somewhat misnamed ´tragedy of the commons´ can be interpreted as a consequence of the collective utilization of a non-exclusive open access resource.“ (MAGRATH, 1988, zitiert in THAMPAPILLAI und ANDERSON, 1994, S. 306; ähnlich argumentiert auch PEARCE, 1988, S. 109).

Weiterhin ist es durchaus möglich, daß der erosionsverursachende Produzent die Erosionsschäden nicht sofort wahrnimmt oder ihre Kosten unterschätzt und diese Schäden deswegen in seiner Produktionsentscheidung nicht hinlänglich berücksichtigt (vgl. SCHERR und HAZELL, 1994, S. 20).

Die im Bereich des Politikversagens genannten Ursachen der Externalität Bodenerosion haben immer mit im Sinne des Bodenschutzes „falschen“ Politiksignalen an die Landnutzer zu tun, die zur Fehlallokation von Boden führen. Sie ergeben sich - abgesehen von konzeptionellen oder Umsetzungsfehlern bei klassischen Bodenschutzpolitiken - im Grunde aus Mängeln bei der Koordination wirtschaftspolitischer und ernährungspolitischer Ziele und Maßnahmen auf der einen Seite sowie von Bodenschutzzielen und -maßnahmen auf der anderen Seite.

Berücksichtigung institutioneller und politischer Aspekte

In den genannten erosionsrelevanten produktions- und wohlfahrtsökonomischen Konzepten finden sich bereits Hinweise darauf, daß die Berücksichtigung institutioneller und politischer Aspekte bei der Analyse sozioökonomischer Erosionsursachen wichtig ist. Beispiele hierfür sind all jene Punkte, in denen es um die Sicherheit und Verfügbarkeit von Krediten, Land, Information und Produktionstechnologie geht, um den Einfluß politischer Rahmenbedingungen sowie die Diskussion um gemeinschaftlich genutztes Land. Hierbei steht weniger die Funktionsweise des Marktmechanismus unter Einbeziehung der Bodenerosion im Vordergrund, sondern eher die tatsächlich möglichen Handlungsalternativen (options for action) und Interessen der Landnutzer und anderer Akteure sowie institutionelle Regeln, die diese Handlungsalternativen bestimmen<13>.


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Insbesondere zwei Bereiche können identifiziert werden, in denen die institutionenökonomische und die politisch-ökonomische Herangehensweise neue Aspekte bzgl. der Ursachen von Bodenerosion hervorgebracht haben. Zum einen führt die Betrachtung gemeinschaftlich genutzter Ressourcen (Common Property Resources) aus institutionenökonomischer Perspektive zu einer Umbewertung der Rolle, die ihnen im Zusammenhang mit der tragedy of the commons zugewiesen wird. Durch die Festlegung von Nutzungsregeln können Transaktionskosten gespart werden und dadurch auch Kosten, die die Ressource Boden betreffen. Einige Autoren sehen in der Verringerung gemeinschaftlich bewirtschafteter Ressourcen sogar eine wesentliche Ursache der Bodendegradation in Entwicklungsländern (LIPTON, 1997a, S. 79 und 88 f.). Beispiele für Fälle, in denen funktionierende Nutzungsregeln eine Übernutzung gemeinschaftlich bewirtschafteten Bodens verhindern, finden sich in der Literatur für viele verschiedene Klimazonen und Landnutzungssysteme. Von besonderem Stellenwert scheinen sie in ariden und semiariden Regionen zu sein. An einer Stelle treffen sich die Argumente der tragedy of the commons und die institutionelle Sichtweise aber wieder: Es wird eingeräumt, daß starker Bevölkerungs- oder auch Privatisierungsdruck meist dazu führt, daß die bodenschonenden Nutzungsregeln vom einzelnen nicht mehr eingehalten werden (vgl. MINK, 1993, S. 10, LIPTON, 1997a, S. 88).

Zum anderen ist die Bedeutung politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, Interessen und Institutionen für die Produktionsentscheidung und „Erosionsentscheidung“ der Landnutzer insgesamt stärker ins Bewußtsein getreten<14>. Der wichtigste Beitrag, den BLAIKIE mit seinem 1985 publizierten „The Political Economy of Soil Erosion in Developing Countries“ geleistet hat, ist, daß er die an Bodenerosion beteiligten Akteure und Institutionen, ihre Interessen und Entscheidungsspielräume aufgezeigt und ins Verhältnis zueinander gesetzt hat. So wurden zwei neue Dimensionen in die Diskussion getragen: die der Hierarchie und die der Aggregationsebene, was in seiner Methapher der Chinese boxes<15> besonders anschaulich wird:

„In summary, soil erosion problems can be analysed in a framework of Chinese boxes, each fitting inside the other. The individual within a household, the household itself, the village or local community, the local bureaucracy, the bureaucracy, government and nature of the state, and finally international relations all represent contexts within which actions affecting soil erosion and conservation take place. A specific analysis must identify these contexts and the relationships between them.“ (BLAIKIE, 1985, S. 88).


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Auf methodischer und auch auf der Projektebene hat dieser Ansatz zu einer Fokussierung auf die niedrigste Aggregationsebene, den Produktionsstandort, und auf partizipatorische Analyse- und Umsetzungsmethoden unter weitgehender Einbeziehung der lokalen Produzenten und Organisationen geführt (vgl. BIOT, 1995, S. 6).

Schließlich hat die Kombination der beschriebenen Ansätze zu der Entstehung neuer Herangehensweisen beigetragen, in denen auf der Grundlage produktions- und ressourcenökonomischer Elemente, der Theorie der Induzierten Innovation und institutioneller Aspekte versucht wird, einen differenzierteren - nicht unbedingt komplexeren - Rahmen für die Analyse der anthropogenen Ursachen von Bodenerosion zu schaffen. TEMPLETON und SCHERR (1997) leiten anhand der Theorie der Induzierten Innovation und aus den Ergebnissen zahlreicher empirischer Studien einen mikroökonomischen Ansatz ab, in dem die Bodenschutzentscheidung der Landnutzer im Rahmen von Marktbedingungen, institutionellen und organisatorischen Bedingungen, verfügbaren Informationen und Technologien, Bevölkerungsdruck und übergeordneten politischen Interventionen analysiert wird. Da dieser Ansatz damit die wichtigsten der derzeit in der Literatur diskutierten Ursachenkomplexe umfaßt - bis auf die Determinante Armut -, wird er im folgenden Abschnitt in der Abbildung 3-3 schematisch wiedergeben (um die Determinante Armut ergänzt) und als Grundlage für die Gliederung der vorgestellten Ursachenomplexe verwendet.

2.2 Hypothesen zur Wirkungsweise wichtiger Einflußgrößen

Unter Einbeziehung der im vorigen Abschnitt genannten theoretischen Ansätze werden im folgenden vier wichtige Ursachenkomplexe für das Vorkommen von Bodenerosion in Entwicklungsländern besprochen: Bevölkerungsdruck und induzierte Innovation (3.2.1), Armut und Wohlstandswachstum (3.2.2), kurz- und langfristige Wirkungen des Agrarpreisniveaus und von Agrarpreisrelationen (3.2.3) sowie die exogene Entwicklung und Verbreitung neuer Produktionstechnologien (3.2.4). Wie in Abbildung 2-3 dargestellt, wird jede dieser Ursachen prinzipiell von politischen Rahmenbedingungen beeinflußt. Die Bedeutung agrarpolitischer und makroökonomischer Interventionen wird im folgenden insbesondere bei der Diskussion über die Wirkung von Agrarpreisen auf die Produktions- und Investitionsentscheidung landwirtschaftlicher Haushalts-Betriebssysteme hervorgehoben.


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Abbildung 2-3: Wesentliche in der Literatur diskutierte Ursachen der Boden-erosion in Entwicklungsländern und prinzipielle Wirkungsweise1)

1) Die im folgenden vorgestellten Ursachen sind grau unterlegt und entsprechen der Reihenfolge ihrer Darstellung nummeriert.
Quelle: eigene Darstellung nach TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 30

Die theoretische Diskussion über institutionelle Rahmenbedingungen im allgemeinen und Landbesitzverhältnisse und gemeinschaftlichen Nutzung von Flächen im speziellen wird an dieser Stelle aus zwei Gründen nicht explizit behandelt. Erstens gibt es bislang keinerlei Daten, anhand derer sich die Art und Qualität von Landbesitzverhältnissen und von Nutzungsregelungen gemeinschaftlich bewirtschafteter Flächen auf dem Aggregationsniveau der Analyse beschreiben ließen, weswegen sie in der empirischen Analyse nicht berücksichtigt werden. Zweitens ist eine allgemeine, globale Einschätzung bestimmter Landbesitzverhältnisse und Nutzungsregelungen in Bezug auf Bodendegradation auch deswegen sehr schwierig und möglicherweise wenig sinnvoll, weil sich ihre Ausgestaltung sehr stark am lokalen Kontext orientiert und deshalb eine Kategorisierung und Beurteilung nach standardisierten Maßstäben kaum möglich ist<16>. Schließlich werden sie insofern mitbehandelt, als sie auch von Bevölkerungsdruck, Armut und veränderten politischen Rahmenbedingungen betroffen sind.


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2.2.2 Bevölkerungsdruck und induzierte Innovation

Bevölkerungswachstum und der sich daraus ergebende Bevölkerungsdruck werden häufig als die wichtigsten treibenden Kräfte der Agrarentwicklung eines Landes und des Drucks, der von den Landnutzern auf die Ressource Boden ausgeübt wird, angesehen. Insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Bevölkerungszuwächse in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas stellt sich die Frage, ob Bevölkerungswachstum vorwiegend negative oder auch positive Effekte auf die Agrarentwicklung und den Boden hat. Vier Positionen lassen sich diesbezüglich unterscheiden.

(1) Durch Bevölkerungswachstum induzierte Flächenextensivierung und Verkürzung der Brachezeiten haben vorwiegend negative Effekte auf die Ressource Boden.

Geht man für jede Region oder jedes Land von einer durch die natürlichen Bedingungen vorgegebenen, fixen agrarökologischen Tragfähigkeit aus, die die Ernährung einer begrenzten Anzahl von Menschen ermöglicht, so führt Bevölkerungswachstum über diese Grenze hinaus ceteris paribus zur räumlichen Expansion bzw. Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzfläche<17> und langfristig zu einer Verringerung der Nahrungsgrundlage bis hin zu Hungersnöten. Diese Argumentation geht im Grundsatz auf die MALTHUS´sche Bevölkerungstheorie zurück, bei der die Ursache des Problems darin gesehen wird, daß die Bevölkerung geometrisch, die landwirtschaftlichen Erträge aber nur linear wachsen (MALTHUS, 1803)<18>.

Die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche steht immer auch mit der Abholzung von Natur- und anderen Wäldern und der Nutzung marginaler Standorte in Verbindung, und damit mit einer Verringerung der Bodenbedeckung. Es ist daher tendenziell von erosionsfördernden Wirkungen auf den Boden auszugehen. Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch davon ab, ob das Land, auf das migriert wird, besonders erosionsgefährdet bzw. marginal ist oder nicht, und auf welche Weise es bewirtschaftet wird. PEARCE und WARFORD bemerken hierzu:

„Where suitable agricultural land is scarce and intensification is not feasible because agricultural inputs are prohibitively expensive, extensification is likely to occur on ecologically fragile lands.“ (PEARCE und WARFORD, 1993, S. 191).

Realistischerweise muß hier angemerkt werden, daß die Möglichkeiten einer weiteren Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche (oder: land frontier) in den meisten


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Entwicklungsländern sehr begrenzt sind. Dementsprechend stehen zunehmend die intensivere Nutzung des vorhandenen Landes, z.B. durch verkürzte Brachezeiten, und deren Bodenwirkungen im Vordergrund (vgl. DE HAEN, 1998, S. 35)<19>.

Als weiterer Effekt des Bevölkerungswachstums wird deshalb in diesem negativen Szenario die Verkürzung der Brachezeiten bzw. die Erhöhung der Anbaufrequenz als Reaktion der Landnutzer auf zunehmenden Bevölkerungsdruck genannt. Durch die Verminderung der relativen Knappheit des Faktors Arbeit im Verhältnis zum Faktor Land wird die häufigere, arbeitsintensivere Nutzung des Bodens wirtschaftlich (vgl. TEMPLETON und SCHERR, S. 31). Dieser Effekt wird sowohl für die Erhöhung der Arbeitsintensität innerhalb eines ausschließlich auf Familienarbeitskräfte angewiesenen Betriebes als auch für den zusätzlichen Einsatz von Lohnarbeitskräften in größeren, kommerziell wirtschaftenden Betrieben angenommen. Von verkürzten Brachezeiten und erhöhten Anbaufrequenzen wird im allgemeinen angenommen, daß sie erosionsfördernd sind. Meist steht dabei der Übergang von Landnutzungssystemen wie dem Wanderfeldbau (shifting cultivation) hin zum Anbau einjähriger Kulturen mit relativ geringer Bodenbedeckung im Mittelpunkt der Betrachtung, oder die Verkürzung der Brachezeiten innerhalb von Wanderfeldbausystemen. Wenig beachtet wird hingegen, daß bei Betrachtung von Landnutzungssystemen mit einjährigen Kulturen die Wirkungen kürzerer Brachezeiten oder des Mehrfachanbaus auf den Boden abhängig sind von den Bedeckungseigenschaften der angebauten Kulturen im Verhältnis zu denen kurzfristig brachliegender Flächen.

Hinsichtlich gemeinschaftlich genutzter Ressourcen wird davon ausgegangen, daß Bevölkerungsdruck sich negativ auf das Management der Ressource und damit auf den Boden auswirkt. LIPTON argumentiert, daß zunehmender Bevölkerungsdruck innerhalb einer Nutzergemeinschaft bedeutet, daß mehr Menschen zur Einhaltung der Nutzungsregeln bewegt werden müssen und daß der Pro-Kopf-Nutzen der gemeinschaftlich genutzten Ressource sinkt. Zunehmender Bevölkerungsdruck auch außerhalb der Nutzergemeinschaft, aber in der geographischen Umgebung des gemeinschaftlich genutzten Landes, erhöht gleichzeitig die Gefahr der unzulässigen Mitnutzung und können dazu führen, daß die gemeinschaftlich genutzte Ressource sich in ein öffentliches Gut verwandelt und schneller degradiert wird (LIPTON, 1997a, S. 88 und OLSON, zitiert in LIPTON, ebda.; vgl. auch MINK, 1993, S. 10).


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(2) Bevölkerungswachstum und induzierte Innovationen haben langfristig<20> positive
Effekte auf die Ressource Boden.

Ausgehend von der Malthus´schen Bevölkerungstheorie und gewissermaßen als Replik auf diese hat Boserup (1965, 1981, 1990) ein optimistisches Szenario entworfen, in dem technische und andere Innovationen in Kombination mit der Weiterentwicklung von Märkten als Reaktion der Gesellschaft auf Bevölkerungsdruck die Ernährung der wachsenden Bevölkerung immer wieder langfristig sichern und zudem dem Boden zuträglich sind (vgl. HEATH und BINSWANGER, 1996, S. 66)<21>. Die Entwicklung und Einführung von Innovationen mit dem Ziel der Erhöhung der Pro-Kopf-Nahrungsmittelproduktion gemäß den vorherrschenden relativen Faktorknappheiten und deren Veränderung entsprechen einer Erhöhung des o.g. Tragfähigkeitspotentials. Als Elemente dieses Intensivierungsprozesses werden sowohl die intensivere Nutzung des Bodens und die extensivere Nutzung des Faktors Arbeit (s.o.), als auch die Einführung produktionstechnischer Neuerungen wie z.B. der Übergang von der Handhacke zum Pflug, der Einsatz organischer und zugekaufter Düngemittel sowie eine Veränderung der Produktionsrichtung, z.B. die Einführung integrierter Pflanzen- und Tierproduktionssysteme, genannt. Auch Veränderungen in Richtung sichererer Landbesitzverhältnisse können Teil des Prozesses sein. Ausschlaggebend ist die Annahme, daß der Intensivierungsprozeß begleitet wird von Investitionen zur Verbesserung und zum Erhalt der Ressource Boden, oder aber von dem vermehrten Einsatz von Arbeit für Maßnahmen der Bodenverbesserung und des Bodenschutzes, was auch in der Einschätzung folgender Autoren deutlich wird:

„People change their production methods to overcome declines in the marginal product of labor, change property institutions to better protect land, and make landscape investments.“ (TEMPLETEON und SCHERR, 1997, S. 2). <22>
„Typically, a farming society under demographic pressure expands its production to marginal areas without significantly modifying methods, except to shorten fallow periods; watches crop and livestock production per unit area fall; begins to adopt more intensive cropping methods, incorporating soil and water conservation;...“ (IFAD, 1992, S. 20).


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Ein häufig zitiertes Beispiel für das positive Szenario ist in der Arbeit von TIFFEN et al. (1994) dargestellt, die auf langjähriger Forschung über die Entwicklungen im Machakos District in Kenia, vor allem anhand der Analyse von Luftaufnahmen, beruht. In den 30er Jahren war der semi-aride Distrikt von starker Bodenerosion und sinkenden Erträgen gekennzeichnet. Zu dieser Zeit verfügten weiße Siedler qua Kolonialpolitik über das produktivste Land, während die native Bevölkerung auf einer sehr reduzierten Fläche und unter Verbot des Anbaus lukrativer cash-crops ihre Subsistenz erwirtschaften mußte. Heute ist die Bevölkerung des Distrikts insgesamt etwa sechsmal so groß wie damals, die Hektarerträge haben sich durch Intensivierungsmaßnahmen in etwa verzehnfacht, gleichzeitig wird wesentlich bodenschonender gewirtschaftet (ENGLISH et al., 1994, S. ix).

(3) Die Wirkungen bevölkerungsdruckinduzierter Innovationen auf den Boden sind abhängig von der Art der Innovation und von ökonomischen Rahmenbedingungen.

Kritiker des positiven Szenarios der Induzierten Innovation heben einerseits hervor, daß bevölkerungsdruckinduzierte Innovationen keineswegs bodenschonend sein müssen. Vor allem hängen die Wirkungen von der Art der eingeführten Innovationen ab<23>. LIPTON bemerkt hierzu:

„Intensification can leed to eroded dust bowls - or to the use of fertilizer and compostst to regenerate depleted soils. Extra labor can repair bunds and plow along contours - or harvest more and more high-yielding cassava until the soil is destroyed.“ (LIPTON, 1997a, S. 86).

Andererseits wird entgegengehalten, daß die skizzierte positive Entwicklung nicht automatisch durch Bevölkerungsdruck und dadurch veränderte relative Faktorknappheiten generiert wird. Vielmehr hänge die Art der Entwicklung und ihre Wirkung auf den Boden ab von betriebsinternen und -externen Bedingungen und Investitionsanreizen für bodenschonende im Vergleich zu nicht-bodenschonenden Innovationen. Insofern sind die Wirkungen entgegen den optimistischen Annahmen von BOSERUP weder beim landsparenden, noch beim arbeitsertragssteigernden Fortschritt vorhersehbar:

„We argue that the Boserup effects are far from automatic. We view them as the outcome of investment decision by farmers. In order to come about, the investments require a positive incentive regime, and access by farmers to soil and water resources and to markets. If these conditions are denied by adverse policy regimes, impoverished peasants are forced to mine the land resources, rather then augment them.“ (HEATH und BINSWANGER, 1996, S. 67).


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Welches die maßgeblichen Einflußfaktoren dafür sein können, in welche Richtung - bodenschonend oder nicht - die bevölkerungsinduzierte Entwicklung geht, arbeiten die Autoren anhand eines Vergleichs der o.g. Machakos-Studie und einer ökonometrischen Studie für das Nachbarland Äthiopien heraus (GREPPERUD, 1996). In der Äthiopien-Studie wird zwar methodisch auf ganz andere Weise vorgegangen, wegen des geographischen Bezuges ist sie für eine Gegenüberstellung dennoch geeignet. GREPPERUD hat für das äthiopische Hochland anhand eines ordinalskalierten kumulativen Logit-Modells untersucht, ob ein quantitativer Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdruck und starker Bodenerosion nachzuweisen ist. Er kommt zu folgendem Ergebnis:

“...the probability of an area being classified above any given level of soil erosion increases rapidly as a rural population exceeds the population-supporting capacity of its region.“ (GREPPERUD, 1996, S. 19).

Um zu erklären, warum die Wirkung von Bevölkerungsdruck hier offenkundig der Wirkung in Machakos entgegengesetzt war, vergleichen HEATH und BINSWANGER das politische und ökonomische Umfeld der Landnutzer in den beiden Ländern. Als ausschlaggebende Momente, die in Machakos zu einer veränderten incentive-Struktur geführt und in Äthiopien gefehlt haben, nennen sie

Abgesehen davon, daß diese incentives in Äthiopien nicht bzw. in genau entgegengesetzter Form, als disincentives ausgeprägt waren, kommt nach Meinung der Autoren noch hinzu, daß dort Hungersnöte zu einem verstärkten Druck auf den Boden geführt haben, daß sich das Land in Staatsbesitz befand und die Nutzungsregelungen oft unklar und unsicher waren und daß weiterhin die Umsiedlung von Bauern und der exogene Zwang zur Kollektivierung die Art des Umgangs mit Boden geprägt haben (vgl. HEATH und BINSWANGER, 1996, S.67).


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(4) Von der durch Bevölkerungsdruck auf dem Land induzierten Migration in Städte gehen positive und negative Wirkungen auf den Boden aus.

Abschließend sei noch ein weiterer Effekt zunehmenden Bevölkerungsdrucks angesprochen, der nicht direkt mit der Agrarentwicklung in Zusammenhang steht: die Land-Stadt-Migration bzw. die Migration in andere Sektoren. MINK stellt mögliche positive und negative Effekte vor und kommt zu dem Schluß, daß Landflucht zwar einerseits den direkten Druck der landwirtschaftlichen Bevölkerung auf den Boden verringert, andererseits aber über eine wachsende städtische Nachfrage nach Agrarprodukten und Energie den Druck indirekt erhöht (MINK, 1993, S. 30). Insgesamt fällt auf, daß in der Diskussion um die Wirkungen des Bevölkerungsdrucks die nicht-landwirtschaftliche Bevölkerung wenig Beachtung findet. TEMPLETON und SCHERR weisen darüber hinaus darauf hin, daß Migration in der Landwirtschaft zu Arbeitskraftmangel führen kann, so daß die u.U. arbeitsintensive Instandhaltung bereits bestehender Bodenschutzeinrichtungen wie Terrassen nicht mehr gewährleistet ist. Außerdem kann Migration zum Verlust von Wissen und Erfahrung im Landbau führen (TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 3).

2.2.3 Armut und Wohlstandswachstum

Zwischen Bevölkerungsdruck und Armut bestehen vielfältige Zusammenhänge. In der Literatur werden die Zusammenhänge zwischen beiden Größen und die Art, wie beide auf Bodendegradation wirken, zum einen im mikroökonomischen Kontext diskutiert. Zum anderen wird auf gesamtwirtschaftlicher Ebene der Einfluß untersucht, den die langfristige Armutsminderung im Zuge von Wirtschafts- und Wohlstandswachstum auf die Bodendegradation hat. Im folgenden werden zunächst drei mikroökonomischen Hypothesen, dann drei Hypothesen der aggregierten Sicht beschrieben.

(1) Arme Landnutzer verfolgen typische Einkommenserwirtschaftungs- und Investitions-Strategien, die sich eher erosionsfördernd auswirken.

Der Hintergrund dieser Aussage läßt sich sehr plastisch mit dem häufig benutzten Bild vom „Teufelskreis“ beschreiben, das in der angelsächsischen Literatur sogar oft als downward spiral bezeichnet wird. Ausgangspunkt ist der „arme“ Landnutzer: Weil er arm ist, so wird postuliert, hat er sehr kurze Zeithorizonte und eine sehr hohe Zeitpräferenz - er lebt sozusagen von der Hand in den Mund (vgl. MINK, 1993, S. 10); weil er arm ist, ist er unwissend bzgl. der Konsequenzen seiner Landnutzung für den Boden; und weil er arm ist, produziert er - auch in Ermangelung einer anderweitigen sicheren Altersversorgung - sehr viele Nachkommen<24> (PERMAN et al., 1996, S. 291; LIPTON, 1997a,


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S.80). So übt er selber, heute, starken Druck auf den Boden aus, und seine Nachkommen später noch mehr, weil sie entweder den begrenzten Boden noch intensiver nutzen oder auf marginale Standorte ausweichen, die definitionsgemäß noch schneller degradieren als nicht-marginale. Der Kreis schließt sich an dem Punkt bzw. zu dem Zeitpunkt, zu dem die Erträge erosionsbedingt zurückgehen und die Armut des Landnutzers und seiner Nachkommen sich deshalb verschlimmert (vgl. REARDON und VOSTI, 1997, S. 47).

Oft wird bei der Beschreibung dieser Zusammenhänge keine klar eingegrenzte Definition von Armut verwendet, sondern die genannten Konnotationen von Armut werden als gegeben angesehen: kurze Zeithorizonte, hohe Zeitpräferenz, geringer Bildungsstand, geringe Ausstattung mit meist marginalen Ressourcen. REARDON und VOSTI gehen den Besonderheiten des Investitionsverhaltens und der Einkommens-Erwirtschaftungs-Strategien armer Landnutzer sowie den sich ergebenden Bodenwirkungen weiter nach (1997, S. 55 ff.). Eine der von ihnen aufgeworfenen zentralen Fragen ist, ob die im Verhältnis zu Wohlhabenderen stärkere Abhängigkeit Armer von der Ressource Boden impliziert, daß diese, wie oben beschrieben, eher übernutzt wird - aus der Notwendigkeit heraus - oder daß sie eher geschont wird - ebenso aus der Notwendigkeit heraus. NAPIER betont in diesem Zusammenhang, daß ein Kennzeichen der Ernährungsstrategie Armer ist, daß sie Produktionsmaximierer sind bzw. in jedem Fall ein gewisses Mindestniveau an Produktion zur Befriedigung der Grundbedürfnisse der Haushaltsmitglieder gewährleisten müssen, sei es auf Kosten des Bodens oder auch des Gewinns bzw. der Rentabilität der Produktion (vgl. NAPIER, 1989, S. 15). PAGIOLA nimmt genau die entgegengesetzte Position ein, er schreibt:

„The poorer are people who rely on land for their sustenance and have no better alternative, the greater the incentive they have to protect the source of their sustenance.“ (PAGIOLA, 1994, zitiert in TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 2)

Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt MÄLER, der anhand eines Haushalts-Konsum- und -Produktionsmodells ableitet, daß die Einkommenselastizität des Bodenschutzes entgegen der gängigen Meinung durchaus negativ sein kann, insbesondere wenn Boden als Produktionsfaktor z.B. durch zugekauften Dünger substituiert werden kann (1998, S. 259). Auch im Bereich gemeinschaftlich genutzten Landes wurde dokumentiert, daß Armut nicht unbedingt kurze Zeithorizonte impliziert, sondern u.U. genau das Gegenteil (vgl. MINK, 1993, S. 10 und S. 13).

Insgesamt ist nicht eindeutig, inwieweit Arme tatsächlich kürzere Zeithorizonte und höhere Zeitpräferenzen haben als wohlhabendere Landnutzer. Letztlich geht es bei dieser Diskussion darum, ob Arme den Boden eher als Produktionsmittel, als Input in die Produktion sehen, oder als nicht-erneuerbare, zur Produktion unbedingt notwendige Ressource, von der ein minimum stock in jedem Fall zu erhalten ist.


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Bedauerlicherweise werden in den allerwenigsten Publikationen zu dem Thema Einstellung und Verhalten der Armen zum Boden im Vergleich mit denen Nicht-Armer betrachtet. Dementsprechend ist nicht auszuschließen, daß die hohen Zeitpräferenzen der Armen auf die allgemein unsichere Situation in dem jeweiligen Land zurückzuführen sind und daß diese Unsicherheit in ähnlicher Weise auch die Zeitpräferenzen und darüber die landnutzerischen Entscheidungen wohlhabenderer Landnutzer beeinflußt<25>.

(2) Arme Landnutzer verfügen über zu wenig Kapital, um innovative und Bodenschutz-Investitionen zu tätigen.

Unabhängig von verschiedenen Armutsdefinitionen besteht ein genereller Konsens über die „verzerrte“ Ausstattung armer Landnutzer mit Produktionsfaktoren: Arme Betriebe verfügen in der Regel über verhältnismäßig mehr Arbeitskraft als Kapital und über marginales, erosionsgefährdetes Land. Das kann dazu führen, daß statt der Einführung kapitalintensiver, möglicherweise bodenschonender Innovationen traditionelle Produktionsmethoden beibehalten werden, die u.U. eher bodenzehrend sind, und daß kapitalintensive, direkte Investitionen in den Bodenschutz unterbleiben müssen - z.B. auch, weil der oft unsichere Besitz marginalen Landes keine ausreichende Sicherheit für die Aufnahme von Krediten zu diesem Zweck darstellt.

REARDON und VOSTI unterscheiden zwischen zwei Typen von Armut, die für die Bodendegradation von unterschiedlicher Bedeutung sind: welfare poverty und conservation-investment poverty. Das Konzept der welfare poverty orientiert sich an den gängigen, auf Konsum, Ernährung und Einkommen der Haushalte ausgerichteten Indikatoren und Schwellenwerten für Armut<26>. Die Autoren halten es für nur teilweise relevant im Zusammenhang mit Bodendegradation. Mit dem Konzept der conservation-investment poverty versuchen sie darüber hinaus, die u.U. sehr große Anzahl der Haushalte mitzuberücksichtigen,


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„...that are not „absolutely poor“, by the usual consumption-oriented defininition but are too poor - in that their surplus above the minimum diet line is still too small - to make key conservation or intensification investments necessary to prevent their land use practices from damaging the resource base or leading them to push onto fragile lands.“ (REARDON und VOSTI, 1997, S. 51).

Das entspricht im wesentlichen dem erweiterten Armuts-Begriff, den z.B. auch PEARCE und WARFORD verwenden: Armut, auch im Sinne einer schlechten Gesundheit oder eines niedrigen Ausbildungsstandes, drückt sich in erster Linie darin aus, daß Landnutzer kaum in der Lage sind, auf äußeren Druck - sei er positiv oder negativ - innovativ zu reagieren und sich anzupassen<27>. Ihnen bleiben nur zwei Möglichkeiten:

„..they can attempt to supplement scarce assets by using free common property or open access resources, or they can leave the land altogether and move to urban areas.“ (PEARCE et al., 1993, S. 272).

Für die Autoren führen beide Varianten unweigerlich zu verstärkter Umweltdegradation, sie sind aber, wegen ihrer Gebundenheit an exogenen Druck, der ja auch wegfallen kann, nicht zwingend. Dennoch ist bei dieser Art von Armutsbegriff nach Meinung der Autorin deswegen Vorsicht geboten, weil definitorisch ein kausaler Zusammenhang festgeschrieben wird, der bisher keineswegs eindeutig nachgewiesen ist: Arm ist definitionsgemäß der, der aufgrund äußeren Drucks den Boden verstärkt degradiert. Das heißt, wenn Bodendegradation vorliegt und gleichzeitig äußerer Druck, dann sind in jedem Fall alle Armen an dem Zustandekommen der Bodendegradation beteiligt<28>.

BIOT et al. sehen in der relativ geringeren Ausstattung armer landwirtschaftlicher Betriebe mit Kapital als mit Arbeit hingegen keine Einschränkung bzgl. bodenschonender Entwicklungswege, sondern eher eine Herausforderung. Die Autoren setzen einen positiven Akzent zugunsten der Nutzung des für die Armen reichlichsten Produktionsfaktors bei der Entwicklung bodenschonender Innovationen:

„...the main entitlement of the poor, which will enable them to participate in the benefits of economic growth, lies in their labor; hence the key to environmentally friendly poverty alleviation lies in labor intensive growth, improving the productive capabilities of the poor...“ (BIOT et al., 1995, S. 19)


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(3) Arme Landnutzer sind zu risikoavers, um innovative und Bodenschutz-Investitionen zu tätigen.

Als Besonderheit wird auch die große Bedeutung von Investitionsrisiken für arme Landnutzer hervorgehoben (vgl. MINK, 1993, S. 11 ff.). Dabei stehen Ertrags- und Preisrisiken sowie Unsicherheiten bzgl. der langfristigen politischen Bedingungen und der Landbesitzverhältnisse im Vordergrund. Die möglichen negativen Auswirkungen eines Risikos treffen Arme existentieller als Wohlhabendere, und Arme können auf diese weniger flexibel reagieren. Deswegen scheuen sie unsichere Investitionen in den Bodenschutz, insbesondere in einer allgemein unsicheren Situation.

Meist wird bei dieser Argumentation aber übersehen, daß Arme jede stark risikobehaftete Investition meiden, z.B. auch solche Investitionen, die eher erosiv wirken, z.B. in schwere Traktoren und Geräte, die den Boden über Kompaktierung erosionsanfälliger machen.

(4) Wirtschaftswachstum und die Verringerung von Armut führen langfristig zu sinkendem Bevölkerungswachstum und zu einer verringerten Bodenerosion.

Aufbauend auf BOSERUPs Thesen zur Einführung von Innovationen wird argumentiert, daß langfristig der durch Bevölkerungsdruck ausgelöste technische Fortschritt in der bäuerlichen Gesellschaft insgesamt zu Wohlstandswachstum führt. Dadurch wiederum sinken langfristig die Bevölkerungswachstumsraten und damit der Bevölkerungsdruck auf den Boden (BOSERUP, 1990, S. 24). Eine weitere Hypothese ist, daß die Gesellschaft mit steigendem Wohlstand dem Schutz der Umwelt an sich - unabhängig von ihrem ökonomischen Wert als Ressource - einen höheren Wert beimißt.

„It is frequently argued that the very process of getting out of poverty through economic growth degrades the environment in the short run, but that in the long run higher incomes enable individuals and nations to afford a better, albeit different, environment.“ (PEARCE und WARFORD, 1993, S. 263)

In folgender Abbildung 2-4 (a) (vgl. SCHERR und HAZELL, 1994, S. 9) ist der sich aus dieser Annahme ergebende Verlauf des Degradationsprozesses im Zeitablauf schematisch und zweidimensional dargestellt (Kurve I). Ebenso werden mögliche „Um- und Abwege“, die auf exogene Mängel, wie z.B. falsche Politiksignale zurückgeführt werden, aufgezeigt (Kurven II und III).


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Abbildung 2-4: Mögliche Entwicklungen anthropogener Bodendegradation über die Zeit pro Person (a) und insgesamt (b)

Quelle: SCHERR und HAZELL, 1994, S. 8 (a) und COMMON, 1995, S. 103 (b)

Betrachtet man statt der Zeitachse ein gesamtgesellschaftliches quantitatives Wohlstandsmaß für die x-Achse, z.B. das BSP pro Kopf, wird deutlich, daß Verlauf und Prinzip denen der Umwelt-Kuznets-Kurven ähneln. Diese Kurven stellen - meist schematisch, aber z.T. auch empirisch fundiert - den langfristigen Zusammenhang zwischen Wirtschaftsentwicklung und verschiedenen Umweltbelastungen dar. Sie gehen von einer hyperbolischen Funktionsform aus (umgekehrte „U-Kurve“), der die Annahme zugrundeliegt, daß die durch zunehmende wirtschaftliche Aktivitäten bedingten Umwelteinflüsse zurückgehen, sobald das Pro-Kopf-Einkommen einen Schwellenwert überschritten hat - bzw., in letzter Konsequenz, daß es keine umweltmäßigen Grenzen des Wirtschaftswachstums gibt<29>.

Der wesentliche Unterschied zwischen der in Abbildung 2-4 (a) dargestellten Verlauf und einer allgemeinen Kuznets-Kurve ist, daß die Kuznets-Kurven auf durchschnittlichen Pro-Kopf-Größen basieren - was häufig übersehen wird. Daß die entsprechende Kurve für das gesamte Degradationsniveau in einer Gesellschaft (oder der Welt) mit wachsendem Wohlstand ganz anders verläuft, zeigen z.B. COMMONS (1995, S. 103 f.; PERMAN et al., 1997, S. 303) und STERN et al. (1996, S. 1156 ff.; vgl. auch ARROW et al., 1995, S. 520 f.) - zumindest, wenn man von den realistischen Annahmen ausgeht, daß der Umwelteinfluß pro Person mit steigendem Einkommen langfristig ein konstantes Niveau erreicht, das über 0 liegt, und daß das Bevölkerungswachstum langfristig größer als Null


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ist (vgl. Abbildung 2-4 (b)). Im Fall der Bodenerosion bedeutet das, daß der derzeitige Degradationsstand langfristig nur dann abnehmen kann, wenn keiner der Landnutzer einer Gesellschaft den Boden über die natürliche Bodenneubildungsrate hinaus erodiert, was auch aus ökonomischen Gründen unwahrscheinlich ist.<30>

Bzgl. der Wirkungen von technischem Fortschritt und Wachstum in der Landwirtschaft auf Bevölkerungswachstumsraten beschreibt LIPTON für die mikroökonomische Ebene einen ähnlichen wie den in Abbildung 3-4 skizzierten Kurvenverlauf (LIPTON, 1997a, S. 86 f.). Wahrscheinlich ist seiner Meinung nach, daß als kurz-bis mittelfristige Reaktion auf arbeitsertragssteigernden technischen Fortschritt und die damit verbundene relative Wertsteigerung der Arbeitskraft - auch von Kindern - das Bevölkerungswachstum zunächst zunimmt. Ebenso kann sich durch technischen Fortschritt erzielter Wohlstand primär in besserer Ernährung und Gesundheit der Mütter manifestieren und darüber zu mittlelfristig steigenden Geburtenraten führen (vgl. EASTERLIN und CRIMMINS, zitiert in LIPTON, 1997a, S. 87; BOSERUP, 1990, S. 23). Die Frage ist, wann die langfristigen Effekte der Wohlstandssteigerung auf die Bevölkerungswachstumsraten greifen: weniger, besser ausgebildete Kinder, die die Eltern voraussichtlich mit einem sicheren Einkommen unterstützen können<31>.

(5) Wirtschaftswachstum muß an die spezifischen agrarökologischen Bedingungen angepaßt sein, um langfristig zu einer Verringerung der Bodenerosion zu führen.

Zunehmend rücken bei der Diskussion um die Wirkungen von (Agrar-) Wirtschaftswachstum auf Abholzung, Landnutzung und Bodenerosion differenziertere Standpunkte als der skizzierte Wachstumsoptimismus in den Vordergrund. Wegen der drängenden Ernährungsprobleme in vielen Entwicklungsländern steht derzeit nicht zur Debatte, ob und in welchem Tempo Agrarwirtschaften wachsen sollten, sondern vielmehr auf welche Art und Weise sie wachsen können, ohne die Produktionsgrundlage Boden zu zerstören (vgl. DE HAEN, 1997, S. 34; ARROW et al., 1995, S. 521), und wie diese Entwicklungswege eingeschlagen werden können (vgl. auch ENGLISH et al., 1994, S. 74<32>).


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Gleichzeitig wird zunehmend realisiert, wie ausschlaggebend bei der Suche nach nachhaltigen Entwicklungs- und Wachstumspfaden eine Differenzierung nach agrarökologischen Zonen ist:

„...agroecologies across the tropics are so diverse that the paths to sustainable intensification will be highly location-specific“ (DE HAEN, 1997, S. 35).

Wichtig ist, daß es sich bei dieser Art der Differenzierung zwar um eine „Ökologisierung“ (im Sinne von mehr Standorteingebundenheit) der ökonomischen Sichtweise handelt, aber nicht um eine Disaggregation in dem Sinne, daß Erosion nur noch als singulärer Prozeß auf Standort-Ebene („Parzellen-Denken“) gesehen wird.

Insgesamt betrachtet können dementsprechend weder allgemeine Aussagen zur Wirkung der spezifischen einkommenssteigernden und investiven Strategien armer Landnutzer noch zu den Wirkungen verminderter Armut bzw. von Wirtschaftswachstum auf Bodendegradation gemacht werden. Hingegen fällt auf, daß der Stellenwert der Armut bzw. armer Landnutzer als Verursacher der Bodenerosion in der Diskussion auffällig hoch, wenn nicht sogar definitorisch festgelegt ist (wie in der o.g. Definition von REARDON und VOSTI, 1997, S. 51). Es sind aber keine Untersuchungen bekannt, in denen der relative Beitrag quantifiziert wird, den Arme und Nicht-Arme bei gegebener Ressourcenverteilung in einer abgegrenzten Region (oder z.B. einem Land) jeweils zum Zustandekommen von Bodenerosion leisten. REARDON und VOSTI gehören zu den Ausnahmen, die anhand eines Beispiels aus der Tierproduktion auf die möglicherweise verzerrte Wahrnehmung der Bedeutung von Armut als Ursache von Bodendegradation hinweisen - bedauerlicherweise auch nur am Rande ihres Artikels und ohne ihre Aussage auf ein höheres Niveau zu aggregieren:

„Livestock indeed are important to the poor, but the poor household usually cannot afford to own many animals. For example, the poorest tercile of households owns far fewer animals per household than do richer households in West Africa (see Christensen 1989). Thus individual poor households put less pressure on semi-arid pasturelands than do individual rich households.“ (REARDON und VOSTI, 1997, S. 56).

Wenn man davon ausgeht, daß (a) Arme den Boden aufgrund des Armutsdrucks stärker degradieren als Reiche, und (b) davon, daß arme Individuen qua definitionem über weniger Ressourcen verfügen als Reiche, so kommt es bzgl. der Degradation in einer abgegrenzten Region darauf an, welcher Anteil der Ressourcen (Land, Tiere) insgesamt von Armen bewirtschaftet wird. Selbst wenn in der Region ein sehr hoher Anteil Armer wirtschaftet, ist dann nicht mit einem hohen degradierten Flächenanteil zu rechnen, wenn die Armen so arm sind, daß sie nur einen Bruchteil des gesamten Bodens bewirtschaften.


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Dementsprechend besteht Anlaß zu der Vermutung, daß die räumliche Dimension von Armut und Degradation bisher zu wenig beachtet wurde, und daß die relative Bedeutung von Armut beim Zustandekommen von Bodendegradation tendenziell überschätzt wird. Es wird deshalb eine weitere Hypothese aufgestellt:

(6) Für das Ausmaß von Bodenerosion durch Armut in einer abgegrenzten Region ist maßgeblich, welcher Anteil des Bodens von armen Landnutzern bewirtschaftet wird.

2.2.4 Agrarpolitik und Agrarpreise

Die wichtigste Verbindung zwischen politischen Rahmenbedingungen und Bodenerosion ist die bereits erwähnte incentive-Struktur: Sie ergibt sich aus der Gesamtheit der Rahmenbedingungen ökonomischer, institutioneller, produktionstechnischer sowie rechtlicher Art und dient dem Landnutzer als Grundlage für seine Produktions-, Investitions- und damit auch Erosions- bzw. Bodenschutzentscheidungen.

„A conservation investment on a given plot fits into the general income, investment and consumption strategy of the farm household. [...] Policy affects that overall strategy, and via that strategy, a specific investment. This crucial intermediate link [...] is relatively rare in the literature on policy impacts in developing countries.“ (REARDON und VOSTI, 1997a, S. 141)

Tabelle 2-1 gibt eine allgemeine Übersicht über verschiedene nationale Politikbereiche und Instrumente, die für Bodenerosion relevant sein können. (vgl. BARBIER, 1997, S. 122, SCHIFF und VALDÉS, 1992, S. 3). Unter den Sektorpolitiken steht in der Literatur zur Bodendegradation zweifellos die Agrarpolitik unter Einschluß der Bodenschutzpolitik im Mittelpunkt der Betrachtungen. Bei der Darstellung der wichtigsten Hypothesen zum Zusammenhang zwischen politikbestimmten Größen und Bodenerosion wird im folgenden fokussiert auf Agrarpreise und sektorale sowie makroökonomische Politiken, die diese Preise betreffen, sowie auf mögliche Wirkungen der politikinduzierten Steuerung technischen Fortschritts<33>. Der Grund hierfür ist, daß die Bedeutung veränderter und verzerrter Agrarpreise in der Diskussion über Erosionsdeterminanten aus dem politischen Bereich beherrschend ist.


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Tabelle 2-1: Übersicht über verschiedene erosionsrelevante Politikbereiche und Instrumente

Agrarpolitik

Gestaltung des rechtlichen

und institutionellen Rahmens

  • Politiken zu Landbesitzverhältnissen
  • Marktentwicklungsprogramme
  • Politiken, die die Bedingungen auf ländlichen Kreditmärkten beeinflussen

Bereitstellung öffentlicher Güter

  • Klassische Bodenschutzprogramme: Bereitstellung von Bodenschutztechnologie, Forschung und Beratung
  • Entwicklung, Import, Verbreitung technischen Fortschritts

Einflußnahme auf den Ablauf des Wirtschaftsprozesses

  • Instrumente, die auf das allgemeine Preisniveau, auf Einzelpreise und Preisrelationen Einfluß haben, z.B.:
    - Preisstabilisierung, Preisstützung
    - Produkt- und Faktorsubventionen
  • Direkte Einkommensübertragungen

Makroökonomische Politik

Internationale Politik

  • Wechselkurspolitik und Kapitalverkehrskontrollen
    rarr relative Preise Import- versus Exportgüter
  • Außenhandelspolitik
    rarr relative Preise betroffener Güter

Geldpolitik

  • • Zinspolitik
  • rarr private Diskontraten

Staatliche Ausgabenpolitik

  • Staatliche Investitionen, z.B. in
    - Infrastruktur
    - Naturschutzinstitutionen

Quelle: zusammengestellt aus BARBIER, 1997, S. 122; HENRICHSMEYER und WITZKE, 1991, S.15

Konkreter Ausgangspunkt der Überlegungen zur Wirkung von Agrarpreisen auf Landnutzung und Bodenerosion ist vor allem die Tatsache, daß der Agrarsektor während der vergangenen drei Jahrzehnte in vielen Entwicklungsländern relativ zu anderen Sektoren und z.T. auch absolut hoch besteuert wurde (vgl. z.B. PEARCE und WARFORD, 1993, S. 189; FAO, 1992, S. 81 ff.<34>). Der wesentliche Grund hierfür war, daß politische Prioritäten zugunsten der Industrie und der Versorgung der Bevölkerung mit günstigen Nahrungsmitteln gesetzt wurden. Die Besteuerung ergab sich sowohl aus makroökonomischer Industrialisierungs- und Importsubstitutionspolitik (qua Wechselkurs- und Außenhandelspolitik), als auch aus direkten Agrarpreispolitiken (vgl. SCHIFF und VALDÉS, 1993, S. 199; WIEBELT et al., 1992; GORN et al., 1993, S. 309f.). Teilweise wurde die


32

Benachteiligung des Agrarsektors durch staatliche Subventionen für zugekaufte landwirtschaftliche Inputs kompensiert. Mit der Einführung von Struktur- und Sektoranpassungsprogrammen und den damit verbundenen Liberalisierungsmaßnahmen hat die relative Benachteiligung des Agrarsektors seit Ende der 80er Jahre in einigen Ländern zwar nachgelassen, die Frage nach dem Einfluß veränderter Preise auf Bodenerosion aber ist geblieben. Bei der Diskussion um die Wirkungen negativer Protektion auf Landnutzung und Bodenerosion stehen die kurz- bis mittelfristigen Vor- und Nachteile einer nationalen Preisliberalisierung für die nachhaltige Landnutzung und den Boden im Vordergrund. Meist wird dabei unterschieden in die Wirkungen eines veränderten aggregierten Preisniveaus und in die Wirkungen veränderter relativer Preise bzw. einer veränderten Preisstruktur (vgl. v. MAYDELL, 1993, S. 39).

Im folgenden werden die zentralen Hypothesen zur Wirkung veränderter Agrarpreise vorgestellt.

(1) Ein kurzfristig steigendes Produktpreisniveau stimuliert die Erhöhung der Gesamtproduktion, entweder durch Intensivierung des Faktoreinsatzes oder durch Flächenextensivierung. Unterschiedliche Wirkungen auf den Boden sind möglich.

Es wird davon ausgegangen, daß eine Anhebung des aggregierten Produktpreisniveaus bzw. eine Senkung des Faktorpreisniveaus die Rentabilität der kommerziellen Agrarproduktion ceteris paribus steigert. PEARCE und WARFORD nehmen auf Grundlage einer Arbeit von CLEAVER (1985) an, daß marktorientierte Landnutzer die Gesamtproduktion bei gestiegenem Preisniveau ausdehnen, entweder über eine Intensivierung des Faktoreinsatzes, da dessen Wertgrenzproduktivität insgesamt zugenommen hat, oder über die Extensivierung bzw. die Inkulturnahme zusätzlicher Flächen (CLEAVER, zitiert in PEARCE und WARFORD, 1993, S. 190 f.).

Insofern gilt für die Bodenwirkung eines gestiegenen aggregierten Preisniveaus prinzipiell auch das, was bereits im Zusammenhang mit bevölkerungsinduzierter Intensivierung und Extensivierung der Flächennutzung ausgeführt wurde. Insbesondere bei der Extensivierung im Sinne der Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche, möglicherweise auch auf marginales Land, ist von einer zusätzlichen Gefährdung des Bodens durch Abholzung und verminderte Bodenbedeckung auszugehen (vgl. PEARCE und TURNER, 1990). Im Unterschied zur Diskussion bevölkerungsdruckinduzierter Intensivierung stehen aber hier nicht nur landsparende Intensivierungsmaßnahmen unter vermehrtem Einsatz des Faktors Arbeit im Vordergrund, sondern sämtliche Formen der Intensivierung. Des weiteren sind hier vorwiegend die kommerziellen Produzenten betroffen, die Zugang zum Markt haben.


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Bzgl. der erhöhten Faktorintensitäten - PEARCE und WARFORD betrachten hier Düngemittel, Pestizide und Bewässerung - ist ausschlaggebend, welchen Einfluß diese auf die Bodenbedeckungseigenschaften der angebauten Pflanzen haben. Allerdings wirkt ein erhöhter Einsatz dieser Produktionsfaktoren auch über einen anderen Mechanismus: Degradationsprozesse werden teilweise nur mit zeitlicher Verzögerung wahrgenommen, weil erhöhte Düngungsintensitäten die negativen Auswirkungen der Degradation zunächst verdecken können. Bodenschutzmaßnahmen werden dann möglicherweise erst verspätet durchgeführt (vgl. DUMSDAY, 1971, zitiert in ANDERSON und THAMPAPILLAI, 1990, S. 13)<35>. WAHBY berücksichtigt als Intensivierungsmaßnahme zusätzlich eine intensivere Bodenbearbeitung (vgl. WAHBY, 1996, S. 20), die Degradationsprozesse - je nach Art der Bodenbearbeitung - grundsätzlich beschleunigen kann. LUTZ und MUNASINGHE zufolge verhindert eine Erhöhung der Arbeitsintensität durch zusätzliche Einstellung von Arbeitern in kommerziellen Betrieben, daß diese Arbeiter erosionsgefährdete Flächen besetzen (squatter) und bewirtschaften. Ebenso wie im Kontext der bevölkerungsdruckinduzierten Intensivierung muß auch die intensivere Nutzung der Ressource Boden durch eine Verkürzung der Brachezeiten oder veränderte Fruchtfolgen berücksichtigt werden, die in der Tendenz erosionsfördernd ist (BOSERUP, 1990, S. 11).

Weiterhin weisen PEARCE und WARFORD (1993, S. 190) darauf hin, daß mittelfristig steigende Produktpreise zu einer relativen Benachteiligung der Subsistenzproduktion und zu deren Verdrängung auf marginale Standorte und damit zu erhöhter Bodendegradation führen kann (vgl. auch BARBIER, 1997, S. 128).

(2) Ein kurzfristig steigendes Produktpreisniveau ermöglicht über eine Erhöhung der Einkommen der Betriebe zusätzliche Investitionen. Unterschiedliche Wirkungen auf den Boden sind möglich.

Vielfach wird in der Literatur betont, daß in den durch ein gestiegenes Produktpreisniveau verbesserten Investitionsmöglichkeiten und der erhöhten Rentabilität von Investitionen der Schlüssel zu bodenschonenden Bewirtschaftungsmethoden liege (vgl. PEARCE und WARFORD, 1993, S. 190). Ebenso, lediglich umgekehrt ausgedrückt, argumentiert REPETTO, daß ein sinkendes Agrarpreisniveau dazu führt, daß

„...returns on investment in farmland development and conservation are depressed. Farmers are discouraged from leveling, terracing, draining, irrigating, or otherwise improving their land.“ (REPETTO, 1987, S. 45).


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Grundsätzlich aber gilt das, was schon an anderer Stelle, im Zusammenhang mit den Investitionsstrategien armer Landnutzer, gesagt wurde: Investitionen können bodenschonend, aber genausogut erosiv wirken. Die Liquidität des Betriebes und die Rentabilität der Investition sind sicherlich Voraussetzungen der Investition in Bodenschutzmaßnahmen, aber ebenso der Investition z.B. in schwere Maschinen.

Aus ressourcenökonomischer Sicht betrachtet, sind weder die unter (1) genannten preisinduzierten Intensivierungs- und Extensivierungsmaßnahmen, noch zusätzliche Investitionen (2) an sich entscheidend für Bodenschutz und Bodenerosion eines Betriebes. BARRETT vermutet aufgrund modelltheoretischer Betrachtungen<36>, daß ein bedeutender direkter Einfluß veränderter Faktor- oder Produktpreise auf den Einsatz von Bodenschutzmaßnahmen und optimale Fruchtfolgen bzw. Brachezeiten insgesamt unwahrscheinlich ist. Sein Hauptargument ist, daß eine Produktpreissteigerung (oder Faktorpreissenkung) nicht nur die Rentabilität der Produktion, sondern ebenso - proportional - die des Bodenschutzes erhöht, so daß die Entscheidung für ein bestimmtes optimales Bodenschutz- und Erosionsniveau unverändert bleibt:

„With the output price higher, the benefit of slighly deviating from the equilibrium policy [gemeint ist hier die „private“ Politik bzw. Entscheidung des Landnutzers. Anm. d. Verf.] by increasing erosion increases by the percentage rise in price. The benefit of adopting additional soil conservation measures - the present value sum of future profits made possible by the additions to soil depth [...] - also increases by the percentage rise in price. Since the percentage change is identical in both instances, the farmer has no incentive to conserve additional soil - or less.“ (BARRETT, 1991, S. 172).

Als weiterer Aspekt ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, daß landwirtschaftliche Haushalte meist auch als Konsumenten der auf dem Markt angebotenen Produkte auftreten. Insofern kann ein relativ niedriges bzw. sinkendes Preisniveau der zugekauften Nahrungsmittel die Versorgungslage verbessern und das verfügbare Haushalt-Betriebs-Einkommen erhöhen (SCHIFF und VALDÉS, 1992 S. 150 f.) und damit auch die Möglichkeiten, mehr Ressourcen i.w.S. auf den Bodenschutz zu verwenden. Gerade in armen Haushalten könnte eine Nahrungsmittelpreissenkung eine relativ bedeutsame Ersparnis bzw. Erhöhung des verfügbaren Einkommens darstellen (vgl. auch BARBIER, 1997, S. 128).


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(3) Ein kurzfristig gestiegenes Produktpreisniveau kann zu erhöhten Zeitpräferenzen und verstärkter Bodenerosion führen.

Über die geschilderten Effekte hinaus hebt LIPTON im Zusammenhang mit der Wirkung eines kurzfristig gestiegenen Produktpreisniveaus die Bedeutung der Zeitpräferenzen der Landnutzer hervor. Er argumentiert, daß

„...better farm prices now, if they work as intended, will encourage ‘soil mining‘ for quick, big crops now...“ (Lipton, 1987, S. 209)

Daraus schließt er, daß Politikmaßnahmen zur Anhebung landwirtschaftlicher Produktpreise von staatlichen Maßnahmen zum Schutz des Bodens begleitet werden müssen, um externe Effekte durch Erosionsschäden zu vermeiden. Der auf den ersten Blick bestehende Widerspruch zwischen diesem Argument und der Position von REPETTO, die in o.g. Zitat zur Bedeutung hoher Produktpreise für Investitionen in den Bodenschutz zum Ausdruck kommt, erklärt sich allein durch unterschiedliche angenommene Zeitpräferenzraten der beiden Autoren (vgl. BARRETT, 1991, S.184).

(4) Veränderungen der Produktpreis-Relationen zugunsten erosiver Kulturen können zu verstärkter Bodenerosion führen.

Unabhängig vom aggregierten Agrarpreisniveau werden in der Literatur mögliche Erosionswirkungen einer veränderten Produktpreisstruktur bzw. veränderter relativer Preise einzelner Produkte analysiert. Mittlerweile gibt es recht breite empirische Evidenz dafür, daß eine Veränderung der relativen Preise zu einer Veränderung der Anbaustruktur führen kann (vgl. z.B. BOND, 1983, S. 710 f.; FONES-SUNDELL, 1987, S. 18 ff.; TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 48). Ausschlaggebend für die Wirkung auf den Boden ist dementsprechend grundsätzliche zum einen die relative, standortspezifische „Erosivität“<37> der von der Veränderung betroffenen Kulturen und u.U. auch Tierarten, zum anderen die Erosivität der mit den Kulturen in einem bestimmten Produktionssystem verbundenen Produktionsverfahren (Bodenbearbeitung, Anbaumethoden, Fruchtfolgen etc.). CLEAVER und SCHREIBER favorisieren deshalb temporär begrenzte und aufeinander abgestimmte Subventionen für bodenschonende Investitionen, Produkte, Produktionsfaktoren und Produktionsverfahren bzw. disincentives wie eine Besteuerung erosiver Produkte (1994, S. 157). WAHBY zeigt allerdings über den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen relativen Preisen, Anbaustruktur und Bodenerosion hinaus auf, daß für die Wirkung veränderter Produktpreis-Relationen auf Bodenerosion vielmehr die vorherrschenden sozioökonomischen Rahmenbedingungen ausschlaggebend sein können. Anhand verschiedener LP-gestützter Simulationsrechnungen für Betriebe in der Kaffezo-


36

ne Kenias zeigt er, daß beispielsweise Produktionsbeschränkungen durch Subsistenzerfordernisse sowie begrenzte Möglichkeiten des Einsatzes zugekaufter Produktionsmittel die Reaktionsmöglichkeiten der Landnutzer auf veränderte Preisrelationen erheblich bestimmen und den Ausschlag dafür geben, ob Preisveränderungen über ihren Einfluß auf die Wahl der Anbaukulturen zu veränderten Erosionsraten führen oder nicht (WAHBY, 1996, S. 161 ff.).

Hinsichtlich der Bedeckungseigenschaften wird häufig grob unterschieden in einjährige Kulturen und Dauerkulturen, in Subsistenzfrüchte und gehandelte cash crops sowie in national konsumierte Grundnahrungsmittel und Exportkulturen. Vorsicht ist dabei insofern geboten, als der Grad der Bodenbedeckung bei Dauerkulturen zwar tendenziell höher als bei einjährigen Kulturen ist und diese Dauerkulturen häufig den national gehandelten und exportierten Kulturen entsprechen, aber das muß nicht so sein - Baumwolle oder Zuckerrohr z.B. zählen zu den eher bodengefährdenden, international gehandelten Dauerkulturen. TEMPLETON und SCHERR gehen davon aus, daß eine relative Preissteigerung bei bodenschonenden Dauerkulturen in Kombination mit verbessertem Marktzugang für die entsprechenden Produkte insbesondere in Regionen ohne weitere Flächenextensivierungsmöglichkeiten zu einer veränderten Anbaustruktur und besserer Bodenbedeckung führen kann (1997, S. 48). V. MAYDELL zeigt in einem Vergleich USLE-gestützter Berechnungen von Erosionsraten für Szenarien mit verschiedenen Anbaustrukturen in Kenia, daß eine verstärkte Förderung der Nahrungsmittelproduktion im Verhältnis zur Förderung der Produktion von Exportkulturen zu deutlich erhöhten Erosionsraten führen kann (vgl. v. MAYDELL, 1994, S. 149; s auch KIRSCHKE und v. Maydell, 1992, 234ff.).

In diesem Zusammenhang ist noch einmal die Wirkung der eingangs genannten sektoralen und makroökonomischen Politiken, insbesondere der Wechselkurs- und Außenhandelspolitik, auf die relativen Preise exportierter und nicht-exportierter Kulturen hervorzuheben. Auch Kapitalverkehrskontrollen, die auf die Stützung einer überbewerteten Währung abzielen, können indirekt wirksam sein. COXHEAD und JAYASURIYA zeigen anhand eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells, das die Wirtschaft eines Entwicklungslandes vereinfacht darstellt, daß eine Erhöhung direkter Exportsubventionen für Baumkulturen ebenso wie der direkten Besteuerung einjähriger Kulturen zu einer Ausdehnung der Baumkulturfläche im Verhältnis zur Fläche mit einjährigen Kulturen führen kann und darüber auch zu verminderten Erosionsraten (COXHEAD und JAYASURIYA, 1995, S. 641)<38>. Eebenso zeigt Demgegenüber werden mögliche bodenschädigende Wirkungen verzerrter Preise teilweise als generelles Argument gegen Preispolitiken jeglicher Art und für eine umfassende Liberalisierung ins Feld geführt (vgl. WORLD BANK,


37

1992, S. 65 und 68). Darauf, daß bei dieser Argumentation, die oft auch instrumentalisiert wird, die unterschiedlichen Erosionswirkungen der Anbaukulturen nur unzureichend Berücksichtigung finden, haben schon LIPTON und REPETTO hingewiesen (vgl. LIPTON, 1987, S. 209; REPETTO, 1987, S. 44 ff.).

(5) Langfristig sinkende internationale Agrarpreise und ein steigendes Zinsniveau generieren hohe Zeitpräferenzen und erosive Produktionsmethoden.

Nationale Agrarpolitiken im allgemeinen und Preispolitiken im speziellen werden im Kontext der auf dem Weltmarkt herrschenden Rahmenbedingungen formuliert. Innerhalb der vergangenen 40 Jahre sind die Weltmarktpreise für die bedeutendsten Agrarprodukte - von kurzfristigen Schwankungen abgesehen - kontinuierlich real gesunken (WORLD BANK, 1989, zitiert in LIPTON, 1997, S. 150; vgl. auch: CGIAR, 1996, S. 79). LIPTON sieht darin, viel mehr als in nationalen Preispolitiken selbst, eine der wesentlichen Ursachen für Bodendegradation in diesem Zeitraum. Infolge dieser langfristigen Tendenz, die sich auch in den nationalen Produktpreisen wiederspiegelt, pendeln sich seiner Meinung nach die Zeitpräferenzen der Landnutzer zwangsläufig auf einem sehr hohen Niveau ein:

„Farmers anticipating continued price declines will shift toward adding value by farm production now at the cost of production later. Accelerated resource degradation results.“ (LIPTON, 1997, S. 150).

Diese Annahme wird auch durch folgende Bemerkung von WINTERS gestützt:

Exploitation [i.S.v. soil mining oder degradation. Anm.d.Verf.] responds to the fear that output prices will fall in the future, for then a current unit of soil-exhaustion (which increases output) is worth more than a future one. [...] Farmers will, as it were, ´make hay while the sun shines.´“ ,

und weiter:

“...it is anticipated price falls that most encourage over-exploitation.“ (WINTERS, 1990, S. 256).

Interessant ist bei dieser Argumentation, daß hohe Zeitpräferenzen aus dem Kontext von Armut in Entwicklungsländern herausgelöst werden, denn von der Erwartungswirkung langfristig sinkender Preise sind grundsätzlich alle kommerziellen Landnutzer betroffen. WINTERS bezieht sich in der OECD-Studie, aus der das o.g. Zitat stammt, sogar ausschließlich auf das Verhalten von Landwirten in Industrieländern.

Als wesentliche Determinanten der skizzierten Weltmarktpreisentwicklung nennt LIPTON die Agrarpolitiken der Europäischen Union, der Vereinigten Staaten und Ja-


38

pans<39>, die insgesamt Überproduktion stimuliert sowie große Lagerbestände subventioniert haben, wodurch weiterer Preisdruck zustandekam (vgl. auch CGIAR, 1996, S. 79). Darüber hinaus sieht er in der Agrarpreisfixierung der EU eine weitere Ursache für die Destabilisierung der Weltmarktpreise (vgl. KOESTER, 1982; KIRSCHKE, 1987, S. 109 ff. und 122), die wiederum zu „spekulativem“ Degradationsverhalten der Landnutzer in Entwicklungsländern geführt haben könnte:

„This further encourages farmers in developing countries, whenever prices are temporarily high, to increase output even at the cost of mining natural resources“ (LIPTON, 1997, S. 150).

Als zweite zentrale Weltmarktentwicklung, die in den vergangenen Jahrzehnten ausschlaggebend für das Verhalten von Politikern und Landnutzern in puncto Bodenschutz war, nennt LIPTON die Entwicklung des allgemeinen Marktzinsniveaus von 1945 bis 1974 und von 1979 bis 1993<40>. In dieser Zeit hat sich das Realzinsniveau in etwa vervierfacht. Wesentlich beigetragen haben zu dieser Erhöhung die antiinflationäre, restriktive Geldmengenpolitik der Industriestaaten nach dem zweiten Ölpreisschock von 1978 sowie die hohe Staatsverschuldung der USA, die von Beginn der 80er Jahre an das Marktzinsniveau ebenfalls nach oben drückte. Die Zinssätze, zu denen die führenden staatlichen Geberinstitutionen Kredite an Regierungen von Entwicklungsländern vergeben, haben sich rasch an die gestiegenen Marktzinssätze angepaßt. LIPTON geht davon aus, daß das gestiegene Zinsniveau auch an die Endkreditnehmer weitergegeben wurde, vor allem auch wegen des Drucks der großen Geberländer und -institutionen auf die Nehmerländer, ihre Zinssubventionen auszusetzen (LIPTON, 1997, S. 147).

Wie stark u.U. schon geringe Erhöhungen der Zeitpräferenz bzw. der Diskontrate oder des Zinsniveaus die Entscheidungen der Landnutzer zugunsten bodenzehrender Produktion verschieben, konnte schon WALKER zeigen<41> (1982, zitiert in ANDERSON und THAMPAPILLAI, 1990, S. 12). LIPTON betont, daß sich die Kreditkosten nicht nur auf die Investitionstätigkeit - sei sie bodenschonend oder nicht - auswirken, sondern auf die gesamte Zusammensetzung von Produktionsfaktoren, Produkten, Anbautechnik, Konsum und Ersparnis (LIPTON, 1997, S. 148).


39

2.2.5 Exogener technischer Fortschritt

In Abgrenzung zu Innovationen, die durch lokales Bevölkerungswachstum und lokal veränderte relative Faktorknappheiten induziert werden, ist für exogene Innovationen charakteristisch, daß sie in einem und für einen anderen ökologischen und ökonomischen Kontext entwickelt wurden als der, in dem sie eingeführt werden. Da es sich bei derartigen Innovationen meist um technische Innovationen handelt, wird häufig von exogenem technischen Fortschritt gesprochen.

(1) Die Einführung von exogenem technischen Fortschritt, der an die ökonomischen und ökologischen Bedingungen nicht angepaßt ist, verstärkt Erosion.

Einige Autoren nehmen an, daß die Art des eingeführten technischen Fortschritts die wichtigste Determinante der Bodenerosion ist:

„In the long run, at least in the more vibrant regions of developing country farming, technology probably affects farm-level incentives more than prices do.[...]Farmers´ selection from an available set of generated production technologies determines whether their response to the joint pressures of population and changing prices will be resource enhancing or resource degrading.“ (LIPTON, 1997, S. 151).

Wenn in den wenigsten Fällen die zitierte resource enhancing Variante gewählt werden konnte und kann, so wird das darauf zurückgeführt, daß Forschung und Entwicklung landwirtschaftlichen technischen Fortschritts für Entwicklungsländer bzw. Produzenten in Entwicklunsländern als technology taker weitgehend exogen stattfinden. NAPIER bemerkt hierzu:

„Farm operators become instruments of the ´technology treadmill´ (Cochrane, 1979) and have few degrees of freedom in the decision making process relative to the type of farming techniques they will use.“ (NAPIER, 1989, S. 21).

Den tatsächlich stattgefundenen Technologietransfer beschreiben ANDERSON und THAMPAPILLAI:

„Most of the technology transferred to the developing countries was originally developed for different environments and agricultural regimes, and the adoption and careless use of such technology frequently promotes land degradation.“ (MILTON und FARVAR, 1968; JANZEN, 1973, zitiert in ANDERSON und THAMPAPILLAI, 1990, S. 15).

Insbesondere die Tatsache, daß die Kleinbauern in Entwicklungsländern unter zunehmenden Druck der person-land-ratio geraten, die Forschung sich aber tendenziell auf arbeitssparenden Fortschritt in großen Betrieben konzentriert, wird als Ursache für Fehlentwicklungen genannt.


40

Des weiteren sieht LIPTON im exogenen technischen Fortschritt die Gefahr der Fokussierung auf Formen der privaten Landbewirtschaftung. Seiner Meinung nach hat die fast ausschließliche Entwicklung von technischem Fortschritt für den Privatsektor bewirkt, daß gemeinschaftlich genutzte Ressourcen zunehmend privatisiert wurden oder unter verstärkten Konkurrenzdruck mit privaten Landnutzern geraten sind, wodurch traditionelle, bodenschonende Nutzungsregelungen außer Kraft gesetzt wurden (LIPTON, 1997, S. 152).

Insgesamt wird durch die Exogenität und Unangepaßtheit des technischen Fortschritts gerade für Kleinbauern in Entwicklungsländern der Optimismus, der der Theorie der Induzierten Innovation auch in puncto Bodenschutz zugrundeliegt, getrübt. Eine Veränderung im Sinne des Bodenschutzes kann nur durch veränderte Forschungsprioritäten und eine insgesamt stärkere Berücksichtigung regionaler und nationaler Bedingungen - des Nahrungsmittelbedarfs, der relativen Ressourcenknappheiten und relativen Preise - erfolgen.

2.3 Empirische Evidenz und Defizite

Die im folgenden wiedergegebenen empirische Studien beziehen sich vorwiegend auf die Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsdruck, Abholzung und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche sowie Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion. Die verwendeten Erhebungs- und Untersuchungsmethoden reichen von der Auswertung deskriptiver Experteneinschätzung oder von Luftaufnahmen bis hin zur Anwendung statistischer, ökonometrischer Methoden auf Daten von Fallstudien oder auf Länderdaten. Demgegenüber gibt es für Erosionsdeterminanten preispolitischer Art wenig empirische Evidenz. Der Einfluß veränderter Preisverhältnisse wird meist von modelltheoretischen Überlegungen und Simulationen abgeleitet und nur teilweise empirisch geprüft.

Auf den Seiten 42, 44, 45 und 48 finden sich Auflistungen relevanter Studien<42>. Zuerst werden Studien zum Zusammenhang der Größen Bevölkerungsdruck, Faktorknappheiten und Landnutzungsintensität vorgestellt (Tabellen 2-2 bis 2-5), dann zur Bedeutung von Preisen und makroökonomischen Größen für Abholzung (Tabelle 2-6). Der überwiegende Teil der Studien bezieht sich nicht auf Bodenerosion als abhängige Variable, sondern auf Abholzung - auf diesem Gebiet sind mehr empirische Studien durchgeführt worden als für Bodenerosion. Sie werden hier mit vorgestellt, weil Bodenerosion und Abholzung grundsätzlich in Zusammenhang miteinander zu sehen sind.


41

Aus den Ergebnissen der in Tabelle 2-2 aufgelisteten Studien läßt sich ableiten, daß ein starker und/oder zunehmender Bevölkerungsdruck - zumindest isoliert betrachtet - tendenziell mit geringerem Naturwaldbestand und mit Entwaldung in Zusammenhang steht (TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 8). Für einzelne Regionen kann gezeigt werden, daß der Zusammenhang relativ bedeutsam ist. Die einzige multivariate, überregionale Analyse basiert auf Länderdaten der Food and Agricultural Organization (FAO) (DEACON, 1994). Sie bezieht sich auf einen recht kurzen Zeitraum. Der Einfluß des Bevölkerungsdrucks ist hier nur bei relativ hoher Irrtumswahrscheinlichkeit (p = 0,1) signifikant. TEMPLETON und SCHERR weisen trotz der generell anzunehmenden Gültigkeit dieser Zusammenhänge darauf hin, daß die zeitliche Staffelung von Bevölkerungszunahme und Entwaldung nicht eindeutig geklärt ist. Sie heben die Rolle großer kommerzieller Produzenten - z.B. Plantagenbesitzer, Rancher oder kommerzielle Waldnutzer - bei der Umwandlung von Primärwald in degradierten Sekundärwald hervor. In vielen Fällen werden die Flächen erst nach der Rodung bzw. Umwandlung des Primärwaldes durch diese großen Produzenten von Kleinbauern, die unter Bevölkerungsdruck bzw. Landknappheit leiden, landwirtschafltich genutzt. Direkte Zusammenhänge zwischen Bevölkerungsdruck und der Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden nur in wenigen, eher deskriptiven Studien untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß Bevölkerungswachstum, Nachfragewachstum und Wachstum der landwirtschaftlichen Nutzfläche langfristig miteinander einhergehen. Auf der anderen Seite kann auf Grundlage von eher deskriptiven Analysen vermutet werden, daß eine steigende Bevölkerungsdichte teilweise auch mit einer Zunahme der Dichte neugepflanzter Bäume und mit der Entwicklung von umweltverträglichen agro-forestry-Systemen einhergeht.

42

Tabelle 2-2: Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdruck, Ausdehnung der Landwirtschaftliche Nutzfläche, Abnahme des Waldbestandes und Zunahme des Pflanzbaumbestandes

Quelle

Länder / Region

Methode

Ergebnis

Deacon (1994)

98 low- und middle-income- countries

Multivariate statistische Analyse von FAO- und anderen Länderdaten

1%ige jährliche Bevölkerungswachstumsrate 1975-80 hat zu 0.12% Abholzungsrate 1980-85 geführt; schwache Signifikanz des Effektes

Mather (1987)

99 Industrie- und Entwciklungsländer

Univariate Korrelationsanalyse von FAO-Länderdaten

Bevölkerungswachstumsraten sind negativ mit prozentualer Veränderung der Waldflächen 1975-1981 korreliert

Southgate (1990)

23 lateinamerikanische Länder

Multivariate statistische Analyse von FAO Daten

Hohes Bevölkerungswachstum, Zunahme der Exporte und geringes Ertragswachstum bedingen starke Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche

Bilsborrow und Geroes (1994)

85 Entwicklungsländer

Univariate Korrelationsanalysen von FAO-Daten

Zusammenhänge Bevölkerungswachstum / Abholzung bzw. Ausdehnung der Nutzfläche kaum nachweisbar

Palo und Mery (1986)

60 lateinamerikanische, asiatische und humide afrikanische Länder

Univariate Korrelationsanalyse von Länderdaten

Korrelation zwischen verstärktem Bevölkerungswachstum und geringerer Waldfläche

Mendez (1988)

Guatemaltekische municipios (Distrikte)

Univariate Korrelationsanalyse von census-Daten von 1950 und 1981, 40 municipio-Feldstudien

Höhere Bevölkerungsdichten mit geringerem Waldanteil korreliert

Lele und Stone (1989)

Malawi, Nigeria, Senegal, Kenia, Kamerun, Tanzania

Kontingenzanalyse von Regierungs- und FAO- Daten

Hohe Ackerbaufläche pro Kopf steht in schwachem Zusammenhang mit geringen abgeholzten Waldflächenanteilen

Kumar und Hotchkiss (1988), Blaikie und Brooklfield (1987)

Östliche und zentrale Gebirgsregionen in Nepal

Deskriptive Analyse mit Regierungsdaten und FAO-Schätzungen

Rückgang der Waldfläche bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum

Harrison (1992)

2 Dörfer in Madagaskar

Deskriptive Analyse von Fallstudien

Entwaldung der Hügel, nachdem Bevölkerung in Ebenen zugenommen hatte

Scherr (1993)

Lake Victoria, Kenia

Evaluierung von Luftfotografien, farm surveys, Archivdaten und Feldstudien

Verstärktes Bevölkerungswachstum geht mit höheren Pflanzbaumdichten einher

Tiffen, Mortimore, Gichuki (1994)

Machakos, Kenia

Evaluierung von Fotografien 1937-1991, farm survey- und Daten aus Feldstudiendstudien

Höhere Bevölkerungsdichtebei gleichzeitig höheren Pflanzbaumdichten größerer Bäume in den Betrieben

Quelle: TEMPLETON und SCHERR (1997)


43

Bezüglich der Art der Landnutzung (Tabellen 2-3 und 2-4) legen die Ergebnisse zahlreicher Studien nahe, daß zunehmender Bevölkerungsdruck mit der Intensivierung der Anbaumethoden zusammenhängt. Insbesondere die Wirkung des Bevölkerungsdrucks auf eine Verkürzung der Brachezeiten und eine erhöhte Anbaufrequenz kann für viele Regionen, Aggregationsniveaus und anhand verschiedener Methoden aufgezeigt werden. Da angenommen werden kann, daß verkürzte Brachezeiten c.p. tendenziell zu einer insgesamt geringeren Bodenbedeckung führen, lassen sich auf Grundlage dieser Ergebnisse auch Rückschlüsse auf die Wirkung des Bevölkerungsdrucks auf Bodenerosion ableiten.

Andererseits gibt es auch empirische Evidenz für die Einführung bodenschonender Innovationen bzw. die Entwicklung neuer, intensiverer Produktionsmethoden und -systeme unter Berücksichtigung des Ressourcenschutzes bei steigendem Bevölkerungsdruck (Tabelle 2-4). Die teils historischen und teils auch auf dieses Jahrhundert bezogenen Studien sind weitgehend deskriptiv. Im Ackerbau werden als Innovationen eine Erhöhung der Düngungs- und Pflanzenschutzmittelintensitäten sowie mechanische, agronomische und Bodenbearbeitungsmaßnahmen zum Erosionsschutz beobachtet. Hingegen stehen in der Tierhaltung bei verstärktem Bevölkerungsdruck offenbar nicht etwa erhöhte Viehbesatzdichten im Vordergrund, sondern die Verschiebung von flächenintensiven Methoden der Futterbeschaffung bei geringen Bevölkerungsdichten hin zu arbeitsintensiven Methoden bei hohem Bevölkerungsdruck. Als Beispiel für eine derartige Innovations-Reaktion auf Bevölkerungsdruck wird seit ihrem Erscheinen im Jahr 1994 die bereits im vorigen Abschnitt vorgestellte Arbeit von TIFFEN und MORTIMORE häufig zitiert (vgl. ENGLISH et al., 1994).

Für die direkte Wirkung des Bevölkerungsdrucks auf die Bodenqualität selbst liegen nur eine ökonometrische Studie und einige deskriptive Fallstudien vor (vgl. Tabelle 2-5). Die ökonometrische Studie von GREPPERUD wurde ebenfalls im vorigen Abschnitt vorgestellt, sie läßt auf einen positiven Zusammenhang zwischen einer über die ökologische Tragfähigkeit hinausgehenden Bevölkerungsdichte und Bodenerosion im äthiopischen Hochland schließen (GREPPERUD, 1996). Dieses Ergebnis wird durch etliche Langzeit-Fallstudien vor allem für afrikanische Länder bestätigt.

Insgesamt wird deutlich, daß sich auf Grundlage der Ergebnisse der empirischen Studien allgemeine, eindeutige Aussagen über die Wirkung von Bevölkerungsdruck auf Landbewirtschaftung und Degradation nicht ableiten lassen. TEMPLETON und SCHERR subsummieren und bestätigen damit die im vorherigen Abschnitt vorgestellte theoretische Argumentation:

“Changes in farming systems associated with population growth can lead to either land degradation or land enhancement, or aspects of both.“ (TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 8).

44

Tabelle 2-3: Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdruck, Anbaufrequenz und Verkürzung der Brachezeiten

Quelle

Länder / Region

Methode

Ergebnis

Turner, Hanham und Portararo (1977)

Regionen in 15 südamerikanischen, asiatischen und afrikanischen Ländern

Multivariate Analyse von Sekundärdaten für 29 Gruppen von Subsistenzbauern

Erhöhung der Bevölkerungsdichte haben zu höheren Anbauintensitäten geführt

Kumar (1973)

56 Länder 1960, 5 Regionen 1950 und 1960, 7 asiatische Länder und Ägypten 1960 und anderen Jahren

Analyse von Kontingenztafeln und Evaluierung von Zeitreihen

Verhältnis Brachflächen zu bebauten Flächen steigt mit dem Bevölkerungsdruck, Anbauhäufigkeit steigt

Pingali, Bigot und Binswanger (1987)

52 Regionen in Afrika südlich der Sahara

Analyse von Kontingenztafeln, 48 Feldbesuchen und Felddaten

Anbaufrequenz steigt mit Bevölkerungsdichte

Hyden, Kates und Turner (1993)

7 Standorte in Afrikanischen Ländern

Deskriptive Evaluierung von Haushalt-, Dorf- und Regionaldaten

Anbauhäufigkeiten und Bevölkerung sind gestiegen

Garcia-Barrios und Garcia-Barrios (1990)

Verschiedene Regionen im südlichen Mitttelamerika

Primärdaten von Pastor (1980) und Wolf (1959)

Aufgabe terrassierter Hanglagen, Verlängerung der Brachezeiten und Anbau arbeitsintensiver Kulturen nach der Eroberung durch die Spanier und Abnahme der Bevölkerungsdichte auf dem Land

Tabelle 2-4: Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdruck, Düngungsintensität und Bodenschutzmaßnahmen

Quelle Länder / Region Methode Ergebnis
Boserup (1981) 81 Entwicklungsländer Analyse von Kreuztabellen mit Länderdaten Höherer Düngemitteleinsatz in Ländern mit hoher Bevölkerungsdichte
Pingali und Binswanger (1987) 57 Standorte in Asien, Afrika und Lateinamerika Analyse von Kreuztabellen mit Daten von Fallstudien Bodenverbesserungen und Düngemitteleinsatz steigen mit erhöhter Anbaufrequenz
Hyden, Kates und Turner (1993) 7 Standorte in Afrikanischen Ländern Deskriptive Evaluierung von Haushalt-, Dorf- und Regionaldaten Steigende Bevölkerungsdichten gehen einher mit ridging, Terrassierung, dem Einsatz neuen Saatguts, von Düngemitteln und Pestiziden
Pingali, Bigot und Binswanger (1987) Kigezi District, Uganda Deskriptive Evaluierung von Primärdaten aus dem Jahr 1947 Intercropping und Terrassierung bei hoher Bevölkerungsdichte im Jahr 1944
Tiffen, Mortimore und Gichuki (1994) Machakos, Kenia Evaluierung von Fotografien 1937-1991, farm survey- und Daten von Feldstudien Verstärter Terrassenbau, Kompostierung und organische Düngung bei gleichzeitiger Verfünffachung der Bevölkerung zwischen 1930 und 1990

Quelle: TEMPLETON und SCHERR (1997)


45

Tabelle 2-5: Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdruck und Bodendegradation

Quelle

Länder / Region

Methode

Ergebnis

Grepperud (1996)

47 awrajas im Äthiopischen Hochland

Logit Analyse mit rangskalierten Regionaldaten aus Primärquellen

Je höher die tatsächliche Bevölkerungsdichte im Verhältnis zur potentiellen Bevölkerungstragfähigkeit, desto mehr Bodenerosion

Bernard (1993)

Meru District, Kenia

Deskriptive Anlayse von Daten aus 161 Betrieben 1986, Volkszählung 1979

Betriebe in dicht besiedelten Gegenden nutzen auch steile und stinige Flächen und haben mehr Bodenerosion, Bodenfruchtbarkeitsverluste

Repetto (1986)

Wassereinzugsgebiet in West Java

Deskriptive Analyse von Sedimentdaten von USAID, Bevölkerungsdaten der Weltbank

Sedimentverluste von 1mm/a 1911, 2mm/a 1935 und 6mm/a 1980, Bevölkerung ist zwischen 1930 und 1980 um 1,9%/a gewachsen

Tagwira (1992)

Gebiete mmit Gemeindeland in Zimbabwe

Analyse von Kontingenztafeln mit Daten von 1988

Anteil Gemeindeland, das moderat bis sehr stark erodiert ist, steigt mit Bevölkerungsdichte

Quelle: TEMPLETON und SCHERR (1997)


46

Der Einfluß preispolitischer und anderer ökonomischer Rahmenbedingungen wurde bisher kaum direkt, anhand strukturenprüfender Schätztechniken untersucht. Einzelne Beispiele finden sich im Bereich geschätzter Kuznets-Kurven, u.a. für die Abholzung tropischer Wälder (vgl. STERN et al., 1996, S. 1153 ff.<43>). Die meisten Untersuchungen haben eher qualitativen, deskriptiven Charakter. PANTHUMVANIT und PANAYOTOU konnten in einer Studie über den thailändischen Agrarsektor zeigen, daß ein steigendes Niveau der Agrarproduktpreise eine zusätzliche Flächennachfrage induziert hat, allerdings in relativ geringerem Maße als der Bevölkerungsdruck und die Höhe außerlandwirtschaftlicher Einkommen (PANTHUMVANIT und PANAYOTOU, 1990, zitiert in BARBIER, 1997, S. 129). In Malaysia und Indonesien haben Preis- und Außenhandelspolitiken mit dem Ziel einer höheren Verarbeitungsstufe bei Exportholz dazu geführt, daß verstärkt abgeholzt wurde. Eine wichtige Rolle scheint in Südostasien auch die Kurzfristigkeit von Abholzungskonzessionen und Nutzungsrechten zu spielen (REPETTO und GILLIS, 1988; PARIS und RUZICKA, 1991, zitiert in BARBIER, 1997, S. 129).

CAPISTRANO und KIKER konnten in einer ökonometrischen Abholzungsanalyse für 45 Länder die Rolle hoher Agrarpreise bei der Abholzung zum Zweck der Extensivierung der Landnutzung nachweisen (1995, S. 25 ff.). Ebenso identifizieren sie die Effekte von Abwertungsmaßnahmen im Rahmen von Strukturanpassung sowie des gestiegenen Schuldendienstes als Determinanten der zusätzlichen Abholzung. In einer ebenfalls ökonometrischen Studie unter Einschluß aller Tropenwaldländer konnte BURGESS zwar einen Einfluß des Schuldendienstniveaus nicht nachweisen, fand aber heraus, daß der allgemeine wirtschaftliche Entwicklungsstand - gemessen am BSP per capita - den Druck auf das Land mitbestimmt (BARBIER und BURGESS, 1997). Unter den von SHAFIK untersuchten makroökonomischen Größen haben die Investitionsrate (definiert als Anteil der Kapitalneubildungsrate am BIP), die Bedeutung des internationalen Handels (Anteil des Wertes der totalen Importe und Exporte am BIP) sowie das Niveau der Energiepreise statistische Relevanz für die jährlichen Abholzungsraten. Den positiven Zusammenhang zwischen der Höhe der Investitionsrate und jährlichen Abholzungsraten deutet der Autor dahingehend, daß Waldressourcen sich zu physischen Investitionen komplementär verhalten, weswegen Volkswirtschaften mit hoher Investitionstätigkeit tendenziell stärker abholzen als solche mit niedriger Investitionstätigkeit. Hingegen steht der Stellenwert internationalen Handels in negativem Zusammenhang mit den Abholzungsraten - Länder mit einem hohen Anteil Handelstätigkeit üben tendenziell weniger Druck auf den Wald aus. Hinter dem unerwarteten Zusammenhang zwischen hohen Energiepreisen und geringen Abholzungsraten vermutet SHAFIK eine Gemeinsamkeits-


47

korrelation<44> mit anderen Größen wie z.B. allgemeinen Preisverzerrungen (SHAFIK, 1994a, S. 92 f.).

BARBIER beschreibt, wie die Profitabilität von Gummi Arabicum im Sudan durch die überbewertete Währung künstlich niedrig gehalten wird, was sich noch dadurch verstärkt, daß in der Produktion sehr wenig importierte Inputs verwendet werden. Der Gummi Arabicum-Gürtel im Norden des Sudan erfüllt bei der Vermeidung von Desertifikation und Bodendegradation eine wichtige Funktion. In Ghana hat die Abwertung der Währung in Kombination mit Produzentenpreiserhöhungen für Kakao vermutlich zwei Effekte gehabt: Einerseits haben Einkommenseffekte die armutsbedingte Inkulturnahme zusätzlicher marginaler Flächen reduziert; andererseits wurde durch die erhöhte Wirtschaftlichkeit des Kakaoanbaus der Anreiz für zusätzliche Produktion und die damit verbundene Rodung verstärkt (CONWAY und BARBIER, 1990 zitiert in BARBIER, 1997, S. 125). Zwei Studien kommen zu dem Ergebnis, daß höhere Holzpreise und erhöhte Gewinne in der Landwirtschaft zu zusätzlichen Baumpflanzungen und verstärkter Terrassierung geführt haben (EDER, 1981 und CLAY et al., 1995; zitiert in TEMPLETON und SCHERR, S. 47).


48

Tabelle 2-6: Empirische Studien zum Zusammenhang zwischen Preisen, makroökonomischen Größen und Abholzung

Quelle

Länder / Region

Methode

Ergebnis

Shafik (1994)

Ca. 70 Entwicklungsländer

Multivariate Analyse von FAO und anderen Daten, 1962-85

Zusammenhang zwischen BIP pro Kopf sowie Verschuldung und Abholzung nicht nachweisbar, aber zwischen Abholzung und
- Investitionsrate (positiver Zusammenhang),
- Anteil Handel an BIP (negativer Zusammenhang),
- Energiepreisen (negativer Zusammenhang)1).

Capistrano (1990)

45 Entwicklungsländer

Multivariate Regressionsanalyse mit IMF, FAO und UNEP-Daten

Determinanten Abholzung für verschiedene Perioden:

67-71: Wert Tropenholz (positiver Zusammenhang)

72-75: BIP pro Kopf und Selbstversorgungsgrad Getreide
(positiver Zusammenhang)

76-80: Höhe der Wechselkurs-Abwertungen
(positiver Zusammenhang)

Anfang 80er: Bevölkerungsdichte (positiver Zusammenhang)

Kahn und McDonald (1992)

55 Entwicklungsländer

2-stufige multivariate Regression mit Daten der FAO für 1981-85

Positiver Zusammenhang zwischen Verschuldung und Abholzung

Burgess (1991)

44 Entwicklungsländer

Multivariate Regressionsanalyse

Abholzung in Zusammenhang mit BIP pro Kopf, Schuldendienst [% an Exporten], Volumen der Rundholzproduktion, Volumen der Nahrungsmittelproduktion (alle: positiver Zusammenhang).

Katila (1992)

Thailand

Zeitreihenanalyse (?)

ZusammenhangAbholzung und niedriger Marktpreis für Bauholz (negativer Zusammenhang)

Panayotou und Sungsuwan (1994)

Nord-Ost Thailand

Empirische Schäzung von Nachfragemodellen

Zusammenhang Waldanteil und Holzpreise, Kerosinpreise (beide: negativer Zusammenhang)

1) Shafik quantifiziert die genannten Größen wie folgt:
Investitionsrate: Anteil der Kapitalneubildungsrate am BIP
Anteil des Handels am BIP: Anteil des Wertes der totalen Importe und Exporte am BIP
Energiepreise: Elektrizitätspreise.
Quelle: BROWN und PEARCE (1994)


49

Als Beispiel für den Einfluß des internationalen Handels auf Degradation wird von einigen Autoren die sogenannte cassava connection zwischen Indonesien, Thailand und der Europäischen Union genannt. Indonesien und Thailand konkurrieren um einen jeweils möglichst hohen Anteil an der EU-Importquote für Cassava. Um einen bestehenden Anteil an der Gesamtquote kurzfristig zu sichern, hat Indonesien einen wachsenden Anteil der Inlandsproduktion exportiert. Dies wiederum führte zu einer erhöhten Inlandsnachfrage, gestiegenen Inlandspreisen, verstärkter Rodung von Naturwald und der Expansion der Produktion auf Hanglagen auf Java.

In einer ganz anderen Art von Analysen wird versucht, den Einfluß ausgewählter Größen anhand theoretischer Modelle abzuleiten und teilweise auch empirisch zu quantifizieren. Bei der Formulierung der Modelle wird die Entscheidungssituation der einzelnen Landnutzer oder, aggregiert, der Gesellschaft annäherungsweise modellhaft dargestellt, wodurch grundsätzlich auch Rückschlüsse auf die Bedeutung verschiedener externer Einflußgrößen und ihrer Veränderung möglich sind. Gemäß dem Charakter der Ressource Boden als sich über die Zeit verändernder Produktionsfaktor stehen im Zentrum Modelle der dynamischen Optimierung (vgl. PERMAN et al., 1996, S. 116 ff.). Zu nennen sind hier auf der einen Seite dynamische oder mehrperiodische lineare Optimierungsmodelle (LP-Modelle)<45>. In der Arbeit von WAHBY, deren wesentliche Ergebnisse bereits im Zusammenhang mit den Hypothesen zur Wirkung von Preisrelationen auf Bodenerosion vorgestellt wurden (vgl. S. 36), untersucht der Autor auf der Grundlage eines LP-Modells den Einfluß veränderter Faktor- und Produktpreise auf Landnutzung und Bodenerosion für einen Modellbetrieb im Murang´a District in Kenia<46>. Die Erosionswirkungen verschiedener Landnutzungsalternativen werden in das Modell durch Erosionskoeffizienten integriert, welche auf Grundlage der USLE berechnet werden. Produkt- und Faktorpreise werden in verschiedenen Simulationsrechnungen parametrisiert, und der quantitative Einfluß veränderter Preise auf Betriebsorganisation, Anbaustruktur und Bodenerosion analysiert. WAHBY zeigt, daß Reaktionen der Landnutzer auf veränderte Preisrelationen durch Produktionsbeschränkungen und begrenzten Marktzugang weitgehend unterdrückt werden, so daß Preisänderungen allein kaum ein verändertes Erosionsniveau bewirken können (WAHBY, 1996, S. 168).

Stärker durchgesetzt haben sich auf der anderen Seite die aus der Ressourcenökonomie stammenden Modelle der optimalen Ressourcennutzung (optimal resource depletion


50

models), insbesondere Modelle der optimalen Kontrolle oder Steuerung<47>, die ebenfalls auf der intertemporalen Nutzenmaximierung basieren. Vorteile gegenüber den LP-Modellen sind, daß nicht-lineare Beziehungen einfacher in das Modell integriert werden können und daß Erosionsschäden bzw. ihre Vermeidung über den Bodenwert endogener Teil der Zielfunktion sind. Die modelltheoretischen Annahmen und abgeleiteten Ergebnisse zum Einfluß von Preisen von BARRETT wurden im vorigen Abschnitt vorgestellt - die empirische Prüfung seines Modells steht noch aus.

PENDER modelliert anhand eines neoklassischen Wachstumsmodells einen U-förmigen Zusammenhang zwischen der Intensivierung der Agrarproduktion und Investitionen landwirtschaftlicher Haushalts-Betriebs-Einheiten in natürliche Ressourcen unter Einbeziehung der langfristigen Bevölkerungsentwicklung (PENDER, 1998, S. 99 ff.). Auch dieses Modell bedarf noch einer empirischen Validierung. Des weiteren sind COXHEAD und JAYASURIYA anhand eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells, das die Wirtschaft eines Entwicklungslandes vereinfacht darstellt, den Auswirkungen handels- und steuerpolitischer Eingriffe auf Bodenerosion nachgegangen. Sie kommen zu dem Ergebnis, daß insbesondere eine Erhöhung direkter Exportsubventionen für Baumkulturen ebenso wie eine höhere direkte Besteuerung der Produktion einjähriger Kulturen zu einer Ausdehnung der Baumkulturfläche im Verhältnis zur Fläche mit einjährigen Kulturen führen und darüber zu verminderten Erosionsraten (COXHEAD und JAYASURIYA, 1995, S. 641).

Die genannten theoretisch abgeleiteten Modelle beruhen allerdings ausnahmslos auf Annahmen bzgl. des technischen Zusammenhangs zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten und Bodenerosion. Meist wird dieser Zusammenhang anhand der USLE oder von der USLE abgeleiteter Schätzgleichungen<48> quantifiziert, die Parameter der USLE gelten aber vorwiegend für nordamerikanische Verhältnisse. Hinzu kommen Annahmen zur Veränderung der Produktionsfunktion über die Zeit, d.h. insbesondere zu den technischen Relationen zwischen dem Einsatz von z.B. Oberboden als Produktionsfaktor und dem Ertrag über die Zeit, was insbesondere im Zusammenhang mit der monetären Bewertung des Bodens in einigen Modellen von Bedeutung ist. Wenig Informationen gibt es weiterhin bzgl. der tatsächlichen Substitutionsbeziehungen und deren Elastizitäten zwischen Boden und anderen Produktionsfaktoren, die oft als Annahmen im Modell spezifiziert sind (s. auch THAMPAPILLAI und ANDERSON, 1994, S. 295 und 309). Ein weiteres, ganz anders gelagertes Problem der dynamischen Optimierungs- und Wachstumsmodelle ist, daß nur eine recht begrenzte Anzahl von Variablen in die Modelle Eingang finden kann. Diese Variablen müssen vorab aufgrund theoretischer Überlegungen ausgewählt werden, und es ist nicht auszuschließen, daß wichtige Variablen unberücksichtigt bleiben.


51

2.4 Zusammenfassung

Insgesamt orientieren sich sowohl die theoretische Diskussion als auch die empirischen Studien zur Fragestellung an einzelnen Hypothesen über die Relevanz und die Wirkungsweise oft isoliert betrachteter anthropogener Erosionsdeterminanten. Eine zusammenhängende Theorie ist nicht zu erkennen. Für die vorliegende Arbeit unterstreicht dies erstens den bestehenden Forschungsbedarf hinsichtlich einer umfassenden, multivariaten empirischen Analyse zur Aufdeckung grundlegender Zusammenhänge. Zweitens impliziert das theoretische Defizit, daß die Substanz für die Ableitung eines strukturellen Modells nicht gegeben ist, so daß methodisch ökonometrischen Analyseverfahren der Vorzug zu geben ist. Die im Abschnitt 2.2 herausgearbeiteten, in der Literatur diskutierten Annahmen zur Wirkungsweise einzelner Erosionsdeterminanten sind dementsprechend nicht als Grundlage zu modellierender und zu verifizierender Arbeitshypothesen, sondern vielmehr als generelle Ausgangsbasis für die Definition von Indikatorvariablen für eine ökonometrische Analyse zu verstehen.

Die Tatsache, daß eine derartige Analyse bislang nicht durchgeführt wurde, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die bestehende Datengrundlage für Bodenerosion bis zu Beginn der 90er Jahre auf einzelne Standorte begrenzt war, darunter nur wenige in Entwicklungsländern. Auf welche Weise die erste globale Datengrundlage zur Bodendegradation - das Global Assessment of Soil Degradation (GLASOD) - als Basis einer umfassenden empirischen Analyse genutzt werden kann, ist Inhalt des folgenden Kapitels.


Fußnoten:

<3>

THAMPAPILLAI und ANDERSON bemerken: „The literature also reveals a tendency for the research on decision frameworks to be compartmentalized in terms of the various concepts...Hence, there is also a need for combining these concepts into a single decision framework, since the application of such a framework is more likely to yield a robust set of policies.“ (1994, S. 309).

<4>

Analog wurde später auch ein Modell für Winderosion, die Wind Erosion Equation aufgestellt.

<5>

Vgl. hierzu ERVIN und ERVIN, 1982, S. 277f., die eine Übersicht über die Forschungsarbeiten dieses Jahrzehnts geben. S. auch CAMBONI und NAPIER, 1994, S. 62ff.

<6>

BIOT et al. geben eine tabellarische Übersicht, s. BIOT et al., 1995, S. 2.

<7>

Weitere on-site Schäden sind z.B: Verluste an Jungpflanzen, Pestiziden und Terrassen. Welche Bodenqualitäten durch Erosion im einzelnen beeinträchtigt werden (Wasserhaltekapazität, Verlust organischer Substanz, Verminderung der Wurzelzone, etc.) wird z.B. bei YOUNG, 1978, S. 295, dargestellt.

<8>

Nach STOCKING wird Bodenproduktivität definiert als: „...the productive potential of the soil system that allows accumulation of energy in the form of vegetation.“ (STOCKING, 1984, S. 8).

<9>

Vgl. THAMPAPILLAI und ANDERSON, 1990, S. 11 ff. und 1994, S. 295 ff.; BARBIER und BISHOP, 1995, S. 133; REARDON und VOSTI, 1997a, S. 140.

<10>

Mit langfristig werden hier entsprechend der allgemeinen ökonomischen Definition Zeiträume von über 5 Jahren bezeichnet. Die angesprochenen Einflußgrößen werden häufig erst nach 10 bis 20 oder mehr Jahren wirksam. Im folgenden orientieren sich auch die Begriffe kurzfristig (<1 Jahr) und mittelfristig (1-5 Jahre) an den allgemeinen ökonomischen Definitionen, sind aber eher als Richtwerte und nicht als konkrete Zeiträume zu verstehen.

<11>

Vgl. z.B. PENDER (1998); KRAUTKRAEMER (1994); LIPTON (1997).

<12>

Zur Definition von Externalitäten vgl. z.B. PERMAN et al.: „An external effect, or externality for short, is said to occur when the production or consumption decisions of one agent affect the utility of another agent in an unintended way, and when no compensation is made by the producer of the external effect to the affected party.“ (1996, S. 95).

<13>

OTERO et al. bemerken hierzu: „To date, markets have been unsuccessful in allocating resources and generating ´sustainable´ behaviour because the problem does not lie in market mechanism per se, but in how the players are organized and how effective are the rules established to promote environmentally sound behavior.“ (OTERO et al., 1992, zitiert in MAY und BONILLA, 1997, S. 17). Vgl. auch HATZIUS, 1995, S. 1 ff., SCHMITT, 1994, S. 576 f.).

<14>

Vgl. z.B. WORLD BANK, 1992, S. 20, S. 64ff., S. 83ff.

<15>

Im Deutschen bzw. eingedeutschten Russischen kommt dem am ehesten die „Matriotschka“ gleich.

<16>

Als weiterführende Literatur sei z.B. verwiesen auf LARSON und BROMLEY (1990). Die Autoren fassen die theoretische Diskussion zusammen und zeigen anhand eines dynamischen Haushalts-Betriebsmodells, daß die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen modelltheoretisch nicht zu stärkerer Degradation führen muß als individuelle Nutzungsformen. THIESENHUSEN (1991) gibt eine Fülle von Beispielen für verschiedene Formen des Landbesitzes und möglichen Wirkungen auf Bodennutzung und Degradation gibt. In IFAD (1995) findet sich eine Übersicht für Afrika.

<17>

Im folgenden wird der Terminus Extensivierung im Sinne von Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche benutzt.

<18>

Als einzige langfristig wirksame Reaktion zur Verbesserung der Situation der Bevölkerung sieht MALTHUS selbst die Geburtenregelung (MALTHUS, 1803).

<19>

Die FAO schätzte 1988, daß im kommenden Jahrzehnt durchschnittlich nur noch weniger als 20 Prozent der Steigerung der Nahrungsmittelerzeugung durch Flächenextensivierung zustande kommen wird (FAO, 1988, zitiert in DE HAEN, 1998, S. 35), so daß Intensivierungsmaßnahmen und der Verkürzung der Brachezeiten die wesentliche Rolle zukommt.

<20>

Wiederum sind hier grundsätzlich Zeiträume von mehr als fünf Jahren gemeint; meist erstrecken sich die dargestellten Entwicklungen über eine Zeitspanne von über 10 Jahren.

<21>

BINSWANGER und RUTTAN (1978) sowie HAYAMI und RUTTAN (1985) entwickelten die Theorie weiter, insbesondere indem sie verschiedene Arten der Intensivierung in Abhängigkeit von den jeweiligen Faktorpreisrelationen aufzeigten. Die Theorie hat einen starken Bezug zur Farming Systems Research (vgl. RUTHENBERG, 1980).

<22>

Die Autoren beziehen sich mit dieser Aussage explizit auf BOSERUP (1965); HYDEN et al., (1993), RUTTAN und HAYAMI, (1991). Vgl. auch vgl. PINGALI und BINSWANGER, zitiert in TEMPLETON und SCHERR, 1997, S. 31.

<23>

Hier ist auch die externe Entwicklung von Innovationen, die nicht an die ökonomischen und ökologischen Verhältnisse angepaßt sind, zu nennen. Dieser Aspekt wird im Abschnitt (3.2.4) besprochen.

<24>

„..to the extent, that subsistence and largely non-market peasant farming dominates an economy´s agricultural sector, there will be powerful incentives for large family sizes. Additional children are valuable assets to the family...“ (PERMAN et al., 1996, S. 291).

<25>

MINK z.B. bemerkt: „Short horizons are not exclusive to the poor. There are circumstances under which relatively better-off farmers demonstrate short time horizons. Farmers in the United States in the early 1980s labored under heavy debt burdens exacerbated by high interest rates and declining prices, and frequently responded by expanding cultivation to soils susceptible to erosion, and reducing fertilizer and soil amendment costs. The threat of policy changes can also induce accelerated harvesting of natural resources by commercial managers. The prospect of new restrictions on logging and log exports has contributed to the acceleration of commercial logging on private land in locations as diverse as the northwest of the United States and Malaysia. Thus, short time horizons are not restricted to the poor; but the specific circumstances that lead to them are quite different, and imply different policy solutions.“ (MINK, 1993, S. 13; vgl. auch: WINTERS, 1990, S. 256).

<26>

Die Weltbank definiert Armut in ihrem Weltentwicklungsbericht 1990 als „die Unfähigkeit, einen Mindest-Lebensstandard zu erreichen“ (WORLD BANK, 1990, S. 31). Diese knappe, prägnante Definition basiert auf dem sogenannten Ressourcenansatz und orientiert sich an dem Konzept der absoluten Armut, das Armutsvergleiche zwischen verschiedenen Ländern und Regionen erleichtert (s. SAUTTER und SERRIES, 1993, S. 9 und 15). Der Ressourcenansatz geht von den einem Individuum oder Haushalt zur Verfügung stehenden (materiellen) Ressourcen aus, die eine potentielle Versorgungslage charakterisieren.

<27>

Bei den erweiterten Definitionen von Armut wird meist das Konzept der powerlessness benutzt. Vgl. SAUTTER und SERRIES, 1993, S. 15ff.

<28>

Diese Form von Armut ist jedoch noch standortabhängiger und schwerer quantitativ zu erfassen als herkömmliche Armutsmaßstäbe: „...the cutoff point for conservation-investment poverty is site-specific, a function of local labor and non-labor inputs costs and of the types of investments that are needed for the particular environmental problems or risks faced.“ (REARDON und VOSTI, 1997, S. 52).

<29>

Vgl. WORLD BANK, 1992, S. 39 ff.; PERMAN et al., 1996, S. 302 ff.; STERN et al., 1996, S. 1151 ff.; MÄLER, 1998, S. 264; ARROW et al., 1995, S. 520; KUZNETS, 1966.

<30>

STERN et al. kritisieren die Kuznets-Annahmen und Methodik und zeigen anhand ökonometrischer Studien, daß der Wachstumsoptimismus, den die Kurven implizieren, gerade für Entwicklungsländer keineswegs berechtigt ist (STERN et al., 1996, S. 1151ff). Die Hauptkritikpunkte sind: (i) Die Funktion der Umwelt als Produktionsressource und (ii) der Effekt zunehmenden Handels auf die Umwelt bleiben unberücksichtigt; (iii) es wird angenommen, daß Einkommen weltweit normalverteilt ist; (iv) die Emissionsproblematik wird auf die allgemeine Umweltsituation oder ganz andere Umweltprobleme übertragen; (v) es bestehen große Daten- und Aggregationsprobleme. In einem appellähnlichen Artikel warnen ARROW und zehn weitere führende Umweltexperten vor den Gefahren einer blinden Kuznets-Kurven-Wachstumsgläubigkeit (1995, S. 520).

<31>

Vgl. BECKER und LEWIS (1974) und SCHULTZ (1981), zitiert in LIPTON, 1997, S. 80.

<32>

“Managing the land resource in conditions of climatic variablity, population pressure and low incomes is a severe challenge for a society, but it´s ability to do so requires attributes that are part and parcel of the whole process which we term development.“ (ENGLISH et al., 1994, S. 74).

<33>

Andere Autoren differenzieren nach direkter / indirekter Agrarpolitik. Letzere zielt auf andere Sektoren oder die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ab, wirkt aber auch auf den Agrarsektor (HERRMANN, 1993, S. 862).

<34>

Der FAO-Bericht „The State of Food and Agriculture - World and Regional Reviews - Agricultural Policies and Issues: Lessons from the 1980s and Prospects for the 1990s“ (1992) enthält eine umfassende Darstellung der Agrarpolitiken in Entwicklungsländern in den vergangenen Jahrzehnten. Vgl. auch GORN et al. (1993) und HERRMANN (1994).

<35>

Abgesehen davon wird in der Literatur auf vorwiegend externe Umweltschäden, die durch einen überhöhten Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden hervorgerufen werden, hingewiesen (vgl. z.B. CLEAVER und SCHREIBER, 1994, S. 157).

<36>

Seine Modelle der optimalen Steuerung basieren auf dem Modell von McCONNELL (1983). In ähnlicher Weise argumentieren auch TEMPLETON und SCHERR (1997, abstract).

<37>

Der Begriff Erosivität ist in der Bodenkunde definitorisch besetzt durch die Niederschlagserosivität. Hier sind eher umgangssprachlich die Bedeckungseigenschaften verschiedener Kulturen und die Erosionsgefährdung unterschiedlicher Formen der Tierhaltung gemeint.

<38>

Weitere Beispiele für partielle und allgemeine Gleichgewichtsmodelle sind: WADE und HEADY (1977); HOEHN (1994).

<39>

In den USA vor allem für die Produkte Zucker, Tabak und Baumwolle, in Japan für Reis.

<40>

In den Jahren 1973 bis 1977, die von der ersten Ölkrise und hohen Inflationsraten geprägt waren, kam es zu real negativen Zinssätzen.

<41>

WALKER berechnete den Zeitraum, in dem bei angenommenen erosionsbedingten Ertragsverlusten und einer bestimmten privaten Diskontrate die diskontierten Gewinne erosiver Produktion über denen bodenschonender Produktion liegen. Bei einer Diskontrate von 2 Prozent umfaßt dieser Zeitraum etwa 60 Jahre, bei einer Diskontrate von 8 Prozent steigt er auf rd. 200 Jahre an (WALKER, 1982, zitiert in ANDERSON und THAMPAPILLAI, 1990, S. 12).

<42>

Hier wird zurückgegriffen auf eine sehr aktuelle, umfassende Übersicht über empirische Studien zum Thema mit Schwerpunkt auf bergigen Regionen von TEMPLETON und SCHERR (1997) sowie auf eine Zusammenstellung der wichtigsten Abholzungs-Studien von BROWN und PEARCE (1994).

<43>

STERN et al. fassen die Ergebnisse der relevantesten empirischen Kuznets-Regressionsschätzungen zusammen. Die Autoren der entwicklungsländerbezogenen Studien sind: SHAFIK und BANDYOPADHYAY (1992); PANAYOTOU (1993); CROPPER und GRIFFITHS (1994).

<44>

Gemeinsamkeitskorrelation bezeichnet eine formale Korrelation zwischen zwei Größen, die nicht direkt in Zusammenhang stehen, aber über eine dritte Größe, mit der jede einzelne von ihnen korreliert ist, formal in Zusammenhang stehen (KÖHLER et al., 1984, S. 52).

<45>

MORGENROTH z.B. gibt eine systematische Übersicht über verschiedene Möglichkeiten, Bodenerosion und Bodenschutz in lineare Optimierungsmodelle zu integrieren. Die verschiedenen Ansätze unterscheiden sich in der Zielsetzung, ihren Annahmen, dem Modelltyp, der Art der Integration des Bodenschutzes und vor allem in den Datenerfordernissen (1992, S. 40 ff.).

<46>

Weitere Autoren, die Bodenerosion und -schutz in LP-Modelle integrieren, sind: SCHACH (1987), WERNER (1989), SCHMIDTLEIN (1990), JAROSCH (1990), MORGENROTH (1992).

<47>

Bei PERMAN et al. (1996) findet sich eine vergleichende Darstellung verschiedener Ressourcenextraktionsmodelle. Beispiele für derartige Modelle sind die von McCONNELL (1983), GOETZ (1997), POPE et al. (1983) und BARRETT (1991).

<48>

Ein Beispiel ist die für Kenia modifizierte USLE (FAO, 1991).


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