Otto, Grit: Untersuchungen zur postnatalen Gebißentwicklung beim Berliner Miniaturschwein

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Kapitel 1. Einleitung und Aufgabenstellung

Das Schwein hat außer der hauptsächlich landwirtschaftlichen Nutzung, neben den gebräuchlichen Modelltieren wie Mäusen, Ratten und Meerschweinchen, in Form der Miniaturschweinerassen einen festen Platz in der experimentellen Forschung erhalten. Aufgrund der Ähnlichkeiten morphologischer und funktioneller Merkmale mit dem menschlichen Organismus, z.B. des Herzens, der Nieren, des Magen-Darm-Kanals, der Zahnentwicklung und -morphologie, der Morphologie der Haut und der Reaktion auf Transplantate, bieten sich Schweine für verschiedene Forschungszwecke an. Die Eignung des Schweines für die Bearbeitung von zahnmedizinischen Fragestellungen, insbesondere kieferorthopädischen, parodontologischen und implantologischen, wurde in den Veröffentlichungen von WEAVER et al. (1962), MOUNT und INGRAM (1971), OTTO (1987) und OTTO et al. (1994) sowohl anhand eigener Untersuchungen als auch durch die Darstellung vieler anderer Forschungen auf zahnmedizinischem Gebiet bestätigt.

Aufgabe des Tierzüchters ist es, ein Tiermodell bereitzustellen, das eine rationelle und qualitativ hochwertige Anwendung gewährleistet. Das erfordert eine genaue Charakterisierung und Typisierung des Modelltieres sowie die Reproduzierbarkeit der Merkmale. Der Züchter muß die Modelltierpopulation ständig überwachen und den Erfordernissen der Forschung entsprechend züchterisch bearbeiten. Für einen Einsatz des Schweines als Modelltier in der Zahnmedizin sind grundlegende Kenntnisse über den Kauapparat, wie Aufbau, Form und Entwicklung der Zähne, Dentition, Okklusion und Wachstum sowie die Vererbung von Gebißmerkmalen notwendig. Der Aufbau und die Form der Zähne des Schweines sind von RIPKE (1964), HABER-MEHL (1975), THAVALINGHAM (1983), NICKEL et al. (1987), KOCH und BERG (1990) umfassend beschrieben worden. Die Entwicklungsstadien des Zahnes beim Durchbruch wurden von BODEGOM (1969), WEAVER et al. (1966, 1969), McKEAN et al.(1971) veröffentlicht.

Angaben zur Dentition, über die Reihenfolge und den Zeitpunkt des Durchbruchs der Zähne sowie des Zahnwechsels sind in der Literatur vielfach zu finden, aber insbesondere die Angaben zum Zeitpunkt des Durchbruchs der Milch- und Dauerzähne sind für zahnmedizinische Untersuchungen nicht brauchbar, da die Gewinnung der Werte den heutigen wissenschaftlichen Anforderungen nicht entspricht.

Ebenso verhält es sich mit den Okklusionsbeziehungen, die zwar in der Literatur erwähnt werden, aber zahnmedizinischen Ansprüchen nicht genügen.


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Statistische und populationsgenetische Untersuchungen zu Gebißmerkmalen sind in geringem Umfang u.a. von THAVALINGHAM (1983), NGARWATE (1984) veröffentlicht worden.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Gebißbereich einer geschlossenen Population des Berliner Miniaturschweines zu analysieren und damit zum einen den Kenntnissen über das Schweinegebiß weitere wichtige Grundlagen hinzuzufügen und zum anderen genetischzüchterische Anhaltspunkte für die Bereitstellung eines standardisierten Modelltieres zu schaffen.

In den Untersuchungen zur Dentition sollen die Reihenfolge des Durchbruchs der einzelnen Zähne im Ober- und Unterkiefer, die Größe des Durchbruchintervalles vom Sichtbarwerden der Krone in der Alveole bis zum Erreichen der Okklusionsebene sowie Abweichungen in der Zahnzahl in einer Querschnittsuntersuchung in der Hauptentwicklungsphase des Schädels erfaßt werden.

Einer ausführlichen Studie werden die Okklusionsverhältnisse im Front-, Eck- und Seitenzahngebiet unterzogen, die nach den kieferorthopädischen Diagnostikmethoden des Menschen bestimmt werden.

Die ebenfalls zu untersuchenden Einflüsse von Eberlinien und Sauenfamilien, sowie die Auswirkungen von Inzucht- und Rückkreuzungsverpaarungen auf die Dentition und Okklusionsbeziehungen sollen Hinweise auf genetischzüchterische Einflüsse und die züchterische Weiterentwicklung der Population geben.

Die genaue Charakterisierung des Gebisses des Berliner Miniaturschweines und zulässige Verallgemeinerungen bezüglich der Gebisse anderer Haus- und Miniaturschweinerassen können die Grundlage für den weiteren Einsatz in der zahnmedizinischen Forschung bilden.

Mögliche Auswirkungen von Anomalien auf die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Kauapparates in der konventionellen Schweinehaltung werden diskutiert.


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