Otto, Grit: Untersuchungen zur postnatalen Gebißentwicklung beim Berliner Miniaturschwein

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Kapitel 4. Ergebnisse

4.1. Dentition

4.1.1. Dentition innerhalb der Altersgruppen

- Altersgruppe: ein Tag (8 Schädel)
Bei den einen Tag alten Tieren (Tab. 3) befinden sich der dritte Milchschneidezahn und der Milcheckzahn beider Kiefer in Okklusion. Der erste Milchschneidezahn beginnt im Oberkiefer durchzubrechen und hat im Unterkiefer bis auf eine Ausnahme das zweite Durchbruchstadium erreicht. Der zweite Milchprämolar beginnt im Oberkiefer bei allen und im Unterkiefer bei 75 Prozent der Schädel durchzubrechen. In der ersten Durchbruchphase befinden sich der dritte und vierte Milchprämolar im Ober- und Unterkiefer bei allen Schädeln.

Tab. 3: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien einen Tag alter Tiere

- Altersgruppe: ein Monat (10 Schädel)
In dieser Altersgruppe (Tab. 4) ist der erste Milchschneidezahn im Durchbruch oder hat die Okklusionsebene bereits erreicht. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen Ober- und Unterkiefer in der Anzahl der Fälle in den jeweiligen Stadien. Der zweite Milchschneidezahn beginnt durchzubrechen, was aber im Unterkiefer nur bei 70 Prozent der Schädel der Fall ist. Bei allen Schädeln dagegen befinden sich der dritte Milchschneidezahn und der Milcheckzahn im Ober- und Unterkiefer in Okklusion. Im Oberkiefer ist bei 60 Prozent der Schädel bereits der Beginn des Durchbruchs des ersten Prämolaren zu erkennen. Der zweite Milchprämolar beginnt bei allen Schädeln


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sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer durchzubrechen. Während im Oberkiefer der dritte Milchprämolar bei allen Schädeln die Okklusionsebene erreicht hat, befindet er sich im Unterkiefer in der zweiten Durchbruchphase oder beginnt durchzubrechen. Der vierte Milchprämolar befindet sich dagegen im Oberkiefer in der ersten bzw. zweiten Durchbruchphase, währenddessen er sich im Unterkiefer im zweiten Durchbruchstadium befindet oder die Okklusionsebene bereits erreicht hat.

Tab. 4: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien einen Monat alter Tiere

(1) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: zwei Monate (10 Schädel)
Der erste Milchschneidezahn hat in dieser Altersgruppe (Tab. 5) bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer die Okklusionsebene erreicht. Der zweite Milchschneidezahn beginntdurchzubrechen und befindet sich im Unterkiefer bei 70 Prozent der untersuchten Schädel in der zweiten Phase des Durchbruchs. Der dritte Milchschneidezahn sowie der Milcheckzahn befinden sich bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer in Okklusion. Der Beginn des Durchbruchs des ersten Prämolaren wurde im Oberkiefer bei allen Schädeln und in einem Fall im Unterkiefer festgestellt. Der zweite Milchprämolar befindet sich in der ersten bzw. im Oberkiefer zu 50 Prozent in der zweiten Durchbruchphase. Im Oberkiefer ist der dritte Milchprämolar bei allen Schädeln in Okklusion, was im Unterkiefer bei 90 Prozent der Schädel der Fall ist. Der vierte Milchprämolar dagegen hat bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer die Okklusionsebene erreicht.


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In dieser Altersgruppe ist im Unterkiefer der Beginn des Durchbruchs des ersten Molaren zu erkennen.

Tab. 5: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien zwei Monate alter Tiere

(1) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: drei Monate (12 Schädel)
Der erste und dritte Milchschneidezahn sowie der Milcheckzahn befinden sich bei allen Schädeln dieser Altersgruppe (Tab. 6) im Ober- und Unterkiefer in Okklusion. Der zweite Milchschneidezahn befindet sich im Oberkiefer bis auf eine Ausnahme im zweiten Durchbruchstadium. Im Unterkiefer hat dieser Zahn dagegen zu 42 Prozent die Okklusionsebene bereits erreicht. Der erste Prämolar ist im Oberkiefer bei allen Schädeln im ersten Durchbruchstadium, während er im Unterkiefer nur zu 17 Prozent in dieser Durchbruchphase auftritt. Der zweite Milchprämolar hat im Oberkiefer bei allen Schädeln die Okklusionsebene erreicht. Im Unterkiefer beginnt bei 57 Prozent der Schädel der Durchbruch dieses Zahnes und befindet sich bei den anderen Schädeln in der zweiten Phase des Durchbruchs. Bei allen Schädeln konnte sowohl im Ober als auch im Unterkiefer beim dritten und vierten Milchprämolaren das Erreichen der Okklusionsebene festgestellt werden. Im Unterkiefer sowie bis auf eine Ausnahme im Oberkiefer, beginnt der Durchbruch des ersten Molaren.


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Tab. 6: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien drei Monate alter Tiere

(1) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an,bei denen das jeweilige Durchbruchsstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: vier Monate (25 Schädel)
Bei den Schädeln vier Monate alter Tiere (Tab. 7) sind der erste und der dritte Milchschneidezahn und der Milcheckzahn bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer in Okklusion. Im Oberkiefer beginnt bereits der dritte Schneidezahn bei 16 Prozent und der bleibende Eckzahn bei 12 Prozent der untersuchten Schädel durchzubrechen. Der zweite Milchschneidezahn hat zu 68 Prozent im Oberkiefer und bis auf eine Ausnahme im Unterkiefer die Okklusionsebene erreicht. In dieser Altersgruppe konnte in keinem Unterkiefer das Vorhandensein des ersten Prämolaren festgestellt werden. Im Oberkiefer befindet sich dieser Zahn zu Beginn des Durchbruchs und in einem Fall währenddessen. Bei zwei Schädeln wurde jeweils einseitig keine dieser Entwicklungsstufen festgestellt. Der zweite Milchprämolar hat im Oberkiefer und bis auf zwei Schädel im Unterkiefer die Okklusionsebene erreicht. Der dritte und vierte Milchprämolar befinden sich bei allen Schädeln sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer in Okklusion. Der erste Molar beginnt bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer durchzubrechen.


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Tab. 7: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien vier Monate alter Tiere

(1) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: 6,5 Monate (20 Schädel)
Der erste Milchschneidezahn befindet sich bei allen Schädeln dieser Altersgruppe (Tab. 8) im Ober- und Unterkiefer in Okklusion. Der zweite Milchschneidezahn hat bei llen Schädeln im Unterkiefer und bis auf eine Ausnahme im Oberkiefer die Okklusionsebene erreicht. Der dritte Milchschneidezahn beginnt sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer auszufallen. Sein Nachfolger hat bei 75 Prozent der Schädel im Oberund Unterkiefer das erste Durchbruchstadium erreicht und befindet sich einmal im Ober- und bei zwei Schädeln im Unterkiefer im zweiten Durchbruchstadium. Der Milcheckzahn ist bei allen Schädeln in Okklusion und der bleibende Eckzahn beginnt bei 75 Prozent der Schädel im Oberkiefer und zu 30 Prozent im Unterkiefer durchzubrechen. Der erste Prämolar hat bei der Hälfte der Tiere dieser Altersgruppe die Okklusionsebene erreicht. Der andere Teil befindet sich in der zweiten Phase des Durchbruchs oder beginnt bei zwei Schädeln durchzubrechen. In dieser Altersgruppe treten bei zwei Schädeln untere erste Prämolaren in der zweiten Durchbruchphase auf. Pd2, Pd3 und Pd4 befinden sich bei allen Schädeln in beiden Kiefern in Okklusion. Der erste Molar hat im Unterkiefer bei allen Schädeln und im Oberkiefer bei 90 Prozent der


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Schädel die Okklusionsebene erreicht. Der zweite Molar beginnt im Unterkiefer bei 90 Prozent und im Oberkiefer bei der Hälfte der untersuchten Schädel durchzubrechen.

Tab. 8: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien 6,5 Monate alter Tiere

(1) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: 7,5 Monate (18 Schädel)
In dieser Altersgruppe (Tab. 9) befinden sich der erste und zweite Milchschneidezahn im Ober- und Unterkiefer bei allen Schädeln in Okkulsion. Der dritte Milchschneidezahn ist im Unterkiefer bei 55 Prozent der Schädel und im Oberkiefer bei bis auf eine Ausnahme vorhanden. Bei 83 Prozent der untersuchten Schädel im Ober- und 89 Prozent im Unterkiefer beginnt der dritte bleibende Schneidezahn durchzubrechen und befindet sich im Unterkiefer bei zwei Schädeln im zweiten Durchbruchstadium. Der Milcheckzahn ist bei allen Schädeln in Okklusion. Sein Nachfolger beginnt zu 61 Prozent im Ober- und zu 39 Prozent im Unterkiefer durchzubrechen. Der erste Prämolar im Oberkiefer hat bei den meisten Schädeln die Okklusionsebene erreicht. Im Unterkiefer tritt dieser Zahn bei zwei Schädeln in der ersten und bei drei Schädeln in der zweiten Phase des Durchbruchs auf. Pd2, Pd3 und Pd4 und der erste Molar im Unterkiefer befinden sich bei allen Schädeln in Okklusion. Im Oberkiefer hat bis auf


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einen Schädel der erste Molar ebenfalls die Okklusionsebene erreicht. Der zweite Molar beginnt bei 55 Prozent der Schädel im Ober- und 89 Prozent im Unterkiefer durchzubrechen.

Tab. 9: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien 7,5 Monate alter Tiere

- Altersgruppe: zehn Monate (16 Schädel)
Der erste und zweite Milchschneidezahn befinden sich bei allen zehn Monate alten Tieren (Tab. 10) in Okklusion. Der dritte Milchschneidezahn ist im Oberkiefer noch zu 44 Prozent und im Unterkiefer nicht mehr vorhanden. So hat sein Nachfolger im Unterkiefer zu 81 Prozent die Okklusionsebene erreicht, während er sich im Oberkiefer in der ersten oder zweiten Durchbruchphase befindet. Der Milcheckzahn ist bei drei Schädeln im Oberkiefer und in einem Fall im Unterkiefer noch vorhanden und sein Nachfolger beginnt bei allen Schädeln im Ober- und zu 75 Prozent im Unterkiefer durchzubrechen. Der erste Prämolar des Oberkiefers hat bei allen Schädeln die Okklusionsebene erreicht. In dieser Altersgruppe wurde bei keinem Schädel ein Vorhandensein des unteren ersten Prämolaren festgestellt. Der zweite, dritte, vierte Milchprämolar und der erste Molar befinden sich in Okklusion. Der zweite Molar beginnt durchzubrechen.


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Tab. 10: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien zehn Monate alter Tiere

(1 ) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: 14 Monate (9 Schädel)
In dieser Altersgruppe (Tab. 11) ist der erste Milchschneidezahn bei zwei Schädeln im Ober- und in einem Fall im Unterkiefer vorhanden. Sein Nachfolger tritt in beiden Kiefern in allen drei Durchbruchstadien auf. Der zweite Milchschneidezahn befindet sich bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer in Okklusion. Der beginnende Durchbruch des bleibenden zweiten Schneidezahnes wurde bei einem Schädel im Unterkiefer festgestellt. Der dritte Schneidezahn hat bei allen Schädeln in beiden Kiefern die Okklusionsebene erreicht. Der Eckzahn befindet sich in beiden Kiefern im zweiten und dritten Durchbruchstadium, wobei aber die Häufigkeit des Auftretens unterschiedlich ist. Der erste Prämolar befindet sich bei allen Schädeln im Oberkiefer und in drei Fällen im Unterkiefer in Okklusion. Der zweite Milchprämolar tritt im Unterkiefer bei allen Schädeln und im Oberkiefer mit einer Ausnahme auf. Sein Nachfolger beginnt im Oberkiefer bei vier Schädeln durchzubrechen. Der dritte Milchprämolar befindet sich im Oberkiefer noch zu 67 Prozent und im Unterkiefer bei allen Schädeln in Okklusion. Der dritte Prämolar befindet sich im Oberkiefer im zweiten und dritten Durchbruch-


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stadium und beginnt im Unterkiefer bei fünf Schädeln durchzubrechen. Der vierte Milchprämolar ist bei allen Schädeln im Ober- und zu 78 Prozent im Unterkiefer vorhanden. Sein Nachfolger beginnt durchzubrechen. Bei allen Schädeln befindet sich der erste Molar in Okklusion. Der zweite Molar tritt im Oberkiefer in allen Durchbruchstadien auf. Im Unterkiefer befindet er sich in der zweiten Durchbruchphase oder hat die Okklusionsebene erreicht. Im Unterkiefer zeigt sich bei 44 Prozent der untersuchten Schädel der Beginn des Durchbruchs des dritten Molaren.

Tab. 11: Anzahl der Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien 14 Monate alter Tiere

(1 ) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

- Altersgruppe: 20 Monate und älter (13 Schädel)
In dieser Altersgruppe (Tab. 12) befinden sich in beiden Kiefern der erste und dritte Schneidezahn, der Eckzahn, der zweite, dritte und vierte Prämolar und der erste und


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zweite Molar in Okklusion. Bei drei Schädeln ist der zweite Milchschneidezahn im Oberkiefer noch vorhanden und sein Nachfolger hat in zwei Fällen die Okklusionsebene nicht erreicht. Bei zwei der untersuchten Schädel befindet sich auch der vierte Prämolar im Oberkiefer nicht in Okklusion. Der dritte Molar beginnt bei allen Schädeln im Ober- und Unterkiefer durchzubrechen. Der einzige untere erste Prämolar, der in dieser Altersgruppe festgestellt wurde, befindet sich in der zweiten Durchbruchphase.

Tab. 12: Schädel mit den jeweiligen Zähnen in den einzelnen Durchbruchstadien bei über 20 Monate alten Tieren

(1) Zahl in Klammern gibt Anzahl der Schädel an, bei denen das jeweilige Durchbruchstadium des Zahnes einseitig auftritt

4.1.2. Zahndurchbruch und -wechsel in der untersuchten Population

Die gewonnenen Zeitangaben zum Erreichen der verschiedenen Durchbruchstadien in den Altersgruppen erbrachten die Daten zum Durchbruch der Milch- und Dauerzähne in der untersuchten Population des Berliner Miniaturschweines. Dabei wurde festgestellt, daß der Milcheckzahn und der dritte Milchschneidezahn im Ober- und Unterkiefer bereits bei Geburt in Okklusion sind.


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Im Frontzahngebiet folgt der erste Milchschneidezahn im ersten bis zweiten Monat. Dabei erreicht dieser Zahn im Unterkiefer eher die Okklusionsebene als im Oberkiefer, da Id1 im Unterkiefer im ersten Monat öfter die Okklusionsebene erreicht hat und sich am ersten Lebenstag im zweiten Durchbruchstadium befindet.

Der Zahndurchbruch setzt sich im Bereich der Frontzähne mit dem zweiten Milchschneidezahn fort, der aber im Gesamtgeschehen als letzter Zahn des Milchgebisses, nämlich im Oberkiefer zwischen vier und 6,5 und im Unterkiefer zwischen drei und vier Monaten, die Okklusionsebene erreicht. Dieser Zahn wurde schon im ersten Lebensmonat im ersten Durchbruchstadium gefunden.

Noch vor dem ersten Milchschneidezahn tritt im ersten Monat der dritte Milchprämolar im Oberkiefer in Okklusion. Ungefähr zeitgleich mit dem ersten Milchschneidezahn im Oberkiefer erreicht der vierte Milchprämolar im Unterkiefer vom ersten bis zweiten Monat die Okklusionsebene. Danach kommen der dritte Milchprämolar im Unterkiefer und der vierte Milchprämolar im Oberkiefer im zweiten Monat zur Okklusion. Der dritte Milchprämolar erreicht demnach im Oberkiefer und der vierte Milchprämolar im Unterkiefer beim Berliner Miniaturschwein zuerst die Okklusionsebene. Der zweite Milchprämolar befindet sich zuerst im Oberkiefer im dritten Monat und dann im Unterkiefer im vierten Monat in Okklusion. Alle drei Milchprämolaren sind bei den einen Tag alten Schädeln bereits sichtbar.

Das vollständige Milchgebiß, mit dem Erreichen der Okklusionsebene aller Milchzähne, ist bei der Hälfte der untersuchten Schädel vier Monate alter Tiere vorhanden. Dabei hat beim größten Teil der Schädel der zweite Milchschneidezahn und in zwei Fällen der zweite Milchprämolar die Okklusionsebene nicht erreicht. Am Schädel eines Inzuchttieres wurde sowohl beim zweiten Milchschneidezahn, als auch beim zweiten Milchprämolaren ein Nichterreichen der Okklusionsebene beobachtet. Nur in einem Fall ist der zweite Milchschneidezahn in beiden Kiefern nicht vollständig herausgewachsen.

Der erste bleibende Zahn, der beim Berliner Miniaturschwein die Okklusionsebene erreicht, ist der erste Molar. Im Unterkiefer wurde er im Alter von 6,5 Monaten und im Oberkiefer in den Altersgruppen 6,5 und 7,5 Monate in Okklusion gefunden. Dabei beginnt der erste Molar im zweiten (UK) bzw. im dritten Monat (OK) durchzubrechen.

Als nächster folgt der erste obere Prämolar, dessen beginnender Durchbruch im ersten Lebensmonat beobachtet werden konnte und bei Schädeln von Tieren zwischen 6,5 und 8,5 Monaten zur Okklusion kommt. Der jüngste untersuchte Schädel, der einen P1 im Unterkiefer in Okklusion aufweist, gehört zu einem neun Monate alten Tier. Der dritte Schneidezahn erreicht beim Berliner Miniaturschwein frühestens mit zehn


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Monaten und bei allen Schädeln 14 Monate alter Tiere die Okklusionsebene. Dabei erreicht er im Unterkiefer etwas eher als im Oberkiefer die Okklusionsebene, obwohl der Durchbruch im Oberkiefer eher beginnt (4. Mon.) als im Unterkiefer (6,5 Mon.). Bei Schädeln 14 Monate alter Berliner Miniaturschweine ragt der Eckzahn teilweise, aber im Unterkiefer etwas öfter als im Oberkiefer über die Okklusionsebene hinaus, wobei sich der beginnende Durchbruch zum selben Zeitpunkt wie bei I3 zeigt.

Ebenfalls im Alter von 14 Monaten befinden sich die zweiten Molaren, deren Durchbruch mit 6,5 Monaten beginnt, im Ober- und Unterkiefer und der erste Schneidezahn teilweise im Unterkiefer und in einem Fall im Oberkiefer in Okklusion. In der Altersgruppe über 20 Monate, wobei der jüngste Schädel von einem 20 Monate alten Tier stammte, sind diese Zähne in jedem Fall in Okklusion.

I2, P2, P3 sowie P4 in beiden Kiefern haben im Alter von 14 Monaten in keinem Fall die Okklusionsebene erreicht. Die drei genannten Prämolaren befinden sich in unterschiedlichen Durchbruchstadien (Abb. 17 - 20) oder sind noch nicht sichtbar.

Der zweite Schneidezahn bricht in der untersuchten Population des Berliner Miniaturschweines im permanenten Gebiß als vorletzter Zahn vor dem dritten Molaren durch, denn er okkludiert nicht bei allen Schädeln der Altersgruppe über 20 Monate.

Die vierten Prämolaren, die bei zwei Schädeln der Altersgruppe über 20 Monate jeweils einseitig die Okklusionsebene nicht erreicht haben, werden durch Zahnstellungsanomalien behindert. Dabei handelt es sich in einem Fall um einen Engstand, d.h. die Nachbarzähne (P3, M1) stehen so eng, daß P4 nicht genügend Platz hat, um vollständig aus der Alveole herauszutreten. Der andere Schädel weist eine Kippung und Drehung des P4 auf, so daß dieser Zahn nicht gerade aus seiner Alveole kommt und dadurch nicht vollständig herauswachsen kann. Beide Schädel sind unter Punkt 4.2.2 abgebildet.

Bei keinem der Schädel, bei denen die ältesten über 40 Monate alt sind, ist die Krone des dritten Molaren vollständig aus der Alveole herausgetreten. Es wurde beobachtet, daß sich die jeweils paarweise angeordneten Höcker im Unterkiefer sowie die vier paarweise angeordneten und der fünfte Höcker im Oberkiefer in unterschiedlichen Durchbruchstadien befinden. Dabei sind die jeweils mesialer liegenden Höcker weiter aus der Alveole herausgetreten oder befinden sich in Okklusion. Außerdem wurde festgestellt, daß sich der untere M3 in keinem Fall in einem späteren Durchbruchstadium befindet als im Oberkiefer.

Die aus der Betrachtung der Altersgruppen resultierenden Zeitangaben zum Erreichen der Okklusionsebene der einzelnen Zähne für die untersuchte Population des Berliner Miniaturschweines sind in Tabelle 13 zusammenfassend dargestellt. Die Altersgrup-


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Abb. 17: Prämolarenwechsel rechts, Nr. A28, 14 Monate

Abb. 18: Prämolarenwechsel links, Nr. A28, 14 Monate


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Abb. 19: Prämolarenwechsel links, Nr. A91, 14 Monate

Abb. 20: Prämolarenwechsel rechts, Nr. A91, 14 Monate


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peneinteilung ließ nicht in jedem Fall eine Feststellung des Zeitpunktes des Erreichens der Okklusionsebene zu.

Tab. 13: Zeitpunkte der Feststellung des Erreichens der Okklusionsebene der Milch- und Dauerzähne in der untersuchten Population in Monaten

Bezüglich eines Geschlechtsunterschiedes bei der Zahnentwicklung wurden vier und 6,5 Monate alte männliche und weibliche Tiere miteinander verglichen (Tab. 14). Dabei zeigen die männlichen Tiere einen höheren Anteil an Zähnen in den jeweiligen Durchbruchstadien.

Tab. 14: Prozentualer Anteil an Zähnen in den jeweiligen Durchbruchstadien bei weiblichen und männlichen Tieren zweier Altersgruppen


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4.1.3. Vergleich der Durchbruchzeiten der Zähne von Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstieren

Ein Vergleich des Durchbruchverhaltens der Zähne zwischen Rein- und Inzuchtminiaturschweinen wurde bei vier Monate alten Tieren und zwischen 6,5 Monate alten Schweinen der Reinzuchtvariante und rückgekreuzten Tieren (R1) durchgeführt. Die 25 untersuchten Schädel vier Monate alter Tiere setzen sich aus 13 Reinzuchtminiaturschweinen und 12 ingezüchteten Miniaturschweinen zusammen (s. Tab. 2). Wie aus Tabelle 15 ersichtlich, befinden sich bei der Hälfte der Tiere beider Zuchtmethoden alle Milchzähne in Okklusion. Unterschiede bestehen zwischen den Rein- und Inzuchttieren lediglich darin, welche Zähne die Okklusionsebene noch nicht erreicht haben.

Tab. 15: Anzahl der Schädel vier Monate alter Reinzucht- und Inzuchttiere in verschiedenen Stadien bei der Ausbildung des vollständigen Milchgebisses

Von 13 Reinzucht- und sieben Rückkreuzungstieren im Alter von 6,5 Monaten wurden die Durchbruchstadien folgender Zähne des Oberkiefers verglichen: I3, C, P1, M1. Tabelle 16 stellt die Anzahl der Schädel in den jeweiligen Durchbruchstadien dar. Darin wird deutlich, daß bei allen Rückkreuzungstieren das jeweils betrachtete Durchbruchstadium des Zahnes erreicht war, was bei den Reinzuchttieren nicht bei jedem Schädel der Fall war. Ein statistisch gesicherter Unterschied im Durchbruchverhalten zwischen beiden Zuchtmethoden ergab sich aber lediglich bei P1 des Oberkiefers.


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Tab. 16: Anzahl der Schädel 6,5 Monate alter Reinzucht- und Rückkreuzungstiere in den jeweiligen Durchbruchstadien von I3, C, P1 und M1 des Oberkiefers

4.1.4. Abweichungen in der Zahnzahl

In der untersuchten Population des Berliner Miniaturschweines wurde keine Zahnüberzahl festgestellt.

Dagegen konnte Zahnunterzahl bei den untersuchten Schädeln bei folgenden Zähnen beobachtet werden: Id3, C, P1 und P2.

Id3 fehlt bei drei Schädeln jeweils im Oberkiefer, zweimal einseitig (Nr. A110, 1 Mon. und Nr. A22, 6,5 Mon.) bzw. einmal beidseitig (Nr. A18, 7,5 Mon.).

Bei einem Schädel eines 14 Monate alten Tieres (Nr. A93, Abb. 21) konnte kein Eckzahn in einer Unterkieferhälfte gefunden werden.

Der erste Prämolar im Oberkiefer fehlt bei folgenden sieben Schädeln:

Nr.

A127, 4

Monate - einseitig,

132, 4

Monate - einseitig,

21, 6,5

Monate - einseitig,

46, 6,5

Monate - beidseitig,

16, 7,5

Monate - beidseitig,

18, 7,5

Monate - beidseitig,

87, 38

Monate - einseitig.

P2 war einmal im Unterkiefer einseitig (Nr. A49, 36 Mon., Abb. 22) nicht vorhanden. Bei dem in Abbildung 23 dargestellten Schädel eines 7,5 Monate alten Tieres (Nr. A18) fehlten sowohl der obere P1 beidseitig als auch beide Id3 im Oberkiefer.


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Eine Häufung von Zahnunterzahl (mit Ausnahme P1 UK) konnte weder zwischen den verschiedenen Zuchtmethoden, Zuchtgruppen, Ebernachkommen bzw. zwischen männlichen und weiblichen Tieren festgestellt werden.

Ein Fehlen des P1 im Unterkiefer wurde bei allen Schädeln ab dritten Monat untersucht. In dieser Altersgruppe zeigte sich bei zwei Schädeln der beginnende Durchbruch des unteren P1. Somit konnten 122 Schädel, darunter 76 Reinzucht-, 16 Inzuchtminiaturschweine und 30 Rückkreuzungstiere in die Analyse einfließen. Dabei wurde bei 108 Schädeln, das entspricht 88,5 Prozent, beidseitig kein P1 im Unterkiefer festgestellt. Bei drei Schädeln (2,4%) fehlte dieser Zahn einseitig. Nach der Aufgliederung in die einzelnen Zuchtmethoden wurden die in Tabelle 17 dargestellten Werte ermittelt.

Tab. 17: Absolute und relative Anzahl der Schädel ohne P1 im Unterkiefer bei Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstieren

Wie aus der Tabelle 17 ersichtlich, ist bei den Rein- und Inzuchttieren der Anteil der Schädel ohne P1 im Unterkiefer sehr hoch. Demgegenüber weisen die Schädel der Rückkreuzungstiere einen deutlich geringeren Anteil an fehlenden ersten Prämolaren im Unterkiefer auf.

Zwischen Reinzucht- und Rückkreuzungstieren besteht ein statistisch gesicherter Unterschied beim Fehlen von P1. Gleichzeitig läßt sich eine Erhöhung des Anteils fehlender erster unterer Prämolaren von der ersten zur zweiten Rückkreuzungsgeneration feststellen, der aber statistisch nicht gesichert werden konnte.


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Abb. 21: Fehlen des rechten Eckzahnes und P1 im Unterkiefer, Nr. A93, 14 Monate

Abb. 22: Fehlen von P1 beidseitig und P2 links im Unterkiefer, Nr. A49, 36 Monate


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Abb. 23: Fehlen von Id3 und P1 im Oberkiefer, Nr. A18, 7,5 Monate

Abb. 24: Schädel mit P1 beidseits im Unterkiefer, Nr. A40, 13 Monate


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4.2. Okklusionsbeziehungen

4.2.1. Transversale Okklusionsbeziehungen

4.2.1.1. Transversale Okklusionsbeziehungen in den Altersgruppen

Aufgrund des Gebißstatus wurden die Untersuchungen der transversalen Okklusionsbeziehungen an den sekodonten Seitenzähnen bei Schädeln ab dritten Lebensmonat und an den bunodonten Seitenzähnen bei Schädeln von Tieren ab zweiten Lebensmonat vorgenommen.

Bei Schädeln des zweiten Lebensmonats zeigt sich an den bunodonten Seitenzähnen eine Okklusionsform die nach den Begriffen der Kieferorthopädie des Menschen zwischen Kopfbiß und einer Normalokklusion liegt, d.h. die bukkalen Flächen der Antagonisten stehen nicht genau übereinander, okkludieren aber auch nicht wie beim Menschen in Normalokklusion.

Die sich bei Schädeln drei Monate alter Tiere in Okklusion befindenden sekodonten Milchprämolaren okkludieren in folgender Weise: in beidseitiger Bukkalokklusion, beidseitigem Kopfbiß sowie in beiden Formen jeweils einseitig. Im Bereich der bunodonten Zähne wurden in dieser Altersgruppe dieselben Okklusionsbeziehungen wie bei den zwei Monate alten Tieren beobachtet.

Die Schädel von Tieren des vierten Lebensmonats zeigen im Bereich der sekodonten Milchprämolaren beidseitige Bukkal- und Lingualokklusion sowie bukkale Nonokklusion und jeweils einseitig Bukkal- und bukkale Nonokklusion sowie Bukkalokklusion und Kopfbiß. An den bunodonten Seitenzähnen wurde bei einem Schädel dieser Altersgruppe ein Kreuzbiß beidseitig an den vierten Milchprämolaren festgestellt. Ansonsten treten die schon bei zwei und drei Monate alten Tieren beobachteten Verhältnisse auf.

An den sekodonten Milch- und Dauerprämolaren der 6,5 Monate alten Tiere treten beidseitig ebenfalls Kopfbiß oder Bukkalokklusion auf. Außerdem wurde jeweils einseitig Kopfbiß bzw. Bukkalokklusion, Lingualokklusion bzw. Kopfbiß gefunden. Daneben gehört dieser Altersgruppe ein Schädel an, bei dem im Bereich Pd2/Pd2 Lingualokklusion und bei Pd2/Pd3 einseitig Bukkalokklusion bzw. Kopfbiß beobachtet wurde. Zwei Schädel weisen einseitig einen Kreuzbiß im Bereich der bunodonten Zähne auf, wobei in einem Fall der Schädel auf dieser Seite eine Lingualokklusion im Bereich aller sekodonten Seitenzähne zeigt. Alle anderen Schädel okkludieren an den bunodonten Zähnen in derselben Art und Weise, wie sie für die anderen Altersgruppen beschrieben wurden. Bei den Schädeln der Altersgruppe 7,5 Monate treten, neben den auch bei anderen


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Altersgruppen gefundenen Okklusionsbeziehungen (Kopfbiß beidseitig, Bukkalokklusion beidseitig, Kopfbiß einseitig mit einer Bukkal- oder einer bukkalen Nonokklusion), im Bereich der sekodonten Seitenzähne andere Formen der transversalen Okklusion auf. So wurde eine beidseitige Bukkalokklusion im Bereich P1/Pd2 und Kopfbiß an Pd2/Pd3 registriert. Außerdem zeigt sich bei einem Schädel eine Bukkalokklusion beidseitig, die aber einseitig im Bereich P1/Pd2 als bukkale Nonokklusion auftritt. Im Bereich der bunodonten Seitenzähne weisen vier Schädel dieser Altersgruppe einen Kreuzbiß, in drei Fällen einseitig und einmal auf beiden Seiten, auf. Ansonsten okkludieren die bunodonten Seitenzähne in der bereits beschriebenen Form.

Die Okklusion der sekodonten Milch- und Dauerprämolaren bei Schädeln zehn Monate alter Tiere gestaltet sich ebenfalls sehr verschieden. Es wurden Bukkalokklusion und Kopfbiß sowohl beidseitig, als auch jeweils einseitig beobachtet. Dabei ließ sich bei zwei Schädeln jeweils eine der beiden Okklusionsformen einseitig nur im Bereich P1/Pd2 feststellen, während die distaler liegenden Milchprämolaren wie auf der anderen Seite okkludieren. Weiterhin wurde jeweils einseitig Kopfbiß bzw. bukkale Nonokklusion, sowie Bukkal- bzw. Lingualokklusion registriert. Bei einem Schädel steht nur P1 (OK) lingual von Pd2 (UK) auf einer Seite, die anderen Zähne befinden sich in Bukkalokklusion. Außerdem tritt in dieser Altersgruppe in einem Fall beidseitig eine Bukkalokklusion im Bereich von P1/Pd2 sowie Kopfbiß an Pd2/Pd3 auf. Kreuzbiß einseitig im Bereich der bunodonten Zähne wurde in zwei Fällen beobachtet, wobei sich bei einem Schädel der Kreuzbiß in einer Lingualokklusion fortsetzt. Bei allen anderen Schädeln wurde ebenfalls die bei den zwei Monate alten Tieren beschriebene Okklusionsform festgestellt.

In der Altersgruppe 14 Monate wurde bei fast jedem Schädel eine andere Okklusionsbeziehung in der Transversalen im Bereich der sekodonten Zähne gefunden. Bei jeweils einem Schädel tritt eine Bukkal- bzw. Lingualokklusion an P1/Pd2 auf, die dann in einen Kopfbiß im Bereich Pd2/Pd3 übergeht. Auf beiden Seiten übereinstimmend wurde einmal eine bukkale Nonokklusion und ein Kopfbiß festgestellt, letzterer aber nur an P1/Pd2, da sich die anderen Prämolaren im Wechsel befinden. Bei zwei Schädeln dieser Altersgruppe okkludieren auf der rechten Seite P1 lingual von Pd2, die anderen sekodonten Milchprämolaren dieser Seite und alle auf der linken Seite befinden sich im Kopfbiß. Ähnlich stellt sich die Okklusionssituation eines anderen Schädels dar, bei dem P1 auf der linken Seite bukkal von Pd2 steht. In einem weiteren Fall befinden sich nur Pd2 und Pd3 auf einer Seite im Kopfbiß, währenddessen alle anderen Milchprämolaren mit schneidendem Kaurand bukkal okkludieren. Bei ei-


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nem weiteren Schädel wurde Kopfbiß auf einer Seite an P1/Pd2 und auf der anderen Seite an Pd2/Pd3 registriert, während die restlichen sekodonten Seitenzähne jeder Seite lingual okkludieren. Kreuzbiß an den bunodonten Zähnen tritt in dieser Altersgruppe bei zwei Schädeln beidseitig an Pd3, Pd4/Pd4 auf. Ansonsten okkludieren die bunodonten Seitenzähne wie in allen vorher genannten Altersgruppen.

Die 20 Monate und älteren Schädel zeigen ebenfalls vielfältige transversale Okklusionsbeziehungen im Bereich der sekodonten Seitenzähne. Bei den meisten Schädeln tritt zwischen den distaler liegenden Prämolaren Kopfbiß auf. So okkludieren die vorderen Prämolaren beidseitig bukkal oder es besteht eine bukkale Nonokklusion und an den hinteren wurde Kopfbiß beobachtet. In anderen Fällen wurde je einseitig eine Bukkal- bzw. bukkale Nonokklusion im Bereich der vorderen Prämolaren festgestellt. Bei einem Schädel wurde an P1/P2 Kopfbiß, an P2/P3 Bukkalokklusion und an P3/P4 wieder Kopfbiß beobachtet. In einem weiteren Fall geht eine bukkale Nonokklusion an P1/P2 jeweils einseitig in eine Bukkalokklusion bzw. einen Kopfbiß über. An den bunodonten Seitenzähnen wurde in dieser Altersgruppe bei sieben Schädeln ein Kreuzbiß im Bereich der ersten Molaren registriert, wobei bei einem Schädel auch P4 und M2 einbezogen sind. Die anderen bunodonten Zähne okkludieren in der Weise, wie es für die zwei Monate alten Tiere dargestellt wurde.

Die verschiedenen Okklusionsbeziehungen an den sekodonten Seitenzähnen innerhalb der Altersgruppen sind in Tabelle 18 zusammenhängend dargestellt. Zugunsten einer besseren Übersichtlichkeit wurden Schädel mit ähnlichen Okklusionsformen zusammengefaßt. Dabei enthält die Gruppe der Lingualokklusionen bzw. der bukkalen Nonokklusionen auch Schädel bei denen diese Okklusionsform nur an Einzelzähnen auftritt.

Die Häufigkeit des Auftretens von Kreuzbiß an den bunodonten Seitenzähnen wird in Tabelle 19 dargestellt.


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Tab. 18: Absolute und relative Anzahl der Schädel mit verschiedenen transversalen Okklusionsformen im Bereich der sekodonten Seitenzähne innerhalb der Altersgruppen

1 BO

= Bukkalokklusion beidseitig

2 Kob

= Kopfbiß beidseitig

3 BO/Kob

= Bukkalokklusion und Kopfbiß jeweils einseitig

4 BO>Kob

= Bukkalokklusion beidseitig übergehend in Kopfbiß beidseitig von mesial nach distal

5 BO-Kob

= Bukkalokklusion und Kopfbiß in verschiedenen Kombinationen

6 LO

= Lingualokklusion

7 BNO

= bukkale Nonokklusion

Tab. 19: Absolute und relative Anzahl der Schädel mit Kreuzbiß im Bereich der bunodonten Seitenzähne innerhalb der Altersgruppen


65

4.2.1.2. Transversale Okklusionsbeziehungen in der Population

Insgesamt wurden in die Untersuchung der transversalen Okklusionsbeziehungen an den sekodonten Seitenzähnen 121 Schädel einbezogen. In diesem Bereich ließen sich folgende, der Kieferorthopädie des Menschen entnommene Okklusionsformen feststellen: Bukkalokklusion (BO), Kopfbiß (Kob), bukkale Nonokklusion (BNO) und Lingualokklusion (LO). Diese Formen wurden sowohl beid-, als auch einseitig registriert. Dabei treten bis auf eine Ausnahme alle genannten Formen miteinander auf. Lediglich eine Lingualokklusion wurde nicht zusammen mit einer bukkalen Nonokklusion an einem Schädel beobachtet. Außerdem okkludieren auch die Prämolaren einer Seite in verschiedenen Varianten. In Tabelle 20 sind die auftretenden Formen transversaler Okklusion bei männlichen und weiblichen Tieren sowie für die gesamte Population dargestellt. Wie auch schon in Tabelle 18 wurden Schädel mit ähnlichen Okklusionsbeziehungen zu Gruppen zusammengefaßt. Eine beidseitige vollständige Lingualokklusion, d.h. an allen sekodonten Seitenzähnen, tritt nur einmal und eine bukkale Nonokklusion tritt an drei Schädeln beidseitig auf.

Tab. 20: Absolute und relative Anzahl verschiedener Okklusionsformen an den sekodonten Prämolaren bei männlichen und weiblichen Tieren sowie insgesamt (n=121)


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Deutliche Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren zeigen sich in der Ausprägung von einer Bukkalokklusion beidseitig übergehend in Kopfbiß beidseitig von mesial nach distal sowie bukkaler Nonokklusion.

Im Bereich der bunodonten Zähne wurden bei den untersuchten Schädeln des Berliner Miniaturschweines zwei Okklusionsformen festgestellt. Zum einen eine Form, die nach kieferorthopädischen Gesichtspunkten zwischen einem Kopfbiß und Normalokklusion liegt. Diese Form tritt bei allen Schädeln im Bereich der bunodonten Zähne auf, bis auf die Fälle, bei denen Einzelzähne im Kreuzbiß stehen. Somit ist Kreuzbiß die zweite festgestellte Form der transversalen Okklusion im Bereich der bunodonten Seitenzähne. Im Kreuzbiß befinden sich im Milchgebiß Pd4 und im Dauergebiß M1. Von den 131 untersuchten Schädeln weisen 19 Schädel (14,5%) einen Kreuzbiß auf. Kreuzbiß wurde sowohl beidseitig als auch einseitig festgestellt. Dabei konnte diese Okklusionsform bei 13 Prozent der männlichen und 22 Prozent der weiblichen Tiere registriert werden.


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Abb. 25: Kopfbiß im Bereich der sekodonten Seitenzähne (Pd2/Pd3), Nr. A62, drei Monate

Abb. 26: Kreuzbiß an Pd3, Pd4/Pd4 übergehend in eine Lingualokklusion an den sekodonten Seitenzähnen, Nr. A57, 14 Monate


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Abb. 27: Bukkale Nonokklusion an P1, P2/P2, P3, Nr. A3, 38 Monate

Abb. 28: Kreuzbiß an M1/M1 und bukkale Nonokklusion an P1/P2, Nr. A112, 38 Monate


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4.2.1.3. Betrachtung transversaler Okklusionsverhältnisse unter züchterischen Gesichtspunkten

Die im vorangegangenen Abschnitt für die untersuchte Population des Berliner Miniaturschweines gefundenen transversalen Okklusionsbeziehungen im Bereich der sekodonten Seitenzähne wurden innerhalb der Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstiere untersucht. Dabei konnten die in Tabelle 21 dargestellten Werte ermittelt werden. Für die Durchführung des Chi-Quadrat-Tests wurden alle Formen mit Bukkalokklusion bzw. Kopfbiß zusammengefaßt und der auftretenden Anzahl von Lingualokklusion und bukkaler Nonokklusion gegenübergestellt. Dabei ergaben sich keine Unterschiede zwischen Rein- und Inzuchttieren sowie Inzucht- und Rückkreuzungstieren. Ein signifikanter Unterschied wurde für dieses Merkmal zwischen Reinzuchtund Rückkreuzungstieren errechnet. Auffällig bei den Inzuchttieren ist der sehr hohe Anteil an Bukkalokklusionen und das Fehlen von Kopfbiß.

Tab. 21: Auftreten verschiedener transversaler Okklusionsbeziehungen (absolut und relativ) im Bereich der sekodonten Seitenzähne bei Reinzucht-, Inzuchtund Rückkreuzungstieren

Innerhalb der Reinzuchttiere erfolgte ein Vergleich der Zuchtgruppen gegeneinander (Tab. 22). Dabei ergaben sich keine signifikanten Unterschiede in der Ausprägung von Kopfbiß und Bukkalokklusion gegenüber Lingualokklusion und bukkaler Nonokklusion zwischen den einzelnen Zuchtgruppen.


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Tab. 22: Absoluter und relativer Anteil transversaler Okklusionsbeziehungen an den sekodonten Seitenzähnen innerhalb der Zuchtgruppen

Die Nachkommen von vier Ebern wurden auf ihre transversalen Okklusionsverhältnisse untersucht. Dabei konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Ebernachkommengruppen in der Ausprägung von Bukkalokklusion und Kopfbiß gegenüber Lingualokklusion und bukkaler Nonokklusion ermittelt werden. Bei den Nachkommen von Eber Nr. 395 fällt allerdings der hohe Anteil von Bukkalokklusion und das Fehlen von Kopfbiß auf.

Tab. 23: Absoluter und relativer Anteil transversaler Okklusionsbeziehungen der Nachkommen verschiedener Eber

Im Bereich der bunodonten Seitenzähne wurde ein Vergleich von Reinzucht-, Inzuchtund Rückkreuzungstieren in der Anzahl der Tiere mit bzw. ohne Kreuzbiß durchgeführt (Tab. 24). Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Zuchtmethoden in der Ausprägung dieses Merkmals.


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Tab. 24: Anzahl der Tiere mit bzw. ohne Kreuzbiß im Vergleich der Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstiere

Innerhalb der Reinzuchttiere wurden bei der Untersuchung der transversalen Okklusionsverhältnisse an den bunodonten Seitenzähnen die in Tabelle 25 folgenden Ergebnisse ermittelt. Die statistische Auswertung erbrachte keine Unterschiede beim Test der einzelnen Zuchtgruppen gegeneinander.

Tab. 25: Vergleich der Kreuzbißhäufigkeit zwischen den Zuchtgruppen

4.2.2. Vertikale Okklusionsbeziehungen

Innerhalb der untersuchten Population des Berliner Miniaturschweines wurde in keinem Fall eine abweichende vertikale Okklusion im Frontzahngebiet festgestellt.

Im Seitenzahngebiet tritt in zwei Fällen eine vertikale Verkürzung eines jeweils einzelnen Zahnes auf. Beide Verkürzungen wurden am vierten Prämolaren im Oberkiefer je einmal links bzw. rechts beobachtet. Es handelt sich um über 20 Monate alte Tiere. Bei Schädel Nr. A86 (Abb. 29) liegt ein Engstand vor, aufgrunddessen der P4 die Okklusionsebene nicht erreicht. Bei Schädel Nr. A138 (Abb. 30, 31) ist der P4 distal gedreht und mesial gekippt, und wird außerdem von einem persistierenden Milchzahn behindert. Bei beiden Tieren handelt es sich um Zuchtsauen, deren untersuchte Nachkommen aber keine abweichenden vertikalen Okklusionsbeziehungen aufweisen.


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Abb. 29: Engstand und vertikale Verkürzung des oberen P4 links, Nr. A86, 40 Monate

Abb. 30: Distaldrehung und Mesialkippung des P4 OK rechts mit vertikaler Verkürzung, Nr. A138, 24 Monate


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Abb. 31: Schädel wie Abbildung 30, okklusale Seite, persistierender Milchzahn


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4.2.3. Sagittale Okklusionsbeziehungen

4.2.3.1. Darstellung der sagittalen Okklusionsbeziehungen in den Altersgruppen

Bei den Schädeln der einen Tag alten Tiere wurde aufgrund des Gebißstatus keine Okklusionsbeziehung bestimmt. Es wurde lediglich beobachtet, daß sich bei allen Schädeln dieser Altersgruppe die oberen dritten Milchschneidezähne und die unteren Milcheckzähne in Kontakt befinden (Abb. 32).

In der Altersgruppe des ersten Lebensmonats okkludieren im Frontzahnbereich 80 Prozent der Schädel normal. In zwei Fällen wurde Kopfbiß und einmal eine progene Verzahnung ermittelt. Im Eckzahnbereich ist bei 55 Prozent der Schädel der Milcheckzahn beidseitig mesial verzahnt. Eine mesiale Verschiebung auf beiden Seiten von 1/1 Zahnbreite weist ein Schädel auf. In drei Fällen wurde eine normale Verzahnung der Eckzähne festgestellt. Im Seitenzahngebiet wurden in dieser Altersgruppe keine anomalen Okklusionen gefunden.

Die Schädel von Tieren des zweiten Lebensmonats weisen eine normale Okklusion in der Front zu 80 Prozent auf. Je einmal tritt progene Verzahnung sowie Kopfbiß auf. Im Bereich der Milcheckzähne wurde bei vier Schädeln beidseitig eine neutrale Verzahnung festgestellt. Drei Schädel zeigen beidseitigen Mesialbiß um 1/2 Zahnbreite, die restlichen einseitige mesiale bzw. neutrale Verzahnung. In dieser Altersgruppe tritt ausschließlich Neutralbiß im Seitenzahngebiet auf.

Bei den Schädeln drei Monate alter Tiere konnte im Frontzahnbereich, neben je einem Kopfbiß und progener Verzahnung, Normalokklusion festgestellt werden. Im Eckzahnbereich tritt bei der Hälfte der Schädel eine normale Verzahnung auf. Vier Schädel sind beidseitig mesial um ½Zahnbreite verzahnt und zwei einseitig neutral bzw. mesial. Im Seitenzahngebiet konnte keine anomale Stellung der Zähne ermittelt werden.

In der Altersgruppe vierter Lebensmonat wurde im Frontzahngebiet bei 44 Prozent der Schädel eine normale Stellung der Schneidezähne zueinander beobachtet. 36 Prozent zeigen progene Verzahnung und in vier Fällen tritt Kopfbiß auf. In dieser Altersgruppe wurde bei einem Schädel eine Progenie festgestellt. Im Eckzahngebiet weist die Hälfte der Schädel normale Verzahnungen auf. Sieben Schädel okkludieren beidseitig mesial, davon beträgt in einem Fall die mesiale Verschiebung 1/1Zahnbreite. Bei fünf Schädeln tritt eine einseitig neutrale bzw. mesiale Verzahnung mit Verschiebung um 1/2 Zahnbreite auf. Im Seitenzahngebiet gibt es keinen Schädel mit abweichenden Okklusionsverhältnissen.

Bei den 6,5 Monate alten Tieren zeigt sich im Frontzahngebiet bei 30 Prozent der Schädel ein Neutralbiß. 55 Prozent weisen eine progene Verzahnung auf und bei drei Schä-


75

Abb. 32: Schädel eines einen Tag alten Tieres, Nr. A144

Abb. 33: Schädel eines einen Monat alten Tieres (Nr. A75) mit Kopfbiß in der Front, Mesialverschiebung um 1/1 Zahnbreite im Eckzahnbereich und Neutralokklusion im Seitenzahngebiet


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Abb. 34: Schädel eines zwei Monate alten Tieres (Nr. A80) mit Normalbiß in der Front, Mesialverschiebung um 1/2 Zahnbreite an den Eckzähnen und Neutralokklusion im Seitenzahngebiet

Abb. 35: Drei Monate altes Miniaturschwein (Nr. A59) mit neutraler Verzahnung im Front-, Eck- und Seitenzahngebiet


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deln wurde Kopfbiß gefunden. Im Eckzahnbereich ist die Hälfte der Schädel beidseits neutral verzahnt. Drei Schädel weisen eine einseitig mesiale bzw. neutrale Okklusion auf. Bei einem Schädel dieser Altersgruppe tritt einseitig eine Mesialokklusion um 1/1 Zahnbreite auf. In dieser Altersgruppe ist in jedem Fall im Seitenzahngebiet eine Normalokklusion festgestellt worden.

In der Altersgruppe 7,5 Monate sind in der Front zwei Drittel der Schädel progen verzahnt, ein Drittel weist Normalbiß auf. Es liegt in keinem Fall Kopfbiß vor. Im Bereich der Eckzähne sind 35 Prozent der Schädel beidseitig neutral verzahnt. In drei Fällen tritt eine einseitig mesiale Verschiebung um 1/2 Zahnbreite und Neutralbiß auf der jeweils anderen Seite auf. Bei den anderen Schädeln wurde eine beidseitig mesiale Verzahnung, davon in einem Fall einseitig um 1/1 Zahnbreite festgestellt. Alle Schädel zeigen im Seitenzahngebiet eine Neutralokklusion.

Bei den zehn Monate alten Tieren tritt im Frontzahngebiet bei zwei Schädeln eine normale Verzahnung auf. 62 Prozent der Schädel zeigen progene Verzahnung und bei vier Schädeln wurde Kopfbiß festgestellt. Im Bereich der Eckzähne sind 43 Prozent der Schädel beidseitig mesial verzahnt. Ein Schädel weist eine beidseitige und ein weiterer eine einseitige mesiale Verzahnung um 1/1Zahnbreite auf. Bei drei Schädeln wurde eine Normalokklusion beidseits und bei vier Schädeln einseitig mit einer mesialen Verzahnung um 1/2 Zahnbreite auf der anderen Seite festgestellt. Im Seitenzahngebiet wurden in dieser Altersgruppe keine anomalen Okklusionsverhältnisse ermittelt.

In der Altersgruppe der 14 Monate alten Tiere konnte im Bereich der Frontzähne keine normale Okklusion beobachtet werden. Es kommt zu 78 Prozent eine progene Verzahnung und in zwei Fällen Kopfbiß vor. Die Eckzähne stehen bei der Hälfte der Schädel beidseitig mesial mit einer Verschiebung um 1/2 Zahnbreite. Zwei Schädel zeigen eine normale Verzahnung und in einem Fall wurde eine jeweils einseitige neutrale bzw. mesiale Verzahnung gefunden. Ein Schädel dieser Altersgruppe weist eine distale Verzahnung im Eckzahnbereich um 1/2 Zahnbreite auf. Im Seitenzahngebiet okkludieren die Zähne in allen Fällen neutral.

In der Gruppe der 20 Monate alten und älteren Tiere tritt in der Front keine normale Okklusion auf. 85 Prozent der Schädel sind progen verzahnt, in zwei Fällen wurde Kopfbiß festgestellt. Im Bereich der Eckzähne zeigen 38 Prozent der Schädel neutrale Okklusionsverhältnisse. In drei Fällen sind die Eckzähne jeweils einseitig neutral bzw. mesial um ½ Zahnbreite verzahnt. Von den fünf beidseits mesial verzahnten Schädeln beträgt die Verschiebung in einem Fall 1/1Zahnbreite. Im Seitenzahngebiet tritt je einmal beidseitig bzw. einseitig Mesialbiß auf. Alle anderen Schädel sind in diesem Bereich neutral verzahnt.


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Abb. 36: Vier Monate altes Inzuchttier (Nr. A117, F = 0,250) mit Progenie in der Front, m 1/1 an den Eckzähnen und Neutralbiß an den Seitenzähnen

Abb. 37: Schädel eines 6,5 Monate alten Tieres (Nr. A47) mit progener Verzahnung in der Front und Neutralokklusion im Eck- und Seitenzahnbereich


79

Abb. 38: 7,5 Monate altes Tier (Nr. A35) mit progener Verzahnung in der Front, m 1/2 im Eckzahnbereich und Neutralokklusion im Seitenzahngebiet

Abb. 39: Zehn Monate altes Miniaturschwein (Nr. A105) mit neutraler Verzahnung im Front-, Eck- und Seitenzahngebiet


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Abb. 40: 14 Monate altes Tier (Nr. A57) mit Kopfbiß in der Front, Distalverschiebung um 1 /2 Zahnbreite an den Eckzähnen und Neutralokklusion im Seitenzahngebiet

Abb. 41: Schädel eines 20 Monate alten Tieres (Nr. A25) mit progener Verzahnung in der Front, m 1/1 im Eckzahnbereich und Mesialokklusion im Seitenzahngebiet


81

4.2.3.2. Sagittale Okklusionsbeziehungen im Frontzahngebiet

Bei der Untersuchung der sagittalen Okklusionsverhältnisse bei 133 Schädeln in der Front konnten Normalverzahnung, Kopfbiß, progene Verzahnung und Progenie festgestellt werden. Dabei tritt eine progene Verzahnung innerhalb der Population häufiger als ein Normalbiß auf. Nach Betrachtung von Tabelle 26 wird ersichtlich, daß der Anteil an normalen Verzahnungen in der Front mit zunehmendem Alter abnimmt bzw. bei über 14 Monate alten Tieren kein Normalbiß in der Front beobachtet werden konnte. Dagegen erhöht sich der Anteil progener Verzahnungen mit zunehmendem Alter. Bei einer Gegenüberstellung des Anteils von Normalbissen zu anomalen Bißverhältnissen (Kopfbiß, progene Verzahnung, Progenie) in drei Alterskategorien (1 - 4, 6,5 \|-\|10 sowie über 14 Monate) ließ sich diese Altersabhängigkeit auch statistisch sichern. Kopfbiß wurde bei den untersuchten Schädeln 21mal (14,8%) ermittelt. Innerhalb der Altersgruppen trat diese Okklusion aber in unterschiedlicher Anzahl auf. Eine Progenie, also das Vorstehen des Unterkiefers gegenüber dem Oberkiefer, ist bei einem Schädel eines vier Monate alten ingezüchteten Tieres mit einem Inzuchtkoeffizientenvon F = 0,250 zu sehen (Abb. 37).

Tab. 26: Verteilung (absolut und relativ) verschiedener Okklusionsbeziehungen im Frontzahnbereich innerhalb der Altersgruppen (n = 133)


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Die Ausprägung der sagittalen Frontzahnokklusion zwischen 6,5 bis zehn Monate alten männlichen und weiblichen Miniaturschweinen (Tab. 27) zeigte keinen statistisch gesicherten Unterschied.

Tab. 27: Vergleich der sagittalen Okklusionsbeziehungen in der Front zwischen männlichen und weiblichen Tieren der Alterskategorie 6,5 bis zehn Monate

Ein Vergleich zwischen ein bis vier Monate alten Rein- und Inzuchttieren ergab keinen statistisch gesicherten Unterschied in der Ausprägung der sagittalen Frontzahnbeziehung.

Die Gegenüberstellung vier Monate alter Reinzuchttiere und Inzuchtminiaturschweinen verschiedenen Inzuchtgrades erbrachte die in Tabelle 28 dargestellten Werte. So zeigen die Inzuchttiere einen geringeren Anteil an Normalbissen in der Front gegenüber den Reinzuchtminiaturschweinen. Bei einem Vergleich der Inzuchttiere verschiedenen Inzuchtgrades konnte festgestellt werden, daß bei den Schädeln von Tieren mit einem Inzuchtgrad von F = 0,125 die verschiedenen Okklusionsformen annähernd so häufig auftreten, wie bei den Reinzuchttieren, dagegen aber bei den Tieren mit einem Inzuchtgrad von F = 0,250 keine normalen Verzahnungen vorkommen.

Tab. 28: Absolute und relative Häufigkeit des Auftretens verschiedener Okklusionsformen in der Front bei vier Monate alten Rein- und Inzuchttieren insgesamt sowie verschiedener Inzuchtgrade


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Der Chi-Quadrat-Test bei 6,5 bis zehn Monate alten Reinzucht- und Rückkreuzungstieren zeigte, daß zwischen diesen beiden Zuchtmethoden kein Unterschied in der Ausprägung der sagittalen Frontzahnokklusion besteht. Der Berechnung lagen die in Tabelle 29 folgenden Werte zugrunde.

Tab. 29: Vergleich 6,5 bis zehn Monate alter Reinzucht- und Rückkreuzungstiere in der Ausprägung der sagittalen Frontzahnbeziehung

1 umfaßt Kopfbiß sowie progene Verzahnung

Einige Ebernachkommengruppen wurden gegeneinander getestet. Aufgrund der Altersabhängigkeit erfolgte ein Vergleich an Nachkommen desselben Altersabschnittes. Von zwei Ebern (Nr. 88, Nr. 254), deren Nachkommen untersucht wurden, waren außerdem die Schädel vorhanden, so daß die Ausprägung dieses Merkmals beim Vatertier bekannt war. Einer dieser Eber wies Kopfbiß (Nr. 88), der andere eine progene Verzahnung (Nr. 254) auf. In Tabelle 30 ist die Anzahl der Nachkommen mit den jeweiligen sagittalen Frontzahnbeziehungen dargestellt. Die statistische Auswertung ergab keinen signifikanten Unterschied zwischen den Nachkommen beider Eber, obwohl die Nachkommen des Ebers Nr. 88 (Kopfbiß) einen deutlich geringeren Anteil an progenen Verzahnungen aufweisen.

Tab. 30: Untersuchung der Nachkommen der Eber Nr. 88 und Nr. 254 auf sagittale Frontzahnbeziehungen


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Weiterhin wurden die Nachkommen des gleichen Altersabschnittes der Eber Nr. 441, Nr. 375 und Nr. 395 jeweils gegeneinander getestet, wobei sich aber keine signifikanten Unterschiede in der Ausprägung der sagittalen Frontzahnokklusion bei den Nachkommen zeigte.

4.2.3.3. Darstellung der sagittalen Okklusionsbeziehungen im Bereich der Eckzähne

Im Bereich der Eckzähne wurden bei 130 in die Untersuchungen einbezogenen Schädeln verschiedene Verzahnungsmöglichkeiten beobachtet. Es treten neutrale Okklusionen beidseitig (nn), einseitig neutrale bzw. mesiale Verzahnungen mit Verschiebung um 1/2 Zahnbreite (nm 1/2 ), beidseitig mesiale Verschiebungen um 1/2 bzw. 1/1 Zahnbreite (m1/2 \|-\|m 1/2 bzw. m 1/1 \|-\|m 1/1 ), mesiale Verschiebungen je einseitig um 1/2 bzw. 1/1 Zahnbreite (m 1/2 -m1/1 ) sowie eine beidseitige distale Verschiebung um 1/2 Zahnbreite (d1/2 -d1/2 ) auf. Die zahlenmäßige Verteilung in den Altersgruppen bezogen auf die eben genannten, in der untersuchten Population auftretenden Variationen der Verzahnung, ist in Tabelle 31 dargestellt.

Innerhalb der untersuchten Population zeigte sich die Ausprägung von beidseitig neutralen Verzahnungen am häufigsten (40%). Beidseitig mesiale Verschiebungen um 1/2 Zahnbreite traten in etwas geringerem Umfang (34%) auf. Einseitig neutrale bzw. mesiale Verzahnungen mit einer Verschiebung um 1/2 Zahnbreite waren mit 20 Prozent vertreten. Dabei ist die Häufigkeit des Auftretens dieser drei Verzahnungsmöglichkeiten innerhalb der Altersgruppen unterschiedlich und zeigt außer bei den einen Tag bzw. einen Monat alten Tieren keine eindeutige Tendenz zu einer Verzahnungsmöglichkeit. Es besteht keine Altersabhängigkeit. Eine einseitige Verschiebung um 1/2 Zahnbreite tritt zu 82 Prozent auf der linken Seite auf. Alle anderen vorkommenden Verzahnungsmöglichkeiten im Eckzahnbereich sind nur in einem geringen Umfang ausgeprägt.


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Tab. 31: Absolute und relative Häufigkeit verschiedener Verzahnungen im Eckzahnbereich innerhalb der Altersgruppen

Der Vergleich männlicher und weiblicher Rein- und Inzuchtminiatuschweine in der Ausprägung der sagittalen Okklusion der Eckzähne erbrachte die in Tabelle 32 sichtbaren Ergebnisse.

Tab. 32: Anzahl männlicher bzw. weiblicher Tiere mit verschiedenen sagittalen Okklusionsbeziehungen im Eckzahnbereich

Die Häufigkeit des Auftretens der verschiedenen Okklusionsbeziehungen im Bereich der Eckzähne wurde innerhalb der Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstiere untersucht. Die Ergebnisse sind in Tabelle 33 dargestellt. Daraus wird ersichtlich, daß der prozentuale Anteil der drei am häufigsten auftretenden Verzahnungen, also beidseitig neutral bzw. mesial um 1/2 Zahnbreite, sowie je einseitig neutral und mesial um 1/2 Zahnbreite, bei den Reinzuchtminiaturschweinen nicht wesentlich vom Wert der Gesamtpopulation abweicht. Die Inzuchttiere weisen dagegen einen höheren Anteil an beidseitigen mesialen Ver- und einen etwas geringeren Anteil an je einseitig neutralen bzw. mesialen Verzahnungen gegenüber der Gesamtpopulation auf. Die Rückkreuzungstiere liegen bei den drei häufigsten Verzahnungsarten jeweils etwas unter den Werten der Gesamtpopulation, wogegen ein verstärktes Vorkommen von ein- bzw. beidseitigen mesialen Verschie-


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bungen um 1/2 Zahnbreite sichtbar wird. Außerdem wurde ein Distalbiß beidseits um 1/2 Zahnbreite bei einem Tier der ersten Rückkreuzungsgeneration festgestellt. Die Verzahnung der Eckzähne der Reinzucht- und Rückkreuzungstiere erwies sich als signifikant unterschiedlich. Dabei wurden nn, nm 1/2 und m 1/2 \|-\|m 1/2 mit m 1/2 \|-\|m 1/1 , m 1/1 \|-\|m 1/1 und d 1/2 \|-\|d 1/2 verglichen.

Tab. 33 Absolute und relative Anzahl von Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstieren mit verschiedenen Verzahnungsmöglichkeiten im Eckzahnbereich

Eine Betrachtung der fünf Zuchtgruppen innerhalb der Reinzuchttiere ergab die in Tabelle 34 dargestellten Ergebnisse. Dabei werden teilweise stark vom Durchschnitt der Reinzuchttiere abweichende Anteile der drei am häufigsten vorkommenden Verzahnungsmöglichkeiten im Eckzahnbereich sichtbar.


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Tab. 34: Absolute und relative Häufigkeit verschiedener Verzahnungen im Eckzahnbereich innerhalb der fünf Zuchtgruppen

Auch die Untersuchung der Nachkommen der verschiedenen Eber im Hinblick auf Verzahnungen im Eckzahnbereich (Tab. 35), zeigte zumTeil ziemlich erheblich vom Wert der Reinzuchttiere differierende Ausprägungen von beidseits neutralen bzw. mesialen und je einseitig neutralen und mesialen Verzahnungen. Besonders auffallend ist, daß die Nachkommen von Eber Nr. 376 keine beidseitig neutralen Okklusionen aufweisen und verstärkt mesiale Verschiebungen um 1/1 Zahnbreite auftreten. Die Nachkommen dieses Ebers sind größtenteils Rückkreuzungstiere, was auch bei den Nachkommen von Eber Nr. 234 ausschließlich der Fall ist.

Tab. 35: Absoluter und relativer Anteil verschiedener Verzahnungen im Eckzahnbereich von Nachkommen mehrerer Eber


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4.2.3.4. Sagittale Okklusionsbeziehungen im Seitenzahngebiet

Bei der Untersuchung der Okklusionsbeziehungen im Seitenzahngebiet wurden neutrale und mesiale Verzahnungen festgestellt. Bei 142 in diesem Bereich untersuchten Schädeln tritt in zwei Fällen eine mesiale Okklusion auf. Alle anderen Schädel sind im Seitenzahngebiet neutral verzahnt. Beide Schädel mit einer Mesialverschiebung um 1/2Molarenbreite, die je einmal beidseitig (Schädel Nr. A25, Abb. 41) bzw. einseitig rechts (Schädel Nr. A86) auftritt, stammen von über 20 Monate alten Zuchtsauen. Alle der jeweils sieben untersuchten Nachkommen dieser beiden Sauen sind im Seitenzahngebiet neutral verzahnt.


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